SHIFT – Kursänderung in der Architektur

Metischool in Bangladesch von Anna Heringer und Eike Roswag

Die Messe DOMOTEX mit dem selbst gewählten Motto ATMYSPHERE widmet sich nicht nur dem Wohlbefinden, sondern auch der Nachhaltigkeit. SHIFT, der Wandel oder die Verschiebung der Prioritäten also, zieht sich als roter thematischer Faden durch die von AIT-Dialog zusammengestellten vier Vortragstage. Mit hochkarätigen Architekten soll darüber diskutiert werden, welchen Beitrag die Architektur für ein qualitätsvolles Leben und Arbeiten unter ökologischen und sozialen Aspekte leisten kann.

Digitale Werkzeuge dienen einer Ökonomisierung des Bauens
Eine grundlegende Kursänderung – also SHIFT im Sinne von Drehung – ist vonnöten. Diese erfordert es, gewohnte Wege zu verlassen, etwas zu wagen, zu Gunsten neuer, auch überraschender und noch zu entdeckender Lebensqualitäten. Aber was ist die Rolle der Architektur für diese Kursänderung? Architekten bedienen sich digitaler Werkzeuge zur Ökonomisierung des Bauens, im Sinne eines Einsparens von materiellen und energetischen Ressourcen. Sie entwickeln Modelle der Umnutzung von Bestand im Sinne eines ressourcensparenden Handelns. Sie stellen räumliche Ordnungen eines sozialen Miteinanders her. Darüber hinaus verfügen sie aber vor allem über zwei Kompetenzen, die in anderer Weise zu einer Kursänderung beitragen können. Erstens sind sie geschult darin, die eigenen disziplinären Grenzen zu überwinden. So arbeitet die Architektin Anna Heringer (Studio Anna Heringer, Laufen), eine der Vortragenden, nicht nur mit dem nachhaltigen Baustoff Lehm. Mit ihrem Projekt einer partizipativen, dezentralisierten und lokalen Textilproduktion zugunsten der Lebensqualität der Frauen in den beteiligten Dörfern Bangladeschs setzt sie eine Alternative zu einem Menschen und Ressourcen ausbeutenden „made in Bangladesh“ und betont in ihrem Vortrag: „Nachhaltigkeit=Schönheit“.

Auch die jüngere Generation kommt zu Wort
Zweitens können Architekten Zukunftsbilder entwerfen. Genau an solchen, kritisiert der Soziologe Harald Welzer, würde es fehlen, um konkurrenzfähig gegenüber der konsumistischen Zukunft zu sein.[1] Die Collage ist beispielsweise ein beliebtes Medium derjenigen Architekten, die noch nicht unbedingt am Zug sind „graue Energie“ in die Welt zu stellen. Bilder dienen dazu, zu zeigen wie es sein könnte, Wünsche aufzuspüren und zu visualisieren. SHIFT lässt zu sich verändernden Arbeitsbedingungen und -formen und ökologischen und sozialen Aspekten des Bauens und Zusammenlebens neben Vertretern großer, etablierter Architekturbüros, auch diese jüngere Generation zu Wort kommen. Dazu gehört zum Beispiel das portugiesische Büro Fala Atelier: Lera Samovich wird in Hannover die eigens entwickelte Strategie eines „methodic optimism“ vorstellen und man darf gespannt sein auf ihren Vortrag, der den Titel „The Possible Architecture“ trägt und der uns vielleicht eine Ahnung gibt, wozu Architektur imstande ist, um jenen Wandel zu unterstützen, den wir den kommenden Generationen schuldig sind.

1] Welzer, Harald (2019): Zukunftsbilder von Gestern, Heute und Morgen. In: Michaela Christ, Bernd Sommer, Klara Stumpf (Hg.): Transformationsgesellschaften. Zum Wandel gesellschaftlicher Naturverhältnisse, Jahrbuch Ökonomie und Gesellschaft, Bd. 30, Weimar bei Marbug: Metropolis. S. 134-141

 

Die Messe DOMOTEX findet vom 10. – 13. Januar 2020 in Hannover statt.

Mehr Informationen über die Messe und das von AIT-Dialog konzipierte Sonderprogramm „SHIFT – Talks & Tours“: www.domotex.de

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Fotos: Julien Lanoo,Kurt Hoerbst