Dialoge Japan : Europa

 

Die Architektur Japans ist seit jeher Inspirationsquelle für Architekten weltweit. Dabei stellt sich die Frage, inwiefern und mit welchen Mitteln architektonische Gestaltungsprinzipien aus der japanischen in die europäische Kultur überführt werden. Dieser Transfer bildet den thematischen Fokus der Ausstellung „Dialoge Japan : Europa“. Im Zentrum stehen Rauminstallationen ausgewählter junger Architekturbüros, in denen ein wesentlicher Aspekt, ein verinnerlichtes Thema oder eine architektonische Idee der persönlichen Auseinandersetzung mit der japanischen Baukultur zum Ausdruck gebracht werden. Ergänzt werden diese mit Skizzen, Zeichnungen, Plänen, Fotografien sowie Statements der Büros, wodurch ein dichtes Panorama an Positionen und Entdeckungen einer jungen Architektengeneration aus Europa entsteht. Nils Rostek, der die Ausstellung „Japan : Europa“ gemeinsam mit Kristina Bacht und Çiğdem Arsu-Minuth (AIT-ArchitekturSalon) konzipiert hat, beschreibt die Suche nach zeitgenössischen, transnationalen Ideen in der Architektur Japans und die Idee, die zur Gruppenschau geführt, die am 22. Januar 2020 mit einer Vernissage im AIT-ArchitekturSalon München eröffnet wird.

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In der Auseinandersetzung mit dem jüngeren Einfluss japanischer Baukultur auf Europa und den damit verbundenen Diskursen, fällt der Blick zunächst auf den Anfang des zwanzigsten Jahrunderts und die Protagonisten Bruno Taut, Martin Gropius und Kenzo Tange.

Zu Beginn der 1930er Jahre war es Taut, der von den Nationalsoziaisten ins Exil getrieben, eine geplante Weltreise in Japan begann. Er folgte der Einladung des Architekten Isaburo Ueno, der ihm auch über Exkursionen zu ausgewählten Architekturen einen tiefen Einblick in die japanische Baukultur ermöglichte.

Anders als geplant blieb der deutsche Architekt einige Jahre. Es entstanden national und international vertriebene Publikationen, in denen er seine Sichtweise auf die dort vorgefundenen Architekturen reflektierte und in Bezug setzte zu den avantgardistischen Ideen der Moderne. Bauten wie zum Beispiel das japanische Heiligtum Ise-jindū (der große Schrein von Ise) oder die kaiserliche Katsura-Villa gerieten erstmals in den Fokus internationaler Aufmerksamkeit. Letztere wurde folgend durch Beiträge von Kenzo Tange, Walter Gropius und vor allem durch die Verbreitung der Fotografien des amerikanisch-japanischen Architekturfotografen Yasuhiro Ishimoto, der diese 1953 im Auftrag des MOMAs fotografierte, zu einer inspirierenden Referenz. Ein Gebäude im Westen Kyotos wurde zu einer Ikone – für die Prinzipien der Moderne, die Ornamentlosigkeit, Reduktion der Farben und den Skelettbau. Ein zweiter durch Arata Isozaki angeregter weiterer Fotozyklus stellte mit den vieldeutigen, fotographischen Darstellungen der geschwungenen Dächer und farbigen Interieurs die Bedeutung der Villa für die Prinzipien der Postmoderne heraus.

 

Verbundenheit mit der japanischen Baukultur

Die ursprünglichen Debatten um die Moderne oder Postmoderne sind zeitgenössischen Diskursen gewichen und die japanische Baukultur hat sich seinerseits im Abgleich mit den Ideen der westlichen Avantgarden verändert. Und doch scheint die Faszination an der Eigenständigkeit und den Ideen hinter der auf dem Inselstaat entstehenden Architektur ungebrochen.

Jüngst erschienen Publikationen von Rem Koolhaas und dem Kurator Hans Ulrich Obrist über den Metabolismus (2019), der ersten Avantgardearchitektur, die nicht im Westen entstand, oder von Seng Kuan und Cristian Kerez über Kazuo Shinohara (2018), einem der bis heute bedeutendsten japanischen Architekten.

Da überrascht es vielleicht auch nicht sehr, dass sich viele der führenden, jungen europäischen Architekturbüros auf essenzielle Weise diesem Land und seiner Baukultur verbunden fühlen. Allgemeingültig zu bestimmen, warum diese Auseinandersetzung gesucht wird und eine inhaltliche „Nähe“ in Themen, Konzepten und Ideen zwischen den beiden Kulturkreisen besteht, ist eine faszinierende, jedoch hoch komplexe Fragestellung. Kaum zu beantworten scheint denn auch die Frage, was denn nun als originär „japanisch“ oder „europäisch“ zu bezeichnen ist.

 

Begehbare Rauminstallationen prägen die Ausstellung

Auf einer individuellen Ebene jedoch kann diese Spur, die über Bruno Taut aufgenommen wurde, weiter verfolgt werden. Ungemein spannend ist es, diese bei den eingangsgenannten jungen europäischen Architekturbüros fort zu führen und zu einer zeitgenössischen Ausstellung und Sammlung von Positionen zusammenzuführen.

Die Fragen, inwiefern und mit welchen Mitteln architektonische Gestaltungsprinzipien aus der japanischen in die europäische Kultur überführt werden können, wie ein verinnerlichtes Thema oder eine architektonische Idee aus einer persönlichen Auseinandersetzung mit der japanischen Baukultur zum Ausdruck gebracht werden kann, waren der Ausgangspunkt für die Ausstellung Dialoge Japan : Europa.

Im Zentrum der Ausstellung stehen, die eigens für diesen Anlass entworfenen, begehbaren Rauminstallationen ausgewählter junger Architekturbüros, in denen ein wesentlicher Aspekt, ein verinnerlichtes Thema oder eine architektonische Idee dieser Auseinandersetzung zum Ausdruck kommen.

Architektur wird nicht wie so oft abstrahiert und in Form von Modellen oder Darstellungen gezeigt, sondern als Architektur selbst erfahrbar. Ergänzt werden diese Architekturen mit Skizzen, Zeichnungen, Plänen, Fotografien sowie Statements der Büros, wodurch ein dichtes Panorama an Positionen und Entdeckungen einer jungen Architektengeneration aus Europa entsteht.

 

Nils Rostek (Kollektiv A, München)

www.kollektiv-a.de

 

In der Gruppenschau sind Beiträge von Arrhov Frick Arkitektkontor AB (SE-Stockholm), Atelier Amont (CH-Basel), Eagles of Architecture (BE-Antwerpen), Fala Atelier (PT-Porto), Frundgallina SA (CH- Neuchâtel), Kawahara Krause (DE-Hamburg), NKBAK (DE-Frankfurt), Studio Maks (NL-Rotterdam), Studio Spazio (IT-Mantova) und UNULAUNU (RO-Bukarest) zu sehen.

Kuratiert wird die Ausstellung von Kristina Bacht und Çiğdem Arsu-Minuth in Zusammenarbeit mit Nils Rostek.

Ausstellungseröffnung: 22. Januar 2020 um 19:30 Uhr im AIT-ArchitekturSalon München mit den Gästen Tetsuya Kimura (japanischer Generalkonsul) und Prof. Dr. Jörg Gleiter (Inhaber des Lehrstuhls für Architekturtheorie an der TU Berlin)
Dauer: 23. Januar – 22. März 2020

Begleitend zur Ausstellung wird es ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm geben. Im Anschluss wird die Schau im AIT-ArchitekturSalon Hamburg ausgestellt.