O P E N – Debatte zu Architektur, Stadt und Land – in Frankfurt am Main
Zweckbau oder Leuchtturm – Wohnungsbau im urbanen Kontext
Was kennzeichnet guten Wohnungsbau im urbanen Kontext? Im Mittelpunkt des Themenabends „Zweckbau oder Leuchtturm“ stehen die räumlichen, architektonischen und wirtschaftlichen Bedingungen des Wohnens und die Frage, wie langlebige und identitätsstiftende Wohnbauten gelingen. Wie können Standardisierung, wirtschaftliche Anforderungen, städtebaulicher Kontext und architektonische Qualität miteinander verbunden werden?
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe O P E N erläutern drei Referent*innen ihre Positionen und nehmen Beispiele aus der europäischen Wohnungsbaupraxis in den Blick. Den kurzen Vorträgen folgt eine Debatte, die Unterschiede aber auch Übertragungsmöglichkeiten dieser Beispiele diskutiert. Begleiten Sie uns bei der Suche nach wegweisenden Wohnbauten, die mehr sind als die Summe ihrer Quadratmeter.
mit
Eike Becker, Eike Becker_Architekten, Berlin
Henning Stüben, URBAN AGENCY, Kopenhagen
Till Schmiedeknecht, Salamander, Türkheim
22. Oktober 2026, Veranstaltungsbeginn 18:30 Uhr
Naxoshalle, Theater Willy Praml
Waldschmidstraße 19, 60316 Frankfurt am Main
18:30 Uhr
Empfang mit Welcome-Drink
19:00 Uhr
Begrüßung und Einführung Kristina Bacht, AIT-Dialog, Hamburg und Tobias Lutzenberger, Salamander, Türkheim
19:15 Uhr
Impulsvortrag Eike Becker, Eike Becker_Architekten, Berlin
19:40 Uhr
Impulsvortrag Henning Stüben, URBAN AGENCY, Kopenhagen
20:00 Uhr
Impulsvortrag zu wirtschaftlichen, sozialen und baulichen Aspekten im Wohnungsbau
Till Schmiedeknecht, Salamander, Türkheim
20:15 Uhr
Debatte mit den Referenten, moderiert von Kristina Bacht, AIT-Dialog, Hamburg
20:30 Uhr
Drinks, Food & Sound
22:00 Uhr
Ende der Veranstaltung
Kaum eine Bautypologie beschäftigt uns in Fachdiskursen wie auch in der breiten Öffentlichkeit so intensiv und so beständig wie der Wohnungsbau. Doch was bedeutet eigentlich Wohnqualität und was kennzeichnet guten Wohnungsbau im urbanen Kontext? Wie kann er unter realen wirtschaftlichen und planerischen Bedingungen geschaffen werden, funktionale Anforderungen erfüllen und zugleich kontextbezogen und qualitätvoll gestaltet sein?
Mit Blick auf den städtischen Wohnungsbau zeigen sich gegensätzliche Positionen, die zunächst unvereinbar scheinen: Auf der einen Seite steht der pragmatische, funktional orientierte Wohnungsbau, der effizient und reproduzierbar ist. Die Kubaturen sind geradlinig, die Variationen begrenzt. Mit hoher Dichte werden Bauten geschaffen, die den unmittelbaren Bedarf decken, dabei aber Gefahr laufen, nicht mehr als austauschbare Wohnhüllen ohne Bezug zur Umgebung darzustellen.
Auf der anderen Seite stehen Wohnbauten mit einer starken ideologischen Haltung oder architektonischen Handschrift – von den großen Wohnutopien der Moderne bis hin zu stilistisch radikalen Wohnikonen. Hinter Le Corbusiers Unité d’habitation steht eine konkrete Vorstellung von Gesellschaft, sogar ein umfassend ausformuliertes Ideal einer Stadt. Das Gebäude selbst tritt aufgrund seiner Größe aus dem Kontext hervor, bleibt jedoch architektonisch zurückhaltend und dominiert vielmehr durch seine Historie und sozialideologische Aufgeladenheit. Dagegen sind expressive Bauten wie die Wohngebäude von Inken und Hinrich Baller, Aldo Rossi oder Ricardo Bofill – wenngleich nicht frei von sozialen Wertevorstellungen und Zielsetzungen – eher eine Völlerei im Formenkanon der Architektur. Im urbanen Wohnungsbau hat vor allem die Postmoderne ein vielfältiges Sammelsurium an Einzelgängern hervorgebracht.
Wo liegt zwischen diesen unterschiedlichen Polen ein zeitgemäßer Ansatz? Guter Wohnungsbau muss weder der Ideologie seiner Architekten folgen, sich aus seinem Umfeld heraus in Vordergrund drängen noch zum seelenlosen Wohnklotz verdammt sein. Wie können stattdessen unterschiedliche Formen des Zusammenlebens adressiert, Bezüge zum städtebaulichen Kontext hergestellt und zugleich Raum für eine eigene Identität geboten werden?
Zweckbau oder Leuchtturm – Im Mittelpunkt des Themenabends stehen die räumlichen, architektonischen und wirtschaftlichen Bedingungen des Wohnens und die Frage, wie langlebige und identitätsstiftende Wohnbauten gelingen. Wie können Standardisierung, wirtschaftliche Anforderungen, städtebaulicher Kontext und architektonische Qualität miteinander verbunden werden? Wie viel Gestaltung und Haltung braucht ein Wohnbau – und wie viel Offenheit für Aneignung und Veränderung?
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe O P E N erläutern drei Referent*innen ihre Positionen und nehmen Beispiele aus der europäischen Wohnungsbaupraxis in den Blick: Zwei Architekt*innen gewähren Einblicke in ihre Arbeit und ein Experte für Wohnungsbau, rückt wirtschaftliche, soziale und bautechnische Zusammenhänge in den Fokus. Den kurzen Vorträgen folgt eine Debatte, die Unterschiede aber auch Übertragungsmöglichkeiten dieser Beispiele diskutiert. Kann ein allgemein gültiger Standard im Wohnungsbau definiert werden, der sich an unterschiedlichen Orten einfügen lässt, ohne in beliebig austauschbaren Gebäuden zu münden? Begleiten Sie uns bei der Suche nach wegweisenden Wohnbauten, die mehr sind als die Summe ihrer Quadratmeter.
Eike Becker
Eike Becker studierte Architektur in Aachen, Stuttgart und Paris. Im Jahr 1999 gründete er zusammen mit Helge Schmidt das Büro Eike Becker_Architekten mit Sitz in Berlin. Zu ihren realisierten Gebäuden zählen die neue Hauptverwaltung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Spreeturm und das genossenschaftliche Hochhaus-Ensemble TLW in Berlin. Für das Projekt ROCKYWOOD wurden Eike Becker_Architekten mit dem Deutschen Baupreis 2026 ausgezeichnet. Eike Becker ist Mitglied des Beirats der Bundesstiftung Baukultur und im Vorstand des Fördervereins der Bundesstiftung Baukultur tätig. In der Zeitschrift Immobilienwirtschaft erscheint regelmäßig seine Kolumne.
- Am Zirkus – Wohn-, Büro- und Hotelbau, Berlin, 2016, © Jens Willebrand
- The Garden – Wohnensemble, Berlin, 2016, © Jens Willebrand
- Theodor-Loos-Weg (TLW) – Wohnhochhaus, Berlin, 2020, © Jens Willebrand
Eike Becker_Architekten, Berlin
Das 1999 in Berlin gegründete Büro fokussiert in seinen Projekten die heutigen Innenstädte mit ihren Menschen, öffentlichen Räumen, Hochhäusern, Büro- und Verwaltungsbauten, Hotels, Wohnungsbauten und Infrastruktur für Handel und Verkehr. Der Aufgabenbereich umfasst Stadt- und Gebäudeplanung bis hin zu Innenarchitektur und Produktdesign. Für Eike Becker_Architekten sind Städte die komplexeste Formation menschlicher Gesellschaft. Auf Basis einer Welt mit immer vielfältigeren Ansprüchen und immer spezifischerem Wissen, dominiert von der Überlagerung von Dingen – der Interferenz – hat das Büro den Begriff der „Superferenz“ geprägt. Der Begriff bezeichnet die Steigerung dieser Erfahrung und deren Nutzbarmachung als architektonische Strategie und Entwurfsmethode.
Henning Stüben
Henning Stüben ist Stadtplaner und Architekt. Seine berufliche Laufbahn begann er in den Niederlanden, wo er unter anderem bei OMA und NL Architects tätig war. Er war Partner und Geschäftsführer bei JDS Architects und ist Mitgründer und Partner von URBAN AGENCY. Gemeinsam mit Heechan Park leitet er das Büro in Kopenhagen. Ein zentraler Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf zukunftsweisenden Wohnbaukonzepten und der städtebaulichen Verdichtung – von kontextbezogenen Wohn- und Quartiersentwicklungen wie dem Posthusgrunden in Værløse bis hin zu großmaßstäblichen Landmark-Projekten im asiatischen Raum wie dem MBC-Komplex auf Yeouido in Seoul. Neben seiner Entwurfspraxis lehrt und juriert er regelmäßig an internationalen Architekturhochschulen und engagiert sich in Fachgremien für zukunftsorientierte Stadtentwicklung.
- LAYR / Cheongdam-dong Wohnkomplex, Seoul, Südkorea, 2026, © Changmook Kim
- Kalvebod Wave, Kopenhagen, Dänemark, 2013, © Pernille Enoch
- Posthusgrunden, Værløse, Dänemark, 2020, © Kirstine Mengel
URBAN AGENCY, Kopenhagen/Dublin/Lyon
URBAN AGENCY ist ein international tätiges Architekturbüro mit Standorten in Kopenhagen, Dublin und Lyon. Im Zentrum der Arbeit stehen verdichteter, kontextbezogener Wohnungsbau, zukunftsfähige Mixed-Use-Entwicklungen, Brücken- und Promenadengestaltung sowie die städtebauliche Transformation. Das Büro versteht Architektur als aktiven Katalysator für ein lebendiges urbanes Umfeld. Mit einem pragmatischen und zugleich standortspezifischen Ansatz verbinden die Entwürfe hohe Dichte und wirtschaftliche Machbarkeit mit sozialer Aufenthaltsqualität. Für seine architektonische Haltung und gestalterische Präzision wurde das Büro unter anderem mit dem BDA Preis und dem AIT Award ausgezeichnet.
Till Schmiedeknecht
Till Schmiedeknecht studierte Architektur am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), der Escuela Técnica Superior de Arquitectura (ESTAB) in Barcelona und der Architectural Association (AA) in London. Im Anschluss setzte er seine berufliche Laufbahn mit einem MBA fort und sammelte berufliche Erfahrungen als Fondsmanager bei IVG, als Investment- und Asset-Manager für Cerberus, als Investment Banker bei Babcock & Brown und als geschäftsführender Gesellschafter bei BGP Asset Management, unter anderem mit Schwerpunkt in einem umfangreichen Wohnportfolio. Im Jahr 2017 trat er in das traditionsreiche Familienunternehmen Salamander Industrie-Produkte GmbH ein und leitet das Unternehmen seitdem gemeinsam mit seinem Bruder, Götz Schmiedeknecht. Er verantwortet insbesondere die Unternehmensstrategie, die Produktentwicklung und die Produktion.
Bei Anreise mit dem PKW
Parkmöglichkeiten finden Sie im nahegelegenen Parkhaus Mousonturm in der Waldschmidtstraße 4-6, gegenüber der Naxoshalle. Das Parkhaus ist durchgehend geöffnet.
Bei Anreise mit dem Zug
Vom Hauptbahnhof Frankfurt am Main fahren Sie mit der U4 (Richtung Enkheim) bis zur Haltestelle Merianplatz. Von dort sind es noch etwa 200 bis 300 Meter zu Fuß – über Sandweg und Kantstraße zur Naxoshalle in der Waldschmidtstraße.














