10. Forum Architektur-Fenster-Fassade

14. Juli 2022, 10:30 bis 14:00 Uhr (3. Messetag der FENSTERBAU FRONTALE)
Messezentrum Nürnberg, NCC Ost Ebene 2, Saal St. Petersburg
mit Prof. Dr. Georg Vrachliotis (TU Delft/Faculty of Architecture and the Built Environment, NL-Delft), David Wegener (Sauerbruch Hutton, DE-Berlin), Pat Tanner (:mlzd, CH-Biel/DE-Berlin) und Prof. Thorsten Helbig (knippershelbig, DE-Stuttgart/Berlin/US-New York)

Vom 12. bis 15. Juli 2022 präsentiert sich die FENSTERBAU FRONTALE in Nürnberg dem Fachpublikum wieder als Weltleitmesse für Fenster, Türen und Fassaden. AIT-Dialog und AIT sind mit einer etablierten Veranstaltung vertreten: Mit dem 10. Forum Architektur-Fenster-Fassade bietet die FENSTERBAU FRONTALE auch in diesem Jahr Planer*innen am Vormittag des 3. Messetags ein exklusives Vortragsprogramm. 2022 steht das Forum unter dem Titel „Robust – Ressourcenverantwortung・Wandelbarkeit・Resilienz“. Zu diesem Thema werden am 14. Juli 2022 in Nürnberg Prof. Dr. Georg Vrachliotis (TU Delft/Faculty of Architecture and the Built Environment, NL-Delft), David Wegener (Sauerbruch Hutton, DE-Berlin), Pat Tanner (:mlzd, CH-Biel/DE-Berlin) und Prof. Thorsten Helbig (knippershelbig, DE-Stuttgart/Berlin/US-New York) referieren. Moderiert wird das Forum von Prof. Dr. Falk Jaeger (DE-Berlin). Die Veranstaltung ist für angemeldete Teilnehmer kostenlos.

Um zukunftsfähige Gebäude zu schaffen, müssen Architekten und Ingenieure den Blick weit über den Tellerrand hinaus bewegen. Themen wie soziale Gerechtigkeit, Mobilität, Digitalisierung und klimagerechtes Bauen spielen eine immer größere Rolle. Es geht darum robust und verantwortungsvoll zu bauen und dabei Einflüsse und Entwicklungen außerhalb der eigenen Blase zu erkennen und zu nutzen. Es gilt eine resiliente Stadt nicht nur zu denken, sondern sie zu realisieren, und damit eine sinnvolle Transformation und entscheidende Veränderungen hervorzurufen, um die Stadt nachhaltig zu gestalten und für die Zukunft zu wappnen. Dabei geht es auch darum architektonische Lösungen zu finden, die sich auf traditionelle Bauweisen zurückbesinnen und dabei natürliche Phänomene nutzen und das Klima schützen. All dem möchten wir im Rahmen des Kongresses auf der Fensterbau Frontale nachgehen.

 


Mehr zum Thema

Das Klima verändert sich. Haben wir hier in Europa die großen Naturkatastrophen lange Zeit weit weg gedacht, werden wir nun immer öfter von extremen Wetterlagen und den damit einhergehenden Gefahren wie Überschwemmungen oder Orkanschäden überrascht. Auch der Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Klimawandel ist unübersehbar.

Generell muss der CO2-Abdruck jedes einzelnen Gebäudes minimiert werden – aus dem architektonischen Denken heraus, aber auch mit Blick auf die Konstruktion. Es gilt die Baumaterialien zu hinterfragen und nach ihrem Verhalten im gesamten Lebenszyklus zu beurteilen. Ihr Nutzen und ihre Effizienz sollte dem klimagerechten Bauen gegenübergestellt werden und in der Realisierung von Lowtech-Gebäuden münden. Einfaches Bauen sollte nicht als banal, sondern als Potential gesehen werden. Statt also Hightech-Architektur zu entwerfen, die mit ihrer Technik wetteifert, sollten architektonische Lösungen gefunden werden, die sich auf traditionelle Bauweisen zurückbesinnen und dabei natürliche Phänomene und das Klima nutzen, ohne ihm zu schaden.

Im urbanen Kontext gesehen, steht der Gedanke einer resilienten Stadt im Fokus, die weiter gedacht, vor allem aber auch realisiert werden muss. Dabei geht es nicht nur darum, sich auf neue Gegebenheiten einzustellen und präventiv auf Risiken vorzubereiten oder sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Resilienz ist vielmehr die Voraussetzung für eine sinnvolle Anpassungsfähigkeit und entscheidende Veränderungen, um die Stadt nachhaltig zu gestalten und für die Zukunft zu wappnen.

Um nun aber die Stadt bei diesem Wandel zu unterstützen und das Klima zu schützen, muss jede einzelne Bauaufgabe neu gedacht werden. Ein entscheidender Faktor hierbei ist die Ressourcenverantwortung. Gebäude sollten so entworfen und gebaut werden, dass sie nicht ausschließlich den Moment widerspiegeln, sondern für die Zukunft geplant werden. Es sollte die Möglichkeit mitgedacht werden, eine Transformation der Nutzung oder ein Weiterbauen zu erlauben – und am Ende der Lebenszeit eines Gebäudes auch die Wiederverwendbarkeit der Bauteile.

Auch müssen die Gebäude flexibler und für weit mehr genutzt werden, als dafür ihren eigentlichen Zweck zu erfüllen. Es geht beispielsweise darum, mit bewusst geplanter Fassadenbegrünung nicht nur die Aufheizung der Fassaden und Innenräume zu verringern, sondern gleichzeitig die Luftqualität vornehmlich in Städten zu verbessern und als Nebeneffekt die urbane Biodiversität zu erhöhen. Im Prinzip geht es um eine klimagerechte Architektur im urbanen Umfeld, die den steigenden Temperaturen bei zunehmender Dichte in den Städten entgegenwirken kann.

Ebenso die Entwicklung der Mobilität weg von der autogerechten Stadt und dem damit einhergehenden Wandel in der Infrastruktur beeinflussen die Stadt selbst sowie das Bauen. Hinzu kommt die Neugier auf Veränderungen durch die Digitalisierung, die als Folge neue Möglichkeiten für das modulare Bauen, für die Vorfertigung und Individualisierung von Fassadensystemen sowie für die Produkt- und Materialentwicklung schafft.

Noch nie haben so viele unterschiedliche Faktoren gleichzeitig das Bauen bestimmt. Am Ende bleibt die Frage, wie die Planer all diese ökologischen Effizienzthemen und die zahlreichen Veränderungen in unterschiedlichen Bereich sowie die vorliegenden Normen und Regeln zusammen bringen können, um nicht nur Qualität und Standards zu erfüllen, sondern mit einer zukunftsfähigen Struktur und intelligenten Konstruktion trotzdem eine poetische Architektur zu erzeugen.


Die Referenten

Prof. Dr. Georg Vrachliotis (TU Delft/Faculty of Architecture and the Built Environment, NL-Delft)
Georg Vrachliotis ist ordentlicher Professor für Architekturtheorie und digitale Kultur an der TU Delft. Nach seinem Architekturstudium forschte er am Institut für Geschichte und Theorie der Architektur der ETH Zürich und war Professor und Dekan am Karlsruher Institut für Technologie. Seit 2014 ist er Leiter des Südwestdeutschen Archivs für Architektur und Ingenieurbau. Sein Forschungsschwerpunkt bewegt sich an der Schnittstelle von Medien-, Technik- und Kulturgeschichte insbesondere mit Blick auf die Architektur der Nachkriegszeit. Georg Vrachliotis war Gastwissenschaftler am UC Berkeley Department of Architecture in Kalifornien und Gastdozent für Architekturtheorie an der TU Wien. Er ist Mitglied des Beirats der Zeitschrift ARCH+, externer Prüfer an der Bartlett School of Architecture, UCL London, und Mitglied des akademischen Beirats des Jaap Bakema Study Centre am Het Nieuwe Instituut, Museum für Architektur, Design und digitale Kultur in Rotterdam.

Georg Vrachliotis kuratierte die Ausstellung „Fritz Haller. Architekt und Forscher“ im Schweizerischen Architekturmuseum S AM im Jahr 2014 (Katalog erschienen im gta Verlag 2014, mit Laurent Stalder), „Frei Otto. Denken in Modellen“ im ZKM Zentrum für Kunst und Medientechnologie (Katalog erschienen bei Spector Books 2017), „Sleeping Beauty. Reinventing Frei Ottos Multihalle“ (Katalog erschienen bei Spector Books, 2018) anlässlich der 16. Internationalen Architekturausstellung der Biennale Venedig 2018. Zuletzt kuratierte er die Ausstellung „Models, Media and Methods. Frei Ottos architektonische Forschung“ an der School of Architecture der Yale University (2020).
www.tudelft.nl

David Wegener (Sauerbruch Hutton, DE-Berlin)
David Wegener studierte Architektur an der Technischen Universität Karlsruhe sowie an der Universitat Politècnica de Catalunya und der ETSAB in Barcelona. 1998 bis 2000 arbeitete er u.a. für KPMG Consulting und thyssenkrupp AG. Seit 2001 ist er Projektleiter bei Sauerbruch Hutton und hat dort maßgebliche Projekte vorwiegend aus dem Bereich Kultur-, Bürobauten und Innenausbau betreut. Er hält regelmäßig Gastvorträge an Hochschulen und im Rahmen von Symposien. David ist seit 2010 Associate und Mitglied der Geschäftsleitung. Seit 2020 ist er Partner.

Sauerbruch Hutton ist ein internationales Büro für Architektur, Städtebau und Gestaltung in Berlin, das 1989 von Louisa Hutton und Matthias Sauerbruch in London gegründet wurde und heute in Berlin ansässig ist. Zu den bekanntesten Gebäuden aus über 30 Jahren Entwurfstätigkeit zählen die GSW Hauptverwaltung in Berlin, das Umweltbundesamt in Dessau und das Museum Brandhorst in München. Projekte für private und öffentliche Bauherren entstehen in ganz Europa. Zuletzt wurden das Science Centre Experimenta in Heilbronn und das Museumsquartier M9 in Venedig Mestre eröffnet.
Das Büro wird von 19 Partnern und 10 Assoziierten geleitet. 2020 arbeiten ca. 120 Architekten, Gestalter, Techniker, Modellbauer und Verwaltungsangestellte in dem Büro. Die Geschäftsführung üben Matthias Sauerbruch, Louisa Hutton und Juan Lucas Young aus. Über die Arbeit des Architekturbüros wurde 2013 der Dokumentarfilm Sauerbruch Hutton Architekten, Buch und Regie Harun Farocki, in der Reihe Duisburger Filmwoche 37, im November 2013 bei 3sat, gezeigt. Der Film begleitet die Entwicklung von sechs Projekten im Berliner Büro von Sauerbruch Hutton.
www.sauerbruchhutton.de

Pat Tanner (:mlzd, CH-Biel/DE-Berlin)
Nach der Lehre als Hochbauzeichner und dem Architekturstudium in Wien, Basel und Biel arbeitete Pat Tanner für Miller Maranta Architekten und Ortner & Ortner Baukunst. Von 1998 bis 2000 war er für E2A Architekten in Zürich tätig bevor er als Partner dem Architektenkollektiv :mlzd beitrat. Bis 2020 war er Vorstandsmitglied des Architekturforums Biel sowie Mitglied der Kommission für Orts- und Landschaftsschutz des Kantons Bern. Er engagiert sich regelmäßig als Jurymitglied und Gastkritiker an verschiedenen Hochschulen im internationalen Kontext.
:mlzd – mit Liebe zum Detail – wurde 1997 in Biel gegründet und steht für ein Architektenkollektiv mit umfangreichem Portfolio – von der Gestaltung des Präsidentenraums der UN-Vollversammlung in New York über die Erweiterung des Stadtmuseums in Rapperswil bis zum Neubau des Fußballstadions „Stade de la Tuilière“ in Lausanne. Die Breite an Projekten bringt den Wunsch des Büros zum Ausdruck, sich weder formal noch programmatisch festlegen zu lassen und sich stattdessen immer wieder neu den Bedürfnissen der jeweiligen Bauaufgabe anzunehmen. Allen Projekten ist eine selbstbewusste und zugleich respektvolle Haltung gegenüber dem baulichen Kontext gemein. :mlzd beschäftigt an den Standorten Biel und Berlin rund 30 Mitarbeiter aus mehreren Ländern.
www.mlzd.ch

Prof. Thorsten Helbig (knippershelbig, DE-Stuttgart/Berlin/US-New York)
Thorsten Helbig ist geschäftsführender Gesellschafter und Gründungspartner von knippershelbig, einem national und international tätigen Ingenieurbüro für Tragwerks- und Fassadenplanung, Nachhaltigkeitsberatung und Geometrieentwicklung technisch und architektonisch anspruchsvoller Projekte mit Niederlassungen in Stuttgart, Berlin und New York. Thorsten Helbig arbeitet mit international tätigen Architekten sowie mit Marktführern der Bauindustrie zusammen. Seit 2018 unterrichtet Thorsten Helbig als Associate Professor an der Irwin S. Chanin School of Architecture an der Cooper Union in New York, mit Schwerpunkt auf die Schnittstelle zwischen Architektur, Konstruktion und Fertigungstechnologie. Seit 2022 ist er zudem Professor für Tragwerkslehre, Baustoff­kunde und konstruktives Entwerfen an der Hochschule Darmstadt.
„Wir bearbeiten unsere Projekte am liebsten über alle Leistungsphasen und darüber hinaus, von der ersten Konzeptskizzen bis hin zur Fertigung und Montage. Prozessorientierte Entwurfs-, Berechnungs- und Konstruktionsmethoden sind selbstverständliche Werkzeuge bei der Projektbearbeitung. Unsere Berechnungs- und Konstruktionsmethoden beruhen auf parametrischen Ansätzen und die Verwendung digitaler Gebäudemodelle (BIM) ist Bürostandard“, so Thorsten Helbig. knippershelbig legt besonderen Wert auf die stete Weiterentwicklung bekannter Bauformen auf Grundlage neuester Material- und Fertigungstechnologien.
www.knippershelbig.com

 

Mit dem Forum Architektur bietet die NürnbergMesse exklusiv für Architekt*innen am Vormittag des dritten Messetags bereits zum 10. Mal ein außergewöhnliches Vortragsprogramm. In Zusammenarbeit mit der Zeitschrift AIT werden die Messethemen durch hochkarätige Referent*innen in einen übergreifenden Kontext gestellt.

Die Veranstaltung ist für angemeldete Teilnehmer*innen kostenlos. Nach der Anmeldung unter www.frontale.de/ForumArchitektur erhalten die Teilnehmer*innen ihren persönlichen Code per Mail mit dem Sie sich online registrieren können. im Anschluss daran wird eine Bestätigungsmail mit einem Tagesticket verschickt, verbunden mit folgenden kostenlosen Leistungen:
– Teilnahme am Forum Architektur-Fenster-Fassade
– Dokumentation des Forums in Buchform
– Eintritt zur FENSTERBAU FRONTALE 2022 am Tag des Forums
– Messebegleiter
– Aktuelle Ausgabe der AIT

Weitere Informationen: www.frontale.de
oder Fon: +49 (0)40 / 7070 898 11

 

Eine Veranstaltung im Rahmen der FENSTERBAU FRONTALE 2022

 

 

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