Nachbericht – Dialog nach 6 // virtuell – Meilensteine

Gelungener Auftakt zur neuen Veranstaltungsreihe

Auf den Veranstaltungen der neuen Reihe „Dialog nach 6“ diskutieren internationale Gäste bei einem Abendbrot je eine Fragestellung der Baukultur und beleuchten diese in Kurzvorträgen. Am 16. Juli 2020 widmete sich der „Dialog nach 6“ mit Beiträgen von Asa Bruno (Ron Arad Architects, GB-London), Kirstie Smeaton (Nieto Sobejano Architectos, DE-Berlin/ES-Madrid) und Till Richter (Auer Weber, DE-München/Stuttgart) unter dem Titel „Meilensteine“ der Fassade. Diese erste Ausgabe wurde in digitaler Form durchgeführt und fand bei den Zuschauern hervorragende Resonanz.

Entwicklungen sind geprägt durch Meilensteine – sie markieren Zäsuren in gestalterischer genauso wie technologischer Hinsicht. Meilensteine können sich als große, bedeutende Projekte zeigen; in anderen Fällen entfalten sie dagegen nur nach innen ihre nicht weniger immense Wirkung. Dies spiegelt sich auch in der Fassade eines Gebäudes: Diese ist identitätsprägend nach außen und sorgt gleichzeitig für optimale Bedingungen im Inneren. Getreu diesem Thema stellten die Referenten ihre Projekte vor:

Kirstie Smeaton (Nieto Sobejano Architectos, DE-Berlin/ES-Madrid) machte den Auftakt und zeigte anhand des Montblanc Hauses, das in Hamburg Altona entsteht und sich momentan im Rohbau befindet, wie die Fassade zu ihrer Form fand. Dieser Prozess zeichnete sich dadurch aus, dass gestalterische und technische Aspekte sich immer wieder gegenseitig bedingten und dadurch letztlich den Durchbruch beim „schwärzsten Schwarz“ genauso ermöglichten wie den angestrebte Detallierungsgrad der Fassade.

„Where sculpture, technology, materials and environment meet.“ Unter diesem Blickwinkel sieht Asa Bruno (Ron Arad Architects, GB-London) die Fassade und stellte mehrere Projekte vor, die sich als Meilensteine für das Büro erwiesen haben. Darunter das D House in Tokio, ein Einfamilienhaus dessen Fassade von dunklen Bändern dominiert wird. Sie erinnern an Papierschlangen und geben, neben ihrem Nuzten als Verschattungselemente, dem Haus einen skulpturalen Charakter. Das Design Museum Holon fasziniert ebenfalls durch Baukörper, die mit gewundenen Schlangen aus Stahl in strahlenden Rottönen, die rechteckigen Ausstellungsräume im Inneren umschließen. Auch der ToHa Tower erhebt sich als Skulptur in die Skyline von Tel Aviv. Die raffinierte Anordnung von Lamellen und Vorsprüngen der Fassdenelemente ist nicht nur visuell beindruckend, sondern bietet auch den Nutzern des Gebäudes Schatten ohne durch Spiegelungen die Umgebung negativ zu beeinflussen.

Wiederum auf ein einziges Projekt fokussierte sich Till Richter (Auer Weber, DE-München/Stuttgart), der die Sanierung und Erweiterung der Inselhalle Lindau und das dazugehörige Parkhaus vorstellte. Auer Weber begreifen – nicht nur bei diesem Projekt – die Fassade als Kleid, das das Innere nicht nicht als trennendes Element strikt vom Äußeren abschirmt, sondern als Verbindung in den Außenraum seine Form und Funktion lediglich umhüllt. Gleiches gilt auch für das Dach der Inselhalle, das als „fünfte Fassade“ auch im Luftbild oder beim Blick von der Stadtmauer die Identität des Gebäudes deutlich macht.

Auch besondere Entwicklungsschritte unserer Kooperationspartner ACO, Cosentino und Euramax wurden beleuchtet: der bedeutende Schritt vom Innenraum an die Fassade bei Cosentino, die mit Dekton die Fassade des von Ron Arad gebauten und von Asa Bruno vorgestellten ToHa-Towers in Israel verkleidet haben; außergewöhnliche Entwässerungslösungen von ACO, wie beispielsweise die Klimafliese, die neue Wege der Entwässerung in eigentlich versiegelter städtischer Umgebung aufzeigt; und der Sprung vom Hersteller von Campingwagen hin zum Experten für bandlackiertes Aluminium, den Euramax gewagt hat.

Die Veranstaltungsreihe „Dialog nach 6“ wird am 15. September 2020 fortgesetzt. Dann zum Thema Hybride Räume und sowohl in den AIT-ArchitekturSalons wie auch online.

Referenten

Nieto Sobejano Architectos, DE-Berlin/ES-Madrid
Referentin: Kirstie Smeaton

Nieto Sobejano Arquitectos wurde 1985 von Fuensanta Nieto und Enrique Sobejano gegründet und hat seinen Sitz in Madrid und Berlin. Die Arbeiten des Büros erschienen in zahlreichen internationalen Fachzeitschriften und Büchern und wurden 2000, 2002, 2006 und 2012 auf der Biennale in Venedig sowie 2006 im Museum of Modern Art (MoMA) in New York, 2008 im Kunsthaus in Graz, 2013 in der Architekturgalerie München und 2014 in der MAST Foundation in Bologna ausgestellt.

2007 erhielt das Büro den nationalen Preis für Restaurierung des Spanischen Kulturministeriums, 2010 den Nike Preis des Bunds Deutscher Architekten (Bda) und den Aga Khan Preis für Architektur, 2011 den Piranesi Prix de Rome, 2012 den European Museum of the Year Award und den Hannes Meyer Preis, und 2015 die Aia Ehrenbürgerwürde sowie die Alvar Aalto Medaille.

Zu den Hauptwerken des Duos zählen das Madinat al-Zahra Museum in Córdoba, das Kunstmuseum Moritzburg in Halle/Saale, das Museum San Telmo in San Sebastián, das Kongresscenter in Zaragoza, die Erweiterung des Joanneum in Graz und das Zentrum für zeitgenössische Kunst in Córdoba. Nieto Sobejano Arquitectos arbeitet derzeit an einer Vielzahl von Projekten weltweit. In den letzten Jahren sind zwei Monografien zur Arbeit des Büros erschienen: Nieto Sobejano. Memory and Invention (Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2013) und Fuensanta Nieto, Enrique Sobejano. Architetture (Mondadori Electa Spa, Milano 2014).
www.nietosobejano.com

 

Ron Arad Architects, GB-London
Referent: Asa Bruno

Ron Arad Architects continues the tradition established by the studio of Ron Arad in the 1980s, of challenging technology, form, materials and engineering to push and explore the limits of unconventional design and architecture.

In recent years the practice has completed several award-winning projects: the Mediacite retail centre in Liege, Belgium; the Design Museum Holon, Israel; the refurbishment of the Watergate Hotel in Washington DC, USA; as well as a series of public art commissions, including the Curtain Call at the Roundhouse, London, UK, and the Vortext sculpture in Seoul, South Korea. The practice is currently engaged in cultural, commercial and residential projects in Europe, USA, and the Middle East, with phase one of the large-scale ToHA urban development project in Tel Aviv recently completed and phase two is underway.

Ron Arad Architects has exhibited internationally, including the successful ‚No Discipline‘ exhibition at the Pompidou Centre in Paris and the Museum of Modern Art in New York, and at the ‚Restless‘ exhibition in the Barbican Centre in London. The practice comprises a team of architects, under the directorship of Ron Arad, Caroline Thorman and Asa Bruno.
www.ronarad.co.uk

 

Auer Weber, DE-München/Stuttgart
Referent: Till Richter

„Die Gebäude sollen offen bleiben für Veränderungen, offen für Interpretationen oder Nutzer. Wir wollen Gebäude, die sich auf das Leben einstellen können…“
Die Architektur von Auer Weber bezieht ihre jeweilige Ausprägung aus der intensiven Auseinandersetzung mit der Bauaufgabe selbst sowie den Bedingungen und Chancen des Ortes, an dem sie entsteht.

Der Entwurfsprozess umfasst dabei die Findung adäquater Gestaltungsmittel und die Einbeziehung aller an der Konzeption und Realisierung Beteiligten. Das Resultat sind architektonische Konzeptionen, die vom skulptural gefassten Volumen bis zu strukturellen offenen Landschaften reichen. Gemeinsamer Nenner des so Entstandenen ist die Offenheit und Eingängigkeit für Sinne und Verstand. Die  Nachvollziehbarkeit des Entwurfes gibt  Orientierung und ermöglicht unterschiedliche Wege der Aneignung und Interpretationen durch Nutzer und Betrachter.
www.auer-weber.de

 

In Kooperation mit: