Dialog nach 6 // virtuell – Meilensteine – Rückblick

Rückblick auf die Veranstaltung am 13. April 2021, 18.00 Uhr aus der Reihe Dialog nach 6 // virtuell zum Thema Meilensteine mit Vorträgen von internationalen Architekt*innen und Landschaftsplaner*innen.

Save the date – am 25. Mai findet die nächste Abendveranstaltung dieser Serie statt. Unter dem Motto Lernräume präsentiert der AIT-ArchitekturSalon den Dialog nach 6 // virtuell – Wandelbare Räume mit den Partnern DORMA Hüppe, fabromont und Steelcase Beiträge von Architekt*inne und Expert*innen auf diesem Gebiet.

Im Rahmen der Vortrags- und Diskussionsreihe „Dialog nach 6“ diskutieren regelmäßig internationale Gäste aus Architektur, Innenarchitektur, Stadt- und Landschaftsplanung sowie Produktdesign relevante Themen der Baukultur und beleuchten diese in Kurzvorträgen. Die bereits sechste Edition der im Jahr 2020 etablierten Veranstaltungsreihe fand am 13. April 2021 um 18 Uhr statt. Unter dem Motto „Meilensteine“ stellten Rudi Scheuermann (Global Leader Building Envelope Design, ARUP), Martin Rein-Cano (Gründer, TOPOTEK 1), Martin Knuijt (Director, Okra Landschapsarchitecten) und Marijn Schenk (Gründer, NEXT Architects), in ihren Kurzvorträgen bedeutende Projekte vor und beleuchteten das Thema Fassade und ihre Wechselwirkung mit dem Umfeld.

An Hand von sechs Meilensteinen aus dem Repertoire von Tokopek 1 beleuchtete der Gründer Martin Rein-Cano die Verantwortung des Planers und seine soziale Aufgabe. Konflikten gilt es demnach nicht aus dem Wege zugehen, sondern mit Design dementsprechend darauf zu reagieren und Ereignisse zu katalysieren. Vor allem mit Platzgestaltung an sozialen Brennpunkten sollten Möglichkeiten des friedlichen Zusammenkommens eröffnet werden. Mit einem Projekt im Berliner Stadtteil Marzahn hat Topotek 1 Spielfläche und Parkplätze so verwoben, dass ein lebendiger Diskurs über die Nutzung der öffentlichen Flächen entsteht. Mit dem Meilenstein-Projekt Superkilen in Kopenhagen hat Topotek 1 mit eine ganz neuen Herangehensweise auf den Ort und seine Probleme reagiert. Über das Reframing von Themen, kreativer Bürgerbeteiligung und mit dem Werkzeug von grenzüberschreitender Kunst ist man hier zu einer ästhetischen Antwort gekommen und es können sich Lösungen entwickeln.

Marijn Schenk, Gründer von NEXT Architects, sprach in seinem Kurzvortag über drei wichtige Projekte. Der Holland Boulevard and Rijksmuseum Schipol im Amsterdamer Flughafen zeigt eindrucksvoll, wie fließende Übergänge von Funktionen neue Erlebniswelten eröffnen. Der kleine Ableger des bedeutendsten niederländischen Museums ist direkt an die viel frequentierten Laufwege angegliedert, so gibt es Sichtbeziehungen zwischen den Betrachtern der Kunstwerke und den Reisenden. Die Spannung zwischen Rückzug und Dynamik ist hier zu spüren. Das Beijing Rosemuseum spiegelt mit seine Hülle den Inhalt wider. Zwischen dem riesigen Rosenmuster der stählernen äusseren Fassade und dem Gebäude im Inneren spannt sich ein Raum mit poetischem Schatten- und Lichtspiel. Die Dafne Schippers Bicycle Bridge in Utrecht integriert eine Schule und Sportflächen in ihren Windungen anstatt einfach Brücke, Park und Gebäude nebeneinander anzuordnen. Dies schafft nähere Beziehungen von Anwohnern, Schülern und Radfahrern und gibt dem Viertel eine neue Identität.

Rudi Scheuermann, Global Leader Building Envelope Design bei ARUP erzählte dem Publikum wie man heute ein Gebäude „richtig anzieht“. Der Planer muss Verantwortung übernehmen für die Energie, die das Bauwerk verbraucht. Durch Begrünung kann man den drei großen Problemen der Großstadt entgegenwirken: dem Lärm, der Feinstaubbelastung und der Überhitzung. Durch die Verdichtung werden die Grünflächen verdrängt. Wenn man aber nur 20 Prozent der Oberfläche der Bauwerke wieder bepflanzt, hat man die verlorene Fläche wieder zurückgewonnen. Ob große Meilensteinprojekte, wie das Bosco Verticale in Mailand oder das grüne Nachrüst-Set für den kleinen Flachdach-Eigner „Pocket Habitat“ – jeden Pflanze zählt!

Der vierte Referent des Abends, Martin Knuijt, sprach über das neue, gesunde, urbane Leben. Er ist einer der Gründer von OKRA Landschapsarchitecten und beschäftigt sich viel damit, wie man mit Grünflächen und Wasser das Stadtleben aufwerten kann. Ein Prinzip ist Parkplätze einfach in den Untergrund zu verlegen und die Oberfläche mit Parks und Bachläufen zu bespielen. Das Urbane Biotop hat eine zentrale Rolle in den Planungen von OKRA. Hier ist nicht nur die Gestaltung und die soziale Komponente wichtig, sondern auch die Biodiversität, die das System stabilisiert und die Effekte verstärkt.

Zum Abschluss entwickelte sich in einer gemeinsamen Runde der Referenten und Partner ein spannender Diskurs über die Effektivität und Ökologie der Maßnahmen im Bereich green building: inwiefern großer Aufwand auch großen Nutzen erzielt, was als reines green washing betrachtet werden muss und, dass die Verantwortung des Einzelnen für soziale und ökologische Ziele nicht vergessen werden darf, um die Welt ein Stück besser zu machen.

Im Studio im Hamburger AIT-ArchitekturSalon empfing Friederike Boy die Partner Frank Schwaneberg von Cosentino und Stephan Kehren von ACO. Die beiden nahmen das Publikum mit auf Reisen zu einigen Meilensteinen ihrer Unternehmen. Die Referenten und Moderatorin Kristina Bacht waren via Übertragung der Veranstaltung life zu geschaltet.

Programm

18:00 Uhr – Begrüßung Friederike Boy, AIT-ArchitekturSalon
18:05 Uhr – Vortrag Martin Rein-Cano, TOPOTEK 1
18:20 Uhr – Vortrag Marijn Schenk, NEXT Architects
18:40 Uhr – Beitrag Cosentino         
18:50 Uhr – Vortrag Rudi Scheuermann, ARUP
19:10 Uhr – Beitrag Aco 
19:20 Uhr – Vortrag Martin Knuijt, OKRA Landschaftsarchitekten
19:35 Uhr – Q&A, Dialog mit Referent*innen und Partner*innen
20:00 Uhr – Ende

 


Referent*innen

 

Über Martin Rein-Cano
Martin Rein-Cano wurde 1967 in Buenos Aires geboren. Er studierte Kunstgeschichte an der Universität in Frankfurt und Landschaftsarchitektur an den Technischen Universitäten in Hannover und Karlsruhe. Erste berufliche Erfahrungen sammelte er im Büro von Peter Walker und Martha Schwartz in San Francisco. 1996 gegründete er das Büro TOPOTEK 1. Mit seinem Büro bearbeitet er eine große Bandbreite von nationalen und internationalen Projekten und hat eine Vielzahl von ersten Preisen in Wettbewerben gewonnen. Etliche Fachbücher und Artikel wurden speziell über seine Arbeit publiziert, welche mit vielen Auszeichnungen und Preisen geehrt wurde. Martin Rein-Cano hat als Gastprofessor in Europa und Nordamerika gelehrt, zuletzt an der Harvard Graduate School of Design und am Dessau Institute for Architecture. Er hält Vorträge an in- und ausländischen Universitäten sowie anderen kulturellen Einrichtungen und ist ebenfalls oft Mitglied von Jurys.

Über TOPOTEK 1
TOPOTEK 1 wurde 1996 von Martin Rein-Cano gegründet und wird seit 1999 von ihm und Lorenz Dexler geleitet. Seit 2014 ist Francesca Venier Partnerin des Büros. 2017 wurde TOPOTEK 1 Architektur zusammen mit Dan Budik gegründet. Das Büro versteht sich als Grenzgänger – als Wanderer in den Grenzbereichen verschiedener Genres, Typologien und Maßstäbe. So ist TOPOTEK 1 im Feld der Gestaltung urbaner Freiräume und der Bearbeitung städtebaulicher Themen verwurzelt, unternimmt aber genauso Ausflüge in die Konzeption und Realisierung von Ausstellungen und Kunstinstallationen. Die Hybridisierung dieser Themen, die Entnahme und Übertragung von Dingen aus ihrem Kontext in einen anderen liegt somit im zentralen Interesse des Büros. Weiteres Hauptanliegen von TOPOTEK 1 findet sich zudem in der Inszenierung von Räumen und der Gestaltung szenographischer Abfolgen. Exkurse in die Kunst und die Konzeption von Ausstellungen haben TOPOTEK 1 seit jeher fasziniert. So konnte das Büro sich seine Wachheit und Empfänglichkeit im aktuellen Diskurs bewahren. Es setzt sich mit dem öffentlichen Raum und der Stadt als Ausdruck für die Visionen und Taten der Individuen und der Gesellschaft auseinander. Die globalen Bewegungen von Menschen, Informationen, Kultur und Waren, stellt die Arbeit des Teams vor ein breites Spektrum von Möglichkeiten betreffend der Konstitution der öffentlichen Räume. In Entwurf, Planung und Bau erstellet das Büro Vorschläge für eigenständige neue Parks, Plätze, Sportanlagen, Höfe und Gärten, deren Gestaltung den Bedürfnissen unserer Zeit nach Variabilität, Kommunikation und Sinnlichkeit gerecht wird. Die vielseitigen Erfahrungen aus einem breiten Spektrum deutscher und internationaler Projekte ermöglichen dabei eine effiziente, auf die jeweiligen Anforderungen abgestimmte Umsetzung.
www.topotek1.de

 

Über Marijn Schenk
Marijn Schenk is one of the founders of NEXT architects. He graduated in 1999 from the Technical University of Delft, Faculty of Architecture. Together with Bart Reuser, Marijn received the first prize of the ARCHIPRIX 2000 for the project ‘The Layered Land’. As project architect, Marijn is closely involved in the renovation of City Hall Bloemendaal, the realization of Campus Uilenstede; design of student housing, commercial and public space, and the design of bike parkings. Marijn was also closely involved in several large infrastructure and urban development projects, such as the transformation of Noordwaard, the Melkweg Bridge and the urban vision for the city Delfzijl. Besides the daily management of the office he has various advisory and administrative roles with different organisations, such as the Amstelveen Committee for Spatial Quality, the Amsterdam Commission for Prosperity, Wealth and Monuments, the Talent Development Advisory Committee of the Creative Industries Fund NL and the Akzo Nobel Trendteam. Marijn is a frequent speaker and juror at international events, including the Buenos Aires International Biennial of Architecture.

Über Next Archiects
NEXT architects connects. By reflecting on the role designs play in their environment, NEXT incorporates ‚connection‘ as a core theme in its portfolio and work method. The strength of this architecture firm lies in its ability to develop strong ideas that become a persuasive part of the project’s specific context. Every project is unique and calls for a keen assessment of the specific needs and qualities of the location. NEXT architects collaborates in multidisciplinary teams and takes an innovative approach to projects. These teams include consultants in the fields of construction, building physics, construction cost maintenance, and landscape, but also artists, historians, ecologists, sociologists, and designers. NEXT architects is an international architecture firm that has worked on research and design projects in the field of urban planning, architecture, interior, and infrastructure since its foundation in 1999. NEXT architects is located in Amsterdam. In 2005, NEXT opened a second office in Beijing, China. In recent years, NEXT has demonstrated its ability to carry out large and complex projects commissioned by provinces, municipalities, and private clients such as COD, Amvest, Lingotto, and Amsterdam Airport Schiphol. NEXT has received various awards for its work, including the Dutch Design Awards (2018), the National Contruction Priize (2017), and the European Prize for Architecture Phillippe Rotthier (nomination, 2017).
www.nextarchitects.com

 

Über Rudi Scheuermann
Rudi Scheuermann ist Director und Global Leader Building Envelope Design bei Arup. Der Architekt und Bauingenieur hat die Disziplin Building Envelope Design und zahlreiche Fachdisziplinen, darunter Bauphysik, Brandschutz, Material-, Licht- und Akustikplanung in der deutschen Dependance von ARUP aufgebaut. Sein Fokus liegt auf der multidisziplinären Planung von nachhaltigen und energieeffizienten Gebäudehüllen. Als Anerkennung für seine Leistungen wurde er im Jahr 2014 zum Arup Fellow ernannt. Rudi Scheuermann hat an der Karlsruher Universität Architektur studiert und später im englischen Bath ein Forschungsstudium mit dem Master in Architektur im Bereich Membranbau abgeschlossen. Er arbeitete bereits für Architektur- und Ingenieurbüros in Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien und den USA.

Über ARUP
Das Unternehmen wurde von Sir Ove Arup gegründet, einem begabten Ingenieur und tiefgründigen Philosophen mit ausgeprägtem Sinn für Ziele und Werte. Die sechs Unternehmensgrundsätze, die er in seiner Key Speech aus dem Jahr 1970 für unser Unternehmen formulierte, bestimmen die Firmenkultur bis heute. Das unabhängige Planungs- und Beratungsunternehmen bietet ein breites Spektrum an Dienstleistungen zu allen Aspekten des zeitgemäßen Bauens. Es entscheidet sich ganz bewusst für Aufträge, die es ermöglichen, etwas Positives in der Welt zu bewirken und dabei die Grenzen des Machbaren zu erweitern, Menschen zu begeistern und sozial wertvolle Ergebnisse zu erzielen.
www.arup.com

 

Über Martin Knuijt
Martin Knuijt is a founding partner of OKRA. His strength is defining strategic visions and scenarios and creating strong spatial designs. He is most active in designing complex urban and landscape development projects, working to the knot. He is fascinated and driven to integrate socially relevant themes, such as design for all and climate-resilient design. Within his work, themes like connected city, vibrant city, healthy city and attractive city are all interrelated with social, economic and ecological sustainability. Martin Knuijt graduated from the Wageningen University & Research with a Master in Landscape Architecture. He is the author of several publications on landscape and urban planning, published in leading European magazines. He has been a guest teacher at various universities in the Netherlands and regularly acts as a jury member. He has been a keynote speaker at the IFLA Congress in Calgary, the CCCB Biennial in Barcelona, the EFLA Congress in Prague, at the 75th anniversary of the Technical University of Berlin, and at Tongji University in Shanghai. Martin Knuijt is an honourable member of the Russian Landscape Federation.

Über Okra
OKRA is an award-winning design office for landscape architecture and urbanism. Over the last twenty-five years, OKRA has focused on the transformation of cities and landscapes for the people who use them. OKRA has extensive experience in defining frameworks for urban development, design public space, master planning and strategies. OKRA has a multi-disciplinary team with more than 35 international professionals working enthusiastically with partners and clients to create a better environment. OKRA believes that with the understanding of tomorrow, you can solve the issues of today. They build a collective memory through accurate observations of our cities. This memory of knowledge grows and they use it to develop their vision of the environment in our designs. They imagine, create and innovate. This makes OKRA a visionary partner in the debate on spatial planning, sustainable cities and the public domain. With their eyes open and curiosity for discovery, OKRA gets to the heart of each problem by recognising where opportunities lie. They aim to transform these into a lasting and meaningful environment. Challenge OKRA with a complex problem to solve and they will strive to find the right balance between future urban pressure, landscape identity and quality of life. Within this tension, they create clear concepts that make a project successful. OKRA uses their knowledge and ability to bring their vision to reality. They understand current issues in the public domain and how a project can be realised. This translates into realistic designs and an achievable vision. A design is only successful if it has a long-term added value for the public and therefore we design flexible public space that can change with the times. Matching the desire of today and ready for tomorrow’s development.
www.okra.nl

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