GROHE Digital Talks, Upcoming Architects facing new Conditions

Upcoming Architects facing new Conditions – Interview mit Sebastian Kofink & Simon Jüttner, Kofink Schels Architekten

Upcoming Architects nehmen Stellung, wie sie den Herausforderungen des globalen Wandels begegnen und wie sie ihre Position als Ideengeber, Neuschöpfer und Qualitätssetzer behaupten. Lesen Sie dazu hier das Gespräch mit Interview mit Sebastian Kofink & Simon Jüttner, Kofink Schels Architekten.

Auf der einen Seite steht die Tatsache, dass wir wirklich große klimatische und gesellschaftliche Herausforderungen meistern müssen und auf der anderen Seite eine Überregulierung, die eine kreative, schnelle und ernsthafte Reaktion auf diese Herausforderungen unterminiert. Sich hier für neue Rahmenbedingungen einzusetzen, ist ganz wichtig. Darin liegt eine Verantwortung unserer Disziplin – und eine Chance, dieser wieder mehr Relevanz zu verschaffen.“  Sebastian Kofink & Simon Jüttner

GROHE: Wie kam es 2014 zu der Bürogründung von Kofink Schels?
Kofink: Nach dem Studium hatte ich, zusammen mit meinem vorherigen Professor Martin Bühler, ein Projekt in Zürich realisiert, das ich fotografieren lassen wollte – ein befreundeter Kollege stellte mir Simon Schels vor. Wir sind dann zusammen nach Zürich gefahren, haben ein Wochenende im besagten Haus verbracht und uns kennengelernt, viel über Architektur und das Leben gesprochen und fanden, dass wir viele Parallelen haben und versuchen sollten, zusammenzuarbeiten.

Jüttner: Wir haben dann gemeinsam an eineminternationalen Ideenwettbewerb teilgenommen, für den wir einen Büronamen brauchten – so entstand Büro Kofink Schels, obwohl wir damals noch gar nicht die Absicht hatten, ein gemeinsames Büro zu gründen.

Wofür steht Ihre Architektur?
Kofink u. S. Jüttner: Zu Beginn hatten wir kleine Projekte, die unter nahezu prekären Umständen und hohem finanziellen Druck entstanden sind. Das Finden von einfachen Lösungen und das Hinterfragen von Baustandards war dabei zentral. Wir nennen das gerne Poetischen Pragmatismus. Diesen versuchen wir jetzt auch auf einen größeren Maßstab zu übertragen und schauen, wie dieser in einem öffentlichen Auftragsverhältnis möglich sein kann. Im Grunde sind wir gerade in einer Phase, in der wir versuchen, genau diese Themen für uns zu definieren und zu verfeinern. Aus dem Verzicht, der uns in unseren ersten Projekten als Zwang auferlegt war, wurde eine Haltung. Wir haben festgestellt, dass man vieles gar nicht braucht. Da geht es um Materialstandards, Gebäudetechnisierung und auch stilistische Fragestellungen. Wir glauben mit einem großen ökologischen Bewusstsein zu arbeiten. Außerdem sind wir Verfechter einer Low-Tech-Architektur. Wir selbst benutzen etwa den Begriff ‚Smart Home‘, um Gebäude zu beschreiben, die deshalb schlau sind, weil sie einfach keine Technik brauchen.

Worin sehen Sie Ihre Verantwortung als Architekt?
Man hat als Architekt*in diverse Verantwortungen gegenüber den unterschiedlichsten Akteuren. Aber die Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft ist die, die uns am zentralsten erscheint. Es wird einem sehr leicht gemacht, diese Verantwortung nicht ernst zu nehmen – auf der einen Seite bedingt durch starre Regularien und auf der anderen Seite durch ein, unserer Meinung nach, verzerrtes Bild davon, was eine gelungene Architektur ausmacht. In einem Planungs- und Bauprozess existieren auf verschiedenen Ebenen unterschiedlichste Zwänge – häufig lassen es die Rahmenbedingungen gar nicht zu der Verantwortung konsequent gerecht zu werden. Wir streben trotzdem danach möglichst verantwortungsvoll zu bauen und glauben, dass wir als Architekten auch versuchen müssen Rahmenbedingungen mitzugestalten und in der Öffentlichkeit auf Missstände aufmerksam zu machen.

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Positionierung & Philosophie
Aus einer Serie von ersten kleinen Projekten, die ohne einen hohen Grad an Eigeninitiative und handwerklicher Mitwirkung nicht zustande gekommen wären, entwickelte das Büro unter dem Leitgedanken des „Poetischen Pragmatismus“ eine Haltung, die von Beginn an soziale, ökologische und ökonomische Angemessenheit gleichermaßen als Grundlagen einer nachhaltigen Architektur versteht.
 
Über Simon Jüttner & Sebastian Kofink
Simon Jüttner *1982 als Simon Schels: Studium Architektur und Stadtplanung an der TU München. Seit seinem Abschluss selbstständig tätig als Architekt und Fotograf. Gründungsmitglied des Fotokollektivs PK Odessa Co. 2014 Gründung Buero Kofink Schels. 2015 bis 2018 Gastdozent an der Akademie der Bildenden Künste in München und 2020/21 Lehrauftrag an der Hochschule Stuttgart. Seit 2021 Lehrauftrag an der Hochschule München. 2016 Förderpreis für Architektur der Landeshauptstadt München. 2020 Stipendiat der deutschen Akademie in Rom Villa Massimo.
 
Sebastian Kofink *1984: Ausbildung zum Zimmermann, Studium Innenarchitektur und Architektur in Rosenheim, Prag und Liechtenstein. Arbeitete für Carsten Nicolai und Roger Bundschuh in Berlin, Martin Bühler in Zürich, Finsterwalderarchitekten in Rom und Regional Associates in Uganda. 2012 bis 2014 assistent  am Lehrstuhl für Entwerfen und Gestalten und von 2015 bis 2021 am Lehrstuhl für Entwerfen und Konstruieren an der TU München. Seit 2021 Dozent an der Hochschule München. 2014 Gründung Buero Kofink Schels. 2016 Förderpreis für Architektur der Landeshauptstadt München.
 
kofinkschels.de
 
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