Newcomer-Profile

illiz architektur, Wien

Warum haben Sie sich entschieden Architektur zu studieren?

Sabrina: Ich hatte Vorbilder in meiner Familie und die Arbeit hat mich schon früh in ihren Bann gezogen – rollenweise Papier und viele bunte Stifte.

Stefanie: Was mich heute an Architektur begeistert war damals gar nicht der Grund, um das Studium zu beginnen. Ich habe mich sehr für Kunst und Restaurierung interessiert und hatte ursprünglich vor, einmal in Richtung Denkmalpflege zu gehen. Der Plan hat sich allerdings bereits in der Einführungswoche für Erstsemester, im Kloster La Tourette von Le Corbusier, schlagartig geändert. Hier sind wir uns auch begegnet und seitdem unzertrennlich.

Petra: Meine Stärken lagen in mathematischen und künstlerischen Fächern und ich habe das Architekturstudium als eine gute Kombination empfunden. Einmal angefangen, war natürlich alles ganz anders als gedacht, aber das Studium hat mich sofort mitgerissen und ich bin damit sehr glücklich geworden.

Was gab den Anstoß zur Bürogründung?
Petra:
Wir haben uns schon früh im Studium zusammengetan und von einem gemeinsamen Büro geschwärmt – wurden deshalb allerdings allseits etwas belächelt. Die Aussichten waren damals alles andere als gut. Auch als es uns an verschiedene Orte verschlagen hat, sind wir immer wieder zusammengekommen, um Entwürfe gemeinsam zu entwickeln. Durch den frühen Wettbewerbserfolg 2008 haben wir dann den Sprung in die Selbstständigkeit geschafft.

Wie kamen Sie auf Ihren Büronamen?
Stefanie: Wir suchten einen Namen, der allen möglichen heiratsbedingten Namensänderungen zum Trotz Bestand haben sollte. Gleichzeitig sollte er einen weiblichen Plural assoziieren. Der Rest hat sich bei einem gemeinsamen Urlaub in Kalifornien lange vor der eigentlichen Bürogründung entwickelt.

Was macht ihr Büro besonders? Wie funktioniert ihr Büro?
Sabrina:
Wir entwickeln alle unsere Projekte gemeinsam – und das trotz der Distanz zwischen unseren beiden Standorten in Wien und Zürich. Das funktioniert so gut, weil wir drei uns schon sehr lange und sehr gut kennen. Wir sprechen einfach die gleiche Sprache und oft ist es schon so, dass einer von uns den Gedanken des anderen ausspricht bevor er selbst dazu kommt.

Wodurch wird Ihre Arbeit geprägt/inspiriert?
Stefanie:
Bedingt durch die Distanz reden wir viel während des Entwurfsprozesses – wahrscheinlich mehr als andere Teams, die sich einfach gemeinsam mit einer Skizzenrolle an den Tisch setzen können. Unsere Skype-Konferenzen sind daher von einer bildhaften Sprache geprägt. Da gibt eine Assoziation den Anstoß zur nächsten und so kommen wir gemeinsam zum richtigen Ergebnis.

Wen sehen Sie als Mentor und warum?
Sabrina:
Für mich war das Carme Pinós während Petras und meiner Zeit an der EPFL [Anm. der Red.: École polytechnique fédérale de Lausanne]. Einerseits als Frau und Architektin, andererseits weil sie mir beigebracht hat, mich schon im Konzept auch von den technischen und konstruktiven Anforderungen an den Entwurf leiten zu lassen.

Petra: Ja, mir ging es ähnlich. Sie ist ein wirklich inspirierender Charakter.
Stefanie: Es gab verschiedene Persönlichkeiten die einen wirklich nachhaltigen Effekt auf mich hatten. Eilfried Huth an der UdK Berlin, der mich dazu ermutigt hat einen eigenen Zugang und eine eigene Architektursprache zu entwickeln. Ein großartiger Lehrer war auch Nezar Alsayyad von der UC Berkeley, ein Architekt und Architekturhistoriker, der mir unglaublich viel mitgegeben hat.

Welche Philosophie verfolgen Sie bei Ihrem Tun?
Stefanie:
Eine Vielzahl von Entscheidungen – intern wie auch extern – sind Teil des Prozesses zum fertigen Bauwerk. Wir empfinden diese Einflüsse nicht als Störfaktoren sondern versuchen sie zu moderieren und als Werkzeuge im Entwurfsprozess zu nutzen.

Was bedeutet gute Architektur für Sie?
Stefanie:
plausible Gestaltung, authentische Materialisierung, zeitgemäße Umsetzung

Welches bestehende Gebäude hätten Sie selbst gerne entworfen?
Sabrina:
Das New Museum of Contemporary Art von Kazuyo Sejima in New York.

Was war das erste Projekt, das sie umgesetzt haben?
Sabrina:
Das Kinderbetreuungszentrum mit Schule, Hort und Kindergarten für die Gemeinde Maria Enzersdorf.

Was denken Sie darüber, wenn Sie es heute betrachten?
Sabrina:
Wir haben den Wettbewerb ohne richtige Büroinfrastruktur gewonnen und hatten plötzlich einen Generalplanervertrag zu unterschrieben. Ich kann mich noch daran erinnern wie wir gemeinsam am Küchentisch saßen und uns fragen, was eigentlich ein Generalplaner ist. Das Projekt war für uns ein Sprung in eiskaltes Wasser und neben dem Stolz bleiben natürlich auch viele lustige Anekdoten.

Was war das bisher  bedeutungsvollste Projekt, das sie umgesetzt haben?
Petra:
Das Unterwerk und Netzstützpunkt für ewz in Zürich Oerlikon.

Warum war es für Sie so wichtig?
Petra:
Die Bauaufgabe war anspruchsvoll und für uns damals vollkommen neu. Der Bauherr hat uns immer viel Vertrauen entgegengebracht und umgekehrt haben wir viel dazu gelernt. Durch das Unterwerk haben wir erst den Zugang zu weiteren technisch komplexen Projekten erhalten.

Mit wem würden Sie gerne mal ein Projekt verwirklichen?
Petra:
Mit einem Bauherrn mit Sinn für gute Architektur und unbegrenztem Budget.

Wie sieht bei Ihnen die Mittagspause aus?
Petra:
Von den Wienern gehen immer Bestellbestätigungen von Online-Lieferdiensten ein. In Zürich müssen wir leider zu Fuß gehen.

 

 


illiz architektur
Henriettenplatz 8/4, 1150 Wien
Österreich

Englischviertelstrasse 25, 8032 Zürich
Schweiz

Partner: Petra Meng, 1979 / Petra Mehlan, 1978 / Stefanie Wögrath, 1978
Gndungsjahr:  2008
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