
ÖFFENTLICHE BAUTEN
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
mit Gabionen, Lavaschotter und Kunststoffzäunen verschandelte Vorgärten, verschlimmbesserte Fassaden lieblos gestalteter Einfamilienhäuser, fehlgeleitete Griffe in den falschen
Farbtopf oder übersteigerter Dekorationswille an öffentlichen Gebäuden – der aktuelle „Abrisskalender“ der Berliner Architekturhistorikerin und passionierten Baukulturvermittlerin
Dr. Turit Fröbe lässt mich jeden Morgen schmunzelnd erschaudern – das jeweilige Kalenderblatt ist dankenswerterweise zum Abreißen gedacht! Dass der Abriss von „schlechten“ Bauten nicht die korrekte Reaktion sein kann, ist klar, aber bestenfalls müsste es gar nicht erst dazu kommen. Leider spiegelt unsere gebaute Umwelt selten das wider, was Architekturschaffende als gut und richtig empfinden, was ArchitekturjournalistInnen ihren LeserInnen präsentieren.
Doch gute Gestaltung kann nur dann gelingen, wenn diese für Auftraggeber und Bauherrschaft nicht nur eine Frage des Geschmacks ist, sondern auf einer gemeinsamen Ebene von Wissen, Können und Kunst basiert. Öffentliche Bauten – und um die geht es in dieser AIT-Ausgabe – können dazu beitragen, dass Menschen von Kindesbeinen an über die Jugend bis ins Erwachsenenalter Zugang zu einer gestalteten Umgebung haben – von ehrlichen Materialien, ausgewogenen Proportionen und intelligenten Konstruktionen lernen. Entsprechende Kitas und Schulen, Bildungszentren und Bibliotheken, Kirchen und Museen können nicht nur dem Wohlbefinden, sondern auch der Geschmacksbildung dienen – eine wertige Ausstattung und Möblierung inklusive.
Wir haben rund 20 Neu-, Um- und Anbauten aus dem Bildungssektor ausgewählt, die das Potenzial dazu haben und damit einen wichtigen Beitrag zur Baukultur leisten – in Großstädten wie auch im ländlichen Raum.
In anderen Ländern und Kulturen scheint dies durchaus zu funktionieren. In Mexiko-Stadt war die deutsche ArchitektInnengruppe überrascht von der hohen Architekturqualität aus allen Dekaden und von der Vielzahl sehr gut gestalteter und stark frequentierter Museen. Geschichte, Kunst und Kultur werden lebhaft und nahbar inszeniert und in beeindruckenden Gebäuden dargeboten: Das Museo Diego Rivera Anahuacalli ist über 60 Jahre alt und immer noch ein Besuchermagnet – ebenso präsent wie die Museums- und Bildungsbauten von Luis Baragán, Alberto Kalasch, Ricardo Legoretta, Juan O’Gorman und Pedro Ramírez Vázquez. Die bekannteste Architektin Mexikos begrüßte uns persönlich in ihrer Heimatstadt: Tatjana Bilbao – fue un placer para nosotros, muchas gracias!
Wir wünschen Ihnen fröhliche und friedliche Ostern!
Mit besten Grüßen
Petra Stephan, Dipl.-Ing.
Chefredakteurin
Architektin
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