Eine Frage an…

C.F. Møller Architects – Erweiterungsbau der Internationalen Schule in Ikast, Dänemark – Foto: Adam Mørk

Schools for the future: Wie sieht die Schule von morgen aus?

Zahlreiche Bildungsinstitutionen sind veraltet und müssen sich einer Sanierung und Transformation unterziehen. Bildungsprogramme der Kommunen erfordern in den kommenden Jahren Neubauten. Darüber hinaus kommen aufgrund neuer technischer und sicherheitsrelevanter Themen neue Anforderungen an den Bildungsbau von morgen hinzu. Wirtschaftlichkeit und bedarfsgerechtes Bauen sind hierbei Themen, die im Fokus stehen sowie Prävention vor Gewalt und Vandalismus, soziale Interaktion aber auch Raumakustik, Licht und Gesundheitsaspekte. Was kann hier architektonische Gestaltung für einen Mehrwert für Orte des gemeinsamen Lernens und Lebens, Orte der Kommunikation, der Ruhe und Bewegung im Innen und Außen schaffen? Was sind die Anforderungen an einen modernen Bildungsraum im digitalen Zeitalter?

wulf Architekten aus Stuttgart:

Wir beschäftigen uns seit über 20 Jahren mit Schulbau; die sich wandelnden Anforderungen der Zeit spiegeln sich in unseren Entwürfen wider. So rücken beispielsweise neue Lernformen in den Vordergrund, wie die des „Münchener Lernhauses“: Das pädagogische Konzept fördert individuelles Lernen und gewährleistet eine hohe Qualität an Bildung wie Betreuung. Es zeichnet sich durch eine flexible Nutzung der Räume und Erschließungsbereiche als Klassenzimmer, Räume für die Ganztagesbetreuung, Lernorte und Leseecken aus.

2017 wurden in München vier Grundschulen nach unserer Planung realisiert, die auf diesem Konzept basieren. Diese haben wir – nach Vorgabe des Münchener Stadtrates – in modularer Bauweise entworfen, wobei der Fokus darauf lag, dem stereotypen modularen Bauen, das zu Monotonie und Anonymität neigt, entgegenzutreten. Wir bieten Lehrenden und Lernenden eine besondere Raumqualität durch neue Organisation und Gestaltung der Räume. So etwa verleihen die Deckengewölbe aus modular aneinandergereihten Tonnenschalen den Räumen eine beschützende Ausstrahlung und geben ihnen einen starken Erinnerungswert. Die Kinder sollten sich dort wie in einem zweiten Zuhause fühlen. Schulbauten sind ein emotionaler Ort der gelebten Erfahrung und prägen diejenigen, die unsere Zukunft sind.

Die Schule von morgen ist also kein Zweckbau, sondern ein Kulturbau, der atmosphärische Behaglichkeit schafft und durch seine Architektur eine hohe Bildungsqualität ermöglicht.

Über den Autor:

Tobias Wulf (*1956 in Frankfurt a.M.) hat an der Universität Stuttgart Architektur studiert und 1987 sein eigenes Architekturbüro in Stuttgart gegründet. Seit 1991 ist er Professor für Baukonstruktion und Entwerfen an der Hochschule für Technik in Stuttgart. Darüber hinaus ist er seit 1988 als Preisrichter tätig und Mitglied des Gestaltungsbeirats der Stadt Freiburg i. Br. (2013-2018) und der Stadt Regensburg (seit 2018).

wulfarchitekten.com

Anna Popelka und Georg Poduschka von PPAG architects aus Wien:

Heute, morgen, übermorgen. Gelungene innovative Schulen von heute sind sowohl Werkzeug einer zeitgemäßen Pädagogik als auch lesbares Zeichen dafür, dass die Wissensgesellschaft gerade die Industriegesellschaft ablöst. Alle haben verstanden, dass Flurschulen überhaupt keinen Sinn machen. Die Clusterschule hat sich bereits durchgesetzt. Das ist gut so und da gibt es auch kein zurück, sondern höchstens vereinzelt ein hinterher. Sie fördert unbestritten zeitgemäße Unterrichtsmethoden, das Lernen in Kleingruppen, das soziale Lernen und trainiert Demokratie. Und sie funktioniert höchst ökonomisch als Ganztagsschule. Die Schule von heute soll auch anders und erkennbar im Stadtgefüge in Erscheinung treten. Sie soll nicht unauffällig sein. Schulen waren in der Stadt immer erkennbar. Sie soll neu aussehen, neugierig machen, Lust aufs Lernen machen und mit ihrer Erscheinung Fragelust fördern: Was ist das? Eine Schule!

Über PPAG architects:

Anna Popelka, geb. in Graz. 1980–1987 Architekturstudium an der TU Graz. Gastprofessuren in Wien und Graz. Mitglied des Innsbrucker Gestaltungsbeirates.

Georg Poduschka, geb. in Linz. 1986-1994 Architekturstudium an der TU Graz und an der École d’Architecture Paris-Tolbiac. Gastprofessuren in Wien und Graz.

PPAG architects wurde 1995 von Anna Popelka und Georg Poduschka gegründet.
PPAG ist nicht spezialisiert und bearbeitet bewusst das gesamte Feld der Architektur. Schwerpunkte haben sich in den letzten Jahren im Wohn- und Bildungsbau ergeben.
Vorwiegend in Wien tätig, bearbeitet PPAG zuletzt auch Projekte in Deutschland und Norwegen.

www.ppag.at

Julian Weyer von C.F. Møller Architects, Kopenhagen:

Schulbau ist jetzt schon mehr als nur pädagogischer Raum, er ist auch die Bühne für neue Generationen, die im Gegensatz zum früheren „gesehen, aber nicht gehört“ absolut beanspruchen sowohl gesehen als gehört zu werden.

Flexible, grenzenlose Gemeinschaften über alle Altersgruppen hinweg sind gefragt, in Zukunft aber auch über den Rahmen der Schule hinaus – je mehr wir uns digital vernetzen, je mehr wir im Prinzip alles im virtuellen Raum erlernen können, umso mehr brauchen wir physische Orte die als Treffpunkte dienen und uns andere Seiten der Welt entdecken lassen. Architektur als mitbildend ist umso wichtiger, da die Schüler zwar sich selbst werden sollen, aber auf keinen Fall selbstherrlich oder isoliert. Die Schule der Zukunft ist daher nicht mehr ein geschlossener Kreislauf, sondern öffnet sich zur Gesellschaft und lässt sie Teil des Unterrichts werden – und exponiert gleichzeitig die Schulaktivitäten nach außen.

Genauso spielen aktive Schulgebäude selbst eine Rolle beim Lernen: Energieerzeugende Gebäude lassen durch das Ablesen der Produktion und des Verbrauchs sowohl die technischen als auch die moralischen Aspekte des Energiehaushaltes veranschaulichen. Integrierte Landschaft und Gebäude, z.B. in Form von Dachgärten und Gewächshäusern legen den Grundstein für eine authentische Lernsituation mit Bezug auf Nahrungsmittelproduktion, den natürlichen Kreislauf, die Ökologie und Biotope.

So entwickelt sich das Lernen weiter, früher von der einseitigen Überlieferung von Wissen, heute über netzwerks-artige Teams und Cluster, und morgen hin zur Generations- und Gesellschaftsintegration: Je mehr Facetten die Schule hat, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich alle Schüler unabhängig von ihren Voraussetzungen an den Aktivitäten der Schule beteiligt fühlen können.

Über den Autor:

Julian Weyer wurde  in Berlin geboren und lebt seit 1975 in Dänemark. Er studierte an der Aarhus School of Architecture und schloss sein Studium 1994 als Architect MAA ab. Neben seiner Lehrtätigkeit an der Aarhus School of Architecture arbeitete er als freier Architekt und bei C.F. Møller Architects, bevor er dort 2007 Partner wird. Neben umfangreichen Erfahrungen in den Bereichen Architektur, Landschaftsarchitektur und Städteplanung, kann Julian Weyer zahlreiche Wettbewerbspreise und preisgekrönte Entwürfe vorweisen. Er arbeitet weltweit an Bauprojekten, hauptsächlich aber in Dänemark, Deutschland und Großbritannien. Julian Weyer hält weltweit Vorträge und ist Autor zahlreicher Publikationen und Bücher. Seine bisherigen Auszeichnungen sind u.a. der European Architecture Award, der Civic Trust Award, der RIBA International Award, der Aarhus Municipality Architecture Award, der Residential of the Year WAN AWARD, der Commercial of the Year WAN AWARD, der Worldwide Brick Award und der Danish Academy Council Prize.

www.cfmoller.com