Eine Frage an … WE DONT WORK, WE CARE

WE DON’T WORK, WE CARE – STATEMENTS

Wir blicken auf den Berliner Workshop zurück, der am 26. August zum Thema New Work in Berlin stattgefunden hat. Wir geben den Teilnehmern und weiteren Protagonisten die Gelegenheit, in Form von Statements ihr persönliches Resümee zu ziehen.

Im Mittelpunkt der vom Berliner Architekturbüro LXSY Architekten initiierten Veranstaltung standen die Begegnung und der gemeinsame Austausch. Die Teilnehmer erforschten gemeinsam das „New Normal“ in der Corona-Krise sowie den Mehrwert von kreativer Unternehmensführung.

Deutlich wurde: Besonders in unsicheren Zeiten kann Social Leadership neue Impulse setzen, um aus den sich rasch verändernden Arbeitsmodellen ungeahnte Qualitäten zu entwickeln. In kleinen Gruppenarbeiten wurde diskutiert, wie sich Kommunikation und Problemstellungen im Arbeitsalltag anhand von vier Räumen kategorisieren lassen. Im Bogen zur Architektur wurde im Anschluss betrachtet, was das für den realen Raum bedeutet. Welche Atmosphären benötigt es für verschiedene Arbeitsmodi? Welche Art der Kommunikation findet wo statt? Und wie kann das größer betrachtet auch auf den Stadtraum übertragen werden?

Es kristallisierten sich zwei Trends heraus: Zum einen der Wunsch nach größtmöglicher Flexibilität und zum anderen die Schaffung von wertigen und identifikationsstiftenden Räumen, die die Persönlichkeit des Unternehmens widerspiegeln und ein Gefühl von Zugehörigkeit ausdrücken. Die Organisatoren sehen darin keinen Widerspruch: „In unserer Vorstellung des Neuen Arbeitens ist es die Aufgabe der Architektur, Optionen für verschiedene Arbeitsszenarien zu ermöglichen. Es geht um die Bereitstellung eines vielschichtigen Raumes, der Agilität fördert. Es bleibt spanned, wie sich diese Visionen auf die Gestaltung unserer Arbeitswelten auswirken. Ganz im Sinne von Otto Scharmer: Learning from the future as it emerges.“

 

 

Kim Le Roux und Margit Sichrovsky (LXSY Architekten)

„Um sich den gesellschaftlichen Herausforderungen zu stellen, werden unsere Arbeitswelten von morgen mehr Raum bieten für teambasiertes Arbeiten, interdisziplinäre Kollaborationen und gemeinsamen Wissenstransfer. In unserer Vorstellung des Neuen Arbeitens verabschieden wir uns von starren Hierarchien und ermöglichen stattdessen neue Strukturen und Organisationen, die ähnlich eines lebendigen Organismus wachsen und auf Veränderungen reagieren können. Der stetige Wandel wird Teil unserer DNA werden. Die Tendenzen des New Work zeigen uns bereits eine positive Kultur der Veränderung basierend auf einem werteorientierten Handeln und gegenseitigem Vertrauen. Gesellschaftlich relevante Themen wie Gemeinschaft, Transparenz, Demokratie und Freiheit werden stärker in den Fokus rücken.

Damit einhergehend wird sich die Diversität unserer Arbeitsweisen auch in unseren Arbeitswelten widerspiegeln. Abwechslungsreiche Aufgaben und Tätigkeiten bringen verschiedene Anforderungen an das Arbeitsumfeld mit sich. Unsere Vision des Büros von morgen ist eine Vielfalt an offenen und strukturierten Räumen, die diese unterschiedlichen Arbeitsweisen fördern. Im Hinblick auf die vier Cs (Communicate, Concentrate, Contemplate und Collaborate) fordern wir die Bereitstellung eines vielschichtigen Raumes, der Agilität fördert. Die Aufgabe der Architektur sollte es sein, diverse Aufenthalts- und Arbeitsmöglichkeiten anzubieten, um Raum zu schaffen für Austausch, Vernetzung und Innovation.“

www.lxsy.de

Alexander Gutzmer (Euroboden)

„Aus meiner Sicht ist die Arbeitswelt von morgen vor allem vielschichtig und vielgesichtig. Die Architektur muss den Kreativarbeitern der Zukunft die Möglichkeit geben, jeden Arbeitstag neu zu gestalten und sich spontan für unterschiedliche Formen der Produktivität zu entscheiden. Mal stark team- und kommunikationsbasiert, dann zurückgenommen, mal eher formell, dann informell, je nach Aufgaben mit mehr oder weniger räumlichen Impulsen durch die Architektur. Wichtig auch: der kommunikative Aspekt der Architektur. Die beliebte These, dass jegliche Form einer auch formal präsenten und signifikanten Architektur ausgedient habe, ist Unsinn. Arbeitgeber entscheiden sich für Unternehmen mit Gesicht und Haltung. Diese Haltung wird auch durch eine prägnante Architektursprache ausgedrückt.“

www.euroboden.de

Teresa von Haken (Kvadrat)

„Über morgen wissen wir – mehr denn je – nichts. Aber wir wissen, dass die aktuelle Krise neue Räume fordert. Sicher ist, der fest verortete Arbeitsplatz – womöglich in einem Großraumbüro – ist ein Auslaufmodell. Die Anwesenheitspflicht wandelt sich zum geplanten, exklusiven Anwesenheitsluxus in einem großzügigen Ambiente mit gefilterter Atemluft. Diese Räume des Arbeitens müssen neu gedacht werden. Das Arbeiten wird vernetzter, kreativer, digitaler und komplexer. Wir haben gelernt, dass der moderne Arbeitsplatz nicht nur gesicherte Abstände bieten muss, sondern zu einem kreativen Inkubator für Projekte, Entwicklungsaufgaben und kreatives Gestalten werden muss. Der Austausch zwischen großen Teams erfolgt per Kamera und Screens gleichzeitig tritt die Potentialentfaltung des Einzelnen stärker in den Mittelpunkt. Das Individuum braucht für die Arbeit im modernen Büro neue Anreize im Hinblick auf Inspiration, Struktur und Freiraum.  Das bedeutet auch, dass Außen- und Innenräume verschmelzen und Gärten, Terrassen und Innenhöfe idealerweise fest integrierte Bestandteile sind. Hier gelingt, kombiniert mit einem alternativen Freizeitangebot, eine ganz neue Symbiose zwischen Arbeit und Leben.  Die Räume außen und innen so zu gestalten, dass sie Konzentration und Innovationskraft in einer bisher nicht dagewesenen Weise befördern, ist nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine willkommene Chance.“

www.kvadrat.de

 

Andreas Stadler (System180)

„Im Übergang von der Industrie- zur Informationsgesellschaft müssen Unternehmen zunehmend schneller und flexibler auf sich ändernde Kundenbedürfnisse reagieren können. Dies wird ausgelöst und stetig verstärkt durch die Globalisierung und Digitalisierung der Ökonomie. Bislang effizienzgetriebene Unternehmen richten daher in Change Management Projekten ihre Struktur, Kultur und Organisation neu aus, um Innovation zu fördern und zu beschleunigen. In Hubs und Labs werden radikale, disruptive Innovationen antizipiert und konzipiert, vorhandene Geschäftsmodelle in Frage gestellt und neue entwickelt. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels soll Arbeit nach dem von Frithjof Bergmann geprägten Begriff New Work sinnstiftend und selbstbestimmt für die Menschen sein. Unternehmen und Produkte werden nach anderen Werten beurteilt: soziale und ökologische Nachhaltigkeit gewinnen gegenüber Funktionalität und Wirtschaftlichkeit steigend an Bedeutung. System 180 setzt sich bewusst mit diesen Entwicklungen auseinander und stellt Möbel her, die neuartige Kundenanforderungen erfüllen und die Innovationsfähigkeit durch kollaborative und kreative Zusammenarbeit steigern.“

www.system180.com

 

Christopher Wrociszewski (Wexim)

„Markiert das neue Jahrzehnt das Ende des klassischen Büro? Der Wandel zu einem omnipräsenten Arbeitsplatz, der sich in den eigenen vier Wänden, im virtuellen Raum oder in extern gebuchten Begegnungsräumen manifestiert, ist im vollen Gange. Im standortgebundenen Büro wird die Anzahl fester Arbeitsplätze schrumpfen und so auch in konservativen Betrieben Platz für dringend benötigte funktionsgebundene Umgebungen schaffen, die für informellen Austausch, Kollaboration oder fokussiertes Arbeiten erdacht wurden. Innenarchitekten werden sich auf die Stützung und das Zusammenspiel verschiedener Arbeitsmodi fokussieren – das zeitgemäße Büro stellt ein living office dar; ein perfekt orchestrierter Bienenstock.

Und dennoch könnte der Besuch in der Firmenzentrale Seltenheitswert erlangen, wenn die Arbeitsorganisation leistungsfähig genug ist. Hier liegt der Schlüssel in einer starken IT, damit die new work nicht ihren disruptiven Charakter verliert. Damit das Versprechen guter Work-Life-Balance und hoher Produktivität eingelöst werden kann, muss sich auch die Forschung das Zusammenwirken aller neu entstandenen Räume annehmen, damit Mitarbeiter am Ende nicht doch zu Entwurzelten eines einsamen Arbeitskosmos’ degradiert werden.

Als Büromöbelhändler und Projektausstatter beobachten wir zudem einen weiteren Trend genau: die circular economy. Was passiert mit leeren Flächen oder nicht benötigter Einrichtung? Die neuen Dynamiken am Markt führen zu einem neuen Bedürfnis: die nachhaltige Zweitverwertung. In der traditionell aufgestellten Möbelbranche wird dies zu neuen Akteuren in diesem Teil der Wertschöpfungskette führen.“

www.wexim.de

 

Dr. Christine Lemaitre (DGNB)

„Bei aller Debatte um digitale Formen der Zusammenarbeit: Das Büro bleibt auch in Zukunft ein wichtiger Ort der Begegnung, der Inspiration und – je nach Lebenssituation und Jobprofil – der notwendigen Ruhe für ein konzentriertes, produktives Arbeiten. Bei der Gestaltung der Arbeitswelten werden verschiedene Nachhaltigkeitskriterien eine immer stärkere Rolle spielen. Qualität und Gesundheit sind hier die zentralen Begriffe. Ein hoher akustischer Komfort, viel Tageslicht sind genauso wichtig wie eine hervorragende Innenraumluftqualität. Besonders die kommunikationsfördernde Funktion der Architektur wird an Bedeutung gewinnen. Eine hohe Flexibilität und Umnutzungsfähigkeit zur individuellen Anpassbarkeit an unternehmensindividuelle Anforderungen werden zunehmend wichtig. Insgesamt wird der sinnstiftende Faktor der Büroarchitektur weiter hoch sein. Schon sind immer mehr Young Professionals auf der Suche nicht nur nach einem geldbringenden, sondern auch sinnvollen Job. Das Engagement eines Arbeitgebers in Sachen Nachhaltigkeit ist dabei ebenso von Interesse wie die Qualität des zukünftigen Arbeitsplatzes. Es ist also keine Einbahnstraßenentwicklung, dass immer mehr Arbeit über Home Office den Weg in die eigenen vier Wände findet und die Trennung zwischen Job und Privatleben auflöst. Vielmehr wächst das Bedürfnis nach Wohlfühlen, Gesundsein und Kommunikation in den Arbeitswelten von morgen.“

www.dgnb.de

 

Karim El-Ishmawi (Kinzo)

„Wenn wir über die Zukunft der Arbeit nachdenken, vermischen sich Fragen zu gesellschaftlichem Wandel, technischem Fortschritt, persönlicher Lebensvision und äußeren Einflüssen. Corona hat unsere Gesellschaft und Arbeitswelten raketenartig digitalisiert. Das Home Office ist gekommen um zu bleiben, wird also auch in Zukunft ein fester Bestandteil der Arbeit sein. Digitales Zusammenarbeiten ist plötzlich selbstverständlich und aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Wann, wo und wie wir arbeiten, wird deshalb immer mehr zu einer persönlichen, bewussten Entscheidung, die die Nine-o-Five-Routine ersetzt. Wenn die räumlichen Grenzen der Arbeit verschwinden, Arbeiten also immer und überall möglich ist, muss das Büro als Ort besonders attraktiv sein: Als Ökosystem der Arbeit sollte das Büro der Zukunft für jeden Arbeitsmodus den passenden Ort bieten. Durch die zunehmende Heimarbeit werden weniger Mitarbeiter*innen gleichzeitig im Büro sein – der freiwerdende Raum lässt sich zur Diversifizierung nutzen.

Was im Home Office fehlt, ist der spontane, informelle Austausch und auch das gemeinsame Entwickeln neuer Ideen. Im Büro ergänzen sich persönliche Perspektiven und Unternehmensidentität zu einer Kultur, die die Mitarbeiter*innen untereinander und mit dem Unternehmen verbindet. Insofern wird das Büro immer mehr zu einem Kultur-Ort, den sowohl räumlich als auch digital eine spannende Zukunft erwartet.“

www.kinzo-berlin.de

 

Thomas Löhmer (KPMG)

„#unsere ArbeitNeuDenken steht für unseren Anspruch, vieles kritisch zu hinterfragen und in Bezug auf unsere Geschäftsmodelle, unsere Organisationsstrukturen sowie Orte, an denen Leistung erbracht werden kann, anzupassen. Die Krise hat eindrucksvoll gezeigt, wie hoch die Veränderungsbereitschaft auf breiter Ebene durch die Möglichkeiten der Digitalisierung ist.

Arbeit wird multilokal und das Büro nur einer von vielen Orten, an denen Leistung, häufig auch in hybrider Form, erbracht werden kann. Die räumlichen Qualitäten solcher Orte werden sich künftig daran bemessen, wie „nahtlos“ sie sich in die Organisation individueller Arbeitsaufgaben einfügen lassen. Interaktivität, zufällige Begegnung, Inspiration wie auch Onboarding und Learning on/ along the job werden Hauptgründe sein, bewusst das Büro aufzusuchen. Durch die intelligente Verzahnung dieser Möglichkeiten entstehen bereits neue Überlegungen, verschiedene Büroorte mit unterschiedlichen Qualitäten zu schaffen, z.B. eine  kleine Innenstadt-Repräsentanz, großzügige Flächen für Learning, Working and Collaboration im gut angebundenen städtischen Umland sowie dezentrale Service-Labs. Diese Orte müssen eine räumliche Infrastruktur bereitstellen, die verschiedenste Arbeitsprozesse optimal unterstützen. Ankommen, sich wohlfühlen, vernetzen, zusammenkommen und interagieren formen Räume, die deutlich stärker als bisher auf erlebbare Unternehmenskultur einzahlen. Daraus entsteht in unserem Verständnis eine neue Art der Mobilität und Flexibilität, die Arbeit als integralen Bestandteil des Lebens betrachtet.“

www.kpmg.com

 

Mike Herud (Scope)

„Nicht erst Corona lässt uns die Auswirkungen auf die Bedeutung des Büros beobachten, bereits die Entwicklung der letzten Jahre und Jahrzehnte verdeutlicht einen Trend, der sich lange abgezeichnet hat: Eine Umdeutung vom rein sachbezogenen Arbeitsort hin zu einem Ort sozialer Interaktion. Dabei differenzieren wir zwischen prozessorientierten Tätigkeiten, die ausgelagert werden können (z.B. ins Homeoffice) und solchen, die physische Präsenz verlangen. In vielen kreativen Branchen, so auch in Entwicklungs- und Innovationsabteilungen, profitieren wir von der Schwarmintelligenz und sehen das direkte Miteinander als zwingende Voraussetzung von ergebnisorientierter Kommunikation und Innovation.

Diese Entwicklung bietet auch in der Architektur Chancen und generiert Freiheiten in der Gestaltung dieser Orte. Die Nachfrage nach Neubauten wird sinken, vielmehr wird die Umnutzung bestehender Bausubstanz Stellenwert gewinnen. Die Integration intelligenter und nachhaltige Konzepte wird zukünftig noch stärker in den Mittelpunkt rücken. Die Flexibilisierung des Raumes wird zunehmen, so dass Arbeitsplätze nicht weiter starr und ortsgebunden sind. Eine hohe Dynamik der Flächen gewährleistet so eine Vielzahl an Möglichkeiten zur räumlichen Nutzung. Unter gegebenen Bedingungen wird unser Miteinander geprägt sein von einer Mischung aus Rücksichtnahme und proaktiver Begegnung. Denn nur diese fördert schlussendlich die Schnelligkeit, Agilität, Kommunikation und Kreativität – als bleibende Erfolgsfaktoren einer lebendigen und wirtschaftlichen Innovationskultur.“

www.scopeoffice.de

 

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