Ausgabe 03 | 2019



WOHNEN

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Slow Living lautet anscheinend der neueste Wohntrend, behaupten zumindest Trendforscher, Influencer und Instagramer. Eigentlich nur konsequent, dass – analog zum Slow Food – auch das Thema Wohnen endlich ernsthaft diskutiert, reflektiert und mit Begriffen wie Nachhaltigkeit und Authentizität, Qualität und Wertigkeit aufgeladen wird. Zu unscharf schien die Definition des skandinavischen Hygge-Begriffs, Gemütlichkeit kann schließlich jeder und ist kaum verifizierbar.

Woran erkennt man Slow Living? Habe ich mich beispielsweise beim Durchqueren der Messehallen anlässlich der imm cologne (links am Messestand von Walter Knoll) gefragt. Offensichtliche Merkmale seien Eiscremefarben, natürliche Materialien, handwerkliche Fertigung und softe Oberflächen. Anscheinend erst auf einer tieferen Bedeutungsebene wahrnehmbar: Nachhaltigkeit durch Schönheit, Out door ist das neue Indoor, Grün geht immer und Modern Glam durch Metallic! Aber machen Sie sich selbst ein Bild bei der Lektüre unseres großen Möbelmesse-Nachberichts ab Seite 34! Dazu passen die neuesten Textilien und Bodenbeläge – unsere Mitbringsel der Messen Heimtextil und Domotex finden Sie ab Seite 72.

Sich auf das dünne Eis derlei modischer Trends zu wagen, ist in der Architektur allerdings kein Thema. Hieße es doch, den Anspruch an Zeitlosigkeit und soziale Relevanz aufzugeben. Das kann den Projekten, die wir für die vorliegende AIT zum Thema Wohnen ausgewählt haben, wahrlich nicht unterstellt werden.

Was jedoch allen gemein ist: Sie reagieren auf den immer knapper werdenden Baugrund bei gleichzeitig steigender Nachfrage nach Wohnraum. Und so finden Sie ab Seite 84 zahlreiche ungewöhnliche Wohnlösungen, die durchaus das Prädikat slow – im Sinne von gut und nachhaltig – verdient haben: Sanierungen, Umbauten, Anbauten, Aufstockungen, Erweiterungen, Nachverdichtungen, Umnutzun gen, Tiny Houses … allesamt in Materialien und Kubatur perfekt in die jeweilige Umgebung eingebunden.

Und was unsere AIT-Kolumnisten Dominik und Benjamin Reding von Wohntrends halten, haben sie in ihrem Essay „Susu Möhre“ (ab S. 60) hintergründig und kaum missverständlich zum Ausdruck gebracht. Wie immer ein wahrer Lesegenuss, der nicht nur zum Schmunzeln, sondern auch zum Nachdenken anregt!

Mit besten Grüßen
Petra Stephan, Dipl.-Ing.
Chefredakteurin
Architektin


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