Summer School 2025: Designing Change – die Gestalt der Transformation
- Eine Fachjury wählte die teilnehmenden Hochschulen aus: Elke Reichel, Petra Wäldle (†), Kristina Bacht, Jonas Tratz und Ralf Pasel (v. l. n. r.).
- Rund 50 Studierende und Lehrende von 10 Hoch-schulen kamen im Rahmen der Architekturbiennale in Venedig für die Summer School „Designing Change“ der Sto-Stiftung zusammen.
- Die Insel Certosa im venezianischen Archipel war Thema des experimentellen Workshops, der von Susanne Brorson geleitet wurde.
Designing Change – die Gestalt der Transformation
Im Rahmen der 19. Architekturbiennale in Venedig fand vom 8. bis 12. Oktober 2025 das Venice Biennale Lab der Sto-Stiftung statt. Die von AIT-Dialog kuratierte Summer School für Studierende und Lehrende von zehn europäischen Hochschulen befasste sich mit dem Thema „Designing Change – die Gestalt der Transformation“. Ein anschaulicher Workshop vor Ort, mehrere Vorträge namhafter Architekten sowie Besichtigungen der Biennale-Ausstellungen standen auf dem Programm.
Architektur und gebaute Umwelt sind als energieintensiver Sektor und maßgeblicher CO2-Emittent mitverantwortlich für das globale Klimaproblem. Doch die gestaltenden und planenden Disziplinen können ebenso Teil der Lösung sein. Wie aber sieht die Architektur der Transformation aus? Unter dem Motto „Designing Change – die Gestalt der Transformation“ fand im Rahmen der 19. Architekturbiennale in Venedig vom 8. bis 12. Oktober 2025 das von AIT-Dialog kuratierte Venice Biennale Lab der Sto-Stiftung statt. Zu dieser besonderen Summer School waren rund 50 Studierende und Lehrende von 10 renommierten europäischen Hochschulen eingeladen, um an einem gemeinsamen Projekt mitzuwirken.
Der Teilnahme ging ein Auswahlverfahren voraus: Lehrstühle, die im Rahmen von Seminaren oder Entwurfsaufgaben im Sommersemester 2025 das oben formulierte Thema in den Blick genommen hatten, konnten sich für die Teilnahme bewerben. Die Semesterarbeiten sollten die Fragestellung eingrenzen, konkretisieren und gegebenenfalls auf den Kontext der jeweiligen Hochschule übertragen. Die genaue Aufgabenstellung oblag den Lehrenden. Eine Fachjury wählte aus allen Einreichungen die zehn teilnehmenden Hochschulen der Summer School aus.
Der Jury gehörten an:
- Elke Reichel (Reichel Schlaier Architekten, Stuttgart / TU Darmstadt, Professur Entwerfen und Gebäudetypologie)
- Jonas Tratz (FAKT, Berlin / Hochschule Anhalt, Dessau, Vertretungsprofessur Städtebau und Strukturwandel)
- Petra Wäldle † (Staab Architekten, Berlin)
- Ralf Pasel (PASEL-K Architects, Berlin / TU Berlin, Professur, CODE | Construction + Design und Mitglied des Stiftungsrats der Sto-Stiftung)
- Kristina Bacht (AIT-Dialog / ArchitekturSalon Hamburg)
Zu den ausgewählten Hochschulen zählten:
- Aalto University, Aalto, Finnland
- Akademia Śląska, Katowice, Polen
- Berner Fachhochschule, Burgdorf, Schweiz
- École Supérieure d’Achitecture et de Paysage de Lille, Villeneuve, Frankreich
- Hochschule Anhalt, Dessau, Deutschland
- Karlsruher Institut für Technologie, Karlsruhe, Deutschland
- KU Leuven, Gent, Belgien
- Royal Danish Academy of Fine Arts, Kopenhagen, Dänemark
- Technion Haifa, Haifa, Israel
- Universidade de Coimbra, Coimbra, Portugal
Das Thema der Summer School orientierte sich an dem übergeordneten Motto der diesjährigen Architekturbiennale „Intelligens. Natural. Artificial. Collective.“. Kurator Carlo Ratti hatte damit den Rahmen für eine Standortbestimmung in Architektur und Städte-bau gesetzt. Die Ausstellungen zielten darauf, Architektur als Werkzeug gegen den globalen Klimawandel zu diskutieren und vielfältige Lösungsansätze zu sammeln. Auch das Venice Biennale Lab „Designing Change“ sah sich diesem Thema verpflichtet und ging auf die Suche nach wirksamen und umsetzbaren architek-tonischen Konzepten, die Wege für eine nachhaltige Zukunft aufzeigen und dabei die Gestaltung in den Mittelpunkt stellen.
Was kann Architektur leisten und wie? Diese Frage bestimmte die Arbeit vor Ort und spiegelte sich in einem vielfältigen Rahmenprogramm wider. Vorträge von Ahmed Belkhodja (fala atelier, Porto / Lausanne) und Kristina Möhring (FARLAND, Berlin) gaben Einblicke in die Haltung und Arbeitsweise der Büros.
Im Rahmen eines experimentellen Workshops wurde unter der Leitung von Susanne Brorson (Gastprofessorin an der Akademie der bildenden Künste Wien) die Insel Certosa im venezianischen Archipel als „island ecology“ diskutiert – als Ort des Übergangs und der Möglichkeiten, als unorganisierte Wildnis und Rückzugsraum für die Bewohnenden Venedigs, zugleich aber auch als fragiles Terrain und Ökosystem, bedroht durch kommerzielle Entwicklung und Klimawandel. Die Studierenden erkundeten die materiellen und immateriellen Ressourcen der Insel – Gebäude, Ruinen, Vegetation, Lebewesen, Atmosphären und Klima. Darauf aufbauend entwickelten die Teams kleine Interventionen, die auf lokale Qualitäten reagieren und Veränderung initiieren können – nicht durch Hinzufügen, sondern durch das Aktivieren des Vorhandenen.
Durch die rotierende Zusammenarbeit der Entwurfsteams entstanden Beziehungen zwischen den einzelnen Vorschlägen, die in einer kollektiven Zeichnung zusammengeführt, prozesshaft weiterentwickelt und in Präsentationssessions als „island ecology“ diskutiert wurden. Transformation über das Wachsen von Beziehungen – mit dem Ziel, Certosa auf eine herausfordernde Zukunft vorzubereiten. Dabei wurden analoge Skizzen und Ideen eingefügt und digital überlagert. Das Zeichnen als kollektive Praxis der gemischt zusammengesetzten Teams verschiedener Hochschulen verband Situationen mit Handlungen, spiegelte erlebte Erfahrungen, Wissen, innere Bilder und unterschiedliche Perspektiven wider und eröffnete narrative Verbindungen zwischen Gegenständlichem und Nicht-Gegenständlichem. So wurde Certosa zu einem Experimentierfeld kollektiver „Intelligens“: ein Ort, wo Beziehungen wachsen und Zukunft vorstellbar wird.
Neben Vorträgen und dem Workshop ergänzten geführte Rundgänge und Ausstellungsbesichtigungen das Programm vor Ort.








