Blog Interior Scholarship

Startup-Airplace – Alfiia Koneeva, Stipendiatin 2019/20

 

Blog Interior Scholarship
Februar 2020
Bloggerin: Alfiia Koneeva
„Startup-Airplace  … ein Gründerdorf in luftiger Höhe“

Ein Eigentümer denkt darüber nach, seine Flächen und Gebäude in unmittelbarer Nähe zu Flughafen, Bahnhof, Autobahn sowie den Innenstädten Halle und Leipzig in eine Kulturstiftung einzubringen. Mit Blick darauf soll die 10.000 Quadratmeter große Dachfläche des MMC Mitteldeutsches Mode Center, in dem 240 B2B-Showrooms dem Einzelhandel Kleidung anbieten, nachverdichtet werden. Die Zielgruppe dafür definiert sich aus Existenzgründern aus Design, Innenarchitektur und Medien. Dabei stellt sich die Frage: Was braucht die Gründerszene der Kreativwirtschaft wirklich?

Eine Gruppe von 13 Studierenden der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle | Klasse Entwerfen Innenarchitektur (Prof. Axel Müller-Schöll/Ass. Fabian Rätzel) beschäftigten sich im Sommersemester 2019 mit diesem Projekt. Zu Beginn wurde dafür ein grobes Raumprogramm der neuen Dachlandschaft im Rahmen eines Stegreif-Ideen-Wettbewerbs entwickelt und weitergedacht.

Städtebauliches Konzept „Schweben“
Unter den sechs dabei entstandenen Konzepten wählte die Gruppe das von meinem Teampartner Rick Ahnert und mir erarbeitete aus. Dabei wird die Dachfläche des MMC auf zwei verschiedenen Ebenen geordnet. Die Erschließungsebene (Ebene 0) ist als begrünte, eher öffentliche Zone mit Erholungsangeboten wie beispielsweise einer Cafeteria, einer Parklandschaft sowie Sitz- und Liegemöglichkeiten angelegt. Die eigentliche Programmfläche befindet sich auf der darüberliegenden Ebene 1. Durch die Trennung von Erschließung und Funktion werden großzügige Räume geschaffen. Die Erschließungsebene bleibt frei von Volumina und wird gleichermaßen von dem eindrucksvollen Lichtspiel, als auch dem Fernblick in alle Richtungen geprägt.

 

Ausarbeitung des Konzepts

Unser Konzept wurde in verschiedene Lose aufgeteilt und auf einzelne Teilnehmer sowie Kleingruppen verteilt, die es individuell interpretieren konnten – insbesondere mit Blick auf die Kraft der Innenräume und ihre kongeniale Belichtung, auf eine angemessene Interaktion und eine nachvollziehbare Strategie der Nachhaltigkeit. Als Grundkonstruktion war eine Holzbauweise vorgegeben, die zuvor auf einer Exkursion nach Vorarlberg intensiv studiert wurde. Neben Wohn- und Arbeitsräumen entstanden eine raffinierte Bibliothek, Co-Working-Spaces, ein Schwimmbad (mit schmaler 50-Meter-Bahn) sowie eine Selbstversorgermensa mit einer Urban-Gardening-Fläche, einem Hühnergehege und einer Cafeteria. Außerdem finden sich hier eine kleine Gästeresidenz, die auch in Erweiterung des benachbarten Hotels genutzt werden kann, sowie ein Bungalow mit Büro- und Privaträumen für den Stifter.

 

Stifterbungalow „Strenges Glück“
Mein Arbeitsschwerpunkt bei diesem Projekt galt einem Bungalow für den Stifter und seine Frau. Sie beziehen ihr Quartier im südlichen Bereich des Airplace, in direkter Nachbarschaft zur Urban-Gardening-Fläche und den Hotelsuiten. Das Gebäude ist von einem hölzernen Lattenkordon umgeben, der einerseits als Blickschutz dient und anderseits ein introvertiertes Raumgefühl erzeugt. Trotz der scheinbaren Geschlossenheit bekommt der Innenraum durch die großzügigen Fensteröffnungen, den teilweise transluzenten Kordon und vor allem durch die Höhenversprünge des Dachs überraschend viel Licht. Die Nutzflächen reihen sich um einen zentralen Kern, in dem sich alle bedienenden Räume befinden. Arbeiten, Wohnen, Essen und Kochen fließen im eher öffentlichen Bereich Richtung Süden ineinander und profitieren von eindrucksvollen Panoramablick. Im hinteren Teil, der zusätzlich über einen eigenen Seiteneingang erreichbar ist, gruppiert sich um einen Innenhof der eher familiäre Rückzugsbereich, inklusive eines „Zimmers zu viel“ für Gäste, Helfer oder neue überraschende Projekte!

 

 

Semesterprojekt im Studiengang Innenarchitektur „Entwerfen Innenarchitektur/Komplexes Gestalten“

Prof. Axel Müller-Schöll/Ass. Fabian Rätzel

Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

WS  19/20

 

Workshop Städtebaulicher Stegreif:           Stefan Adlich

Workshop Sichtbarmachen:                         Alexander Schmidt

Tutorin für Modellbau:                                    BA Innenarchitektur Valentina Schneider

Teilnehmer*innen:                                          Jannis Block, Laura Hartleb, Lucas Bögelsack, Selina Fischer, Valentina Schneider, Pauline Gondek, Teresa Dünninger, Rick Ahnert, Timm Hergert, Marie-Lysann Knauber, Azu Baur, Elisabeth Kretzschmar, Alfiia Koneeva

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Bachelorabschluss unter neuen Studienbedingungen – Alfiia Koneeva, Stipendiatin 2019/20

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Juni 2020
Blogger Alfiia Koneeva

Noch kurz vor meinem Studienabschluss war es für mich möglich, die neuen Lehrformate, die aufgrund der Coronakrise entwickelt wurden, kennen zu lernen und auch zu testen. Wie fühlt es sich in Zeiten sozialer Distanzierung und Digitalisierung an zu studieren und was hat sich in meinem Leben in den letzten Monaten geändert? Trotz der offensichtlichen Nachteile der neuen, digitalen Studienformate – unkommunikatives und teilweise auch unpersönliches Arbeiten, Beschränkungen in der Darstellung und Begrenzung in den Materialien sowie Mangel im Austausch zwischen den Studenten – konnte ich für mich selbst einiges Positives daraus ziehen.

Alfiia Koneeva

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April 2019
Blogger Alfiia Koneeva

In „Kunst des Handelns“ stellt Michel Certeau die von einem Einzelnen oder einer Minderheit geplante Stadt als einen klaren, leicht lesbaren Text dar. Doch von einem Architekten oder Stadtplaner entworfen, ist die geplante Stadt reine Fiktion. In sie dringt die bewohnte, wandelnde Stadt mit ihrer undurchschaubaren, blinden Beweglichkeit. Ich beschäftigte mich sehr lange mit diesem Text, den ich gleich drei Mal lesen musste um ihn auch nur annähernd verstehen zu können. Doch das Thema, über das ich zugegebener Maßen vorher nie wirklich nachgedacht hatte, lies mich nicht mehr los. Eine Frage nach der anderen stellte sich mir, Bilder von Aussichtstürmen, Gipfelkreuzen, verwirrten Menschen mit Stadtkarten in der Hand, sowie von alten Gemälden aus der „Position Gottes“,… entstanden in meinem Kopf. Eine solch intensive Auseinandersetzung mit einem Text, immer mit dem Gedanken an eine räumliche Interpretation, war für mich eine völlig neue Herausforderung. Jedoch eine super spannende Erfahrung!