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Slow_House TV 1991 – Lauritz Bohne, Stipendiat 2020/2021

 

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Blogger: Lauritz Bohne
Slow_House TV 1991″

 

Slow_House TV 1991 ist eine dreiteilige Videocollage, die versucht, die Eigenschaften von Diller Scofidios nie realisiertem Wochenendhauses Slow House in ein eigenständiges Projekt zu übersetzen. Dafür wird ausschließlich Videomaterial aus dem Jahr der Konzeption des Hauses (1991) verwendet – als Hommage an das im Fokus des Hauses liegenden picture window:  Ein Fenster, das in Synthese mit dem sich davor befindenden Monitor tritt.[1]

Das picture window markiert den Endpunkt einer Reise, die in der schnelllebigen Stadt beginnt und im Slow House ihren Stillstand findet. Der Bildschirm wird zum Symbol eben dieses Stillstandes, fast zum Symbol der Anti-Bewegung. Der Ausblick wird kontrollierbar: Mit einem Knopfdruck lässt er sich ausschalten, mit einem anderen sogar zurückspulen.

Das Haus selbst ist aus der Geometrie zweier sich überschneidender Kreise konzipiert, deren Durchschnitte verschiedene Bildfragmente bilden, die in den Konzeptskizzen und Modellen Diller Scofidios eine cineastische Betonung erfahren – als wäre jeder der Schnitte eine eigenständige Szene, die durch die Durchwanderung des Bewohners erlebbar wird.

In der ersten Phase der Übersetzung (siehe Skizzen) werden diese Szenen – vom Verlassen der Stadt mittels Auto bis zum Anschalten des Monitors von der Couch aus – durch das Überlappen der Zeichnungen in Relation gebracht. Diese Relation ist geprägt von der Geschwindigkeit, in der die jeweiligen Szenen erfahren werden.

Die finale Videocollage nimmt den Betrachter mit auf eine sich verlangsamende Reise zum ersehnten letzten Bild, das schließlich den Stillstand erzwingt. Der Betrachter wandert durch 10 Sequenzen, die sich in Größe, Länge und Transparenz verändern und schließlich überlagern. Diese Überlagerungen sind alle aus der Geometrie des Hauses selbst abgeleitet (siehe Diagramm). Je näher der Betrachter dem Endbild kommt, desto weniger Bilder überschneiden sich, desto langsamer scheinen die Sequenzen zu werden.

Das Leitmotiv ist die Reise, die in diesem Zusammenhang als integraler Bestandteil des Slow House als Wochenendhaus verstanden wird. Sie leitet eine gewisse Trance ein, die am Wochenende für völliges Abschalten sorgt. Die dynamische, sich ausdehnende Form des Hauses nimmt die Bedeutung der Entschleunigung an. Die wechselnden Figuren in den Bildern sind Metaphern für die sich verändernde Umgebung auf der Reise, von der hektischen Stadt zur ruhigen Landschaft. Vom grellen EXIT Schild zum beruhigenden Dahinfließen des Wassers.

Letztlich ist es die Berührung des Fingers auf der Klingel, die wie das Drücken eines Knopfes der Fernbedienung die Landschaft erscheinen lässt. Das finale Bild, das einzige, das nicht durchschritten werden kann, erlaubt nur einen letzten Zoom in die Szenerie.

Hier ist das Wasser, das andere Ufer, der Horizont, ersehnt, schließlich unerreichbar – die Reise erfährt ihr Ziel.

[1] Slow house. DS+R. (1991). https://dsrny.com/project/slow-house

 

 

 

 

 

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