retail in transition: Neue Perspektiven – für lebendige Städte

Gastbeitrag von Caspar Schmitz-Morkramer, Gründer und Inhaber von caspar.

 

Unsere Innenstädte haben ein riesiges Problem: ihre Monotonisierung. Große Handelsketten, multinationale Marken und globale Franchise-Unternehmen zeichnen ein generisches, austauschbares Bild. Waren es erst die hohen Mieten, die kleine, individuelle Einzelhändler vom Markt verdrängten, kam dann das boomende Online-Geschäft hinzu, das den stationären Handel immer stärker bedroht. Eine Entwicklung, die viele deutsche Städte unattraktiv macht – mit fatalen Folgen für das Stadtbild und den Einzelhandel.

Um sich mit diesem Problem intensiv auseinanderzusetzen, haben wir von caspar. vor etwa zwei Jahren unser Forschungsteam caspar.esearch gegründet. Mit dem Ziel, die Diskussion anzuregen, wie man Städte und öffentliche Räume wieder nach den Bedürfnissen des Menschen gestalten kann.

Ende des letzten Jahres war es dann soweit: Wir haben unser erstes Arbeitsergebnis veröffentlicht: retail in transition. Mit unserem lab report betreiben wir in drei Kapiteln Ursachenforschung, stellen innovative Strategien vor und skizzieren neue Perspektiven. Das Wichtigste: Wir begreifen den Handel im Wandel als große Chance für unsere Innenstädte, den Menschen mit seinen Bedürfnissen wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Ganz nach unserem Markenkern Maßstab Mensch und unserer Vision von der europäischen Stadt als eine durchmischte, interaktive Erlebniswelt.

Echte Produkterfahrung und durchmischte Angebotsvielfalt

Auch wenn der Online-Handel dem stationären Handel schwer zusetzt und in puncto Auswahl und Komfort überlegen scheint – einen entscheidenden Vorteil hat Stadt gegenüber dem E-Commerce: das sensorische Erlebnis. Und genau hier setzen wir an. Wir müssen wieder Aufenthalts- und Erlebnisqualität schaffen. Wir kaufen heute nicht mehr nach Bedarf ein, weil wir etwas benötigen. Sondern wir kaufen ein, weil wir ein Erlebnis haben wollen. Sie möchten ein paar Schuhe kaufen und kommen mit der Reisetasche nach Hause. Aber Sie benötigen weder die Schuhe noch die Reisetasche. Es geht um eine gewisse Art von Befriedigung durch Lust-Einkaufen. Und darin steckt das große Potenzial von Stadt: Der stationäre Handel kann neben echter Produkterfahrung mehr bieten als der Online-Handel. Besonders durch eine durchmischte Angebotsvielfalt. Denn nach dem Shopping wollen Sie vielleicht noch im italienischen Café einen Espresso genießen oder beim indischen Spezialitätenhändler vorbeischauen. Zwar werden wir sicherlich alles irgendwann digital kaufen. Der Laden der Zukunft funktioniert aber nur, wenn die digitale Welt und das stationäre Erlebnis intelligent verschmelzen.

 

Mit retail in transition möchten wir nicht nur Denkanstöße geben. Es ist eine Einladung zur Diskussion für alle. Daher bieten wir unseren lab report als freien Download auf unserer Website an. Dort gibt es auch einen Podcast zum Thema – ein Gespräch mit dem Kölner Baudezernenten Markus Greitemann über kreative Ideen und spannende Zukunftsvisionen, um die Domstadt als erlebnisreichen Ort neuzugestalten.

Weitere innovative Ideen für eine Stadt der Zukunft gibt es in der Forschungsarbeit „retail in transition“.
Gratis Download:
www.caspar.archi/esearch
Das Studiogespräch gibt es zum Nachhören als kostenfreien Podcast auf caspar.archi/podcast

 

Die Autoren des lab report

Caspar Schmitz-Morkramer studierte Architektur in Aachen und Berlin. Er absolvierte Architekturkurse in New York, lernte klassisches Zeichnen in Florenz und sammelte Arbeitserfahrung bei Murphy/Jahn in Chicago und Renzo Piano in Genua. 2019 ging sein Büro caspar. aus dem 2004 gegründeten Büro meyerschmitzmorkramer hervor. Die Arbeit von Caspar Schmitz-Morkramer wurde mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen gewürdigt. Darunter die zweifache Auszeichnung der Abtei Michaelsberg mit dem renommierten MIPIM Award.

Aurelio David studierte Architektur in Torino und Duisburg und sammelte parallel Erfahrungen in den Bereichen der nutzerzentrierten Forschung und partizipatorischen Design Methoden. Nach seiner Promotion über kollaborative Design Methoden im Bereich der Stadtplanung verstärkte er das Forschungsteam caspar.esearch und untersuchte die Zukunft architektonischer Typologien und urbaner Strukturen. Zurzeit arbeitet Aurelio als Design Stratege im Architektur- und Designbüro Gensler, wo er quantitative und qualitative Forschungsmethoden für das Workplace Design und Change Management einsetzt.

Federico Garrido studierte Architektur in Buenos Aires und promovierte anschließend in Kaiserslautern. In den letzten Jahren unterrichtete er neben seinen Forschungsaktivitäten Kurse in den Bereichen Digital Design Tools und Digital Manufacturing an der RWTH in Aachen. Zeitgleich arbeitete er im Forschungsteam caspar.esearch. Sein Forschungsinteresse gilt insbesondere der Schnittstelle von Design und Technologie. Zurzeit ist er als Dozent an der Deutschen Universität Kairo tätig.

www.caspar.archi

 

 

Animationen: caspar.