GROHE Digital Talks, Upcoming Architects Facing New Conditions

Upcoming Architects Facing New Conditions – Interview mit Manuel Bieler von LOCALARCHITECTURE

Upcoming Architects nehmen Stellung, wie sie den Herausforderungen des globalen Wandels begegnen und wie sie ihre Position als Ideengeber, Neuschöpfer und Qualitätssetzer behaupten. Lesen Sie dazu hier das Gespräch mit Manuel Bieler von LOCALARCHITECTURE

„Es gibt für mich nur ein No-Go und das ist die maßlose Optimierung. Ich bin wirklich erschrocken über diese Fokussierung auf Optimierung. Wir müssen nicht optimal sein. Es ist wichtig, Fehler zu machen, das macht den Reichtum einer Stadt, eines jeden Gebäudes und jeder menschlichen Beziehung aus. Wir müssen uns dessen bewusst sein und dagegen ankämpfen. Optimieren wir dennoch ohne Grenzen, wird sich am Ende alles vereinheitlichen und gleichen.“
Manuel Bieler

 

GROHE: Sie feiern in diesem Jahr Ihr-20jähriges Jubiläum. Worauf sind Sie in Bezug auf Ihre Arbeit besonders stolz?
Manuel Bieler: Worauf wir besonders stolz sind, ist die Verwendung von Holz. Vor zwanzig Jahren befand sich die Holzindustrie in einem langsamen Abwärtstrend. Aufgrund der damaligen wirtschaftlichen Situation, aber auch aufgrund der Art von Projekten, die wir bereits realisieren konnten, haben wir uns für die Arbeit mit Holz entschieden. Fast alles, was wir heute in unserer täglichen Arbeit machen, steckte bereits in unseren ersten Projekten. Darauf bin ich wirklich stolz, denn wir haben an unseren Überlegungen festgehalten. Wir graben noch immer an denselben Fragen, und es gibt in Bezug auf Holzkonstruktionen, auf Struktur, auf Material noch immer viel zu lernen und zu testen. Das fasziniert mich.

Hatten Sie bei der Gründung Ihres Büros bereits die lokale Ausrichtung Ihrer Architektur im Sinn? Wofür steht „Local Architecture“?
Es gibt zwei Geschichten zum Namen des Büros. Es ist wahr, dass wir die Frage der Lokalität und der Regionalität schon damals im Kopf hatten. Wir haben allerdings nicht erwartet, dass das Thema in den folgenden 20 Jahren so viel Raum einnehmen würde. Wir sind stolz und glücklich, dass wir schon damals diese Ausrichtung hatten. Die Beziehung, die wir zu unseren Handwerkern (den Zimmerleuten und so weiter) entwickelt haben, ist zu einem wichtigen Teil unserer Arbeit geworden. Die zweite Geschichte ist, dass meine beiden Partner und ich, als Teenager Bands hatten und in Lokalen Musik gemacht haben. Als wir dann beschlossen haben, zusammenzuarbeiten, hatten wir ein Lokal, also einen Raum, in dem wir uns getroffen haben, um neben unseren Jobs nachts gemeinsam zu arbeiten und Wettbewerbe zu machen. Wir haben dann gesagt: „Lasst uns einen Termin im Lokal machen.“ Der Name hat also eine doppelte Bedeutung für uns.

Der Titel unserer Interviewserie lautet „Upcoming Architects Facing New Conditions“. Was sind Ihrer Meinung nach in der Architektur die größten Herausforderungen unserer Zeit?
Der wichtigste Moment, den ich letztes Jahr in Bezug auf meine Arbeit und das Bauwesen erlebt habe, war eine Konferenz von Charlotte Malterre-Barthes, die in Harvard lehrt und nächstes Jahr an der EPFL in Lausanne unterrichten wird. Sie hielt eine Konferenz über die Verantwortung der Architekten für die materiellen Ressourcen der Welt. Sie hat eine interessante Haltung zum Thema und orientierte sich am Beispiel von Philip Johnsons Architektur und der Stahlarchitektur der 1950er- und 1960er-Jahren in den USA.

Material war für mich bislang so etwas wie für einen Maler die Farben. Aber mir ist klar geworden, dass hinter der Wahl des Materials eine enorme Auswirkung auf die Umwelt steht. Für mich ist das eine neue Bedingung, denn wenn ich als Architekt eine Linie ziehe, und wenn diese Linie aus Beton, aus Stahl oder aus Holz ist, dann hat das nicht nur eine Auswirkung auf den Ort, wo dieses Gebäude gebaut wird. Als Architekt bin ich maßgeblich verantwortlich dafür, wo das Baumaterial produziert wird und welche Auswirkung die Produktion auf den Planeten hat.

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Über Manuel Bieler
Manuel Bieler ist Partner des Architekturbüros LOCALARCHITECTURE, welches in der Schweiz zwei Standorte hat: Lausanne und Zürch. Zusätzlich ist er Präsident von LAC/Léman Architectures Connexions, Co-Präsident der FAS Romandie und Mitglied des CUB-Lenkungsausschusses. Zuvor war er unter anderem als Lehrbeauftragter tätig.

Sein Studium absolvierte er an der EPFL in Lausanne, Schweiz. Seit 2010 ist er Mitglied des Bunds Schweizer Architekten*innen (BSA).

Über LOCALARCHITECTURE
Manuel Bieler, Antoine Robert-Grandpierre und Laurent Saurer gründeten 2002 LOCALARCHITECTURE in Lausanne. Ihre Arbeit konzentriert sich auf die Entwicklung einer reaktionsfähigen Architektur, die dazu beiträgt, die Harmonie und die Geschichte eines Kontextes neu zu definieren. Ausgehend von einer präzisen Analyse des „Milieus“, erforscht ihre Architektur den Begriff der „Präsenz“ eines Gebäudes, die durch eine intime Beziehung zwischen Form und Struktur vermittelt wird.

LOCALARCHITECTURE wurde national und international in Publikationen und Wettbewerben ausgezeichnet. Zu den jüngsten Auszeichnungen gehören der International Wood Architecture Award 2019, Distinction Romande d’Architecture 2019 und 2006 und Best Architects Award in 2020, 2019 und 2015.

Die Geschäftsführer von LOCALARCHITECTURE sind seit mehreren Jahren in der Lehre tätig, insbesondere als Gastprofessoren an der ENSA Strasbourg, als Juroren und Dozenten an der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL), an der École Polytechnique Fédérale de Zurich (ETHZ), der École d’architectes et d’ingénieurs de Fribourg (HES-SO), der Haute Ecole d’Art et de Design de Genève (HEAD-HES-SO) und der Akademie für Architektur in Mendrisio, oder als Tutor von Prof. Harry Gugger (lapa – EPFL). Sie sind auch an der Organisation von kulturellen Veranstaltungen mit dem Maison de l’Architecture in Genf und dem CUB in Lausanne, das Präsidium des Bundes Schweizer Architekten – Sektion Romandie (FAS-Romandie) sowie die Leitung der Lausanner Kandidatur für den Gipfel des Internationalen Architektenverbandes (UIA) 2023, beteiligt.

LOCALARCHITECTURE

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