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Hebammenhaus, Peter Behrens School of Arts / Hochschule Düsseldorf, Finalist AIT-Award 2020

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Hebammenhaus, GH-Havé Etoe (Volta Region)
Peter Behrens School of Arts / Hochschule Düsseldorf, DE-Düsseldorf, Georgia Institute of Technology, US-Atlanta, imagine structure, DE-Köln/ Frankfurt, Hochschule Koblenz, DE-Koblenz, Havé Tech Berufsschule, Ghana und Transsolar Klimaengineering
Finalist in der Kategorie: Social Design/Partizipative Architektur

Etwa 50 Studierende haben gemeinsam mit deutschen Handwerksauszubildenden und Ghanaischen Berufsschülern ein Hebammenwohnheim entworfen und gebaut. Fertiggestellt wurde das Projekt 2018.

Das Dorf Havé Etoe liegt mitten im Dschungel im bergigen Teil an der Grenze zu Togo. Wie die meisten Dörfer ist Havé ein typisches „Straßendorf“ und liegt an einer viel befahrenen Hauptstraße, die den Süden und Norden des Landes miteinander verbindet. 8000 Menschen leben in Havé, etwa die Hälfte davon sind Kinder. Die Geburtsstation mit der angeknüpften Krankenstation ist das zentrale Herzstück der Dorfgemeinschaft und versorgt weitreichende Teile der Region. Aufgrund des großen Versorgungsgebiets steigt der Bedarf an Fachleuten in der Geburtshilfe, doch eine Aufstockung des Personals war bisher aus Mangel an Wohnraum nicht möglich. Hebammen kommen aus allen Teilen des Landes und benötigen einen geschützten Wohnraum für sich und ihre Familien. Bisher waren die Fachkräfte immer von ihren Familien getrennt.

Insgesamt besteht das Hebammenhaus aus vier Mini-Einheiten mit je 30 Quadratmetern Wohnraum. Die beiden Häuser mit je zwei Wohneinheiten werden durch einen innenliegenden gemeinschaftlichen Hof verbunden. Dieser bildet den zentralen lebendigsten Ort der Anlage und bietet genügend Raum für ein gemeinschaftliches Zusammenleben. Hier wird gewaschen, Hühner, Gemüse und Obst gezüchtet, gekocht, diskutiert und auch gespielt. Vorbild für die Anordnung der vier Wohneinheiten war die alte traditionelle, leider meist vergessene ghanaische „Compound Siedlung“, in der mehrere Familien und Dorfbewohner zusammen traditionell in einem engen Zusammenschluss um eine gemeinschaftliche Mitte leben.

Mit dem Hebammenhaus ist ein nachhaltiges Haus mit passivem Klimakonzept entstanden, wo Ghanaische und deutsche Hebammen sowie -schülerinnen in unmittelbarer Nähe zur Geburtsstation und der Klinik mit ihren Familien in einer Wohngemeinschaft leben, arbeiten, lernen und ausbilden. Im Vordergrund des Projekts stand es, die Privatsphäre der einzelnen Hebammen zu sichern und gleichzeitig eine einladende und öffentlichen Atmosphäre zu schaffen. So gibt es in jeder der Einheiten eine kleine Küche, 6 Schlafplätze, einen multifunktionalen Wohnraum und ein Bad. Im Außenbereich befindet sich zudem eine gemeinschaftliche Außenkochstelle, ein Brunnen, eine Waschmöglichkeit sowie große überdachte Terrassen. Eine Wohneinheit und die größte Terrasse bietet Platz, um Kurse zur Geburtsvorbereitung sowie Baby- und Kleinkindpflege und darüber hinaus einen Ort für die Versorgung, Impfung und Untersuchung der Neugeborenen anzubieten.

Das gemeinsame Entwerfen + Bauen, das Zusammenleben und -arbeiten der Hochschulen, der späteren Nutzer und des Dorfes vor Ort ist ein wesentlicher Aspekt und unterstützt die direkte Erfahrung des Konzepts “Build Together – Learn Together”. Die Herausforderung des Programms fördert die Stärkung des eigenverantwortlichen Handelns für alle Beteiligten und schafft einen kollektiven Prozess der sozialen Gemeinschaft.
Die Jury überzeugte das Projekt, das Hebammenhaus in Havé Etoe in Ghana, aufgrund seiner sensiblen Einfügung in den kulturellen und klimatischen Kontext, wie auch die Verwendung lokaler Baumaterialien und die Würdigung traditioneller Bautechniken. Es besticht darüber hinaus durch seinen umfassenden Prozess eines gemeinsamen Bauens und Lernens („build together – learn together“), in dem Studierende der Peter Behrens School of Art und weiterer Hoch- und Berufsschulen aus Deutschland, Ghana und den USA zusammen mit zukünftigen Nutzer*innen eindrucksvoll bewiesen haben, welche gesellschaftliche Kraft Architektur entfalten kann, wenn sie als verantwortliches Handeln und sozialer Prozess gedacht und umgesetzt wird, führt die Jury weiter aus.

 

 

 

Bauherr: Meeting Bismarck Gododo Ghana Geburts und Kinderhilfe e.V.
Ort: GH-Havé Etoe (Volta Region)
Architekten: Peter Behrens School of Arts Fachbereich / Hochschule Düsseldorf, DE-Düsseldorf, Georgia Institute of Technology, US-Atlanta
imagine structure, DE-Köln/ Frankfurt, Hochschule Koblenz, DE-Koblenz, Havé Tech Berufsschule, Ghana, Transsolar Klimaengineering
Fertigstellung: 2018
Fotos: David Kwaku Photography / Thomas Schaplik

 

Mehr Informationen über den Wettbewerb: www.ait-award.com

 

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