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Pauline Gondek , AIT-Stipendiatin der STO-Stiftung 2022/2023

Pauline Gondek studiert Interior Architecture an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule in Halle. Nach ihrem Master möchte Sie zunächst ein soziales Projekt in Brasilien leiten und danach als Innenarchitektin tätig werden. Sie könnte es sich aber auch vorstellen, im Rahmen einer Promotion in die Forschung zu gehen.

Für das Interior Scholarship 2022/23 – das AIT-Stipendium der Sto-Stiftung – hat sie sich mit ihrem Portfolio sowie einer Bearbeitung der diesjährigen Stegreifaufgabe „Atmosphärische Räume“ beworben. Sie ist eine der vier Stipendiat*innen des mit insgesamt 24.000 Euro dotierten Interior Scholarship. Das Stipendium ermöglicht es Pauline Gondek, sich „unabhängig von finanziellen Sorgen ausschließlich auf [ihr] Studium zu fokussieren [und] durch das Stipendium neue Kontakte zu Gleichgesinnten zu knüpfen, die über die vier Wände der Hochschule hinaus gehen.“

 

„In meinen Arbeiten bewege ich mich zwischen Kunst, Design und Architektur. Ich liebe es, durch den Kontrast von Formen, Farben und Materialien innovative Konzepte mit gesellschaftlich relevanten Themen zu erarbeiten. Meine Erfahrungen, aber auch mein Denken und Handeln, wurden durch meine Reisen geprägt. Während meines einjährigen Aufenthalts in Brasilien und meiner Reiseerfahrungen in anderen Ländern, wie zum Beispiel meinem zweiwöchigen Designworkshop im Libanon, habe ich gelernt, die Welt aus den Perspektiven anderer Kulturen und Gesellschaftsschichten zu sehen. Ich finde es wichtig, meinen Alltag und meine Komfortzone manchmal zu verlassen, um mit neu gewonnenen Gedanken und Ansichten zurückzukehren und diese in meine Projekte einfließen zu lassen. In der Innenarchitektur sehe ich die Chance, mit nachhaltigen Konzepten mehr ökologisches Bewusstsein in den Alltag zu etablieren. In Zukunft sollte Nachhaltigkeit keine Option, sondern eine Selbstverständlichkeit sein. Ich bin mir sicher, dass durch gute Design- und Innenarchitekturkonzepte, genau diese Denkprozesse in der Gesellschaft angeregt werden können!“

 

„SCHATTENRÄUME“
Stegreifentwurf Erläuterung

Geplant ist eine Skulptur für den öffentlichen Raum. Aus den Grundformen Kreis und Quadrat setzt sich die Skulptur zusammen und es entstehen Sitzflächen, Wände und Dächer. Durch den Sonneneinfall auf die Skulptur entsteht ein Schlagschatten auf dem Boden. Die Schattenformen auf dem Boden definieren den Raum und es entstehen Schattenräume zwischen der Skulptur und ihrem Schlagschatten. Zudem werfen die Formen Eigenschatten. Durch Schlag- und Eigenschatten entstehen unterschiedliche Nuancen der Dunkelheit, die die Formen der Skulptur widerspiegeln. Je nach Tageszeit und Lichteinfall verändern und bewegen sich die Schattenräume und die Nuancen der Dunkelheit – wie auch die Menschen, die diesen Ort nutzen, sich bewegen und wechseln. Zwischen Licht und Schatten entsteht eine Atmosphäre der Bewegung und der Begegnung. Die Skulptur soll als Ort dienen, an dem Menschen, egal aus welcher Schicht oder mit welcher Herkunft, aufeinander treffen und ihrem gleichen Bedürfnis nachkommen – der Suche nach einem atmosphärischen Schattenplatz.

 

Juryurteil:
Die Arbeiten von Pauline Gondek zeichnen sich durch ein hohes Maß an Sensibilität aus. Ihre Methode, Innenarchitektur, Kunst und Design miteinander zu verbinden, gibt ihrer Arbeit Tiefe und lässt sie spannende Ansätze entwickeln. Das interdisziplinäre Wirken führt zu besonderen Gedanken, Herangehensweisen, Fragestellungen und Lösungen, die Paulines Arbeiten ausstrahlen.

Die Jury hat besonders der Entwurf „SIDE +” begeistert, ein im positiven Sinne unaufgeregtes, modaleres Basismöbel mit gut durchdachten und gestalteten Details, das sich in viele Räume auf selbstverständliche Art und Weise integrieren lässt. Besonders die Möglichkeit, die Module durch eine Steckverbindung unendlich zu erweitern, macht dieses Möbel zu einem spannenden Objekt für öffentliche Räume oder Offices.

Ebenso bringt Pauline Gondek ein sehr gutes Gespür für Farben und Materialität mit und präsentiert ihre Arbeiten stilsicher und professionell mit einem guten Auge für Fotografie.

Wir freuen uns sehr, Pauline Gondek mit dem Stipendium zu unterstützen und sind gespannt, wie sich ihre Arbeit in den nächsten Jahren weiter entwickelt!

 

Der Stegreif:
Atmosphärische Räume
Dunkelheit und Zwischenformen wie Nebel, Dunst und Dämmerung besitzen oft mystischen und geheimnisvollen Charakter. Sie wirken beschützend und verunsichernd zugleich. Phänomenologie, Poesie und Magie sind Indikatoren ihrer außergewöhnlichen Präsenz. Sie wirken narrativ, assoziativ und transzendent. Die Geometrie von Räumen interagierend, oszilliert die Raumwahrnehmung im Dunkeln zwischen Materialität und Immaterialität, Grenzen und Öffnungen, Nähe und Weite. Sie sind still und introvertiert und konträr dem gängigen architektonischen Streben nach lichtdurchfluteten Räumen.

Die Ästhetik des Dunkelns und ihre Qualitäten sind mehr und mehr in den Hintergrund gerückt. Fast könnte man auch von einem Verlust dunkler Räume sprechen. Vielleicht nimmt der dunkle Raum in der soziokulturellen Entwicklung zukünftig auch wieder eine bedeutendere Rolle ein. Im Vergleich zum Licht wirkt die Dunkelheit wie eine Masse, der man raumchoreographisch, gestaltend anders begegnen muss, um ihre Qualitäten zu inszenieren. Das ist herausfordernd und spannend zugleich. Auf der Suche nach außergewöhnlichen, qualitätsvollen „dunklen“ durch komponierte Lichteinfälle inszenierte Räume in neuen Kontexten und das Manifestieren auch in alltäglichen Situationen ist die Aufgabe.

In Form von individuell ausgewählten, das Konzept unterstützenden Darstellungstechniken, wie Visualisierungen, Modellfotos, Collagen, Zeichnungen, Skizzen oder Filmsequenzen soll ihre eigenständige, persönliche Idee veranschaulicht werden. Ergänzen Sie diese textlich.


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