beyond.aco | 10. Juni 2021 – Die Referenten

Marina Tabassum, BGD-Dhaka

Marina Tabassum wurde 1969 in Dhaka, Bangladesch geboren und studierte Architektur an der Bangladesh University of Engineering and Technology, wo sie ihren Abschluss 1995 mit Auszeichnung absolvierte. Erste Berufserfahrung sammelte sie im Büro von Uttam Kumar Saha, Nandan Architects. In dieser Zeit entwickelte sich ihre Haltung ein nachhaltigeres Konzept der Architektur verfolgen zu wollen. 1995 gründete Tabassum zusammen mit Kashef Chowdhury das Architekturbüro Urbana in Dhaka. 2005 beendete sie die Partnerschaft und gründete ihr eigenes Büro Marina Tabassum Architects.

Als Gastprofessorin lehrte Tabassum unter anderem an der Harvard University Graduate School of Design, an der Universität von Texas, an der BRAC University in Dhaka und an der TU Delft. Seit 2015 leitet sie das Akademische Programm des Bengal Institute for Architecture, Landscapes and Settlements. Während ihrer Lehrtätigkeit in Harvard entwickelte sie 2017 mit Studierenden und einheimischen Handwerkern Häuser für Bewohner des häufigen Überschwemmungen ausgesetzten Gangesdelta, von denen jedes nur 2.000 Dollar kosten durfte. 2018 war sie Teil der Ausstellung „Freespace“ im Rahmen der Architekturbiennale in Venedig. Die Technische Universität München verlieh ihr 2020 den Ehrendoktortitel für ihren Beitrag in Architekturpraxis, Forschung und Wissenschaft.

Tabassum wurde 2020 vom Prospect Magazine UK unter die „top ten thinkers of the world“ gewählt. Sie gewann 2018 den Jameel-Preis und wurde 2016 mit dem renommierten Aga Khan-Preis für Architektur für die Gestaltung der Baitur Rauf Jame-Moschee in Dhaka ausgezeichnet, die mit einem minimalen Budget über einen Zeitraum von zwölf Jahren realisiert und 2012 fertiggestellt wurde.

www.mtarchitekts.com

Simón Vélez, COL- Bogotá

Simón Vélez wurde 1949 in Manizales, Kolumbien, geboren und ist Sohn und Enkel von Architekten. Vor fast 35 Jahren entdeckte Simón eine sehr einfache Bautechnik, die die Art und Weise, wie wir mit Bambus bauen können, revolutionierte. Diese Technik, die darin besteht, Zementmörtel in die leeren Kammern des Bambus zu spritzen, wo es strukturelle Verbindungen gibt, ermöglicht es zum ersten Mal, den Bambus als einen echten „pflanzlichen Stahl“ zu verwenden. Während die Architektur von Simon Velez einen starken Bezug zu einheimischen Traditionen hat, hat er die Grenzen der Bambuskonstruktion verschoben, um der Architektur eine zeitgenössische Struktur und einen modernen Ausdruck zu verleihen – große Spannweiten, voluminöse Räume mit beeindruckenden Höhen, elliptische Kuppeln und Cupula-Strukturen.

Die Arbeit von Simón Vélez und seine Entwicklung neuer Techniken zur Verwendung von Bambus über Jahrzehnte hinweg hat die Reichweite von Bambus international vergrößert. Zusammen mit Stefana Simic hat er seit 2014 die Entwicklung der Arbeit und Erforschung in der Vorfertigung noch weiter vorangetrieben und die Bekanntheit vergrößert. In diesem Jahr präsentieren Simón Vélez und Stefana Simic mit ihrem Designbüro Gigagrass (www.gigagrass.com) ein Bambuszelt (bespannt mit marokkanischen Textilien), das von nomadischen Traditionen Nordafrikas inspiriert ist. Dieses Zelt, das aktuell auf der Biennale in Venedig steht, wird anschließend nach Katar reisen. Dies ist ein Beispiel dafür, wie international tropisches Design und Bambus sein können. Die kontinuierliche Entwicklung neuer Methoden und Designstrategien, die die Verwendung natürlicher Materialien in modernere Anwendungen integrieren und gleichzeitig die Beteiligung und das Können des Handwerkers beibehalten, sind ein Weg, sich vorwärts zu bewegen und gleichzeitig die Traditionen der Verwendung natürlicher Materialien zu ehren. Simón Vélez betont stets, dass ursprünglich zu sein bedeutet, zum Ursprung zurückzugehen. Für das Denken in die Zukunft ist es unerlässlich, vergangene Traditionen zu ehren und darauf aufzubauen, um eine solide Basis zu haben, von der aus man sich vorwärts bewegen kann.

Simón Vélez verfügt über mehr als 50 Jahre Erfahrung als preisgekrönter Architekt (lizenziert in Kolumbien). Er gilt weithin als Pionier in der Arbeit mit Bambus. Er entdeckte neue und revolutionäre Techniken in Bambus-Tischlersystemen, die es dem Bambus zum ersten Mal in der Geschichte erlauben, unter Spannung zu arbeiten. Dadurch werden die strukturelle Funktion und die natürliche Stärke des Bambus optimiert. Simón Vélezwurde mit dem Principal Prince Claus Award (2009) sowie mit dem Award of Honor in Analysis and Planning der American Society of Landscape Architects im Jahr 2006 für seine Arbeit an der „Crosswaters Ecolodge“ ausgezeichnet. Zu seinen wichtigsten Arbeiten gehören der indische Pavillon auf der Expo Shanghai (2010), das Nomadic Museum auf dem Zocalo-Platz in Mexiko (2008), der Tempel in Cartagena, Kolumbien (2009), das Ecolodge-Hotel in Guangzhou, China (2005), die Jenny-Garzon-Fußgängerbrücke in Kolumbien (2003), die Reggae-Bühne in Jamaika (2002) und der Zeri-Pavillon auf der Expo Hannover, Deutschland (2000).

www.simonvelez.net