Entwürfe für eine neue Synagoge – Ausstellung im AIT-ArchitekturSalon Hamburg

Zwischen Hochbunker und Synagogenmonument: Neue Synagoge Bornplatz in Hamburg

Eine Ausstellung der BTU Cottbus (Lehrstuhl für Entwerfen und Bauen im Bestand)

Ausstellungsdauer: 18. Mai bis 5. Juni 2021 Hinweise zum Ausstellungsbesuch siehe unten
Diskussionsveranstaltung: 27. Mai 2021, 18 Uhr im Livestream

> Aufzeichnung der Diskussionsveranstaltung auf YouTube ansehen

Der AIT-ArchitekturSalon Hamburg präsentiert vom 18. Mai bis 5. Juni 2021 Entwürfe junger Architekt*innen für eine neue Synagoge auf dem ehemaligen Bornplatz in Hamburg-Rotherbaum. Mit dem Ziel, ein zeitgenössisches Zentrum jüdischer Kultur in Hamburg zu entwerfen, entwickeln die Arbeiten unterschiedliche, mitunter überraschende Beiträge zum Umgang mit dieser hochaktuellen Aufgabe.

Ausgehend von einer Archäologie des Ortes und unter Anwendung gezielter Strategien des Weiter-, Um- und (Wieder-)Aufbauens werden Perspektiven aufgezeigt, wie die Architektur zur Weitererzählung jüdischer Geschichte an diesem Ort beitragen kann, wenn sie sich der Freiheit bedient, das Vorhandene in ihrem Sinne zu transformieren.

Die Entwürfe sind als Masterarbeiten im Wintersemester 2020/21 am Lehrstuhl für Entwerfen und Bauen im Bestand sowie Bildende Kunst der BTU Cottbus-Senftenberg entstanden.

Wir freuen uns, die Entwürfe zeigen zu können und am 27. Mai 2021 um 18 Uhr das kontroverse Thema in einer Diskussionsveranstaltung aufzugreifen. Amelie Deuflhard (Künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin Kampnagel – Internationales Zentrum für Schönere Künste, Hamburg), Frank Engelbrecht (Pastor Hauptkirche St. Katharinen, Hamburg), Prof. Dipl. Ing. Bernd Kniess (Professor für Urban Design, HafenCity Universität Hamburg), Prof. Per Pedersen (Fachgebiet Entwerfen und Bauen im Bestand, BTU Cottbus-Senftenberg), Philipp Stricharz (1. Vorsitzender Jüdische Gemeinde Hamburg) und Dr. Alexander Stumm (Architekturhistoriker und Journalist, Institut für Architektur, Architekturtheorie, TU Berlin) bilden das Podium. Moderiert wird die Diskussion von Olaf Bartels (Architekturkritiker und Architekturhistoriker, Berlin/Hamburg) und die Absolvent*innen der BTU Cottbus-Senftenberg präsentieren ihre Entwürfe.

Die Gesprächsrunde wurde im Livestream übertragen, hier können Sie sich die Aufzeichnung anschauen: > zur Aufzeichnung auf YouTube

Hintergrund der Ausstellung
Die im neoromanischen Stil erbaute Synagoge am Bornplatz im Hamburger Grindelviertel wurde 1906 als größte Synagoge der Deutsch-Israelischen Gemeinde Nordeuropas eingeweiht. In der Reichspogromnacht 1938 wurde sie zerstört und auf Kosten der Gemeinde 1939 abgerissen. Seit 1942 besetzt der heute von der Universität genutzte Hochbunker den Ort und zerteilt den ehemali­gen Bornplatz in den Joseph-Carlebach-Platz und den Allende Platz.

In Hamburg wird seit dem versuchten Anschlag auf die Synagoge in Halle im Jahr 2019 über einen Wiederaufbau der Born­platzsynagoge diskutiert. Abgesehen von der Synagoge Hohe Weide gibt es heute nur wenige sichtbare Zeichen jüdischen Lebens in der Hansestadt.

In diesem Kontext betreute das Fachgebiet Entwerfen und Bauen im Bestand sowie Bildende Kunst der BTU Cottbus-Senftenberg unter der Leitung von Professor Per Pedersen und Professor Jo Achermann im vergangenen Wintersemester 2020/21 mehrere Masterarbeiten, die sich mit möglichen Lösungs­ansätzen zum Neubau einer Synagoge an dem historischen Ort befassten.

Entstanden sind fünf Entwürfe, die mittels unterschiedlicher städtebaulicher Setzung den Rahmen der nun gezeigten Ausstellung bilden. Der Entwurf einer Synagoge (altgriechisch für „Zusammenkunft“) erforderte eine intensive Ausei­nandersetzung mit den zeremoniellen Abläufen des Judentums. Die wesentlichen Elemente wie Thoraschrein und Lesepult (Bima) sind dabei von zentraler Bedeutung.  In der Ausarbeitung betrachten die Arbeiten gleichsam Themen wie Symbolik, plastische Gestaltung, Atmosphäre, Raumproportion, Licht, Materialität sowie Sicherheitsaspekte und liefern auf diesem Weg wertvolle Beiträge zur möglichen zukünftigen Gestaltung dieses prägnanten Volumens. Darüber hinaus reflektieren sie jeweils eine eigene Haltung zu traditionellen und zeitgenössischen Positionen beim Entwurf sakraler Räume, u.a. auch ob die traditionelle Trennung von Männern und Frauen im Synagogenraum beizubehalten ist.

Der Umgang mit den zeitlichen Schichten, der bei der Aufgabenstellung auch eine mögliche Rekonstruktion der ursprünglichen Synagoge nicht ausschloss, wird in Entwürfen individuell geklärt.

So formt ein Teil der Projekte die Weitererzählung der jüdischen Ge­schichte an diesem Ort insbesondere durch ihre Kubatur und schlägt mit dem Abbruch des Bunkers eine Neuordnung des Quartiers und städtebaulichen Struktur vor. Andere Entwürfe stellen wiederum Strategien vor, wie der Bunker für das neue jüdische Zentrum weitergenutzt werden und somit programmatisch wie auch symbo­lisch als selbstbewusster Stadtbaustein vereinnahmt werden könnte.

Das Projekt einer neuen Synagoge für Hamburg ist ohne Zweifel von herausragender Bedeutung für die jüdische Gemeinde Hamburgs und die lokale Stadtgesellschaft, darüber hinaus für die Wahrnehmung jüdischer Kultur in Deutschland insgesamt. Die ausgestellten Arbeiten zeugen von einem vielfältigen Umgang mit der komplexen Entwurfsaufgabe. Sie sollen weitere Aufmerksamkeit für das besondere Vorhaben wecken und einen Beitrag zum Diskurs leisten. Alle Interessierten sind daher herzlich eingeladen, die Ausstellung zu besuchen und sich an den geplanten Gesprächen zu beteiligen.

Mit freundlicher Unterstützung von:

         

 

 

Wir freuen uns sehr, Sie seit dem 18. Mai 2021 wieder im AIT-ArchitekturSalon begrüßen zu können!
Die erforderliche Kontaktdatenerhebung erfolgt vor Ort. Eine Voranmeldung ist nicht notwendig. Die zeitgleich erlaubte Personenzahl in den Ausstellungsräumen von 15 Personen wird gewährleistet.
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