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Nachbericht Dialog nach 6 // virtuell – Die Tiefe der Oberfläche: ökologisch, funktional, emotional

Auf den Veranstaltungen der Reihe „Dialog nach 6“ diskutieren internationale Gäste je eine Fragestellung der Baukultur und beleuchten diese in ihren Kurzvorträgen. Am 1. Februar 2022 um 18 Uhr stellten Karola Groeger und Anne-Sophie Schwarz (Matteo Thun & Partners, München), Oliver Seidel (baubüro in situ, Basel) und Andreas Reeg (rundzwei, Berlin) in ihren Beiträgen innovative Projekte zum Thema „Die Tiefe der Oberfläche: ökologisch, funktional, emotional“ vor.

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Andreas Reeg legte zu Beginn den Fokus auf die Fassade als äußerlich sichtbare Oberfläche eines Gebäudes und setzte sich unter anderem mit dem Spannungsverhältnis der Wahrnehmung aus unterschiedlichen Entfernungen und Perspektiven auseinander. Viel Resonanz fand in diesem Zusammenhang das Korkenzieherhaus von rundzwei Architekten, das mit einer Fassade aus Kork ausgestattet ist. Dieses in Deutschland ungewöhnliche Baumaterial ist in Portugal weitaus geläufiger, da es dort auch angebaut wird, und führte zu interessieren Nachfragen seitens der Zuschauer*innen, nicht nur zur Witterungsbeständigkeit. Auch die Verwendung von karbonisiertem, „verkohltem“ Holz in einem weitern Projekt wirkt spektakulär, ist aber eigentlich, wie der Referent erläuterte, leicht selber umzusetzen – wenn nicht ein ganzes Haus damit verkleidet werden soll.

Im Duett präsentieren Karola Groeger und Anne-Sophie Schwarz aus dem Münchner Büro von Matteo Thun & Partners ihre Projekte und legten dabei den Fokus auf die eingesetzen Materialien und Werkstoffe. Sie machten die Ganzheitlichkeit, die die Projekte des Büros auszeichnet, sowohl von innen wie auch von außen sichtbar. Deutlich wird dies beispielsweise am Waldkrankenhaus in Eisenberg in der Nähe von Leipzig. Hier wird exemplarisch aufgezeigt, wie Hospitality inzwischen ein immer stärker Ansatz auch im Gesundheitsbereich ist und wie dort der Gedanke der Gastlichkeit neu gedacht wird. In dieser Klinik wurde die Fassade aus lokalem Material, dem Holz aus direkt angrenzenden Wäldern, errichtet. Dadurch, dass das Fassadenmaterial als durchlässige Oberfläche auch in den Innenraum gezogen wurde und durch große Glasflächen die Veranden der Patient*innenräume nach außen geöffnet wurde, konnte eine Verbindung mit der umliegenden Natur geschaffen werden. Den Herausforderungen, die sich durch die Anforderungen an Materialien, die im Gesundheitsbereich eingesetzt werden, wurde durch den Einsatz funktioneller Oberflächen begegnet und so insgesamt ein Ort geschaffen, an dem sich Menschen auch im klinischen Umfeld wohlfühlen können.

Oliver Seidel vom baubüro in situ machte, bevor es in eine angeregte Diskussion überging, den Abschluss der Vorträge. Er verdeutlichte, welche Bedeutung in der aktuellen Diskussion ein Umdenken nicht nur im Sinne einer ressourcenschonenden Nachhaltigkeit, sondern auch einer emotionale Nachhaltigkeit stattfinden muss und sich die Gesellschaft damit auseinandersetzen müsse, dass Bauwerke nicht unbedingt unseren gewohnten Ansprächen an Ästhetik entsprechen können, wenn beispielsweise gebrauchtes Material wiederverwendet wird. Hier zeigten sich die Grundsätze des Büros: es soll möglichst erhalten, wenn notwendig repariert, aber nicht entsorgt werden. Deutlich wurden diese Prinzipien unter anderem anhand des ELYS-Projektes, eines COOP-Verteilzentrums mit Großbäckerein in ein Kultur- und Gewerbehaus. Im Zuge der Planung erfuhren die Architekt*innen zum Beispiel, dass Fensterbauer*innen meist größere Bestände an Fenstern auf Lager haben, die in regelmäßigen Abständen entsorgt werden. Damit war eine günstige und ressourcenschonende Quelle gefunden und das freiwerdende Budget konnte in der Dämmung der Fassade eingesetzt werden, deren Elemente mit Restabschnitten, die inn der Herstellung von Dämmung anfallen, befüllt wurden. Insgesamt wurden mit dieser Fassade 91 Tonnen CO2 eingespart, gerade durch die Wiederverwendung von Glas und Stahl. Ein großer Schritt in der ressourcenintensiven Bauwirtschaft.

Weitere Themen/Projekte der Referent*innen und auch die Beiträge unserer Partner aus der Industrie finden sich im Mitschnitt des Dialog nach 6 // virtuell.

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