WE DON’T WORK

Wie sehen unsere Arbeitswelten von morgen aus? Vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen stellt sich diese Frage noch einmal ganz neu. Auch vor der radikalen Umstrukturierung unseres Arbeitslebens versprach das Thema New Work eine neue Perspektive auf die Frage nach der Zukunft der Arbeit in unserer vernetzten und komplexer werdenden Welt zu sein. Inzwischen trifft dies umso mehr zu. Zwischen Work-Life- Balance, Flexwork und Home-Office verschmelzen die Grenzen von Arbeiten und Leben. Wir arbeiten nicht mehr, um zu leben, und wir leben nicht mehr, um zu arbeiten. Man könnte fast meinen: WE DON‘T WORK. Mit einer eigens konzipierten Workshopreihe will LXSY Architekten in Zusammenarbeit mit wexim andere Facetten des Begriffs „New Work“ beleuchten und so ein Kaleidoskop gesellschaftlich relevanter Themen erforschen. Unter Headlines wie „We don‘t work…“ „we care“, „We eat“ oder „We sleep“ werden Experten ihr Fachwissen rund um ausgewählte Themen wie Social Leadership, nachhaltiges Essen oder gesunden Schlaf mit den Teilnehmern teilen. Für einen gemeinschaftlichen Wissenstransfer werden die gewonnenen Einblicke durch praktische Anwendungen für jeden Einzelnen direkt erfahrbar. Neben gesellschaftlichen Veränderungen wollen LXSY Architekten neue Visionen der sozialen Aspekte unserer zukünftigen Arbeitskulturen untersuchen. In ihrem Leitartikel geben die Architektinnen einen ersten Vorgeschmack.

 

Neue Räume – miteinander anders denken und handeln

von LXSY Architekten, Berlin

 

Was können wir als Gestalter von der Idee des Neuen Arbeitens lernen? Neue Formen des Arbeitens benötigen neue Räume. Innovative Konzepte setzen dabei eine Veränderung im Gestaltungsprozess voraus. Nur wer anders denkt, kann auch anders gestalten.

In einer stetig komplexer werdenden Welt stellt sich mehr und mehr die Frage nach einem selbstbestimmten und nachhaltigen Wandel. Wie wollen wir in Zukunft zusammen leben und arbeiten? Und wie können wir dieses morgen bewusst gestalten? Fortschreitende Entwicklungen der Globalisierung, Digitalisierung, Urbanisierung, Klimakrise und des demographischen Wandels bedürfen neuer Lösungen. Mögliche Antworten lassen sich bereits im Feld des New Work ablesen. Unter Schlagworten wie Co-Creation, Agilität, Holocracy, Business Ecosystems, Open Innovation findet eine Transformation der Arbeitswelt statt. Was aber bedeutet es wirklich agil, vernetzt, kreativ und kollaborativ zu arbeiten – ohne als einfache Plattitüde daherzukommen, die zum abgedroschenen Verkaufsschlager avanciert?

Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Herausforderungen stellt sich diese Frage noch einmal ganz neu. Bis vor Kurzem schienen Home-Office, flexible Arbeitszeiten und digitale Meetings noch undenkbar. Ganz unvermittelt haben die Veränderungen durch Corona uns als Gesellschaft mit neuen Realitäten konfrontiert. Krisen betonen mehr denn je, was wichtig ist und wie Zeiten wie diese gemeistert werden können – nämlich gemeinsam. Wir wollen es als Möglichkeit der Veränderung sehen, neue Beziehungen und Kontexte zu schaffen. Nur aus einem neuen Blickwinkel heraus können zukünftige Arbeitswelten entstehen und steife Strukturen von flexiblen und wandelbaren Organisationen abgelöst werden, die nachhaltig mit der Zeit wachsen können.

Aktuelle Probleme und Herausforderungen der Zukunft lassen sich nicht mit der Denkweise lösen, durch die sie in der Vergangenheit entstanden sind. Wir plädieren dafür, neue Denkräume zu ermöglichen, um gewohnte Strukturen zu transformieren. Gestaltung beginnt in unseren Köpfen und wirkliche Innovation erfordert eine neue Art des Denkens.

 

Flexible und anpassungsfähige Räume, in denen Menschen gemeinsam etwas auf die Beine stellen

Der erste Schritt dazu: den Mut zu haben, Dinge, die uns selbstverständlich erscheinen, zu hinterfragen, ohne bereits selbst eine fertige Antwort parat haben zu müssen. Mit diesen offenen Fragen kann die Basis für einen neuen Diskurs geschaffen werden. Erst wenn wir gemeinsam in Diskussion treten, kann eine Vielfalt an Sichtweisen ins Gespräch kommen. Diversität fördern wir, indem wir gemeinsam Wissen und das Bewusstsein für die Gestaltbarkeit der Welt teilen. Lasst uns also für offene Transformationsprozesse in Netzwerken und Kollaborationen denken. Unsere Aufgabe als Gestalter ist es, Ideen zu suchen, auszuprobieren, zu reflektieren, zu korrigieren und zu modifizieren. Wir mögen den Gedanken von C. Otto Scharmer „Erkunde die Zukunft im Handeln“.

Welche Räume benötigen wir für ein zukunftsfähiges Miteinander? Utopien können Realität werden, wenn wir Möglichkeiten anbieten. Unsere neuen Büros brauchen die Optionen für verschiedene Arbeitsszenarien, so dass jeder selbstbestimmt wählen und agieren kann. Durch Flexibilität und die Anpassbarkeit an wechselnde Umstände und Bedürfnisse wird der eigene Alltag gestaltbar. Wir fordern damit die Bereitstellung eines vielschichtigen Raumes, der Agilität im wahrsten Sinne des Wortes ermöglicht und nicht behindert. Darüber hinaus benötigen wir Orte des Austausches, an denen Menschen zusammenkommen, um gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen – Orte, an denen Engagement und Verantwortung gelebt werden können.

Bereits das Bauhaus kann als Vorläufer der Co-Working Spaces und Startup-Hubs betrachtet werden – als ein Ort, an dem das gemeinsame Lernen im Vordergrund stand. Dessen Ansätze sind auch heute nach 100 Jahren noch aktuell: interdisziplinär und demokratisch die Welt neu betrachten, kritisch zu hinterfragen und die Gesellschaft zu verbessern. Wie damals durch die Industrialisierung stehen wir heute durch die digitale Transformation ebenso vor neuen Herausforderungen. Gestaltungsansätze, die sich auf Gemeinschaft, Transparenz, Demokratie und Freiheit berufen, können insofern vielversprechende Richtungen vorgeben, um neue Strukturen wachsen zu lassen.

In unserer Vorstellung des Neuen Arbeitens verabschieden wir uns von starren Hierarchien und ermöglichen stattdessen Organisationen, die einem lebendigen Organismus ähnlich eines Biotopes gleichen. Ein System, das jedem Einzelnen ermöglicht, mitzuwirken. Teilhabe ist ganz allgemein der Schlüssel für aktive Nachbarschaften und ein wertschätzendes Zusammenleben. Vom Kleinen ins Große übertragen lässt sich die Frage, wie wir in Zukunft zusammen leben und arbeiten wollen, auch auf unser gesellschaftliches Miteinander übertragen. New Work zeigt uns eine neue Kultur der Gemeinschaft basierend auf einem werteorientierten Handeln und gegenseitigem Vertrauen. Wagen wir also einen strukturellen Wandel für eine gelebte Utopie.

 

LXSY Architekten, Berlin

LXSY Architekten wurde 2015 von Kim Le Roux und Margit Sichrovsky als Planungsbüro für integrative Architektur und Raumgestaltung in Berlin gegründet. Als junges Architekturbüro initiiert, moderiert und realisiert  LXSY Architekten langfristig funktionierende und nachhaltige Projekte, die die Potenziale von Orten und sozialen Räumen aufspüren und verstärken. Die Architektinnen agieren als Schnittstelle zwischen Auftraggebern und Projektpartnern und treten gemeinsam mit allen Beteiligten in einen partizipativen Prozess. Mit ihrer Arbeit wollen sie aktiv Menschen zusammenbringen, die den Austausch schätzen und gemeinsam neue Projekte und Perspektiven entwickeln. Als Teil von einem großen Ganzen bewegen sie sich hierfür in interdisziplinären Netzwerken und verbinden sich mit Akteuren aus vielfältigen Disziplinen. Das Angebot erstreckt sich von einem gesamtheitlichen Gestaltungsansatz bis zur Begleitung durch alle Planungs- und Bauphasen. Mit ihrer Arbeit verfolgen LXSY Architekten innovative Ansätze des Arbeitens und Wohnens. Das Interesse erstreckt sich dabei von Co-Working-Spaces, Produktdesign bis hin zu Social Business Konzepten. Die Planerinnen versuchen mit jedem ihrer Projekte einen Einfluss auf das gesellschaftliche Zusammenleben zu nehmen und sind von der Fähigkeit der Architektur überzeugt, eine sozial, kulturell, ökologisch und ökonomisch nachhaltige Zukunft zu fördern. Die Ansätze des Büros sind dabei unkonventionell. Indem Prozesse neu gedacht werden, finden die Architektinnen maßgeschneiderte Lösungen. Sie arbeiten für visionäre Auftraggeber und entwickeln gemeinsam Konzepte für ein zukunftsfähiges Miteinander.

 

Die Partner der Workshop-Reihe:

Euroboden
System 180
Kvadrat
Herman Miller
Wexim

 

 

LXSY Architekten
Lützowstraße 102-104
10785 Berlin
Tel. +49 30 235 99 55-00

www.lxsy.de

 

Visualisierung: LXSY Architekten