Interior Scholarship – das AIT-Stipendium der Sto-Stiftung


Interview mit den Stipendiatinnen Anca, Stella, Juliane und Carlijn Olde
Mit dem Stipendium der AIT und der Sto-Stiftung werden Innenarchitekturstudenten für ihre Ideen und kreativen Denkweisen ausgezeichnet.

Das mit insgesamt 24.000 Euro dotierte Interior Scholarship erhalten im Studienjahr 2018/2019 Anca Badut (University of Architecture and Urbanism “Ion Mincu“, Bukarest), Stella Josefine Funk (Hochschule RheinMain, Wiesbaden), Juliane Glaser (Hochschule Mainz) und Carlijn Olde Beverborg (Piet Zwart Institute, Rotterdam).

Uwe Koos, Vorsitzender des Stiftungsvorstands der Sto-Stiftung und Kristina Bacht, Verlagsleiterin AIT-Dialog, sprachen mit den Vieren.

Anca, nehmen deinem Studium zeigst du reges Interesse am interdisziplinären Arbeiten. Wie kann das Interior Scholarship dich auf deinem Weg unterstützen?
An der Universität habe ich die ganze Bandbreite an Projekten kennengelernt – von der Arbeit an Details bis zur Stadtplanung. Dadurch ist mir klar geworden, dass man sich nie einschränken sollte. So ist in mir das Interesse an experimenteller Architektur gereift und ich habe selbständig neue Dinge gelernt. Die nicht enden wollenden Möglichkeiten, die einen Gestaltung bietet, und die Herausforderungen, in verschiedenen Größenordnungen zu arbeiten, haben mich während meines Studiums am meisten inspiriert. Durch das Stipendium möchte ich auch die unterschiedlichen Werkzeuge besser kennenlernen – von der wissenschaftlich-akkuraten Simulations-Software bis zu Maschinen, die bei experimentellen Projekten zum Einsatz kommen. Lange Zeit konnte ich nicht alles über ein neues Arbeitsgebiet lernen, da ich die entsprechenden Bücher nicht bekommen konnte oder mir bestimme Software oder Materialien nicht leisten konnte. Auch wenn das Leben weit weg von der Familie teuer ist, geht es mir nicht nur um das Finanzielle. Eine meiner wichtigsten Motivationen ist der Austausch mit Menschen unterschiedlicher Herkunft. Ich bin mir sicher, dass ich durch das Stipendium auch viele interessante Menschen kennen lernen werde.

Stella, was begeistert dich besonders am Studium der Innenarchitektur und was wird sich für dich durch das Stipendium ändern
Besonders begeistert mich die Vielfältigkeit meines Studiums. Von geschichtlichem Hintergrundwissen bis zu handwerklichem Arbeiten ist alles dabei. Die meisten Fächer sind sehr praxisbezogen. Das Arbeiten an verschiedenen Projekten mit unterschiedlichsten Materialien macht einfach Spaß. Und dadurch, dass die Anzahl der Studierenden begrenzt ist, entsteht eine intensive Arbeitsatmosphäre in kleinen Arbeitsgruppen. Die Professoren und Dozenten sind hautnah am Entwicklungsprozess beteiligt und zeigen echtes Interesse an der persönlichen und fachlichen Entwicklung. Die monatliche Unterstützung durch das Interior Scholarship hilft mir ungemein. Neben dem intensiven Studium finanziere ich nebenher meinen Lebensunterhalt in einer Firma als Einrichtungsberaterin und entwerfe maßangefertigte Möbel aus Holz. Das nimmt zusätzlich viel Zeit in Anspruch und lässt kaum Möglichkeiten sich nebenher noch mit studienbezogenen Dingen zu beschäftigen. Durch das Stipendium kann ich meine Arbeitsstunden mit gutem Gewissen reduzieren. So bleibt mir mehr Zeit und Motivation, die ich in meine studentischen Aufgaben investieren kann. Da ich zwischen dem Bachelor und dem Master gerne ein Praktikum machen möchte, ist die finanzielle Unterstützung ein großer Segen, der mir eventuell sogar ein Praktikum im Ausland ermöglicht.
Alles in allem bin ich unheimlich stolz und sehr dankbar, dass ich das AIT Stipendium der Sto-Stiftung bekommen habe.

Juliane, womit verbindest du Innenarchitektur und was sind deine Pläne für die Zeit nach deinem Studium?
Innenarchitektur verbinde ich in erster Linie mit Material, Licht, Raum, sozialen Strukturen sowie Atmosphäre. Von all dem fasziniert mich besonders die Atmosphäre. Es ist ein Begriff, den ich noch nicht ganz begreife, obwohl ich jeden Tag mit ihm arbeite. Durch das Studium der Innenarchitektur nehme ich meine Umgebung ganz anders war. Auf Reisen oder bei einem kurzen Spaziergang am Rhein oder durch die Stadt versuche ich zu verstehen, weshalb manche Räume funktionieren, manche Plätze scheitern und bestimme Kompositionen eine solche Anziehungskraft ausstrahlen. Darüber hinaus hatte ich schon immer den naiv anmutenden Gedanken, der Welt etwas Gutes zu tun und ich denke, dass ich dies durch das Gestalten von Räumen, in denen sich Menschen bewegen und die in der Natur ihren Platz finden müssen, auf eine bescheidene Art und Weise tun kann. Nach meinem Master würde ich gerne eine Zeit lang in einem Architekturbüro arbeiten, um meine Ahnung durch Erfahrung zu bereichern. Am liebsten nur viermal die Woche, sodass Zeit für eigene Projekte bleibt. Gerne würde ich eine Zeit lang verstärkt im Bereich Projektmanagement arbeiten, um mich dann nach zwei bis drei Jahren als Innenarchitektin selbstständig zu machen und entwerfen zu können. Außerdem kann ich mir sehr gut vorstellen, nicht nur Raumkonzepte, sondern auch einzelne Produkte und urbane Interventionen zu realisieren.

Carlijn Olde, dein erklärtes Ziel ist es, nach dem Studium ein eigenes Design-Studio zu gründen, um so deine politischen und soziologischen Konzepte und Ideen am besten zu verwirklichen. Wie kann das Interior Scholarship dich dabei unterstützen?
Das Design-Studio, das ich gründen möchte, sollte als Plattform dienen, in dem verschiedene Disziplinen wie Kunst und Design zusammen kommen, zum Beispiel in der Kombination aus Film, Musik Innenarchitektur und interaktivem Design. Um dieses Ziel zu erreichen, will ich das nächste Jahr nutzen, um mit jungen niederländischen Designern und Künstlern zu arbeiten und von ihnen zu lernen. Wenn es mir gelingt, die richtigen Leute zu finden und ihre Fähigkeiten mit meinen zu verbinden, kann daraus eine starke Einheit aus unterschiedlichen Design-Disziplinen erwachsen. Wenn ich bereits im letzten Jahr meines Master-Studiengangs die entsprechenden Vorbereitungen für die Schaffung dieser Plattform treffe, könnte ich direkt nach dem Studium damit beginnen, Projekte umzusetzen. Mit der Unterstützung durch das Stipendium ließe sich dieses Ziel leichter umsetzen. So wäre ich in meinem zweiten Studienjahr finanziell unabhängig und ich könnte bereits mit Unternehmen zusammenarbeiten, die meine Arbeit auf professionelle Art und Weise produzieren. Mit dem Stipendium im Rücken wird die Design-Szene meine Arbeit zudem ernster nehmen und die Zusammenarbeit mit Unternehmen wird sowohl meinen Umgang mit Materialien als auch mein professionelles Auftreten (business skills) verbessern. Angetrieben von meinem Ehrgeiz und meinem Unternehmerinstinkt kann ich es kaum erwarten, den industriellen Sektor des Designs zu entdecken.

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