Blog Aus dem Archiv

Aus dem Archiv: Glocal Architecture – Indien 2010

Skizze von Alexis N. Tombazis

Angetrieben von der Frage, ob der „Genius Loci“ eigentlich überholt ist, kamen 2010 auf Einladung von AIT und Dorma führener Architekten aus aller Welt in der südindischen Stadt Trivandrum zusammen, um ihre Standpunkte zum Thema Green Building zu definieren und Schnittmengen zu ermitteln.

Als gemeinsame Basis diente die These der global-lokalen, der glokalen Architektur. Die komplexen Ergebnisse dieses gemeinsamen Denkens in interkontinental gemischten Gruppen wurden in einer hochwertigen Dokumentation zusammengefasst. Für alle Teilnehmer wurden die Tage in Südindien zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Die Forderung nach dem“Green Building“

Im 21. Jahrhundert ist die Frage nach der Globalisierung der Baukunst von zentraler Bedeutung. Die digitale Revolution hat die Welt derart fein miteinander verflochten, dass räumliche Entfernungen fast keine Rolle mehr spielen. Anfang des 20. Jahrhunderts, als die Überzeugungen der Moderne mit Protagonisten wie Le Corbusier oder Walter Gropius in der Welt Fuß fasste, wurde diese Internationalisierung einer Entwurfsidee „Internationaler Stil“ genannt. In der globalen Waren- und Finanzwirtschaft hat sich gleichfalls ein „internationaler Stil“ durchgesetzt. Heute wird die aktuelle Architekturdebatte jedoch von anderen Themen befeuert.  Die Forderung nach dem  „Green Building“ ist eine der wichtigsten. Damit einher gehen zahlreiche  technische Errungenschaften, die diese „grünen Gebäude“ erst möglich machen sollen. Diese Architektur hat sich seit der Workshop-Reise nach Indien zusehends zur weltumspannenden Idee entwickelt.

Dabei zeigte sich bereits 2010 verstärkt ein Trend zu lokalen beziehungsweise regionalen Entwurfsansätzen, die aus der eigenen Tradition und Vergangenheit entspringen. Diese Tendenzen respektieren lokale Produktionsweisen und nehmen Rücksicht auf örtliche soziale Ressourcen.  Die Menschen leben nun mal nicht global, sondern sind lokal oder auch multi-lokal verwurzelt. So ist auch die Architektur ein Erzeugnis klimatischer und kultureller sowie lokaler Rahmenbedingungen. Die lokalen und die globalen Ansätze bilden jedoch keine Gegensätze. Unter ihrem Einfluss entsteht die Idee der „Glokalisierung“, die nicht als Gegenentwurf zur Globalisierung zu verstehen ist. Vielmehr entsteht bei der „Glokalisierung“ anstatt einer Homogenisierung der Welt eine Heterogenisierung von Lebensstilen und klimatisch wie sozial  verantwortungsvoller und deshalb letztlich nachhaltiger Architektur.

Welche Strategien und Techniken sind notwendig, um diese Form einer Glokalisierung zu bilden? Wie könnte eine solche „glokale“ Architektursprache aussehen? Diesen und weiteren Fragen sind 20 Architektinnen und Architekten aus Europa, Afrika, Südamerika und Indien während eines fünftägigen Workshops in Südindien auf den Grund gegangen.

Noch im selben Jahr erschien eine aufwändig produzierte Dokumentation der Reise unter dem Titel „glocal architecture“.

 

In Partnerschaft mit Dorma

 

Teilnehmer

José María Hurtado de Mendoza Wahrolén, estudio.entresitio, E-Madrid

Kashyap Patwa, Institute of Indian Interior Designers, IND-Mumbai

Derek Lubbe, Boogertman + Partners Architects, ZA-Pretoria

Witek Dudek, APA Wojciechowski Architekci, PL-Warsaw

Laurent Delorme, Majid al Futtaim Properties, UAE-Dubai

Hadi Teherani, BRT Architekten, D-Hamburg

Mark Schüler, Schweger Associated Archi tects, D-Hamburg

Jos-Willem van Oorschot, VenhoevenCS Architecten, NL-Amsterdam

Rodrigo Marcondes Ferraz, Forte, Gimenes & Marcondes Ferraz Arquitetos, BR-São Paulo

Miloš Mirosavic, im.architektur, SRB-Belgrade

Augusta Hermida, Durán&Hermida arquitectos asociados, EC-Cuenca

Axel Koschany, Koschany+Zimmer Architekten, Essen/D-Dubai

Lukasz Zagala, medusa group, PL-Bytom

Enrique Álvarez-Sala Walther, Rubio&Álvarez-Sala, E-Madrid

Pedro Balonas, Balonas Menano, P-Porto

Roberto de Castro Mello, Botti Rubin Arquitetos Associados, BR-São Paulo

Christiane Flasche, Eller + Eller Architekten, D-Berlin

Alexandros N. Tombazis, Meletitiki – A. N. Tombazis and Associates Architects, GR-Athens

Mateusz Marek Adamczyk, BudCud, PL-Krakow

Selim Cengiç, Kreatif Architectural Company, TR-Istanbul

 

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