beyond.aco | 7. Oktober 2021 – Die Referenten

Nader Tehrani, NADAAA, Boston, US

The Woodpecker’s Delight

„In einer Welt, die zunehmend durch die globale Erwärmung herausgefordert wird, ist es auch klar, dass die Bauindustrie ein Hauptverursacher von nicht nachhaltigen Kohlenstoffemissionen ist. Die Identifizierung von natürlich erneuerbaren Ressourcen ist ein entscheidender Faktor bei der Festlegung einer nachhaltigen Lieferkette für die Industrie, und dennoch kann dies nicht die Rolle der Architektur in dieser Gleichung garantieren. Dieser Vortrag wird sich auf die Rolle des Holzes konzentrieren, das in seinen hybriden Formen einen Beitrag zum kulturellen und ökologischen Gleichgewicht leisten kann.“

Nader Teherani wurde 1963 in London, UK geboren. Er studierte an der Rhode Island School of Design, US (Bachelor of Fine Arts, 1985 und Bachelor of Architecture, 1986) sowie der Harvard University, US (Master of Architecture in Urban Design mit Auszeichnung, 1991).

Zusammen mit Rodolphe el-Khoury gründete er 1986 das Architekturbüro Office dA, aus dem er 2010 ausschied. 2011 gründete er gemeinsam mit Katherine Faulkner das Büro NADAAA, das sich als multidisziplinäres Büro dem Brückenschlag zwischen den verschiedenen Designdisziplinen verschrieben hat: von der Landschaft zum Städtebau, von der Architektur zur Inneneinrichtung und vom Industriedesign zum Möbel. Die Arbeit von NADAAA zeugt von einem Engagement für neue Formen des Wissens durch Gestaltung. Mit Blick auf ein integriertes Denken treten sie in den Diskurs über Technologie, Ästhetik und Bauprotokolle als Teil eines ganzheitlichen Prozesses ein.

Das Büro erhielt für seine Arbeit zahlreiche Preise, doch erst 2020 wurde Nader Teherani selbst für seine besondere Leistung Architektur als Kunst zu interpretieren mit dem Arnold W. Brunner-Gedächtnispreis der American Academy of Arts and Letters ausgezeichnet. Zu den bekanntesten Gebäuden von NADAAA zählen unter anderem die Melbourne School of Design, AU, die Daniels Faculty of Architecture, Landscape and Design an der University of Toronto, CA und das MIT Site 4, US.

Nader Teherani ist derzeit Dekan der Irwin S. Chanin School of Architecture der Cooper Union, US. Zuvor war er von 2007 bis 2015 Professor für Architektur an der MIT School of Architecture and Planning, wo er von 2010 bis 2014 zudem als Leiter der Abteilung tätig war. Weitere (Gast-)Professuren hatte er an der University of Melbourne, AU, der University of Toronto, CA, der Harvard University, US sowie dem Georgia Institute of Technology, US inne.

www.nadaaa.com

Manal Rachdi, OXO Architectes, Montreuil, FR

Nature, Architecture and Beyond

„Wir glauben, dass die relevantesten Projekte für unsere Zeit diejenigen sind, die von der Natur inspiriert sind und die unsere Umwelt respektieren. Die globale Erwärmung ist eine unglaubliche Gelegenheit, eine neue, widerstandsfähige und innovative ökologische Architektur zu entwickeln.
Wir glauben an lebenswerte, integrative und grüne Städte. Wir vertrauen auf eine innovative, soziale und realistische Architektur für eine Welt im Wandel. Unsere Stärke ist der starke Glaube an Traumlandschaften, in denen der öffentliche Raum wieder lebendig ist und in denen unsere Gebäude einen intelligenten Beitrag zur Lösung von Umweltproblemen leisten. Wir glauben, dass die beste Architektur ein lebendiges Ökosystem sein muss, das in Harmonie mit den Elementen steht, die es bilden, wie Struktur, Technik und Dienstleistungen, Licht und Form, seine Integration in den Kontext und die Landschaft, das Wohlbefinden, das es bietet, und vor allem die Bedeutung, die ihm gegeben wird.“

Manal Rachdi wurde 1978 geboren. Von 1999 bis 2005 studierte er Architektur und Städtebau am Ecole Nationale Supérieure d’Architecture de Nantes, FR. Nach seinem Abschluss gründete er zusammen mit Tanguy Vermet 2006 das Architekturbüro Off architecture in Paris aus dem er 2010 ausschied. Bereits 2013 gründete er mit OXO Architectes sein eigenes Büro in Montreuil, FR. Manal Rachdi konnte in der Architektur seinen Kindheitstraum von einem Leben im Wald mit seiner Leidenschaft fürs Zeichnen verbinden: Alle seine Projekte integrieren große Naturflächen – Terrassen, Innenwälder, begrünte Wände -, um ein Stück Natur in die Städte (wieder) einzuführen.

Manal Rachdi verkörpert diese junge Generation von Architekten, die es wagen, die etablierte Ordnung zu stören sowie strategische Analyse, geistreiches Experimentieren, soziale Verantwortung und Humor in ihrer Arbeit vereinen. Seine kraftvollen und sensiblen Architekturen schlagen neue urbane Erfahrungen und Überlegungen über den Lebensraum von morgen vor. Er nutzt Natur und Pflanzen als Materialien und entwirft außergewöhnliche Projekte wie den Wohnturm „Arbre Blanc“ in Montpellier mit Sou Fujimoto und NLA Paris, FR, Balcon sur Paris, Villiers, FR mit Kengo Kuma & Associates, XTU Architects, Stefano Boeri Architetti, Michael Green Architecture und KOZ Architectes oder das Projekt Ecotone Antibes, FR mit Atelier Jean Nouvel und l’agence Foussat Bapt.

2007 war Manal Rachdi Assistenzprofessor an der Hochschule für Architektur in Versailles.

www.oxoarch.com

Sinus Lynge, Effekt, Kopenhagen, DK

Ego to Eco

„Wir bei EFFEKT glauben, dass es Architektur und Städtebau darum geht, einen nachhaltigen positiven Einfluss auf unsere Umgebung und unseren Planeten zu schaffen. Deshalb messen wir unsere Projekte an ihrer Wirkung – am EFFEKT. Wir wollen mit allem, was wir in Angriff nehmen, eine dauerhafte soziale, wirtschaftliche und ökologische Wirkung erzielen und betrachten unsere Projekte immer in einem lokalen, regionalen und globalen Kontext, um einen gesellschaftlichen Wert zu schaffen, der über den Auftrag und den Kunden hinausgeht.“

Sinus Lynge studierte an der Royal Danish Academy of Fine Arts School of Architecture in Kopenhagen, DK. Gemeinsam mit Tue Foged gründete er 2007 das Architekturbüro EFFEKT in Kopenhagen, DK. EFFEKT ist das dänische Wort für Wirkung. Das Studio besteht aktuell aus rund 60 Mitarbeiter*innen und arbeitet an der Schnittstelle zwischen Architektur, Städtebau, Forschung und Design.
Im Mittelpunkt der Projekte von EFFEKT stehen der soziale Zusammenhalt und ein lebendiges Stadtleben sowie intelligenten Lösungen für Energieverbrauch und Nachhaltigkeit. Nicht zuletzt durch Sinus Lynge verfolgt das Büro einen empathischen und reaktionsschnellen Ansatz in der Architektur, der gründliche Analyse mit spielerischem Designdenken verbindet. Dies wird durch eine Reihe von preisgekrönten Projekten in den Bereichen Architektur, Städtebau und Forschung veranschaulicht.

Zu den neusten erfolgreichen Projekten zählt beispielsweise das Konzept für das Urban Villages Project – ein neues visionäres Modell für die Entwicklung nachhaltiger, erschwinglicher und lebenswerter Wohnungen in den Städten der Welt. Auch das Konzept für ReGen Villages stellt ein zukunftsweisendes Modell für die Entwicklung netzunabhängiger, integrierter und widerstandsfähiger Ökodörfer dar, die selbständig Familien auf der ganzen Welt mit Strom versorgen und ernähren können. Das Projekt wurde erstmals 2016 auf der Biennale di Venezia vorgestellt und erlangte große internationale Anerkennung.

Unter dem Titel EGO TO ECO wird EFFEKT auch auf der aktuellen Biennale di Venezia ausgestellt. Die Projekte schaffen eine fiktive Landschaft aus 1.200 lebenden Bäumen, die von Dänemark aus ferngesteuert werden. Der Wald umgibt sieben Projekte von EFFEKT, die dazu beitragen, eine fiktive Landschaft aus lebenden Bäumen zu schaffen. „Unsere Installation in Venedig zeigt eine Reihe von Ideen, Konzepten, Strategien und Entwürfen für das Leben und Bauen, für die Produktion, den Konsum und die Wiederbelebung der Ökosysteme, von denen wir abhängig sind.“

Im August 2021 hat EFFEKT den Wettbewerb für den Neubau des Verlagshauses der Kieler Nachrichten in Kiel gewonnen. Das 11.000 Quadratmeter große, gemischt genutzte Gebäude trägt den Namen KielHöfe und wird größtenteils bestehende Gebäude transformieren und in Holzbauweise errichtet.

Im Herbstsemester 2019 unterrichtete Sinus Lynge einen Kurs für nachhaltiges Design an der University of Washington.

www.effekt.dk