Ausgabe 11 | 2019



GESUNDHEIT UND WELLNESS

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

so können Krankenhäuser in der Provence aussehen (Bild oben) – allerdings nur, wenn sie bereits Ende des 18. Jahrhunderts entstanden sind! Von einer Gebäudetypologie, die sich an Klinik- und Patientenbedürfnissen orientiert, war man damals offensichtlich noch weit entfernt. Der Vorteil: Das historische Gebäude konnte in den darauffolgenden Jahrzehnten als Schule, als Wohnhaus und zuletzt als Weinkeller umgenutzt werden. Die Anforderungen an
Gesundheitseinrichtungen heutzutage sind durchaus spezifischer.

Entdeckt haben wir das multifunktionale Gebäude übrigens unter vielen anderen Sehenswürdigkeiten in Avignon, wohin uns der diesjährige INsider Award geführt hat. Bereits zum 12. Mal haben wir eine Gruppe von nominierten InnenarchitektINNen eingeladen, im Rahmen eines Colloquiums die oder den Besten der Branche zu küren. Die Gewinner des INsiders finden Sie auf Seite 17!

Doch zurück zum Thema Gesundheitseinrichtungen: Der Spagat zwischen funktionalen Abläufen, technischen Erfordernissen, hygienischen Ansprüchen und einer der Heilung förderlichen Atmosphäre stellt sicherlich – sowohl finanziell wie gestalterisch – eine große Herausforderung dar. Für unsere AIT-Ausgabe zum Thema „Gesundheit und Wellness“ haben wir uns auf die Suche nach Projekten gemacht, bei denen nach Erfüllung des technischen Pflichtenheftes noch Gestaltungswille und Budget für ein Geborgenheit und Zuversicht vermittelndes Innenleben übrig waren.

Alles andere als steril und angsteinflößend sind die Zahnarztpraxen in Berlin, Stuttgart und Asheville (ab S. 68) und der Blutspenderaum in Hamburg (S. 82). Und anhand der Projekte aus Utrecht (ab S. 84) und Heidelberg lässt sich sehr gut nachvollziehen, wie wichtig eine behütende, entspannende Umgebung für Krebspatienten ist.

Zu diesem Schluss kam bereits 1993 Maggie Keswick Jencks. Selbst an Krebs erkrankt, beschloss sie zusammen mit ihrem Mann Charles Jencks, einen architektonischen Grundstein dafür zu legen, dass Krebspatienten von einer Umgebung aufgefangen werden, die sie die Krankheit vergessen lässt und zur Heilung beitragen kann. Aus dieser Initiative heraus sind inzwischen 22 Maggie´s Centres entstanden – entworfen von verschiedensten rennomierten Architekten, das letzte in Barcelona (S. 88). Maggie Keswick Jencks hat diesen Erfolg nicht mehr erleben können, sie starb 1995 an ihrer Krebserkrankung. Am 13. Oktober starb ihr Mann, der große Architekt der Postmoderne und Architekturtheoretiker Charles Jencks, im Alter von 80 Jahren – 24 Jahre nachdem das erste Maggie´s Centre eröffnet wurde.

Mit besten Grüßen
Petra Stephan, Dipl.-Ing.
Chefredakteurin
Architektin


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