Blog AIT-ArchitekturSalon

Nachbericht Baulückenspaziergang Kreativpark

Mit: bez + kock architekten, Staab Architekten, steidle architekten

Der AIT-ArchitekturSalon lud am 21. Oktoberber 2022 zum siebten Baulückenspaziergang in München ein. Zum dritten Mal schon führte uns die Tour in das Areal rund um das Kreativquartier. Am Freitag, 10. Dezember 2021 begrüßten wir Sie schon zum Baulückenspaziergang „Schwere-Reiter-Straße“. Hier geht es zum Nachbericht. Und am 25. Februar 2022 trafen wir uns zum Baulückenspaziergang „Kreativquartier“ – wie es war, lesen Sie hier.
Diesmal besuchen wir drei weitere spannende Projekte im südlichen Teil des Areals.

Die Hochschule München (LOT) zeigte uns Jan Holländer von Staab Architekten aus Berlin. Hier passierten schon von einiger Zeit Sanierungs-, Anpassungs-, Brandschutz- und Energiesparmaßnahmen am Gebäude der Lothstr. 17 für die Fakultät für Design. Das Zeughaus an der Lothstraße, ein militärischer Prachtbau aus dem Jahr 1866, wurde für die Design-Fakultät der Hochschule München umgebaut und um einen Anbau erweitert. Ziel des Konzeptes war es, die verloren gegangene Raumkomposition des Gebäudes wiederherzustellen und mit wenigen gestalterischen Mitteln an die neue Nutzung anzupassen. Mit reduzierten Materialien und mit deren klar konzipiertem Einsatz gelang es die Bausubstanz zu würdigen und doch ein modernes, gut nutzbares Gebäude zu schaffen. Ben Wirth kreierte in der Eingangshalle und im Atelierraum Lichtinstallationen, die den Raum nicht nur erhellen, sondern in ihrer Gestaltung und Nutzung künstlerisch unterstreichen. Er begleitete uns als Gast auf dem Streifzug durch das Quartier.

Nach einem Spaziergang Richtung Norden entlang der Dachauer Straße gelangte die Gruppe zur Jutier- und zu Tonnenhalle. Eva Caspar gewährte uns einen letzten Blick in die beeindruckenden Gebäude bevor sie von bez + kock architekten aus Stuttgart demnächst umgebaut werden. Die künftige Nutzung der beiden 1926 erbauten, denkmalgeschützten Industriehallen bildet den kulturellen Schwerpunkt im neuen Kreativquartier Münchens. Der Werkstattcharakter, der sich durch die Konservierung der alten Gebäudehüllen ergibt, soll sich dem Besucher nicht nur in der Außenwirkung, sondern auch in den Innenräumen erschließen, weshalb dem Erhalt der Tragwerksstrukturen sowie der originalen Oberflächen und Einbauten eine besondere Bedeutung zukommt. Beide Hallen werden demzufolge nach dem Haus–in–Haus–Prinzip organisiert, bei dem die Zwischenräume von historischer Hülle und neuem Einbau als Foyer- und Erschließungsflächen fungieren. Die filigrane Tonnenhalle nimmt in ihrem bandartig, achsialausgeprägten Grundriss einen großen Konzertsaal, kleinere Mehrzwecksäle sowie Gastronomieflächen auf. Die eher skulptural geprägte Jutierhalle wird mit einem modularen System von koppelbaren Atelierboxen bespielt, welches die Erlebbarkeit des Raumkontinuums der Halle auch künftig gewährleistet. Es entstehen vielfältig nutzbare Co-working Spaces innerhalb, zwischen und auf den Raummodulen.

Wir gingen zuletzt in Richtung Südwesten zum neuen Gründer- und Innovationszentrum  „Munich Urban Colab“. Wir erkundeten gemeinsam mit Johann Spengler von steidle architekten das Bauwerk, das von Außen so schlicht erscheint und von Innen doch so reizvolle und innovative Orte aufspannt. In Anlehnung an die denkmalgeschützte Tonnenhalle und Jutierhalle wurde hier ein im Maßstab verwandter, mehrgeschossiger Hallentypus formuliert. Durch das zentrale, zweigeschossige Foyer konnte in Verbindung mit dem Seminarbereich im ersten Obergeschoss, der Arena und dem Café ein abwechslungsreicher und flexibel nutzbarer Eventbereich geschaffen werden. Von der Nutzerseite erläuterte Mark Stabel wie das Gebäude angenommen und bespielt wird.

Nach dem Rundgang bot sich die Gelegenheit für alle Gäste im Flash Gordon, dem hauseigenen Bistro, bei einem Glas Wein und handgemachten Sauerteig-Focaccia-Cuts die Kontakte zu vertiefen und die Themen des Baulückenspaziergangs Kreativpark noch einmal aufzugreifen.

Lesen Sie hier noch einmal die Ankündigung des Baulückenspaziergangs Kreativpark.

Klicken Sie hier für weitere Informationen zum Programm und zu den Referent*innen.


Programm

15:30 Uhr | Treffpunkt: Haupteingang Fakultät für Design – Hochschule München, Lothstraße 17, 80335 München
16:00 Uhr | Begrüßung AIT-ArchitekturSalon
16:10 Uhr | Beitrag Jan Holländer, LOT, Staab Architekten (Berlin)
16:55 Uhr | Spaziergang nach Norden
17:00 Uhr | Beitrag Eva Caspar, Jutier- und Tonnenhalle, bez + kock architekten (Stuttgart)
17:45 Uhr | Spaziergang nach Westen
17:50 Uhr | Beitrag Johann Spengler, Munich Urban Colab, steidle architekten (München)
18:35 Uhr | Ausklang im The Flash Gordon


Referent*innen

Staab Architekten
Staab Architekten wurden 1991 von Volker Staab anlässlich des Wettbewerbsgewinns für das Neue Museum Nürnberg gegründet. Weitere Museumsprojekte folgten, unter anderem die Umgestaltung des Albertinums in Dresden, das Kunstmuseum Ahrenshoop, das Richard Wagner Museum in Bayreuth und das Landesmuseum für Kunst und Kultur in Münster. Neben Kulturbauten widmet sich das Büro einem breiten Spektrum an Bauaufgaben. Internationale Bekanntheit erlangten ebenso radikal wie behutsame Projekte in sensiblen Stadt- und Landschaftsräumen und Neuinterpretationen denkmalgeschützter Gebäude.
Bis heute gehen die meisten Projekte auf Wettbewerbsgewinne zurück. Ziel jedes Entwurfs ist es, die komplexen Bedingungen von Architektur zu einer einfachen und plausiblen Gestalt zu verdichten. Die Konzentration auf das Wesentliche wird mit dem konzeptionellen Einsatz von Form, Material und Farbe bis ins Detail verfolgt. Um die angestrebte Qualität sicherzustellen, werden von der Idee bis zur Realisierung alle Leistungen im Büro erbracht.
Ethische Grundsätze, Neugier und Begeisterung für intelligente Lösungen bilden die gemeinsame Basis der Arbeit der inzwischen über 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ausgehend von der Wertschätzung jedes Einzelnen, in flachen Hierarchien und mit der Erfahrung aus 30 Jahren entwickeln die Projektteams für jede Bauaufgabe eine spezifische Lösung. Die intensive Auseinandersetzung mit der Aufgabe und die frühzeitige Zusammenarbeit mit Fachplanern münden in integrierte Gebäudekonzepte, die von einem weitblickenden Umgang mit Ressourcen geprägt sind und auf den gesellschaftlichen Nutzen abzielen.
Zahlreiche Auszeichnungen begleiten seit Anbeginn die Arbeit des Büros, unter anderem der Große BDA-Preis und das Bundesverdienstkreuz am Bande für Volker Staab, Auszeichnungen beim Deutschen Architekturpreis und zahlreiche Landes- und Staatsbaupreise. Ihr Spektrum vom Ingenieurbaupreis über Preise für den innovativen Einsatz einzelner Materialien bis zum Städtebaupreis spiegelt den ganzheitlichen Qualitätsanspruch des Büros wider.
www.staab-architekten.com

Jan Holländer
Jan Holländer (Dipl.-Ing.), geboren 1976 in Gummersbach, studierte Architektur an der TU-Berlin und der TU-Delft. Nach Abschluss des Studiums an der TU-Berlin im Jahr 2003, arbeitete er zunächst im Büro Bumiller Architekten (Berlin), bevor er im Jahr 2006 zum Team von Staab Architekten stieß. Hier verantwortete er u.a. als Projektleiter die Grundinstandsetzung der Neuen Galerie in Kassel (Fertigstellung 2010), den Neubau der Deutschen Schule in Warschau (Fertigstellung 2014) sowie die Sanierung der Lothstrasse 17 für die Fakultät für Design der Hochschule München (Fertigstellung 2018). Aktuell verantwortet er als Projektkoordinator u.a. die Projekte Geschichtsgalerie Flughafen Tempelhof, Sanierung und Erweiterung des Bauhausarchivs Berlin.

bez + kock architekten
Das Büro in Stuttgart wurde 2001 von Martin Bez und Thorsten Kock gegründet. Sie sind ein kontinuierlich gewachsenes Team von etwa 50 Architekten. Ihre Aufträge erhalten sie vornehmlich aus gewonnenen Architekturwettbewerben. Diese sind idealtypischer Ausdruck Ihres umfassenden Qualitätsanspruchs an Architektur. Sie verbindet das Ziel, unverwechselbare, funktionelle und wirtschaftliche Bauwerke zu realisieren. Wichtig ist ihnen dabei eine ganzheitliche Bearbeitung des Projekts, vom Städtebau zum Detail und vom ersten Strich zur baulichen Realisierung.
Jede Bauaufgabe ist einzigartig. Aus diesem Grund kann die passende architektonische Antwort nur aufgabenspezifisch gefunden werden. Ihr Ziel ist es, aus den vorgefundenen Parametern Ort, Funktion und Budget eine unverwechselbare und stimmige Architektur zu entwickeln, die sich durch eine ressourcenbewusste Langlebigkeit auszeichnet. So vielfältig die Aufgabenstellungen sind, so individuell sind die Häuser, die sie bauen. Sie schätzen diese Vielfalt sehr. Ob Konzerthaus oder Bibliothek, Stadthalle oder Hochschule, Wohnungsbau oder Rathaus – aus jeder Aufgabe kann ein eigenständiger und nachhaltiger Beitrag zur Architektur entstehen.
www.bez-kock.de

Eva Caspar
Eva Caspar wurde 1972 in Heidelberg geboren. 1992 absolviert sie ein Vorpraktikum beim Bischöflichen Bauamt in Heidelberg. 1992 bis 2000 studiert sie Architektur an der TU Karlsruhe und der École d’Architecture de Lyon. 2000 macht sie Diplom bei Prof. Henri Bava. 2000 bis 2019 arbeitet sie im Büro Lederer Ragnarsdóttir Oei in Stuttgart. Seit 2019 ist sie bei bez+kock architekten.

 

steidle architekten
Das Büro für Architektur und Städtebau wurde 1969 von Otto Steidle in München gegründet. Das erste herausragende und weltweit bekannte Bauwerk ist die Wohnanlage in der Genter Straße in München, die bis heute Sitz des Büros ist. Die Bauten von steidle architekten sind geprägt von der rationalen Planung, die nicht determinierend alle Lebensräume besetzt, sondern bewusst Freiräume offenhält, so dass trotz technischer Perfektion Platz für Individualität bleibt. Diesem Ansatz entspricht auch die architektonische Grundhaltung – einer Verknüpfung von Wohnen und Arbeiten im Zusammenhang mit dem städtischen Kontext. Die Planungsschwerpunkte liegen bei Wohn- und Bürogebäuden, im Hochschul- und Institutsbau sowie bei städtebaulichen Rahmenplanungen. International bekannte Bauten sind das Verlagsgebäude Gruner und Jahr in Hamburg, die Universität Ulm, die Wohn- und Geschäftsbauten auf der Theresienhöhe in München und das Olympische Dorf in Turin. Seit 2010 ist steidle architekten mit dem Areal „Rund um den Ostbahnhof“, dem „Werksviertel“ beauftragt. Hier entstehen exemplarische Bauten: die Medienbrücke, die als horizontales Hochhaus ein typologisch neues Gebäude – nicht nur für München – bedeutet und das Werk 3 und das Werk 4, die durch die Kombination von Bestand und Neubau und die Durchmischung unterschiedlichster und meist kleinteiliger Nutzungen einen großstädtischen Maßstab setzen.
www.steidle-architekten.de

Johann Spengler
Johann Spengler wurde 1962 in Augsburg geboren. Er ist seit 1988 im Architekturbüro Steidle + Partner, München verantwortlich tätig und seit 2005 geschäftsführender Gesellschafter in der steidle architekten Gesellschaft von Architekten und Stadtplanern mbH. Für Steidle + Partner war er Projektleiter bei den Bauten Universität Ulm West (1988-2000), Medienpark Kampnagel, Hamburg (1997-99), KPMG Gebäude, Theresienhöhe München (1999-2002), Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven (1999-2004), Angerhof in München (2003-2008), Condé Nast Verlag mit Loftwohnen Lenbach Gärten (2003-2008) und die Nymphenburger Höfe (2003-2012). Der Entwurf für das Gründer- und Innovationszentrum „Munich Urban Colab“ erhielt 2017 den 1.Preis in dem international besetzten Wettbewerb (GÜ-Verfahren). Aktuelle Projekte sind in Hamburg ein Bürogebäude im Elbbrückenquartier  (1.Preis Wettbewerb 2021) sowie die Weiterentwicklung des ehem. Verlagshaus von Gruner + Jahr. Johann Spengler ist engagierter Preisrichter und Mitglied von Gestaltungskomissionen. Seit 2020 ist er Mitglied des Gestaltungsbeirates der Stadt Landshut.

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