Blog AIT-Award at 6

Terrassenhaus Berlin, Brandlhuber+ Emde, Burlon / Muck Petzet Architekten, Finalist AIT-Award 2020

Blog AIT-Award
Terrassenhaus, DE-Berlin
Brandlhuber+ Emde, Burlon/Muck Petzet Architekten, DE-Berlin
Finalist in der Kategorie: Mixed-Use

Mit dem Terrassenhaus Berlin / Lobe Block im Berliner Ortsteil Wedding haben Brandlhuber+ Emde, Burlon / Muck Petzet Architekten ein Update der Typologie des Terrassenhauses vorgenommen: Den Verlust an öffentlichem Raum, der mit der großflächigen Überbauung des Grundstücks einherging, glichen sie mit weiträumigen, halböffentlichen Terrassen aus. Allen Nutzer*innen und Besucher*innen wird so wieder ein Stück „Grund“ zuteil. Das Atelier- und Galeriegebäude in Berlin-Wedding wurde für die private Bauherrin Olivia Reynolds entworfen und 2018 fertiggestellt.

Ausgangslage
Für das Grundstück lag bei Planungsbeginn kein aktueller Bebauungsplan vor. Ein alter B-Plan von 1958 erlaubt auf dem Grundstück ausschließlich gewerbliche Nutzungen. Demgegenüber steht eine wachsende Nachfrage nach Wohnraum sowie Bestandsschutzklauseln, die existierende Wohnnutzungen in benachbarten Häusern bereits sichern – und damit auf eine mögliche zukünftige Umwidmung der Nutzungsart auf dem Grundstück verweisen. Diese Situation sah das Entwurfsteam als Chance, ein Gebäude zu konzipieren, das zunächst für Gewerbe, zukünftig aber auch für Wohnen funktioniert. Unterschiedlich tiefe Nutzungseinheiten und ein auf das Nötigste reduzierter Innenausbau schreiben diese potenzielle programmatische Transformation dauerhaft in das Gebäude ein.

Typologie
Die sechs Meter tiefen Terrassen, die sich Richtung Südwesten auffächern, bilden gerahmt von zwei Erschließungstreppen eine Kaskade an Außenräumen, die von Nutzer*innen und Besucher*innen gleichermaßen genutzt werden. Um das maximale Bebauungsvolumen einzuhalten, rücken die unteren Geschosse von der bestehenden Gebäudeflucht ab. Daraus ergibt sich ein gefasster straßenseitiger Außenraum vor dem Restaurant und der Galerie im Erdgeschoss sowie den beiden Kernen des Gebäudes. Im Innern entstehen durch die Rücksprünge der Geschosse Einheiten, die zwischen 11 und 26 Meter Tiefe variieren und entsprechend ihrer unterschiedlichen Belichtungssituationen verschiedene Nutzungen aufnehmen. Die Terrassen sind leicht geneigt und lassen das Wasser in den Garten abfließen, so dass das Gebäude ohne zusätzliche Dachentwässerung auskommt. Nach und nach soll die Bepflanzung im Erdgeschoss und auf den Terrassen mit dem Gebäude zu einem großen Garten verwachsen.

Offene Struktur
Die Erschließungskerne, bestehend aus Fahrstühlen und Nasszellen, bilden das statische Gerüst der Konstruktion und sind gleichzeitig das einzige raumbildende Element. Alle weiteren Einbauten, wie räumliche Abtrennungen, werden von den Nutzer*innen entsprechend ihrer Bedürfnisse selbst vorgenommen. Die Gebäudestruktur ist aus Beton, Innen- und Außenwände haben die gleiche rohe Qualität. Mit dem Baustoff Beton erhält das Terrassenhaus eine robuste, langlebige und aneignungsoffene Struktur, die nicht nur den Bewohner*innen zu Gute kommt.

 

Juryurteil: „Die Anmutung ist industriell und spiegelt damit auch perfekt den Kontext. Die rauhe Oberfläche prägt auch die Innenräume. Als Hybrid für viele Nutzungen bis hin zum Wohnen setzt das Gebäude einen Impuls für die Diskussion um Nutzungsmischung, Nachverdichtung und urbanen Freiraum. Für ein bestimmtes Klientel, das die große Freiheit bei Raumstrukturen sucht und auf dem gängigen Markt nicht findet, ist das brutalistisch anmutende Gebilde ein perfektes Zukunftsmodell. Tiefe Räume und Terrassen lassen sich hervorragen für die intellektuelle Elite nutzen. Die Jury ist überzeugt, dass das Gebäude sowohl inhaltlich wie auch ästhetisch einen radikal neuen Weg geht, den die Stadt an dieser Stelle auch verträgt.“

 

Bauherr: Lobe Block / Olivia Reynolds & Elke Falat
Ort: DE-Berlin
Architekten:
Brandlhuber+ Emde, Burlon/Muck Petzet Architekten, DE-Berlin
www.brandlhuber.com
www.muck-petzet.com

Fertigstellung: 2018
Fotos: David von Becker, Erika Overmeer

 

Mehr Informationen über den Wettbewerb: www.ait-award.com

 

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