Eine Frage an…

Emergency Architecture & Human Rights (EAHR): 100 Klassenräume für geflüchtete Kinder, Za’atari Village. Foto: Martina Bo Rubino

Ausstellung „Critical Care“ im Architekturzentrum Wien.
AZW-Direktorin Angelika Fitz erläutert das Konzept

Die Lage ist kritisch. Menschengemachte ökologische und soziale Katastrophen drohen den Planeten unbewohnbar zu machen, und dominiert von den Interessen des Kapitals sind Architektur und Urbanismus in diese Krisen verstrickt. Doch es geht auch anders, wie die Ausstellung „Critical Care. Architektur für einen Planeten in der Krise“ gezeigt hat, die ich gemeinsam mit Elke Krasny kuratiert habe. Die Schau und das dazu gehörige, bei MITPress erschienene Buch geben ein Plädoyer für eine neue Haltung in Architektur und Stadtentwicklung: eine Haltung des Sorgetragens. 21 aktuelle Beispiele aus Asien, Afrika, Europa, der Karibik, den USA und Lateinamerika stellen unter Beweis, dass Architektur und Stadtentwicklung sich nicht dem Diktat des Kapitals und der Ausbeutung von Ressourcen unterwerfen müssen. Dazu gehören die Rückeroberung der Straßen als Aufenthaltsraum in Barcelona, die Umnutzung von leerstehenden Bürobauten für Kultur, Soziales und Wohnen in Berlin und Sao Paulo, erdbebensichere und nachhaltige Dorfentwicklung in China, Überschwemmungsschutz durch traditionelle CO2-arme Bautechniken in Pakistan und Bangladesch, die Verlängerung der Lebensspanne von Bauten aus der Nachkriegsmoderne in Frankreich, ein ökologischer Community Land Trust in Puerto Rico, die Revitalisierung historischer Bewässerungssysteme in Spanien, neue Konzepte für öffentliche Räume und durchmischte Stadtquartiere in Wien, London und Nairobi. In jedem der Projekte werden die Beziehungen zwischen Ökonomie und Ökologie neu bestimmt. Das erfordert neue Allianzen zwischen Architekt*innen, Stadtverwaltungen, Zivilgesellschaft und nachhaltig orientierten Unternehmen. „Critical Care“ beweist, dass Architektur und Urbanismus dafür sorgen können, den Planeten und seine Bewohner*innen wiederzubeleben. Die Reparatur der Zukunft hat begonnen!

 

Über die Autorin:

Angelika Fitz ist Kulturtheoretikerin, Autorin und Kuratorin, seit 1998 mit eigenem Büro in Wien. Sie entwickelt kuratorische Projekte an den Schnittstellen von Architektur, Kunst und Urbanismus für internationale Museen, Ministerien und Kulturinstitute. Sie leitet seit 2017 das Architekturzentrum Wien.

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