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	<title>Grohe &#8211; AIT | AIT-Dialog | xia</title>
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	<description>Architecture / Interior / Design</description>
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		<title>Innenarchitektur im Einklang mit Nachhaltigkeit – Interview mit Susanne Brandherm von brandherm + krumrey interior architecture</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jurena Keil]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Jul 2023 09:12:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
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					<description><![CDATA[„Fakt ist aktuell der, dass wir allein durch das Bewusstsein der Thematik Nachhaltigkeit schon vieles erreichen, in allerletzter Konsequenz schaffen wir es jedoch noch nicht, das Thema Nachhaltigkeit zu 100% in Projekten umzusetzen.“ Susanne Brandherm]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
<p>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2023/06/01._DO-E_Start.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Design Offices Ruhr Tower, Essen | brandherm + krumrey interior architecture | Foto: Joachim Grothus" data-rel="lightbox-gallery-1"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2023/06/01._DO-E_Start.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2023/06/01._DO-E_Start.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2023/06/01._DO-E_Start-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2023/06/brandherm_BIRKENSTOCK_Grothus_H-12.1.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Birkenstock Headquarter, Köln | brandherm + krumrey interior architecture | Foto: Joachim Grothus" data-rel="lightbox-gallery-1"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2023/06/brandherm_BIRKENSTOCK_Grothus_H-12.1.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2023/06/brandherm_BIRKENSTOCK_Grothus_H-12.1.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2023/06/brandherm_BIRKENSTOCK_Grothus_H-12.1-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2023/06/JGF2681.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="List „Our Office“ Unternehmenszentralen Nordhorn, Bielefeld | brandherm + krumrey interior architecture | Foto: Joachim Grothus" data-rel="lightbox-gallery-1"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2023/06/JGF2681.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2023/06/JGF2681.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2023/06/JGF2681-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
</p>
<p><div class="clear"></div></div>
<div class="omsc-one-half omsc-last">
<p><strong>Im Rahmen der GROHE Digital Talks stellen sich renommierte Innenarchitekt*innen den Fragen und geben Einblick in ihre Haltung und ihr Verständnis für eine nachhaltige Innenarchitektur. Lesen Sie dazu hier das Gespräch mit Susanne Brandherm von brandherm + krumrey interior architecture.</strong></p>
<p><em>„Echte Nachhaltigkeit heißt für uns nicht nur die Materialität in der Zusammen­setzung des Produkts sollte betrachtet werden, sondern wie und wo das Produkt hergestellt wird, wie sind z.B. die Transportwege. Auch geht es um gestalterische Aspekte, flexible Nutzungskonzepte, Nutzungen allgemein und Revitalisierungen. Das Feld ist sehr groß und keinen in wenigen Sätzen nicht beantwortet werden.“</em><br />
Susanne Brandherm</p>
<p><strong>GROHE: Sie sind in unterschiedlichen Bautypologien tätig. Was ist der Schlüssel Ihres Erfolges? Welche Philosophie verbirgt sich dahinter?</strong><br />
<strong>Susanne Brandherm</strong>: Begonnen haben wir mit zwei Projekten aus der Familie. Als es an die Realisierung ging, wollten wir unbedingt vor Ort sein und eng mit den Unternehmen zusammenarbeiten. Wir wollten uns Zeit nehmen und unsere ersten Projekte intensiv begleiten, denn im Grunde sahen wir uns in zweifacher Hinsicht mit Neuland konfrontiert: Was das Handwerk anbelangt, mussten wir uns alles selbst beibringen. Im Studium an der ETH geht es vermehrt um die theoretische Betrachtung, um die Geschichte der Architektur und so weiter, wir wurden aus der Theorie also quasi mitten auf die Baustelle und damit ins kalte Wasser geworfen. Auf der anderen Seite mussten wir unsere Architektur-Haltung erstmals losgelöst von jeder Professoren-Unterstützung selbst begründen. Das hat uns rückblickend gutgetan.Mit viel Ehrgeiz und Liebe zu unserer Profession sind wir anfangs relativ „ungeplant“ gestartet. Eine Spezialisierung nur auf ein Thema wie Hotel, Office oder Krankenhaus hat sich bei uns nicht ergeben. Dies betrachten wir als großen Vorteil, da wir sehr früh festgestellt haben, dass alle Themen eng zusammen­gehören. Wir können beispielsweise das Know-how, das wir uns im Bereich Hotel angeeignet haben, auch bei der Bauaufgabe Privatklinik anwenden. Und genauso hat die heutige Officewelt Schnittmengen mit den Themen Hotel und Wohnen. Dabei bleiben unsere Qualitätsansprüche gleichbleibend hoch. Uns sind bei jeder Bauaufgabe die Details wie auch eine gute Kommunikation mit den Bauherren sehr wichtig. Uns nur auf einen Schwerpunkt zu spezialisieren ist für uns uninteressant und schränkt uns zu sehr ein. Als eines der größeren Büros in der Innenarchitekturbranche haben wir ein entsprechend aufgestelltes Team, um auch komplexe Projekte zu bewältigen.</p>
<p><strong>Warum brauchen wir die Innenarchitektur als eigene Disziplin?</strong><br />
Mit unserer Fachkompetenz erkennen wir das Potenzial von Räumen in ihrer Vielschichtigkeit und die damit verbundenen Möglichkeiten. Schließlich befasst sich unsere Disziplin intensiv mit dem Detail. Wir sind hier sehr fokussiert – das schätzen auch die Architekten. Unsere Expertise bei Materialien und Produkten für den Innenraum ist sehr vielfältig und wir entwickeln Ideen mit Weitblick, da wir uns ja durchgängig mit diesen Themen beschäftigen. Bauen im Bestand – ganz gleich ob im Neu- oder Altbau – ist unser Geschäft. Was kann der Raum und wie lässt er sich am besten nutzen oder umnutzen? Das ist eine alltägliche Frage für uns.</p>
<p><div class="bg-margin-for-link"><input type='hidden' bg_collapse_expand='69e381d8352ff1008188537' value='69e381d8352ff1008188537'><input type='hidden' id='bg-show-more-text-69e381d8352ff1008188537' value='weiterlesen'><input type='hidden' id='bg-show-less-text-69e381d8352ff1008188537' value='Weniger'><div id='bg-showmore-hidden-69e381d8352ff1008188537' ></p>
<p><strong>Die Pandemie hat unser Denken und Handeln verändert. Wie spiegelt sich das in Ihrer Arbeit wider?</strong><br />
Wie für andere auch war die Pandemie für uns eine Herausforderung. Sämtliche projektbezogenen Meetings, auch die mit unseren Bauherren, fanden online statt. Das funktioniert nur bis zu einem gewissen Grad, da bei jeder Projektentwicklung irgendwann der Punkt kommt, wo wir feststellen: jetzt müssen wir einfach vor Ort sein. Darüber hinaus hat sich natürlich auch die Art der Projekte verändert. Insbesondere der Officebereich unterliegt derzeit einem umfangreichen Wandel. Dabei führt die vermehrte Nutzung des Homeoffice nicht zwangsläufig zu einer Verkleinerung der Büroflächen. Vielmehr sind heute neue, vielgestaltige Arbeitswelten mit unterschiedlichen Arbeitssituationen gefragt. Viele Mitarbeitende sind mittlerweile damit vertraut, mit dem Laptop zuhause oder im Café zu arbeiten und sich nur bei Bedarf mit dem Team zu treffen – ein fester Arbeitsplatz ist oftmals keine Option mehr.</p>
<p><strong>Sie sprachen gerade über die veränderte Situation im Büro, was sind die neuen Ansprüche an die Bautypologie Wohnen? Wird den heutigen Bedürfnissen beim Bau von neuem Wohnraum überhaupt entsprochen?</strong><br />
Unsere Projekte im Bereich privates Wohnen bewegen sich in einer eigenen, sehr individuellen Welt. Was wir grundsätzlich feststellen, ist dass sich die wohnliche Aufenthaltsqualität über das eigentliche „Wohnzimmer“ hinaus auf alle Flächen wie Küche, Bad, Schlafen etc. erstreckt. In diesem Zusammenhang wäre es unser Wunsch, dass auch soziale Wohnungsbauprojekte einem hohen gestalterischen Anspruch gerecht werden. Dies hat grundsätzlich nichts mit Luxusmaterialien oder Ähnlichem zu tun, sondern lediglich mit einer guten Planung. Darüber hinaus hat der private Außenbereich an Bedeutung gewonnen. Generell stellt sich uns heute die Frage: Was gehört zu meinem Lebensraum? Das ist nicht mehr nur die Wohnung, sondern auch deren Umgebung, in der ich mich bewege, meine Freizeit verbringe oder auch arbeite. Nach den Erfahrungen der Lockdowns sind der Außenraum wie auch der öffentliche Raum für uns mit einem Gefühl von Freiheit verbunden. Ich glaube deshalb, dass Außen- und Innenraum in Zukunft immer mehr miteinander verknüpft werden.</p>
<p><strong>Wann ist ein Raum für Sie perfekt?</strong><br />
Perfektion bedeutet in meinen Augen nicht, dass alles durchdacht und vollkommen sein muss. Ein Raum ist für mich perfekt, wenn ich mich dort wohlfühle. Dies hat mit der Raumatmosphäre aus Akustik, Licht, Material, Gerüchen etc. zu tun. Auch das Umfeld und die Raumproportion sind wichtig. Die Verortung des Raumes, also die Bezüge, in denen er sich befindet und die Art der Ausgestaltung ist dabei von zentraler Bedeutung. Eine gewisse Unvollkommenheit lässt die Gedanken freier werden, das mag ich sehr. Die Frage nach Perfektion ist und bleibt immer eine hochindividuelle Sache.</p>
<p><strong>Wie implementieren Sie Nachhaltigkeit in Ihre Projekte?</strong><br />
Wir sind Teilnehmer der DGNB-Initiative „Phase Nachhaltigkeit“ speziell für Innenarchitektur. Unsere Projekte werden in Zukunft noch explizierter unter verschiedenen Aspekten der Nachhaltigkeit hinterleuchtet und bewertet. Um dem Thema gerecht zu werden, haben wir hierfür bürointern ein Team etabliert, welches sich intensiv diesem breiten Aufgabenfeld widmet und für uns interne Leitlinien erarbeitet. Schön ist zu sehen, dass auch unsere Bauherren bewusster mit dem Thema Nachhaltigkeit umgehen. Das Gleiche gilt für viele Hersteller, die entsprechende Zertifizierungen für ihre Produkte anstreben oder bereits haben. Dabei ist es für uns aber enorm wichtig, genau hinzuschauen und uns nicht von schönen Werbekampagnen blenden zu lassen. Was das Wissen um echte Nachhaltigkeit angeht, wollen wir uns noch eingehender spezialisieren. Echte Nachhaltigkeit heißt für uns nicht nur die Materialität in der Zusammen­setzung des Produkts sollte betrachtet werden, sondern wie und wo das Produkt hergestellt wird, wie sind z.B. die Transportwege. Auch geht es um gestalterische Aspekte, flexible Nutzungskonzepte, Nutzungen allgemein und Revitalisierungen. Das Feld ist sehr groß und keinen in wenigen Sätzen nicht beantwortet werden. Auch „leben“ wir das Büro nachhaltiger, das hat z.B. etwas mit der Mobilität wie auch einfache Dinge wie weiniger Drucken zu tun. Fakt ist jedoch aktuell der, dass wie allein durch das Bewusstsein der Thematik schon vieles erreichen, in allerletzter Konsequenz schaffen wir es jedoch noch nicht das Thema Nach­haltigkeit zu 100% in Projekten umzusetzen.</p>
<p><strong>Nachhaltigkeit befürworten alle, aber nur wenige sind bereit, dafür einen Mehrpreis zu zahlen. Wie schätzen Sie das Nachhaltigkeitsbestreben der Immobilienbranche ein?</strong><br />
Dieses Thema haben wir für uns noch nicht abschließend beantwortet. Wir müssen argumentieren, was der Mehrwert eines nachhaltigen Produktes für den Bauherren ist. Beim Eventformat ARCHITECT@WORK bin ich in der Kommission tätig und beschäftige mich dort viel mit Produktinnovationen. Deutsche Unternehmen von Beleuchtungs- bis Oberflächenherstellern liefern nachhaltige, innovative und auch anspruchsvoll gestaltete Produkte. In jedem Fall können diese den Wert eines Gebäudes steigern – das ist oftmals ein entscheidender Punkt. Gerade in den Bereichen Office und Hotel nutzen viele das Thema nachhaltiges Bauen als Marketinginstrument für das eigene Unternehmen. Im besten Fall steigern die nachhaltige Ausstattung und der nachhaltige Betrieb den Immobilienwert.</p>
<p><strong>Welche Ansprüche haben Sie – auch im Bezug auf das Thema Nachhaltigkeit – an das Bad der Zukunft?</strong><br />
Nachhaltigkeit speziell im Bad, auch beim „trendigen „Wohnbad“ oder dem Bad im Officebereich, ist eine Frage der persönlichen Haltung. Das Bad kann als Aufenthaltsort, Entspannungsraum und Spa-Bereich dienen, selbst wenn es ausgesprochen klein ist. Wir finden es spannend, wenn Produkte vielfältig einsetzbar sind, damit wir beispielsweise die unterschiedlichsten Waschtisch- und Duschabtrennungsoptionen planen und gestalten können. Technologien zum Energie- und Wassersparen sind für uns ebenfalls ein wichtiger Faktor, für den wir bei unseren Bauherren gerne werben. Ein guter TGA-Planer, der verlässlich auf unserer Seite ist, erscheint dabei unerlässlich.</p>
<p><strong>Gibt es etwas, was Ihnen an der aktuellen Diskussion zu unserer Baukultur fehlt?</strong><br />
Wenn es um Baukultur geht, werden wir Innenarchitekten leider häufig in den Debatten ausgeklammert, Dasselbe gilt für Wettbewerbe – für uns gibt es da kaum Zugang. Ich würde mir daher wünschen, dass auch wir als Profession stärker in die Diskussionen um Baukultur und andere Gestaltungsthemen einbezogen werden.<br />
</div></div><a id='bg-showmore-action-69e381d8352ff1008188537' class='bg-showmore-plg-link bg-arrow ait_read-more'  style=" color:inherit;;" href='#'>weiterlesen</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Büroprofil</strong><br />
<strong>brandherm + krumrey interior architecture</strong><br />
Mit einem Team aus Innenarchitekten, Architekten und Grafikern realisiert brandherm + krumrey internationale Projekte von 15 bis 40.000 Quadratmetern. Gemeinsam mit den Kunden werden deren Haltung und Bedürfnisse in ganzheitlichen Raumkonzepten umgesetzt. Dabei möchte das Büro mit Sitz in Köln und Hamburg anregen, überraschen und neue Denkansätze ermöglichen. Als Spezialisten für die Bereiche Office, Hospitality und Healthcare verfügt brandherm + krumrey über ein umfangreiches Portfolio. Bei Projekten von Berlin über London und New York bis Tokyo haben die Interior Designerinnen unverwechselbare Räume geschaffen, deren Form- und Materialwelten die besondere Identität des jeweiligen Auftraggebers widerspiegeln. Der rote Faden ist ein maßgeschneidertes, klares und zeitloses Design – keine modische Gestaltung, sondern nachhaltige Raumlösungen mit dem Seitenblick für das vermeintlich Unmögliche.</p>
<p><strong>Susanne Brandherm</strong><br />
Susanne Brandherm studierte Innenarchitektur an der Fachhochschule Detmold. Nach verschiedenen Stationen in Kölner Innenarchitekturbüros gründete sie 1999 zusammen mit Sabine Krumrey das Büro brandherm + krumrey interior architecture, dessen Standort in Köln von ihr geleitet wird. Für ihre Arbeit wurde Susanne Brandherm mit dem INsider Award 2013 sowie dem Deutschen Innenarchitektur Preis 2019 des Bundes Deutscher Innenarchitekten (bdia) ausgezeichnet. Neben ihrer gestalterischen Tätigkeit lehrte sie von 2013 bis 2015 an der Hochschule Trier und hat aktuell einen Lehrauftrag an der Hochschule Düsseldorf, PBSA. Seit 2012 ist sie Mitglied des Kuratoriums der Messe architect@work Germany, seit 2016 Jurymitglied beim German Design Award.<br />
Susanne Brandherm ist seit 2002 ehrenamtlicher Vorstand der Karl Bröcker Stiftung „Zukunft für Kinder“.</p>
<p><strong>Sabine Krumrey</strong><br />
Sabine Krumrey studierte Innenarchitektur an der Fachhochschule Rosenheim. Nach verschiedenen Stationen in süddeutschen Innenarchitekturbüros arbeitete sie seit 1993 als selbstständige Innenarchitektin. Im Jahr 1999 gründete sie gemeinsam mit Susanne Brandherm das Büro brandherm + krumrey interior architecture in Köln. Seit dem Jahr 2000 leitet Sabine Krumrey den Hamburger Standort des Büros. Für ihre Arbeit wurde sie 2008 für den INsider Award nominiert. Außerdem ist sie Preisträgerin des Deutschen Innenarchitektur Preises 2019 vom Bund Deutscher Innenarchitekten (bdia). Seit 2015 ist sie als Dozentin im Fachbereich Raumkonzepte und Design an der AMD Akademie Mode und Design in Hamburg tätig.</p>
<p><a href="https://www.b-k-i.de/">www.b-k-i.de</a></p>
<p>Lesen Sie mehr aus der Reihe <strong>Innenarchitektur im Einklang mit Nachhaltigkeit</strong> auf der Seite der <a href="https://www.grohe-x.com/de-de/architekturwelt/grohe-digital-talks">GROHE Digital Talks</a></p>
<p><div class="clear"></div></div><div class="omsc-clear"></div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Innenarchitektur im Einklang mit Nachhaltigkeit – Interview mit Monika Lepel von Lepel &#038; Lepel Architekt Innenarchitektin</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/innenarchitektur-im-einklang-mit-nachhaltigkeit-interview-mit-monika-lepel-von-lepel-lepel-architekt-innenarchitektin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jurena Keil]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Jul 2023 09:12:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ait-xia-dialog.de/?post_type=ait-dialog-blog&#038;p=412828</guid>

					<description><![CDATA[„Um das Falsche nur für Geld zu tun, ist das Leben zu kurz und dieser Haltung bleiben wir treu. Es geht um den Willen, etwas zu gestalten, was in Zukunft tragfähig ist.“ Monika Lepel]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
<p>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2023/06/Plan-B-color.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Wochenendhaus Plan B, Eifel | Lepel &amp; Lepel | Foto: HG Esch" data-rel="lightbox-gallery-2"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2023/06/Plan-B-color.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2023/06/Plan-B-color.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2023/06/Plan-B-color-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2023/06/Aurelis-Mannheim.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Aurelis (Haus Watt), Mannheim | Lepel &amp; Lepel | Foto: HG Esch" data-rel="lightbox-gallery-2"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2023/06/Aurelis-Mannheim.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2023/06/Aurelis-Mannheim.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2023/06/Aurelis-Mannheim-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2023/06/GIZ.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="GIZ Campus, Bonn | Lepel &amp; Lepel | Foto: HG Esch" data-rel="lightbox-gallery-2"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2023/06/GIZ.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2023/06/GIZ.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2023/06/GIZ-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
</p>
<p><div class="clear"></div></div>
<div class="omsc-one-half omsc-last">
<p><strong>Im Rahmen der GROHE Digital Talks stellen sich renommierte Innenarchitekt*innen den Fragen und geben Einblick in ihre Haltung und ihr Verständnis für eine nachhaltige Innenarchitektur. Lesen Sie dazu hier das Gespräch mit Monika Lepel von Lepel &amp; Lepel Architekt Innenarchitektin.</strong></p>
<p><em>„Es geht um den Willen, etwas zu gestalten, was in Zukunft tragfähig ist. Etwas, das von der Zukunft getragen wird, aber auch etwas, das in Zukunft trägt. Das nimmt uns in die Pflicht, uns zu committen und zu positionieren.“</em><br />
Monika Lepel</p>
<p><strong>GROHE: Sie haben Ihr Büro 1994 gegründet. Was macht Ihre Arbeit aus?</strong><br />
<strong>Monika Lepel</strong>: Für uns steht das Herstellen von Beziehungen im Vordergrund, sowohl in der gebauten Wirklichkeit als auch in Bezug auf Menschen und Organisationen. Wir haben uns vor zwanzig Jahren die Frage gestellt, Geld oder Qualität: Um das Falsche nur für Geld zu tun, ist das Leben zu kurz und dieser Haltung bleiben wir treu. Wenn wir also merken, dass wir keine gute Beziehung aufbauen können, dann lehnen wir eine Zusammenarbeit ab. Darüber hinaus zeichnet uns aus, dass wir im Bereich Architektur und Innenarchitektur sowohl in der Mitarbeiteranzahl als auch bei Umsatz und Gewinn gleichwertig aufgestellt sind und auch unabhängig voneinander funktionieren. Diese starke Position gibt uns die Möglichkeit, die besten Ideen aus beiden Disziplinen auf Augenhöhe zu verhandeln und so eine hohe Qualität zu erreichen.</p>
<p><strong>Manchmal gewinnt man den Eindruck, dass es den Innenarchitekt*innen an Selbstbewusstsein fehlt. Welchen Stellenwert hat die Innenarchitektur?</strong><br />
Im Grunde brauchen wir nichts mehr neu zu bauen. Innenarchitekten sind damit gefragt wie nie. Als ich 1981 mein Studium aufgenommen habe, ging es eigentlich nur um Möbel für wohlhabende Haushalte. Heute sind die Aufträge vielfältiger. Dabei geht es uns Innenarchitekt*innen um Funktion, um Bedarf, um Identität und natürlich um den Nutzer. Doch genau hier entsteht bereits Konfliktpotenzial, wenn wir beispielsweise für ein bedarfsgerechtes Konzept eine genaue Analyse der geplanten Architektur machen oder die Verteilung der Gelder zwischen Kunden, Architekten und Innenarchitekten verhandelt werden – da braucht es ein gesundes Selbstbewusstsein. Uns ist dabei aber wichtig, dass wir immer ein kollegiales Miteinander etablieren, denn nur zusammen können wir eine herausragende Arbeit abliefern.</p>
<p><div class="bg-margin-for-link"><input type='hidden' bg_collapse_expand='69e381d8415e89099664781' value='69e381d8415e89099664781'><input type='hidden' id='bg-show-more-text-69e381d8415e89099664781' value='weiterlesen'><input type='hidden' id='bg-show-less-text-69e381d8415e89099664781' value='Weniger'><div id='bg-showmore-hidden-69e381d8415e89099664781' ></p>
<p><strong>Was sind für Sie mit Blick auf Klimawandel, Digitalisierung und Ressourcenknappheit die größten Herausforderungen in Ihrer Arbeit? </strong><br />
Der Wandel durch Digitalisierung besteht für uns schon zwanzig Jahre und ist für mich nichts Neues. Was uns sehr beschäftigt, ist der Fachkräftemangel, und zwar nicht nur im eigenen Büro. Wenn man etwas Außer­gewöhnliches umsetzen möchte, braucht man auch Handwerksbetriebe, die über 0815-Lösungen hinausgehen. Unsere Kooperationspartner haben zwar gute Leute, aber sie haben auch ohne Ende zu tun und damit verschieben sich die zeitlichen Horizonte. Das ist im Moment eine dramatische Entwicklung. Hinzu kommen Lieferengpässe, die uns zum Warten zwingen. Das ist in Summe völlig irre. Im Bereich Nachhaltigkeit betreiben wir im Moment großen Aufwand, um nachhaltige Lösungen zu forcieren; dabei scheitert die Umsetzung oftmals an Produkten oder Vorgehensweisen, die so noch nicht erprobt sind, sodass Zertifizierungen fehlen. Besonders nachhaltig ist Architektur, die eine robuste Struktur hat, die verschiedene Nutzungsoptionen ermöglicht. Wir nennen es Architektur der Freiheit.</p>
<p><strong>Wer baut, gestaltet Zukunft. Stimmen Sie dem zu?</strong><br />
Ja, in diesem Satz liegt, woran wir als Architekt*innen und Innenarchitekt*innen glauben. Es geht um den Willen, etwas zu gestalten, was in Zukunft tragfähig ist. Etwas, das von der Zukunft getragen wird, aber auch etwas, das in Zukunft trägt. Das nimmt uns in die Pflicht, uns zu committen und zu positionieren. Deswegen sind wir gerade sehr aktiv im Bereich Workshops und Strategieberatung für Unternehmen. Dabei sind diese Beratungsleistungen ein Teil unseres Leistungsportfolios und müssen nicht in gebaute Umwelt münden – was ich wiederum auch für eine nachhaltige Strategie halte.</p>
<p><strong>Die Zukunft des Bauens gestaltet sich wieder mehr mit den Erfahrungen der Vergangenheit. Es tut gut, sich wieder auf einfache Methoden zu konzentrieren und von diesen überladenen Energiekonzepten wegzukommen, die letzten Endes auch nur Geld kosten. Wie denken Sie darüber?</strong><br />
Ich denke, niemand würde heute mehr dem Pferdekarren oder dem Brunnen hinterher weinen. Wir müssen wissen, was wir wollen und vom Ergebnis her denken und nicht immer nur vom Prozess oder von möglichen Schwierigkeiten aus. Es gibt technische Applikationen, die manche Kunden brauchen und manche nicht. Darüber werde ich nicht urteilen. Ich muss als Architekt:in meine Bauherren akzeptieren. Meine Aufgabe ist herauszufinden: Welche geheimen Motive hat mein Gegenüber wie Status, Sicherheit oder Innovation? Wir analysieren darum genau und argumentieren detailliert und professionell, um das Projekt für den Kund:innen nach seinen Motiven zu realisieren. Aus unserer Sicht ist es darum das Klügste, sich intensiv mit der Kundschaft zu befassen, anstatt sich nur um seine eigenen Interessen zu drehen. Wenn ich die Meinung des Kunden nicht schätze, sollte ich den Auftrag abgeben. Aber grundsätzlich lässt sich sagen, Veränderung ist immer schwierig, auch die Rückführung auf ein bescheideneres Komfortmodell. Unser Leitsatz ist da: „more and more of less and less“. Wir lieben es nachvollziehbare Installationen herzustellen, um je nach Bedarf anpassen, nachrüsten oder zurückbauen zu können.</p>
<p><strong>Wie viel Nachhaltigkeit wird von Ihren Kunden eingefordert?</strong><br />
Wir haben sehr unterschiedliche Kund:innen. Alles, was zum Bund gehört, also Unternehmen wie die GIZ oder Kommunen, müssen zertifiziert nachhaltig agieren. Unternehmen wie Microsoft, haben weltweite Guidelines zur Nachhaltigkeit. In den Shops der Telekom wiederum haben wir jetzt zum ersten Mal nachhaltige Materialien verwendet. Nachhaltigkeit hat viele Facetten – der Fragebogen der Initiative „Phase Nachhaltigkeit“ der DGNB ist hier ein gutes Werkzeug, um über das Thema ins Gespräch zu kommen. Das Problem ist dabei, dass viele, die auf Kundenseite Nachhaltigkeit fordern, nicht im Einkauf tätig sind. Oft gibt es hier schon Budget­vorgaben und im Hinblick auf das Nachhaltigkeits-Anforderungsprofil müssen wir frühzeitig offen sprechen, sonst entsteht nur Frust. Zudem haben wir den Anspruch, eine lange Haltbarkeit zu erzeugen. Bei so manchem sind wir beinhart und hinterfragen: Lohnt sich das wirklich, so hohe Kosten an einer Stelle mit relativ wenig Nutzen zu verbauen? Wenn man einen Auftrag nach HOAI annimmt, dann sinkt mit dem kleiner werdenden Bauvolumen auch das Honorar, obwohl wir deutlich mehr Hirnschmalz investiert haben, um nachhaltig zu bauen. An dieser Stelle ist die aktuelle HOAI also eher kontraproduktiv. Hinzu kommt, dass Regionalität überhaupt nicht mit den öffentlichen Ausschreibungen zusammenpasst. Wenn wir europaweit ausschreiben müssen, wie soll man da regional bleiben?</p>
<p><strong>Inwiefern müssten wir den Raum, privat wie auch öffentlich neu denken?</strong><br />
Das ist eine Frage, die mich sehr beschäftigt. Wohnraum ist knapp. Viele, gerade im urbanen Kontext, leben in beengten Verhältnissen und das ist ja eigentlich auch okay, wenn man nur abends zu Hause ist. Aber wir sind bei Remote Work und Homeoffice angekommen und da werden die Verhältnisse dann schwierig. Ich glaube, der Arbeitsort ist in besonderer Weise ein sozialer Ort. Es gab immer die Diskussion des Third Place. Ich glaube, dass es unternehmensübergreifende, Wohnort nahe Räume geben muss, die einem ermöglichen sein zu Hause zu verlassen, um schnell und unkompliziert in ein professionelles Arbeitsumfeld zu kommen, ohne dabei bis in die Hauptverwaltung fahren zu müssen. Und an dieser Stelle sind wir schon beim Städtebau und der Frage: Wem gehört die Stadt? Es ist ja unfassbar, dass es fast nicht mehr möglich ist, sich menschenwürdig in einer Stadt aufzuhalten, ohne konsumieren zu müssen. Das ist eine totale Fehlentwicklung. Die Stadt muss wieder mehr atmen. Wir müssen wieder mehr öffentlichen Raum – ohne die Belästigung von Werbung, Konsum und Einflussnahme – menschenfreundlich gestalten.<br />
</div></div><a id='bg-showmore-action-69e381d8415e89099664781' class='bg-showmore-plg-link bg-arrow ait_read-more'  style=" color:inherit;;" href='#'>weiterlesen</a></p>
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<p><strong>Büroprofil</strong><br />
<strong>LEPEL &amp; LEPEL | INNEN &amp; ARCHITEKTUR KÖLN</strong><br />
Als Architekt*innen und Innenarchitekt*innen planen und gestalten wir Lebens- und Arbeitswelten, die die Identität von Unternehmen, Verwaltung, Forschungseinrichtungen und Gemeinden widerspiegeln. Nachhaltige, zukunftsfähige Immobilien mit einer langen Lebensdauer. Wir verstehen Architektur &amp; Innenarchitektur als Einheit. Das Ergebnis sind national und international ausgezeichnete Projekte, die bis ins Detail funktionieren. Seit über 25 Jahren.</p>
<p><strong>Monika Lepel</strong><br />
Monika Lepel gründete mit ihrem Mann Reinhard Lepel 1994 das renommierte Büro LEPEL &amp; LEPEL für Architektur und Innenarchitektur in Köln. Gemeinsam planen sie visionäre Bauten für international agierende Unternehmen wie Microsoft, Google oder Telekom. Nach ihrer Ausbildung an der Peter Behrens School of Architecture (PBSA) in Düsseldorf und der internationalen Sommerakademie in Salzburg war sie als Innenarchitektin bei KSP Köln tätig. Von 1992 bis 1996 unterrichtete sie Grundlagen der Gestaltung an der PBSA in Düsseldorf.</p>
<p>Die zentralen Themen ihrer Arbeit als Innenarchitektin sind das Büro der Zukunft, nachhaltiger Innenausbau sowie die gesunde Balance zwischen Nähe und Distanz im Raum, die sie regelmäßig als Speakerin in Vorträgen und Workshops vermittelt. 2002 wurde sie erstmals mit dem Deutschen Innenarchitekturpreis geehrt. Es folgten weitere Auszeichnungen für ihre Projekte wie der Red Dot Award, iF Award, Iconic Award sowie German Brand Award.</p>
<p><a href="https://www.lepel-lepel.de/">www.lepel-lepel.de</a></p>
<p>Lesen Sie mehr aus der Reihe <strong>Innenarchitektur im Einklang mit Nachhaltigkeit</strong> auf der Seite der <a href="https://www.grohe-x.com/de-de/architekturwelt/grohe-digital-talks">GROHE Digital Talks</a></p>
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		<title>Upcoming Architects Facing New Conditions – Interview mit Matthias Alder und Alessandro Nunzi von ALDER CLAVOUT NUNZI ARCHITEKTEN</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/upcoming-architects-facing-new-conditions-interview-mit-matthias-alder-und-alessandro-nunzi-von-alder-clavout-nunzi-architekten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jurena Keil]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 Dec 2022 11:29:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ait-xia-dialog.de/?post_type=ait-dialog-blog&#038;p=401622</guid>

					<description><![CDATA[„Was uns fasziniert, sind zum Beispiel Grundrisse, die nicht so spezifisch sind, dass die nächste Generation nichts mehr damit anfangen kann. Eine gewisse Nutzungsneutralität der Räume, ohne den Charakter, die Atmosphäre und die Gemütlichkeit aus den Augen zu verlieren, ist für uns von zentraler Wichtigkeit. Langlebigkeit wird so durch flexible Nutzbarkeit erreicht. Unsere Architektur soll in dreißig Jahren auch noch für die nächste Generation leicht nutzbar sein, denn das bedeutet für uns Nachhaltigkeit.“ Matthias Alder und Alessandro Nunzi]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/12/AlderClavuotNunzi_MagazziniComunali-_900x600.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Magazzini Comunali, CH-Vicosoprano | ALDER CLAVUOT NUNZI ARCHITEKTEN | Foto: David Schreyer" data-rel="lightbox-gallery-3"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/12/AlderClavuotNunzi_MagazziniComunali-_900x600.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/12/AlderClavuotNunzi_MagazziniComunali-_900x600.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/12/AlderClavuotNunzi_MagazziniComunali-_900x600-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/12/AlderClavuotNunzi_CasaBoscaia_450x300.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Casa Boscaia, CH-Castasegna | ALDER CLAVUOT NUNZI ARCHITEKTEN | Foto: David Schreyer" data-rel="lightbox-gallery-4"><img decoding="async" width="450" height="300" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/12/AlderClavuotNunzi_CasaBoscaia_450x300.jpg" class="attachment-thumbnail size-thumbnail" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/12/AlderClavuotNunzi_hexen_450x300.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Häxehüsli, CH-Wil | ALDER CLAVUOT NUNZI ARCHITEKTEN | Foto: Seraina Wirz" data-rel="lightbox-gallery-4"><img decoding="async" width="450" height="300" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/12/AlderClavuotNunzi_hexen_450x300.jpg" class="attachment-thumbnail size-thumbnail" alt="" /></a>
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<p><strong>Upcoming Architects</strong> nehmen Stellung, wie sie den Herausforderungen des globalen Wandels begegnen und wie sie ihre Position als Ideengeber, Neuschöpfer und Qualitätssetzer behaupten. Lesen Sie dazu hier das Gespräch mit mit Matthias Alder und Alessandro Nunzi von Alder Clavuot Nunzi Architekten.</p>
<p><em>„Was uns fasziniert, sind zum Beispiel Grundrisse, die nicht so spezifisch sind, dass die nächste Generation nichts mehr damit anfangen kann. Eine gewisse Nutzungsneutralität der Räume, ohne den Charakter, die Atmosphäre und die Gemütlichkeit aus den Augen zu verlieren, ist für uns von zentraler Wichtigkeit. Langlebigkeit wird so durch flexible Nutzbarkeit erreicht. Unsere Architektur soll in dreißig Jahren auch noch für die nächste Generation leicht nutzbar sein, denn das bedeutet für uns Nachhaltigkeit.“</em><br />
Matthias Alder und Alessandro Nunzi</p>
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<p><strong>GROHE: Sie haben Ihre Bürogemeinschaft 2013 gegründet. Wie ist es Ihnen gelungen, sich als junges Büro erfolgreich zu positionieren?</strong><br />
<strong>Matthias Alder und Alessandro Nunzi</strong>: Begonnen haben wir mit zwei Projekten aus der Familie. Als es an die Realisierung ging, wollten wir unbedingt vor Ort sein und eng mit den Unternehmen zusammenarbeiten. Wir wollten uns Zeit nehmen und unsere ersten Projekte intensiv begleiten, denn im Grunde sahen wir uns in zweifacher Hinsicht mit Neuland konfrontiert: Was das Handwerk anbelangt, mussten wir uns alles selbst beibringen. Im Studium an der ETH geht es vermehrt um die theoretische Betrachtung, um die Geschichte der Architektur und so weiter, wir wurden aus der Theorie also quasi mitten auf die Baustelle und damit ins kalte Wasser geworfen. Auf der anderen Seite mussten wir unsere Architektur-Haltung erstmals losgelöst von jeder Professoren-Unterstützung selbst begründen. Das hat uns rückblickend gutgetan.</p>
<p><strong>Sie haben vielleicht den härteren, aber effizienteren Weg gewählt.</strong><br />
So hart war unser Weg gar nicht. Die Unternehmer sind einem wohlgesonnen. Wir konnten mit viel Freude und viel Zeit an alles herangehen. Unser Ziel dabei war und ist, die Spange zwischen der theoretischen Betrachtung und der substanziellen Umsetzung immer besser zu beherrschen. Für uns ist es besonders spannend, wenn ein Projekt, das von der Idee her ausgereift ist, Hand und Fuß bekommt. Im Umgang mit den Unternehmen ist uns der Austausch besonders wichtig. Wir wollen verstehen, warum Handwerker etwas nicht so bauen wollen, wie wir es geplant haben. So lernen wir auch das jeweilige Handwerk und können in der Konsequenz künftig viel gezielter und effizienter planen. Darüber hinaus lässt sich auf diese Weise auch die eigene Architektursprache präziser und erfolgversprechender entwickeln.</p>
<p><div class="bg-margin-for-link"><input type='hidden' bg_collapse_expand='69e381d849fa76089358063' value='69e381d849fa76089358063'><input type='hidden' id='bg-show-more-text-69e381d849fa76089358063' value='weiterlesen'><input type='hidden' id='bg-show-less-text-69e381d849fa76089358063' value='Weniger'><div id='bg-showmore-hidden-69e381d849fa76089358063' ></p>
<p><strong>Sie haben größtenteils in der Schweiz gelernt und gearbeitet. Was macht die Schweizer Architektur für Sie aus?</strong><br />
Wir denken, die Schweiz ist im internationalen Vergleich für ihr gutes Handwerk bekannt. Außerdem genießen die Architektur und der Architekt in der Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Diesen Wert müssen wir uns aber immer wieder neu erobern. Man spricht oft über das Erfolgsmodell der Schweiz: Wenn man hier ein Handwerk erlernt, landet man im Grunde direkt am ersten Arbeitstag auf der Baustelle. So kann man in der Praxis das Handwerk schnell und von Grund auf lernen. Das führt dazu, dass die bauliche Substanz tendenziell robust und langlebig wird. Aktuell planen wir den Umbau eines bald vierhundertjährigen Stalls, dessen gesamte Bausubstanz noch im Originalzustand erhalten ist. Es handelt sich hier natürlich nicht um das zeitgenössische Handwerk, aber um das Handwerk unserer Vorfahren, das uns heute ermöglicht, vielschichtige Architektur zu schaffen. Dabei bemühen wir uns sehr, den Bestand zu respektieren und das historische Handwerk in seiner Qualität zu erhalten.</p>
<p><strong>Gibt es Einflüsse aus anderen Kulturen, die Sie in Ihre Arbeit einfließen lassen?</strong><br />
Ehrlich gesagt, eher weniger. Die Auseinandersetzung mit unserer eigenen Kultur genügt uns im Moment. Es gibt hier ausreichend Themen und Vorbilder, die komplex und interessant genug sind, um sie in zeitgenössische Architektur umzusetzen. Aber wir sind äußeren Einflüssen gegenüber immer offen. Für uns ist es besonders spannend zu erkennen, wieso etwas, aus der Vergangenheit begründet, heute so aussieht wie wir es vorfinden. Die regionalen Prinzipien, nach denen aus dem Alltag heraus gebaut wurde, lassen sich bei einer eingehenden Betrachtung von Gebäude und Kontext stets klar erfassen, das übt auf uns eine enorme Faszination aus. So lässt sich nicht nur in den eigenen, sondern auch in andere Kulturrahmen eintauchen, aus denen wir rekontextualisieren und immer auch etwas für unsere Arbeit mitnehmen können. Wir genießen im Bergell, vor allem in Soglio, das Privileg, dass von der ärmlichen Bauernkultur bis zu den großherrschaftlichen Palazzi inhaltlich vieles vorhanden und erlebbar ist. Wir haben uns bewusst dafür entschieden uns hier niederzulassen. Im Moment verstehen wir uns als Tal- und Dorfarchitekten, die wichtiger Teil der Gesellschaft und der Kultur sind.</p>
<p><strong>Worauf sind Sie rückblickend in Bezug auf Ihre Arbeit besonders stolz?</strong><br />
Wir haben eher zufällig nach dem Studium begonnen, uns mit dem Bergell intensiv auseinanderzusetzen. Wir haben uns hier etwas aufgebaut und eine Haltung entwickelt, von der wir nicht abgewichen sind. Für uns sind gewisse Schlagworte wichtig, die in all unseren Projekten zum Tragen kommen wie Selbstverständlichkeit, Direktheit und Robustheit. Wir haben nicht die eine formelle Linie, an der man uns visuell wiedererkennt. Wir haben eine konstante Haltung und gewisse Werte, die wir vertreten. Darauf aufbauend, schauen wir auf den Kontext und arbeiten dann stark am Inhalt und am Charakter, um Projekte zu erarbeiten, die im idealen Fall Eigenständigkeit und eine spezifische Standortzugehörigkeit ausstrahlen. Eine wieder erkennbare Handschrift zu entwickeln, hat uns bisher nicht wirklich interessiert.</p>
<p>Was uns fasziniert, sind zum Beispiel Grundrisse, die nicht so spezifisch sind, dass die nächste Generation nichts mehr damit anfangen kann. Eine gewisse Nutzungsneutralität der Räume, ohne den Charakter, die Atmosphäre und die Gemütlichkeit aus den Augen zu verlieren, ist für uns von zentraler Wichtigkeit. Langlebigkeit wird so durch flexible Nutzbarkeit erreicht. Unsere Architektur soll in dreißig Jahren auch noch für die nächste Generation leicht nutzbar sein, denn das bedeutet für uns Nachhaltigkeit.</p>
<p><strong>„Upcoming Architects Facing New Conditions“ ist der Titel unserer Interviewserie. Was sind für Sie die wesentlichen Conditions mit denen Sie sich konfrontiert sehen?</strong><br />
In der Architekturdiskussion geht es aktuell vor allem um die Probleme, mit denen sich die Städte konfrontiert sehen, wie zum Beispiel die Ressourcenknappheit, etwa von Boden oder von Energieträgern. Wir im Bergell spüren diesen Druck nicht auf dieselbe Art und Weise, weil hier das Verhältnis von Siedlungsgebieten und naturnahen Räumen ein ganz anderes ist. Dennoch beschäftigen uns die genannten Themen gleichermaßen. Hinzu kommt der fortwährend stärker werdender Einfluss von digitalen Technologien. Die neuen Möglichkeiten, die dadurch entstehen, interessieren uns sehr.</p>
<p>Wir suchen bei allen Möglichkeiten, aber auch immer wieder die Rückbesinnung auf das Elementare, dorthin muss die Architektur immer wieder zurückfinden. Wir erleben, dass die gesetzlichen Grundlagen stark von den klimatischen Veränderungen geprägt sind und trotzdem für das Bergell nur zu Teilen brauchbar sind. Wir kämpfen hier beispielsweise damit, dass der Wald unsere Kulturlandschaft wieder zurückerobert. Unser Problem ist also ein ganz anderes als in den urbanen Zentren, wo Fläche etwa durch Zersiedelung verloren geht.</p>
<p><strong>Wie muss nachhaltiges und ressourcenschonendes Bauen Ihrer Meinung nach aussehen?</strong><br />
Wenn die Ressourcen da sind, dann können wir sie auch nutzen. Wie schon erwähnt: Wir haben hier viel Wald. Wir sollten entsprechend mit unserem heimischen Holz bauen können. Aber das Holz, das hier geschnitten wird, geht nach Italien und wir verbauen dann letztlich im Bergell Holz aus anderen Regionen Europas. Die Globalisierung ist bei uns also genauso präsent wie anderswo. Eine heile Welt ist das nicht. Auch das Heizen ist für uns an dieser Stelle Thema, denn wir sind keine Freunde von viel Gebäudetechnik, die nur eine gewisse Lebensdauer hat. Wir glauben, Energie zu sparen, ist für uns als Menschen sehr schwierig. Wir müssen unserer Meinung nach eher Wege finden, mehr Energie zu produzieren, ohne die Umwelt zu belasten.</p>
<p>Ressourcenschonend zu handeln, beginnt mit einem Bewusstsein für die Dinge und ihre Lebensdauer, und genau dieses Bewusstsein versuchen wir ständig weiterzuentwickeln und weiterzutragen. Uns muss klar sein, dass wir mit unserem Handeln auch noch Jahre später Folgen auslösen können. Dieses Wissen auch an unsere Bauherren weiterzugeben, ist Teil unserer gesellschaftlichen Verantwortung.</p>
<p><strong>Was sind für Sie die drei wichtigsten Handlungsfelder zur Förderung nachhaltiger Architektur?</strong><br />
Ein wichtiger Punkt ist eine präzise Raumplanung mit sinnvollen Maßstäben und gute Baugesetze, die den Rahmen schaffen, um ressourcenschonend zu bauen. Weiterhin ist die vielfältige Nutzungsdurchmischung in baulicher Dichte, also auf kleinem Grund möglichst qualitativ hochwertig und divers arbeiten zu können, von zentraler Bedeutung, sodass keine Monokulturen entstehen. Und zu guter Letzt braucht es eine stärkere lokale Bauwirtschaft.</p>
<p><strong>Wie empfinden Sie die Architekturentwicklung in der Gesamtschweiz und in Europa?</strong><br />
Schweizweit betrachtet haben wir immer das Gefühl, dass die durchschnittliche Architektur einen immer höheren Wert bekommt. Aber wir nehmen auch wahr, dass die Schere zwischen der Architektur, die in Zeitschriften kursiert und derjenigen, die vielerorts alltäglich zu erleben ist, auseinander geht. Diese Tendenz ist langfristig nicht gut. Wir vermuten, dass dieses Problem europaweit zu finden ist. Wir sind davon überzeugt, dass es unglaublich wichtig ist, dass die Durchschnittsarchitektur von guter Substanz ist und langfristig funktioniert. Dafür sind wiederum die Raumplanung und die bauliche Diversität von entscheidender Bedeutung, ebenso eine möglichst große Breite an guten Architekten</p>
<p><strong>Brauchen wir grundlegend ein anderes Verständnis von Gebäuden für die Zukunft?</strong><br />
Wahrscheinlich schon. Wobei das nötige Verständnis wieder eng mit der spezifischen Umgebung verknüpft ist, in der man lebt und baut. BIM ist äußerst intelligent und hat Vorteile. Aber wie oft werden wir die Gelegenheit bekommen, um BIM wirklich anzuwenden? Gerade bei historischen Bausubstanzen, rennt man bis zu zweimal am Tag auf die Baustelle, weil wiederholt etwas Unvorhergesehenes passiert ist. BIM braucht es hier wahrscheinlich noch nicht. Das Bauen ist immer noch sehr archaisch. In diesem Sinne sind wir also sehr analog und hoffen, dass wir auch weiterhin so arbeiten können.</p>
<p>Wir glauben, es täte gut, wenn man hin und wieder Luft dazu hätte, das konventionelle Bauen über Bord zu werfen, um darüber nachdenken zu können, was elementar und sinnvoll in der Architektur wäre. Ein Beispiel ist der Einbau von Lüftungsanlagen in den Rohbau. Erfahrungsgemäß ist das Lüftungssystem das Bauwerkteil mit der kürzesten Lebensdauer und trotzdem ist genau dieser am engsten mit dem Gebäude verbaut – das ist einfach unlogisch. Spannend finden wir beim Thema Gebäudeklimatisierung zum Beispiel auch die Nutzung der Qualität von Lehm zur natürlichen Befeuchtung und Klimatisierung von Räumen. Sicher, für derartige Überlegungen braucht man auch die richtigen Bauherren, aber alles mit Technik regulieren zu wollen, ist in unseren Augen auf jeden Fall nicht die Lösung. In der Schweiz muss das Haus energetisch „State of the Art“ sein, sodass bestimmte Dinge, die wir am historischen Altbau so schätzen, oft nicht mehr möglich sind; wie im Winter kompakter zu leben und Räume mit Zwischenklima zu haben, wo Gemüse wunderbar lagern kann. Also ein Gebäude mit verschiedenen klimatischen Zonen. In neuen Häusern gibt es solche Zonen – oder besser Räume – nur ganz selten.</p>
<p><strong>Was sollte Architektur leisten, wem sollte Architektur dienen?</strong><br />
Sie muss mehr leisten als den meisten bewusst ist. Einfach formuliert kann man sagen: Wir leben in unserer gebauten Umwelt und das hat einen direkten Einfluss auf unsere Gefühlswelt. Darum müssen wir eine gute Umwelt bauen, wo sich Menschen wohlfühlen können, und nicht nur Partikularinteressen des Einzelnen erfüllt werden. Am Ende bauen wir Lebensraum für uns als Gesellschaft und für das Zusammenleben. Wir meinen, das bedeutet eine enorm hohe Verantwortung. Wir glauben, dass dieses Bewusstsein politisch zu wenig verankert ist.</p>
<p>Natürlich kann man dieses Verständnis nicht von jedem Einzelnen erwarten, aber wir versuchen immer wieder unseren Bauherren deutlich zu machen: „Wenn kein Weg daran vorbeiführt, können Sie Ihr Bad so gestalten wie Sie möchten, aber wie das Gebäude ausgerichtet und erschlossen ist und welchen Ausdruck und Charakter es haben muss, das müssen schon wir maßgeblich bestimmen, einfach, weil wir vom Fach sind und die angesprochene gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.“</p>
<p><strong>Welche Skills müssen aus Ihrer Sicht upcoming architects mitbringen, um sich von der Architekturgeneration ihrer Väter zu unterscheiden?</strong><br />
Sie sollten noch hartnäckiger sein. Wir haben das Gefühl, früher gab es mehr Möglichkeiten und Überfluss. Es gab viel mehr Raum, um sich auszuprobieren und zu bauen. Heute muss man geduldiger sein und sich viel mehr im Kleinen und im Detail bewegen, um sich zu positionieren und bestehen zu können. Das Bauen ist in allen Bereichen komplexer geworden. Wir müssen auf allen Ebenen verständig und tätig sein, die das Bauen ausmachen (von der Raumplanung über die Ausführung bis hin zu juristischen Dingen), um auch an Einfluss zu gewinnen.</p>
<p>Max Frisch hat mal gesagt, der Architekt muss immer auch politisch sein. Wir müssen uns breit aufstellen und interessieren und uns Zeit nehmen, um die Dinge zu durchleuchten. Denn wenn wir die Ausgangslage nicht genau analysieren und den technischen wie juristischen Anforderungen nicht gerecht werden können, dann können wir nicht erfolgreich bauen. Natürlich ist das ein Problem, denn gerade die Zeit ist der Faktor, der in der Architektur oft fehlt und zu schlechten Ergebnissen führt. So entsteht auch technokratische Architektur, die nur noch versucht, den Normen zu entsprechen. Um diesen Anforderungen gerecht werden zu können, ist es wichtig, dass das erlangte Wissen auch immer wieder in die Lehre zurückfließt. Denn auch die jüngeren Generationen stehen in der Verantwortung, aus diesem Normensalat zeitgemäße und zukunftsfähige Architektur zu machen.<br />
</div></div><a id='bg-showmore-action-69e381d849fa76089358063' class='bg-showmore-plg-link bg-arrow ait_read-more'  style=" color:inherit;;" href='#'>weiterlesen</a></p>
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<p><strong>Über ALDER CLAVUOT NUNZI ARCHITEKTEN</strong><br />
&#8220;Uns beschäftigt in der Architektur die gedanklich tiefe Auseinandersetzung mit einer Aufgabe und ihrem Kontext, dies in ständigem Hin und Her zwischen theoretischen Untersuchungen und der unmittelbaren Überprüfung derselben im Konkreten, Dinghaften, Substanziellen. Die daraus wachsenden Thesen und Konzepte sollen so streng wie nötig und so ungezwungen wie möglich sein und einen Charakter entstehen lassen, mit dem ein Projekt in sämtlichen Maßstabsebenen seinen entsprechenden Ausdruck findet sowie als verortetes Bauwerk eine Robustheit und Selbstverständlichkeit erreicht.&#8221;</p>
<p>Matthias Alder, Silvana Clavuot und Alessandro Nunzi leben und arbeiten seit den ersten gemeinsamen Projekten in Soglio im Bergell und führen ein Atelier mit 1 – 2 Mitarbeitern.</p>
<p><a href="https://www.mascan.ch/">ALDER CLAVUOT NUNZI ARCHITEKTEN</a></p>
<p>Lesen Sie mehr aus der Reihe <strong>Upcoming Architects Facing New Conditions</strong> auf der Seite der <a href="https://www.grohe-x.com/de-de/architekturwelt/grohe-digital-talks">GROHE Digital Talks</a></p>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Upcoming Architects Facing New Conditions – Interview mit Markus Zilker von einszueins architektur</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/upcoming-architects-facing-new-conditions-interview-mit-markus-zilker-von-einszueins-architektur/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jurena Keil]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 Dec 2022 11:29:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ait-xia-dialog.de/?post_type=ait-dialog-blog&#038;p=401612</guid>

					<description><![CDATA[„Wir machen uns bewusst, dass Gesetze, Normen und technische Richtlinien, nicht die ganze Realität sind, sondern dass sie lediglich Modelle sind, die wir als Gesellschaften bewusst oder unbewusst gewählt haben. Natürlich muss man sich an das allermeiste halten, aber man sollte trotzdem nichts unhinterfragt, sklavisch annehmen. Wir arbeiten ja primär im Wohnbau und ich glaube, wenn wir partizipativ arbeiten und die wirklichen Bedürfnisse von Menschen versuchen zu verstehen, dann gibt es Grundlegenderes, als Normen einzuhalten.“ Markus Zilker]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/12/upcoming_zilker_900x600_2.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Wohnprojekt Gleis 21, AT-Wien | einszueins architektur | Foto: Hertha Hurnaus" data-rel="lightbox-gallery-5"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/12/upcoming_zilker_900x600_2.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/12/upcoming_zilker_900x600_2.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/12/upcoming_zilker_900x600_2-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
</p>
<p>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/12/upcoming_zilker_3_klein.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Wohnprojekt Gleis 21, AT-Wien | einszueins architektur | Foto: Hertha Hurnaus" data-rel="lightbox-gallery-6"><img decoding="async" width="450" height="300" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/12/upcoming_zilker_3_klein.jpg" class="attachment-thumbnail size-thumbnail" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/12/upcoming_zilker_1_klein.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Wohnprojekt Wien, AT-Wien | einszueins architektur | Foto: Hertha Hurnaus" data-rel="lightbox-gallery-6"><img decoding="async" width="450" height="300" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/12/upcoming_zilker_1_klein.jpg" class="attachment-thumbnail size-thumbnail" alt="" /></a>
</p>
<p><div class="clear"></div></div>
<div class="omsc-one-half omsc-last">
<p><strong>Upcoming Architects</strong> nehmen Stellung, wie sie den Herausforderungen des globalen Wandels begegnen und wie sie ihre Position als Ideengeber, Neuschöpfer und Qualitätssetzer behaupten. Lesen Sie dazu hier das Gespräch mit Markus Zilker von einszueins architektur</p>
<p><em>„Wir machen uns bewusst, dass Gesetze, Normen und technische Richtlinien, nicht die ganze Realität sind, sondern dass sie lediglich Modelle sind, die wir als Gesellschaften bewusst oder unbewusst gewählt haben. Natürlich muss man sich an das allermeiste halten, aber man sollte trotzdem nichts unhinterfragt, sklavisch annehmen. Wir arbeiten ja primär im Wohnbau und ich glaube, wenn wir partizipativ arbeiten und die wirklichen Bedürfnisse von Menschen versuchen zu verstehen, dann gibt es Grundlegenderes, als Normen einzuhalten.“</em><br />
Markus Zilker</p>
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<p><strong>GROHE: Wie läuft Ihr Büro seit der Pandemie, was hat sich verändert?</strong><br />
<strong>Markus Zilker</strong>: Im ersten Jahr von März 2020 bis März 2021 war es auf verschiedenen Ebenen schwierig. Wenn sich alle Projekte bis zu fünf Monate verzögern und man kein zusätzliches Honorar bekommt, dann ist das eine Herausforderung. Außerdem war das erste Pandemiejahr auch von Verunsicherungen innerhalb des Büros geprägt. Wir sind 20 Leute und hatten noch nie so viel Fluktuation und Unruhe auf sozialer Ebene. Weil wir nervös geworden sind, haben wir darüber hinaus mehr Wettbewerbe gemacht und sind dabei achtmal zweiter geworden. In meinen Augen war es das härteste Jahr, seit wir das Büro vor 16 Jahren gegründet haben. Seit März 2021 haben wir aber mit neuen, wirklich spannenden Projekten wieder Boden unter den Füßen gefunden und wieder eine entspannte Gruppenstimmung im Büro zurückgewonnen. Jetzt läuft alles wieder ähnlich der Situation vor der Pandemie. Fast alle, die bei uns arbeiten, haben kein Bock mehr auf Homeoffice und sind mittlerweile zurück im Büro – wir schätzen das gemeinsame Arbeiten sehr.</p>
<p><strong>Sie blicken auf 15 Jahre Selbstständigkeit zurück. In was waren Sie sich als Architekt immer treu?</strong><br />
Gute Frage, ich glaube weniger als Architekt, sondern als Mensch, dass Architektur und vor allem Lebensräume relativ stark Dialogorientiert sein sollten – das war für mich immer klar. Mir geht es darum, die Lebensräume von Menschen partizipativ zu gestalten und mit unserer Arbeit auf ökologische, soziale, ökonomische Fragen gangbare Antworten zu finden.<br />
<div class="bg-margin-for-link"><input type='hidden' bg_collapse_expand='69e381d852f733053797368' value='69e381d852f733053797368'><input type='hidden' id='bg-show-more-text-69e381d852f733053797368' value='weiterlesen'><input type='hidden' id='bg-show-less-text-69e381d852f733053797368' value='Weniger'><div id='bg-showmore-hidden-69e381d852f733053797368' ></p>
<p><strong>Unsere Interviewserie heißt „Upcoming Architects Facing New Conditions“. Was sind die „New Conditions“ in Ihrer Arbeit?</strong><br />
Die „New Conditions“, der Klima-Notstand, sind gar nicht wahnsinnig neu. Wir beschäftigen uns schon seit längerem mit dem Thema Nachhaltigkeit. Ich denke, unsere Projekte gehen ökologisch schon in eine gute Richtung. In Österreich haben wir uns das politische Ziel gesetzt, 2040 klimaneutral zu sein. Wenn wir das ernst meinen, müssen wir in acht Jahren bei minus 55 Prozent CO2 in allen Branchen sein. Das ist komplett crazy, aber auch nötig, wenn man sich mit dem Thema beschäftigt. In den Neunzigerjahren hat man das bereits geahnt, aber das tatsächliche Ausmaß war noch nicht so klar als heute. Bis die Tatsachen aber mit all ihren Konsequenzen im Oberstübchen angekommen sind, dauert es wohl noch. Natürlich, die Gesellschaft hat sich bereits in die richtige Richtung aufgemacht, aber das erforderliche Ausmaß ist noch lang nicht erreicht.</p>
<p><strong>Die Zusammenarbeit mit Ihnen wurde von einem Ihrer Bauherren als unbürokratisch bezeichnet. Wie schaffen Sie es bei einem Bündel von Normen, Richtlinien und Gesetzesvorgaben unbürokratisch zu arbeiten?</strong><br />
Ich weiß gar nicht, ob wir tatsächlich unbürokratisch sind. Wahrscheinlich sind wir unbürokratischer als manch anderer. Wir machen uns bewusst, dass Gesetze, Normen und technische Richtlinien, nicht die ganze Realität sind, sondern dass sie lediglich Modelle sind, die wir als Gesellschaften bewusst oder unbewusst gewählt haben. Natürlich muss man sich an das allermeiste halten, aber man sollte trotzdem nichts unhinterfragt, sklavisch annehmen. Wir arbeiten ja primär im Wohnbau und ich glaube, wenn wir partizipativ arbeiten und die wirklichen Bedürfnisse von Menschen versuchen zu verstehen, dann gibt es Grundlegenderes, als Normen einzuhalten.</p>
<p><strong>Was sind heute die „wirklichen“ Bedürfnisse der Gesellschaft im Wohnungsbau?</strong><br />
Uns geht es darum in partizipativen Workshops die wahrhaftigen Bedürfnisse der Nutzer*innen zu ermitteln. Aktuell haben wir unser zwölftes partizipatives Projekt am Laufen. Das heißt, wir haben schon relativ viel Erfahrung mit dem Thema. Diese Workshopgruppen bestehen meistens aus dreißig bis sechzig Erwachsenen. Das heißt im Laufe der letzten zwölf Jahre hatte ich mit hunderten von Menschen zu tun und da ist es wichtig, dass man genau zu hört. Dabei heißt Partizipation nicht, jeder spricht bei jedem Strich in der Planungszeichung mit, sondern dass wir die Nutzer*innen als Expert*innen für ihre Bedürfnisse anerkennen und wir diese in Architektur übersetzen. Wir stellen fest, dass sich die grundlegenden Bedürfnisse tatsächlich nicht stark verändert haben. Dabei würde ich grundsätzlich zwischen dem individuellen Wohnraum und dem, was vor der Wohnungstür im direkten Wohnumfeld stattfindet, unterscheiden. Normale Bedürfnisse innerhalb einer Wohnung sind noch immer total konservativ. Die Wohnung soll immer einen funktionierenden Grundriss haben, wo Möbel gescheit untergebracht werden können, ein gewisser Schallschutz wirkt, ausreichend Licht vorhanden ist und Freiraum zur eigenen Entfaltung bleibt. Ein bisschen komplexer wird es in der Regel bei den Bedürfnissen außerhalb der Wohnungstür, mit denen wir uns bei unserer Arbeit ausführlich befassen.</p>
<p><strong>Was für Bedürfnisse sind das konkret? Sie sind Mitbegründer und auch Mitbewohner des Vereins „Wohnprojekt Wien“. Erzählen Sie uns davon.</strong><br />
Ja, genau. Das Projekt umfasst 39 Wohnungen, dort geht es über die eigene Wohnung hinaus viel um Bedürfnisse des einzelnen und der Gemeinschaft an sich. Denn ich möchte in allen Räume Aufenthaltsqualität haben. Ich möchte, dass wenn meine Kinder die Wohnung verlassen auch im Gang noch Raum für sie ist und sie das ganze Haus als ihren Lebensraum begreifen können. Ich möchte, dass wenn ich jemand im Stiegenhaus treffe, gerne stehen bleiben und Platz haben kann, um mich zu unterhalten. Und ich möchte vernünftige Mobilitätsangebote haben, sodass ich kein Auto besitzen muss, dafür aber ein Lastenfahrrad nutzen kann. Ich möchte, wenn ich Werkzeug brauche, nicht jeden Hammer, nicht jede Bohrmaschine selber kaufen müssen. Und ich möchte Räume im Haus haben, wo wir Kindergeburtstagspartys feiern, Veranstaltungen ausrichten, gemeinschaftlich kochen und Freunde einladen können. Ich könnte noch lange so weitermachen.</p>
<p>Ich glaube, es gibt ganz viele Bedürfnisse, die wir außerhalb unserer Wohnungstür befriedigen können. Dabei geht es nicht nur um Komfort und Bequemlichkeit, sondern es geht darum, positiv in die Gesellschaft zu wirken, über Veranstaltungen, über Solidaritäts-Flohmärkte und über die Aufnahme von Geflüchteten. Denn ich möchte mich als Gruppe auch solidarisch erklären können. Wir haben beispielsweise 2015 Geflüchtete aufgenommen, die mittlerweile seit sieben Jahren bei uns mit im Haus wohnen.</p>
<p><strong>Sie leben seit acht Jahren in diesem Projekt. Würden Sie heute Dinge korrigieren, wenn Sie könnten?</strong><br />
Wir sind in einem Verein organisiert, uns gehört dieses Haus gemeinschaftlich. Ich habe also kein Verkaufs-oder Weitergabe-Recht für meine individuelle Wohnung, aber natürlich ein Nutzungsrecht. Außerdem kostet einen das Ganze viel Zeit, Herzblut und Arbeit. Das Haus muss geputzt und der Garten gepflegt werden. Wenn man ein Einfamilienhaus hat, kennt man das, aber als Stadtbewohner mit einer normalen Mietwohnung ist das eher fremd. Was ich aber sagen würde: Ich kann mir kein anderes Lebensmodell mehr vorstellen, weil es so viele Bedürfnisse von mir und meiner Familie befriedigt, die in einer noch so schönen Wohnung irgendwo anders nicht befriedigbar wären.</p>
<p><strong>Erachten Sie ein Baugruppen-Projekt als eine Art Garant für nachhaltiges, funktionierendes Wohnen?</strong><br />
Absolut. Das Ganze hat natürlich ein paar Fallstricke: Man muss sich stark damit beschäftigen, wie diese Gruppe von Menschen organisiert werden kann, wie kommuniziert wird und wie Entscheidungen getroffen werden. Das hat eine stark kulturelle Komponente. Für mich ist diese Form der Bauherrenschaft ein extrem gutes Beispiel für eine sozial ausgerichtete Architektur. Es ist kein Zufall, dass sich in Österreich die allermeisten dieser Projekte, nicht nur um das Wohl der eigenen Bewohner*innen kümmern, sondern sich, in einem gewissen Maßstab, auch solidarisch mit Menschen zeigen, die es weniger guthaben. Wir haben zum Beispiel genau zu diesem Zweck zwei Solidaritätswohnungen im Haus. In meiner Vorstellung sollte so Gesellschaft funktionieren. Eine Gesellschaft mit überschaubaren Gemeinschaftseinheiten, wo Menschen sich kennen, gemeinsame Ziele verfolgen und gemeinsam Verantwortung tragen. Wir hundert Menschen in unserer Hausgemeinschaft können, glaube ich, jetzt nicht Verantwortung für fünfzig Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen oder mit Fluchthintergrund übernehmen, aber für sechs bis neun Menschen ist das kein Problem. Ich finde, wir haben da ein wirklich großartiges sozial-verantwortliches Modell.</p>
<p><strong>Was sind für Sie die absolut wesentlichen Kriterien für einen nachhaltigen Wohnungsbau?</strong><br />
Ein Kriterium ist für mich (und das kann nicht jedes Haus im gleichen Maße erfüllen), dass ein Wohnhaus nicht ausschließlich individuelle Räume bietet. Es geht mir da um Bedürfnisse, die ich nur außerhalb meiner Wohnungstür befriedigen kann. Das beginnt bei einer vernünftigen primären Struktur, die langfristig angelegt ist und über Generationen hinweg Umgestaltung und Umnutzung zulässt. In Wirklichkeit bauen wir, was unsere Grundrisse angeht, relativ einfache Häuser. Wir haben meistens sehr einfache Systeme, die Flexibilität und Partizipation in den Fokus stellen.</p>
<p>Ich würde immer sagen, die Grundstruktur der Häuser muss auf Generationen angelegt sein. Auf materieller und ökologischer Ebene ist der Energiebedarf zentral. Wir haben viel zu lange nur die Energieverbräuche der Häuser selbst betrachtet, wenn wir bauen reicht der Verbrauch und die CO2-Emission aber viel weiter. Im Grunde beginnt die Energie- und CO2-Bilanz bereits beim Verkehrsaufwand mittels LKW und Co. bei der Entstehung des Bauprojektes. Wir müssen die Prozesse hier viel mehr hinterfragen.</p>
<p><strong>Wir haben einen Mangel an Wohnungen in allen größeren Städten Europas. Ein Großteil des Problems könnte gelöst werden, indem der Leerstand für Wohnzwecke wieder verfügbar gemacht werden würde. Müsste sich der Staat hier Ihrer Meinung nach mehr einmischen?</strong><br />
Natürlich, der Staat muss sich auf vielen Ebenen mehr einmischen. Gerade dieses spezifische Thema, wie wir mit Wohnungsleerstand umgehen und wie dieser verfügbar und zugänglich gemacht werden kann, ist eines der komplexesten Themen überhaupt. Hinzukommt, dass viel zu viele Menschen auf zu vielen Quadratmetern leben. Diese zwei Phänomene in Kombination, sind politisch unfassbar schwer zu adressieren oder gar strategisch schnell zu lösen, denn ich greife mit diesem Thema in Eigentumsrechte ein. Dafür wird es einen Paradigmenwechsel brauchen. Die Schweizer sind da teilweise ziemlich radikal. Das ist natürlich nur ein kleiner Ausschnitt, aber in Vorbildprojekten in Zürich gibt es beispielsweise klare Belegungsregeln. Wenn eine dreiköpfige Familie in einer Vierzimmerwohnung lebt und das Kind auszieht, dann haben die Eltern hier zum Beispiel maximal ein Jahr Zeit bis sie selbst ausziehen müssen. Das sind schon harte und sehr persönliche Eingriffe. In Österreich ist sowas noch nicht vorstellbar und in Deutschland habe ich auch noch nichts von derartigen Projekten gehört.</p>
<p><strong>In vielen Großstädten entstehen derzeit hunderte von neuen Quartieren, die den Charakter eines nutzungsdurchmischten Dorfes oder Kleinstadt haben werden. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?</strong><br />
Es gibt viele Quartiere, die so etwas anstreben; manche schaffen es besser und manche schlechter. Es geht darum, in Neubaugebieten von vornherein eine gute Nutzungsmischung hinzubekommen. Wir arbeiten selber an einem Projekt, was gerade im Bau ist, wo eine ziemlich radikale Nutzungsmischung von fünfzig Prozent Wohnen und fünfzig Prozent Arbeiten entsteht. Dort werden innerhalb eines Gebäudes etwa zweihundert Menschen arbeiten und hundert Menschen wohnen, das ist schon eine ganz schöne Herausforderung, mit all den technischen, rechtlichen, brandschutzmäßigen Vorgaben, die es zu realisieren gilt. Das ist alles andere als trivial. Würden die Nutzungseinheiten als zwei Gebäude nebeneinanderstehen, wäre es wesentlich einfacher. Die Idee der funktionalen Trennung (also der Trennung von Wohnen, Arbeiten und Verkehr), die aus der klassischen Moderne kommt, ist ja nicht mal hundert Jahre alt und kein Erfolg. Davor war eine Nutzungsmischung oft Standard. Es war insofern klar, dass wir wieder zu gemischten Quartieren zurückkommen müssen.</p>
<p><strong>Wir sind konfrontiert mit Klimawandel, Ressourcenengpässen und womöglich weiteren Pandemien. Welche Auswirkungen wird das auf unsere Baukultur haben?</strong><br />
Im Bezug auf Ressourcenknappheit, Lieferengpässe und Klimawandel ist relativ offensichtlich, welche Auswirkungen das haben wird. Von der EU gibt es da ja mittlerweile sehr klare Ansagen zu. Wir werden uns im Neubaubereich mit der Demontierbarkeit, Verwertbarkeit, Materialerfassung auf allen Ebenen beschäftigen und Rückbaukonzepte mitdenken müssen.<br />
Kreislaufwirtschaft generell und die Verwendung von Sekundärbaustoffen werden immer wichtigere Themen, denn wenn wir nicht mehr alles jederzeit neu verfügbar haben, müssen wir einfach mehr Hirnschmalz in die Prozesse stecken, um wiederverwenden zu können, was bereits vorhanden ist.<br />
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<p><strong>Über Markus Zilker</strong><br />
Dipl.-Ing. Markus Zilker ist Gründer und Gesellschafter bei einszueins architektur. Er absolvierte das Studium der Architektur an der TU Wien und der ETSA Sevilla. Er ist Gründungsmitglied der „Initiative für gemeinschaftliches Bauen und Wohnen“ sowie des Baugruppen- Projektes „Wohnprojekt Wien“, das unter anderem 2014 mit dem Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit ausgezeichnet wurde.</p>
<p>Markus Zilker zeichnen langjährige Erfahrungen in der Planung und Abwicklung von Wohnbauprojekten unterschiedlichster Maßstäbe aus sowie im Umgang mit Klein- und Großgruppenprozessen. Als Experte zum Thema Baugruppen und Planungsbeteiligung kann er eine nationale und internationale Vortragstätigkeit auf Symposien, Workshops und Tagungen vorweisen.</p>
<p><strong>Über einszueins architektur</strong><br />
Stadt und Wohnen Mit : Bestimmung<br />
Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt im Wohnbau unterschiedlicher Maßstäbe. Wohnbau als sozial und stadtprägende Aufgabe ist Ausgangspunkt für ihre Architekturarbeit an der Nahtstelle zu Mensch und Stadt. Die Spezialisierung auf Baugruppen, Partizipation und kooperative Stadtplanung verbindet synergetisch unsere Erfahrungen, Interessen und Stärken.</p>
<p>Ihre Kernkompetenz ist der kooperative Planungsansatz und intensive Dialog mit Auftraggeber*innen und Nutzer*innen. Die frühzeitige Einbindung aller Beteiligten ist Grundlage für ganzheitliche Konzepte und eine nachhaltige, integrative Architektur. Dabei können sie auf jahrelange Erfahrung und intensive Auseinandersetzung mit Projektabläufen, Prozessdesign und Kommunikation zurückgreifen.</p>
<p><a href="https://www.einszueins.at/">einszueins architektur</a></p>
<p>Lesen Sie mehr aus der Reihe <strong>Upcoming Architects Facing New Conditions</strong> auf der Seite der <a href="https://www.grohe-x.com/de-de/architekturwelt/grohe-digital-talks">GROHE Digital Talks</a></p>
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		<title>Upcoming Architects Facing New Conditions – Interview mit Manuel Bieler von LOCALARCHITECTURE</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/upcoming-architects-facing-new-conditions-interview-mit-manuel-bieler-von-localarchitecture/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jurena Keil]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 Dec 2022 11:28:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
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					<description><![CDATA[„Es gibt für mich nur ein No-Go und das ist die maßlose Optimierung. Ich bin wirklich erschrocken über diese Fokussierung auf Optimierung. Wir müssen nicht optimal sein. Es ist wichtig, Fehler zu machen, das macht den Reichtum einer Stadt, eines jeden Gebäudes und jeder menschlichen Beziehung aus. Wir müssen uns dessen bewusst sein und dagegen ankämpfen. Optimieren wir dennoch ohne Grenzen, wird sich am Ende alles vereinheitlichen und gleichen.“ Manuel Bieler ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
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<p><strong>Upcoming Architects</strong> nehmen Stellung, wie sie den Herausforderungen des globalen Wandels begegnen und wie sie ihre Position als Ideengeber, Neuschöpfer und Qualitätssetzer behaupten. Lesen Sie dazu hier das Gespräch mit Manuel Bieler von LOCALARCHITECTURE</p>
<p><em>„Es gibt für mich nur ein No-Go und das ist die maßlose Optimierung. Ich bin wirklich erschrocken über diese Fokussierung auf Optimierung. Wir müssen nicht optimal sein. Es ist wichtig, Fehler zu machen, das macht den Reichtum einer Stadt, eines jeden Gebäudes und jeder menschlichen Beziehung aus. Wir müssen uns dessen bewusst sein und dagegen ankämpfen. Optimieren wir dennoch ohne Grenzen, wird sich am Ende alles vereinheitlichen und gleichen.“</em><br />
Manuel Bieler</p>
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<p><strong>GROHE: Sie feiern in diesem Jahr Ihr-20jähriges Jubiläum. Worauf sind Sie in Bezug auf Ihre Arbeit besonders stolz?</strong><br />
<strong>Manuel Bieler: </strong>Worauf wir besonders stolz sind, ist die Verwendung von Holz. Vor zwanzig Jahren befand sich die Holzindustrie in einem langsamen Abwärtstrend. Aufgrund der damaligen wirtschaftlichen Situation, aber auch aufgrund der Art von Projekten, die wir bereits realisieren konnten, haben wir uns für die Arbeit mit Holz entschieden. Fast alles, was wir heute in unserer täglichen Arbeit machen, steckte bereits in unseren ersten Projekten. Darauf bin ich wirklich stolz, denn wir haben an unseren Überlegungen festgehalten. Wir graben noch immer an denselben Fragen, und es gibt in Bezug auf Holzkonstruktionen, auf Struktur, auf Material noch immer viel zu lernen und zu testen. Das fasziniert mich.</p>
<p><strong>Hatten Sie bei der Gründung Ihres Büros bereits die lokale Ausrichtung Ihrer Architektur im Sinn? Wofür steht „Local Architecture“?</strong><br />
Es gibt zwei Geschichten zum Namen des Büros. Es ist wahr, dass wir die Frage der Lokalität und der Regionalität schon damals im Kopf hatten. Wir haben allerdings nicht erwartet, dass das Thema in den folgenden 20 Jahren so viel Raum einnehmen würde. Wir sind stolz und glücklich, dass wir schon damals diese Ausrichtung hatten. Die Beziehung, die wir zu unseren Handwerkern (den Zimmerleuten und so weiter) entwickelt haben, ist zu einem wichtigen Teil unserer Arbeit geworden. Die zweite Geschichte ist, dass meine beiden Partner und ich, als Teenager Bands hatten und in Lokalen Musik gemacht haben. Als wir dann beschlossen haben, zusammenzuarbeiten, hatten wir ein Lokal, also einen Raum, in dem wir uns getroffen haben, um neben unseren Jobs nachts gemeinsam zu arbeiten und Wettbewerbe zu machen. Wir haben dann gesagt: „Lasst uns einen Termin im Lokal machen.“ Der Name hat also eine doppelte Bedeutung für uns.</p>
<p><strong>Der Titel unserer Interviewserie lautet „Upcoming Architects Facing New Conditions“. Was sind Ihrer Meinung nach in der Architektur die größten Herausforderungen unserer Zeit?</strong><br />
Der wichtigste Moment, den ich letztes Jahr in Bezug auf meine Arbeit und das Bauwesen erlebt habe, war eine Konferenz von Charlotte Malterre-Barthes, die in Harvard lehrt und nächstes Jahr an der EPFL in Lausanne unterrichten wird. Sie hielt eine Konferenz über die Verantwortung der Architekten für die materiellen Ressourcen der Welt. Sie hat eine interessante Haltung zum Thema und orientierte sich am Beispiel von Philip Johnsons Architektur und der Stahlarchitektur der 1950er- und 1960er-Jahren in den USA.</p>
<p>Material war für mich bislang so etwas wie für einen Maler die Farben. Aber mir ist klar geworden, dass hinter der Wahl des Materials eine enorme Auswirkung auf die Umwelt steht. Für mich ist das eine neue Bedingung, denn wenn ich als Architekt eine Linie ziehe, und wenn diese Linie aus Beton, aus Stahl oder aus Holz ist, dann hat das nicht nur eine Auswirkung auf den Ort, wo dieses Gebäude gebaut wird. Als Architekt bin ich maßgeblich verantwortlich dafür, wo das Baumaterial produziert wird und welche Auswirkung die Produktion auf den Planeten hat.</p>
<p><div class="bg-margin-for-link"><input type='hidden' bg_collapse_expand='69e381d85b1f46016785117' value='69e381d85b1f46016785117'><input type='hidden' id='bg-show-more-text-69e381d85b1f46016785117' value='weiterlesen'><input type='hidden' id='bg-show-less-text-69e381d85b1f46016785117' value='Weniger'><div id='bg-showmore-hidden-69e381d85b1f46016785117' ></p>
<p><strong>Zählen für Sie das Building Information Modeling System und die ganze digitale Transformation zu den neuen Arbeitsbedingungen in der Architektur?</strong><br />
Nein. Wir nutzen BIM und die digitale Entwicklung als Werkzeug. Ich liebe es, mit dieser Art von Instrumenten zu arbeiten. Dabei werden diese Tools fortlaufend weiterentwickelt, während die Computer zunehmend leistungsfähiger werden und neue Mitarbeiter immer neue Fähigkeiten und Fertigkeiten mitbringen. Die Arbeit als Architekt bleibt hingegen die gleiche. Für mich ist das insgesamt ein langsamer Prozess. Ich bin fasziniert von den digitalen Universen, die jetzt um die Spieleszene herum aufgebaut wird. Was die KI betrifft, so gibt es jetzt beispielsweise in der Musikszene eine KI-basierte Liedentwicklung. Diese Art von Musik kann man sich im Radio als Hintergrundmusik anhören, aber wirklich interessant ist sie nicht. Was mich betrifft, und vielleicht bin ich da altmodisch, ist händisch und live gespielte Musik immer gefühlvoller und spannungsvoller. Alle interessanten Dinge, die ich in der digitalen Welt und sogar in der Kunstszene kenne, werden auch in Zukunft – davon bin ich überzeugt – von einem menschlichen Gehirn und einer menschlichen Reflexion erzeugt sein.</p>
<p><strong>Jede Krise bringt auch Chancen mit sich: Wie fühlen Sie sich als Architekt in einer Zeit des Wandels? Welche Herausforderungen sehen Sie?</strong><br />
Ich will meine Verantwortung als Architekt nicht überbewerten, aber die Architektur ist ein Teil in einer ganzen Reihe von gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Faktoren für die Zukunft. Charlotte Malterre-Barthes Statement dazu ist: „Lasst uns versuchen, eine moralische Form der Konstruktion zu schaffen. Im Grunde haben wir in der Schweiz genug gebaut. Denn wir können noch so effizient kalkulieren, ein Neubau wird immer Auswirkungen auf die Umwelt haben. Lasst uns also versuchen, Stopp zu sagen.“ Vor zwei Jahren dachten wir noch, das sei unmöglich. In der Pandemie wurde aber klar, es ist möglich die Wirtschaft und die Welt zu stoppen. Wir haben es ja geschafft und waren alle drei Monate lang zu Hause. Stopp sagen funktioniert also. Das ist wirklich interessant. </p>
<p>In der Schweiz hatten wir passend dazu vor ein paar Jahren eine Volksabstimmung, die zum Ergebnis hatte, dass es in der Schweiz nicht mehr möglich ist, ein Stück Land zu entzonen, um neues Baugebiet zu erschließen. Die bebaubare Fläche ist nun in der Schweiz sehr stark limitiert. Wenn wir ein Stück Land in eine Bauzone umwandeln wollen, müssen wir einen Teil des Landes der Landwirtschaft oder der Natur überlassen. Das hängt damit zusammen, dass wir grundsätzlich einfach nicht die Möglichkeit wie in Deutschland oder den USA haben, riesige Flächen zu entwickeln. Die Schweiz ist ein kleines Land und dieses Land müssen wir bewahren. Der nächste Schritt ist, dass wir innerhalb der bestehenden Mauern und Konstruktion bewegen müssen. Wir müssen den Zustand dieser Konstruktion erneuern und nutzen – das ist deutlich besser als die Dekonstruktion, die noch immer viel Energie und Wasser verbraucht. Bauen im Bestand ist für unseren Beruf ein wichtiges Thema, dass wir in der Schweiz verstärkt angehen müssen.</p>
<p><strong>Die Architektur hat sich in den letzten Jahren nicht wirklich auf die Bedürfnisse der Menschen konzentriert. Glauben Sie, dass sich das durch die Pandemie ändern wird?</strong><br />
Ich glaube, grundsätzlich ist wichtig zu fragen: Für wen ist die Architektur? Wenn ich ein Bauprogramm erhalte, dann finden sich darin die Bedürfnisse des Nutzers. Ich entwickle das Projekt also in der Hauptsache für die Nutzer, aber eigentlich entwickle ich das Projekt genauso für die Gesellschaft. Wenn man ein Haus baut, baut man Räume für die Menschen, die es nutzen, aber man baut auch eine Fassade für die Menschen, die an dem Gebäude vorübergehen. Und ich muss für die Natur und für die Umwelt bauen, denn ich habe als Architekt eine Verantwortung der Umwelt gegenüber.</p>
<p><strong>Welche Fähigkeiten müssen upcoming architects mitbringen, um sich von der Architektengeneration ihrer Väter zu unterscheiden?</strong><br />
Handwerkliches Können ist das, was mich aktuell fasziniert. Ich arbeite deshalb vermehrt eng mit Handwerkern zusammen. Dabei lerne ich wirklich viel und versuche, meine Fähigkeiten in der Hinsicht weiterzuentwickeln, dass ich die Materialität und den Konstruktionsprozess wirklich in jeder Einzelheit kenne. All dieses Wissen war früher allgemein bekannt. Das sind für mich die wichtigsten Fähigkeiten, die wir jetzt wieder entwickeln müssen. Natürlich kann man sagen, das ist sowas wie ein nostalgischer Zeitvertreib, aber für mich ist es genau das Gegenteil. Als jemand, der von der digitalen Welt und ihren Möglichkeiten fasziniert ist, ist für mich beides – das digitale und das manuelle – von großer Wichtigkeit. Ich bin fasziniert von den beiden Seiten und davon, was wir zusammen mit unserem Wissen und Werkzeugen noch alles entwickeln und erreichen können.</p>
<p>Ich war diesbezüglich wirklich beeindruckt, als ich in Japan unterwegs war. Dort will jeder Wirtschaft studieren, um Geld zu verdienen, und wenn man das nicht schafft, wird man Zimmerman, weil der Beruf in der Gesellschaft noch anerkannt ist. In Frankreich ist das Gegenteil der Fall. Dort geht Qualität und Wissen verloren. In der Schweiz liegen wir zwischen diesen beiden Extremen. Handwerkliche Fähigkeiten werden bei uns immer noch in der Schule unterrichtet und in der Gesellschaft erkennt die Bedeutung des Handwerks an – auch mir ist das sehr wichtig.</p>
<p><strong>Was sind für Sie die wichtigsten Anforderungen an zukünftige Architektur?</strong><br />
Ich würde sagen: Zeit, Zeit, Zeit. Wir müssen die Prozesse verlangsamen und uns Zeit nehmen, um die Projekte zu entwickeln, zu konstruieren, damit wir es gut und richtig machen können.</p>
<p><strong>Und was sind die fünf absoluten „No-Gos“?</strong><br />
Es gibt für mich nur ein No-Go und das ist die maßlose Optimierung. Ich bin wirklich erschrocken über diese Fokussierung auf Optimierung. Wir müssen nicht optimal sein. Es ist wichtig, Fehler zu machen, das macht den Reichtum einer Stadt, eines jeden Gebäudes und jeder menschlichen Beziehung aus. Wir müssen uns dessen bewusst sein und dagegen ankämpfen. Optimieren wir dennoch ohne Grenzen, wird sich am Ende alles vereinheitlichen und gleichen.</p>
<p><strong>Wie sind Ihre Vorstellungen über die städtische Umwelt der Zukunft?</strong><br />
Wir sind mit immer mehr Spannungen konfrontiert. Es gibt keine Mainstream-Lösungen mehr. Ich denke, in den Stadtplanungen muss mehr argumentiert, diskutiert und gerungen werden. Darüber bin ich nicht wirklich glücklich, denn wir haben bei der Pandemie und der Frage der Impfung gesehen, dass solche Dinge mehr Streit mit sich bringen. Das ist jetzt nicht optimistisch, aber ich habe das Gefühl, dass wir uns in der Gesellschaft in Richtung der Schärfe und der Konfrontation bewegen, und das wird sich dann auch auf die Stadtplanung und auf die Wahrnehmung des öffentlichen Raumes auswirken.</p>
<p><strong>Wir haben weiterhin den Trend zur Urbanisierung, 70 Prozent der Bevölkerung wird in Städten leben. Allerdings haben wir zu wenig urbanen Raum. Welche Lösungen kann die Architektur beitragen?</strong><br />
Ich lebe in einer kleinen Stadt in einem kleinen Land. Für mich ist das Kleine schön. Wenn ich mir die Situation in Frankreich anschaue, wo die Leute Paris verlassen, weil das Leben dort zu teuer ist, dann ist das etwas ganz anders. Mit der Digitalisierung kann man im Grunde überall hingehen, wo man eine bessere Lebensqualität vorfindet und trotzdem ganz normal arbeiten kann. Meine Generation musste den Wohnort von der Arbeit abhängig machen. Wenn man jetzt arbeitet, kann man überall leben. Diese Verbindung zwischen der Schule oder der Arbeit und dem Ort, an dem man lebt, besteht nur noch bedingt. Wenn wir aber über die Dichte in den Städten sprechen, wird es wirklich schwierig. Dichte ist in gewisser Weise in der politischen Diskussion ein Schimpfwort, wenn man mit Politikern spricht, benutzt man dieses Wort nicht. Ich denke, die Antwort wird vielleicht sein, dass sich die Menschen wieder etwas mehr verteilen und nicht mehr geballt an einem Ort leben werden.<br />
</div></div><a id='bg-showmore-action-69e381d85b1f46016785117' class='bg-showmore-plg-link bg-arrow ait_read-more'  style=" color:inherit;;" href='#'>weiterlesen</a></p>
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<p><strong>Über Manuel Bieler</strong><br />
Manuel Bieler ist Partner des Architekturbüros LOCALARCHITECTURE, welches in der Schweiz zwei Standorte hat: Lausanne und Zürch. Zusätzlich ist er Präsident von LAC/Léman Architectures Connexions, Co-Präsident der FAS Romandie und Mitglied des CUB-Lenkungsausschusses. Zuvor war er unter anderem als Lehrbeauftragter tätig.</p>
<p>Sein Studium absolvierte er an der EPFL in Lausanne, Schweiz. Seit 2010 ist er Mitglied des Bunds Schweizer Architekten*innen (BSA).</p>
<p><strong>Über LOCALARCHITECTURE</strong><br />
Manuel Bieler, Antoine Robert-Grandpierre und Laurent Saurer gründeten 2002 LOCALARCHITECTURE in Lausanne. Ihre Arbeit konzentriert sich auf die Entwicklung einer reaktionsfähigen Architektur, die dazu beiträgt, die Harmonie und die Geschichte eines Kontextes neu zu definieren. Ausgehend von einer präzisen Analyse des &#8220;Milieus&#8221;, erforscht ihre Architektur den Begriff der &#8220;Präsenz&#8221; eines Gebäudes, die durch eine intime Beziehung zwischen Form und Struktur vermittelt wird.</p>
<p>LOCALARCHITECTURE wurde national und international in Publikationen und Wettbewerben ausgezeichnet. Zu den jüngsten Auszeichnungen gehören der International Wood Architecture Award 2019, Distinction Romande d&#8217;Architecture 2019 und 2006 und Best Architects Award in 2020, 2019 und 2015.</p>
<p>Die Geschäftsführer von LOCALARCHITECTURE sind seit mehreren Jahren in der Lehre tätig, insbesondere als Gastprofessoren an der ENSA Strasbourg, als Juroren und Dozenten an der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL), an der École Polytechnique Fédérale de Zurich (ETHZ), der École d&#8217;architectes et d&#8217;ingénieurs de Fribourg (HES-SO), der Haute Ecole d&#8217;Art et de Design de Genève (HEAD-HES-SO) und der Akademie für Architektur in Mendrisio, oder als Tutor von Prof. Harry Gugger (lapa &#8211; EPFL). Sie sind auch an der Organisation von kulturellen Veranstaltungen mit dem Maison de l&#8217;Architecture in Genf und dem CUB in Lausanne, das Präsidium des Bundes Schweizer Architekten &#8211; Sektion Romandie (FAS-Romandie) sowie die Leitung der Lausanner Kandidatur für den Gipfel des Internationalen Architektenverbandes (UIA) 2023, beteiligt.</p>
<p><a href="https://localarchitecture.ch/">LOCALARCHITECTURE</a></p>
<p>Lesen Sie mehr aus der Reihe <strong>Upcoming Architects Facing New Conditions</strong> auf der Seite der <a href="https://www.grohe-x.com/de-de/architekturwelt/grohe-digital-talks">GROHE Digital Talks</a></p>
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		<item>
		<title>Upcoming Architects Facing New Conditions – Interview mit Christine Horner &#038; Christoph Hinterreitner von SOLID architecture</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/upcoming-architects-facing-new-conditions-interview-mit-christine-horner-christoph-hinterreitner-von-solid-architecture/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Juliane Lorenz-Elliot]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Jul 2022 15:00:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
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					<description><![CDATA[„Einen Entwurf machen und dann jemand anderen bauen lassen, das kommt für uns nicht infrage. Unser Ziel ist es, dass wir alles machen, und zwar so gut wie möglich. Unser Motto dazu lautet: “What you see is what you get.” Uns ist wichtig, dass der Entwurfsgedanke aus dem Wettbewerbsbetrag in jeder Leistungsphase erhalten bleibt und nicht im Verlauf des Projektes untergeht.“ Christine Horner und Christoph Hinterreitner]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/HALLE-NEUFELD-BURGENLAND.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Halle Neufeld, Burgenland | SOLID architecture | Foto: Kurt Kuball" data-rel="lightbox-gallery-8"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/HALLE-NEUFELD-BURGENLAND.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/KIGA-NEUFELD-BURGENLAND.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="SOLID architecture_KIGA NEUFELD, BURGENLAND (Foto: Kurt Kuball )" data-rel="lightbox-gallery-8"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/KIGA-NEUFELD-BURGENLAND.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/BRG-NEUSIEDL-BURGENLAND.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="SOLID architecure_BRG NEUSIEDL, BURGENLAND (Foto: Kurt Kuball)" data-rel="lightbox-gallery-8"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/BRG-NEUSIEDL-BURGENLAND.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/solid_HINTERREITNER-Christoph.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Christoph Hinterreitner, SOLID architecture" data-rel="lightbox-gallery-8"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/solid_HINTERREITNER-Christoph.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/solid_HORNER-Christine.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Christine Horner, SOLID architecture" data-rel="lightbox-gallery-8"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/solid_HORNER-Christine.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
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<p><strong>Upcoming Architects</strong> nehmen Stellung, wie sie den Herausforderungen des globalen Wandels begegnen und wie sie ihre Position als Ideengeber, Neuschöpfer und Qualitätssetzer behaupten. Lesen Sie dazu hier das Gespräch mit Christine Horner &amp; Christoph Hinterreitner von SOLID architecture</p>
<p><em>„Einen Entwurf machen und dann jemand anderen bauen lassen, das kommt für uns nicht infrage. Unser Ziel ist es, dass wir alles machen, und zwar so gut wie möglich. Unser Motto dazu lautet: “What you see is what you get.” Uns ist wichtig, dass der Entwurfsgedanke aus dem Wettbewerbsbetrag in jeder Leistungsphase erhalten bleibt und nicht im Verlauf des Projektes untergeht.“</em> Christine Horner und Christoph Hinterreitner</p>
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<p><strong>GROHE: Sie blicken auf 22 Jahre Selbstständigkeit zurück. Wie ist es Ihnen gelungen, sich als junges Büro erfolgreich zu positionieren?</strong><br />
Horner &amp; C. Hinterreitner: Während unseres Studiums konnten wir bereits in verschiedenen Architekturbüros in Wien und im Ausland arbeiten. Nach dem Abschluss 2000 haben wir uns dann direkt selbstständig gemacht. Um mit dem eigenen Architekturbüro zu starten, war Österreich sicher ein gutes Land. Über verschiedene Netzwerke konnten wir uns zu Beginn unserer Karriere gut etablieren und auch mit gleichaltrigen Architekt*innen austauschen und vernetzen. Das war sehr hilfreich. Als reines Wettbewerbsbüro begann unsere Selbstständigkeit mit unserem ersten Wettbewerbsgewinn. Unser Vorteil war oder ist unser großes Netzwerk, auf das wir im Wettbewerb und dann auch in der Umsetzung zurückgreifen und so für das jeweilige Projekt ein passendes Team zusammenstellen können. Wir streben dabei immer danach, ein Planerteam zu haben, das im Wesentlichen aus mindestens fünfzig Prozent an Beteiligten besteht, mit denen wir schon einmal zusammengearbeitet haben.</p>
<p><strong>Worauf sind Sie rückblickend in Bezug auf Ihre Arbeit besonders stolz?</strong><br />
Wir sind stolz auf die Schwerpunkte, die wir uns gesucht haben: Öffentliche Bauten und insbesondere Bildungsbauten ziehen sich wie ein roter Faden durch unsere Berufstätigkeit und begeistern und fordern uns. Über die Wettbewerbe, die wir uns für unsere Teilnahmen aussuchen, sind wir fast nur für die Öffentliche Hand und vereinzelt für größere Unternehmen tätig. Wir haben deshalb nie Projekte gemacht, bei denen wir unsere Überzeugungen hätten verleugnen müssen. Dabei machen wir Projekte mit allen Leistungsphasen. Das ist zwar herausfordernd, weil man für alles verantwortlich ist, aber aus unserer Sicht ist das etwas, was unsere Arbeit prägt. Einen Entwurf machen und dann jemand anderen bauen lassen, das kommt für uns nicht infrage. Unser Ziel ist es, dass wir alles machen, und zwar so gut wie möglich. Unser Motto dazu lautet: „What you see is what you get.“ Uns ist wichtig, dass der Entwurfsgedanke aus dem Wettbewerbsbetrag in jeder Leistungsphase erhalten bleibt und nicht im Verlauf des Projektes untergeht.</p>
<p><strong>Für was steht Ihre Architektur?</strong><br />
Wir versuchen mit unserer Architektur immer einen Beitrag zu einer positiven Zukunft zu leisten, indem wir Räume schaffen, die langlebig sind. Tageslicht sehen wir als eine der zentralen Qualitäten von Architektur. Außerdem beschäftigt uns die Zeitlosigkeit eines Gebäudes. Für uns bedeutet eine ökologische Architektur auch, dass der Bau nach zehn Jahren nicht unmodern und unflexibel ist. Hinzu kommt die Menge an Haustechnik, die reduziert, alltagstauglich und nutzereffizient sein sollte. Bei der Materialität und Farbgestaltung, gibt das Material den Ton an: Wenn wir Holz nehmen, hat das Holz seine Eigenfarbe. Wenn wir Beton verwenden, bleibt dieser sichtbar. Die Materialien erhalten so über Jahre hinweg ihren Eigencharakter und sind dadurch auch nicht von der Mode getrieben. Das ist uns wichtig.</p>
<p><div class="bg-margin-for-link"><input type='hidden' bg_collapse_expand='69e381d8642a60007148645' value='69e381d8642a60007148645'><input type='hidden' id='bg-show-more-text-69e381d8642a60007148645' value='weiterlesen'><input type='hidden' id='bg-show-less-text-69e381d8642a60007148645' value='Weniger'><div id='bg-showmore-hidden-69e381d8642a60007148645' ></p>
<p><strong>Wem soll Ihre Architektur dienen?</strong><br />
Bei den Schulen ist das klar: den Schülern und Pädagogen. In unserer Schulzeit hat man im Schulgebäude seine Stunden abgesessen und war froh, wenn man wieder gehen konnte. Heute ist das anders: Die Schule ist mittlerweile ein Ort, wo Menschen einen ganzen Lebensabschnitt samt ihrer Freizeit verbringen. Wir denken darum: dass Gebäude sollte seinen Nutzern auch immer eine Wertschätzung entgegenbringen. Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, die Schüler auf ihre Zukunft vorzubereiten und weil sich die Vorstellung von der Zukunft kontinuierlich weiterentwickelt, verändern sich automatisch auch die Anforderungen an die Bauaufgabe – und gerade das macht den Schulbau für uns so spannend. Wenn wir eine Gesellschaft wollen, die auf Offenheit und Gleichberechtigung beruht, dann muss das an den Gebäuden, in denen unterrichtet wird, ablesbar sein.</p>
<p>In einem größeren Maßstab: Was die Stadt und deren Nutzung prägt, prägt auch die Gesellschaft. Wie geht der gebaute Raum mit dem Menschen um und wie geht der Mensch mit der Stadt, der Natur und seinem Gegenüber um? Das sind Fragen und zugleich Gründe, warum wir öffentliche Bauaufgaben machen. Der Einfluss von Architektur auf die Umwelt ist für uns ein Hauptargument, den Beruf überhaupt auszuüben.</p>
<p><strong>Der Mensch sollte im Mittelpunkt der Architektur stehen. Wie erklären Sie sich, dass seit Jahrzehnten oft am Menschen vorbeigeplant wird?</strong><br />
Aus unserer Sicht ist das Auto ein großer Faktor für den Verlust von Lebensqualität in den Städten. Wir selbst sind bekennende Nicht-Autobesitzer. Ablesbar ist das am Thema Spielplatz. Spielplätze gibt es erst seitdem es Autos gibt, seit der Straßenverkehr so gefährlich geworden ist, dass Kinder nicht mehr auf der Straße herumspringen können. Die Reaktion auf diese Entwicklung waren eingezäunte Spielflächen sowie Straßen und öffentliche Flächen, die primär von Autos genutzt werden. Autos unterbinden andere Nutzungen von Stadtraum. Aus unserer Sicht muss sich das für die Zukunft ändern. Mobilität und Stadt sind gesellschaftspolitisch eng miteinander verknüpft. Ein anderes Thema ist der Technikeinsatz. Die Technik, die wir einbauen und nutzen, macht uns abhängig. Was brauchen wir wirklich? Zusammen mit der Energiewende, die hoffentlich kommt, muss sich hier in der Zukunft einiges radikal ändern. Unser Ansatz ist grundsätzlich möglichst viel Fläche als Stadtraum zugänglich zu machen, um aktiv positiv auf die Stadt Einfluss nehmen zu können. Dabei wollen wir die Trennung von Stadt und Natur aufheben. Früher gab es die Stadt mit ihrer Kultur und drumherum war Wildnis. Heute wird die Natur drumherum immer weniger und die Biodiversität in der Stadt nimmt zu. Bienen und andere Tiere finden im urbanen Raum mehr Nahrung als in so mancher Agrareinöde, die die Stadt umgibt. Städte brauchen in diesem Punkt wesentlich mehr Qualität.</p>
<p><strong>Wir befinden uns ja in einer Zeit der Transformation. Wie fühlen Sie sich als Architekt*in in dieser Zeit? Welche Chancen sehen Sie?</strong><br />
Wir sehen Chancen und Verantwortung, denn Architektur schafft ja viele aktuelle Probleme. Wir planen größtenteils Projekte, die in bestehendem urbanen Kontexten realisiert werden. Etwas auf die grüne Wiese zu stellen, damit tun wir uns inzwischen aus ökologischer Sicht schwer. Architektur und ihre Herstellungsweise sind schon immer einem stetigen Wandel unterworfen. Eines der idealtypischen Gebäude ist im Grunde das Gründerzeithaus in der Stadt. Wir wohnen selbst in einem solchen Gebäude und am Anfang unserer Selbstständigkeit war unser Büro schon mal in jedem der Räume unserer Wohnung untergebracht. Diese Flexibilität des Gebäudes, welches noch drei-, vierhundert Jahre genutzt werden kann, ist das Ziel unserer Architektur. Heute ist es mit vielen Wandaufbauten so, dass Materialien aufeinander geklebt und geschraubt werden, wo wir nicht sicher sagen können, ob das vierhundert Jahre lang funktionieren kann. Eine monolithische Ziegelwand hat da eine ganz andere Qualität. Was das angeht schauen wir, dass wir Projekte finden, wo wir diese Themen einbringen können. Wichtig ist hierbei auch, mit der Politik und mit den Normierungsgremien im Gespräch zu bleiben. Österreich, Deutschland und die Schweiz haben sehr viele Rechtsvorschriften. Diese vielen Vorschriften haben natürlich einen starken Einfluss auf die Architektur. Auch hier sehen wir Architekturschaffende uns in der Pflicht, auf die Rechtsvorschriften Einfluss zu nehmen, denn wir wissen, wo welche Vorgabe qualitative oder unnötig kostentreibende Effekte auf das Gebäude hat.</p>
<p><strong>Wie kann nachhaltiges und ressourcenschonendes Bauen gelingen?</strong><br />
Bei uns gibt es den Ansatz der Bauteilaktivierung. Wir versuchen einfache, niedertemperaturige Heiz- und Kühlsysteme mit einer simplen Lüftungsform einzubauen. Unser Ziel dabei ist, so wenig Haustechnik wie möglich einzuplanen, weil wir die Erfahrung gemacht haben, dass das für den Nutzer ohnehin oft zu kompliziert ist. Wir glauben, dass das Bauen generell wesentlich einfacher werden muss. In Österreich müssen wir außerdem von der voranschreitenden Bodenversiegelung wegkommen. Das ist ein immanentes Problem. Wir müssen bestehende Gebäudestrukturen besser nutzen. Leerstand muss vielleicht sogar in rechtlicher Hinsicht aktiviert werden können, um weiterer Bodenversieglung vorzubeugen. Was die Baumaterialien selbst anbelangt, ist es schwer eine Verallgemeinerung vorzunehmen. Wenn man zum Beispiel auf den Werkstoff Holz schaut, kann man nicht sagen: Das ist grundlegend eine gute Sache, denn auch beim Holzbau wird sich noch zeigen müssen, wie langlebig die heute gebauten Strukturen sind, wenn wir alles mit Kunststofffolien abkleben. Unabhängig vom Baustoff muss es stets um die Langlebigkeit gehen! Wir versuchen, das richtige Material in minimal möglichem Aufwand am richtigen Ort einzusetzen.</p>
<p>Natürlich gibt es auch Planungstools, die uns unterstützen, unsere Architektur zu optimieren. Wenn wir zum Beispiel von der Ressource Tageslicht sprechen, können uns Programme helfen zu ermitteln, wie die Fenstergröße in Relation zur Sonneneinstrahlung steht und wie man die Eigenverschattung des Gebäudes nutzen kann, um eine Hitzereduktion zu erreichen. Wir glauben allerdings nicht, dass es die eine allgemeingültige, perfekte Lösung für jedes Problem geben wird, sondern dass wir versuchen müssen, in jeder Phase und für jeden Ort das Richtige zu tun.</p>
<p><strong>Was sind die drei aus Ihrer Sicht wichtigsten Handlungsfelder zur Förderung nachhaltiger Architektur?</strong><br />
Das Wichtigste ist, die Raumplanung auch im großen Maßstab so zu gestalten, dass sie in ihrer Funktionsweise flexibel bleibt. Das zweite ist die Energieversorgung: Heutzutage gibt es Möglichkeiten, auf einem überschaubaren technischen Level, mehr oder weniger energieautark zu bauen. Damit sollte man sich generell wesentlich mehr beschäftigen. Zudem ist die zirkuläre Kreislaufwirtschaft ein zunehmendes Thema. Viele Bauherren geben mittlerweile gewisse Klimaaktivzertifikate vor, die mit dem Gebäude erreicht werden sollen. Das ist per se erst einmal eine gute Entwicklung – wobei man hinterfragen sollte, ob der Aufwand, um das eine oder andere Zertifikat zu erreichen, immer gerechtfertigt ist. Oftmals wird auch der Wohlfühlaspekt des Menschen bei der Zertifizierung zu wenig beachtet. Wir haben zum Beispiel immer das Ziel, dass die Fassade von innen gereinigt werden kann und dass die Fenster, unabhängig davon, ob man eine Lüftungsanlage hat oder nicht, geöffnet werden können. Das sind zwar relativ banale Entscheidungen, aber genau die machen für den Nutzer einen echten Unterschied.</p>
<p><strong>Brauchen wir ein grundsätzlich neues Verständnis von Gebäuden?</strong><br />
Dadurch, dass wir alle immer noch Menschen sind wie vor hundert, dreihundert Jahren, glauben wir nicht, dass wir ein grundsätzlich neues Verständnis brauchen. Wir müssen auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Nutzer schauen und diesen gerecht werden. Wo tatsächlich neu gedacht werden muss, ist bei den Räumen zwischen den Gebäuden, also den Straßen und Außenanlagen. Wir sind im zehnten Bezirk in Wien in einem neu gebauten Viertel, wo ein Teil der Straßenbahnschienen zum Beispiel begrünt ist. Früher war der Bereich (leicht zu warten) mit Betonplatten ausgelegt. Bei uns läuft die Schiene nun quasi über die Wiese. Das heißt, es wurde ein Grünraum, in der Zone zwischen den Gebäuden, geschaffen, den es früher nicht gab. Im Raum zwischen den Gebäuden müssten wir einfach innovativer werden, auch weil die Stadterhitzung durch die Klimaerwärmung an Einfluss auf die Lebensqualität gewinnt. Das heißt, wenn man eine Straße begrünt und Bäume pflanzt, hat das einen viel größeren Effekt, als wenn man, wie in Wien bereits vereinzelt geschehen, Wassernebelmaschinen aufstellt und damit eine technikbasierte Lösung anstrebt!</p>
<p>Am besten lernt man unserer Meinung nach, aus guten gebauten Beispielen. Wenn wir jetzt anfangen, alles komplett neu zu erfinden, wird wahrscheinlich mindestens die Hälfte langfristig wieder verkehrt sein. Wir müssen uns das, was gut funktioniert, genau anschauen, mit neuen Ideen koppeln und uns immer wieder fragen: Was ist an der Lösung gut und was könnte man noch besser machen?</p>
<p><strong>Welche Skills müssen junge Architekten*innen mitbringen, die sich von vorangegangenen Architekturgeneration unterscheiden?</strong><br />
Heute geht es darum, die verschiedenen Kompetenzen des Bausektors miteinander zu verschränken. Unser neues Bürohaus ist da ein gutes Beispiel, weil es nicht nur uns, sondern auch zwei weiteren Architekturbüros, einem Brandschutzplaner, einem Statiker und einer Architektursoftwarefirma Raum bietet. Das Miteinander und der Austausch über spezialisierte Professionen hinweg, das wird für die nächste Generation zunehmend wichtiger werden. Grundsätzlich darf man als Architekt*in nicht erwarten, dass man irgendwann weiß, wie‘s geht. Man steht eigentlich immer wieder am Anfang, was auch viele Chancen birgt. Was es bei all der Verantwortung, die der Beruf mit sich bringt, braucht, ist Überzeugung und Idealismus, denn architekturschaffend zu sein ist kein nine-to-five-Job. Das ist jetzt vielleicht keine Charaktereigenschaft, aber wir glauben, Architekt*in zu sein bedeutet, die Einsicht und Bereitschaft lebenslang lernen zu müssen.</div></div><a id='bg-showmore-action-69e381d8642a60007148645' class='bg-showmore-plg-link bg-arrow ait_read-more'  style=" color:inherit;;" href='#'>weiterlesen</a></p>
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<p><strong>Büro Positionierung</strong><br />
SOLID architecture beschäftigt sich mit Gestaltungsaufgaben im öffentlichen Raum. Das Team löst anspruchsvolle und sensible Gestaltungsaufgaben und arbeitet vorrangig in den Bereichen Bildungsbau, Corporate Architecture sowie in der Brückenplanung und Ausstellungsgestaltung.<br />
Den aus Wettbewerbserfolgen hervorgegangenen, mehrfach ausgezeichneten Bauten legen Christine Horner, Christoph Hinterreitner und Tibor Tarcsay bekannte Typologien und Elemente aus der Architekturgeschichte zu Grunde. Durch die Reduktion dieser Elemente auf das Wesentliche entstehen gedankliche Freiräume, die sie nutzen, um sensible und zeitgemäße Antworten auf architektonische Fragestellungen zu entwickeln.</p>
<p><strong>Über SOLID architecture</strong><br />
Nach ihrem Architekturstudium an der TU Wien und an der Ecole de la Villette, war Diplom-Architektin Christine Horner in Architekturbüros in Washington DC, Darmstadt sowie Paris tätig. 2006 erhielt sie die ZT Befugnis. Diplom-Architekt Christoph Hinterreitner studierte an der TU Wien, TU Graz und RWTH Aachen Architektur, zuvor machte er einen Studienabschluss in Kunstgeschichte an der Universität Wien. In Wien, Köln und Paris arbeitete er in Architekturbüros. Er erhielt auch 2006 die ZT Befugnis. Christine Horner und Christoph Hinterreitner gründeten 2000 gemeinsam das Architekturbüro SOLID architecture.<br />
SOLID architecture beschäftigt sich mit Gestaltungsaufgaben im öffentlichen Raum. Das Team löst anspruchsvolle und sensible Gestaltungsaufgaben und arbeitet vorrangig in den Bereichen Bildungsbau, Corporate Architecture sowie in der Brückenplanung und Ausstellungsgestaltung. Den aus Wettbewerbserfolgen hervorgegangenen, mehrfach ausgezeichneten Bauten legen Christine Horner, Christoph Hinterreitner und Tibor Tarcsay bekannte Typologien und Elemente aus der Architekturgeschichte zu Grunde.</p>
<p><a href="https://www.solidarchitecture.at/">SOLID architecture</a></p>
<p>Lesen Sie mehr aus der Reihe <strong>Upcoming Architects Facing New Conditions</strong> auf der Seite der <a href="https://www.grohe-x.com/de-de/architekturwelt/grohe-digital-talks">GROHE Digital Talks</a></p>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Upcoming Architects Facing New Conditions – Interview mit Eva Hierzer von NOW Architekten</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/upcoming-architects-facing-new-conditions-interview-mit-andreas-krawczyk-von-nkbak-architekten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Juliane Lorenz-Elliot]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 16 Jul 2022 09:08:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ait-xia-dialog.de/?post_type=ait-dialog-blog&#038;p=391787</guid>

					<description><![CDATA[„Die Arbeitswerkzeuge haben sich verändert. Früher hat man mit der Hand gezeichnet, heute modellieren wir das Ganze dreidimensional. Durch Maschinen wie die CNC-Fräse entwirft, plant und baut man in der Folge auch anders als voran gegangene Architektengenerationen. Neben der Digitalisierung ist die Ressourcenknappheit ein entscheidendes Thema. Wir haben nicht unbegrenzt Rohstoffe zur Verfügung und auch der Flächenversieglung muss Einhalt geboten werden. Wir müssen schauen, wie können wir verdichten und aufstocken, und mit welchen Materialien? Das sind Aspekte, die ich für viel gravierender halte als ein digitales Planungswerkzeug wie BIM.“ Eva Hierzer]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/NOW_Wohn-und-Seminarhaus_00.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="NOW Architektur_Wohn- &amp; Seminarhaus, Su?dsteiermark, AT (Foto: DI Stephan Schmidt)" data-rel="lightbox-gallery-9"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/NOW_Wohn-und-Seminarhaus_00.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/NOW_KinderJugendPsych-Vorplatz.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="NOW Architektur_Erweiterung Kinder- und Jugendpsychiatrie, Vorplatz, LKH Graz II Su?d, Graz, AT (Foto: Visualisierung, NOW)" data-rel="lightbox-gallery-9"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/NOW_KinderJugendPsych-Vorplatz.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/NOW-Architektur_Portrait.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="" data-rel="lightbox-gallery-9"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/NOW-Architektur_Portrait.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/NOW_KinderJugendPsych-Dorfplatz.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="NOW Architektur_Erweiterung Kinder- und Jugendpsychiatrie, Dorfplatz, LKH Graz II Su?d, Graz, AT (Foto: Visualisierung NOW Architektur)" data-rel="lightbox-gallery-9"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/NOW_KinderJugendPsych-Dorfplatz.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
</p>
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<div class="omsc-one-half omsc-last">
<p><strong>Upcoming Architects</strong> nehmen Stellung, wie sie den Herausforderungen des globalen Wandels begegnen und wie sie ihre Position als Ideengeber, Neuschöpfer und Qualitätssetzer behaupten. Lesen Sie dazu hier das Gespräch mit Eva Hierzer von NOW Architekten</p>
<p><em>„Die Arbeitswerkzeuge haben sich verändert. Früher hat man mit der Hand gezeichnet, heute modellieren wir das Ganze dreidimensional. Durch Maschinen wie die CNC-Fräse entwirft, plant und baut man in der Folge auch anders als voran gegangene Architektengenerationen. Neben der Digitalisierung ist die Ressourcenknappheit ein entscheidendes Thema. Wir haben nicht unbegrenzt Rohstoffe zur Verfügung und auch der Flächenversieglung muss Einhalt geboten werden. Wir müssen schauen, wie können wir verdichten und aufstocken, und mit welchen Materialien? Das sind Aspekte, die ich für viel gravierender halte als ein digitales Planungswerkzeug wie BIM.“</em> Eva Hierzer</p>
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<p><strong>GROHE: Sie kreieren – laut Ihrer Webseite – identitätsschöpfende Konzepte, verfolgen einfache kreative Lösungen und denken über den Bauplatz hinaus. Können Sie uns das anhand eines Ihrer Referenzen genauer erklären?</strong><br />
<strong>Hierzer:</strong> Am besten kann man das bei unserem größten Projekt, der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Graz, veranschaulichen. Das Bestandsgebäude steht in einer schönen Parklandschaft und sollte im Rahmen eines Wettbewerbes erweitert werden. Für uns ist der Kontext eines Projektes außerordentlich wichtig, deshalb haben wir eine Art Dorfstruktur konzipiert, die sich in die Parklandschaft einfügt und die Natur damit zum Bestandteil des Gebäudekomplexes macht. Mit diesem Ansatz haben wir uns von unseren Kollegen hervorgehoben. Wir denken das Gebäude eben nicht nur bis zur Außenhaut, sondern darüber. Denn ein Gebäude steht nie nur für sich.</p>
<p>Einfache kreative Lösungen sind für uns dabei Lösungen, die in der Entwicklung komplex sein können, in der Realisierung dann aber total logisch, wirkungsvoll und eben auch einfach verständlich sind. Wir wollen damit Gebäude schaffen, die zeitgemäß bleiben, die in ihrer Einfachheit verschiedene Nutzungen zulassen und dabei dennoch in einer Symbiose zu ihrer Nutzung stehen können. Alles in allem glaube ich, dass das ein ziemlich zeitgemäßer Ansatz ist, den viele unserer Kollegen genauso verfolgen. Ich würde diese Haltung also nicht allein für uns beanspruchen. Ich glaube, dass hier der Zeitgeist in der Architektur sichtbar wird. In den 1970er- und 1980er-Jahren sind viele skulpturale Architekturen entstanden. Die Grazer Schule zum Beispiel ist sehr ausufernd und besetzt die Orte gänzlich, sodass sich die Nutzung drumherum entwickeln muss. Die heutige Tendenz geht in die entgegengesetzte Richtung. Das Gebäude ist Teil des Ortes und nicht ortsbestimmend.</p>
<p><strong>Finden Sie Gebäude wie das Kunsthaus in Graz ortentsprechend?</strong><br />
Das Kunsthaus hat zumindest die Aktivierung des Ortes bewirkt. Drumherum haben sich viele Nutzungen angesiedelt, die den Stadtteil beeinflusst haben. Das Kunsthaus selbst ist, würde ich sagen, eher ein Symbol, aber als Gebäude für die Funktion eines Kunsthauses nicht zu gebrauchen. Es stellt allerdings einen gewissen Anziehungspunkt dar und deshalb hat es auch seinen Platz im Stadtbild verdient.</p>
<p><div class="bg-margin-for-link"><input type='hidden' bg_collapse_expand='69e381d86e5389004265511' value='69e381d86e5389004265511'><input type='hidden' id='bg-show-more-text-69e381d86e5389004265511' value='weiterlesen'><input type='hidden' id='bg-show-less-text-69e381d86e5389004265511' value='Weniger'><div id='bg-showmore-hidden-69e381d86e5389004265511' ></p>
<p><strong>Sie vertreten die Ansicht, dass Architektur das Potenzial haben muss, sich den verändernden Bedürfnissen der Menschen anzupassen. Es stellt sich dabei allerdings die Frage: Warum wird seit Jahrzehnten oftmals am Menschen vorbeigeplant?</strong><br />
Die Frage stellt sich uns auch. Wir haben den Anspruch, den Nutzer immer im Fokus zu behalten. In der Praxis ist das manchmal herausfordernd, viele Akteure beeinflussen die Planung, die Umnutzung, den An- oder Umbau. Ein positives Projektbeispiel ist da wieder die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Graz: Vor Wettbewerbsbeginn entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Klinikpersonal ein passgenaues Raumprogramm. Normalerweise ist es in der Psychiatrie üblich, dass der Patient für die Therapie zum Arzt geht und ansonsten quasi in seinem Zimmer bleibt. Bei unserem Projekt ist es aber so, dass die Patienten in Gruppenkonstellationen organisiert sind und der Arzt zum Patienten kommt; und dieses Konzept muss sich natürlich in der Architektur widerspiegeln. In der Ausführungsplanung und jetzt in der Realisierung arbeiten wir weiterhin eng mit den Nutzern zusammen, so stellen wir sicher, dass auch wirklich für die Menschen geplant wird, die dort täglich arbeiten werden. Doch diese Vorgehensweise ist eher selten. Ein anderes Thema ist natürlich auch, dass viele Menschen, die die Gebäude nutzen wollen, oft erst befähigt werden müssen Pläne zu lesen. Denn es kommt leider vor, dass erst positives Feedback kommt und sich dann herausstellt, dass der Plan nicht wirklich verstanden wurde. Uns hat da ein eins zu ein-hunderter Modell geholfen. Das Modell hat die Qualität der Gespräche spürbar verbessert, denn es wurde nicht mehr über Quadratmeter diskutiert, sondern über räumliche Qualität, Funktion und Zusammenhänge.</p>
<p><strong>Auf Ihrer Webseite schreiben Sie, dass nur im interdisziplinären Miteinander herausragende Architektur als baukultureller Beitrag entstehen kann. Können Sie uns von einem erfolgreichen Austausch berichten?</strong><br />
Erfolg ist immer Ansichtssache. Die Realität, die Praxis ist an dieser Stelle eigentlich genau das Gegenteil von dem, was an der Universität gelehrt wird. Auf der Universität herrscht die Haltung, es gibt die Architekten und es gibt die anderen wie Statiker, Bauingenieure und so weiter, mit denen man nichts zu tun haben will. Eine Überschneidung der Disziplinen gab es in der Lehre im Endeffekt nicht. Sobald das Arbeitsleben beginnt, hat man dann aber jede Menge Überschneidungen und man kann sich aussuchen: Arbeite ich dagegen an und dränge den Planungsbeteiligen meinen Willen auf oder suche ich im Team nach den besten Lösungen? Außerdem ist die gemeinsame Arbeit an Projekten auch mit Bauherren und Nutzern ein Garant für mehr Akzeptanz dem Projekt gegenüber.</p>
<p><strong>Was vermissen Sie an der aktuellen Architekturdiskussion in Österreich?</strong><br />
Grundsätzlich vermisse ich andere junge Kollegen, die sich auch selbstständig machen. Mir geht es dabei aber nicht nur um den Austausch untereinander, sondern auch darum, eine gemeinsame Stimme zu haben. Die Überzeugungskraft und das Gewicht einer gemeinsamen Haltung würde Diskussionen wie der um das Thema des nachhaltigen Bauens sicher mehr Nachdruck geben. Was das Bauen an sich betrifft, fehlt der Zugang, das Verständnis oder auch der Wille, Bestandsgebäude neu zu denken. Umnutzungen gibt es in Österreich eher wenig. Die einfachste Lösung scheint häufig noch immer der Abriss. Ich finde, man sollte verstärkt damit umgehen, was schon da ist. Das wäre auch mit Blick auf das Thema CO2-neutral zu bauen ein viel besserer Ansatz. Schön wäre da die Förderung über konkrete Wettbewerbe. Darüber hinaus müssen wir den Baustoffzyklus stärker mitdenken, Ressourcen schonend bauen und Konstruktionen nutzen, die beim Rückbau wieder sortenreine Baustoffe ergeben. Im besten Fall wird man künftig sagen: „Ich brauche Baustoffe für das Haus, das im Umkehrschluss zum Rohstofflager wird und die Materialien später wieder in den Baustoffkreislauf zurückgeben kann.“</p>
<p>Nachhaltig bauen bedeutet für uns genauso hochwertige und regionale Materialien und Handwerksleistungen zu nutzen, die strapazierfähige Ergebnisse und damit eine lange Nutzungsdauer garantieren. Was die Konstruktion betrifft, versuchen wir außerdem so zu planen, dass möglichst keine Kunststoffe Verwendung finden und sich die Komponenten bei Bedarf gut reparieren lassen.</p>
<p><strong>Der Titel unserer Interviewreihe lautet „Upcoming Architects Facing New Conditions“. Was sind für Sie die wichtigsten „new conditions“ in der jungen Generation von Architekten?</strong><br />
Die Arbeitswerkzeuge haben sich verändert. Früher hat man mit der Hand gezeichnet, heute modellieren wir das Ganze dreidimensional. Die Werkzeuge auf der Baustelle sind ebenfalls andere. Durch Maschinen wie die CNC-Fräse entwirft, plant und baut man in der Folge auch anders als voran gegangene Architektengenerationen. Neben der Digitalisierung ist die Ressourcenknappheit ein entscheidendes Thema. Wir haben nicht unbegrenzt Rohstoffe zur Verfügung und auch der Flächenversieglung muss Einhalt geboten werden. Wir müssen schauen, wie können wir verdichten und aufstocken und mit welchen Materialien? Das sind Aspekte, die ich für viel gravierender halte als ein digitales Planungswerkzeug wie BIM.</p>
<p><strong>Welche Fähigkeiten sind als Architekt*in im Vergleich zur Vorgängergeneration heute unabdingbar?</strong><br />
Ich glaube, das Wichtigste ist für Architekten künftig vernetzt, kooperativ und mediativ zu denken und zu arbeiten. Früher war der Architekt der Generalist, der Stararchitekt. Er hat alles gewusst, geplant und gemacht. Heutzutage gibt es mannigfaltige Spezialisierungen. Als Architekt*in ist es nicht mehr möglich allwissend zu sein, aber man kann die entscheidenden Leute zusammenbringen, koordinieren und einen gestalterischen Rahmen einbringen, der ein Ziel formuliert. Und genau das sind die wichtigsten Fähigkeiten des Berufsbildes heute.</p>
<p><strong>Spüren Sie, dass der Stellenwert der Architektur durch die Pandemie ein anderer geworden ist? Viele Bautypologien werden sich jetzt dynamischer verändern, da ist der Architekt doch besonders gefragt!</strong><br />
Grundsätzlich schon. Es ist faszinierend zu beobachten, dass gerade am Anfang der Pandemie, wo alle auf ihre Wohnungen zurückgeworfen waren, sich viele plötzlich aktiv mit dem eigenen Wohnraum auseinandergesetzt haben. In der Folge haben viele erkannt, dass sie so nicht mehr leben möchten und haben sich auf Wohnungssuche begeben oder innerhalb der vier Wände Platz gemacht und die Nutzung der Räume überdacht. Architekten wird es dabei immer brauchen, weil wir im Gegensatz zu den Nutzern den gebauten Raum nicht anders, sondern vorausdenken. Dabei geht es um die Fähigkeit, in Varianten und Möglichkeiten zu denken. Ich glaube, dass das eine der Kerndisziplinen von uns Architekten ist und die wird künftig immer gefragt sein.</p>
<p><strong>Wie kann Architektur dazu beitragen, die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage in den immer enger werdenden Städten zu reduzieren?</strong><br />
Ich glaube, dass der Umgang mit der bestehenden Struktur ein entscheidendes Thema ist. Unter anderem auch, weil es sehr viel Leerstand gibt. Auf der anderen Seite steht der städtische Raum, der noch bebaut werden kann. Hier gibt es genauso wie es A-, B-, C- und D-Städte gibt, auch A-, B-, C- und D-Lagen innerhalb der Stadt. In den meisten Fällen sind die A-, B- und C-Lagen bereits bebaut. Es geht also um Verdichtung in D-Lagen wie direkt am Hauptbahnhof, wo an einem Wohnungsbau die Güterzüge vorbeipreschen. Die Frage ist: Wie geht man damit um? Und wie erreicht man dauerhafte Gebäudenutzungen? Denn es gibt viele Gebäudestrukturen, die nur zu gewissen Tageszeiten genutzt werden und zu anderen völlig leer stehen. Da müssen wir multifunktionaler denken und Baugesetzte dementsprechend anpassen.</p>
<p><strong>Wie viel Freiraum haben Sie bei ihren Projekten?</strong><br />
Die Frage ist, wie viel Freiraum kann man heutzutage noch haben. Natürlich versucht man bei der Direktbeauftragung seine Kreativität einzubringen, aber man bekommt von der Bauherrenschaft oft so zahlreiche Vorgaben, dass eine gewisse Einschränkung von vornherein gegeben ist. Unsere Hauptakquise-Methode ist darum die Teilnahme an Architekturwettbewerben. Hier liegt oft nur ein Raumprogramm vor und es wird erst einmal nur nach der besten architektonischen Lösung gesucht. Gewinnt man einen Wettbewerb, ist der Lösungsvorschlag wiederum erst einmal in Stein gemeißelt. Wie groß der Freiraum in der weiteren Planung ausfällt, hängt davon ab, mit wem man von Bauherrenseite aus zu tun hat und da sind wir wieder bei meinem Beispiel vom Anfang: Das Projekt der Kinder- und Jugendpsychiatrie hat gezeigt, dass durch die Gespräche mit den Nutzern und mit den Bauherren das Gebäude immer besser geworden ist. Der Input von künftigen Nutzern bringt einen echten Benefit, wenn man sich mit Respekt und auf Augenhöhe begegnet. </div></div><a id='bg-showmore-action-69e381d86e5389004265511' class='bg-showmore-plg-link bg-arrow ait_read-more'  style=" color:inherit;;" href='#'>weiterlesen</a></p>
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<p><strong>Über NOW Architekten<br />
</strong>Vier Partner &#8211; Stephan Brugger, Eva Maria Hierzer, Thomas Hörmann und Stephan Schmidt &#8211; deren Wege sich immer wieder (mal kürzer, mal länger) kreuzten, gründeten gemeinsam im Jahr 2021 NOW Architektur mit dem Ziel, Architektur als einen uns als Gesellschaft in gleichen Maßen betreffenden gebauten Raum gemeinsam und auf Augenhöhe für jetzt und die Zukunft (um-) zu gestalten. Architektur muss das Potenzial haben, sich langfristig den ständig verändernden Bedürfnissen der Menschen anzupassen. Ein bewusst gestalteter Dialog zwischen Mensch, gebautem Raum und der Umgebung schafft Identifikation und somit einen wesentlichen atmosphärischen wie auch sozial nachhaltigen Mehrwert. Architektur entsteht für uns immer in ihrem gebauten Kontext. Ist einfach, selbstbewusst und einfühlsam. Folgt einem konstruktiv ehrlichen, zweckmäßigen sowie ressourcenschonendem Materialeinsatz in einer hohen Ausführungsqualität und strebt nach räumlicher Flexibilität zugunsten einer langen Lebensdauer und zeitloser Gestaltung von bestehendem wie auch neuem gebauten Raum.</p>
<p><a href="https://nkbak.de/de/">NOW</a></p>
<p>Lesen Sie mehr aus der Reihe <strong>Upcoming Architects Facing New Conditions</strong> auf der Seite der <a href="https://www.grohe-x.com/de-de/architekturwelt/grohe-digital-talks">GROHE Digital Talks</a></p>
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		<title>Upcoming Architects Facing New Conditions – Interview mit Andreas Krawczyk von NKBAK Architekten</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/upcoming-architects-facing-new-conditions-interview-mit-andreas-krawczyk-von-nkbak-architekten-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Juliane Lorenz-Elliot]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Jul 2022 10:01:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ait-xia-dialog.de/?post_type=ait-dialog-blog&#038;p=391820</guid>

					<description><![CDATA["Im schlechtesten Fall bauen wir heute die Ruinen, die wir in zwanzig Jahren sanieren müssen. Qualität ist damit eine Haltungsfrage, die man so umsetzen muss, dass sich die Bauherrenschaft diese auch leisten kann. Qualität bedeutet nicht, es möglichst kompliziert und teuer zu machen, sondern ein Gebäude so intelligent herzustellen, dass es in den nächsten dreißig Jahren auf alle Nutzungsanforderungen reagieren kann, ohne währenddessen schmuddelig oder unangenehm zu werden. Unser Anspruch dabei ist stets, Räume zu schaffen, in denen sich Menschen wohlfühlen, die Interesse wecken und die gerne dauerhaft genutzt werden." Andreas Krawczyk]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/NKBAK_ESF-01.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="NKBAK_ESF Europäische Schule Frankfurt (Foto: Norman Radon)" data-rel="lightbox-gallery-10"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/NKBAK_ESF-01.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/NKBAK_Odenwald.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="NKBAK_Ferienhaus im Odenwald (Foto: Thomas Mayer)" data-rel="lightbox-gallery-10"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/NKBAK_Odenwald.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/NKBAK_ISM-01.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="NKBAK_IS Mahlsdorf Berlin (Foto: Thomas Mayer)" data-rel="lightbox-gallery-10"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/NKBAK_ISM-01.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/NKBAK_portrait_?®Vanessa-Fuentes.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Nicole Beganski und Andreas Krawczyk, NKBAK" data-rel="lightbox-gallery-10"><img decoding="async" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/NKBAK_portrait_?®Vanessa-Fuentes.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
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<p><strong>Upcoming Architects</strong> nehmen Stellung, wie sie den Herausforderungen des globalen Wandels begegnen und wie sie ihre Position als Ideengeber, Neuschöpfer und Qualitätssetzer behaupten. Lesen Sie dazu hier das Gespräch mit Andreas Krawczyk von NKBAK Architekten</p>
<p><em>„Wenn man auf die globalgesellschaftliche Situation schaut, wird deutlich, dass wir unglaublich aufpassen müssen, wie wir mit unseren Baustoffen umgehen. Fragen zur Umweltverträglichkeit, Nachhaltigkeit, Wiederverwertbarkeit und Entsorgung drängen sich auf. Auf der anderen Seite offenbart der gesellschaftliche Wandel weitere Fragestellungen: Welche Gebäude brauchen wir in Zukunft überhaupt noch und wie flexibel müssen diese sein? Im täglichen Job hat sich dagegen nicht viel verändert. Es geht noch immer darum, passende Raumstrukturen herzustellen.“ </em>Andreas Krawczyk</p>
<p><strong>GROHE: „Upcoming Architects Facing New Conditions“ lautet das Thema unserer Interviewserie. Was sind für Sie die derzeit größten „Conditions“ in Ihrer täglichen Arbeit?</strong><br />
Krawczyk: Wenn man nicht nur auf die letzten fünfzehn Monate der Pandemie schaut, sondern auf die globalgesellschaftliche Situation, wird deutlich, dass wir unglaublich aufpassen müssen, wie wir mit unseren Baustoffen umgehen. Fragen zur Umweltverträglichkeit, Nachhaltigkeit, Wiederverwertbarkeit und Entsorgung drängen sich auf. Auf der anderen Seite offenbart der gesellschaftliche Wandel weitere Fragestellungen: Welche Gebäude brauchen wir in Zukunft überhaupt noch und wie flexibel müssen diese sein? Im täglichen Job hat sich dagegen nicht viel verändert. Es geht noch immer darum, passende Raumstrukturen herzustellen. Durch die Pandemie ist das virtuelle Arbeiten in den Vordergrund gerückt. Kreative Prozesse sind virtuell allerdings nicht abbildbar. Wir kommen deshalb wieder im Büro zusammen, setzen aber selbstverständlich alle Maßnahmen ordentlich um, die dafür erforderlich sind: Bei uns sind alle geimpft und vorsichtig. Hinzu kommt, dass wir mit acht Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen eine überschaubare Bürostruktur haben. Das ist im Vergleich zu größeren Strukturen ein Vorteil.</p>
<p><strong>Derzeit haben wir einen Bauboom in Deutschland. Bekanntlich reagiert die Baubranche zeitlich versetzt auf Entwicklungen wie beispielsweise auf die Corona Pandemie. Wie schätzen Sie die Zukunft ein?</strong><br />
Ich denke, wir stehen noch ganz am Anfang. Strukturbrüche, die durch die Pandemie und durch Versäumnisse in der Vergangenheit zutage getreten sind und zutage treten, werden uns womöglich erst in den nächsten Jahren richtig treffen. Lieferprobleme und Fachkräftemangel sind nur ein paar wenige Themen, die hier eine Rolle spielen. Die Gesellschaft unterliegt einem fundamentalen Wandel, einer Transformation; nur ist noch nicht absehbar, wohin uns das führt. Das wird spannend. Momentan profitieren wir als Architekturbüros noch sehr von der Situation. Wie es aber in ein paar Jahren aussieht, kann, glaube ich, niemand abschätzen.</p>
<p><strong>Als Architekten unterliegen Sie einem zunehmenden Zeit-, Kosten- und Wettbewerbsdruck. Hinzu kommt die allseits beklagte Bürokratie in unserem Land, die vieles hemmt. Wie gehen Sie damit um?</strong><br />
Die Bürokratie muss man einfach abarbeiten. Ich glaube, daran darf man nicht verzweifeln. Das andere ist der Kosten- und Zeitdruck. Ich glaube, das ist eigentlich ein ganz spannendes Thema. Wir planen einiges in Holzsystembauweise und kommen auch deswegen mit Aufträgen gut zurecht, weil wir den Auftraggebern genau sagen können, was er oder sie innerhalb einer bestimmten Zeit, zu einem bestimmten Preis bekommen kann. In Berlin schaffen wir es beispielsweise innerhalb von 24 Monaten mit einem Schulbauprojekt von der Planung bis zur Fertigstellung zu kommen. Ich glaube, wir haben damit am Markt einen Wettbewerbsvorteil, denn Bauherren wünschen sich eine genaue Vorplanung, die ihnen verlässlich offenlegt, was auf sie zukommt.</p>
<p><div class="bg-margin-for-link"><input type='hidden' bg_collapse_expand='69e381d87a1ef2081000041' value='69e381d87a1ef2081000041'><input type='hidden' id='bg-show-more-text-69e381d87a1ef2081000041' value='weiterlesen'><input type='hidden' id='bg-show-less-text-69e381d87a1ef2081000041' value='Weniger'><div id='bg-showmore-hidden-69e381d87a1ef2081000041' ></p>
<p><strong>Sie haben 2007 das Büro zusammen mit Nicole Beganski gegründet. Wie hat sich seitdem Ihr Handeln, Ihr Denken und Ihr tägliches Business verändert?</strong><br />
Die alltägliche Arbeit hat sich nicht verändert, aber die Architektur. Ich denke, wir sind in einer Zeit, die relativ zügig pragmatische Lösungen erfordert. Wenn ich an Schulen und Kindergärten, aber auch an den Wohnungsbau denke, dann fällt auf, dass sich vieles völlig anders darstellt als noch vor vierzehn Jahren. Ich glaube, das Berufsbild des Architekten hat sich dahingehend geändert, dass wir nicht mehr nur über den Dingen stehen und auf der Suche nach dem Künstlerischen und Schönen sind. Wir arbeiten häufig als Generalplaner mit Fachplanern wie Haustechnikern, Tragwerksplanern und Bauphysikern an einer Gesamtlösung. Es reicht nicht mehr, nur ein schönes Haus zu bauen; das schöne Haus muss auch funktionieren, fertiggestellt und in Nutzung gebracht werden. Das Berufsbild ist dadurch viel komplexer geworden.</p>
<p><strong>Im digitalen Zeitalter ist ein interdisziplinäres Miteinander aller Bauprozessbeteiligten unabdingbar. Funktioniert dieser Anspruch in der täglichen Zusammenarbeit?</strong><br />
Ich glaube, die Digitalisierung ist im Bereich Darstellungsart und Entwurf gar nicht am interessantesten. Die Gestaltung der Schnittstellen zu anderen Disziplinen ist das Spannende. Wir erstellen Pläne immer so, dass sie von unseren Planungspartnern eins zu eins übernommen werden können. Das heißt, die Digitalisierung bleibt nicht auf der planerischen Entwurfsebene hängen, sondern nimmt direkten Einfluss auf die Produktion. Darüber hinaus sparen die Produzenten mit der externen Vorplanung Arbeitskräfte ein, die sie ohnehin nicht mehr haben. Diese Form der engen Zusammenarbeit ist ein spannender Lernprozess, von dem beide Seiten profitieren können und der die architektonische Arbeit künftig maßgebenden beeinflussen wird.</p>
<p><strong>Sie haben einige Zeit für SANAA in Tokio gearbeitet. Welche Erfahrungen haben Sie geprägt? Was ist Ihr Anspruch an die Architektur?</strong><br />
Die Japaner gehen anders an den Entwurfs- und Planungsprozess heran, sie suchen gerne. Das ist aber nicht immer nur gut. Manchmal ist die Suche sogar ziemlich anstrengend. Sanaa ist ein außergewöhnliches Büro mit außergewöhnlichen Aufträgen und einer außergewöhnlichen Qualität. Was man dort lernen kann, ist, dass ein hoher Anspruch erreichbar ist, wenn man an ihn glaubt und konsequent verfolgt. Genau da tut sich die Gefahr bei unserem aktuellen Bauboom auf, denn durch die große Menge an Bauprojekten, besteht die Gefahr, die Qualität aus den Augen zu verlieren. Wir müssen uns bewusst machen: Im schlechtesten Fall bauen wir heute die Ruinen, die wir in zwanzig Jahren sanieren müssen. Qualität ist damit eine Haltungsfrage, die man so umsetzen muss, dass sich die Bauherrenschaft diese auch leisten kann. Qualität bedeutet nicht, es möglichst kompliziert und teuer zu machen, sondern ein Gebäude so intelligent herzustellen, dass es in den nächsten dreißig Jahren auf alle Nutzungsanforderungen reagieren kann, ohne währenddessen schmuddelig oder unangenehm zu werden. Unser Anspruch dabei ist stets, Räume zu schaffen, in denen sich Menschen wohlfühlen, die Interesse wecken und die gerne dauerhaft genutzt werden. Das hat viel mit der Raumqualität und weniger mit der Raumgröße zu tun. Es gibt wahnsinnig schöne Beispiele, wie man auf kleinstem Raum durch eine gute Planung Qualitäten erzeugt, die dafür sorgen, dass das Beleben dieser Räume einfach Spaß macht. Ich denke, das ist es, was wir in die Zukunft tragen sollten.</p>
<p><strong>Ist der Mensch zu sehr aus dem Fokus der Architektur geraten?</strong><br />
Vielleicht ja. Vielleicht war Architektur zu lange eine zu selbstbezogene Disziplin, die sich in Formalien verloren hat. Für uns bedeutet jede Bauaufgabe ein neues Herantasten an das konkrete Anforderungsprofil. Es ist ein großer Unterschied, ob ich für Menschen baue, die fünf oder 85 Jahre alt sind. Genau das ist es aber auch, was den Beruf so schön und interessant macht. Wir müssen uns immer wieder neu auf Situationen und Menschen einlassen; das ist eine wunderbare Aufgabe, dafür bin ich dankbar.</p>
<p><strong>Hat sich das Nachfrageverhalten der Bauherrenschaft in Richtung Nachhaltigkeit seit der Pandemie verändert?</strong><br />
Bei den Öffentlichen, ja. Bei der Immobilienbranche bin ich noch skeptisch. Das Erstaunliche ist, dass der Wohnungsmarkt noch recht uninteressiert ist. Das irritiert und macht ratlos. Diese Branche ist extrem konservativ: Gebaut werden noch immer Wohnungen für Mutter, Vater und zwei Kinder. Die mittlerweile gefragte Flexibilität ist im individuellen Fall immer einfach umzusetzen, der klassische Immobilienmarkt verharrt dagegen in einer abwartenden Haltung.</p>
<p><strong>Alles eine Frage von Angebot und Nachfrage. Die Menschen sind zufrieden mit Grundrissen, die Ihnen seit 30 Jahren und länger vertraut sind.</strong><br />
Das ist ein Problem und ein wahnsinnig dickes Brett, das es zu bohren gilt. Die Aufgabe unserer Zunft ist, glaube ich, Möglichkeiten aufzuzeigen und mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Es geht dabei um die Frage, was der Mensch vom gebauten Raum überhaupt will. Oftmals fehlt es den Leuten an Vorstellungskraft. Sie wissen alles über Ayurveda in Südthailand, über ihr Leben und ihre Gesundheit, aber ihr Lebensumfeld ist demgegenüber oft unglaublich uninspiriert. Das hört sich ernüchternd an, ist aber im Grunde eine gute Ausgangslage und Aufgabe für die Architektenschaft. Wir bauen beispielsweise relativ viele Schulen und Kindergärten; auch da müssen wir Raumangebote machen, die über das alltäglich Gewohnte hinausgeht. Es ist ganz wichtig Räume anzubieten, in denen man andere Erfahrungen machen kann als zu Hause. Wenn wir Kinder in Baucontainer stecken, weil uns auf die Schnelle keine besseren Ideen kommen, dürfen wir uns nicht wundern, wohin sich die Gesellschaft entwickelt. Kinder haben über Kindergarten oder Vorschule das erste Mal die Möglichkeit, täglich und lebensnah mit anderen Raumstrukturen als die des Wohnungsbaus in Kontakt zu treten. Dessen muss man sich bewusst sein und diese Chance müssen wir entsprechend nutzen.</p>
<p><strong>Wir brauchen dringend Wohnungen in Deutschland: sollte sich der Staat wieder mehr einmischen und auch den sozialen Wohnungsbau mehr fördern?</strong><br />
Es ist schon erstaunlich, dass sich die öffentliche Hand so komplett aus der ganzen Sache herauszieht. Sie ist eine der wenigen Player, die nicht gewinnmaximierend auf dem Markt arbeiten müsste. Wenn sie in einer Stadt auftreten und Wohnungen mit einer nur kleinen Rendite bauen würde, wäre das ein echtes Gegengewicht und Signal Richtung privater Marktteilnehmer.</p>
<p><strong>Wie beurteilen Sie die Entwicklung hin zur zirkulären Kreislaufwirtschaft?</strong><br />
Grundsätzlich finde ich die Entwicklung richtig, wenn sie nicht zum formalen Dogma verkommt. Mittlerweile leben fast acht Milliarden Menschen auf der Erde und da muss man sich zwangsläufig Gedanken darüber machen, was mit Dingen geschieht, die man nicht mehr braucht. Das hat einfach mit gesundem Menschenverstand zu tun. Die Gesamtbetrachtung eines Gebäudes vom ersten gefällten Baum bis zur finalen Abrissmaterialverwertung sollte zur Selbstverständlichkeit werden. Wenn wir Holzkonstruktionen bauen, müssen diese zum Schluss nicht gesprengt werden, sondern können eins zu eins wieder auseinandergeschraubt werden. Natürlich gibt es trotzdem auch Bereiche, wo wir noch keine technische Lösung gefunden haben wie beispielsweise beim Thema Wasserdichtigkeit und Abdichtungsbahnen. Es muss also noch weiter geforscht werden, um zu ergründen, wie wir hier besser und nachhaltiger werden können.</p>
<p><strong>Der verantwortungsvolle Umgang mit der weltweit immer knapper werdenden Ressource Wasser ist eine Herausforderung! Was würden Sie sich bezüglich der Thematik Wasser wünschen?</strong><br />
Wenn ich den Bauprozess als solchen nehme, gibt es nicht den einen Punkt der Korrekturbedarf hat. Es gehört immer alles zusammen. Physikalisch habe ich gelernt, dass man nicht mehr herstellen kann, als auf der Erde bereits existiert. Ich muss also mit den vorhandenen Ressourcen schonend umgehen. Da geht es nicht nur um den Wasserverbrauch während der Lebenszeit eines Gebäudes, sondern auch um den Verbrauch bei der Gebäudeherstellung und bei dessen Rückbau. Sinnvollerweise gehört außerdem das Wasser dazu, dass auf dem Grundstück regulär anfällt und dort versickert oder über Retentionsflächen zurückgehalten wird. Ich glaube, Gedanken zum Wassergesamtkreislauf stecken momentan noch in technischen Gedankenwelten der Fünfzigerjahre fest, bei denen man am Ende nur sagt: „Hauptsache es ist weg.“ Wir müssen damit viel sinnhafter umgehen. Wir müssen als hochzivilisiertes und sehr verdichtetes Land, das viele Flächen versiegelt hat, der Natur etwas zurückgeben. Ich habe einmal gelesen, dass in Niedersachsen im Januar alle Felder entwässert werden, nur damit im Februar und im März Dünger aufgebracht werden kann – weil man das laut Düngeverordnung vorher nämlich nicht darf. Da fragt man sich doch, ob das unser Ernst ist, wenn wir unser gutes Süßwasser irgendwo in die Nordsee entwässern, weil wir glauben, erst im Frühjahr Düngen zu dürfen.</p>
<p><strong>Sie planen Wohngebäude, Kitas, Schulen und auch Firmenzentralen: Was denken Sie, wie werden wir in Zukunft wohnen, lernen und arbeiten?</strong><br />
Wir werden alle deutlich älter als vorangegangene Generationen und dabei brechen zunehmend Gesellschafts- und Familienstrukturen auf. Das Zusammenleben wird sich auf die großen Städte und deren direktes Umland konzentrieren, während manche Landstriche, fürchte ich, unumkehrbar ausbluten werden. Man wird erst recht keine jungen Familien halten können, denn die möchten neben ihren Arbeitsplätzen Einrichtungen wie Kita, Schule, Arzt und Krankenhaus in der Nähe wissen und all das findet sich nah nebeneinander in großen Zentren. Dazu kommt, dass wenn ein Paar heute mit Mitte zwanzig Kinder bekommt, nicht mehr gesagt ist, dass es in zwanzig Jahren noch in dieser klassischen Familienkonstellation lebt; das ist nicht mehr garantiert und auch gesellschaftlich akzeptiert. Die Option, die Eltern später zu sich zu holen, weil man sie braucht oder weil diese einen selbst brauchen, muss bei allen Überlegungen genauso mit eingeplant werden. Wir müssen also Räume und Gebäude schaffen, die auf derartige Lebenssituationen reagieren können. Im Bereich Bürogebäude ist es genauso. In Auseinandersetzung mit den Unternehmen stellen wir fest, dass es eigentlich am besten ist, nur einen ‚Rahmen‘ inklusive Infrastruktur herzustellen, den jeder selbst ausfüllen kann. Im Endeffekt gibt es das klassische Bürogebäude in der Stadt dann in der Folge langfristig nicht mehr; denn später könnte das Gebäude, ganz nach Bedarf, andere Funktionen aufnehmen, wie Wohnungen oder Kinderbetreuungseinrichtungen. Die Pandemie dient in dieser Hinsicht als Brandbeschleuniger und hat nie hinterfragte Arbeits- und Lebensstrukturen flexibel gemacht. Das sind Erfahrungen, die uns noch weiter beschäftigen werden. Das Leben ist nun einmal sehr flexibel und Gebäude sind leider Gottes statisch. Als Architekten sollten wir versuchen, diese Gegensätze miteinander zu verschränken.</p>
<p><strong>Sie haben den Deutschen Ziegelpreis 2021 für die Niederlassung der Stylepark AG in Frankfurt am Main gewonnen; eine sehr gelungene Symbiose aus Bestand und Neubau. Inwieweit wird die Verbindung von Alt und Neu die Architekten in Zukunft beschäftigen?</strong><br />
Wir bauen derzeit sowohl Neues als auch im Bestand. Ich habe vor meiner Tätigkeit bei SANAA im Büro Heinrich Böll in Essen am Erhalt der Zeche Zollverein mitgearbeitet. Für mich war immer normal und logisch, dass man Gebäude nicht abreißt. Ich denke, Baubestand zu haben ist ein Luxus. Im Grunde kann man nicht jedes Mal Vorhandenes abreißen und neu ersetzten, dafür muss man ja auch Geld, Ressource und Platz haben und das können sich auf der Welt vielleicht gerade einmal zwanzig Länder leisten. Das sowas nachhaltig totaler Unsinn ist, steht außer Frage. Natürlich kann es auch nicht nur den Altbau geben. Das Nebeneinander von alt und neu im Kontext, ist das, was uns beschäftigen wird.</p>
<p><strong>Büro Intention </strong><br />
Neben den aktuellen Diskussionen um die verschiedenen Techniken zum Entwerfen von Raum steht für uns nicht die Methode<br />
sondern der Raum als Lebensumfeld und die Wirkung auf den Menschen im Mittelpunkt. Dabei ist die Nutzung neuer Arbeitsmittel für die Entstehung neuer Raumgefüge wesentlich. Die Wichtigkeit liegt dennoch beim Entwerfen, der Kreativität durch Intuition für die Schaffung von Raumatmosphären. Architektur ist Raum. Sie umfasst Raumgefüge, Formfindung, Sichtbeziehungen und sinnliche Bezüge wie die Materialität, Oberflächenbeschaffenheit, Helligkeit, Farbgebung, Temperatur, Feuchtigkeit und Akustik. Zugleich verbindet sie sich mit der Komplexität, in interdisziplinären, zeitlichen, sozialen und ökonomischen Beziehungen zu stehen. Vielleicht bedingt diese Komplexität, dass oft zu wenig Augenmerk auf den Entwurf, das bewusste Erfahren von Raum und die Wirkung auf den Menschen gerichtet wird. Architektur darf nicht durch Automatismen ersetzt werden. Wiederholung und Normung nehmen uns die bewusste Wahrnehmung.<br />
</div></div><a id='bg-showmore-action-69e381d87a1ef2081000041' class='bg-showmore-plg-link bg-arrow ait_read-more'  style=" color:inherit;;" href='#'>weiterlesen</a></p>
<div class="bx--col bx--col-md-4 bx--col-sm-4"><strong>Über Kerstin Berganski &amp; Andreas Krawczyk</strong><br />
Nicole Kerstin Berganski war Teil der Diplomklasse UBU3 der TU Berlin. Über mehrere Jahre sammelte sie als Stipendiatin und anschließend als Projektarchitektin Erfahrungen in Tokio, Japan. Seit November 2005 ist sie als freie Architektin in Frankfurt am Main tätig und wurde 2011 in den Bund Deutscher Architekten (BDA) berufen.<br />
Andreas Krawczyk hat an der FH Dortmund seinen Diplomabschluss in Architektur gemacht. Im Anschluss arbeitete er in Deutschland sowie Japan in Architekturbüros. Neben seiner Tätigkeit als freier Architekt, war er von 2011 bis 2015 Mitglied im Städtebaubeirat der Stadt Frankfurt am Main. 2011 wurde er in den Bund Deutscher Architekten (BDA) berufen.<br />
Nicole Kerstin Berganski und Andreas Krawczyk gründeten im Januar 2007 das Architekturbüro NKBAK in Frankfurt.</div>
<p><a href="https://nkbak.de/de/">NKBAK</a></p>
<p>Lesen Sie mehr aus der Reihe <strong>Upcoming Architects Facing New Conditions</strong> auf der Seite der <a href="https://www.grohe-x.com/de-de/architekturwelt/grohe-digital-talks">GROHE Digital Talks</a></p>
<p><div class="clear"></div></div><div class="omsc-clear"></div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Upcoming Architects Facing New Conditions – Interview mit Sven Aretz und Jakob Dürr, Aretz Dürr Architektur</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/upcoming-architects-facing-new-conditions-interview-mit-sven-aretz-und-jakob-duerr-aretz-duerr-architektur/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Juliane Lorenz-Elliot]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Jul 2022 12:19:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ait-xia-dialog.de/?post_type=ait-dialog-blog&#038;p=391745</guid>

					<description><![CDATA[„Auf der einen Seite steht die Tatsache, dass wir wirklich große klimatische und gesellschaftliche Herausforderungen meistern müssen und auf der anderen Seite eine Überregulierung, die eine kreative, schnelle und ernsthafte Reaktion auf diese Herausforderungen unterminiert. Sich hier für neue Rahmenbedingungen einzusetzen, ist ganz wichtig. Darin liegt eine Verantwortung unserer Disziplin – und eine Chance, dieser wieder mehr Relevanz zu verschaffen.“  Sebastian Kofink &#038; Simon Jüttner]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/Aretz-Du?err_Gartenhaus-Oostkapelle.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Aretz Dürr_Gartenhaus Oostkapelle" data-rel="lightbox-gallery-11"><img decoding="async" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/Aretz-Du?err_Gartenhaus-Oostkapelle.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/AretzDu?err-_008_HausB3_Wohnhaus_Biberach_Deutschland.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Aretz Dürr_Wohnhaus in Biberach" data-rel="lightbox-gallery-11"><img decoding="async" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/AretzDu?err-_008_HausB3_Wohnhaus_Biberach_Deutschland.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/AretzDu?err_012_HausD6_Wohnhaus_Oberberg_Deutschland.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Aretz Dürr_Wohnhaus in Oberberg" data-rel="lightbox-gallery-11"><img decoding="async" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/AretzDu?err_012_HausD6_Wohnhaus_Oberberg_Deutschland.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/AretzDrr-Haltung-Portrait.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Sven Aretz &amp; Jakob Dürr von Aretz Dürr Architektur" data-rel="lightbox-gallery-11"><img decoding="async" width="1584" height="1188" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/AretzDrr-Haltung-Portrait.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/AretzDrr-Haltung-Portrait.jpg 1584w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/AretzDrr-Haltung-Portrait-800x600.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/AretzDrr-Haltung-Portrait-768x576.jpg 768w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/AretzDrr-Haltung-Portrait-1536x1152.jpg 1536w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/07/AretzDrr-Haltung-Portrait-1320x990.jpg 1320w" sizes="(max-width: 1584px) 100vw, 1584px" /></a>
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<p><div class="clear"></div></div>
<div class="omsc-one-half omsc-last">
<p><strong>Upcoming Architects</strong> nehmen Stellung, wie sie den Herausforderungen des globalen Wandels begegnen und wie sie ihre Position als Ideengeber, Neuschöpfer und Qualitätssetzer behaupten. Lesen Sie dazu hier das Gespräch mit Sven Aretz und Jakob Dürr von Aretz Dürr Architektur</p>
<p><em>&#8220;Wir müssen in erster Linie daran arbeiten, ein gesellschaftliches Verständnis für den Zusammenhang von knapper werdenden Rohstoffressourcen und dem notwendigen Überdenken unserer Anspruchshaltung an hohe Standards in einer architektonischen Haltung zu etablieren. Unser Verbrauch steigt, unsere Ressourcen aber sind endlich. Wir beobachten oft, dass an bekannten Raumvorstellungen festgehalten wird. Dass es aber oftmals anders besser geht und man einen Weg fern eingefahrener Denkmuster beschreiten kann, ist in vielen Köpfen noch nicht angekommen.&#8221; </em><br />
Sven Aretz und Jakob Dürr</p>
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<p><strong>GROHE:</strong> <strong>Auf Ihrer Website erwähnen Sie, dass Ihnen ein reduzierter Materialeinsatz, einfache Konstruktionsweisen und wohlüberlegte Fügeprinzipien wichtig sind. Unterscheidet Sie diese Haltung von Ihren Kolleg*innen?</strong><br />
<strong>Sven Aretz und Jakob Dürr:</strong> Ja, im Vergleich zu vielen Kolleg*innen ist das eine konstruktiv differenzierte Betrachtung. Darin steckt auch das Hinterfragen der baulichen Standards und gleichzeitig das Suchen nach einer Angemessenheit, die für uns ein Weg in Richtung Nachhaltigkeit bedeutet. Explizit drückt sich das im ersten Schritt durch einen reduzierten Materialeinsatz aus. Wir versuchen grundsätzlich so wenig Material wie möglich in ein Gebäude einzubringen. Im zweiten Schritt betrachten wir, welche Potenziale die einzelnen Materialien und Bauteile haben und wie wir diese zu einem sinnigen Ganzen zusammenführen können.</p>
<p><strong>Sie arbeiten viel in der Typologie Wohnungsbau. Manche Wohnungsbaugesellschaften fragen sich, warum in neue Wohnmodelle investieren, wenn die Nachfrage nicht da ist? Was sagen Sie dazu?</strong><br />
Wir müssen in erster Linie daran arbeiten, ein gesellschaftliches Verständnis für den Zusammenhang von knapper werdenden Rohstoffressourcen und dem notwendigen Überdenken unserer Anspruchshaltung an hohe Standards in einer architektonischen Haltung zu etablieren. Unser Verbrauch steigt, unsere Ressourcen aber sind endlich. Wir beobachten oft, dass an bekannten Raumvorstellungen festgehalten wird. Dass es aber oftmals anders besser geht und man einen Weg fern eingefahrener Denkmuster beschreiten kann, ist in vielen Köpfen noch nicht angekommen. Schnell landet man auf dem Weg des geringsten Widerstands. Weiter zurückliegende tradierte Bauformen, die aus gebotener Sparsamkeit und dem Anspruch an Dauerhaftigkeit entstanden sind, waren eigentlich gut. Nach dem Krieg hat sich die Struktur unseres Wirtschaftssystems stark gewandelt; wechselnde Betätigungsfelder haben Kultur und Gesellschaft prägend verändert. So kam es zum Bruch mit tradierten Bauformen, aber auch mit deren Grundwerten. Und genau da setzen wir jetzt an: Bevor wir mit den Bauherr*innen in den Planungsprozess einsteigen, zeigen wir Ihnen im Rahmen einer Art ‚Vorlesungsreihe‘, welche Bauweisen es überhaupt gibt und geben ihnen die Möglichkeit, sich mit ihrer Haltung in den unterschiedlichen Baustrukturen einzuordnen. Eigentlich müsste man diesen Prozess in einer größeren Skalierung betreiben und zukünftige Bauherren zu einem wesentlich früheren Zeitpunkt in die Welt der Architektur einführen – z.B. schon in der Schule. Interessant ist die Frage: Woher kommen baukulturelle Traditionen? In der Regel haben traditionelle Bauweisen ihren Ursprung in funktionalen Anforderungen und den damit einhergehenden Gewohnheiten von Menschen. Heute muss man allerdings hinterfragen: Wie viel Funktion steckt noch in Bautraditionen und Bauweisen, die ihre funktionalen Anforderungen und Bezüge verloren haben? Tradition? Müssen wir immer noch bauen wie vor 100 Jahren? Was ist sinnvoll und was muss neu gedacht werden? Eine Suche nach der Angemessenheit.</p>
<p><div class="bg-margin-for-link"><input type='hidden' bg_collapse_expand='69e381d883e542079959554' value='69e381d883e542079959554'><input type='hidden' id='bg-show-more-text-69e381d883e542079959554' value='weiterlesen'><input type='hidden' id='bg-show-less-text-69e381d883e542079959554' value='Weniger'><div id='bg-showmore-hidden-69e381d883e542079959554' ></p>
<p><strong>Haben sich die Bedürfnisse Ihrer Bauherr*innen nach der Pandemie und das Bewusstsein für Architektur verändert?</strong><br />
Das Bewusstsein ist gewachsen. Die Leute werden teils notgedrungen auf ihre vier Wände zurückgeworfen und fangen an, sich kritisch mit den Räumen, in denen sie sich bewegen, auseinanderzusetzen. Einer unserer Bauherren kam neulich auf uns zu und merkte an, dass er innerhalb des zu planenden kleinen Hauses zusätzlich zum Wohnraum einen Rückzugsraum für die Kinder zum Spielen oder für seine Videokonferenzen haben möchte. Guter nachhaltiger Wohnraum basiert auf guten Grundrissen. Und genau hier sind wir immer wieder überrascht, wie flexibel Gebäude zum Beispiel aus den 1960er-Jahren sind und mit wie wenig Fläche diese auskommen! Es ist nicht damit getan in der Landesbauordnung zu sichern, dass wir eine bestimmte Raumgröße und die Räume eine gewisse Mindesthöhe haben. Viele aktuelle Bauten schreiben Räume einer ganz spezifischen Nutzung zu, sind damit statisch gedacht und tragen funktionale Wandelbarkeit nicht in ihrer DNA. Wir sind innerhalb eines strengen Korsetts aus Vorgaben und Normen unterwegs, welche nicht immer darauf ausgelegt sind, gute Ziele zu erreichen, sondern auch die Wege dahin festzulegen. In der Fixierung der Lösungswege und nicht der Ziele sehen wir das Hauptproblem, aus dem wir, im Sinne der Bedürfnisse unserer Bauherren ausbrechen möchten. Wir stellen uns natürlich auch die Frage: Ist nicht zu erwarten, dass sich durch Corona viele Firmen – zumindest räumlich – stark verkleinern werden und sich Wechselmodelle etablieren? Und was passiert mit den Bestandsimmobilien? Müssen wir Bürobauten umnutzen? Es tun sich Veränderungen auf, die wir bereits sehen können. Die große Frage wird sein: Wie kann man dabei die Umwelt schützen und zeitgleich sozialverantwortlich arbeiten?</p>
<p><strong>Können Sie anhand Ihrer Projekte beschreiben, wofür Ihre Architektur steht?</strong><br />
Ein gutes Beispiel dafür ist das Haus D in Oberberg, bei dem es viel Auseinandersetzung mit der Bauphysik gab, weil wir versuchten, ein möglichst einfach gedachtes und damit cleveres Gebäude zu entwickeln. Im Vordergrund stand die Frage: Welche Aufgaben kann die Gebäudestruktur aus sich heraus leisten, ohne technisch groß aufgerüstet werden zu müssen? Also Low statt High Tech. Das besagte Haus basiert auf einem einfachen Prinzip: Es hat zwei große Schleppdächer, die so ausgerichtet sind, dass die Sonne im Sommer draußen bleibt und im Winter reinkommt. Deshalb haben wir auch eine einfache Doppelverglasung ausgewählt, sodass wir im Winter möglichst viel Energie ins Gebäude eintragen. Das konnte die Energieeinsparverordnung nicht abbilden. Das heißt, dieses Haus wurde so berechnet, als ob es die Vordächer nicht gäbe. Das klingt absurd, ist aber so. Das erklären Sie jetzt bitte einmal der Bauherrenschaft. Die Lösung wäre dann gewesen, teure Simulation zu fahren&#8230;im schmalen Budget privater Bauherren ist das in der Regel nicht darstellbar. Die Frage ist, was bringt uns die Entwicklung alternativer Bauweisen, wenn wir diese nur durch extreme Mehrkosten etablieren können? Wenn die Lösung nur sein kann, dass wir sagen: „Okay, liebe Bauherren, wir erreichen die Ziele auf dem Papier nicht, aber sind überzeugt, dass es klappen wird. Das heißt, wir gehen ein Risiko ein und brauchen absolutes Vertrauen in unsere Bauherrenschaft; und diese in uns! Architektur ist keine Einbahnstraße. Die Herausforderung liegt darin, Bauherr*innen davon zu überzeugen, in alternative und sinnige Bauweisen zu investieren, die noch nicht im Bewusstsein der Gesellschaft etabliert sind.</p>
<p><strong>Haben Sie als Architekten der jüngeren Generation andere Werte als die Architektengeneration zuvor?</strong><br />
Eine große Frage! Bei der Beantwortung muss man aufpassen, niemandem auf die Füße zu treten, gar ungerecht zu werden. Also wir glauben, dass sich Architektenschaft, Nutzer und Industrie in den vergangenen Jahrzehnten voneinander entfernt haben. Wir haben angefangen, gegeneinander zu arbeiten und das holt uns gerade ein. Wir müssen in der Entwicklung von sinnvollen Bauweisen wieder zusammenfinden.</p>
<p><strong>Wenn der Urbanisierungstrend anhält, welche Lösung bietet Architektur, um mit der zunehmenden Enge umzugehen?</strong><br />
Wir haben aktuell einige Projekte, wo es um Aufstockung und Nachverdichtung geht und wir uns Gedanken machen müssen, wie wir mit wenig Grundstück trotzdem eine gute Wohn- und Lebensqualität erzeugen können.</p>
<p><strong>Wie werden sich die Städte in Zukunft weiterentwickeln?</strong><br />
Bestenfalls mit weniger Individualverkehr. Wir sehen außerdem, dass der Abriss immer mehr an Beliebtheit gewinnt. Wir müssen unseren Bestand, wo möglich, weiterentwickeln und zukunftstauglich machen. Hier spielt auch die Klärung des ruhenden Verkehrs eine entscheidende strategische Rolle. Wir können uns außerdem vorstellen, dass immer mehr Dachlagen nachverdichtet werden und wir uns horizontale Grünflächen erstreiten müssen. Darüber hinaus müssen wir mehr gemeinschaftliche Nutzungseinheiten etablieren, die wirklich Qualität haben, um wieder mit einem kleineren Fußabdruck pro Kopf arbeiten zu können. Wünschenswert wäre, dass perspektivisch das Steuersystem so angepasst wird, dass Eigentum im Sinne der Eigennutzung gefördert wird, denn es ist wichtig, dass Menschen sich mehr mit ihrer Umwelt identifizieren. Einzelne sollte nicht nur für sich denken, sondern sich viel mehr in Gruppen zusammenfinden und in Form von Baugemeinschaften oder Genossenschaften die Stadtentwicklung aktiv mitgestalten. Anderenfalls geben wir Gestaltungsmöglichkeiten innerhalb der eigenen Stadt vollkommen aus der Hand. In unseren Augen ist es notwendig, dass Menschen sich Ort und Raum aneignen können.</p>
<p><strong>Stephan Truby spricht vom „Einigeln in Architekturkonservatismus“, den er derzeitig in Deutschland wahrnimmt. Das birgt für ihn auch die ästhetische Regression in Richtung des Vertrauten und der Rekonstruktion. Wie sehen Sie das?</strong><br />
Wir halten es eher damit, etwas Neues zu entwickeln, das dann die Chance hat, auch irgendwann Tradition und Geschichte zu sein. Dass Altes durch Neues ersetzt wird, ist im Grunde ein fortwährendes Thema, das es in der Geschichte immer schon gegeben hat. Dennoch ist Rekonstruktion, bei der man mit dem Grad der Rekonstruktion frei arbeiten kann, eine spannende Aufgabe. Wenn der Städtebau heute genauso angemessen ist wie damals, kann man den Ort wiederherstellen. Ihm aber dann eins zu eins das alte Gesicht aufzusetzen, finden wir befremdlich. Zum Thema Stadtentwicklung gibt es in Tübingen übrigens ein spannendes Beispiel: Der alte Baudezernent sagte damals, als es darum ging, die Konversionsfläche der französischen Truppen zu entwickeln: „Wir machen jetzt Spielregeln. Wir teilen diese Fläche in Blocks von fünfzig mal fünfzig Meter ein und schaffen damit heterogene Eigentumsverhältnisse.“ Pro Block sollten es mindestens sechs Eigentümer sein. Die Politik schlug damals die Hände über dem Kopf zusammen. Und tatsächlich kamen dann 32 private Bauwillige; brachten einen ordentlichen Haufen Geld zusammen, kauften einen Block und entwickelten ihn. Und so ist es dann immer weitergegangen. Natürlich ist das nicht das Allheilmittel, aber es ist sinnvoll, den Menschen eine Möglichkeit einzuräumen, sich an der Stadtentwicklung zu beteiligen und so einen Anteilspluralismus innerhalb einer Stadt aufzubauen.</p>
<p><strong>Besteht durch die Digitalisierung die Gefahr der Begrenzung der Kreativität und Innovation in der Architektur? Oder bietet sie eine Chance, sich neu zu positionieren?</strong><br />
Es ist schwierig, das jetzt schon zu beurteilen. Wir stehen im Moment an einem Punkt, den wir in zwanzig bis dreißig Jahren noch einmal neu bewerten müssen. Wir befinden uns im Prinzip gerade in einer großen Testphase und stehen vor der Entscheidung: Entweder man zieht sich zurück und findet das alles fies und böse oder man guckt, dass man mitgestaltet, indem man die Hersteller und Softwareentwickler mit einbezieht. Wir sind nicht der Meinung, dass der Entwurf sich durch die Digitalisierung verändern wird. Wenn man das Bewusstsein prägt, wie damit richtig umzugehen ist, ist das Ganze ein Hilfsmittel, das das Prozesse wahnsinnig beschleunigen kann. Die Digitalisierung selbst ist nicht das Ziel. Sie ist ein Werkzeug.</p>
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<p><strong>Philosophie</strong><br />
Das Bauen findet vorrangig in verdichteten Ballungsräumen statt. Die damit verbundenen Bauaufgaben lassen sich nur schwer mit den am Ort wachsenden Rohstoffen darstellen. Hierzu braucht es aus unserer Sicht Lösungsansätze, welche die gesellschaftlichen Bedarfe in Einklang mit der zunehmenden Ressourcenknappheit bringen.</p>
<p>Thematischer Antrieb all unserer Arbeiten ist der ressourcenschonende und für die jeweilige Bauaufgabe angemessene Umgang mit Material an sich.</p>
<p>Mit dieser Grundhaltung suchen wir nach modularen Gebäudestrukturen und Ordnungsprinzipien, die zunächst einmal darauf angelegt sind, funktionalen Wandel räumlich und baulich zu ermöglichen. Als treibende Kraft für die vorgesehene Nutzung, wie auch den möglichen Nutzungswandel, sehen wir den Menschen, der sich die Gebäudestruktur zu eigen macht.</p>
<p>Gestalt ist, unserer Auffassung nach, die logische Folge aus Struktur und Ordnungsprinzip und bedarf aus unserer Grundhaltung heraus keinerlei Verkleidung.</p>
<p>Die Bauteilfügung, das Detail und die daraus entstehende Struktur erfüllt zum einen den Zweck der Rückbaubarkeit im Rahmen eines übergeordneten Nachhaltigkeitskonzeptes und kann zum anderen als Schmuck, Verzierung oder Ornament begriffen werden.</p>
<p>Bevorzugt setzen wir Materialien ein, deren Rohstoffe nachwachsend oder in Ihrer Reinform gut rezyklierbar und bei richtigem, baukonstruktivem Einsatz, dauerhaft sind.</p>
<p>Unser Augenmerk auf einfachen Bauweisen führt uns dazu, geltende bauliche Standards, beispielsweise im Schallschutz oder winterlichem und sommerlichem Wärmeschutz zu hinterfragen und der inhaltlich meist komplexen, technisch aufwendigen Praxis baulich einfache Lösungen entgegenzusetzen. Diese Haltung betrifft insbesondere den Einsatz von haustechnischen Anlagen, die wir in sinnvoller Ergänzung zu primär konstruktiv gedachten Lösungsansätzen sehen.</p>
<p>Exemplarisch ist diese Haltung am Haus „D6“ nachzuvollziehen. Die konstruktive Stahlskelettstruktur bildet ein wandelbares Ordnungsprinzip, das weit auskragende Dach sorgt für den baulichen Sonnenschutz, kühlt dank der Hinterlüftung schnell aus und nutzt im Winter die Energie der tiefstehenden Sonne über die passive Speichermasse des Estrichs.</p>
<p>Im Ansatz modularer und vorgefertigter Bauweisen sehen wir keine Sackgasse, sondern Potentiale, den städtischen Raum mit funktional wandelbaren Gebäudestrukturen weiterzudenken.</div></div><a id='bg-showmore-action-69e381d883e542079959554' class='bg-showmore-plg-link bg-arrow ait_read-more'  style=" color:inherit;;" href='#'>weiterlesen</a></p>
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<p><strong>Über Aretz Dürr Architektur </strong><br />
<strong>Sven Aretz</strong> Architekt BDA (*1988) Studium der Architektur RWTH Aachen. 2016 Abschluss M.Sc. Architektur mit Auszeichnung RWTH Aachen. Mitarbeit in Architekturbüros, Schreinerei und Metallbau in Stuttgart, Krefeld und Köln. Seit 2016 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Baukonstruktion RWTH Aachen und freie Tätigkeit als Architekt.</p>
<p>2019 Gründung des Architekturbüros Aretz Dürr Architektur in Köln.<br />
2020 Berufung in den Bund Deutscher Architekten, BDA.</p>
<p><strong>Jakob Du?rr</strong> Architekt BDA (*1980) Studium der Architektur RWTH Aachen und ENSAPVS Paris. 2008 Abschluss Diplom RWTH Aachen. Mitarbeit in Architekturbüros in Stuttgart, Paris und Köln. 2011 Gründung des Architekturbüros Jakob Dürr Architekten. 2016-18 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Baukonstruktion RWTH Aachen. Seit 2018 Lehrbeauftragter am Lehrstuhl Baukonstruktion RWTH Aachen.</p>
<p>2019 Gründung des Architekturbüros Aretz Dürr Architektur in Köln.<br />
2020 Berufung in den Bund Deutscher Architekten, BDA.</p>
<p><a href="https://www.aretzduerr.de/">Aretz Dürr Architektur</a></p>
<p>Lesen Sie mehr aus der Reihe <strong>Upcoming Architects Facing New Conditions</strong> auf der Seite der <a href="https://www.grohe-x.com/de-de/architekturwelt/grohe-digital-talks">GROHE Digital Talks</a></p>
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		<title>Upcoming Architects Facing New Conditions – Interview mit Sebastian Kofink &#038; Simon Jüttner, Kofink Schels Architekten</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/upcoming-architects-facing-new-conditions-interview-mit-sebastian-kofink-simon-juettner-kofink-schels-architekten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Juliane Lorenz-Elliot]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Mar 2022 10:17:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ait-xia-dialog.de/?post_type=ait-dialog-blog&#038;p=382082</guid>

					<description><![CDATA[„Auf der einen Seite steht die Tatsache, dass wir wirklich große klimatische und gesellschaftliche Herausforderungen meistern müssen und auf der anderen Seite eine Überregulierung, die eine kreative, schnelle und ernsthafte Reaktion auf diese Herausforderungen unterminiert. Sich hier für neue Rahmenbedingungen einzusetzen, ist ganz wichtig. Darin liegt eine Verantwortung unserer Disziplin – und eine Chance, dieser wieder mehr Relevanz zu verschaffen.“  Sebastian Kofink &#038; Simon Jüttner]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/03/Kofink_Portrait.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Sebastian Kofink &amp; Simon Jüttner, Kofink Schels Architekten" data-rel="lightbox-gallery-12"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/03/Kofink_Portrait.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/03/Kofink_BKS_04.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Wählvermittlungsstelle, Bad Hindelang | Kofink Schels Architekten | Foto: Simon Jüttner" data-rel="lightbox-gallery-12"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/03/Kofink_BKS_04.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/03/Kofink_BKS_03.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Kofink Schels Architekten: Wählvermittlungsstelle, Bad Hindelang (Foto: Simon Jüttner)" data-rel="lightbox-gallery-12"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/03/Kofink_BKS_03.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/03/Kofink_BKS_01.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Kofink Schels Architekten: T.I.A.-House 1, Almería, Spanien (Foto: Simon Jüttner)" data-rel="lightbox-gallery-12"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/03/Kofink_BKS_01.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
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<div class="omsc-one-half omsc-last">
<p><strong>Upcoming Architects</strong> nehmen Stellung, wie sie den Herausforderungen des globalen Wandels begegnen und wie sie ihre Position als Ideengeber, Neuschöpfer und Qualitätssetzer behaupten. Lesen Sie dazu hier das Gespräch mit Interview mit Sebastian Kofink &amp; Simon Jüttner, Kofink Schels Architekten.</p>
<p>„<em>Auf der einen Seite steht die Tatsache, dass wir wirklich große klimatische und gesellschaftliche Herausforderungen meistern müssen und auf der anderen Seite eine Überregulierung, die eine kreative, schnelle und ernsthafte Reaktion auf diese Herausforderungen unterminiert. Sich hier für neue Rahmenbedingungen einzusetzen, ist ganz wichtig. Darin liegt eine Verantwortung unserer Disziplin – und eine Chance, dieser wieder mehr Relevanz zu verschaffen.“  </em>Sebastian Kofink &amp; Simon Jüttner</p>
<p><strong>GROHE: Wie kam es 2014 zu der Bürogründung von Kofink Schels?</strong><br />
<strong>Kofink:</strong> Nach dem Studium hatte ich, zusammen mit meinem vorherigen Professor Martin Bühler, ein Projekt in Zürich realisiert, das ich fotografieren lassen wollte – ein befreundeter Kollege stellte mir Simon Schels vor. Wir sind dann zusammen nach Zürich gefahren, haben ein Wochenende im besagten Haus verbracht und uns kennengelernt, viel über Architektur und das Leben gesprochen und fanden, dass wir viele Parallelen haben und versuchen sollten, zusammenzuarbeiten.</p>
<p><strong>Jüttner:</strong> Wir haben dann gemeinsam an eineminternationalen Ideenwettbewerb teilgenommen, für den wir einen Büronamen brauchten – so entstand Büro Kofink Schels, obwohl wir damals noch gar nicht die Absicht hatten, ein gemeinsames Büro zu gründen.</p>
<p><strong>Wofür steht Ihre Architektur?</strong><br />
<strong>Kofink u. S. Jüttner:</strong> Zu Beginn hatten wir kleine Projekte, die unter nahezu prekären Umständen und hohem finanziellen Druck entstanden sind. Das Finden von einfachen Lösungen und das Hinterfragen von Baustandards war dabei zentral. Wir nennen das gerne Poetischen Pragmatismus. Diesen versuchen wir jetzt auch auf einen größeren Maßstab zu übertragen und schauen, wie dieser in einem öffentlichen Auftragsverhältnis möglich sein kann. Im Grunde sind wir gerade in einer Phase, in der wir versuchen, genau diese Themen für uns zu definieren und zu verfeinern. Aus dem Verzicht, der uns in unseren ersten Projekten als Zwang auferlegt war, wurde eine Haltung. Wir haben festgestellt, dass man vieles gar nicht braucht. Da geht es um Materialstandards, Gebäudetechnisierung und auch stilistische Fragestellungen. Wir glauben mit einem großen ökologischen Bewusstsein zu arbeiten. Außerdem sind wir Verfechter einer Low-Tech-Architektur. Wir selbst benutzen etwa den Begriff ‚Smart Home‘, um Gebäude zu beschreiben, die deshalb schlau sind, weil sie einfach keine Technik brauchen.</p>
<p><strong>Worin sehen Sie Ihre Verantwortung als Architekt?</strong><br />
Man hat als Architekt*in diverse Verantwortungen gegenüber den unterschiedlichsten Akteuren. Aber die Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft ist die, die uns am zentralsten erscheint. Es wird einem sehr leicht gemacht, diese Verantwortung nicht ernst zu nehmen – auf der einen Seite bedingt durch starre Regularien und auf der anderen Seite durch ein, unserer Meinung nach, verzerrtes Bild davon, was eine gelungene Architektur ausmacht. In einem Planungs- und Bauprozess existieren auf verschiedenen Ebenen unterschiedlichste Zwänge – häufig lassen es die Rahmenbedingungen gar nicht zu der Verantwortung konsequent gerecht zu werden. Wir streben trotzdem danach möglichst verantwortungsvoll zu bauen und glauben, dass wir als Architekten auch versuchen müssen Rahmenbedingungen mitzugestalten und in der Öffentlichkeit auf Missstände aufmerksam zu machen.</p>
<p><div class="bg-margin-for-link"><input type='hidden' bg_collapse_expand='69e381d88d0e03021201724' value='69e381d88d0e03021201724'><input type='hidden' id='bg-show-more-text-69e381d88d0e03021201724' value='weiterlesen'><input type='hidden' id='bg-show-less-text-69e381d88d0e03021201724' value='Weniger'><div id='bg-showmore-hidden-69e381d88d0e03021201724' ></p>
<p><strong>Finden Sie, dass Sie bezüglich des Themas Nachhaltigkeit anders denken und handeln als die Architektengeneration vor Ihnen? Was ist für Sie nachhaltige Architektur?</strong><br />
Nachhaltigkeit hat in der Architektur schon immer eine Rolle gespielt. Es gibt viele Kolleg*innen aus der Generation vor uns, die sich damit intensiv auseinandergesetzt haben. Seit geraumer Zeit hat das Thema allerdings an Dringlichkeit gewonnen. Man muss nur aufpassen, dass Nachhaltigkeit nicht zur Modeerscheinung verkommt. Wirklich nachhaltig zu entwerfen und zu bauen, das ist eine ziemlich komplexe Geschichte. Eine Frage, die da mit drinsteckt, ist jene nach den Rahmenbedingungen: Existiert das Gute im Schlechten? Kann ich einen Bebauungsplan, wo die städtebauliche Entwicklung falsch läuft und viele Ressourcen verschwendet werden, ausgleichen, indem ich ein super-ökologisches Einfamilienhaus baue? Sollte ich einfach sagen: „Na ja, mein Rahmen ist nun mal dieser Bebauungsplan und da mache ich jetzt das Beste daraus“? Wir sollten den Anspruch haben, gesamtgesellschaftlich zu denken: „Wir müssen nachhaltigere Architektur machen – vom Städtebau bis ins kleinste Detail, bis zur Wiederverwendung der Türklinke.“ Wir glauben, es gibt viele Aspekte der Nachhaltigkeit, die schwer zu quantifizieren sind. Im Endeffekt geht es um eine Effizienz im Einsatz von Mitteln, darum, welche Rohstoffe ich ein- und welche Schadstoffe freisetzte. Zentral für eine Bewertung ist die Frage nach der Lebensdauer und der sozialen Komponente. Möglicherweise darf ein Gebäude, das der Gesellschaft im Allgemeinen dient und da einfach große Dienste leistet, ein bisschen unsauberer sein als ein Einfamilienhaus, das den Hedonismus eines Einzelnen befriedigt. Bei dem Begriff der Nachhaltigkeit müsste grundsätzlich viel stärker der gesellschaftliche Aspekt in den Fokus rücken, um letztlich die Frage zu verhandeln: „Wie wollen wir leben? Was brauchen wir überhaupt dazu als Gesellschaft?“</p>
<p><strong>Was sind Ihrer Meinung nach als Architekt derzeit die größten Herausforderungen?</strong><br />
Was uns tatsächlich viel beschäftigt und wo wir überlegen, wie wir damit umgehen, ist die enorme Fülle an Normen und Regularien, die im Grunde viel dazu beitragen, wie Architektur am Ende umgesetzt wird. Auf der einen Seite steht die Tatsache, dass wir wirklich große klimatische und gesellschaftliche Herausforderungen meistern müssen und auf der anderen Seite eine Überregulierung, die eine kreative, schnelle und ernsthafte Reaktion auf diese Herausforderungen unterminiert. Sich hier für neue Rahmenbedingungen einzusetzen, ist ganz wichtig. Darin liegt eine Verantwortung unserer Disziplin – und eine Chance, dieser wieder mehr Relevanz zu verschaffen. Wir glauben, dass sich die Architektur in den letzten Dekaden – teilweise selbst verschuldet – in der Gesellschaft entmündigt hat. Man hat gewisse Fragestellungen gesellschaftlicher und ökologischer Natur hintenangestellt und damit für die breite Masse wenig Antworten parat. Viele fühlten sich nicht angesprochen von einer Architektenwelt, die ihre ‚Star-Architekten‘ zu pushen scheint. Dieser Begriff ‚Star-Architekt‘ war in den letzten zwanzig Jahren ein Begriff, den die breite Bevölkerung mit Architektur verbunden hat. Wenn sich auf dem Land also jemand ein Architektenhaus leistet, dann gilt er als bescheuert, weil er Geld für etwas ausgibt, das er überhaupt nicht braucht. Er will eigentlich nur angeben – wie mit einem dicken Auto. Und die Leute haben teilweise auch recht. Viele Architekten arbeiten ja noch immer so.</p>
<p><strong>Was fehlt Ihnen an der zeitgenössischen deutschen Architektur?</strong><br />
Die Potenziale, die die junge deutsche Architekt*innenschaft mitbringt, sind groß. Was fehlt, das ist mehr Spielraum dieses Potential einbringen zu können – auf Seiten der Gesetze und Normen genauso wie bei den Vergabeverfahren. Aber auch ganz allgemein innerhalb der Gesellschaft, in der für die Wertschätzung für architektonische Gestaltung, ja für deren Notwendigkeit ein größeres Bewusstsein erreicht werden muss. Anderen Kulturzweigen wie der Musik und der Kunst ergeht es ähnlich, ihnen bringt man oftmals auch wenig Verständnis entgegen.</p>
<p>Wir glauben allerdings nicht, dass man ein Umdenken nur mit einer Architektur-Bildung schaffen kann. Auch auf der politischen Ebene gibt es durchaus Instrumente, um die Baukultur effektiv zu fördern. Flandern wird gerne als Beispiel genannt. Hier wurde die Stelle eines Regierungsbaumeister geschaffen, der unter anderem niederschwellige Wettbewerbsverfahren etablierte, um jungen Architekten Zugang zu Aufträgen der öffentlichen Hand zu erleichtern. Das hat sich schnell positiv auf die Baukultur ausgewirkt. Vielleicht ist so etwas in einem kleinen Land einfacher, wo der Druck der Industrie nicht so groß zu sein scheint wie in Deutschland. Trotzdem sind wir überzeugt, auch bei uns wäre da sehr viel mehr möglich.<br />
<strong><br />
Sie haben in Bezug auf unsere Baukultur drei Wünsche frei. Wie würden diese lauten?</strong><br />
Wir haben natürlich Wünsche, aber es klingt dann schnell so, als würde man jetzt von der Gesellschaft Geschenke erwarten oder als seien die Anderen schuld, dass die Baukultur am Boden liegt. Aber um die Frage zu beantworten: Wir würden uns wünschen, wieder etwas einfacher denken zu dürfen. Man sollte den Architekt*innen die Möglichkeit geben, gewisse Dinge ohne Vorgaben zu entscheiden, gerade bei diesen ganzen Wohnungsbau-Wettbewerben. Wir fragen uns etwa immer, was z.B. diese strikten Wohnungsschlüssel auf der Gebäudeebene sollen. Warum kann ich nicht einfach ein gutes Wohnhaus entwerfen und dann entscheidet der Wettbewerb, ob man das passend findet; immer von Anfang an das Potenzial stark einzuschränken, ist, glauben wir, ein großes Problem. Und wir würden uns ein wenig mehr Zeit wünschen. Wir finden es dramatisch, wie schnell Projekte teilweise entwickelt werden sollen. Wenn wir uns an unsere ersten Projekte erinnern, gab es das nicht. Wir würden uns wünschen, dass man einfach wieder Zeit hat, um im Planungsteam über die Dinge tiefer nachzudenken. Es ist schon witzig, dass die Architektur diesen Geschwindigkeitswahn mitmachen muss. Dabei könnte sie auch als Gegenpol dazu wirken, wenn sie eben nicht nur für dreißig, zwanzig, zehn Jahre geplant und gebaut wird, sondern wieder wie eine Kirche für mehrere hundert Jahre. Im Kontakt mit einer Dame vom Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat, sagte diese kürzlich: „Ja, jetzt haben wir die Regeln. Bis eine Gesetzesänderung durch wäre, dauert es Jahre. (&#8230;) eigentlich muss man jetzt in zivilem Ungehorsam dagegen arbeiten.“ Und auch die Stadtbaurätin Münchens, Frau Elisabeth Merk, hat in einem Symposium sinngemäß gesagt: „Wir brauchen nur ein Drittel der DIN-Normen. Dreißig Prozent sind schädlich, dreißig Prozent sind überflüssig und nur dreißig Prozent sind sinnvoll.“ Das ist schon wirklich bezeichnend für die Situation, in der wir uns befinden. Natürlich könnten wir Architekten versuchen, auf die Vorgaben zu pfeifen. Am Ende, wenn es schiefgeht, haben wir aber die Probleme am Hals. Unserer Meinung nach ist es jetzt dringend nötig, dass die Politik reagiert. Dass sie versteht, was hier die Probleme sind.</p>
<p><strong>Was muss nachhaltiger Wohnraum für Sie leisten? Haben Sie dazu eine passende Referenz?</strong><br />
Zunächst müssen in einem guten Wohnraum unterschiedlichste Leute gesund leben können. Es braucht grundlegende Dinge wie Licht, Luft, Sonne und der Raum sollte eine gewisse Robustheit aufweisen und sich an wechselnde Bedürfnisse anpassen können. Wir glauben zudem, ein Aspekt von guten Räumen ist, dass ihre Qualität das Selbstwertgefühl des Einzelnen unterstreicht. Schlechte Räume machen den Menschen klein – gute Räume hingegen lassen ihn sich selbst und seine Wirkmächtigkeit in positiver Weise erfahren. Das kling erstmal abstrakt, eine spezielle Referenz braucht man da aber eigentlich nicht. Man kann sich einfach einen guten Altbau in einem gewachsenen Viertel anschauen. Der hat genau diese Möglichkeiten. Altbauwohnungen werden heute als Arztpraxis oder als Anwaltskanzlei genutzt, und später wohnt vielleicht wieder eine große Familie dort, oder sie beherbergt eine Senioren-WG. Zweifellos gibt es gute zeitgenössische Wohnungsbauten, aber ich würde sagen, viele wirklich gut funktionierenden Beispiele finden sich im Altbestand. </div></div><a id='bg-showmore-action-69e381d88d0e03021201724' class='bg-showmore-plg-link bg-arrow ait_read-more'  style=" color:inherit;;" href='#'>weiterlesen</a></p>
<p><strong>Positionierung &amp; Philosophie</strong><br />
Aus einer Serie von ersten kleinen Projekten, die ohne einen hohen Grad an Eigeninitiative und handwerklicher Mitwirkung nicht zustande gekommen wären, entwickelte das Büro unter dem Leitgedanken des „Poetischen Pragmatismus“ eine Haltung, die von Beginn an soziale, ökologische und ökonomische Angemessenheit gleichermaßen als Grundlagen einer nachhaltigen Architektur versteht.</p>
<p><strong>Über Simon Jüttner &amp; Sebastian Kofink</strong><br />
<strong>Simon Jüttner *1982 als Simon Schels: </strong>Studium Architektur und Stadtplanung an der TU München. Seit seinem Abschluss selbstständig tätig als Architekt und Fotograf. Gründungsmitglied des Fotokollektivs PK Odessa Co. 2014 Gründung Buero Kofink Schels. 2015 bis 2018 Gastdozent an der Akademie der Bildenden Künste in München und 2020/21 Lehrauftrag an der Hochschule Stuttgart. Seit 2021 Lehrauftrag an der Hochschule München. 2016 Förderpreis für Architektur der Landeshauptstadt München. 2020 Stipendiat der deutschen Akademie in Rom <em>Villa Massimo</em>.</p>
<p><strong>Sebastian Kofink *1984: </strong>Ausbildung zum Zimmermann, Studium Innenarchitektur und Architektur in Rosenheim, Prag und Liechtenstein. Arbeitete für Carsten Nicolai und Roger Bundschuh in Berlin, Martin Bühler in Zürich, Finsterwalderarchitekten in Rom und Regional Associates in Uganda. 2012 bis 2014 assistent  am Lehrstuhl für Entwerfen und Gestalten und von 2015 bis 2021 am Lehrstuhl für Entwerfen und Konstruieren an der TU München. Seit 2021 Dozent an der Hochschule München. 2014 Gründung Buero Kofink Schels. 2016 Förderpreis für Architektur der Landeshauptstadt München.</p>
<p><a href="http://www.kofinkschels.de/">kofinkschels.de</a></p>
<p>Lesen Sie mehr aus der Reihe <strong>Upcoming Architects Facing New Conditions</strong> auf der Seite der <a href="https://www.grohe-x.com/de-de/architekturwelt/grohe-digital-talks">GROHE Digital Talks</a></p>
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		<title>Upcoming Architects Facing New Conditions – Interview mit Christian Olufemi und Jörg Moser, Olufemi Moser Architekten</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/upcoming-architects-facing-new-conditions-interview-mit-christian-olufemi-und-joerg-moser-olufemi-moser-architekten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Juliane Lorenz-Elliot]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Jan 2022 09:00:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
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					<description><![CDATA[„Für die Umgebung ist Architektur immer ein Geben und Nehmen, da sich die Identität des Ortes mit jedem Strich verändert. Die Anforderungen an ein Gebäude müssen mit dem kulturellen Kontext im Einklang stehen. Hier zählt nicht nur das Bauwerk selbst, sondern ebenfalls der Einfluss auf das urbane Umfeld. Die Kubatur eines Gebäudes schafft immer ein Innen- und Aussenraum der mit einbezogen werden muss. Die Gestaltung und Materialiät des Gebäudes setzt dann einen entwerferischen Schwerpunkt, der sich trotz aller künstlerischen Freiheiten im Detail mit den gesetzlichen Vorgaben der Bauordnung vereinbaren lassen muss. Am Modell lassen sich das Volumen und die Proportionen am Besten erarbeiten. Die Zeichenarbeiten, sowie Skizzen und grafische Darstellungen dokumentieren den Werdegang eines Projektes und erläutern den Arbeitsprozess visuell.“ 
Christian Olufemi und Jörg Moser]]></description>
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/01/Olufemi_Portrait.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Christian Olufemi und Jörg Moser" data-rel="lightbox-gallery-13"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/01/Olufemi_Portrait.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/01/Olufemi_Kindergarten-Feldkirchen-Westerham.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Kindergarten St. Laurentius, Feldkirchen-Westerham (Foto: Andreas Hoernisch)" data-rel="lightbox-gallery-13"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/01/Olufemi_Kindergarten-Feldkirchen-Westerham.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/01/Olufemi_Kita-Strassaecker-scaled.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Kita und Wohnhaus, Garching (Foto: Andreas Hoernisch)" data-rel="lightbox-gallery-13"><img decoding="async" width="2560" height="1707" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/01/Olufemi_Kita-Strassaecker-scaled.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/01/Olufemi_Kita-Strassaecker-scaled.jpg 2560w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/01/Olufemi_Kita-Strassaecker-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/01/Olufemi_Kita-Strassaecker-768x512.jpg 768w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/01/Olufemi_Kita-Strassaecker-1536x1024.jpg 1536w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/01/Olufemi_Kita-Strassaecker-2048x1366.jpg 2048w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/01/Olufemi_Kita-Strassaecker-1320x880.jpg 1320w" sizes="(max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/01/Olufemi_Renaissance-Hotel-Wien.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Renaissance Hotel, Wien (Foto: David Bohmann)" data-rel="lightbox-gallery-13"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/01/Olufemi_Renaissance-Hotel-Wien.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
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<p><strong>Upcoming Architects</strong> nehmen Stellung, wie sie den Herausforderungen des globalen Wandels begegnen und wie sie ihre Position als Ideengeber, Neuschöpfer und Qualitätssetzer behaupten. Lesen Sie dazu hier das Gespräch mit Christian Olufemi und Jörg Moser von Olufemi Moser Architekten.</p>
<p>„<em>Wir bräuchten ein breiteres kulturelles Bewusstsein für die Bedeutung von Architektur, von Stadt, von Haus und von Wohnung. Wir haben viel zu viel Baugeschehen und viel zu wenig Baukultur. Der Markt ist an einer schnellen Entwicklung orientiert, weil er nach schnellem Profit strebt. Eine Baukultur fordert etwas anderes</em>.“  Christian Olufemi und Jörg Moser</p>
<p><strong>GROHE: Sie leiten als Architekten ab heute das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat. Was würden Sie tun?</strong><br />
<strong>Christian Olufemi und Jörg Moser:</strong> Wir würden uns gar nicht in die Rolle des Politikers begeben wollen. Die Frage ist doch viel eher, wie wollen wir als Architekt*innen die Baukultur beeinflussen? Wenn wir jetzt den Begriff des Heimatministeriums nehmen: Wie gehen wir mit gewachsenen kulturellen Strukturen um? Grundsätzlich würden wir durchsetzen wollen, dass nicht noch mehr Fläche versiegelt wird, sondern die bereits zugebauten Flächen verdichtet werden. Das nächste wichtige Thema ist die Infrastruktur. Wie ist eine zukünftige Infrastruktur in Hinsicht auf Mobilität und Energieversorgung aufgebaut? Wir denken in Deutschland immer noch in einer Flächenentwicklung, also dass quasi jedes Dorf an allen Möglichkeiten unserer Gesellschaft teilnimmt – was aber de Facto nicht der Fall ist. Die Idee heute ist, auch für den kleinsten Ort eine Autoabfahrt und einen High-End-Internetzugang zu bekommen. Vielmehr sollten wir damit umgehen, dass wir nicht an jedem Ort, an dem wir uns befinden, immer die gleichen, vergleichbaren Möglichkeiten haben.</p>
<p><strong>Mit welchen Bauaufgaben und Themen befassen Sie sich bei Ihrer Arbeit im Schwerpunkt?</strong><br />
Wir beschäftigen uns mit öffentlichen Bauten, Kindergärten und Gemeindezentren, sowohl für die Kirche als auch für kommunale Träger. Des Weiteren sind wir im Wohnungsbau und im Hotelbau tätig. Unser Spektrum ist also breit und geht von der Architektur über die Innenarchitektur bis ins Produktdesign und in die Sanierung denkmalgeschützter Kirchen. Investoren, im Besonderen beim Hotelbau, sehen Gebäude häufig als Produkt, das an verschiedenen Orten umgesetzt, trotzdem als Marke funktioniert. Hier ist es wichtig, dass sich das geforderte Qualitätsniveau in der Gestaltung und Nutzung reproduzieren lässt. Wohingegen die Zusammenarbeit mit sozialen Trägern eher ein demokratischer Prozess ist, bei dem man sich mit unterschiedlichsten Meinungen konfrontiert sieht. Häufig haben wir es hier mit Gruppen von acht bis neun ganz unterschiedlichen Menschen zu tun, die letztendlich gar nichts mit Bauen zu tun haben – da ist der Prozess einfach anders. Man nimmt die Position eines Mittlers ein und muss alle Themen jonglieren, um am Ende zu einer konsistenten Architektur zu kommen. Eine unserer Stärken dabei ist empathisch zu sein, den anderen zu sehen; ihm das Gefühl zu geben, man versteht ihn, man holt ihn ab und man integriert ihn in den Prozess. Das gelingt, weil wir nicht mit einem vorgefertigten Bild auf die Aufgaben und die Menschen zugehen. Wir stellen lediglich unsere Fähigkeiten als Architekten zur Verfügung. Das lässt manchmal das Ikonenhafte an unserer Architektur vermissen. Dafür arbeiten wir an vielschichtig gedachter Architektur.</p>
<p>Was uns bei unserer Arbeit zusätzlich beschäftigt, ist der Begriff des Produktes in der Architektur. Wenn wir uns zum Beispiel für einen Kindergarten bewerben, gibt es inzwischen bestimmte Bilder, die bauherrenseits gesucht werden und die sich dann immer wiederholen. Der Unterschied zwischen den Architekturbüros ist oft gar nicht mehr so groß, weil eben alle ein ähnliches Produkt anbieten. Hier führt somit der Produktbegriff zu weniger individueller Lösung und damit zu einem Verlust an Reichhaltigkeit in den räumlichen Lösungen und in der Gestalt. Auf der anderen Seite kann die Suche nach einem Produkt auch den Gestaltungsprozess und unser Aufgabenfeld als Architekten bereichern, weil er nicht bei einzelnen Aspekten der Architektur aufhört, sondern weil er die Gesamtheit des sozialen Raumes umfasst. Für die Erarbeitung einer Architekturidee arbeiten viele Investoren nicht mehr mit Architekten, sondern mit einer Werbeagentur zusammen. Um diesen Markt zu bedienen, müssen wir wieder viel früher in die Entwicklung eines Projekts einsteigen. Wir als Architekten erfassen all diese Dinge oft gar nicht mehr und werden in der Folge zu Dienstleistern gemacht, die das Teil nur noch bauen, aber nicht mehr die Idee dazu liefern dürfen. Wir als Architekten sind hier aufgefordert, unsere Rolle in einem solchen Projektentwicklungsprozess wieder stärker wahrzunehmen und Inhalte in diesen Prozess zu tragen, für den wir diesen Beruf ergriffen haben, jedes Bauwerk als einen sozialen Raum zu begreifen, der gut gestaltet zum Gefäß unsers Lebens werden kann. Wir denken, die Trennung von Architektur, Innenarchitektur und Design, die jeder als selbstverständlich hinnimmt, verhindert eine ganzheitliche Betrachtungsweise, die wir versuchen, für uns wieder zusammenzubringen.</p>
<p><div class="bg-margin-for-link"><input type='hidden' bg_collapse_expand='69e381d8961be0051579431' value='69e381d8961be0051579431'><input type='hidden' id='bg-show-more-text-69e381d8961be0051579431' value='weiterlesen'><input type='hidden' id='bg-show-less-text-69e381d8961be0051579431' value='Weniger'><div id='bg-showmore-hidden-69e381d8961be0051579431' ></p>
<p><strong>Das Thema unserer Interview-Reihe lautet:</strong> <strong>„Upcoming Architects Facing New Conditions“. Welche neuen Herausforderungen nehmen Sie wahr?</strong><br />
Es ist normal, dass sich die Bedingungen für unsere Arbeit permanent verändern. Das ist ein Aspekt, der unsere Arbeit spannend macht. Aktuell werden, vor allem in der Architektur, alte Modelle verfolgt, die momentan ihre Zuspitzung finden. Diese Rekonstruktionsbemühungen einer längst verlorenen Architektursprache bedienen sich alter überkommener Bilder und Ideen, um sich selbst ein Wert zuzuschreiben, den sie offensichtlich verloren haben. In einer Phase der Erneuerung befinden wir uns also noch nicht. Alles steckt noch im Greenwashing: „Ich habe ein Auto, das statt acht nur noch sechs Liter braucht. Ich fliege in den Urlaub, aber nicht mehr nach Thailand, sondern nach Mallorca.“ Derzeit gibt es keinen abschließenden Veränderungsdruck und deswegen haben wir nicht das Gefühl, dass wir vor der akuten Herausforderung stehen, jetzt alles neu denken zu müssen – auch wenn der Eindruck entsteht, dass man genau das machen sollte. Wir glauben, dass die Gesellschaft gerade wieder anfängt, sich stärker als Gemeinschaft zu sehen und begreift, dass sie nur als Gemeinschaft den Herausforderungen gewachsen ist. Wir glauben, dass man mit einer zu starken Individualisierung in der Gesellschaft die auf uns zukommenden Aufgaben nicht bewältigen kann. Das ist eine neue Entwicklung, die auch in die Architektur eingreifen wird. Es gilt das Miteinander wieder stärker zu thematisieren und Räume zu entwickeln, die die Gemeinschaft fördern, anstatt Bilder zu erzeugen, die eine längst überkommene gesellschaftliche Idee verkörpern.</p>
<p><strong>Wie wird sich das Berufsbild der Architekt*in auch in Bezug auf deren soziale Verantwortung wandeln?</strong><br />
Wir haben im Moment eher das Gefühl, zumindest in Deutschland, dass die Architektenschaft in den letzten Jahren immer schwächer wurde. Die Position der Architekt*innen wurde immer mehr fragmentiert. Es gibt Spezialisten für jeden einzelnen Bereich und jede einzelne Aufgabe. Der Architekt oder die Architektin, die mit anderen etwas entstehen lässt, gibt es nicht mehr, sondern nur noch aufgesplitterte Dienstleister. Wir denken, dass die Architekt*innen wieder mehr die Initiatoren für Veränderungen in unserem gebauten Umfeld werden müssen. Wir müssen Diskussionen anregen, die wieder stärker den Blick auf die Organik der Architektur lenkt. Letztlich ist jede architektonische Tätigkeit Teil eines sozialen Organismus. Diesem Anspruch werden wir aber nur gerecht, wenn wir wieder stärker in die Diskussionen um die Architektur eingreifen. Hierfür gibt es inzwischen immer häufiger gute Beispiele, die aber mehr als Leuchtturm funktionieren.</p>
<p><strong>Architekturpublizist Daniel Furhop forderte 2015 in seiner Streitschrift „Verbietet das Bauen“: Schluss mit Abriss, Leerstand und Spekulation – unterstützt Umzug, Umbau, Umnutzung, Förderung gemeinschaftlicher Wohnformen und Schaffung einladender öffentlicher Räume. Was denken Sie darüber? Ist seither etwas davon zur Umsetzung gekommen?</strong><br />
Definitiv nicht! Wir haben kürzlich ein Kindergarten­projekt umgesetzt, bei dem wir den Bestand aus den 1950er-Jahren umgebaut und erweitert haben – was kostentechnisch nicht die interessanteste Lösung war. Von der Gesamtökologie her betrachtet, war es trotzdem die richtige Entscheidung. Solche Themen versuchen wir also anzugehen, aber man muss schon sehr streitbar sein. Es wird nach wie vor viel sinnlos gebaut, man denke allein an die vielen Hotels in München oder Kapitalanlagen irgendwelcher Leute, die größtenteils leer stehen und dennoch städtische Fläche in Anspruch nehmen. Wir finden den Ansatz gut, die vorhandenen Räume wirklich zu nutzen und den Menschen zur Verfügung zu stellen. Wir sind deshalb auch der Überzeugung, dass Städte höher gebaut werden müssen.</p>
<p>Mit „in die Höhe gehen“ sind aber nicht unbedingt Hochhäuser oder Wolkenkratzer gemeint. Denken Sie beispielsweise an Wien, die Stadt wirkt viel dichter als München. Sie haben dort die gleichen Straßen, nur die Gebäude sind mindestens zwei bis drei Geschosse höher. Wir glauben, es muss an manchen Stellen wesentlich mehr Dichte entstehen, um an anderen mehr Freiraum haben zu können. Dichte sollte als Chance begriffen werden, um sich kulturell und sozial zu vernetzen. Am Ende – davon sind wir überzeugt – werden durch Dichte auch Ressourcen gespart. Was wir zudem alle immer vergessen, ist, dass bei uns wahnsinnig viele Autos viel städtischen Platz einnehmen. Wenn wir all diese Fahrzeuge rausschmeißen würden, würde automatisch Fläche für mehr Nachverdichtung entstehen. Der Mut zum Bruch ist dabei in der Stadtentwicklung etwas ganz Wichtiges. Wenn Bauland oder Flächen in einer Gemeinde wie Garching frei sind, dann sollte man dörfliche Strukturen nicht weiter bauen, sondern höhere Gebäude entstehen lassen. London ist letztlich ein gutes Beispiel dafür, wo eine alte viktorianische Villa neben einem Hochhaus steht. Wir glauben, dass wir Beweglichkeit und mehr Dynamik stärker akzeptieren müssen und dass es Brüche in unserer homogen gedachten Welt gibt; und dass diese Brüche Vorläufer für einen Transformationsprozess sind, der einfach stattfinden muss und der schlussendlich zu einer positiven Entwicklung führen wird.</p>
<p><strong>Die Rekonstruktion ist im Bereich der Stadtentwicklung durchaus ein großes Thema. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?</strong><br />
Unserer Meinung nach müsste mehr Freiraum zugelassen werden. Es müsste ein Mix aus mehr Anarchie auf der einen Seite und einem gesteuerten, die Allgemeininteressen verfolgenden Prozess auf der anderen Seite geben. Wobei wir mit Anarchie eine Denkweise meinen, die unkonventionelle Ansätze zulässt. Wir halten das Rekonstruierende für eine fatale Entwicklung und ein veraltetes, konservatives Modell. Es lässt keinen Raum für Visionen. Um die Probleme unserer Städte zu lösen, müssen wir stärker visionär arbeiten und das Rückblickende ist da nur zum Teil dienlich. Natürlich ist ein Reflektieren auf das, was war, extrem wichtig, um zu verstehen, was uns helfen kann in die Zukunft zu kommen. Aber eben nur dann, wenn wir daraus eigene Ideen entwickeln, die sich in neuen räumlichen Programmen wiederfinden. Denken Sie an Berlin, wo Menschen sich an Theater oder Musik erfreuen und dann dafür in ihrem Wohnhaus einen entsprechenden Veranstaltungsort mit einplanen. Das sind Bilder, die wir gerne vermehrt sehen würden. Es muss mehr über das soziale Miteinander nachgedacht werden. Jede*r Teilhaber*in an der Architektur, ob das ein*e Architekt*in, ein*e Investor*in oder die Kirchengemeinde ist, sollte dafür wieder stärker an einer gemeinsamen Idee für Stadt, für Raum und für Architektur arbeiten. Unser Wunsch wäre, dass die gemeinsame Suche nach guten Ideen für die Stadt und für ihre Bewohner*innen wieder im Vordergrund steht. Bei uns sind gegenwärtig einfach zu viele Eigeninteressen unterwegs. Die Frage, die damit zusammenhängt, lautet: Was verstehen wir im städtischen Kontext unter dem Begriff Umwelt? Die Stadt wird ja oft gar nicht als Umwelt wahrgenommen. Wir reden über Naturschutz, über Öko- und Biosysteme, die wir schützen wollen – dabei ist auch die Stadt als ein schützenswertes Gesamtsystem zu sehen. Für so einen Organismus müsste allerdings ein Bewusstsein entstehen. In einem Naturschutzgebiet weiß jede*r, ich darf nichts wegschmeißen, ich bin nur Gast. So eine Auseinandersetzung mit der Stadt ist bislang nicht initialisiert. Es gibt keine Einrichtungen, die diese Aufgabe annehmen und auch in den Schulen wird kaum über die Bedeutung von Architektur gesprochen, welchen Einfluss sie auf unsere Lebensweise und unser Wohlbefinden hat. Wir bräuchten ein breiteres kulturelles Bewusstsein für die Bedeutung von Architektur, von Stadt, von Haus und von Wohnung. Wir haben viel zu viel Baugeschehen und viel zu wenig Baukultur. Der Markt ist an einer schnellen Entwicklung orientiert, weil er nach schnellem Profit strebt. Eine Baukultur fordert etwas anderes.</p>
<p><strong>Verändert die Digitalisierung den Entwurf und damit auch unsere Architektur?</strong><br />
Für uns ist das Building Information Modelling System ein reines Tool und wenn es besser ist, als das letzte, dann nehmen wir es gerne. Bei BIM geht es um Effektivität. Administrativ hat es Vorteile, wenn ich eine*n Haustechniker*in beispielsweise dazu zwingen kann, in einem 3D-Modell zu planen, denn dann weiß man, es wurde das Ganze dreidimensional richtig gedacht – da gewinnt der Prozess. Wir als Architekt*innen haben schon immer nach Mitteln und Wegen gesucht, die Komplexität einer Planung darstellbar zu machen. In dem Sinne halten wir BIM für ein geeignetes, ergänzendes Tool, das unserer Meinung nach die Architektur allerdings nicht nachhaltig verändern wird. </div></div><a id='bg-showmore-action-69e381d8961be0051579431' class='bg-showmore-plg-link bg-arrow ait_read-more'  style=" color:inherit;;" href='#'>weiterlesen</a></p>
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<p><strong>Positionierung</strong><br />
Für die Umgebung ist Architektur immer ein Geben und Nehmen, da sich die Identität des Ortes mit jedem Strich verändert. Die Anforderungen an ein Gebäude müssen mit dem kulturellen Kontext im Einklang stehen. Hier zählt nicht nur das Bauwerk selbst, sondern ebenfalls der Einfluss auf das urbane Umfeld. Die Kubatur eines Gebäudes schafft immer ein Innen- und Aussenraum der mit einbezogen werden muss. Die Gestaltung und Materialiät des Gebäudes setzt dann einen entwerferischen Schwerpunkt, der sich trotz aller künstlerischen Freiheiten im Detail mit den gesetzlichen Vorgaben der Bauordnung vereinbaren lassen muss. Am Modell lassen sich das Volumen und die Proportionen am Besten erarbeiten. Die Zeichenarbeiten, sowie Skizzen und grafische Darstellungen dokumentieren den Werdegang eines Projektes und erläutern den Arbeitsprozess visuell.</p>
<p><strong>Über Christian Olufemi und Jörg Moser</strong><br />
Bevor Christian Olufemi an der RWTH Aachen und TU München sein Architekturstudium erfolgreich abschloß, studierte er an der RWTH Aachen Physik. Nach dem Studium war Christian Olufemi in verschiedenen Architekturbüros sowie selbstständig als Architekt tätig.<br />
Jörg Moser ist seit 2013 Mitglied im Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA). Zuvor war er sowohl selbstständig als Architekt tätig als auch Teil in zahlreichen Architekturbüros sowie im wissenschaftlichen Rat der TU München. Sein Architekturstudium absolvierte er an der RWTH Aachen. Olufemi Moser Architekten wurde 2019 von Christian Olufemi und Jörg Moser gegründet.<br />
<a href="https://olufemimoser.de">olufemimoser.de</a></p>
<p>Lesen Sie mehr aus der Reihe <strong>Upcoming Architects Facing New Conditions</strong> auf der Seite der <a href="https://www.grohe-x.com/de-de/architekturwelt/grohe-digital-talks">GROHE Digital Talks</a></p>
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		<title>Upcoming Architects Facing New Conditions – Interview mit Johanna Meyer-Grohbrügge, Büro Meyer-Grohbrügge</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/upcoming-architects-facing-new-conditions-interview-mit-johanna-meyer-grohbruegge-buero-meyer-grohbruegge/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Juliane Lorenz-Elliot]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Jan 2022 08:00:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ait-xia-dialog.de/?post_type=ait-dialog-blog&#038;p=379263</guid>

					<description><![CDATA[„Aus meiner Sicht, gibt es dementsprechend nur zwei mögliche Wege zu bauen: Entweder man schafft Bauwerke, die hochwertig sind und wirklich lange halten oder man baut so, dass das Material relativ schnell und unkompliziert wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden kann und kalkuliert damit von vornherein eine gewisse Flexibilität in der Bebauungsplanung mit ein.“ 
Johanna Meyer-Grohbrügge]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/01/Grohbruegge_Portrait.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Johanna Meyer-Grohbruegge" data-rel="lightbox-gallery-14"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/01/Grohbruegge_Portrait.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/01/Grohbruegge_Bernauer.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Bernauer Strasse 36 (Rendering: Meyer-Grohbrügge)" data-rel="lightbox-gallery-14"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/01/Grohbruegge_Bernauer.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/01/Grohbruegge_Stoschek.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Julia Stoschek Collection/JSC Berlin (Foto: Jan Bitter)" data-rel="lightbox-gallery-14"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/01/Grohbruegge_Stoschek.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/01/Grohbruegge_Kurfuerstenstr.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Baugruppe Kurfürstenstrasse 142 (Rendering: June14 Meyer-Grohbrügge &amp; Chermayeff)" data-rel="lightbox-gallery-14"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2022/01/Grohbruegge_Kurfuerstenstr.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
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<p><strong>Upcoming Architects</strong> nehmen Stellung, wie sie den Herausforderungen des globalen Wandels begegnen und wie sie ihre Position als Ideengeber, Neuschöpfer und Qualitätssetzer behaupten. Lesen Sie dazu hier das Gespräch mit Prof. Dipl.-Ing. Johanna Meyer-Grohbrügge, Büro Meyer-Grohbrügge.</p>
<p>„<em>Aus meiner Sicht, gibt es dementsprechend nur zwei mögliche Wege zu bauen: Entweder man schafft Bauwerke, die hochwertig sind und wirklich lange halten oder man baut so, dass das Material relativ schnell und unkompliziert wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden kann und kalkuliert damit von vornherein eine gewisse Flexibilität in der Bebauungsplanung mit ein</em>.“ Johanna Meyer-Grohbrügge</p>
<p><strong>GROHE: Sie waren von 2005 bis 2010 in Tokio für Sanaa tätig. Inwiefern hat Sie diese Erfahrung geprägt?</strong><br />
<strong>Prof. Dipl.-Ing. Johanna Meyer-Grohbrügge</strong>: Die Zeit in Japan hat mich sehr positiv geprägt, fast mehr als das Studium. Ich war zuvor an verschiedenen Universitäten, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Venedig und in Zürich. Meine Lehrer waren toll und trotzdem hat man vermittelt bekommen, Architektur ist eben so und so. Als ich dann nach Japan zu Sanaa kam, empfand ich es als sehr befreiend, mitzubekommen, dass es nicht nur die eine Art gibt, Architektur zu machen. Ich hatte das Glück, dass ich dort eine Arbeitsweise und Methodik gefunden habe, die mir entspricht und dafür bin ich sehr dankbar. Generelle, allgemein gültige Aussagen über die japanische Architektur kann ich aber nicht machen. Jedes Büro ist anders. Sanaa arbeitet sehr stark mit Optionen. Es werden viele Varianten für eine Aufgabe erarbeitet, die auf den Punkt gebracht werden müssen, um sie schnell und eindeutig in einem Meeting vorstellen zu können. Das schult die eigene Denkweise. Zunächst wird alles betrachtet und gar nicht viel gesagt – das hat mich immer ein bisschen irritiert. Die beste Option wird also nicht gleich bestimmt, sondern lange offengehalten. Es wird lange gesucht und geprüft, bis eine Richtung auf dem Tisch liegt, wo alle das Gefühl haben: Das ist interessant für den Ort und für das Programm. Finale Entscheidungen werden damit rausgezögert und auch weniger diskutiert und dem intuitiven Prozess wird mehr Raum gegeben. Das finde ich gut; denn oft werden durch Diskussionen Ideen verschüttet oder zerredet.</p>
<p><strong>Was täte unserer Baukultur gut, von der modernen japanischen Architektur zu übernehmen?</strong><br />
Das intensive Suchen nach der besten Lösung. Bei uns werden bestimmte Ideen schnell verworfen, weil man überzeugt ist, dass sie nicht möglich sind. Viele Dinge sind bei uns ja der Art normiert und standardisiert, dass es wirklich schwer ist, diese aufzubrechen. Viele Standards fußen auf Kriterien, die heute einfach nicht mehr so relevant sind. Flexibilität wird uns durch unseren schweren Bürokratie-Apparat damit oftmals genommen. Die drei Themen, die wir derzeit grundsätzlich angehen müssen, sind: das nachhaltige Erreichen unserer Klimaziele, das Beheben sozialer Ungerechtigkeiten und das Voranbringen der Digitalisierung.</p>
<p><strong>Ist eine Haltungsänderung dazu bei Ihren Bauherren festzustellen?</strong><br />
Ja, die Bauherr*innen, mit denen ich arbeite, sind diese Themen bewusst. Manchen ist es ein persönliches Anliegen, anderen, wie Investoren, ist zumindest klar, dass Nachhaltigkeit heute zum Verkaufsportfolio gehört. Wenn ich allerdings mitbekomme, was gerade so gebaut wird, dann denke ich oft: „Das kann doch nicht wahr sein!“ Also, auf der einen Seite kann ich eine Haltungsänderung wahrnehmen, auf der anderen Seite bin ich mir nicht sicher, wie weit Nachhaltigkeit und Co. bei der Masse angekommen sind. Ich denke, der Wandel kommt nicht über Nacht. Es braucht viele kleine Schritte bis das Bewusstsein einer Gesellschaft sich wirklich verändert. Und wenngleich die Entwicklung manchmal zäh ist, ist eine Tendenz in die richtige Richtung zu spüren – Gott sei Dank. Ich glaube, es ist alles am Werden – man muss einfach gemeinsam puschen, um weiterzukommen. Auch das ist eine Frage des Bewusstseins: Wir können die Dinge nur gemeinsam schaffen.</p>
<p><strong>Was können wir in Bezug auf die Bauweise von den Japanern lernen?</strong><br />
Die Gebäude sind in Japan viel kurzlebiger angelegt – dort herrscht eine ganz andere Denkweise. Hier bauen wir ja immer für die Ewigkeit oder zumindest für hundert Jahre. In Japan wird dagegen eine ständige Erneuerung zugelassen. Das eröffnet fortlaufend die Chance neu und anders zu bauen. Aus meiner Sicht gibt es dementsprechend nur zwei mögliche Wege zu bauen: Entweder man schafft Bauwerke, die hochwertig sind und wirklich lange halten oder man baut so, dass das Material relativ schnell und unkompliziert wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden kann und kalkuliert damit von vornherein eine gewisse Flexibilität in der Bebauungsplanung mit ein. Ich glaube, diese Denkweise kennen wir in Europa in dem Maße gar nicht.</p>
<p><div class="bg-margin-for-link"><input type='hidden' bg_collapse_expand='69e381d89f15b6011047107' value='69e381d89f15b6011047107'><input type='hidden' id='bg-show-more-text-69e381d89f15b6011047107' value='weiterlesen'><input type='hidden' id='bg-show-less-text-69e381d89f15b6011047107' value='Weniger'><div id='bg-showmore-hidden-69e381d89f15b6011047107' ></p>
<p><strong>Was fehlt Ihnen persönlich als Architektin an der deutschen Baukultur?</strong><br />
In Japan hat die Architekt*in einen ganz anderen Stellenwert. Dort wird viel häufiger gesagt: „Okay, der Architekt ist einfach Experte, deswegen höre ich erst einmal, was er dazu zu sagen hat.“ Diesen Vertrauensbonus, den vermisse ich hier. Man hat in Deutschland oft das Gefühl, dass man nur Dienstleister*in ist, die den Bauantrag unterschreiben darf und gucken muss, dass die Firmen in der Spur bleiben. Das Zweite, was ich wirklich ver-misse, ist eine gewisse Risiko- und Experimentierbereitschaft. Es ist ganz selten, dass jemand sagt: „Ich war noch nie in solchen Räumen. Aber let‘s do it.“</p>
<p><strong>Sie leiten als Architektin ab heute das Bundesministerium des Innern für Bau und Heimat. Was würden Sie tun?</strong><br />
Es gibt so viele Dinge, von denen ich denke, dass sie politisch geändert werden müssen. Zum Beispiel im Bereich Bauen im Bestand: Ich finde, der Denkmalschutz sollte auf schützenswerte, anspruchsvolle Architektur ausgeweitet werden. Denn heute kann ja im Grunde jeder alles abreißen, was nur nicht unter Denkmalschutz steht. Hinzu kommt ein zweiter Punkt: die Frage der Gebäudeumnutzung. Die festgelegten Nutzungszonierungen samt Nutzungsplänen sind oft ein großes Hindernis in der Nachnutzung von Gebäuden und führen nicht selten auch zu sozialen Ungerechtigkeiten. Ein Aufweichen dieser festgefahrenen Definitionen würde auch in der Rückgewinnung von nutzungsdurchmischten Stadtquartieren helfen. Dann fällt mir das Thema Bodenpolitik ein: Wie gehen wir mit Besitz um? Man könnte zum Beispiel sagen, Grundstücke können nicht mehr vererbt werden. Das würde das Bewusstsein für den Umgang mit Land verändern. Ein anderes Thema ist die Möglichkeit, Gebäude für eine bessere Nachverdichtung in den Städten weiter aufstocken zu dürfen.</p>
<p><strong>Sie sind der Überzeugung, dass Architektur Dinge geschehen lassen kann und dass Dinge mit Architektur geschehen können. Können Sie uns das anhand einer ihrer Referenzen näher erklären?</strong><br />
Ein Beispiel wäre das Baugruppenhaus in der Kurfürstenstraße in Berlin. Wir haben das Projekt vor fast acht Jahren begonnen und selber die Gruppe zusammengesucht. Die Grundidee des Hauses beruht auf einem offenen Rahmen, der verschiedenartig genutzt werden und den man darum eben auch mit anderen teilen kann. Am Anfang hatten wir ein Paar mit dabei, das keine Wand zwischen ihren beiden Wohnungen wollte und gesagt hat: „Ideal, wir haben beide unsere eigene Wohnung, aber die eine ist offen zur jeweils anderen.“ Im Zuge des Prozesses hat sich dasselbe Paar dann getrennt und plötzlich war eine Wand zwischen den Wohnungen nötig. Die Anpassung war kein Problem. Das ist natürlich ein Beispiel im kleinen Maßstab – im Großen kann unser Konzept aber auch Anwendung finden. Ich meine, es muss am Ende eine ständige Wechselwirkung zwischen den Gegebenheiten stattfinden, die die Baukriterien bestimmen oder verändern und der Architektur, die flexibel genug sein muss, um darauf reagieren zu können.</p>
<p><strong>Glauben Sie, dass Sie im Vergleich zu Ihrer Vorgängergeneration anders denken und bauen?</strong><br />
Das kann man nicht allgemein benennen, weil vieles sich im Laufe eines Architektenlebens verändert und sich so auch die Haltung der Architekt*innen ändert. Außerdem bemerke ich oft, dass ältere Kolleg*innen gegen Ende ihrer Karriere nochmal einen Dreher machen. Wirklich gute Architekt*innen haben eh die Flexibilität, sich mehrfach zu wandeln. Was aber nicht mehr so ist wie früher, ist, dass jede Architekt*in einen eigenen Stil und Ausdruck finden muss. Das war total wichtig – heute ist es das überhaupt nicht mehr. Es geht viel stärker darum, eine fundierte Berechtigung der Baumaßnahmen zu finden. Ich habe das Gefühl, früher hat es gereicht, wenn man eine gute Idee für ein Gebäude hatte und es dann schön dastand. Heute muss man mehr beachten und begründen. Man wird viel mehr daran gemessen, ob das Gebäude mit all seinen Eigenschaften und Funktionen in der Gesamtheit sinnvoll ist. Was Kollaborationen angeht, ist die gemeinsame Arbeit mit unterschiedlichen Architekt*innen leichter geworden. Ich glaube, durch die sozialen Netzwerke ist es inzwischen viel einfacher geworden, die richtigen Arbeitspartner*innen für Projekte zu finden, denn man weiß einfach ganz genau, was die anderen gerade machen. Man kann sich außerdem so viel gezielter mit Leuten austauschen, die an ähnlichen Themen arbeiten.</p>
<p><strong>Unsere Interview-Serie heißt „Upcoming Architects Facing New Conditions“: Sehen Sie diese Zeit des Wandels auch als Chance für Sie als Architektin?</strong><br />
Ja. Ich habe das Gefühl, gerade wird alles infrage gestellt und man muss selber nach neuen Kriterien suchen, die bestimmen was gute Architektur ausmacht. Dazu kommt die Herausforderung, aus den gewonnenen Erkenntnissen passende Strategien zu entwickeln. Ich muss zugeben, ich selber bin da gerade verunsichert. Gleichzeitig empfinde ich diese Entwicklung als sehr positiv. Im Grunde sind alle auf der Suche. Ich in meiner kleinen Blase, würde sagen: „Alles ist offen und das ist wahnsinnig toll.“ Die Frage mit Blick in die Zukunft muss lauten: Was bestimmt die Welt und was davon bestimmt auch die gebaute Umgebung? Wir Architekten spielen da eine eher untergeordnete Rolle. Das Beispiel Digitalisierung ist dazu interessant: Die Entwicklung von Materialdatenbanken finde ich fantastisch. Aber wenn man das Ganze weiterspinnt, dann werden irgendwelche Algorithmen künftig analysieren, welche Maßnahmen bei einem Umbau ökonomisch sinnvoll sind. Ich glaube, auf dieser Grundlage wird eine neue Ästhetik im Bauen entstehen. Wenn dieselben Systeme dann auch fähig sind, komplexe Zusammenhänge miteinzubeziehen, wie individuelle Zielgruppen- und Tierbedürfnisse, dann stellt sich die Frage, was wir Architekt*innen eigentlich noch besser machen können. Also ich glaube, dass wir trotzdem noch viel beitragen können, das Zusammenzubringen von Menschen, beispielsweise, oder das Finden von kreativen, vorausschauenden Lösungen. Aber wir müssen uns anstrengen und schauen, was unsere Kompetenzen sind und wo wir unseren Beitrag leisten können, der uns weiterhin relevant bleiben lässt.</p>
<p><strong>Wie ist Ihre Vision vom Leben in den Städten in den nächsten zwanzig Jahren?</strong><br />
Ich glaube, dass der Unterschied zwischen Stadt und Land gar nicht mehr so groß sein wird. Die Stadt wird nicht mehr der einzige relevante Ort sein, wo der Wandel zu spüren ist – vor allem in den Speckgürteln auf dem Land wird viel passieren. Die Digitalisierung spielt da mit rein. Hinzu kommt, dass Leute zunehmend mehr Dinge teilen und mieten als sie tatsächlich zu besitzen. Natürlich werden die Innenstädte dadurch völlig anders aussehen. Dass der Wandel durch Corona beschleunigt wurde, ist klar. Die Frage ist, was macht man mit dem Innenstadt-Raum, wenn man nicht mehr zum Einkaufen hingeht? Vielleicht wird dort wieder gewohnt und die Öffentlichkeit findet irgendwo anders statt. Die Vorstellung, dass es die klassischen Zentren nicht mehr gibt – wo man sich am Samstag durch die Ladenketten schiebt – ist doch ganz interessant. Dasselbe gilt für Japan: Jeder öffentliche Platz ist dort mit Konsum verbunden. Also sprich, nur dort wo man einen Kaffee kaufen kann, kann man sich auch hinsetzen – das ist wirklich nicht schön. Würde diese Situation aufgelöst und würden plötzlich Freiräume entstehen, die aktiv für die Öffentlichkeit gestaltet sind, die für sich stehen und funktionieren – wäre das eine wirklich positive Entwicklung. Anderenfalls sind statt der Einzelhändler bald die nächsten kommerziellen Player da.</p>
<p><strong>Was würden Sie als Architekten einmal umsetzten wollen?</strong><br />
Ich habe auf jeden Fall Lust zu bauen. Möglichst unterschiedliche Dinge zu bauen, finde ich spannend. Und ich habe jetzt für mich gemerkt: Das Wichtigste ist gar nicht die Bauaufgabe, sondern der Bauherr, der einem ermöglichen kann, auch einmal etwas Neues auszuprobieren. Mir ist dabei besonders wichtig, dass meine Arbeit einen Beitrag leisten kann. Ich hoffe, ich kann noch möglichst viele relevante Projekte realisieren. </div></div><a id='bg-showmore-action-69e381d89f15b6011047107' class='bg-showmore-plg-link bg-arrow ait_read-more'  style=" color:inherit;;" href='#'>weiterlesen</a></p>
<p><strong>Über Johanna Meyer-Grohbrügge</strong><br />
Johanna Meyer-Grohbrügge ist Architektin und Hochschullehrerin in Berlin. Nach Ihrem Diplom an der ETH Zürich arbeitete sie 5 Jahre bei SANAA in Tokyo. 2010 gründete sie mit Sam Chermayeff das Büro June 14 Meyer-Grohbrügge &amp; Chermayeff und 2015 das Büro Meyer-Grohbrügge. Sie unterrichtete unter anderem an der Columbia GSAAP, der Northeastern University Boston-Berlin, der FH Münster und leitete das Berlin Programm der Washington University St. Louis. Ab Herbst 2021 wird sie den Lehrstuhl Raumgestaltung an der TU Darmstadt übernehmen.<br />
<a href="http://www.meyer-grohbruegge.com">www.meyer-grohbruegge.com</a></p>
<p>Lesen Sie mehr aus der Reihe <strong>Upcoming Architects Facing New Conditions</strong> auf der Seite der <a href="https://www.grohe-x.com/de-de/architekturwelt/grohe-digital-talks">GROHE Digital Talks</a></p>
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		<title>Upcoming Architects Facing New Conditions – Interview mit Nils Nolting, Cityförster architecture+urbanism</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/upcoming-architects-facing-new-conditions-interview-mit-nils-nolting-cityfoerster/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Juliane Lorenz-Elliot]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Dec 2021 13:21:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ait-xia-dialog.de/?post_type=ait-dialog-blog&#038;p=379158</guid>

					<description><![CDATA["Es reicht nicht, eine gute Gestaltung zu machen, sondern man muss als Architekt*in eine Vielzahl von komplexen Aspekten berücksichtigen. Das war ein Stück weit schon immer so, aber es sind eben weitere Bedingungen dazugekommen. Das betrifft zum einen die Gebäude selber und zum anderen das ganze Wohnumfeld und die stadtplanerische Organisation. Wir dürfen Gebäude nicht isoliert betrachten, wir müssen quartiersübergreifend denken."
Nils Nolting]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/Cityfoerster_Portrait.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Nils Nolting" data-rel="lightbox-gallery-15"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/Cityfoerster_Portrait.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/Cityfoerster_Haeder.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Recyclinghaus, Hannover | Cityförster | Foto: Olaf Mahlstedt" data-rel="lightbox-gallery-15"><img decoding="async" width="1920" height="1080" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/Cityfoerster_Haeder.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/Cityfoerster_Haeder.jpg 1920w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/Cityfoerster_Haeder-800x450.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/Cityfoerster_Haeder-768x432.jpg 768w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/Cityfoerster_Haeder-1536x864.jpg 1536w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/Cityfoerster_Haeder-1320x743.jpg 1320w" sizes="(max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/Ecovillage.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Ecovillage" data-rel="lightbox-gallery-15"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/Ecovillage.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/WohnkroneParkhaus.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Wohnkrone Parkhaus (Foto: Olaf Mahlstedt)" data-rel="lightbox-gallery-15"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/WohnkroneParkhaus.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
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<p><strong>Upcoming Architects</strong> nehmen Stellung, wie sie den Herausforderungen des globalen Wandels begegnen und wie sie ihre Position als Ideengeber, Neuschöpfer und Qualitätssetzer behaupten. Lesen Sie dazu hier das Gespräch mit Nils Nolting von Cityförster architecture + urbanism.</p>
<p>„<em>Es reicht nicht,</em> <em>eine gute Gestaltung zu machen, sondern man muss als Architekt*in eine Vielzahl von komplexen Aspekten berücksichtigen. Das war ein Stück weit schon immer so, aber es sind eben weitere Bedingungen dazugekommen. Das betrifft zum einen die Gebäude selber und zum anderen das ganze Wohnumfeld und die stadtplanerische Organisation. </em><em>Wir dürfen Gebäude nicht isoliert betrachten, wir müssen quartiersübergreifend denken.“  </em>Nils Nolting</p>
<p><strong>GROHE: „Upcoming architects Facing New conditions“ ist das Thema unserer Interviewserie. Inwieweit sehen Sie sich als Architekt mit neuen Rahmenbedingungen konfrontiert?</strong><br />
<strong>Nils Nolting:</strong> Die Frage ist, ob die Rahmenbedingungen neu sind, mit denen wir konfrontiert sind oder ob wir nicht schon seit vielen Jahrzehnten Kenntnis davon haben, wenn man beispielsweise das Thema des Klimawandels nennt. Die erste Veröffentlichung über die Grenzen des Wachstums vom „Club of Rome“ ist schon fast 50 Jahre alt. In dem Sinne sind die Konditionen eigentlich nicht neu. Neu ist, dass das Thema jetzt auch in der Breite angekommen ist und die Folgen des Klimawandels zunehmend nicht mehr abstrakt sind, sondern real spürbar werden. Wie wir alle wissen, emittieren wir als Weltgesellschaft viel zu viel CO2, ein weltweiter Lebensstil wie in Deutschland würde knapp drei Erden benötigen. Das ist natürlich nicht nachhaltig. Das Bauen von Gebäuden, die wenig Energie im Betrieb verbrauchen, ist auch dank der Gesetzgebung schon länger präsent. Was bisher noch kein großes Thema war und dringend in den Fokus gerückt werden muss ist, dass das Bauen selbst einen sehr großen Energieaufwand erfordert.</p>
<p><strong>Nachhaltigkeit befürworten alle – sich deshalb auf Mehrkosten einlassen, wollen allerdings die wenigsten. Wie sind Ihre Erfahrungen?</strong><br />
Klar, das ist noch häufig so. Bisher galt beispielsweise: „Ein Holzbau ist ungefähr zehn Prozent teurer als ein Massivbau.“ In der Vergangenheit wurde sich auf Grund dessen – neben anderen Vorbehalten gegenüber Leichtbauweisen &#8211; oft für den Massivbau entschieden. Das hat sich in den letzten Jahren stark geändert. Natürlich wird das Umdenken teilweise auch schon durch Vorgaben von Seiten der Politik gefördert. Aber es gibt durchaus auch Bauherren, die vorneweggehen und mehr machen wollen als unbedingt nötig ist. Es gibt ein wachsendes Bewusstsein dafür, dass Umweltfolgekosten zukünftig auch wirtschaftlich eingepreist werden. Nachhaltigkeit ist also kein reiner Idealismus, sondern einfach eine strategisch kluge Sache.</p>
<p><strong>Was braucht man heute und in Zukunft, um ein guter Architekt zu sein?</strong><br />
Architekten*innen sind Generalisten und müssen viele Aspekte berücksichtigen. In unseren Projekten beziehen wir Themen der Nachhaltigkeit von Anbeginn mit ein. Das betrifft die ökologischen, ökonomischen und die sozialen Themen. Was die soziale Gerechtigkeit auf dem Wohnungsmarkt anbetrifft, haben wir ja ein großes gesellschaftliches Problem. Es reicht nicht, eine gute Gestaltung zu machen, sondern man muss als Architekt*in eine Vielzahl von komplexen Aspekten berücksichtigen. Das war ein Stück weit schon immer so, aber es sind eben weitere Bedingungen dazugekommen.<br />
Das betrifft zum einen die Gebäude selber und zum anderen das ganze Wohnumfeld und die stadtplanerische Organisation. Wir dürfen Gebäude nicht isoliert betrachten, wir müssen quartiersübergreifend denken. Freiräume mitzudenken, spielt dabei eine große Rolle, denn diese müssen eine hohe Lebensqualität bieten, um als Begegnungsräume fungieren zu können. Klima- angepasst zu planen und zu bauen, ist hier von immer größerer Bedeutung. Starkregenereignisse, Hitzesommer und andere Folgen des Klimawandels müssen in der Planung Berücksichtigung finden. Die Anforderungen gleichen also einem komplexen Blumenstrauß, an den man als Architekt*in nicht mit der Erwartung herangehen sollte, alles alleine lösen zu können. Teamarbeit mit Experten aus den verschiedensten Bereichen ist wichtig.</p>
<p><div class="bg-margin-for-link"><input type='hidden' bg_collapse_expand='69e381d8a872e5067212497' value='69e381d8a872e5067212497'><input type='hidden' id='bg-show-more-text-69e381d8a872e5067212497' value='weiterlesen'><input type='hidden' id='bg-show-less-text-69e381d8a872e5067212497' value='weniger'><div id='bg-showmore-hidden-69e381d8a872e5067212497' ><br />
<strong>Arbeiten Sie mit BIM?</strong><br />
Wir sind tatsächlich gerade dabei unser Büro in der Richtung aufzustellen. Die Anforderung, mit BIM zu arbeiten wird vermehrt auch von Auftraggeber*innenseite gefordert. Wir versprechen uns davon mittelfristig eine Effizienzsteigerung und eine Verbesserung der Schnittstellen zu Fachplanern. Dass alle Beteiligten auf demselben Planstand arbeiten, ist natürlich super. Es wird aber sicher noch ein langer Weg werden, bis man da wirklich einen reibungslosen Austausch in Echtzeit hinbekommt. Uns interessiert darüber hinaus aber auch die Nutzung der Gebäudeinformationen für spätere Nutzungsphasen und für den kreislaufgerechten Rückbau und die Wiederverwendung von Baustoffen und Bauteilen – das ist auch eine Hoffnung, die wir in BIM setzen.</p>
<p>Apropos nachhaltig bauen: Wir haben im Sommer 2019 auf dem Kronsberg in Hannover unser Projekt „Recyclinghaus“ fertiggestellt. Das Gebäude entstand auf einem Restgrundstück in einer Siedlung, die anlässlich der Expo 2000 mit damals sehr hohen ökologischen Anforderungen entstanden ist. Wir konnten mit dem Projekt einen Beitrag zum Diskurs über nachhaltiges Bauen leisten. Dabei stehen große Fragen im Raum: Wie gehen wir mit Ressourcen und Rohstoffen um? Immerhin ist der Bausektor einer der größten Ressourcenverbraucher und Müllemittenten überhaupt. Und wie gehen wir mit der sogenannten grauen Energie um? Also der Herstellungsenergie, die für den Gebäudebau erforderlich ist.<br />
Tatsächlich gewinnen diese Fragen an Bedeutung: Wie können wir Gebäude so herstellen, dass wir nicht schon durch den Bau selbst für die nächsten 50 Jahre Energie verbraucht haben? Außerdem sehen wir uns derzeit mit einer Baustoffknappheit und Preisexplosion konfrontiert. Gerade was den Holzmarkt anbetrifft, haben sich die Preise verdoppelt bis verdreifacht. Andere Baustoffe sind erst gar nicht verfügbar. Wir haben also gerade eine Rohstoffkrise. In eine solche Zeit passt das Recyclinghaus gut rein. Denn es diskutiert einen neuen Umgang mit Materialien und Rohstoffen: Weg davon, dass es überhaupt so etwas wie Müll gibt, hin dazu, dass alles Rohstoff ist und im Kreislauf gehalten werden kann.</p>
<p>Letzten Endes machen wir in unserem Alltag alle Fehler oder verbrauchen zu viel Energie. Den Wechsel hinzubekommen, wird allein mit technologischen Lösungen nicht funktionieren. Der Begriff der Suffizienz ist jetzt ein zunehmend wichtiger, denn wir haben das Problem, dass wir viel zu viel Wohnfläche pro Kopf verbrauchen und auch die Flächenversiegelung jeden Tag weiter zunimmt. Je mehr Raum jeder einzelne beansprucht, desto mehr Energie und Ressourcen sind nötig und genau da gilt es neue Modelle zu finden, die nicht nur technologischer, sondern viel mehr auch sozialer und organisatorischer Natur sind.</p>
<p><strong>Was fehlt Ihnen an der zeitgenössischen Architekturdiskussion in Deutschland?</strong><br />
In der Diskussion fehlt grundsätzlich eigentlich wenig. Denn alle Themen sind bekannt und werden in Fachkreisen diskutiert. Allerdings müssen wir deutlich an Geschwindigkeit zulegen und insgesamt kompromissloser werden. Wir brauchen Pilotprojekte auf Quartiersebene, die effiziente, klimaneutrale Lösungen darstellen und sich hundertfach multiplizieren lassen. Und wir werden als Architekten viel weniger neu bauen und uns noch viel stärker mit dem Bestand auseinandersetzen müssen.</p>
<p>Ein Aspekt wird mir allerdings noch viel zu wenig diskutiert: Häufig ist die richtige Lösung, weniger zu unternehmen als mehr. Wir brauchen eine Kultur des Unterlassens, wobei wir das Unterlassen als aktive Handlung begreifen müssen. Dass das so schwierig umzusetzen ist, liegt sicher daran, dass Wachstum fast schon in die gesellschaftliche DNA eingeschrieben ist und gegen das Wachstumsparadigma auch mental schwer anzukommen ist. Unterlassung wird erst einmal nicht als Leistung wahrgenommen.</p>
<p><strong>Für Franz Denk, österreichischer Architekt und Stadtplaner, bedeutet Globalisierung ein permanentes Stadtwachstum. Dieser Entwicklung müsse man entgegenwirken. Gefragt seien viel mehr Dezentralisierung, Kleinteiligkeit in den Zentren und umweltfreundlicher Verkehr? </strong><strong>Stimmen Sie ihm zu?</strong><br />
Die Frage ist hier allerdings, was man unter Dezentralisierung versteht. Ich würde behaupten, dass die Verstädterung oder generell das urbane Leben potenziell nachhaltig sein kann, da wir mit einer kompakten Organisation einfach wesentlich weniger Flächen und Materialien verbrauchen, nicht nur für die Gebäude, sondern auch für Folgeinfrastrukturen. Wir müssen aktuell viel stärker in Umnutzungs- und Nachverdichtungsstrategien investieren, anstatt neue Gebiete auf dem platten Land auszuweisen, denn das ist überhaupt nicht klimaverträglich.<br />
Lebensstile spielen eine Rolle, ein Kernaspekt ist unser Mobilitätsverhalten. Nachhaltige Mobilität setzt einen funktionierenden Nahraum voraus, der die Wege jedes einzelnen verkürzt, weil Wohnen, Arbeit, soziale und kulturelle Angebote, Erholungsgebiete und die grundlegende Versorgung in unmittelbarer Nähe sind. Wir müssen also von der Funktionstrennung wieder zurück zu einer stärkeren Nutzungsmischung. Es geht auch um die Verhandlung des öffentlichen Raumes bei begrenztem Platzangebot und die Begünstigung von klimafreundlichen Mobilitätsformen. Also in erster Linie den Ausbau des Radverkehrs, und damit meine ich jetzt nicht nur Fahrradwege. Das Fahrrad muss beispielsweise näher am eigenen Haus dran sein und damit wesentlich bequemer zu erreichen als das Auto. Wenn man sein Elektrorad oder sein Lastenrad in den Keller tragen muss, um es sicher abzustellen, aber das Auto steht direkt vor der Tür im öffentlichen Straßenraum, dann wird natürlich eher das Auto genutzt. Für dieses Thema gibt es immer noch keine Breitenlösung in verdichteten Städten.</p>
<p><strong>Sind Sie für die Verbannung des Autos aus der Stadt?</strong><br />
Wir haben begrenzte Flächen in der Stadt. Das Auto muss da künftig auf jeden Fall deutlich weniger Raum einnehmen. Das Selbstverständnis, dass öffentlicher Raum kostenlos für das Abstellen privater Autos genutzt wird, stellen wir in der Gesellschaft noch immer zu wenig infrage. Wenn man sich überlegt, wie hoch Bodenpreise sind und wie viel Fläche man für PKW- Stellplätze braucht, ist das doch völliger Wahnsinn. Wir müssen gerade in den Städten weg vom privaten PKW. Und eigentlich sollte es nicht so schwer zu vermitteln sein, dass hiermit nicht in erster Linie Einschränkungen verbunden sind, sondern viel mehr eine erhebliche Steigerung der Lebensqualität.</p>
<p>Im Autoland Deutschland ist generell schwierig, bei diesem Thema Veränderungen herbeizuführen. Genau hier haben wir übriges seit längerer Zeit einen starken Stadt-Land-Konflikt: In den Städten ist die Mehrheits-meinung ganz klar, dass das Auto zurückgedrängt werden muss. Auf dem Land stellt sich das naturgemäß schwieriger dar. Einfach, weil es einen funktionierenden öffentlichen Nahraum dort nicht mehr gibt und für weite Strecken das Auto noch immer die attraktivste Option ist. Andererseits: ich fahre ab und zu mit dem Auto zu Bekannten in die Vorstadt oder aufs Land und ich stehe jedes Mal im Stau. Ich wundere mich, dass viele Menschen das jeden Tag aushalten oder sogar als Freiheit empfinden. Eine wirklich unglaubliche Verschwendung von Lebenszeit und Lebensqualität, die maßgeblich durch eine verfehlte Verkehrs- und Siedlungspolitik entstanden ist. Und warum wird eigentlich eine klimaschädliche Mobilität durch eine Pendlerpauschale subventioniert, die erhöhten Mieten in den Städten, in denen sich das Leben wesentlich klimafreundlicher organisieren lässt, aber nicht?</p>
<p><strong>Ben van Berkel baut hier in München derzeit das Van B, ein visionäres Projekt im Wohnbereich, bei dem in Qualitätsmetern und nicht in Quadratmetern gedacht wird. Inwiefern deckt sich dieser Ansatz mit Ihrem?</strong><br />
Den Ansatz, auf kleiner Wohnfläche qualitätsvolle, gut nutzbare Räume zu entwickeln finden wir im Sinne der Suffizienz dem Grunde nach schon sehr interessant. Beispielsweise beziehen sich die Energiekennzahlen heute immer noch auf die Quadratmeter. Eigentlich ist das die falsche Kennzahl, der Energieverbrauch müsste pro Kopf gerechnet werden und hierbei müsste eigentlich sogar der durch die Planung evozierte Lebensstil, einschließlich des erforderlichen Mobilitätsverhaltens mit eingepreist sein.</p>
<p>Man kann sich auch auf kleinerem Raum qualitätsvoll organisieren. Und auch der Ressourcenverbrauch und die Aufwendungen an grauer Energie für die Gebäudeherstellung sinken bei einer kompakten Grundrissorganisation ebenfalls pro Kopf. Der Trend zu Mikroapartments ist in sozialer Hinsicht aber auch zweischneidig zu betrachten. Wird dieser Trend in Ballungsräumen mit drastischer Wohnraumknappheit dem freien Markt überlassen, steigt im Prinzip einfach die Marge des Entwicklers und die sozialen Fragen des Wohnens bleiben für die größten Bevölkerungsgruppen trotzdem unbeantwortet.</p>
<p>Ein gutes Beispiel-Projekt, an dem wir derzeit in Hannover planen ist das sogenannte „ECO Village“ – auch auf dem Kronsberg in Hannover, ganz in der Nähe unseres Recyclinghaus-Projektes. Dort gibt es eine neu gegründete Genossenschaft, die ein Suffizienz-Quartier realisieren wird. Da haben sich Leute zusammengefunden, die den Anspruch haben, wenig zu verbrauchen und einen bescheideneren Lebensstil zu pflegen, um klimagerecht zu leben. Dort wird weniger private Wohnfläche pro Kopf angesetzt, „Luxus“ entsteht über qualitative Außenräume und gemeinschaftlich genutzte Bereiche wie Waschküchen, Gästeraum, Mobilitätsstationen und ähnliches – frei nach dem Prinzip „durch Teilen mehr haben“. Wir finden, dass für Architektur und Stadtplanung die Gemeinwohlorientierung von zentraler Bedeutung ist. Wenn sich jeder in seine private Blase zurückzieht und einen Zaun um sich rumzieht, ist keinem geholfen.</p>
<p><strong>Sie beschäftigen sich bei Cityförster auch mit neuen Arbeitswelten. Was bedeutet Corona für den Bürobau?</strong><br />
Wir selber haben unsere Büroflächen während der Pandemie deutlich erweitert. Unser Team war auch viel im Homeoffice, wir haben aber tatsächlich auch noch Räume dazu gemietet, um Präsenzarbeit ebenfalls zu ermöglichen und Abstände gewährleisten zu können. Ein positiver Nebeneffekt an der Coronakrise ist sicher, dass klar geworden ist, wie viel man doch digital organisieren kann. Ich habe gestern noch mit einem Kollegen gesprochen, der vor einigen Jahren noch für einen zwanzigminütigen Vortrag nach Hawaii geflogen ist. So etwas macht man heute nicht mehr. Auch wenn man mit externen Planern arbeitet, muss man nicht mehr mit einem Inlandflug durch die Republik jetten, um für eine halbe Stunde etwas abzuklären. Vieles lässt sich digital organisieren und das spart viel Zeit und Ressourcen. Klar, die soziale Komponente des persönlichen Austauschs ist auch wichtig, dafür wird es weiterhin Begegnungsräume in den Arbeitswelten geben müssen.</p>
<p><strong>Uns sind in der Architektur echte Werte abhandengekommen, müssen wir zurück zu denen, die es mal gab?</strong><br />
Da könnte man vielleicht zurück zum Thema des Gemeinwohls schwenken: Neben den Herausforderungen des Klimawandels ist die soziale Frage des Wohnens ein Kernthema. Den sozialen Wohnungsbau gibt es in Deutschland nun schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Frage ist, ob das Wohnen reine Privatsache ist, die man dem Markt überlassen kann oder ob dieses grundrechtsrelevante Thema nicht doch wieder stärker durch die öffentliche Hand gesteuert werden muss. Natürlich gibt es die Förderlandschaft, die gewerbliche Bauherren animiert oder zwingt, bei Neubauprojekten einen Anteil an geförderten Wohnungen zum günstigen Mietpreis anzubieten. Daneben gibt es dann privat vermarktete, sehr teure Wohnungen. Für die mittleren Einkommensschichten ist in diesem Modell hingegen wenig vorgesehen. Auch das ökologisch nachhaltige Handeln ist eine Frage des Gemeinwohls. Der Begriff der Nachhaltigkeit in seinem ursprünglichen Sinne stammt übrigens aus der Forstwirtschaft: Dem Wald wird nur so viel entnommen, wie auch wieder nachwachsen kann, damit das komplexe ökologische System Wald weiter funktioniert. Bäume werden nicht nur für den eigenen Nutzen gepflanzt, sondern damit nachfolgende Generationen davon profitieren konnten. Das Bewusstsein für die Langfristigkeit unseres Handelns sollte generell wieder mehr Bedeutung erfahren. </div></div><a id='bg-showmore-action-69e381d8a872e5067212497' class='bg-showmore-plg-link bg-arrow ait_read-more'  style=" color:inherit;;" href='#'>weiterlesen</a></p>
<p><strong>Bürophilosophie</strong><br />
„Wir konzipieren, planen und realisieren Gebäude, städtebauliche Strukturen und Freiräume für die kompakte, sozial und funktional gemischte, mulitmodal vernetzte, produktive, zirkulär organisierte und klimaadaptive Stadt. Unsere Leistungen umfassen das gesamte Spektrum von der Idee bis zur Ausführung und Projektsteuerung. Unsere Handlungsfelder liegen in den Bereichen Wohnen, Arbeiten, Lernen, Stadt und Region.<br />
Wir sind spezialisiert auf strategische Planungen, internationale Entwicklungsprojekte und experimentelles, ressourcen- und recyclinggerechtes Bauen. Unsere Themen sind neue Arbeitswelten und Wohnformen, pädagogische Architektur, nachhaltiger Tourismus, öffentliche Räume und innovative Mobilitätskonzepte.&#8221;</p>
<p><strong>Über Nils Nolting</strong><br />
Nils Nolting studierte Architektur an der Leibniz Universität Hannover und der Architekthøgskolen Oslo. Bei internationalen und nationalen Wettbewerben hat er zahlreiche Preise gewonnen und Folgeaufträge realisiert. 2017 wurden Nils Nolting und Arne Hansen für das Projekt „Wohnkrone“ mit dem Nachwuchspreis des BDA Niedersachsen Max 45 ausgezeichnet. Das von Nils Nolting 2019 fertiggestellte Projekt „Recyclinghaus“ hat zahlreiche Awards und Nominierungen erhalten, unter anderem den Sonderpreis Nachhaltigkeit beim Deutschen Fassadenpreis 2020 sowie eine Anerkennung beim “Sonderpreis“ Bundespreis Umwelt und Bauen. Heute ist Nils Nolting Gründungspartner von CITYFÖRSTER architecture + urbanism und geschäftsführender Partner des Büros in Hannover.<br />
<a href="https://www.cityfoerster.net">www.cityfoerster.net</a></p>
<p>Lesen Sie mehr aus der Reihe <strong>Upcoming Architects Facing New Conditions</strong> auf der Seite <a href="https://www.grohe-x.com/de-de/architekturwelt/grohe-digital-talks">GROHE Digital Talks</a></p>
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		<title>Upcoming Architects Facing New Conditions – Interview mit Sonja Nagel, Björn Martenson und Jan Theissen, Amunt Architekten</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/upcoming-architects-facing-new-conditions-interview-mit-prof-sonja-nagel-prof-bjoern-martenson-und-jan-theissen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Juliane Lorenz-Elliot]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Dec 2021 06:41:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ait-xia-dialog.de/?post_type=ait-dialog-blog&#038;p=379053</guid>

					<description><![CDATA["Im Prinzip ist jeder Quadratmeter, den man nicht baut, der Nachhaltigste. Deswegen ist es uns ein besonderes Anliegen, die Gebäude und Grundrisse so zu konzipieren, dass sie auf die wirklichen Bedürfnisse zugeschnitten sind und nicht ausufern. Wir denken außerdem über die Erstnutzung hinaus und integrieren Möglichkeiten der Um- oder Andersnutzung bereits in das Projekt."
Prof. Sonja Nagel, Prof. Björn Martenson und Jan Theissen, Amunt Architekten]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/AMUNT_portrait_?®_Jan-Kopetzky.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="AMUNT Architekten: Prof. Sonja Nagel, Prof. Björn Martenson und Jan Theissen (Foto: Jan Kopetzky)" data-rel="lightbox-gallery-16"><img decoding="async" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/AMUNT_portrait_?®_Jan-Kopetzky.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/Schreber_Aachen.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Schreber Doppelhaushälfte, Aachen (Foto: Filip Dujardin)" data-rel="lightbox-gallery-16"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/Schreber_Aachen.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/Fried_Dueren.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Fried, Düren (Foto: Brigida Gonzalez)" data-rel="lightbox-gallery-16"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/Fried_Dueren.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/JustKOCoTuebingen.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="JustK Einfamilienhaus, Tübingen | Amunt Architekten | Foto: Brigida Gonzalez" data-rel="lightbox-gallery-16"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/JustKOCoTuebingen.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
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<p><strong>Upcoming Architects</strong> nehmen Stellung, wie sie den Herausforderungen des globalen Wandels begegnen und wie sie ihre Position als Ideengeber, Neuschöpfer und Qualitätssetzer behaupten. Lesen Sie dazu hier das Gespräch mit Prof. Sonja Nagel, Prof. Björn Martenson und Jan Theissen, Amunt Architekten.</p>
<p>„<em>Im Prinzip ist jeder Quadratmeter, den man nicht baut, der Nachhaltigste. Deswegen ist es uns ein besonderes Anliegen, die Gebäude und Grundrisse so zu konzipieren, dass sie auf die wirklichen Bedürfnisse zugeschnitten sind und nicht ausufern. Wir denken außerdem über die Erstnutzung hinaus und integrieren Möglichkeiten der Um- oder Andersnutzung bereits in das Projekt</em>.“  Prof. Sonja Nagel, Prof. Björn Martenson  und Jan Theissen</p>
<p><strong>GROHE: Welche Aspekte beim Thema nachhaltiges Bauen bewegen Sie am meisten?</strong><br />
<strong>Prof. Sonja Nagel, Prof. Björn Martenson  und Jan Theissen:</strong><br />
Als Planer und Entwerfer spielen die lokalen Gegebenheiten und Zusammenhänge für uns eine große Rolle. Vor diesem Hintergrund ist es aus unserer Sicht notwendig, die Auswüchse der Globalisierung hinsichtlich des Bauens zu diskutieren: Inwiefern ist es beispielsweise sinnvoll, Bodenbeläge aus China zu importieren, auch wenn es preiswerter ist? Wir sind daran interessiert, zu einem einfacheren Bauen mit regionalen Materialien und klugen, nachhaltigen Lösungen zurückfinden, um damit einen Beitrag zu leisten, wie Probleme im Bereich des Bauens gelöst werden können. Welche lokalen Potenziale können dafür genutzt werden? Auch den hohen Einsatz von Technik im Gebäude hinterfragen wir stark, da er sich am Ende oft nicht rechnet oder keinen wirklichen Beitrag zur Nachhaltigkeit leistet. Wir versuchen deshalb, von Lowtech-Prinzipien, die weltweit zum Einsatz kommen, zu lernen und auszuloten, ob und wie man diese in eigene Bauprojekte integrieren kann. Das verstehen wir unter global denken und lokal handeln.<br />
Da in unserem Büro der Anteil der Umbauprojekte stark zunimmt, interessieren uns Strategien, wie wir an den Bestand, an vorgefundene Konstruktionen oder zumindest an die vorhandenen Baumaterialien anknüpfen können, sehr. Die Frage, wie wir Bausubstanz sinnvoll erhalten und weiterverwenden spielt bei uns eine große Rolle, denn wenn wir ehrlich bilanzieren würden, müssten wir den Neubau als Ausnahme und Umbau als den Regelfall betrachten.</p>
<p><strong>Ist die breite Architektenschaft auf das Planen im Bestand vorbereitet?</strong><br />
Ob die Architektenschaft wirklich gut auf das Planen im Bestand vorbereitet ist, ist schwer zu beurteilen.<br />
Die Lehre reagiert auf jeden Fall aktiv auf diese Entwicklung und behandelt heute Bestandsthemen sehr intensiv. Es gibt Professuren, die sich mit der Bilanzierung von Wertstoffkreisläufen beschäftigen oder damit, welche veränderten Anforderungen an unseren Gebäudebestand bestehen. Diese Themen können unserer Meinung nach gerade in der Lehre sehr gut erforscht und untersucht werden. An der Universität Stuttgart haben wir zum Beispiel im letzten Semester einen Entwurf für Studierende angeboten, der sich mit der Umstrukturierung leerstehender Kaufhäuser und deren speziellen Strukturen intensiv beschäftigt. In der Lehre ist das Thema wirklich angekommen, was die vielen Masterarbeiten beweisen, die sich mit der Umnutzung und Reorganisation von Gebäuden auseinandersetzen.</p>
<p><strong>Wir leben in einer Welt des ungebremsten Materialismus: Welchen Einfluss können Sie als Architekten nehmen, um hier eine Kehrtwende einzuleiten?</strong><br />
Gerade unsere kleineren Projekte und privaten Auftraggeber ermöglichen oft spannende Experimente und eine intensive Auseinandersetzung mit den Potenzialen des jeweiligen Bauprojekts. Dabei können wir interessante und sinnvolle Lösungen entwickeln, um Antworten auf dringende Fragen wie z.B. den Ressourcenverbrauch beim Bauen geben zu können. Die energetische Ertüchtigung und Reorganisation vorhandener Strukturen steht dabei ebenso auf dem Prüfstand, wie der Bau von Einfamilienhäusern. Letzterem begegnen damit, dass wir versuchen, eine sehr lange Nutzbarkeit des Gebäudes durch innovative Grundrissgestaltung und mehrfacher Nutzbarkeit zu gewährleisten, und mit der Entwicklung neuer, attraktiver Wohnformen als Alternative.<br />
Chancen ergeben sich auch, wenn wir als Architekten Materialien nach vorne holen können, die langlebig sind, mit geringerem Energieaufwand hergestellt werden und den regionalen Wirtschaftskreislauf stärken. Ein Thema, das bei Großprojekten wegen des noch immer vorherrschenden Kostendrucks oft gar nicht erst diskutiert wird.<br />
Außerdem können wir als Architekten dem Bauherren intelligente Lösungen vorschlagen anstatt bauliche Probleme nur auf der Produkte- oder Technikebene zu lösen. Wir können ihm von einem moderaten Technikeinsatz überzeugen, ein Bewusstsein für Materialqualität schaffen und den Einfluss, den er durch seine Entscheidungen und sein Handeln auf den Bauprozess und den Gebäudebetrieb hat, aufzeigen.</p>
<p><div class="bg-margin-for-link"><input type='hidden' bg_collapse_expand='69e381d8b23bb1015156596' value='69e381d8b23bb1015156596'><input type='hidden' id='bg-show-more-text-69e381d8b23bb1015156596' value='weiterlesen'><input type='hidden' id='bg-show-less-text-69e381d8b23bb1015156596' value='weniger'><div id='bg-showmore-hidden-69e381d8b23bb1015156596' ><br />
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<p><strong>Nachhaltigkeit befürworten alle, wollen aber oft nicht dafür zahlen. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?</strong><br />
Den Begriff Nachhaltigkeit nutzen wir eher selten, sondern suchen Lösungen, die angemessen und einfach sind. Nachhaltigkeit entsteht bei dieser Herangehensweise fast schon von selbst. Zudem ist dies meist auch im Sinne der privaten Bauherren und Bauherrinnen, die in der Regel überrascht sind, wie teuer das Bauen inzwischen geworden ist. Im Prinzip ist jeder Quadratmeter, den man nicht baut, der nachhaltigste. Deswegen ist es uns ein besonderes Anliegen, die Gebäude und Grundrisse so zu konzipieren, dass sie auf die wirklichen Bedürfnisse zugeschnitten sind und nicht ausufern. Wir denken außerdem über die Erstnutzung hinaus und integrieren Möglichkeiten der Um- oder Andersnutzung bereits in das Projekt. Zu diesem Thema haben wir vor einiger Zeit ein exemplarisches Einfamilienhaus entwickelt, das mehrere Nutzungsszenarien ohne Umbau ermöglicht, es ist ein „Haus der sieben Leben“. Mehrfachnutzungen und resiliente Grundrisse sehen wir als enorm wichtige Aspekte nachhaltiger Gebäude. Die Bauherren erkennen mittlerweile den Mehrwert in dieser Art von Planung.<br />
Als Planer haben wir im Sinne der Nachhaltigkeit auch die Chance, wieder mehr handwerkliche Qualität und hochwertigere Materialen ins Spiel zu bringen. Denn oft ist es den Bauherr*innen schwer zu vermitteln, dass der renovierte Zustand nicht unbedingt billiger ist, jedoch eine höhere Materialqualität am Ende entsteht. Das Verständnis für Haltbarkeit, Langlebigkeit und Patinafähigkeit muss mit den meisten Bauherr*innen jedoch oft erst erarbeitet werden.<br />
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<strong>Auf Ihrer Internetseite schreiben Sie, Ihre Architektur sei deshalb interessant, weil sie durch ständige Auseinandersetzung mit allem entsteht, was man im weiteren Sinne als Kontext bezeichnen könnte. Können Sie uns das näher erläutern?</strong><br />
Die Besonderheit an unseren Arbeiten ist, dass wir sehr individuell und neugierig auf die Bedürfnisse der Nutzer reagieren. Wir loten für jedes Projekt, jeden Bauherrn und jeden Ort immer wieder Budget, lokale Bauformen, Nutzungsanforderungen, baurechtliche Möglichkeiten, technische Anforderungen, neue Bauweisen und Materialien neu aus. All diese Aspekte versuchen wir jedes Mal aufs Neue kreativ zu interpretieren und die gestalterischen Potenziale darin zu entdecken, die den Entwurf bereichern können. Im Prinzip folgen wir keiner präferierten Herangehensweise, Konstruktionsmethode oder einem „Büro-Formenvokabular“ sondern spannen einen Raum auf, in dem sich das Projekt auch in eine für uns überraschende Richtung entwickeln kann. Der Kontext ist für uns also bei jeder Bauaufgabe ein dehnbarer Begriff, der immer wieder neu interpretiert wird.<br />
In einem unserer aktuellen Bauvorhaben ist für uns zum Beispiel Teil des Kontexts, dass der Bauherr aus einer Schreinerfamilie kommt und verschiedene Arbeiten mit der Familie zusammen umgesetzt werden sollen. In diesem Projekt besteht beim Bauherrn ein großes Verständnis für handwerkliche Tradition und Qualität und es ist zudem handwerkliches Können vorhanden.<br />
Das eröffnet uns andere Möglichkeiten als bei Bauherren ohne diesen Hintergrund und beeinflusst dadurch den Entwurf des Gebäudes.</p>
<p><strong>Worin sehen Sie die große Chance für unsere Baukultur?</strong><br />
Wir könnten uns vorstellen, dass bei einer Preissteigerung der fossilen Brennstoffe und damit des internationalen Transports der globale Warenzirkus ins Stocken gerät und in Folge dessen der regionale Produktionsprozess wieder gestärkt wird. Hier sehen wir große Möglichkeiten für die Neuentwicklung von Bauprodukten und Produktionsprozessen.<br />
Eine andere sehr interessante Entwicklung, die seit Jahren stattfindet, ist auch, dass sich Architekten und Architektinnen durch das Internet und die damit verbundenen Möglichkeiten international viel besser und direkter vernetzen können als früher. Durch eine vernetzte Architektenschaft setzen sich gute, innovative Lösungen viel schneller durch. Das gemeinsame Arbeiten beschleunigt und potenziert Entwicklungen, denn das Knowhow der Welt, die Themen an denen aktuell gearbeitet wird, stehen offen da und können in die Projekte einfließen, die lokal bearbeitet werden. Open Source ist eine Chance, Probleme schneller und effizienter in den Griff zu kriegen. Auch kleine Büros – wie wir – sind dadurch weltweit deutlich sichtbarer und können ihr innovatives Potenzial einbringen. Wir hätten mit unserem ersten Haus nie diese Reichweite entfalten können, wenn Architektur-Blogs unsere Arbeit nicht gezeigt hätten. Tatsächlich haben wir am Anfang auf internationaler Ebene viel mehr Zuspruch erhalten als aus Deutschland.</p>
<p><strong>Haben Sie in den letzten Jahren eine Richtungsänderung in der Haltung Ihrer Bauherrenschaft festgestellt?</strong><br />
Viele private Bauherren sind sich inzwischen bewusster, dass sie mit ihrem Lebensstil viele Ressourcen verbrauchen und machen sich dazu Gedanken. Das betrifft natürlich auch das gewünschte Gebäude. Die Diskussionen bzgl. Material, Energie- und Raumbedarf haben sich dadurch verändert, was auch Entscheidungen der Bauherren beeinflusst.<br />
Wir stellen auch fest, dass in letzter Zeit hauptsächlich Bauherr*innen auf uns zukommen, die unsere Arbeiten kennen und die explizit von uns ein Gebäude wollen. Sie sehen die Mehrwerte, die wir in unsere Projekte integrieren und sind sehr viel bereiter, Lösungen in Betracht zu ziehen, die außerhalb des Standards liegen. Das finden wir wunderbar, da wir unser kreatives Potenzial dadurch mehr entfalten können.</p>
<p><strong>Was fehlt Ihnen an der gegenwärtigen Architekturdiskussion?</strong><br />
Mittlerweile begegnet es uns immer öfter, dass die Überreglementierung das nachhaltige Bauen blockiert. Bei Renovierungen oder v.a. auch Umnutzungen greifen mitunter so viele Regularien, das dies zu enormen Baukostensteigerungen führt. Verschreckte Bauherr*innen machen dann oft lieber gar nichts und springen ab oder statt einer Renovierung erfolgt der Abriss, weil für sie der Aufwand dann in keinem Verhältnis mehr steht.<br />
Zu wenig wird unserer Meinung nach auch die Situation der Architekten und Architektinnen diskutiert, die unter immer stärkerem juristischem Druck stehen. Schnell werden die Planungs- oder Ausführungsfehler den Architekten zugeschoben. Alle verlassen das sinkende Schiff und der Architekt steht am Ende alleine auf weiter Flur als „Generalhafter“ da, der für alles verantwortlich gemacht wird. Der Dokumentationsaufwand wird immer größer und man haftet für Kooperationspartner, die man noch nicht einmal selbst ausgesucht hat, wenn man beispielsweise an die Vergabepraxis denkt, dass der günstigste Anbieter den Auftrag erhält. Wir fragen uns, warum sich alle anderen Berufsgruppen aus der Haftung herausnehmen können, beim Arzt unterschreibt man beispielsweise zig Formulare und haftet für alles mehr oder weniger selber. Architekt*innen werden jedoch mitunter dazu genötigt, die ‚Generalhaftung‘ für alle zu übernehmen, obwohl ihr Honoraranteil im gesamten Prozess nicht unbedingt der größte ist. Das ist eine schwierige Situation.</p>
<p><strong>Inwiefern verändert BIM den Entwurf und damit auch die Architektur?</strong><br />
Das Building Information Modelling ist kein Hexenwerk. Bei kleinen Umbauten wird unserer Meinung nach BIM sicher lange keine Rolle spielen, weil es einfach zu aufwändig ist und nicht unbedingt die Qualität steigert. Wir sind ein entwurfsstarkes Büro und nutzen alle Möglichkeiten, die dem Entwurfsprozess dienen. Die Skizze ist nach wie vor ein elementarer Bestandteil in unserer Arbeit, wir bauen Modelle, nutzen 3D-Renderings, CAD-Zeichnungen und Collagen. Das sind alles Werk- zeuge, die beim Denken helfen. Wir wählen das Werk- zeug, das uns effizient zum Ziel führt. Skizzen sind beim Prüfen von Varianten im Verhältnis zum CAD oft einfach effizienter. Auch der Modellbau führt in manchen Aspekten zu schnelleren Lösungen, macht uns mehr Freude und wir können die Bauherren damit besser im Prozess mitnehmen. Unsere Erfahrung ist auch, je komplexer das 3D-Modell wird, desto unwilliger wird man größere Veränderungen am Projekt vornehmen. Der Weg vom Kopf zur Hand ist einfach immer noch der kürzeste.</p>
<p><strong>Wie stellen Sie sich das Leben in den Städten in 10 bis 20 Jahren vor?</strong><br />
Da gibt es sicher verschiedene Aspekte, die man betrachten kann. Aktuell wird – angefeuert durch Corona – offensichtlich und auch beschleunigt, dass sich Arbeit durch die laufenden Digitalisierungsprozesse stark verändern wird und sich Arbeitsorte verlagern werden. In Innenstädten entstehen dadurch Freiräume für anderweitige Nutzungen. Die Stadtstrukturen könnten dadurch wieder heterogener, die Durchmischung von Wohnen und Arbeiten gesteigert werden. Wir hoffen, dass es dadurch wieder zu einer Rückbesinnung auf das Quartier mit kleinräumigeren, vielfältigeren Angeboten kommt und zu einer Abkehr von der Funktionstrennungen und der damit einhergehenden monofunktionalen Stadtgebiete. Wenn in Städten allerdings weiterhin diese enormen Preissteigerungen bei Grundstücken und beim Bauen generell stattfinden, steigt die Tendenz, wieder auf das Land zurückzukehren. Die aktuelle Situation hat neuen Möglichkeiten des mobilen Arbeitens eröffnet und unterstützt diese Entwicklung. Spannende neue Möglichkeiten eröffnen sich für uns alle.</p>
<p><strong>Wie wird die Arbeit des Architekten Ihrer Meinung in 10 Jahren aussehen?</strong><br />
Die Digitalisierung wird vor dem Architektenberuf – da muss man sich keinerlei Illusionen machen – nicht Halt machen. Es wird immer mehr Unterstützungs-Tools geben, die Standardgrundrisse auf Basis der vorhandenen Lösungen vermutlich sogar besser lösen können, als der Architekt. Vor diesem Hintergrund stellt sich für uns die Frage, welche Kernkompetenz Architekten in Zukunft bieten müssen?<br />
Weiter ist unsere Vermutung, dass die Entwicklung in Richtung großer Architekturbüros gehen wird, die hunderte von Mitarbeiter*innen haben. Allein schon die ganze Haftungs- und Ausschreibungsthematik führt dazu, dass sich die Architekturbürolandschaft immer weiter in Großstrukturen verfestigt. Im Gegenzug dazu wird es sehr kleine und agile Büros geben, die sich in Netzwerken oder in fluktuierenden Kollaborationen zusammenschließen. Dazwischen liegen mittelgroße Büros, die sich wahrscheinlich eher schwer tun, weil sie weder agil genug sind, noch das Potenzial haben, sich aufgrund der geforderten Voraussetzungen an öffentlichen Aufträgen oder an Wettbewerben zu beteiligen. Letztlich ist das eine Situation, die sich schon relativ lange abzeichnet und immer weiter voranschreitet. Die Chance kleiner Büros ist, aus unserer Sicht, das Neubewerten und Umdeuten von Bestandsbauten. Die Aufgabe, Gebäude neu zu strukturieren und umzubauen, ist für viele große Architekturbüros oft unrentabel, weil das komplexe Sonderlösungen erfordert. Darüber hinaus sind sie meist überregional tätig und können dadurch nicht nah genug am Objekt und dessen Umfeld agieren. Deshalb könnte dieser Aufgabenbereich für kleinere und mittlere Büros interessant sein und als Expertise ausgebaut werden. </div></div><a id='bg-showmore-action-69e381d8b23bb1015156596' class='bg-showmore-plg-link bg-arrow ait_read-more'  style=" color:inherit;;" href='#'>weiterlesen</a></p>
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<p><strong>Über Prof. Sonja Nagel, Prof. Björn Martenson und Jan Theissen</strong><br />
Björn Martenson schloss 1997 sein Architekturstudium an der RWTH Aachen im Fachbereich Architektur ab. Er war Lehrbeauftragter an der Bergischen Universität Wuppertal und an der RWTH Aachen. Im Jahr 2017/2018 war Björn Martenson Gastprofessor an der TU München und ist seit 2020 an der Hochschule München als Professor tätig.<br />
Sonja Nagel hatte Architektur und Design an der Akademie der Bildenden Künste (ABK) Stuttgart und der Universität Stuttgart studiert. Jan Theissen hatte zunächst Produktdesign an der HBK Saarbrücken und der Design Academy Eindhoven studiert, bevor er ein Architekturstudium am Pratt Institute Brooklyn NY und ebenfalls an der ABK in Stuttgart absolvierte. Über ihre Entwurfstätigkeit hinaus waren Nagel und Theissen Assistenten bzw. Dozenten an der ABK in Stuttgart und unterrichteten von 2015 bis 2017 Entwerfen an der PBSA in Düsseldorf, ab 2018 an der TU Darmstadt und seit 2019 an der Universität Stuttgart. Im Jahr 2017 erhielten sie ein Bundesstipendium für einen 6-monatigen Aufenthalt an der Cité International des Arts in Paris, wo sie an ihrem Bildatlas über Alltagsarchitektur als Ressource für den Entwurf arbeiteten.<br />
Ihre Projekte wurden 2010 mit dem Weißenhof-Architektur-Förderpreis für junge Architektinnen und Architekten, sowie 2012 mit dem Hugo-Häring-Preis und 2013 mit dem Deutschen Architekturpreis ausgezeichnet. Im Rahmen der Ausstellung ›Reduce/Reuse/Recycle‹ wurde ihr Projekt ›Schreber‹, eine Sanierung und Erweiterung eines Siedlungshauses, im Deutschen Pavillon auf der Architekturbiennale 2012 in Venedig vorgestellt.<br />
<a href="https://amunt.info">www.amunt.info</a></p>
<p>Lesen Sie mehr aus der Reihe <strong>Upcoming Architects facing new Conditions</strong> auf der Seite <a href="https://www.grohe-x.com/de-de/architekturwelt/grohe-digital-talks" target="_blank" rel="noopener">GROHE Digital Talks</a></p>
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		<title>Upcoming Architects Facing New Conditions – Interview mit Roger Wirtz von Stein Hemmes Wirtz Architekten</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/upcoming-architects-facing-new-conditions-interview-mit-roger-wirtz-stein-hemmes-wirtz-architekten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Juliane Lorenz-Elliot]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Dec 2021 12:30:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ait-xia-dialog.de/?post_type=ait-dialog-blog&#038;p=379147</guid>

					<description><![CDATA["Um etwas Dauerhaftes, etwas Nachhaltiges zu schaffen muss Bauen teuer sein. Die extrem hohen Marktpreise in unseren verdichteten städtischen Lagen werden fast selbstverständlich geschluckt, aber beim Bau ist die Bereitschaft, Werte im Sinne einer lebenswerten Umwelt zu schaffen, oftmals nicht gegeben. Es ist darum sehr wichtig, dass die Architektenschaft in die breite Öffentlichkeit kommuniziert und den Kontakt zur Bevölkerung sucht."
Roger Wirtz von Stein Hemmes Wirtz Architekten]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/Wirtz_Portrait.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Roger Wirtz" data-rel="lightbox-gallery-17"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/Wirtz_Portrait.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/Wirtz_Scheune_Minden.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Scheune, Minden (Foto: Eibe Sönnecken)" data-rel="lightbox-gallery-17"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/Wirtz_Scheune_Minden.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/Wirtz_TRIFT.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Wohnhaus Triftstraße, Frankfurt (Foto: Eibe Sönnecken)" data-rel="lightbox-gallery-17"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/Wirtz_TRIFT.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/Wirtz_Mettmann.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Evangelisches Gemeindezentrum, Neue Mitte Mettmann (Foto: Eibe Sönnecken)" data-rel="lightbox-gallery-17"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/Wirtz_Mettmann.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
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<p><strong>Upcoming Architects</strong> nehmen Stellung, wie sie den Herausforderungen des globalen Wandels begegnen und wie sie ihre Position als Ideengeber, Neuschöpfer und Qualitätssetzer behaupten. Lesen Sie dazu hier das Gespräch mit Roger Wirtz von Stein Hemmes Wirtz Architekten.</p>
<p><em>„Um etwas Dauerhaftes, etwas Nachhaltiges zu schaffen muss Bauen teuer sein. Die extrem hohen Marktpreise in unseren verdichteten städtischen Lagen werden fast selbstverständlich geschluckt, aber beim Bau ist die Bereitschaft, Werte im Sinne einer lebenswerten Umwelt zu schaffen, oftmals nicht gegeben. Es ist darum sehr wichtig, dass die Architektenschaft in die breite Öffentlichkeit kommuniziert und den Kontakt zur Bevölkerung sucht.“ </em> Roger Wirtz</p>
<p><strong>GROHE: Auf Ihrer Homepage formulieren Sie, dass Sie Nachhaltigkeit als Ökologie sehen, die effizient mit Ressourcen umgeht und regionale Materialien verwendet. Können Sie das näher erläutern?</strong><br />
<strong>Roger Wirtz:</strong> Nachhaltigkeit wird in der Baubranche vielfach rein technisch in Erfüllung von Bilanzen betrachtet. Für uns geht das Thema über die Energie­effizienz hinaus. Wir versuchen, uns im Sinne der Suffizienz auf das Wesentliche zu konzentrieren und setzen hierbei gerne regionale Materialien ein. Nicht nur um die Lieferwege kurzzuhalten. Wir beobachten, dass Menschen Räume und Materialien, die sie selbstver­ständlich, gut und gerne benutzten, erhalten und schützen. Auf diese Weise sind sie nachhaltiger als Austauschbare.</p>
<p><strong>Welches Ihrer Projekte finden Sie für die aktuelle Architekturdiskussion in Deutschland am relevantesten?</strong><br />
Das ist schwer zu beantworten. Grundsätzlich begrüßen wir den Vormarsch des Holzbaus. Holz hat in der Grund­konstruktion einen sehr niedrigen CO2­Fußabdruck. Als Beispiel benenne ich aber auch gerne das evangelische Gemeindezentrum mitsamt Kirchensanierung in Mett­mann. Dort konnten wir einen innerstädtischen ‚Unort‘ – bislang ein zugewucherter Parkplatz – aktivieren und daraus einen öffentlichen Platz gestalten, von dem sehr viele Menschen über die Kirche hinaus profitieren. Dieses Projekt und diese räumliche Situation finden wir inspirierend und sie deckt sich mit unserer Architektur­auffassung.<br />
Auch in Bezug auf die Materialität drückt das Gebäude Wertigkeit aus – wir haben mit Grauwacke, ein orts­typisches Gestein verwendet und den Kirchenstandort gleichzeitig zeitgemäß ergänzt. Darüber hinaus kam im Außen-­ und Innenraum Holz zum Einsatz, sodass der Ort Wärme ausstrahlt. Für uns ist es die größte Anerkennung, wenn Menschen sich an neu geschaf­fenen Orten gerne aufhalten. Und das ist hier der Fall.</p>
<p><strong>Fehlt Ihnen etwas an der gegenwärtigen Architekturdiskussion?</strong><br />
Es fehlt mir vor allen Dingen der breite gesellschaftliche Konsens, also die Auseinandersetzung der Öffentlichkeit mit Baukultur. Gerade bei Diskussionen um die Baupreis­steigerung kommt zu kurz, dass es um die Schaffung von dauerhaften Werten geht. Dabei ist die Abkehr von Gebäuden, die nach 15 Jahren Abschreibung weggeworfen werden, besonders wichtig. Um etwas Dauerhaftes, etwas Nachhaltiges zu schaffen, muss Bauen teuer sein. Die extrem hohen Marktpreise in unseren verdichteten städtischen Lagen werden fast selbstverständlich geschluckt, aber beim Bau ist die Bereitschaft, Werte im Sinne einer lebenswerten Umwelt zu schaffen, oftmals nicht gegeben. Es ist darum sehr wichtig, dass die Architektenschaft in die breite Öffent­lichkeit kommuniziert und den Kontakt zur Bevölkerung sucht. Man darf sich nicht zu schade sein, Diskussionen zu Qualität und Nachhaltigkeit hoch zu halten – selbst dann, wenn sie in der Familie, im Freundes-­ oder im Bekanntenkreis stattfindet. Die ‚Geiz-ist-geil‘ und die Wegwerfmentalität ist ein Affront gegenüber unserer Baukultur und bringt keinen weiter.</p>
<p><strong>Der Titel unserer Interviewreihe heißt „Upcoming Architects Facing New Conditions”. Mit welchen neuen Bedingungen sehen Sie sich konfrontiert?</strong><br />
Ich habe Lust auf Veränderungen. Es gilt immer auf Veränderungen zu reagieren, sie sind für uns eine große Motivation. Es gibt rein aus Sicht des Klimawandels notwendige Veränderungen. Wir müssen über Baustoff­kreisläufe nachdenken. Und das ist etwas Gutes, aber beim besten Willen nichts Neues. Stoffkreisläufe zu berücksichtigen war bis vor der Industrialisierung das A und O, nur so konnte man bauen. Das Thema ist also etwas Dagewesenes, das es wieder aufzugreifen gilt. Aber natürlich befinden wir uns im Wandel und sind eine älter werdende Gesellschaft.</p>
<p><div class="bg-margin-for-link"><input type='hidden' bg_collapse_expand='69e381d8bbd864028766787' value='69e381d8bbd864028766787'><input type='hidden' id='bg-show-more-text-69e381d8bbd864028766787' value='weiterlesen'><input type='hidden' id='bg-show-less-text-69e381d8bbd864028766787' value='weniger'><div id='bg-showmore-hidden-69e381d8bbd864028766787' ><br />
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<p><strong>Was benötigen wir angesichts des Klimawandels, der Ressourcenknappheit und der Energie­effizienzthematik für Architektur? Müssen wir umdenken oder sind wir gut vorbereitet?</strong><br />
Die Frage geht über die Architektur hinaus. Ich finde, vor allem die jüngere Generation tritt sehr sensibilisiert auf. Es wird ja oft über die jungen Absolvent*innen geschimpft, weil die Ausbildung in eine falsche Richtung gehe. Wo sie auf jeden Fall in die richtige Richtung geht, ist in puncto Klimazukunft. Da gibt es eine sehr hohe Motivation und Diskussionsfreude innerhalb der Hochschulen, Büros und darüber hinaus. Im Bausektor hantieren wir als Architekt*innen mit sehr hohen Primärenergie­-Einsätzen, wo wir reagieren können.<br />
Wir haben bis vor Kurzem immer darüber nachgedacht, wie wir unsere Häuser dazu bringen, im Winter weniger Energie zu brauchen. Das ist nicht mehr die eine Aufgabe der Zukunft: Wir müssen gucken, wie wir unsere Gebäude vor Überhitzung schützen, denn dort ist der Energieverschleiß durch Kühlung viel höher als beim Heizen. Bei dem Thema finde ich Low-Tech-Ansätze übrigens immer sehr reizvoll. Es ist schon viel gewonnen, wenn man bei Sonnenschein den Rollladen runter lassen kann. Dazu kommt, dass Wohnungsbaugesellschaften jetzt mehr und mehr nutzungsneutrale Grundrisse wollen. Die Frage ist da dann: Wie müssen die Grund­risse aussehen? Welche Deckenhöhen brauchen wir? Aktuell haben wir viel Sanierungsbedarf bei Gebäuden aus den 1970er Jahren, wo eigentlich nur noch abgerissen werden kann. Damals wurden aus wirt­schaftlichem Gründen Geschosshöhen von 2,40 Meter realisiert, die sich fast gar nicht umnutzen lassen – diesen Fehler dürfen wir nicht noch mal machen! Die Lebenszyklusbetrachtung inklusive der Wiederver­wertung von Gebäuden bei Planung und Bau nicht aus den Augen zu verlieren, wäre eine echte Optimierung auch im Investmentbereich.</p>
<p><strong>Unser aller Leben hat sich seit der Pandemie verändert – hat das auch Einflüsse auf unsere Baukultur?</strong><br />
Es gab einen Zwischentrend&#8230; wenn ich lese, dass Frankfurt nicht mehr wächst, ist festzustellen, dass aufgrund von Wanderungsbewegung der Druck auf die Metropolen nachlässt und im gleichen Maße in der Peripherie zunimmt. Das heißt, die Metropolregionen wachsen und entwickeln sich, während die Kernpunkte in den Metropolen verlieren. Das finde ich schwierig, weil Wege so wieder länger werden. Eine innerstädtische Verdichtung ist erforderlich – dafür hat unsere Bevöl­kerung ein ausgeprägtes Bewusstsein. Je weiter ich aber in die Peripherie komme – das darf ich als gebürtiger Landmensch an dieser Stelle so sagen – desto schwerer tut man sich. Dort ist man noch nicht so weit, dass man das, was man hat, schätzen kann. Gerade in Dörfern, die funktionieren, wird die kohärente Erscheinung zugunsten von Neubaugebieten geopfert. Das ist eine Entwicklung, die es zu vermeiden gilt. Hinzu kommen Veränderungen durch mobiles Arbeiten. Ich hoffe, dass damit Einsparungen erzielt werden können und der Rückbau von monofunktionalen Innenstädten als Trend bestehen bleibt, sodass zahlreiche Bürogebäude entfallen können und die Arbeitenden sich weniger Plätze teilen. Der Anstieg der Arbeit im häuslichen Umfeld lässt dabei hoffen, dass das Bewusstsein für die Wertigkeit der eigenen Wohnumgebung steigt; weil sie nicht mehr nur die Schlafstadt ist, sondern der Aufenthaltsort, an dem man einen großen Teil seiner Lebenszeit verbringt.</p>
<p><strong>Wenn Sie als Architekt ab heute das Bundes­ministerium des Inneren für Bau und Heimat leiten würden, was würden Sie als Erstes ändern?</strong><br />
Ich würde die Vorbildfunktion des Bundes ernstnehmen. Gerade die Öffentliche Hand sollte mit bestem Beispiel vorangehen, um mit kreislaufgerechten Bauweisen eine qualitätvolle Umwelt zu gestalten und das nicht nur bei einzelnen Vorzeigeprojekten! Qualität kostet natürlich Geld – Geld das jedoch sehr gut angelegt wäre, da es den Bürger*innen zeigt, dass ihre Zukunft wichtig ist. Des Weiteren würde ich jede Außenentwicklung infrage stellen und die stetige Flächenversiegelung stoppen. Und dann würde ich bei meinen Kolleg*innen des Verkehrsministeriums darauf hinwirken, dass kein Geld mehr in den zusätzlichen Ausbau von Straßen investiert wird, um die individuelle Mobilität durch Verbrennungs­motoren und so weiter einzuschränken. Mobilität werden wir brauchen. Es geht darum, über andere Konzepte nachzudenken und da kommt uns auch die Digitalisie­rung entgegen. Wenn ich nicht mehr jeden Tag pendeln muss, kann die ländliche Region vorangebracht werden.</p>
<p><strong>Es heißt immer wieder: Deutschland ist gebaut. Wie bauen Sie den Bestand in Ihr Konzept ein?</strong><br />
Vor 18 Jahren, als ich studiert habe, wurde auf der TU Darmstadt genau dieser Satz formuliert: „Deutschland ist gebaut! Was wollt ihr eigentlich hier? Ihr könnt nach Hause gehen.“ Es hat sich gezeigt: Wir werden gebraucht. Schon damals ging dieser Satz also nicht mit der Lehre einher. Liegt aber vielleicht auch an uns Studierenden damals, weil wir Neubau­entwürfe einfach lieber gemacht haben. Nichtsdestotrotz ‚Bauen im Bestand‘ ist in den Hochschulen angekommen. Wichtig ist aber darüber hinaus, dass die Lehre weiterhin vermittelt: Wie schaffe ich Qualität? Welche Entwurfsinstrumente sind geeignet? Wie führe ich ein Projekt und bringe es zum Abschluss? Diese Themen kann man auf Neubau und Bestand anwenden. Natür­lich gibt es da Spezifika, die man vertiefen muss, aber die lernt man dann möglicherweise auch im Büro am gebauten Beispiel. Als Büro haben wir immer wieder kleinere Bestandsumbauten, aber wir planen nach wie vor viele Neubauten. Deshalb war der Spruch vor 18 Jahren falsch, er wird aber immer richtiger.</p>
<p><strong>Die Share­Economy ist im Trend. Welche Auswirkungen hat dieser Trend auf unsere Architektur?</strong><br />
Der Einfluss wird hoffentlich sehr groß sein. Wir arbeiten z.B. gerade an auto­reduzierten Quartieren. Selbst in Städten wie Trier, wo das Auto noch sehr verhaftet ist. Wir meinen, die Straße und der öffentliche Raum ist nicht mehr dem Auto vorzubehalten, sondern den Menschen. Wir suchen dabei immer auch nach Lösungen für den Umgang mit dem stehenden Auto. Die Lösung kann da aber nicht immer sein, dass wir das Auto in Tiefgaragen parken, sondern dass wir fragen, braucht man das Auto überhaupt? Und da haben die Sharing­Konzepte eine ganz klare, zentrale Bedeutung. Parkgebäude müssen in Quartieren trotzdem nach wie vor platziert werden, aber eben nicht monofunktional. Möglicherweise kann die Parkfunktion als Aktivator dienen, um weitere verwandte Themen anzubinden wie Fahrradstellplätze, Paketanlieferstellen oder den Anknüpfungspunkt an den öffentlichen Nahverkehr. Und dann gibt es auch die Option sich architektonisch äußern zu können. Nicht als plumpes Parkgebäude, sondern in Form von aktivierten Energie­fassaden mit Photovoltaik oder Windkraft auf dem Dach. In Städten wie Kopenhagen ist man in solchen Fragen schon viel weiter, da können wir uns einiges abschauen.</p>
<p><strong>Mit welchem Anforderungsprofil müssen sich Architekt*innen künftig auseinandersetzten – auch im Hinblick auf ihre wachsende soziale Verantwortung?</strong><br />
Wir können immer nur Teilaspekte belegen und müssen offen sein für gemeinschaftliche, soziale Bauaufgaben. Da sind andere demokratische und kommunikative Prozesse gefordert, die man aufnehmen muss und die vielleicht nicht ganz einfach sind, wenn man über Beteiligung nachdenkt. Das ist genau das Gegenteil von schillernder Stararchitektur, wo man sagt: „Ich möchte mich verewigen, haut raus.“ Ich persönlich hoffe, dass das Berufsfeld des Architekten im Kern erhalten bleibt – nämlich der bauende Architekt. Je größer das Büro wird, desto mehr sind wir auf Teilbereiche unserer Arbeit verhaftet und dadurch geht viel verloren. Das ist eine Veränderung, auf die wir ungern reagieren, weil wir unsere Entwürfe auch umsetzen wollen. Gleichzeitig merken wir im Büro, wenn wir zum Beispiel für eine Genossenschaft tätig sind, dass es häufig darum geht, die Gewinnabschöpfung nicht anderen zu überlassen, sondern diese in die Qualität des Bau­projekts zu investieren. Da gibt es hervorragende Beispiele, wo das gemeinschaftliche Bauen gerade zu einer Umkehr führt und das müsste man, auf eine breitere Basis stellen, um mehr Menschen mit einzu­beziehen. In der Kommunikation ist das vielleicht etwas anstrengender als bei nur einem*r Auftraggeber*in, aber das ist das Wesen unserer Gesellschaft, dass viele zu Wort kommen und dass man im Diskurs weiterkommt. </div></div><a id='bg-showmore-action-69e381d8bbd864028766787' class='bg-showmore-plg-link bg-arrow ait_read-more'  style=" color:inherit;;" href='#'>weiterlesen</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Anspruch</strong><br />
<em>„Auf der Suche nach zeitgemäßen Antworten auf vielfältige Bauaufgaben finden wir seit 1992 nachhaltige Lösungen. Nachhaltigkeit begreifen wir dabei ökologisch als effizienten Umgang mit Ressourcen und Verwendung regionaler Materialien und ökonomisch als Einsatz dauerhafter Baustoffe und Konstruktionen. Funktionierende und flexible Gebäudekonzepte haben inhaltlich und zeitlich Bestand. Ein Haus, das darüber hinaus durch eine hohe Gestaltqualität besticht, wird zum Identitätsträger für eine Familie, eine Stadt, für die Gesellschaft, und wird so dauerhaft erhalten. “Was schön ist bleibt.” Darum verknüpfen wir in unseren Projekten energetisches Bauen, über gesetzlich geforderte Mindeststandards hinaus, mit dem gestalterischen Anspruch an uns selbst und gegenüber unserer Umwelt.&#8221;</em></p>
<p><strong>Über Roger Wirtz</strong><br />
Roger Wirtz (*1976), Dipl.?Ing. Architekt BDA, studierte an der TU Darmstadt. Vor seinem Studium absolvierte er von 1997?1999 zunächst eine Ausbildung zum Bauzeichner in Trier. Neben freiberuflichen Tätigkeiten während seines Studiums folgte 2005 ein Auslandspraktikum bei querkraft architekten in Wien. Nach seinem Diplom 2006 bei Prof. Günter Pfeifer arbeitete er bei Jo. Franzke Architekten in Frankfurt / Main. 2008 erfolgte die Eintragung in die Architektenliste der hessischen Architektenkammer. Seit 2010 ist er Partner im Büro ARCHITEKTEN STEIN HEMMES WIRTZ und gründete die Niederlassung in Frankfurt / Main, die er seitdem gemeinsam mit seiner Frau Sabrina Wirtz führt. Im Jahr 2018 wurde er in den Bund deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) berufen. Neben Gastkritiken, Werk? und Fachvorträgen engagiert sich Roger Wirtz im Sinne der Baukultur auf dem Land und in der Stadt.<br />
<a href="https://www.stein-hemmes-wirtz.de/home/">www.stein-hemmes-wirtz.de</a></p>
<p>Lesen Sie mehr aus der Reihe <strong>Upcoming Architects facing new Conditions</strong> auf der Seite <a href="https://www.grohe-x.com/de-de/architekturwelt/grohe-digital-talks">GROHE Digital Talks</a></p>
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		<title>Upcoming Architects Facing New Conditions – Interview mit Fabian Onneken und Jan Keinath, KO/OK Architektur</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/upcoming-architects-facing-new-conditions-interview-mit-m-sc-fabian-onneken-und-m-sc-jan-keinath-ko-ok-architektur/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Juliane Lorenz-Elliot]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Dec 2021 11:34:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ait-xia-dialog.de/?post_type=ait-dialog-blog&#038;p=379133</guid>

					<description><![CDATA["Auch wenn das wahrscheinlich die meisten Architekt*innen noch nicht wahrhaben wollen: Wir sind im Entwurfs- und Planungsbereich längst bei einer digitalen Gebäudemodellierung angekommen. Die Frage ist hierbei: Setzt du deine Werkzeuge sinnvoll ein oder verlierst du dich darin? Wenn man davon ausgeht, dass der Einsatz an richtiger Stelle stattfindet und die Kommunikation mit anderen dadurch erleichtert wird, dann schafft das neue Freiheiten und Möglichkeiten."
Fabian Onneken und Jan Keinath, KO/OK Architektur]]></description>
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/KO-OK_Portrait.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Fabian Onneken und Jan Keinath, KO/OK Architektur" data-rel="lightbox-gallery-18"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/KO-OK_Portrait.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/KO-OK_DasWaldhorn.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Gasthaus und Hotel &quot;Das Waldhorn&quot;, Kirchheim unter Teck" data-rel="lightbox-gallery-18"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/KO-OK_DasWaldhorn.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/KO-OK_Header-e1641217975527.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Kegelbahn, Wülknitz" data-rel="lightbox-gallery-18"><img decoding="async" width="900" height="506" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/KO-OK_Header-e1641217975527.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/KO-OK_Lueckenschluss.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Mehrfamilienwohnhaus als Lückenschluss, Leipzig-Connewitz" data-rel="lightbox-gallery-18"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/KO-OK_Lueckenschluss.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
</p>
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<p><strong>Upcoming Architects</strong> nehmen Stellung, wie sie den Herausforderungen des globalen Wandels begegnen und wie sie ihre Position als Ideengeber, Neuschöpfer und Qualitätssetzer behaupten. Lesen Sie dazu hier das Gespräch mit Fabian Onneken und Jan Keinath von KO/OK Architektur.</p>
<p><em>„Auch wenn das wahrscheinlich die meisten Architekt*innen noch nicht wahrhaben wollen: Wir sind im Entwurfs- und Planungsbereich längst bei einer digitalen Gebäudemodellierung angekommen. Die Frage ist hierbei: Setzt du deine Werkzeuge sinnvoll ein oder verlierst du dich darin? Wenn man davon ausgeht, dass der Einsatz an richtiger Stelle stattfindet und die Kommunikation mit anderen dadurch erleichtert wird, dann schafft das neue Freiheiten und Möglichkeiten.“ </em><br />
Fabian Onneken und Jan Keinath</p>
<p><strong>GROHE: Auf Ihrer Website steht, dass Sie Ihre Projekte mit einem besonderen Fokus auf Materialisierung und Handwerk gestalten. Können Sie das näher erläutern?</strong><br />
<strong>Fabian Onneken und Jan Keinath: </strong>Unser Ansatz ist, anhand einer guten und durchdachten Detaillierung und Materialisierung eine hohe architekto­nische Qualität zu erzeugen, die nicht auf eine hoch­preisige Ausführung zurückzuführen sein muss. Mit dem besonderen Fokus auf Materialisierung ist gemeint, dass wir stets versuchen, Bauherren früh im Projekt ein Gefühl dafür zu geben, wie ihr Gebäude am Ende aus­sieht, wie es sich anfühlt, wie es riecht. Diese emotio­nale Dimension von Materialien ist uns sehr wichtig.</p>
<p><strong>Was sind die Materialien, die Sie besonders bevorzugen und was sind für Sie die Materialien der Zukunft?</strong><br />
Pauschal kann man das nicht beantworten, die Material­wahl ergibt sich meistens aus dem Kontext. Aber sicher­lich haben wir, rückblickend auf die bisherigen Projekte, einen starken Fokus auf dem Thema Holz. Grundsätzlich versuchen wir mit Materialien zu arbeiten, die eine inter­essante Haptik und Oberfläche haben und ein Gebäude in Würde altern lassen. Wir denken Räume nicht losge­ löst vom Material, sondern befassen uns damit wie ein Material aussieht, wenn eine Macke drin ist oder wenn die Sonne fünf Jahre drauf scheint. Schnell kommt man da zum Holz, weil es sowohl im Innenraum als auch für die äußere Gestalt von Gebäuden immense Potenziale hat.</p>
<p>Unser Ziel ist es, einfach zu bauen und bei jedem Projekt zu versuchen, ein Gebäude zu schaffen, an das man im Idealfall in den kommenden Jahrzehnten nicht mehr „ran muss“; was unter anderem auch impliziert, mög­lichst wenig wartungsrelevante Technik einzubauen.</p>
<p><strong>Haben Sie die Erfahrung gemacht, dass Bauherren von Nachhaltigkeit absehen, sobald diese Mehrkosten auslöst?</strong><br />
Wir versuchen immer von Anbeginn Nachhaltigkeits­aspekte mitzudenken, bieten also nicht die Option ‚Normal plus X‘ an. Nachhaltigkeit ist ja nicht nur auf das Thema Material und Bauweise gemünzt, sondern genauso auf die Art und Weise, wie Räume organisiert werden und nutzbar sind. Alle unsere Projekte standen und stehen unter einem extrem hohen Kostendruck, und trotzdem haben wir es bisher über das Thema Materialisierung und einen maßvollen Umgang mit der Ressource Raum geschafft, zu nachhaltigen Lösungen zu kommen.</p>
<p><div class="bg-margin-for-link"><input type='hidden' bg_collapse_expand='69e381d8c46b31098014104' value='69e381d8c46b31098014104'><input type='hidden' id='bg-show-more-text-69e381d8c46b31098014104' value='weiterlesen'><input type='hidden' id='bg-show-less-text-69e381d8c46b31098014104' value='Weniger'><div id='bg-showmore-hidden-69e381d8c46b31098014104' ></p>
<p><strong>Worin sehen Sie eine Möglichkeit, den Überkonsum von Ressourcen im Baugewerbe zu bekämpfen?</strong><br />
Das Wichtigste ist zunächst die Abkehr von einer schein­heiligen Nachhaltigkeitsdebatte. Bislang spielte in der Baubranche kaum eine Rolle, woher man die Materialien bezieht, wie recycelbar sie sind oder was für eine graue Energie drinsteckt. Solange Nachhaltigkeit im Bauen nicht gesamtheitlich gedacht wird, gibt es für die Bau­branche oft keinen Anreiz, andere Lösungen zu finden. Bei uns steht immer auch der Lebenszyklus der Gebäude im Fokus. Je länger ein Gebäude steht und je besser ich es reparieren, austauschen und überarbeiten kann, desto besser wird die Gesamtbilanz. Die Architektur an sich muss also nachhaltig sein, die Materialwahl natürlich auch. Aber wie alles miteinander verbunden ist, wie es konstruiert ist, muss ebenfalls bedacht sein. Ein weiterer wichtiger Nachhaltigkeitsaspekt ist die Region: Wir versuchen mit unserem Büro konsequent regional zu arbeiten, um vor allem das Handwerk zu stärken. Wir sind darauf angewiesen, denn ohne kompetentes Handwerk ist unsere Architektur nichts.</p>
<p><strong>In vielen Bundesländern gab es dramatische Stürme oder Überflutungen, die ganze Straßenzüge zerstört haben. </strong><strong>Müssen wir unsere Gebäude mit Blick auf die Kraft der Naturgewalten aufrüsten?</strong><br />
Wir denken, dass das perspektivisch einen deutlichen Einfluss auf die Planungskultur haben wird und bei uns auch schon lange hat. Dieser Parameter ist jedoch nicht neu, sondern verschärft sich lediglich und wurde in den letzten Jahren oft ignoriert. Man kann ein einzelnes Gebäude zwar resistenter oder robuster gestalten, kann sie aber nicht losgelöst und solitär betrachten. Sie sind als Bestandteil in einem komplexen System aus baulichen Strukturen und einem Umfeld aus Einflussfaktoren zu sehen. Da spielen Aspekte wie Flächenversiegelung, Verkehrsströme, Licht und Luft, Wandelbarkeit und Anpassungsfähigkeit eine Rolle, die eher von übergeordneter Stelle langfristig erforscht, thematisiert und implementiert und die interdisziplinär gedacht werden müssen. Das ist ein Prozess, im dem wir als Architekt*innen Impuls­ und Ideengeber sein müssen, um suffizienter planen und bauen zu können.</p>
<p><strong>In manchen Bautypologien, wie beispielsweise beim Thema Wohnen, hängt die Architektur den Bedürfnissen der Gesellschaft noch deutlich hinterher. Sollte der Staat hier mehr regulieren?</strong><br />
Pauschal kann man die Frage nicht mit Ja oder Nein beantworten. Wir merken, dass bei privaten Bauherren oft die aktuelle Lebenssituation die räumliche Anforde­rung bestimmt. Dabei wird oft vergessen, dass sich die Anforderungen recht schnell wandeln können und die Architektur dafür schon heute mitgedacht werden muss. Wir denken, dass wir als Architekten diese Aspekte schon früh thematisieren sollten, um die Architektur flexibler und wandelbarer zu gestalten und somit den Grundstein für eine nachhaltige Nutzung über die nächsten Dekaden zu legen.</p>
<p><strong>Alles eine Frage von Angebot und Nachfrage! Investoren sagen oft: „Warum in neue Ideen investieren, wenn wir mit gewohnten Programmen wie eh und je Geld verdienen?“</strong><br />
Investoren bauen ja meistens, um Geld zu verdienen und legen damit andere Maßstäbe an, die nicht immer zu den aktuellen Bedürfnissen einer Gesellschaft oder sich wandelnden Bedürfnissen passen. Es gibt in den letzten Jahren und gerade auch aktuell fantastische Praxisbeispiele bei denen z.B. Genossenschaften und andere Modelle mutige, wandelbare und zukunfts­weisende Typologien ausprobieren. Diese „Best Practice“ Beispiele haben dann hoffentlich einen Einfluss auf die Baukultur der rein Profit orientierten Investoren und verändern auf lange Sicht auch die Bauweise insgesamt. Aber dafür braucht es einen langen Atem, Überzeugungs­arbeit und Lust, Neues auszuprobieren.</p>
<p><strong>Gibt es etwas, was Ihnen an der zeitgenössischen Architekturdiskussion fehlt?</strong><br />
Uns fehlt die Wahrnehmung, dass Architektur eine sehr lange Zeit überdauern muss und auch so geplant und gestaltet sein sollte. Momentan ist, auch durch die zunehmende Nutzung von Social Media, die Architektur extrem bildorientiert. Wir versuchen Architektur zu durchdringen und in ihren Einzelaspekten zu überprüfen, um sie langfristig nutzbar und wandelbar zu machen. Außerdem nervt uns das Greenwashing von Projekten und eine zwanghafte Technisierung. Wir glauben, da braucht es neuen Input.</p>
<p><strong>Während westliche Architekt*innen lange die globale Baukunst bestimmt haben, wächst das Interesse an Architekturbüros nicht westlicher Länder. Was können wir von anderen Baukulturen lernen?</strong><br />
Grundsätzlich ist festzustellen, dass wir uns heute von Land zu Land in ganz anderen Regelkorsetts befinden. Außerdem müssen wir uns an andere klimatische Bedingungen und andere handwerkliche Normen halten. Trotzdem können wir Ideen von anderen Baukulturen übernehmen. Wir haben selbst eine reiche Bibliothek mit weltweit gebauten und geplanten Referenzen, die wir als Inspirationsquelle nutzen. Dabei stellen wir uns immer wieder die Frage, ob die weltweite Verwendung einer Handvoll von Zeichen- und Grafikprogramme die Architektur eher angleicht und austauschbar macht. Die Überlegung ist spannend, denn wir denken, dass Architektur letztendlich im Kopf entsteht und geprägt ist von regionalen Einflüssen und dem eigenen Anspruch.</p>
<p><strong>Wir befinden uns in einer Zeit des Wandels: Sehen Sie in der Digitalisierung mit BIM eine Chance?</strong><br />
Tendenziell werden Bauprojekte immer komplizierter und technischer. Wir haben in Bauprojekten immer mehr Beteiligte, die wir alle unter einen Hut bekommen müssen. Man muss dabei aufpassen, dass Architekt*innen nicht zu bloßen Projektsteuerern oder Ideengebern werden. Auch wenn das wahrscheinlich die meisten Architekt*innen noch nicht wahrhaben wollen: Wir sind im Entwurfs­ und Planungsbereich längst bei einer digitalen Gebäudemodellierung angekommen. Die Frage ist hierbei: Setzt du deine Werkzeuge sinnvoll ein oder verlierst du dich darin? Wenn man davon ausgeht, dass der Einsatz an richtiger Stelle stattfindet und die Kommunikation mit anderen dadurch erleichtert wird, dann schafft das neue Freiheiten und Möglichkeiten.</p>
<p>Vor fünfundzwanzig Jahren haben sich viele Archi­ tekt*innen doch auch gesagt: „Mit CAD fange ich nicht mehr an.“ Wir müssen uns mit den neuen Bedingungen anfreunden, sie als Chance begreifen und lernen, mit ihnen umzugehen, ohne die Leidenschaft an der Architektur zu verlieren. Wir sollten dabei stets offen für innovatives Denken bleiben, egal ob es um eine Zeichen­ und Organisationsmethode oder um eine Idee vom jungen Nachwuchstalenten im eigenen Büro geht.</p>
<p><strong>Wie sieht Ihrer Meinung nach das Anforderungsprofil des Architekt*innen der Zukunft aus?</strong><br />
Wir als Architekt*innen sind ja Generalisten.<br />
Gibt es einen anderen Studiengang, in dem man so breitgefächert ausgebildet wird? Das steht ein bisschen im Widerspruch zur immer stärker werdenden Spezialisierung der Berufe. Von uns wird entsprechend erwartet, über fast alles Bescheid zu wissen – quasi von der Bleistiftstärke, die man braucht, um einen Plan zu zeichnen bis hin zum Feintuning an der Holz­pelletheizung. Tatsächlich müssen wir all das aber gar nicht können. Viel eher sollten wir die Fähigkeit haben, uns einzudenken und als Teamplayer zu agieren. Architektur funktioniert nur als Gemeinschaftsarbeit. Das Zukunftsprofil des Architekt*innen ist also ein sehr kommunikationsstarker integrierender Generalist.</div></div><a id='bg-showmore-action-69e381d8c46b31098014104' class='bg-showmore-plg-link bg-arrow ait_read-more'  style=" color:inherit;;" href='#'>weiterlesen</a></p>
<p><strong>Bürophilosophie</strong><br />
<em>„Wir entwickeln klare architektonische Ideen, die von ihrer atmosphärischen Wirkung und Materialisierung leben.&#8221;</em></p>
<p><strong>Über Fabian Onneken und Jan Keinath</strong><br />
Fabian Onneken (M. Sc.) und Jan Keinath (M. Sc.) sind freie Architekten, deren Berufung in den Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) 2020 erfolgte. KO/OK Architektur gründeten sie 2016 an den Standorten Leipzig und Stuttgart. Gemeinsam mit ihrem Team planen und realisieren sie Projekte aus den Bereichen Architektur, Interieur und Möbel für private und öffentliche Auftraggeber. Mit einem besonderen Fokus auf Materialisierung und Handwerk gestalten sie, in einem gemeinsamen Prozess mit ihren Bauherren, lebendige und charaktervolle Neubau?, Umbau- und Sanierungsprojekte unterschiedlicher Maßstäbe.<br />
Vor der Gründung von KO/OK Architektur studierte Fabian Onneken an der Bauhaus-Universität Weimar und an der Oslo School of Architecture and Design. Jan Keinath studierte ebenfalls an der Bauhaus-Universität Weimer.<br />
<a href="https://ko-ok.cc">www.ko-ok.cc</a></p>
<p>Lesen Sie mehr aus der Reihe <strong>Upcoming Architects Facing New Conditions</strong> auf der Seite der <a href="https://www.grohe-x.com/de-de/architekturwelt/grohe-digital-talks">GROHE Digital Talks</a></p>
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		<title>Upcoming Architects Facing New Conditions – Interview mit Max Otto Zitzelsberger</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/upcoming-architects-facing-new-conditions-interview-mit-jun-prof-max-otto-zitzelsberger/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Juliane Lorenz-Elliot]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Nov 2021 03:44:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ait-xia-dialog.de/?post_type=ait-dialog-blog&#038;p=379108</guid>

					<description><![CDATA["Ein großes Thema ist die problemlose Rückbaubarkeit von Gebäuden. Außerdem brauchen wir andere Typologien, die eine Umnutzung zulassen. Bei Gebäude neueren Datums ist die Nutzungsänderung oft schwierig, weil sie zu spezifisch auf eine ganz bestimmte Art der Verwendung zugeschnitten sind - und das ist natürlich immer das beste Abrissargument. Wenn ich beispielsweise eine Wohnung aus der Gründerzeit nehme – die hat meist gleichgroße und vergleichsweise hohe Räume und eignet sich für eine Familie, eine WG oder auch für die Nutzung als Büro. Wir sagen heute, wenn wir hohe Decken realisieren wollen, dann brauchen wir mehr Material und das kostet. Das ist richtig, aber wenn ich in fünfzig Jahren umnutze, sind die Kosten wieder gedeckt. Das heißt, das langzyklische Denken ist entscheidend."
Max Otto Zitzelsberger]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/Zitzelsberger_Portrait_imige-Jens-Schnabel.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Max Otto Zitzelsberger" data-rel="lightbox-gallery-19"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/Zitzelsberger_Portrait_imige-Jens-Schnabel.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/Zitzelsberger_Bauhof.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Bauhof, Berngau (Foto: Mirjam Elsner)" data-rel="lightbox-gallery-19"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/Zitzelsberger_Bauhof.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/Zitzelsberger_Erklaeranlage.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Erkläranlage, Berngau (Foto: Sebastian Schels)" data-rel="lightbox-gallery-19"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/Zitzelsberger_Erklaeranlage.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/Zitzelsberger_Wartehaus.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Wartehaus, Landshut (Foto: Sebastian Schels)" data-rel="lightbox-gallery-19"><img decoding="async" width="720" height="576" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/12/Zitzelsberger_Wartehaus.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
</p>
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<div class="omsc-one-half omsc-last">
<p><strong>Upcoming Architects</strong> nehmen Stellung, wie sie den Herausforderungen des globalen Wandels begegnen und wie sie ihre Position als Ideengeber, Neuschöpfer und Qualitätssetzer behaupten. Lesen Sie dazu hier das Gespräch mit Jun.-Prof. und Architekt Max Otto Zitzelsberger.</p>
<p>„<em>Und dann haben wir das Dilemma</em><em>: wenn wir bauen, beteiligen wir uns immer an einem Gentrifizierungsprozess. Wir beteiligen uns daran, dass die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinandergeht, weil wir mit unseren Gebäuden Gegenden aufwerten und damit ganz klar forcieren, dass die Ärmeren dort verdrängt werden</em>.“ Max Otto Zitzelsberger</p>
<p><strong>GROHE: Würden Sie dem Titel dieser Interview-Reihe „Upcoming Architects Facing New Conditions“ zustimmen?</strong><br />
<strong>Jun.-Prof. Max O. Zitzelsberger:</strong> Dem stimme ich zu. Mein ehemaliger Chef, Florian Nagler würde sicherlich sagen, dass in jeder neuen Architekt*innen-Generation andere Bedingungen gelten, mit denen man sich auseinandersetzten muss. Die vorletzte Generation der Vorarlberger Architekt*innen beispielsweise hat damit angefangen, den Baustoff Holz zu ihrem zentralen Thema zu machen und beschritt damit neue Wege. An dieser Stelle kann man auch Carlo Baumschlager und Dietmar Eberle nennen, die in ihrer Sturm-und-Drang-Zeit protestierend aus der dortigen Kammer ausgetreten sind, weil ihnen die Ansprüche und Vorstellungen zum Thema guten Bauens nicht genügt haben. Es galt sich stets von der vorhergegangenen Generation abzugrenzen und das ist erst einmal ein ganz natürlicher Prozess. Da gibt es sicherlich unzählige weitere Beispiele.</p>
<p><strong>Mit welchen neuen Konditionen sehen Sie sich konfrontiert?</strong><br />
Wir müssen uns mehr mit dem Bestand auseinandersetzen. Stichwort Einfamilienhaus: Darf man eigentlich sinnvollerweise noch neue Einfamilienhäuser bauen? Die nächste Fragestellung ist: Wie gehen wir mit den Baumaterialien um? Wir können natürlich im Moment noch mit vielen Dingen bauen, aber was ist verantwortungsbewusst? Und dann haben wir das Dilemma – das ist für mich die wichtigste Erkenntnis – wenn wir bauen, beteiligen wir uns immer an einem Gentrifizierungsprozess. Wir beteiligen uns daran, dass die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinandergeht, weil wir mit unseren Gebäuden Gegenden aufwerten und damit ganz klar forcieren, dass die Ärmeren dort verdrängt werden. Darum suche ich immer wieder Bauaufgaben, wie die „Erkläranlage“, wo es beispielsweise um Inklusion geht, wo es um Holzbau geht, wo es um Bauen im Bestand geht. Dieses Projekt war einmalig und in jedem Fall eine sinnvolle, nachhaltige und gesellschaftlich relevante Bauaufgabe. Das Dilemma meiner Generation ist allerdings, dass wir nicht immer so genau sagen können, was eine sinnvolle Bauaufgabe ist.</p>
<p>Nehmen wir an, jemand kommt zu mir und sagt, er möchte eine neue Villa mit Swimmingpool. Da muss man sich schon fragen: Mag ich das in meinem Portfolio haben? Natürlich ist es nicht immer leicht zu klären, ab wann etwas Luxus ist. Im Falle der Villa stellt sich die Frage nicht. Es gibt aber so viele Projekte, die ein gewisses Maß an Luxus haben und wo man fragen muss: „Brauchst du das unbedingt? Könnte man nicht eigentlich mit weniger auskommen?“ Bauherr*innen neigen gerne dazu, vor allem, wenn das Budget stimmt, zu viel zu machen.</p>
<p><strong>Es zeigt sich immer wieder: Letzten Endes prägen Bauherr*innen und Investor*innen allein die Bauprojekte unserer Zeit. Muss hier ein Umdenken stattfinden?</strong><br />
Ich glaube, wir sitzen alle in einem Boot. Darum mag ich auch keine Vorverurteilungen. Ich würde sagen, wir haben alle unseren Anteil dran! Wir als Architekt*innen können Einfluss nehmen und Dinge wie den Umbau statt dem Neubau, ein „Weniger ist Mehr“ statt einem „Mehr ist Geil “und kreislaufeffiziente Konstruktionen statt Verbundbaustoffe forcieren, weil wir kompetent sind und überzeugen können. Aber es ist eben auch schwierig. Was Sinn macht, ist gar nicht immer so leicht zu beantworten. Ich glaube, genau das ist unsere Herausforderung, dass wir Antworten finden müssen, obwohl nicht klar ist, wie die im besten Falle aussehen könnten. Die Rahmenbedingungen und Möglichkeiten wurden zunehmend unklar und stellen einen vor das Problem, dass, egal wie entschieden wird, immer wieder neue Probleme generiert werden. Dieses Dilemma ist ein Phänomen unserer Zeit.</p>
<p><div class="bg-margin-for-link"><input type='hidden' bg_collapse_expand='69e381d8cdcf90009408432' value='69e381d8cdcf90009408432'><input type='hidden' id='bg-show-more-text-69e381d8cdcf90009408432' value='weiterlesen'><input type='hidden' id='bg-show-less-text-69e381d8cdcf90009408432' value='weniger'><div id='bg-showmore-hidden-69e381d8cdcf90009408432' ></p>
<p><strong>Die Ökologie in der Baubranche wird an Bedeutung gewinnen: Worin sehen Sie in Ihrer Arbeit die soziale Verantwortung?</strong><br />
Ein gutes Beispiel ist der Stadl-Umbau für meinen Schwiegervater, wo wir versucht haben, die regionale Wertschöpfung auf den Punkt zu bringen. Das heißt, nur so viel neues Holz zu verwenden, wie unbedingt nötig ist. Wir haben hier die alten Bretter wiederverwendet, das neue Holz aus dem nahegelegenen Wald des Bauherrn geholt und mit Handwerkern aus der Umgebung zusammengearbeitet. Also genau das gemacht, was man als Kreislaufwirtschaft bezeichnet.<br />
Ein ganz anderes Beispiel ist die „Erkläranlage“, ein inklusives Projekt, das ich gemacht habe. Dort ging es unter anderem um die Beteiligung von Randgruppen. Also behinderte und sozial schwache Menschen an Bau- und Entscheidungsprozessen zu beteiligen und nicht nur zu sagen: „Du darfst jetzt deine Schaufel nehmen und arbeiten – ich zeige dir, wie es geht“, sondern auch aufzufordern und zu fragen: „Wie würdest du es machen?“ Das hat erstaunlich gut funktioniert.</p>
<p><strong>Welche Auswirkungen wird der Klimawandel und der Ressourcen-Engpass auf unsere Baukultur haben?</strong><br />
Ein großes Thema ist die problemlose Rückbaubarkeit von Gebäuden. Außerdem brauchen wir andere Typologien, die eine Umnutzung zulassen. Bei Gebäude neueren Datums ist die Nutzungsänderung oft schwierig, weil sie zu spezifisch auf eine ganz bestimmte Art der Verwendung zugeschnitten sind &#8211; und das ist natürlich immer das beste Abrissargument. Wenn ich beispielsweise eine Wohnung aus der Gründerzeit nehme – die hat meist gleichgroße und vergleichsweise hohe Räume und eignet sich für eine Familie, eine WG oder auch für die Nutzung als Büro. Wir sagen heute, wenn wir hohe Decken realisieren wollen, dann brauchen wir mehr Material und das kostet. Das ist richtig, aber wenn ich in fünfzig Jahren umnutze, sind die Kosten wieder gedeckt. Das heißt, das langzyklische Denken ist entscheidend. Das nächste ist: Wenn wir zurückbauen, müssen wir auch gut zurückbauen können. Sämtliche Bauteilverbindungen müssen sich wieder lösen lassen und da ist auch im Holzbau der Kleber bei Brettschichtholzträgern und ähnlichem ein Problem. Dazu kommt, glaube ich, dass wir alle unseren Lebensstandard einfach verringern und uns fragen müssen, ob wir wirklich immer alles brauchen.<br />
Gerade in Schwellenländern gibt es ein großes Bedürfnis unsren Lebensstandard zu erreichen. Sie wollen erst mal dahin kommen, wo wir in den letzten dreißig Jahren waren. Sie sagen nicht: „Jetzt muss ich erst mal Benzin sparen“, sondern, „jetzt bin ich endlich da, wo andere Länder schon lange sind.“ Ich finde, dass muss man denen irgendwie auch zugestehen. Aber wir hier, die das alles schon erleben durften, sollten das Thema der Reduzierung nicht als Verzicht, sondern als Verbesserung unserer Lebenssituation sehen. Wir haben als westliche Gesellschaft die Chance und die Verantwortung zu sagen: „Wir haben es uns Jahrzehnte lang geleistet mit großem Fußabdruck zu leben und jetzt gehen wir mit gutem Beispiel voran, auch wenn wir wissen, dass andere Länder erst in zwanzig Jahren oder noch viel später da ankommen.“</p>
<p><strong>Bietet die Digitalisierung Ihnen als Architekt*innen die Chance, sich neu zu positionieren? </strong><strong>Verändert sie den Entwurf und damit auch die Architektur?</strong><br />
Ich sehe auf jeden Fall mehr Chancen als Risiken. Der Holzbau beispielsweise hat sich durch die Digitalisierung grundlegend geändert: Alles, was der Holzbau über Jahrhunderte lang war, hat überhaupt nichts mehr mit dem zu tun, was heute Holzbau ist. Das hängt zum einen mit den digitalen Möglichkeiten zusammen und zum anderen mit den neuen Werkstoffen, die wir entwickeln konnten, wie Plattenmaterial, Brettschichtholzträger, etc.. Eine andere Chance der Digitalisierung ist, dass wir heute relativ schnell weltweit an neue Informationen und Innovationen herankommen und diese so in aktuelle Bauprozesse mit einfließen lassen können. Das ist großartig. Abgesehen davon hat der Computer den Zeitaufwand der Planung und der Herstellung reduziert. Daraus ergeben sich aber nicht nur Vorteile. Gerade die Geschwindigkeit in der Planung ist aktuell ein Problem, weil mit ihr Qualität verloren geht.</p>
<p><strong>Welchen Einfluss hat die Geschwindigkeit auf den Entwurf?</strong><br />
Unsere westliche Gesellschaft ist in einem gewissen Geschwindigkeitsrausch begriffen und das führt zu jenem Gefühl der Knappheit von Zeit. Wir sind also in Zeitnot, obwohl wir genauso viel Zeit haben wie alle Generationen vor uns – oder auf Grund medizinischen Fortschritts sogar noch mehr. Auch der Innovationsdrang ist etwas, was uns heute prägt; aber nichts ist, was in der Menschheit immer schon vorherrschend war. Die alten Ägypter zum Beispiel haben zweitausend Jahre lang die gleiche Kunst und die gleiche Art zu bauen betrieben. Sie waren nicht zu dumm für Innovationen – sie haben einfach ganz andere Schwerpunkte gesetzt. Die Geschwindigkeit ist also nichts, wo man sagen kann, das ist per se gut oder schlecht. Alles hat Vor- und Nachteile. Die Vorteile, würde ich sagen, nehmen wir mit und aus den Nachteilen könnten wir lernen.</p>
<p><strong>Welchen Stellenwert wird die zentraleuropäische Architektur in Zukunft noch haben? Die deutschen Architekt*innen, so behaupten viele im Ausland, finden zu schnell und suchen zu wenig. Wie sehen Sie das?</strong><br />
Ich sehe das genauso. Im internationalen Vergleich stehen wir nicht gut da. Derzeit tut sich aber erstaunliches in der jungen Architekturszene in Deutschland. Ich denke da beispielsweise an Almannai-Fischer, Kofink-Schels, Neumann-Wasserkampf, Meier-Unger, Summacumfemmer oder June14 – um nur einige wenige zu nennen. Das sind wirkliche Lichtblicke. Der Unterschied von all diesen Büros zu ihren Vorgänger*innen ist, dass sie viel radikaler und kompromissloser sind. Es gibt außerdem ein neues Interesse an scheinbar hässlichen Bauideen und an ruppigen Strukturen, die in ihrer Lieblosigkeit eine gewisse Poesie haben. Aber ich glaube, viele deutsche Architekt*innen können damit nichts anfangen.<br />
Im Gegensatz zu älteren Architekt*innen-Generationen bin ich beispielsweise viel stärker am Ornament, an Farbe und am Widerspruch interessiert. Ich betrachte die Dinge mit Humor und Ironie.</p>
<p><strong>Sind Farbe, Ironie und Ornamente radikal?</strong><br />
Für sich betrachtet sind Farbe, Ornament und Ironie nichts Besonderes. Sie stellen sich aber insofern radikal dar, als dass sie das Gegenteil von dem sind, was in der deutschen Architekturszene mehrheitlich produziert wird. Das gängige Bild „deutscher Werte und Tugenden“ macht auch grob betrachtet die deutsche Architekturszene aus: Sie ist ordentlich, sauber und beflissen. In einer konservativen Szene erscheinen solche als Moden bezeichneten Trends aber immer verdächtig. Die Frage ist, ob diese Moden Modeerscheinungen bleiben oder vielleicht Trends werden. Moden können nach fünf Jahren wieder weg sein. Trends jedoch haben immer das Potenzial, etwas Beständiges zur Architekturdebatte beizutragen.</p>
<p><strong>Was würden Sie sich in der derzeitigen Architekturdiskussion wünschen?</strong><br />
Vonseiten vieler Architekt*innen spüre ich Ignoranz was das Thema Nachhaltigkeit angeht. Ein fröhliches „Weiter so!“ ist hier das wichtigste Credo. Bauen bringt eben Geld. Und das ist das Problem. Die Verbände haben es da schwer. Sie forcieren zwar das Thema Nachhaltigkeit. Gleichzeitig müssen sie aber dem Wunsch ihrer Berufsgruppe gerecht werden, um weiterhin viel zu bauen. Ein „Weniger ist Mehr“ kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt kein wesentlicher Teil ihres Programms sein. Auch das Einfamilienhaus ist immer noch relevant in der Verbands-Ideologie, obwohl es ihren Parolen für mehr Nachhaltigkeit diametral widerspricht. Auf der einen Seite würde ich mir gerne vieles wünschen, auf der anderen Seite merke ich, dass der Erfolg der jungen Büros genau deswegen da ist, weil wir zu den Generationen vorher einen echten Unterschied machen können.</p>
<p></div></div><a id='bg-showmore-action-69e381d8cdcf90009408432' class='bg-showmore-plg-link bg-arrow ait_read-more'  style=" color:inherit;;" href='#'>weiterlesen</a></p>
<p><strong>Bürophilosophie</strong><br />
&#8220;Ich baue wenig, lasse mir viel Zeit und versuche nach Möglichkeit einen gesellschaftlichen Mehrwert mit den Projekten zu erreichen. Meine Arbeit wird geprägt vom Banalen, vom Opulenten, vom Widerspruch. Ich versuche das Alte neu und das Gewohnte ungewohnt zu denken. Was „Architektur“ ist weiß ich nicht. Gutes Bauen kann im Moment nur unkonventionell sein.&#8221;</p>
<p><strong>Über Jun.-Prof. Max Otto Zitzelsberger</strong><br />
Jun.- Prof. Max Otto Zitzelsberger (*1983), Architekt BDA, schloss 2009 sein Diplom an der Technischen Universität (TU) München ab. 2009 bis 2010 arbeitete er als freier Mitarbeiter in verschiedenen Architekturbüros in Deutschland und in der Schweiz. Im Anschluss war er bis 2017 im akademischen Rat der TU München, am Lehrstuhl von Prof. Florian Nagler „Entwerfen und Konstruieren“, tätig. Seit 2011 leitet und betreut er eigene Projekte, für die er bereits Preise und Auszeichnungen, wie den Weißenhof-Architektur-Förderpreis gewann. 2017 wurde er in den Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) und in den Arbeitskreis Junge Architektinnen und Architekten (AKJAA) aufgenommen. Im Jahr 2019 erhielt er zusätzlich für seine Arbeit ein Stipendium der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom. Seit 2019 ist Max Otto Zitzelsberger als Juniorprofessor für Tektonik im Holzbau an der TU Kaiserslautern tätig.<br />
<a href="https://www.maxottozitzelsberger.de">www.maxottozitzelsberger.de</a></p>
<p>Lesen Sie mehr aus der Reihe <strong>Upcoming Architects Facing New Conditions</strong> auf der Seite <a href="https://www.grohe-x.com/de-de/architekturwelt/grohe-digital-talks">GROHE Digital Talks</a></p>
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		<title>Architekturbarometer 30mal10 – Interview mit Florian Wiesler und Tobias Schmidt (WSM Architekten)</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/architekturbarometer-30mal10-interview-mit-florian-wiesler-und-tobias-schmidt-wsm-architekten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marina Schiemenz]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Aug 2021 02:51:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[30mal10]]></category>
		<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbarometer]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
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					<description><![CDATA[WSM Architekten verstehen sich als innovative Designer und verlässliche Dienstleister und bieten als erfahrene Architekten und neutrale Berater umfassende Leistungen auf höchstem Niveau. Dabei ist nachhaltiges Bauen bei ihnen oberste Prämisse. Im Interview sprechen sie darüber, was „innovativ“ eigentlich bedeutet und welche Chancen die Pandemie für die Baukultur bereit hält, über ihren Entwurf des Pfahlbauten Hoteldorfes am Starnberger See und die Entwicklungen der Business- und Tourismus-Hotellerie sowie den Stand der Architektur in Deutschland im internationalen Vergleich.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/wsm_grohe_portrait.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Florian Wiesler und Tobias Schmidt (WSM Architekten)" data-rel="lightbox-gallery-20"><img decoding="async" width="567" height="378" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/wsm_grohe_portrait.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/wsm_grohe_projekt_01.jpg' title="Blick auf das Pfahlbauten-Hoteldorf am Starnberger See von WSM Architekten" data-rl_title="Blick auf das Pfahlbauten-Hoteldorf am Starnberger See von WSM Architekten" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Wellnesshotel am Starnberger See (Forsthaus am See)" data-rel="lightbox-gallery-20"><img decoding="async" width="567" height="378" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/wsm_grohe_projekt_01.jpg" class="attachment-full size-full" alt="Blick auf das Pfahlbauten-Hoteldorf am Starnberger See von WSM Architekten" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/wsm_grohe_projekt_02.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Wellnesshotel am Starnberger See bei Nacht (Forsthaus am See)" data-rel="lightbox-gallery-20"><img decoding="async" width="567" height="378" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/wsm_grohe_projekt_02.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
</p>
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<div class="omsc-one-half omsc-last">
<p><strong>Können Sie Aspekte benennen, die aus Ihrer Sicht bedingt durch Corona positiv für unsere Baukultur sind?</strong></p>
<p>Die Rückbesinnung auf schönes und angemessenes Wohnen und das Erkennen des Wertes von Familie und Freunden ist definitiv positiv zu nennen. Unser Glück hängt nicht davon ab, dreimal im Jahr auf die Malidiven zu fliegen. Leute reflektieren jetzt oft anders über ihr Leben, viele sind bereit, auf Dinge zu verzichten und überlegen, ihr Geld langfristig sinnvoller zu investieren.</p>
<p>In der Architektur wird man hoffentlich wieder stärker in die Tiefe gehen, dahingehend, dass sie berühren soll, statt bloß an der Oberfläche zu bleiben und irgendwelche einfachen Funktionen zu erfüllen. Dieses Rückbesinnen auf das Wesentliche, auf die Wurzeln, auf Familie und Freunde kommt sicherlich auch der Architektur zugute.</p>
<p>Viele Leute haben Angst vor ihrer finanziellen Zukunft und haben finanziell teilweise auch die reale Beschneidung ihrer Möglichkeiten erlebt. Wir würden uns wünschen, dass die Menschen zukünftig nicht mehr ans absolute Limit mit Dingen gehen, unabhängig, ob das jetzt finanzielle oder sonstige sind, sondern stattdessen mehr Puffer für sich einbauen, um für neue kommende Krisen gewappnet zu sein. In einigen Jahren werden wir sicherlich mit neuen Krisen konfrontiert, und von daher glauben wir, dass ein wenig mehr Bescheidenheit das ganze System stabiler machen und letztlich auch sinnvollere Dinge hervorbringen würde. Bei der nächsten Krise wird vielleicht ein Berufszweig oder eine Altersklasse betroffen sein, die dieses Mal gut durchgekommen ist.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Sie haben in der letzten Zeit mit Ihrem Entwurf des Pfahlbauten Hoteldorfes am Starnberger See auf sich aufmerksam gemacht. Können Sie uns beschreiben, was an diesem Entwurf so überzeugend ist.</strong></p>
<p>Überzeugend war beziehungsweise ist, dass wir ein sehr lokales, geschichtliches Thema gefunden und aufgegriffen haben. Aus der Historie dieser Jahrtausende alten Pfahlbauten an der weit überregional bekannten Roseninsel haben wir ein neues Thema abgeleitet, welches das Hotel aus der Beliebigkeit von normalen Wellnesshotels herausnimmt. Von Anfang an haben wir ein darauf abgestimmtes Material-Farb- und letztendlich auch das Energiekonzept bis ins Detail weitergestrickt und überlegt, wie man diesen historischen Bezug gestalterisch in die heutige Zeit übertragen kann – um Identität stiften zu können, um eine langanhaltende Akzeptanz zu erreichen.</p>
<p>Entscheidend war für uns, dass wir konzeptionell etwas finden, was nur an dieser Stelle am Starnberger See stehen kann und deswegen sowohl von den Leuten vor Ort als auch von den Touristen akzeptiert wird. Gerade öffentliche Bauten haben oft Vorbildfunktion, da sie von einer großen Anzahl von Leuten wahrgenommen und somit auch inspiriert werden können. Ein derart exponiertes Gebäude ist Verpflichtung und Chance zugleich – im besten Fall wirkt unser Hotelprojekt als enormer Multiplikator.</p>
<p>Wir sind im Büro seit einiger Zeit zu der strikten Auffassung gekommen, dass möglichst jedes unserer Bauprojekte solch einen Prozess unterstützen muss. Unser Wunsch ist, die Leute auf den anstehenden Wandel aufmerksam zu machen und sie mitzunehmen und dafür zu begeistern. In ein Hotelprojekt, so wie wir das jetzt planen, kommen sehr viele Leute aus verschiedensten Bereichen, auch hochrangige Manager, die dort Urlaub machen oder einige Tage verleben. Man kann nur hoffen, dass die Besucher durch unsere Bauweise, die von uns eingesetzten Materialien, die Art wie wir die Gebäude in dieser so außerordentlich schönen Landschaft möglichst einfühlsam und vorsichtig platzieren, nachdenklich und angeregt werden und bestimmte Grundsätze in ihre Privathäuser oder Unternehmen übernehmen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Ist die Architektur in Deutschland, auch im internationalen Vergleich betrachtet, auf einem guten Weg?</strong></p>
<p>Auf einem guten Weg ist jedes Bauvorhaben, das nicht beliebig ist und das sich den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen stellt. Jedes Gebäude, das einfach nur Wohnfläche generiert, ohne sich darüber hinausgehend weitere Gedanken zu machen, ist es nicht. Es gibt in Deutschland aber ganz viele tolle Initiativen, seien es städtebauliche oder innovative universitäre Projekte, und es gibt auch durchaus viele engagierte und innovative Einzelbüros. Beispielsweise die Elbphilharmonie in Hamburg, wenngleich gebaut von Schweizer Architekten, ist für uns ein gesellschaftlich extrem innovatives Projekt, weil es Antworten bereitstellt, inwieweit tolle Bauten auch für die Allgemeinheit nutzbar sein müssen.</p>
<p>Es gibt bei uns viele Wohnbauprojekte, oft kleinere Wohnbauten, aber auch bis zu achtstöckige Mehrfamilienhäuser aus Holz, die den internationalen Vergleich überhaupt nicht scheuen müssen. Es sind deutsche international prämierte Architekturen, die durchaus Antworten geben, wie Wohnen in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren aussehen soll. Um aber nochmals auf Ihre Frage einzugehen, haben wir dennoch das Gefühl, dass die Deutschen im europäischen Vergleich in der Masse ein wenig hinterherhinken.</p>
<p>Die Österreicher und Schweizer sind uns in Bezug auf die Kreativität oftmals einen Schritt voraus. Wir beobachten allerdings, dass sich die junge deutsche Architektenszene wieder ein Stück innovativer positioniert. Architekten befinden sich an einer wahnsinnig wichtigen Schnittstelle zwischen Auftraggebern und der gebauten Realität am Ende. Das heißt, man hat einen sehr, sehr großen Gestaltungsraum. Es bringt uns allerdings nicht weiter, sehr gut ausgebildete und innovative junge Leute zu haben. Sie müssen letztlich mit ihren Ideen an die Schaltstellen der Entscheidung kommen, was natürlich Zeit in Anspruch nimmt und dauert. Und sie müssen den Willen und zugleich das Wissen haben, wie und in welcher Form man etwas zum Positiven verändert.</p>
<p>Ein jedes Projekt ist ein Zusammenspiel verschiedener Disziplinen aus Architekten, Bauherren, Geldgebern oder Inhabern. Für einen Architekten ist es immer schwierig, ein Konzept zu liefern, das durchsetzbar ist und überzeugen kann, damit letztlich das Geld investiert wird. Oftmals meinen Bauherren, selbst Hand anlegen und Dinge verändern oder umschmeißen zu müssen, womit sie dann womöglich die Innovation wieder verwerfen. Also von der ersten konzeptionellen Phase bis zu dem, was dem Architekten dann teilweise zugemutet wird, ist es ein Riesenspagat.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Lesen Sie das <a href="https://www.grohe.de/de_de/de_de/architektur/architekturbarometer.html/interview-tobias-schmidt-and-florian-wiesler.html">vollständige Interview mit Florian Wiesler und Tobias Schmidt</a> auf der Seite des <a href="https://www.grohe.de/de_de/architektur/architekturbarometer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Architekturbarometer 30mal10 – Grohe Digital Talks</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Über Florian Wiesler und Tobias Schmidt<br />
</strong></p>
<p>Florian Wiesler studierte Architektur an der TU München. Bereits während seines Studiums sammelte er Erfahrung in verschiedenen Architekturbüros unter anderem bei Downing, Thorpe and James in Colorado, US. Von 1995 bis 1999 arbeitete er im Architekturbüro Seidl, Pöcking, wo er später unter dem Namen Seidl + Wiesler Partner wurde. Von 1999 gründete er sein eigenes Architekturbüro, das er bis 2008 führte.</p>
<p>Tobias Schmidt studierte Architektur an der FH Regensburg sowie an der Escuela Técnica Superior de Arquitectura in La Coruna, ES. Nach einer kurzen Tätigkeit bei Hierl Architekten in München war er von 2005 bis 2008 im Architekturbüro Florian Wiesler tätig.</p>
<p>2009 gründeten Florian Wiesler und Tobias Schmidt gemeinsam mit Claudia Matula das Büro WSM Architekten, das seit 2016 von ihnen beiden geführt wird. (<a href="https://www.wsm-architekten.com">www.wsm-architekten.com</a>)</p>
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		<title>Architekturbarometer 30mal10 – Interview mit Ursula Fuss (Ursula Fuss Architekturbüro)</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/architekturbarometer-30mal10-interview-mit-ursula-fuss-ursula-fuss-architekturbuero/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marina Schiemenz]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Aug 2021 02:41:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[30mal10]]></category>
		<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbarometer]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ait-xia-dialog.de/?post_type=ait-dialog-blog&#038;p=368268</guid>

					<description><![CDATA[In ihrem 1996 gegründeten Architekturbüro widmet sich Ursula Fuss schwerpunktmäßig der Hotellerie sowie dem barrierefreien Bauen. Dabei geht es nicht darum, irgendwie einen Bedarf zu decken, sondern daraus eine eigene Architektursprache und Architekturgestaltung zu entwickeln. Im Interview spricht sie über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Baukultur und die Berücksichtigung der menschlichen Bedürfnisse in der Architektur, über das neu Denken der Bautypologie Hotel und die deutsche Hotellerie allgemein sowie über Barrierefreiheit und das Hotel der Zukunft.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
<p>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/ursula_fuss_01_900b.jpg' title="Porträt von Ursula Fuss" data-rl_title="Porträt von Ursula Fuss" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Ursula Fuss (Ursula Fuss Architekturbüro)" data-rel="lightbox-gallery-21"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/ursula_fuss_01_900b.jpg" class="attachment-full size-full" alt="Porträt von Ursula Fuss" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/ursula_fuss_01_900b.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/ursula_fuss_01_900b-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/ursula_fuss_01_900b-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/ursula_fuss_02a_900b.jpg' title="Blick in ein barrierefreies Badezimmer mit Holzverkleidung" data-rl_title="Blick in ein barrierefreies Badezimmer mit Holzverkleidung" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="" data-rel="lightbox-gallery-21"><img decoding="async" width="900" height="386" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/ursula_fuss_02a_900b.jpg" class="attachment-full size-full" alt="Blick in ein barrierefreies Badezimmer mit Holzverkleidung" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/ursula_fuss_02a_900b.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/ursula_fuss_02a_900b-800x343.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/ursula_fuss_02a_900b-768x329.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
</p>
<p><div class="clear"></div></div>
<div class="omsc-one-half omsc-last">
<p><strong>Besteht die Hoffnung, dass nach Corona in der Architektur wieder mehr die Bedürfnisse der Menschen berücksichtigt werden?</strong></p>
<p>Der Architektur hat in der letzten Zeit die Rücksicht auf die Wahrnehmung des Einzelnen gefehlt. Effizienz und Kostenkontrolle standen im Fokus. Ich hoffe, dass die Architektur menschlicher wird und dass wir sie neu überdenken müssen. Wir werden ganz sicher Veränderungen in unseren Wohnsituationen erleben. Das Homeoffice mit dem Büro am Küchentisch kann auf Dauer keine befriedigende Lösung sein.</p>
<p>Es wird eine Mischung zwischen Präsenz in der Firma und dem Homeoffice geben. Denn der Mensch ist ein Herdentier, er möchte sich treffen, er braucht soziale Kontakte, um überhaupt seine Selbstfindung oder auch seine Meinungsbildung zu entwickeln. Deshalb benötigen wir auch weiterhin Büroflächen, müssen nur mehr Platz anbieten, um zukünftige Pandemien in den Griff zu bekommen, geschweige denn, sie zu vermeiden.</p>
<p>In anderen Bautypologien wie zum Beispiel dem Wohnen müssen wir von Seiten der Architektur intensiv über die Erschließung nachdenken. Technische Systeme wie Aufzüge können die zukünftigen Anforderungen nicht umfassend lösen. Es muss darüber nachgedacht werden, wie Menschen eine Ebene erreichen, welche sie gemeinsam nutzen wollen. Die Erschließung wird also ein ganz wichtiger Aspekt in der Architektur und kann einen Wandel oder Neukonzeption der Funktionsbereiche initiieren.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Sie sind schwerpunktmäßig in der Bautypologie Hotel tätig. Müssen wir das Hotel neu denken? In welche Richtung wird es gehen?</strong></p>
<p>Wir haben in der Hotellerie drei unterschiedliche Strömungen. Zum einen gibt es die bewährten großen Hotelmarken, die klare Anforderungen in ihren Standards haben. Die Zimmerausstattungen sind identisch, unabhängig, ob man sich in Paris, London oder New York aufhält. Dann haben wir die Hotelketten oder Betreiber, die etwas Neues gewagt haben. Das Hotel war immer der Versuchsort bzw. das Experiment, um etwas anderes kennenzulernen. Deswegen gehen wir ja letztendlich auf Reisen, ob privat oder geschäftlich. Das konnte man früher sehr schön an den Grandhotels erkennen, die stets sehr pompös waren und dem Gast das Gefühl gaben, ein König oder zumindest etwas Besonderes zu sein.</p>
<p>Dann kamen vor einigen Jahren Ideenfinder hinzu, wie zum Beispiel das 25Hours, die das Gewohnte völlig auf den Kopf stellten. Damit trafen sie damals bis heute einen Nerv. Alle durften leger sein, nach dem Motto „come as you are.“ Diese Ausrichtung setzte eine unglaubliche Bewegung in der Hotelbranche in Gang. Man schaue nur, wer alles durch die 25Hours-Konzeption beeinflusst wurde. Die Hotellerie verlangt von Seiten der Architektur eine sehr wichtige Aufgabe, nämlich Ideen anzubieten, die der Gast auf Zeit ausprobieren kann. Wir werden auch zukünftig flexiblere Hotelkonzepte entwickeln müssen, welche die gesellschaftlichen Lebensweisen reflektieren und die viel mehr Kommunikations- und Gemeinschaftsbereiche anbieten müssen, in denen man sich zufällig treffen kann und die eine Corona bedingte Distanz berücksichtigen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Was kritisieren Sie an der deutschen Hotellerie?</strong></p>
<p>Meine Erfahrung mit der deutschen Hotellerie ist, dass sie bisher stets genau wusste, was sie braucht. Ich habe durch das Thema Barrierefreiheit einen ganz neuen Aspekt in diese Branche eingebracht, den es vorher so nicht gab. Mein Bestreben ist immer, mit meinen Auftraggebern gemeinsam Konzepte zu entwickeln, von denen sie nachhaltig überzeugt sind. Über meine Ideen in Hinsicht der Barrierefreiheit bekomme ich auch oft Zugang zu anderen Problemstellungen. Und damit sind wir jetzt wieder an der Stelle von vorhin, dass man in einem Hotel Dinge anbieten und ausprobieren sollte, die es vorher noch nicht gab. Denn erst, wenn man sie real getestet hat, kann man sie auch letztendlich begreifen.</p>
<p>In Bezug auf die Barrierefreiheit haben wir zum Glück eine Gesetzgebung in Deutschland, die mit durchschnittlich 10-20 Prozent der Beherbergungsräume/Betten (je nach Bundesland) die Anzahl der barrierefreien Zimmer vorschreibt. Noch immer sind die Vorurteile präsent, dass barrierefreie Zimmer unattraktiv und hässlich sind. Meine Konzepte belegen, dass dem überhaupt nicht so ist. Im Gegenteil, die Zimmer werden auch von nicht behinderten Menschen sehr gerne gebucht. In der PIERDREI in Hamburg habe ich beispielsweise im Bad in der Dusche zwei Duschbänke gegenübergestellt und in der Mitte die Fläche zum Duschen im Stehen geplant. Diese Gestaltung bewirkt ein ganz neues Duscherlebnis, wenn man beispielsweise zu zweit jeweils auf einer Bank sitzt und sich gemeinsam duschen und entspannen kann. Das hat schon viele Gäste beeindruckt und positiv überrascht.</p>
<p>Der deutschen Hotellerie fehlt meiner Meinung nach die Experimentierfreudigkeit. Viele Betreiber meinen, nichts ändern zu müssen, weil sie scheinbar wissen, was ihre Klientel erwartet. Sie trauen dem Gast nicht zu, mit einer neuen Situation oder einem neuen Erlebnis umzugehen. Das ist und bleibt ein großer Fehler, denn der Gast ist viel neugieriger, als wir denken. Das Interessante ist ja auch, dass alles, was im Hotel jemals neu angeboten wurde, meistens früher oder später im Wohnungsbau landete. Schauen wir uns beispielsweise die bodengleichen Duschen an. Das oberste Gebot bleibt natürlich, dass der Gast sich wohlfühlt. Er fühlt sich dann wohl, wenn er sich sicher fühlt. Also irgendwelche Experimente, die den Gast verunsichern, sind nicht gefragt.</p>
<p>Abgesehen vom Individualraum Zimmer haben wir natürlich die öffentlichen Räume wie das Schwimmbad, Massagebereiche, Restaurants und die Gastronomie im Allgemeinen. Auch in diesen Flächen muss man die Wahrnehmung des Einzelnen analysieren. Ich erinnere mich an eine Diskussion zum Thema &#8220;Wellbeing im Hotel&#8221; in London. Alle sprachen über Gerüche, Musik, Öle und das Essensangebot. Ich habe damals betont, dass es hauptsächlich darum geht, wie ich mich als Gast wahrgenommen fühle. Wenn der Gast seinen Weg suchen und dreißigmal fragen muss, wo es zu der Massageabteilung geht, dann fühlt er sich verunsichert und schon nicht mehr wohl. Oder eine zu steile Rampe bedeutet, dass ich mich als Rollstuhlfahrerin abmühen muss und mich unwohl fühle, weil andere es als eine schwere und hilfsbedürftige Lebensweise wahrnehmen. Obwohl dafür nur eine falsch geplante Erschließung (Rampe) verantwortlich ist. Dieser Aspekt war für viele neu und führte seitens der Teilnehmer zu neugierigen Nachfragen. Grundsätzlich steht die deutsche Hotellerie im internationalen Vergleich gut da, es gibt innovative Ansätze, die auf sich aufmerksam gemacht haben. Man denke an den Ansatz der Designhotels von Claus Sendlinger oder die vorher bereits erwähnten 25 hours Hotels.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Lesen Sie das <a href="https://www.grohe.de/de_de/de_de/architektur/architekturbarometer.html/interview-ursula-fuss.html">vollständige Interview mit Ursula Fuss</a> auf der Seite des <a href="https://www.grohe.de/de_de/architektur/architekturbarometer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Architekturbarometer 30mal10 – Grohe Digital Talks</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Über Ursula Fuss<br />
</strong></p>
<p>Ursula Fuss studierte Architektur an der Fachhochschule Wiesbaden und an der Hochschule der bildenden Künste an der Städelschule in Frankfurt am Main beim renommierten Architekten Peter Cook. Nach Mitarbeit in verschiedenen Architekturbüros gründete sie ihr eigenes Büro in Frankfurt mit dem Schwerpunkt barrierefreies Bauen, ein Thema, dass ihr als Rollstuhlnutzerin naheliegt. Sie entwickelt barrierefreie Gesamtkonzepte mit optimierten und architektonischen Lösungen für unterschiedliche Planungsaufgeben. Neben ihrer selbstständigen Arbeit engagiert sich Ursula Fuss in der Hochschulausbildung: Unter anderem unterrichtete sie von 2009 bis 2014 Barrierefreies Bauen an der TU Darmstadt. Seit 2010 berät sie zahlreiche Hotelmarken, Investoren, Beratungsgesellschaften und weitere zum Thema Barrierefreiheit und Inklusion. (<a href="https://www.con-fuss.de">www.con-fuss.de</a>)</p>
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		<item>
		<title>Architekturbarometer 30mal10 – Interview mit Sebastian Händel und Marcus Caspar Junghans (Händel Junghans Architekten)</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/architekturbarometer-30mal10-interview-mit-sebastian-haendel-und-marcus-caspar-junghans-haendel-junghans-architekten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marina Schiemenz]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Aug 2021 01:36:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[30mal10]]></category>
		<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbarometer]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
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					<description><![CDATA[Sebastian Händel und Marcus Caspar Junghans beschreiben ihre Philosophie so: "Für die Planung und Ausführung unserer Projekte arbeiten wir in einem jungen Team talentierter und international erfahrener Mitarbeiter. Dem hohen gestalterischen Anspruch in Zusammenarbeit mit unseren Bauherren werden wir durch Zuverlässigkeit, Kreativität, Organisation und höchsten Qualitätsanspruch gerecht." 
Im Interview sprechen Sie über ihren Arbeitsalltag in der aktuellen Zeit, die Veränderungen im Wohnungsbau aufgrund der Pandemie, Notwendigkeiten, um den Wohnungsmarkt zu entlasten und neue Wege gehen zu können sowie die möglichen Entwicklungen der Wohnarchitektur auch mit Blick auf die zukünftige Stadtentwicklung.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/haendel_portrait-2.jpg' title="Porträt von Marcus Caspar Junghans und Sebastian Händel" data-rl_title="Porträt von Marcus Caspar Junghans und Sebastian Händel" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Marcus Caspar Junghans und Sebastian Händel" data-rel="lightbox-gallery-22"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/haendel_portrait-2.jpg" class="attachment-full size-full" alt="Porträt von Marcus Caspar Junghans und Sebastian Händel" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/haendel_portrait-2.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/haendel_portrait-2-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/haendel_portrait-2-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/haendel-anbau_efh_pullach-foto_sebastian_schels_02-1.jpg' title="Foto eines Einfamilienhauses in Pullach mit dem Anbau von Händel Junghans Architekten" data-rl_title="Foto eines Einfamilienhauses in Pullach mit dem Anbau von Händel Junghans Architekten" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Anbau Einfamilienhaus in Pullach (Foto: Sebastian Shels)" data-rel="lightbox-gallery-22"><img decoding="async" width="900" height="386" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/haendel-anbau_efh_pullach-foto_sebastian_schels_02-1.jpg" class="attachment-full size-full" alt="Foto eines Einfamilienhauses in Pullach mit dem Anbau von Händel Junghans Architekten" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/haendel-anbau_efh_pullach-foto_sebastian_schels_02-1.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/haendel-anbau_efh_pullach-foto_sebastian_schels_02-1-800x343.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/haendel-anbau_efh_pullach-foto_sebastian_schels_02-1-768x329.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
</p>
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<div class="omsc-one-half omsc-last">
<p><strong>Wir sprechen in Deutschland nach wie vor von einer Wohnungsnot. Was bräuchte die Bauwirtschaft, um dauerhaft zusätzliche Kapazitäten aufzubauen?</strong></p>
<p>Die Bauwirtschaft hat Personalprobleme, den berühmten Fachkräftemangel, der ja nicht nur uns betrifft, sondern auch den ganzen Rest der Branche. Das führt natürlich immer zu Verzögerungen. Ein weiterer wünschenswerter Aspekt wären die Erleichterungen in den Genehmigungsprozessen und ein ausgeprägterer Wille der Verwaltungen, Dinge zu ermöglichen. Wenn keiner will, wird auch nicht gebaut. Da muss man auch die Verwaltungen in die Pflicht nehmen. Eigentlich ist es keine Krise der Quantität, sondern der Qualität. Es wird ja viel gebaut, aber wenn man sich anschaut, wo sich die durchschnittliche Wohnungsanzahl oder die Wohnungsgröße pro Person bewegt, dann ist zu beobachten, dass sie seit dem Krieg ständig ansteigt. Da muss man gegensteuern. Das ist aber nicht nur eine Frage von guter Architektur, sondern eine Frage nach der besseren Verteilung des Wohnraums.</p>
<p>Oft wird der Ruf laut, es müssen mehr Genossenschaften und weniger Eigentümer bauen, weil die Genossenschaften ihren Wohnraum flexibler verteilen könnten. Eine Familie, die vierköpfig in eine Vierzimmerwohnung zieht, ist nach zwanzig Jahren nur noch zweiköpfig und kann ggf. die Wohnung tauschen. Im normalen Mietverhältnis wäre die Familie aber nicht bestrebt, umzuziehen, da die Miete in einer kleineren Wohnung gleich oder höher ist. Hier sollten dringend über Förderungen oder steuerliche Vorteile vom Gesetzgeber neue Anreize geschafft werden, ohne zu sehr in die persönliche Freiheit des Einzelnen einzugreifen.</p>
<p>Wir haben Fläche im Wohnungsmarkt, wir müssen sie nur umverteilen. Eine Umverteilung tut natürlich weh, und ist auch von Teilen nicht gewollt. Aber wenn man das Problem der Qualitätskrise angehen will, muss man diese Umverteilung angehen. Ein Lösungsansatz wie der Mietendeckel verschärft diese Problematik nur, weil er solche Mietverhältnisse zementiert. Außerdem werden Investitionen blockiert. Ein fataler Kreislauf, ein absoluter Blocker!</p>
<p><strong><br />
Wann hat man aufgehört, im Wohnungsbau zu experimentieren? War es in der Postmoderne, in der man feststellte, dass man mit Wohnen viel Geld machen kann?<br />
</strong></p>
<p>Wir befinden uns mit unserem Büro in München in einem ehemaligen Wohnungsbau, der nicht als experimenteller, sondern eher als repräsentativer, wohlüberlegter und guter Wohnungsbau zu bezeichnen war und bis heute ist. Es benötigt im Wohnungsbau keine Experimente, man muss es nur gut machen.</p>
<p>Was wir derzeit – bis auf wenige Ausnahmen – immer abgefragt bekommen, ist der kleinste gemeinsame Nenner, und das ist meist reproduzierbar und kapriziert sich darauf, möglichst viel Wohnfläche auf den Bauraum zu schaffen, der durch irgendjemanden begrenzt wurde. Das Ergebnis sieht dann entsprechend aus. Diese Art von Vorgaben erübrigen Experimente.</p>
<p>Wenn man etwas Neues entwickeln möchte, müsste man viele Regelungen über Bord schmeißen. Der Investor beabsichtigt aber einen flächeneffizienten Grundriss, zum Beispiel: Das Treppenhaus muss so klein wie nur möglich sein, da es die vermietbare Fläche reduziert. Dadurch regelt sich die Erschließung. Man unterliegt insgesamt so vielen Zwängen, von denen man sich verabschieden und stattdessen neu denken müsste. Unter Beibehaltung der immer die Wirtschaftlichkeit im Fokus habenden alten Regeln ist es schwierig, neu zu denken, gerade im durchschnittlichen Wohnungsbau. Letztendlich ist es eine Haltung zum Wohnungsbau, wenn wir in anständigen Wohnungen leben wollen, dann sollten sie nicht unanständig billig gebaut werden. Solange gesagt wird, ihr könnt gerne rumexperimentieren, aber kosten darf es nichts und ausgenutzt werden muss es optimal, müssen wir uns keine Gedanken zu Experimenten machen. Wenn dann noch von Seiten der Genehmigung die Flächen nicht vorhanden sind und keine Bereitschaft, das Haus einfach ein wenig höher oder breiter zu bauen, wenn also die Rahmenbedingungen unglücklich sind, wird am Ende kein glückliches Haus daraus..</p>
<p><strong><br />
Wohnungsnot ist kein neues Thema, sie gab es schon in der Vergangenheit. Was können wir aus der Vergangenheit für die Stadtentwicklung der Zukunft lernen?<br />
</strong><br />
Wir hatten in den fünfziger Jahren eine ähnliche Krise des Wohnungsbaus, in denen ganz schnell viele Wohnungen gebaut wurden. Wenn wir heute bei diesen Wohnungen anbauen, aufbauen oder umbauen müssen, endet es meistens darin, dass wir sie abreißen müssen. Die vor hundert Jahren gebauten Wohnungen können wir hingegen aufstocken oder umnutzen.</p>
<p>Wenn wir also aus der Geschichte lernen wollen, dann sollten wir nicht billigen und schnellen Wohnraum, sondern guten, zeitlosen und großzügigen Wohnraum bauen, mit vielleicht drei Quadratmetern mehr für ein zusätzliches kleines Zimmer, das man gegebenenfalls als Homeoffice nutzen kann. In Bezug auf die Stadtentwicklung sollte man nicht denken, dass die Dichte das Problem ist. Dicht darf es sein, aber in Kombination mit großzügigeren Wohnungen. Gerade wenn sich so viele Menschen in der Stadt auf einem Fleck befinden, benötigen wir mehr Raum in den Wohnungen. Die entstehende Dichte ist dann kein Problem.</p>
<p>Lesen Sie das <a href="https://www.grohe.de/de_de/de_de/architektur/architekturbarometer.html/interview-sebastian-haendel-and-marcus-junghans.html">vollständige Interview mit Marcus Caspar Junghans und Sebastian Händel</a> auf der Seite des <a href="https://www.grohe.de/de_de/architektur/architekturbarometer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Architekturbarometer 30mal10 – Grohe Digital Talks</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Über Sebastian Händel und Marcus Caspar Junghans<br />
</strong></p>
<p>Sebastian Händel studierte an der Bauhaus Universität in Weimar und absolvierte sein Auslandsstipendium an der Virginia Tech, Washington D.C. Nach seinem Diplom 1999 war er im Architekturbüro bei Prof. Otto Steidle (Steidle + Partner) tätig. Seit 2005 war er Mitinhaber des Architekturbüros Dycka Händel, bevor er 2008 dort ausstieg und zusammen mit Marcus Caspar Junghans das heute unter Händel Junghans Architekten bekannte Büro gründete.</p>
<p>Marcus Caspar Junghans bsolvierte sein Architekturstudium an der Bauhaus Universität in Weimar, sowie der Technischen Universität in Wien. Für seine Diplomarbeit an der Bauhaus Universität wurde er 2005 mit dem Diplompreis durch die Stiftung Baukultur ausgezeichnet. Nach seinem Studium sammelte Marcus Junghans im renommierten Münchner Büro Steidle Architekten seine Erfahrungen, bevor er 2008 das gemeinsame Büro mit Sebastian Händel gründete. Mitte 2019 wurde er für drei Jahre als Mitglied in den Baukunstbeirat der Stadt Augsburg berufen. Zudem ist er für die Amtsperiode 2020 bis 2025 als ehrenamtlicher Richter tätig.</p>
<p>(<a href="http://www.haendel-junghans.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.haendel-junghans.de</a>)</p>
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		<title>Architekturbarometer 30mal10 – Interview mit Tobias C. Bloemeke (Carpus + Partner)</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/architekturbarometer-30mal10-interview-mit-tobias-c-bloemeke-carpus-partner/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marina Schiemenz]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Jun 2021 13:07:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[30mal10]]></category>
		<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbarometer]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
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					<description><![CDATA[„Gebäude, die Wissen vermehren – für eine hoffnungsvolle Zukunft“. Mit dieser Mission plant und realisiert Carpus+Partner individuelle und hochkomplexe Labor-, Produktions- und Bürogebäude, in denen Menschen begeistert zusammenarbeiten. Im Interview spricht Tobias C. Bloemeke über das einzigartige Unternehmenskonzept des Büros und die Fokussierung auf Unternehmensimmobilien, über die Mozart-Fähigkeit und die Veränderungen für die Unternehmenswelten durch Corona sowie über Triebfedern moderner Architektur und die Notwendigkeit, den Menschen in den Mittelpunkt der Planungen zu rücken und ihn miteinzubeziehen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/portrait-tobias_bloemeke.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Tobias C. Bloemeke" data-rel="lightbox-gallery-23"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/portrait-tobias_bloemeke.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/portrait-tobias_bloemeke.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/portrait-tobias_bloemeke-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/portrait-tobias_bloemeke-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/carpus-CSL_behring.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Neubau für CSL Behring, Marburg" data-rel="lightbox-gallery-23"><img decoding="async" width="1852" height="1235" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/carpus-CSL_behring.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/carpus-CSL_behring.jpg 1852w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/carpus-CSL_behring-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/carpus-CSL_behring-768x512.jpg 768w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/carpus-CSL_behring-1536x1024.jpg 1536w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/06/carpus-CSL_behring-1320x880.jpg 1320w" sizes="(max-width: 1852px) 100vw, 1852px" /></a>
</p>
<p><div class="clear"></div></div>
<div class="omsc-one-half omsc-last">
<p><strong>Sie erwähnen auf Ihrer Webseite, dass das Ergebnis Ihrer Leistungen einzigartige Unternehmensimmobilien sind. Was verstehen Sie unter einzigartigen Immobilien?</strong></p>
<p>Wichtig ist mir bei der Beantwortung dieser Frage, Herrn Günter Carpus zu erwähnen, einer der zwei Unternehmensgründer. Peter Winkler war der zweite. Letztlich haben wir bei Carpus+Partner alles diesen zwei Herren zu verdanken, die das Unternehmen aufgebaut haben und die sich schon sehr früh und immerwährend mit der Frage der besten Unternehmensstruktur und mit der Frage, welche Werte und welche Organisationsform zum Erfolg führen werden, beschäftigt haben. Günter Carpus sprach in diesem Zusammenhang immer von der sogenannten Mozart-Fähigkeit eines jeden Menschen. Wolfgang Amadeus Mozart war ein Wunderkind und ein begnadeter Pianist und Komponist. Laut Günter Carpus Auffassung schlummert in jedem Menschen eine ganz besondere Fähigkeit, ähnlich wie Mozart sie hatte. Die Frage ist nur, tritt sie irgendwann zutage oder nicht.</p>
<p>Die Idee unseres Unternehmens ist, den Menschen in seiner Mozart-Fähigkeit zu entdecken und eine Unternehmensplattform zu bieten, auf der sich jeder Mensch so frei entfalten kann, dass er möglichst seine besondere Fähigkeit entdeckt. Einzelne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich bei uns bereits in bestimmte Bereiche vorgearbeitet, die sie möglicherweise ohne diese offene Unternehmensphilosophie nicht für sich entdeckt hätten. Und mit genau diesem gleichen Ansatz gehen wir auch an ein Kundenprojekt heran, was der Auftraggeber nicht erwartet und ihn überrascht.</p>
<p>Wir arbeiten fast für alle dreißig DAX-Firmen, unter denen es noch recht tradierte Unternehmungen gibt, die aus einer Zeit stammen, in der man davon einfach überhaupt noch nichts hören wollte oder konnte. Und jetzt kommen die Carpus Berater mit unserer Kultur und Haltung und sprechen von der Mozart-Fähigkeit. Das stößt zunächst auf Erstaunen, man betont, man wolle doch nur ein Gebäude bauen. Wir hingegen weisen darauf hin, dass das Gebäude mehr als ein Haus mit fünfhundert oder tausend Arbeitsplätzen ist, nämlich ein Ort, wo sich Menschen begegnen und vernetzen, wo Kreativität und innovative Ideen entstehen. Und damit überzeugen wir viele CEOs, weil sie natürlich ein Interesse daran haben, dass es dem Unternehmen langfristig gut geht.</p>
<p>Wir leben in Deutschland in einer Technologiegesellschaft und schaffen Wertschöpfung vorrangig mit unseren Köpfen, nicht mit unseren Händen. Diese denkenden Menschen und kreativen Köpfe sind sehr empfänglich für diesen Ansatz. Mehr und mehr Unternehmen in Deutschland schaffen nach und nach den wichtigen Schritt in eine zukunftsweisende Richtung.</p>
<p><strong><br />
Es ist den Medien zu entnehmen, dass Corona bahnbrechende Veränderungen für die Unternehmenswelten nach sich ziehen wird. Welche sind das aus Ihrer Sicht?<br />
</strong></p>
<p>Ich unterscheide hier immer zwischen drei Kategorien. Kategorie eins ist das unmittelbare Erkennen von vorhandenen Schwachstellen. Wie anfänglich bereits gesagt, waren wir bei Carpus bedingt durch unsere Philosophie, unsere Haltung und unsere Werte längst Corona-ready und mussten nur noch auf einen Knopf drücken und entscheiden, welche Maßnahmen wir heute beachten müssen, damit das Arbeiten aller von zu Hause gut funktioniert. Corona hat bei vielen tradierten, patriarchisch und hierarchisch geführten Unternehmen erst einmal zu einem Schock geführt. Und dennoch mussten diese Unternehmen innerhalb kürzester Zeit dafür sorgen, dass die Geschäfte weiterlaufen. Sie haben dann in kurzer Zeit erkannt, dass das Ganze trotz Umstellung auf Home-Office doch sehr gut funktioniert. Es hätte sicherlich noch eine Generation Geschäftsführer gebraucht, bis die neue Generation über eine grundlegende Veränderung der Strukturen nachgedacht hätte. Also hat Corona die Vorspultaste ausgelöst, was vielen Unternehmen mindestens zehn bis zwanzig Jahre Entwicklung gebracht hat.</p>
<p>Kategorie zwei ist die Umstellung in eine Hybridphase, ein Wechsel zwischen Büroanwesenheit und Home- Office. Viele Unternehmen befinden sich noch in der Auslotungsphase, was bei dieser Art der Arbeitsweise gut und was schlecht läuft und was beibehalten werden sollte, ohne das soziokulturelle Miteinander im Unternehmen zu beeinträchtigen. Das ist auch etwas, was uns bei Carpus+Partner beschäftigt, denn wir pflegen sehr viele Rituale im Unternehmen, insbesondere Präsenzveranstaltungen, bei denen Mitarbeiterinformationen kommuniziert werden. Momentan geht das leider nicht in der uns geliebten Art und Weise, auch nicht die Sozialprojekte, bei denen unser Team beispielsweise ein Kinderheim saniert. Auch wir fragen uns, was uns neben der gemeinsamen Projektarbeit zusammenhält und was wir stattdessen tun können, um eine Standortübergreifende Identifikation aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit unserem Unternehmen zu sichern.</p>
<p>Kategorie drei stellt die wichtige Frage: Wenn Corona es in kürzester Zeit geschafft hat, Büroarbeitszeiten, neue technische Ausstattungen und Präsenzarbeit etc. und damit die wesentlichen Grundpfeiler unserer Arbeitswelt zu verändern, dann sollten wir hinterfragen, wann uns auch eine Veränderung bei anderen großen Themen wie Klimawandel, Globalisierung, Auswirkungen der Digitalisierung etc. gelingt. Probleme, die schon ewig bekannt sind, aber nicht engagiert genug angegangen wurden. Ich freue mich, dass durch die Disruption von Corona auch endlich andere Steine ins Rollen kamen, was meiner Meinung nach dringend notwendig ist. Wenn wir jetzt genau hinschauen und mutig sind, die richtigen Entscheidungen zu treffen, werden wir auch in 50 Jahren noch solche spannenden Gespräche über die Zukunft führen. Wenn nicht, könnte es eng werden.</p>
<p><strong><br />
Corona bietet die Chance für ein vollständiges Umdenken von Betriebsabläufen. Das verändert die künftige Interaktion zwischen Mensch und Büroimmobilie. Welche Auswirkungen wird das auf die Architektur haben und wie wird sie sich verändern?<br />
</strong><br />
Architektur sollte neben der prozessualen Intelligenz für einen Technologieanwender, von dem wir immer reden, insbesondere ein inspirierendes, kreativitätsförderndes Umfeld bieten. Es gibt die Beispiele der Monumentalarchitektur aus den 1930er Jahren, die den Zweck hatte, den Einzelnen einzuschüchtern und die Massen zu einer großen, stolzen Gruppe zu machen. Das ist natürlich heute Gott sei Dank nicht mehr so. Ich bin der Meinung, dass Architektur dem Menschen immer Inspiration bieten sollte, etwas Sinnstiftendes zu tun. Wenn wir auf unsere Projekte schauen, entwickeln wir gerne Landschaften, die zum Ausprobieren und zum Nachdenken anregen.</p>
<p>Das Innovation Centre für Hilti ist ein tolles Beispiel, in dem es Möglichkeiten gibt, die Wände zu bemalen, in die Wand zu bohren, irgendwo etwas hin zu schrauben oder einfach einmal etwas ausprobieren zu können. Die Mitarbeiter sind Tüftler und Bastler und möchten im Gebäude ihre spontanen Ideen ganz schnell ausprobieren und begreifen. Das finde ich einfach toll, weil der 3D-Drucker das nicht gemacht hätte.</p>
<p>Die Rationalisierung von Bauprozessen bei standardisierten Bauwerken wie einer Wohnung, einem Hotelzimmer oder einem Studentenwohnheim liegt ganz klar im Trend. Romantisierend könnte man sagen, wie schade es ist, dass hier der Architekt keinen Stift in die Hand nehmen muss, um sich kreativ auszutoben. Jedoch ist diese Zeit vorbei.</p>
<p>Der Markt, vor allem das Kapital werden sich für die Wege und Methoden entscheiden, die sie am schnellsten zu einem wirtschaftlich motivierten Ziel führen. Bei unseren Projekten geht das überhaupt nicht, weil unsere Kunden eine inspirierende, kreativitätsfördernde und auch überraschende Arbeitsumgebung brauchen. Und diese Überraschungen kann sich nur der Architekt im Kopf ausdenken, sein kreativer Geist mit all der Empathie, der Bildung und Menschenkenntnis ist nach wie vor gefragt. Dies kann der Computer nicht ersetzen.</p>
<p>Lesen Sie das <a href="https://www.grohe.de/de_de/de_de/architektur/architekturbarometer.html/interview-tobias-c-bloemeke.html">vollständige Interview mit Tobias C. Bloemeke</a> auf der Seite des <a href="https://www.grohe.de/de_de/architektur/architekturbarometer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Architekturbarometer 30mal10 – Grohe Digital Talks</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Über Tobias C. Bloemeke<br />
</strong></p>
<p>Tobias Bloemeke studierte Architektur an der RWTH Aachen. Sein beruflicher Werdegang führte ihn vom Büro Norman Foster in London über RKW in Düsseldorf 2016 zu Carpus+Partner nach Aachen. Seit 2017 leitet er den Standort München sowie den Fachbereich Architektur. Als Experte für die Entwicklung moderner Arbeitswelten gilt sein besonderes Interesse der Abbildung optimaler Nutzeranforderung bei gleichzeitiger Berücksichtigung strategischer Unternehmensziele sowie einer ansprechenden Gebäudearchitektur. (<a href="http://www.carpus.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.carpus.de</a>)</p>
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		<title>Architekturbarometer 30mal10 – Interview mit Werner Frosch (Henning Larsen Architects)</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/architekturbarometer-30mal10-interview-mit-werner-frosch/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marina Schiemenz]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 May 2021 08:00:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[30mal10]]></category>
		<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbarometer]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ait-xia-dialog.de/?post_type=ait-dialog-blog&#038;p=366770</guid>

					<description><![CDATA[Henning Larsen ist ein internationales Architekturbüro mit skandinavischen Wurzeln. Das physische Umfeld wird von Henning Larsen in jedem Maßstab geformt, herausgefordert und verändert – beginnend beim städtischen Raum über die Gebäude bis hin zur Innenarchitektur – mit der Zielsetzung, den Nutzern ein Design zu bieten, das visionär, verständlich und nachhaltig ist.
Werner Frosch ist Geschäftsführer des Münchner Büros von Henning Larsen und spricht im Interview über das bisherige Erleben der Corona-Pandemie sowie die sich ergebenden Chancen, den Neubau der Fakultät Architektur und Verwaltung der OTH Regensburg und die generelle Veränderung der Wissensvermittlung, wie wichtig es ist, den Menschen in den Fokus der Planungen zu rücken sowie die Entwicklung der Architekturbranche mit Blick auf das Wirtschaftswachstum der letzten zehn Jahre.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
<p>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/05/portrait-werner_frosch-scaled.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Werner Frosch" data-rel="lightbox-gallery-24"><img decoding="async" width="2560" height="1707" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/05/portrait-werner_frosch-scaled.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/05/portrait-werner_frosch-scaled.jpg 2560w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/05/portrait-werner_frosch-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/05/portrait-werner_frosch-768x512.jpg 768w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/05/portrait-werner_frosch-1536x1024.jpg 1536w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/05/portrait-werner_frosch-2048x1365.jpg 2048w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/05/portrait-werner_frosch-1320x880.jpg 1320w" sizes="(max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/05/henning_larsen-sundskolen_schoolyard.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Schulhof SUNDskolen" data-rel="lightbox-gallery-24"><img decoding="async" width="1852" height="1235" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/05/henning_larsen-sundskolen_schoolyard.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/05/henning_larsen-sundskolen_schoolyard.jpg 1852w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/05/henning_larsen-sundskolen_schoolyard-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/05/henning_larsen-sundskolen_schoolyard-768x512.jpg 768w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/05/henning_larsen-sundskolen_schoolyard-1536x1024.jpg 1536w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/05/henning_larsen-sundskolen_schoolyard-1320x880.jpg 1320w" sizes="(max-width: 1852px) 100vw, 1852px" /></a>
</p>
<p><div class="clear"></div></div>
<div class="omsc-one-half omsc-last">
<p><strong>Der Präsident der OTH Regensburg bezeichnete Ihren Entwurf für den Neubau der Fakultät Architektur und Verwaltung dort vor Ort als einen Quantensprung für die Lehre. Dem schloss sich auch die bayerische Staatsministerin für Wohnen, Bau und Verkehr an und lobte Ihre modernen Lernkonzepte, die Interdisziplinarität förderten. Was ist die Kernidee dieses Projektes?</strong></p>
<p>Das Hauptkonzept dieses Gebäudes besteht in der von uns dort eingeführten Lernspirale bzw. dem Raumkontinuum. Es handelt sich um einen über alle Geschosse durchgängigen Raum, der über Treppen verbunden ist und in dem sich sozusagen die gesamten Lern- und Arbeitsräume der Studenten aus den unterschiedlichen Fakultäten verbinden. Es gibt also keine Trennung zwischen den verschiedenen Arbeitsräumen oder Themenbereichen, sondern alle sind Teil eines gesamten Ganzen.</p>
<p>Insgesamt sind in dem Gebäude vier unterschiedliche Fakultäten gestalterischer Berufe untergebracht, sie benötigen Übungs- und Arbeitsräume. Es zeichnen sich zwei Tendenzen ab, die derzeit diskutiert werden: Die eine Richtung ist das zunehmende Homeoffice und die andere das Umfunktionieren von Gebäuden zu sozialen Treffpunkten, die extrem wichtig sind und die wir auch brauchen. Hier bietet die OTH eine Bühne, wo sich Leute zukünftig treffen können. Trotz aller Corona-Maßnahmen und Notwendigkeiten ist der soziale Kontakt und das Lernen miteinander das Alpha und Omega.</p>
<p><strong><br />
Ein chinesisches Schriftzeichen besagt, dass wir uns weiterentwickeln und wachsen können, wenn wir die Chancen von Krisen erkennen und nutzen. Sind die Chancen der Pandemie Ihrer Meinung nach schon erkennbar?<br />
</strong></p>
<p>Momentan sehe ich die Chance in der Reduzierung der Reisen, da seit Corona die Akzeptanz der Videokonferenzen wie Zoom- oder Team-Meetings auf allen Seiten zugenommen hat, auch unter unseren Bauherren. Der Preis der Krise geht zulasten der sozialen Kontakte. Wir haben bei unseren Mitarbeitern deutlich gemerkt, dass das Bedürfnis, mit anderen Leuten in Kontakt zu kommen, sich zu treffen und ins Büro zurückzukommen, immer stärker wurde.</p>
<p>Auf der urbanen Ebene bietet die Krise die Chance, über die Verteilung der Ressource Fläche und wie wir mit ihr umgehen, nachzudenken. Schaut man sich die Gebäudezwischenräume, die Straßen und öffentlichen Plätze an, dann kann man beobachten, dass Corona Möglichkeiten eröffnet hat, an die vorher kaum zu denken war: viel mehr Fahrradfahrspuren, Außenservierungen von Gaststätten auf ehemaligen Parkplätzen etc.. Plötzlich diskutiert man über urbane Qualitäten in einer anderen Art und Weise und darüber, welche Qualitäten eine Stadt erfüllen muss, damit die Menschen sich dort wohlfühlen und öffentlichen Freiräume zur Verfügung gestellt werden.</p>
<p>Auch mit Balkonen an Wohnungen wird mehr über private Freiräume diskutiert. Man wird intensiver darüber nachdenken, wie man Höfe in den Wohnblöcken setzt und wie man sie statt als Parkplätze und Flächen für Garagen alternativ als qualitative Aufenthaltsflächen plant, die die Anwohner für ihre Erholung im Nahbereich nutzen können. Die Erwartung der Gesellschaft in diese Richtungen hat sich seit der Krise verändert.</p>
<p><strong><br />
Zehn Jahre Wirtschaftswachstum liegen hinter uns, eine Fortsetzung zeichnet sich derzeit nicht ab. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung für die Architekturbranche?<br />
</strong><br />
Wir befinden uns in der Architekturbranche auf einem sehr hohen Aktivitätsniveau und haben kaum Arbeitslosigkeit. Ich vermute, es gibt kein Architekturbüro, das in den letzten Jahren über zu wenig Aufträge klagen konnte. Die Situation ist also extraordinär gut. Als ich in 2000 mein Studium abschloss, sah die Lage in Deutschland ganz anders aus. Ich habe auch 2007 und 2008 die Weltwirtschaftskrise in Kopenhagen ganz anders erlebt als sie hier in München spürbar war: Wir haben damals wegen zu geringer Auftragslage über ein Drittel unserer Mitarbeiter entlassen müssen. Davon hat man damals in Deutschland nichts gespürt.</p>
<p>In der Bau- und Immobilienbranche war es eher so, dass sich das Geld plötzlich nach Deutschland orientierte und dort zu einem Aufschwung führte, in dem wir uns bis heute befinden. Eine gewisse Abschwächung dieses Aufwärtstrends ist vielleicht nicht so schlimm, wenn wir in eine gewisse Normalisierung münden. Jeder beklagt doch die Situation des Handwerkermangels und der Preisanstiege, eigentlich auch keine gute Situation.</p>
<p>Ich kann allerdings nur hoffen, dass durch die Krise nicht unsere Ideale in Richtung Ökologie, Nachhaltigkeit und Verantwortlichkeit schwinden, sondern dass wir auch weiterhin verantwortlich denken und handeln. In den anstehenden Werteveränderungsprozessen übernehmen wir Architekten eine wichtige Rolle. Wir arbeiten beispielsweise mit den aus Skandinavien kommenden Sustainable Development Goals, diese 17 von der UN erstellten Ziele, die definieren, wie eine nachhaltige Gesellschaft aussehen kann. In Dänemark messen sich sehr viele Firmen an diesen Vorgaben und agieren immer bewusster in Richtung dieser nachhaltigen Ziele. Diese Bewusstseinswelle können wir als Architekten sicher sehr gut unterstützen und sie eröffnet gute Chancen für uns Architekten.</p>
<p>Gerade die Umformung der Städte in Richtung der Nachhaltigkeit ist ein enormes Kapitel, das wir vor uns haben. Diesbezüglich sind uns andere Länder – wie beispielsweise Dänemark – voraus, dort gibt es heute einen großen Knowledge-Export, weil sich das Land schon sehr früh die CO2-Neutralität auf die Fahne geschrieben hat. Man denkt seit langer Zeit über die Water Resilience nach und fragt sich, was bei Starkregenereignissen passiert und wie man dann mit den Wassermassen umgeht. Ein großes Wissen, von dem wir hier in Deutschland sicher auch Nutzen ziehen können.</p>
<p>Lesen Sie das <a href="https://www.grohe.de/de_de/de_de/architektur/architekturbarometer.html/interview-werner-frosch.html">vollständige Interview mit Werner Frosch</a> auf der Seite des <a href="https://www.grohe.de/de_de/architektur/architekturbarometer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Architekturbarometer 30mal10 – Grohe Digital Talks</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Über Werner Frosch<br />
</strong></p>
<p>Werner Frosch wurde in München geboren, wo er auch Architektur studierte. Seit 2002 arbeitet er bei Henning Larsen. Zuerst in Kopenhagen, bevor er 2011 das Münchner Büro gründete und seither dort als Geschäftsführer tätig ist. 2014 wurde er Partner bei Henning Larsen Architects. Seit 2015 ist er Mitglied des Deutschen Werkbunds Bayern, seit 2019 erster Vorsitzender des Vorstands. Werner Frosch ist als Architekt, Projektdirektor, Preisrichter, Vortragsredner sowie Fachberater in Gremien tätig. (<a href="http://henninglarsen.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.henninglarsen.com</a>)</p>
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		<title>Architekturbarometer 30mal10 – Interview mit Nicole Franken und Prof. Bernhard Franken (Franken Architekten)</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/architekturbarometer-30mal10-interview-mit-nicole-franken-und-prof-bernhard-franken-franken-architekten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Myriam Fischer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Mar 2021 08:56:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[30mal10]]></category>
		<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbarometer]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
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					<description><![CDATA[Franken Architekten wurde 2002 von Prof. Bernhard Franken in Frankfurt gegründet. Gemeinsam mit Nicole Franken gründete er 2008 zudem Franken\Consulting.
Die Franken Architekten Group deckt die Geschäftsfelder Architecture, Brandspace, Interior Design, Urban Design, Engineering, Consulting und Development ab und hat ein breit gefächtertes Portfolio von der Entwicklung von Konzepten und Umsetzungen für Wohnungs- und Städtebau über Hotel und Gastronomie, Office, Retail bis hin zu Messeauftritten, Ausstellungen, Museen und Erlebnisräumen. In unserem Interview sprechen Nicole Franken und Prof. Bernhard Franken über die Veränderungen durch die Krise, die Entwicklungen in der Business- und die Tourismushotellerie sowie die Erfolgsfaktoren für das Hotel der Zukunft.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/03/franken.jpeg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Nicole Franken und Prof. Bernhard Franken | © Franken Architekten" data-rel="lightbox-gallery-25"><img decoding="async" width="500" height="300" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/03/franken.jpeg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/03/franken_sap-rechenzentrum_web-500pxx300px_center_center.jpeg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="SAP Rechenzentrum | © Franken Architekten" data-rel="lightbox-gallery-25"><img decoding="async" width="500" height="300" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/03/franken_sap-rechenzentrum_web-500pxx300px_center_center.jpeg" class="attachment-full size-full" alt="" /></a>
</p>
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<div class="omsc-one-half omsc-last">
<p><strong>Die Krise fungiert als Beschleuniger längst vorhandener Trends. Was sind die für Sie im Bau- und Planungsprozess und im Bezug auf das Endprodukt der Architektur wesentlichen und wichtigsten Dinge, die jetzt eine Veränderung erfahren?</strong></p>
<p>Beim Planungsprozess wird das Thema BIM weiter an Fahrt aufnehmen, viele Dinge sind allerdings noch zu verhandeln: Wer übernimmt eigentlich welche Rolle? Wie gestaltet sich das Honorierungssystem? Wie ist es mit der Verantwortung, der Gewährleistung und wer haftet am Ende, wenn im Kollektiv gearbeitet wird? Wir sind der Meinung, dass unser gesamtes Werksvertragsrecht, das den Architekten immer noch in die  gesamtschuldnerische Haftung einschließt, mittelfristig verabschiedet werden muss. Wir befürworten ein Dienstleistungsrecht, so wie es in den angelsächsischen Räumen üblich ist, das besagt, dass der Architekt nicht mehr für das Gesamtwerk einstehen muss, sondern dass seine Dienstleistung als Teil des Gesamtprozesses beurteilt wird. Schließlich ist die Werkherstellung mittlerweile so komplex und unübersichtlich geworden.</p>
<p>Wir beobachten zwar noch keine Initiativen unserer Verbände oder von Seiten des Gesetzgebers, aber wir sehen die Notwendigkeit, uns als Architekten zu organisieren, um uns an das europäische und internationale Umfeld anzupassen. Ein weiteres Thema ist die vielbeschworene Digitalisierung. Durch modulare Mass Customized Entwicklungen kann man sein Haus konfigurieren und damit mehr oder weniger den Architekten abschaffen. Hier ist es die Aufgabe des Architekten, sich neu zu positionieren. Desweiteren gibt es den Bereich der Künstlichen Intelligenz, die natürlich auch als Bedrohung des Architekten gesehen werden kann. Wir haben vor Kurzem die digitalBAU Messe besucht, wo u.a. Programme zur Grundrissgenerierung, zur Flächen- und Massenermittlung vorgestellt wurden, die dem Architekten – theoretisch – in den frühen Leistungsphasen so einiges an Arbeit abnehmen könnten. Man muss sich anschauen, worin der Mehrwert liegt und dann überdenken, ob der Architekt bei solch neuen<br />
Prozessen als der Experte für Architektur und Entwickler von KI eingesetzt werden kann.</p>
<p><strong><br />
Sie haben u.a. eine große Expertise in der Bautypologie Hotel. Welche Entwicklungen wird die Business- und die Tourismushotellerie in mittel- und langfristiger Sicht nehmen?</strong></p>
<p>In der Hotellerie spaltet sich derzeit die Schere: Während die professionelle, gut geführte Ferienhotellerie in diesem Jahr erstaunliche Zuwachsraten verzeichnet, leiden die klassischen, relativ generischen, in mittelmäßiger Citylage befindlichen Businesshotels. Ein Lösungsweg liegt in der Hybridisierung und Multi Usability, die derzeit schon erfolgreich implementiert wird. Hotels werden zu Wohnungen umgenutzt, als Büros verwendet oder von Schulen genutzt. Die Hotellerie ist in der Vernetzung bereits ganz weit vorne, man denke an ihre Verbindung mit den Themen Gesundheit und Wellness, Office, Retail und Wohnen. Die Hotellerie war schon immer ein Inkubator für Innovationen. Auch die jetzige Zeit ist eine, in der sie zeigen kann, dass sie mehr als nur eine Beherbergungsstätte ist. In Bezug auf die Frage, ob der Innovationsgrad in der Hotellerie schon komplett ausgeschöpft ist, verhält es sich ein wenig wie bei einem Schieberegler zwischen absolutem Low-Tech und absoluten High-Tech. Bewegt man diesen Low-Tech-Regler beispielsweise nach unten, kommt uns der Gründer der Design Hotels Claus Sendlinger in den Sinn, der vor geraumer Zeit die SLOW (sensibel, lokal, organisch, weise) Hotels eröffnet hat, in denen es nach dem Motto „Collect moments, not things“ um Community geht. In denen man achtsam und nachhaltig miteinander agiert, zusammen kocht, Kräuter pflückt et cetera. Bewusst digital detox, sehr analog. Auf der anderen Seite der gesamte High-Tech-Kosmos, der noch nicht ausgereizt ist. Damit meinen wir nicht nur die Smart-House-Technik oder den Selfie Spot, sondern der Einzug der virtuellen Welten in das Hotel. In Asien gibt es Interior-freie Konzepte, in denen mittels Sceens die vom Gast gewünschte Atmosphäre bespielt und szenisch gestaltet werden kann. In Tokio kann man sich beispielsweise einen virtuellen 8 Stunden-Flug nach L.A. buchen und ihn dann in Echtzeit erleben.</p>
<p>In der Hotellerie gibt es also noch viel Raum für Experimente, sowohl im Low als auch High-Tech Bereich. Letztendlich geht es immer um das räumliche Erlebnis. Während der Architekt früher den Raum nur klassisch in der Vogelperspektive als Plan oder als Schnitt, also als reine Geometrie betrachtet und geplant hat, muss er zukünftig als Szenograph in szenischen Folgen denken und beachten, wie sich Menschen in Zeit und Raum bewegen, wie sie handeln und untereinander interagieren. Die viel diskutierte Customer Journey kann man natürlich auch sehr gut auf den Hospitality-Bereich übertragen. Wie kann man dem Gast eine ideale Szene zwischen Check-In und Check-Out bieten? Das ist letztlich die Aufgabe der Architekten, wobei wir die Customer Journey nicht nur auf die Hospitality reduzieren würden. Auch in den Bereichen Office und Wohnen geht der Trend zu Betreiberimmobilien, überall gibt es das Bedürfnis nach Inszenierung. Vielerorts haben wir heute eine Hotellisierung, man kann kaum noch unterscheiden, ob es ein Coworking oder ein Hotel oder vielleicht sogar eine Krankenhauslobby ist. Alles sieht relativ ähnlich aus und an der Rezeption sitzt jemand, der auch Serviceleistungen übernimmt.</p>
<p><strong><br />
Wird es weiterhin die Großhotels geben oder gibt es einen Richtungswechsel zu kleineren, individualisierten Hotels mit speziellen Serviceleistungen?<br />
</strong><br />
Es wird kein entweder oder geben, weder nur kleine noch nur große Strukturen. Wir glauben aber, dass man sich kleinteiliger in größeren Strukturen organisieren wird. Wir denken zum Beispiel an ein Hotel, das sich auch im Bestand über einen ganzen Stadtteil verteilt und wieder Läden aktiviert, die einmal dazugehört haben. In Alt-Sachsenhausen in Frankfurt haben wir zum Beispiel Projekte, die sich gegenseitig unterstützen, sie haben zwar einen Betreiber, funktionieren aber unabhängig voneinander. Die großen Hotels mit vierhundert Zimmern werden sicher in Frage gestellt, weil die Frequenz von Geschäftsreisen sich reduzieren wird. Wobei man bedenken muss, dass die Innovationen eher an den Rändern entstehen, nicht in der Mitte. Die großen Ketten nehmen Trends in der Regel sehr schnell und professionell auf und agieren „dem Gast zugewandt“. Sie haben natürlich auch das Kapital und den langen Atem, um so eine Krise zu überleben. Insofern glauben wir, dass die großen Ketten die an den Rändern entstehenden Innovationen in ihre Eigenkonzepte integrieren oder aufkaufen werden.</p>
<p>Wir können uns vorstellen, dass das ortsunabhängige Arbeiten auch die Hotellerie stark beeinflussen wird. Vielleicht gibt es ein ganzes Almdorf, in dem man für einige Wochen Coworking machen und dort auch wohnen kann. Es wird vermutlich viel mehr Konzepte geben, die sich nicht mehr unbedingt in den A-Städten ansiedeln, sondern in Landschaften oder in den Randgebieten, wo man sie bislang nicht dachte.</p>
<p>Lesen Sie das <a href="https://www.grohe.de/de_de/de_de/architektur/architekturbarometer.html/interview-nicole-and-bernhard-franken.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">vollständige Interview mit Nicole Franken und Prof. Bernhard Franken</a> auf der Seite des <a href="https://www.grohe.de/de_de/architektur/architekturbarometer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Architekturbarometer 30mal10 – Grohe Digital Talks</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Über Nicole Franken<br />
</strong></p>
<p>studierte Design an der Hochschule für Gestaltung Offenbach. Ihre berufliche Laufbahn begann sie 1989 als Designerin am Staatstheater Mainz. Es folgten diverse Führungspositionen im Bereich Kommunikation, Werbung und Marketing. Von 2000-2005 war sie bei MarCom Consultant tätig. 2008 gründete sie schließlich gemeinsam mit Prof. Bernhard Franken Franken\Consulting. Seit 2010 ist Nicole Franken Mitglied der Geschäftsleitung von Franken Architekten, seit 2017 Gesellschafterin, von 2006-2009 war sie verantwortlich für Concept, Business Development und Corporate Communication. Neben diversen Vorträgen, Jurytätigkeiten und zahlreichen Veröffentlichungen in der Fachpresse schreibt Nicole Franken einen Blog über räumliche Erfahrungen. Schon seit vielen Jahren ist sie passioniert am Thema Hospitality interessiert und mitverantwortlich für Entwicklung und Konzept entsprechender Projekte bei Franken Architekten. (<a href="http://www.franken-architekten.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.franken-architekten.de</a>)</p>
<p><strong><br />
Über Prof. Bernhard Franken </strong></p>
<p>studierte Architektur an der TU Darmstadt und an der Städelschule, Institut für Neue Medien, Frankfurt. Nachdem er 5 Jahre freiberuflich für ABB Architekten arbeitete, bildete er von 2000-2002 eine Arge mit ABB. 2002 gründete er Franken Architekten GmbH. Ab 1996 Gastprofessor u.a. an der Universität Kassel und der SCI-Arc in Los Angeles. Von 2010-2013 Professor an der FH Frankfurt für Digitales Entwerfen, FB Architektur. Seit 2015 Professor an der Peter Behrens School of Arts in Düsseldorf für 3D Kommunikation, FB Design. Seine Projekte sind mit 70 Awards im Bereich Architektur und Design ausgezeichnet. Neben der ersten Einzelausstellung 2008 im Deutschen Architektur Zentrum Berlin, fanden über 60 Gruppenausstellungen wie u.a. Die Architekturmaschine im Architekturmuseum der TUM in der Pinakothek der Moderne, Blobmaster im DAM, Biennale in Venedig, BIACF in Korea und Performalism im Tel Aviv Museum of Art statt. (<a href="http://www.franken-architekten.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.franken-architekten.de</a>)</p>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Architekturbarometer 30mal10 – Interview mit Susanne Brückner und Laurent Brückner (Brückner Architekten)</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/architekturbarometer-30mal10-interview-mit-susanne-und-laurent-brueckner-brueckner-architekten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Myriam Fischer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Feb 2021 08:52:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[30mal10]]></category>
		<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbarometer]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
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					<description><![CDATA[Brückner Architekten steht für die Symbiose aus Architektur und Innenarchitektur, verkörpert durch Laurent und Susanne Brückner, die das Büro seit 2004 gemeinsam führen. In unserem Interview sprechen Susanne und Laurent Brückner über das Büro der Zukunft, nachhaltiges Bauen sowie darüber, wie Architektur und Innenarchitektur zu mehr „Wir-Gefühl“ beitragen kann und die aktuellen Trends in Bezug auf Möbilierung und Materialien.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
<p>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/02/brueckner-architekten_web.jpeg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Laurent Brückner und Susanne Brückner | © Brückner Architekten" data-rel="lightbox-gallery-26"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/02/brueckner-architekten_web.jpeg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/02/brueckner-architekten_web.jpeg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/02/brueckner-architekten_web-800x533.jpeg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/02/brueckner-architekten_web-768x512.jpeg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/02/brueckner_alpenwerk_web.jpeg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Alpenwerk | © Brückner Architekten" data-rel="lightbox-gallery-26"><img decoding="async" width="1399" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/02/brueckner_alpenwerk_web.jpeg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/02/brueckner_alpenwerk_web.jpeg 1399w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/02/brueckner_alpenwerk_web-800x343.jpeg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/02/brueckner_alpenwerk_web-768x329.jpeg 768w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/02/brueckner_alpenwerk_web-1320x566.jpeg 1320w" sizes="(max-width: 1399px) 100vw, 1399px" /></a>
</p>
<p><div class="clear"></div></div>
<div class="omsc-one-half omsc-last">
<p><strong>Sie verbinden Generalplanung mit Architektur und Innenarchitektur. Wie gelingt Ihnen dieser Ansatz?</strong></p>
<p><strong>Laurent Brückner:</strong> Wir haben im Laufe der Jahre viele Erfahrungen mit diversen Projekten und Auftraggebern gemacht und haben festgestellt, dass es immer unterschiedliche Herangehensweisen gibt. Vor zehn Jahren entschieden wir uns, selber Projekte zu entwickeln, Grundstücke zu kaufen und zu bauen. Die dabei entstehenden Gebäude haben eine besonders eigene Qualität, weil sie aus dem Fokus des Gestalters, des Konzeptionisten und des Planes entwickelt werden, jedoch nicht minder wirtschaftlich erfolgreich sind. Die gesamte Immobilienbranche ist sehr stark kaufmännisch geprägt, man sieht es auf der Expo-Real, wo viele Leute herumlaufen, die mit Planung und Gestaltung weniger zu tun haben, die aber unsere Immobilienwelt stark prägen.</p>
<p>Uns ist es wichtig, dass auch die Planungskompetenz bei Projekten im Vordergrund steht. Wir erreichen mit den selbst entwickelten und selbst gebauten Projekten eine besonders hohe Qualität. Unsere Kunden, die zu uns als Architekten und Generalplaner kommen, finden unsere eigenen Projekte besonders gut. Gerade die Themen Nachhaltigkeit, hohe Energieeffizienz und niedrige Nebenkosten faszinieren auch kaufmännisch geprägte Unternehmen. Insofern haben wir mit unseren Eigenprojekten Schule gemacht, die uns sozusagen in den Mittelpunkt des gesamten Gebäudeplanungs- und Bauprozesses stellen. Wir versuchen, unsere Planungskompetenz als Mehrwert für das gesamte Projekt zu verkaufen, was sich tatsächlich mittlerweile auszahlt. Schon mein Vater war als Architekt leidenschaftlicher Generalist und sah sich immer gesamtverantwortlich für das Projekt. Unsere Bauherren mussten immer nur drei Dinge tun: beauftragen, entscheiden und die Rechnungen freigeben. Alles andere haben wir gemacht. Diese Philosophie führen wir bei Brückner Architekten und Generalplaner fort, allerdings erweitert um die für die Gebäude so wichtige Innenarchitektur. Seitdem meine Frau die Innenarchitektur übernommen hat, haben die Projekte einen erheblichen Mehrwert erreicht. Insbesondere Büroprojekte wie zum Beispiel Kraft Foods in Zürich oder das Google-Headquarter in München profitieren von diesen großen Corporates, die Brückner Innenarchitekten gestaltet haben. Die dort von uns entwickelten modernen Büro- und Arbeitswelten befeuern sozusagen den Mehrwert der Architektur. Die Disziplinen Architektur, Innenarchitektur und die technische Gebäudeausrüstung fördern sich mehr oder weniger gegenseitig und lassen ein besseres Planungsprodukt entstehen.</p>
<p><strong>Susanne Brückner:</strong> Wir steigen in unseren Planungen sehr tief in die Grundlagenentwicklung mit ein und gehen Hand in Hand mit der Architektur. Wir entwickeln tatsächlich ein Produkt und achten auf Vermietbarkeit. Früher schauten wir im Wesentlichen darauf, wie es dem Menschen in dem Raum geht. Mittlerweile ist es so, dass wir gezwungen sind, Raumgrößen und verschiedene Raumstrukturen abzubilden, die sich dann natürlich auch gestalterisch auf das Gesamtkonzept auswirken.</p>
<p><strong><br />
Wie kann Architektur und Innenarchitektur zu mehr „Wir-Gefühl“ beitragen und zu einer Atmosphäre, die Freude und Spaß am Wandel hat?</strong></p>
<p><strong>Susanne Brückner:</strong> Ich denke, dass uns das Büro als Corporate-Identity und als Markenbotschafter für das Unternehmen erst einmal noch wichtiger ist. Natürlich muss man den Spirit und die Philosophie des Unternehmens mehr denn je in dem Gebäude spüren. Darauf haben wir schon immer ganz großen Wert gelegt. Es ist wichtig, dass man bei Eintritt in das Büro die Philosophie des Unternehmens wahrnehmen kann. Weiterhin ist es unabdingbar, dass man diese Orte der kurzen Begegnung forciert, man hat in jedem Quadratmeter des Grundrisses die Möglichkeit zu einem Spontanaustausch. Der Wandel ist schon im vollen Gange, wir haben derzeit sehr viele Anfragen, Bürobestandsflächen umzustrukturieren, neue Wegeführungen, neue Arbeitsplatzwelten und neue Besprechungsmöglichkeiten zu schaffen. Bei allen Planungen versuchen wir, den Menschen zu verstehen, was er gerne im Raum haben möchte oder was er meint zu brauchen.</p>
<p>Entscheidend ist, zuzuhören und dann zu übersetzen. Es ist tatsächlich wie eine Fremdsprache: Jemand spricht mit uns und anschließend ist es für uns die Aufgabe, zu analysieren, was tatsächlich benötigt wird. Unabdingbar ist, sich in den Menschen hineinzuversetzen, ihn in den Mittelpunkt zu stellen und zu überlegen, was Sinn und Zweck seines Gebäudes, seines Unternehmens oder grundsätzlich seiner Immobilie sein soll. Es entstehen komplett neue Ansätze, die auch unsere Kunden immer wieder überraschen, weil wir tatsächlich anders denken. Jeder Raum wirkt auf uns und löst bei uns Emotionen aus. Wenn wir wissen, welche Emotionen vom Kunden gewünscht sind, sei es Sicherheit, Geborgenheit, et cetera, dann können wir darauf reagieren und auch unkonventionelle Lösungen verwirklichen. Unsere Gestaltungen sind also niemals beliebig, sondern verfolgen einer Intension und einem Leitgedanken.</p>
<p><strong>Laurent Brückner:</strong> Wir sehen das Büro tatsächlich als eine mögliche Performancesteigerung für Unternehmen. Es gab ja schon die ersten Fraunhofer-Studien vor mehr als zehn Jahren, die festgestellt haben, dass ein besonders gut gestaltetes Büro bis zu 36 Prozent mehr Performance aus seinen Mitarbeitern generiert. Wenn Unternehmen zukünftig auf Ihre Büros verzichten, verzichten sie auch automatisch auf diese Performancesteigerung. Ein Unternehmen ist im Wesentlichen mit hohen Personalkosten konfrontiert. Wenn man aus diesem Personal einen zweistelligen Prozentbetrag mehr Performance gewinnt, dann ist die eingesparte Büromiete lächerlich dagegen. Als gutes Unternehmen muss ich also versuchen, mit meinem Büro die teuersten Posten meiner Bilanz – die Mitarbeiter – möglichst effizient zu nutzen. Den Mitarbeitern muss es ganz besonders gut gehen, sie brauchen Abwechslung und die Möglichkeit zum spontanen Austausch.</p>
<p>In die von uns gestalteten Bürowelten gehen sie hinein und spüren sofort die Philosophie des Unternehmens. Bei unserem eigenen Bürogebäude im Alpenwerk ist zum Beispiel GN-Audio-Jabra, Weltmarktführer für Headsets, mit seinem Deutschland-Headquarter eingezogen. Wenn man das Gebäude betritt, weiß man sofort, was GN-Audio bedeutet. Es ist ein Hightech-Unternehmen mit 150 Jahren Historie, man spürt es sofort mit jeder Faser seines Körpers. Und dieses Gefühl schafft man nur über ein wirklich tolles Büro, das die Philosophie des Unternehmens spricht. Das sind die Büros, die wir brauchen. Noch sind viele Unternehmen nicht auf diesem Stand. Aber es gibt Branchen, die haben es zu hundert Prozent verstanden, insbesondere die IT-Branche, die im War-of-Talents die größten Kämpfe ausfechtet. München, als eine der wichtigsten Städte in Bezug auf  Technologie, kämpft um diese Talente. Um sie zu gewinnen, müssen Unternehmen die allerallerbesten Büros mit allen Möglichkeiten bieten.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Nachhaltiges Bauen bestimmt die Entwicklung der ganzen Branche. Allerdings klaffen die Erwartungen und die Realität oft auseinander. </strong><strong>Gebäude in Deutschland werden zum Abbild eines wirtschaftlich rentablen Konzeptes, anstatt eines Aushängeschildes für Qualität in der </strong><strong>Bauwirtschaft. Wie beurteilen Sie die Situation?</strong></p>
<p><strong>Laurent Brückner:</strong> Es ist für uns erschreckend, wie viele Verantwortliche sich in der Immobilienwelt zwar gerne das Label Nachhaltigkeit umhängen wollen, aber eigentlich nicht bereit sind, Risiken oder Investments dafür einzugehen. Ich kann Ihnen ein Beispiel nennen, bei dem wir auch selbst Projektentwickler sind. Es ist unser Bürogebäude Alpenwerk in Rosenheim, das ich soeben bereits erwähnte. Wir starteten die Vermietung in 2010. Es war uns bewusst, dass wir in Rosenheim keine zu München vergleichbar hohen Büromieten generieren können. Schließlich entschieden wir uns zu der Investition eines siebenstelligen Betrages in das Gebäude, um dort ein besonders nachhaltiges Energiekonzept mit eigener Geothermie, Umkehrwärmepumpen für Heizen und Kühlen und Photovoltaik für die Stromerzeugung zu etablieren. Dadurch konnten wir Mieter gewinnen, die einen deutlich höheren Mietpreis zu bezahlen bereit waren, weil wir ihnen versprochen haben, dass wir die Nebenkosten für Heizen und Kühlen unter einem Euro pro Quadratmeter und Monat halten werden.</p>
<p>Zwei Punkte waren für die Unternehmer überzeugend: Bei wesentlich geringeren Nebenkosten ist ein Mehr an Miete akzeptabel. Die Miete bleibt konstant, die Nebenkosten ändern sich mit den Energiekosten, sie sind sozusagen sehr volatil. Der zweite Aspekt war der, dass für die Unternehmen die Miete keine so gravierende Rolle in der Gesamtkalkulation spielt und dass sie bereit sind, für ein besonders nachhaltiges Gebäude mehr Miete auszugeben. Unser Plan ist letztlich voll aufgegangen: Wir lagen in Rosenheim bei 12,80 Euro Anfangsmiete und haben jetzt zum Schluss die letzte Einheit für 13,90 Euro vermietet. Wir liegen mit unseren Nebenkosten ganz erheblich unter den Erwartungen, sie belaufen sich für Heizen und Kühlen bei unglaublich niedrigen neun Cent pro Quadratmeter und Monat. Wir werden sie sogar durch weitere Maßnahmen noch weiter senken. Jetzt kommen einige unserer Kunden auf uns zu und möchten auch so ein Bürogebäude. Sie haben sich allerdings erst dafür entschieden, nachdem sie gesehen haben, dass unser Ansatz funktioniert und sein Mehrwert nachweisbar und nachvollziehbar ist. Es ist tatsächlich schwierig: je größer die unternehmerischen Strukturen bei den Projektentwicklern sind, desto schwieriger ist es, diese echten Nachhaltigkeitskonzepte umzusetzen.</p>
<p>Ein Bauherr, der uns mit einem ganz normalen Gebäude beauftragen möchte, ist für uns heute eigentlich uninteressant. Uns interessieren nur noch Konzepte, die besonders nachhaltig sind. Wir sitzen hier während des Interviews in einem Gebäude, das 30 Prozent mehr Energie pro Jahr produziert als es verbraucht, und das die Planungsdisziplinen Architektur, Innenarchitektur und technische Gebäudeausrüstung in einem Projekt vereint. Das Projekt ist vollständig digital geplant und die Baustelle komplett papierlos abgewickelt worden. Dieses Gebäude hat mittlerweile einige Auszeichnungen erhalten, was belegt, dass sich Design und Nachhaltigkeit nicht ausschließen müssen.</p>
<p>Lesen Sie das <a href="https://www.grohe.de/de_de/de_de/architektur/architekturbarometer.html/interview-susanne-und-laurent-brueckner.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">vollständige Interview mit Susanne und Laurent Brückner</a> auf der Seite des <a href="https://www.grohe.de/de_de/architektur/architekturbarometer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Architekturbarometer 30mal10 – Grohe Digital Talks</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Über Susanne Brückner<br />
</strong></p>
<p>studierte Innenarchitektur an der FH Rosenheim. Im Anschluss arbeitete sie in verschiedenen Architekturbüros, bevor sie in das Büro ihres Mannes einstieg. Bis 2008 baute sie dort die Brückner Innenarchitekten als eigene Marke auf und gründete daraus eine eigene Firma. Eine ihrer großen Leidenschaften ist die Konzeption und Realisierung neuer Büro- und Arbeitswelten. Im Zuge dessen setzte sie bereits erfolgreich Projekte für namhafte Unternehmen wie Google, Kraft Foods, Mondelez und Allianz um. (<a href="https://www.bruecknerarchitekten.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.bruecknerarchitekten.com</a>)</p>
<p><strong><br />
Über Laurent Brückner<br />
</strong></p>
<p>studierte Architektur an der FH München und war danach als freier Mitarbeiter für den renommierten Architekten Klaus Weißenfeldt tätig, bevor er 1997 als Partner in die Firma seines Vaters Wolfgang Brückner einstieg. Sieben Jahre später übernahm er das Büro, aus dem sich seitdem mehrere Ausgründungen und weitere Aktivitäten entwickelt haben. Unter anderem wurde im Jahr 2019 die erste eigene Projektentwicklung – das mit dem German Design Award ausgezeichnete Objekt Alpenwerk in der Nähe von Rosenheim – fertiggestellt. (<a href="https://www.bruecknerarchitekten.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.bruecknerarchitekten.com</a>)</p>
<p><div class="clear"></div></div><div class="omsc-clear"></div>
]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Architekturbarometer 30mal10 – Interview mit Much Untertrifaller (Dietrich &#124; Untertrifaller Architekten)</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/architekturbarometer-30mal10-interview-mit-much-untertrifaller-dietrich-untertrifaller-architekten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Myriam Fischer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Feb 2021 10:41:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[30mal10]]></category>
		<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbarometer]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Büro Dietrich &#124; Untertrifaller Architekten wurde 1994 gegründetes und wird heute von Helmut Dietrich, Much Untertrifaller, Dominik Philipp und Patrick Stremler geleitet und beschäftigt ein internationales Team von mehr als 110 Architekten, die in Österreich, der Schweiz, Frankreich und Deutschland arbeiten. Das breite Spektrum ihrer Bauaufgaben reicht von großvolumigen Bauten und städtebaulichen Strukturen über das Bauen im Bestand bis hin zum Einfamilienhaus. So unterschiedlich ihre Bauwerke auch sind, gemeinsam ist ihnen der humanistische Ansatz, die innovative und nachhaltige Ausführung und das einfühlsame Verhältnis zum urbanen Kontext. Ein bestimmender Faktor all ihrer Arbeiten ist der ressourcenschonende Einsatz von Materialien, wobei unser besonderes Engagement dem zeitgemäßen Holzbau gilt. In unserem Interview spricht Much Untertrifaller über den Bildungsbau der Zukunft, die Auswirkungen und Chance der Pandemie und darüber, wie sich die Tätigkeit von Architekt*innen ändern wird. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
<p>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/02/much-untertrifaller_web-1.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Much Untertrifaller | © Dietrich | Untertrifaller Architekten GmbH" data-rel="lightbox-gallery-27"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/02/much-untertrifaller_web-1.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/02/much-untertrifaller_web-1.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/02/much-untertrifaller_web-1-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/02/much-untertrifaller_web-1-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/02/tum-campus_web.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="TUM Campus | © Dietrich | Untertrifaller Architekten GmbH" data-rel="lightbox-gallery-27"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/02/tum-campus_web.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/02/tum-campus_web.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/02/tum-campus_web-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/02/tum-campus_web-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
</p>
<p><div class="clear"></div></div>
<div class="omsc-one-half omsc-last">
<p><strong>Ist die Pandemie für Sie eine der größten Herausforderungen Ihrer Berufstätigkeit?</strong></p>
<p>Nein, die Pandemie war und ist nicht die größte Herausforderung, aber sicherlich eine neue und ungewohnte Problemstellung. Wir mussten über<br />
hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an fünf Standorten ins Homeoffice schicken und technisch ausstatten, was letztlich aber binnen weniger Tage reibungslos funktionierte. Wir waren glücklicherweise gut vorbereitet mit digitalem Equipment, die Mitarbeiter haben ihre Computer mit nach Hause genommen und sich von dort aus vernetzt. Bislang haben wir persönlich die Krise glücklicherweise kaum gespürt, weder im öffentlichen noch im privaten Bereich. Einige kleinere Projekte sind zwar zurückgestellt worden, ansonsten hat sich die Auftragslage eher sogar verbessert, denn wir haben sehr viele neue Projektanfragen. Unsere mittel- und langfristige Auftragslage können wir aus heutiger Sicht nicht sicher vorhersagen, das hängt von der weiteren Entwicklung der Pandemie ab. Wir rechnen jederzeit damit, einen Standort wieder herunterfahren und die Kolleginnen und Kollegen nach Hause schicken zu müssen, was seit dem ersten großen Lockdown schon zweimal kurzfristig passierte.  Dies wird sich vermutlich über den Winter nochmals wiederholen oder häufen.</p>
<p>Wir hoffen natürlich, dass wir trotz der Verlagerung der Arbeit ins Homeoffice nichts oder so gut wie nichts an Effizienz verlieren. Aber auch das ist natürlich schwierig zu beurteilen, denn nicht nur wir, sondern auch die Auftraggeber sind betroffen. Grundsätzlich sind wir aber positiv gestimmt und glauben nicht, dass mittelfristig viele Projekte „on hold“ gestellt werden. Bei uns halten sich Wettbewerbsgewinne und Direktaufträge die Waage. Unter denjenigen, die direkt beauftragen, befinden sich oftmals Stammkunden, für die wir immer wieder arbeiten, seien das Wohnungsbaugesellschaften, private Investoren oder öffentliche Bauherren. Wir haben also einen beachtlichen Grundstock an wiederkehrenden Auftraggebern. Der Markt nimmt wahr, dass wir sorgfältig und seriös arbeiten, die Dinge gut umsetzen und auf den Boden bringen. Wir sind auch dafür bekannt, den gegebenen Kostenrahmen einzuhalten, was durch viele Realisierungen nachgewiesen wurde. Das schafft Vertrauen.</p>
<p><strong><br />
Sie haben vor einigen Jahren den Wettbewerb für den Neubau des TUM Sportcampus im Olympiapark München gewonnen und befinden sich derzeit am Ende des ersten Bauabschnitts. Was sind die wesentlichen Erfolgskriterien für einen Bildungsbau der Zukunft?</strong></p>
<p>Der Bildungsbau der Zukunft ist ein Gebäude, das ein Höchstmaß an Kommunikation ermöglichen muss. Diese Bautypologie ist seit Jahren ein äußerst spannendes Betätigungsfeld, weil die verkrusteten Raumprogramme der Vergangenheit aufgebrochen wurden und man nicht mehr nur in Klassenräumen und minimierten Erschließungsflächen denkt, sondern über die Qualität dieser Flächen entscheidend zur Stimmung und zu<br />
Kommunikationsmöglichkeiten im Gebäude beiträgt. Diese Veränderungen helfen in Krisenzeiten wie dieser, kleinere Gruppenbildungen zu ermöglichen, um sich dann an verschiedenen Orten und in unterschiedlichen Konstellationen zu treffen. Mich persönlich hat in den letzten Jahren am Bildungsbau so gereizt, dass einerseits alte Strukturen weggebrochen sind und man andererseits noch nicht genau wusste, wo die Reise hinführt.</p>
<p>Es hat sich also ein überaus spannendes Experimentierfeld aufgetan. Und das bewährt sich jetzt. Ich bin überzeugt, dass das gebaute Umfeld Verhaltensweisen und Stimmungen entscheidend beeinflussen kann. Es ist zwar nicht messbar, aber von entscheidender Bedeutung. In alle Richtungen sollten wir wesentlich kooperativer denken und arbeiten; noch sind das Gegeneinander und das Nachdenken im eigenen stillen Kämmerlein weit verbreitet, weil wir es eben so gelernt haben. Durch neue Formen des miteinander Lernens – beispielsweise in den Schulen – glaube ich aber, dass solche Prozesse im späteren Berufsleben und in der gesamten Gesellschaft ankommen werden. Architektur kann somit auch einen deutlichen Beitrag zur Interdisziplinarität und Teamarbeit beitragen.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Nur ist die Zeit ja jetzt gerade gegenläufig. Viele Menschen werden auch zukünftig verstärkt vom Homeoffice arbeiten. Die meisten der Studierenden erleben die Wissensvermittlung heute digital, das Analoge ist eher untergeordnet. Heißt das nicht, dass die Teamleistung nicht lernbar ist, wenn man sie nicht trainieren kann?<br />
</strong><br />
Wir erleben derzeit eine sehr schwierige Situation, das nehme ich sowohl im Büro als auch an der Hochschule wahr. Das reine Homeoffice kann auf Dauer natürlich nicht funktionieren. Wir werden Wege finden müssen, dass zumindest partiell physische Treffen stattfinden können, vielleicht in anderer Form als vorher, aber notwendig werden sie sein. Wir ermöglichen seit einiger Zeit auch wieder Anwesenheitsunterricht im Kindes und Jugendalter. Ich wüsste nicht, warum das nicht auch im Hochschulbereich funktionieren sollte. Gerade für Studienanfänger ist die Situation in diesem rein virtuellen Umfeld im Moment natürlich katastrophal. Das wird auf Dauer sicher nicht gehen, da wird man sich etwas überlegen müssen. Und das Homeoffice zu hundert Prozent wird auch auf Dauer nicht funktionieren. Aber Teilzeit von Zuhause aus zu arbeiten, dagegen spricht nichts; Voraussetzung dafür ist natürlich eine Absprache im Team.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Lesen Sie das <a href="https://www.grohe.de/de_de/de_de/architektur/architekturbarometer.html/interview-much-untertrifaller.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">vollständige Interview mit Much Untertrifaller</a> auf der Seite des <a href="https://www.grohe.de/de_de/architektur/architekturbarometer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Architekturbarometer 30mal10 – Grohe Digital Talks</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Über Much Untertrifaller<br />
</strong></p>
<p>studierte Architektur an der TU Wien. Ab 1982 arbeitete er mit seinem Vater zusammen und markierte 1992 mit dem Silvrettahaus auf der Bielerhöhe einen Wandel im alpinen Bauen. Mitte der 1980er Jahre begann parallel die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Helmut Dietrich, mit dem er 1994, nach dem gewonnenen Wettbewerb für das Festspielhaus Bregenz, ein gemeinsames Büro in Bregenz gründete. Dem Wettbewerbsgewinn für die Erweiterung der Wiener Stadthalle folgte 2004 ein weiterer Standort in Wien. Nach dem Auftrag zum Bau der neuen Hochschulsportanlage der ETH Zürich richteten sie 2005 eine Niederlassung in St. Gallen ein. 2015 wurde das Pariser Büro eröffnet, 2016 folgte München. Er hält regelmäßig Vorträge auf renommierten internationalen Veranstaltungen und lehrt, nach mehreren Gastprofessuren, seit 2016 als Honorarprofessor an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung in Konstanz. (<a href="https://www.dietrich.untertrifaller.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.dietrich.untertrifaller.com</a>)</p>
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]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Architekturbarometer 30mal10 – Interview mit Norbert Schachtner (HDR)</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/architekturbarometer-30mal10-interview-mit-norbert-schachtner-hdr/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Myriam Fischer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Feb 2021 06:39:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[30mal10]]></category>
		<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbarometer]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
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					<description><![CDATA[HDR ist ein Architekturbüro, das global vernetzt innovative Forschungs-, Wissenschafts-, Arbeits- und Gesundheitswelten gestaltet und baut. Die Geschichte von HDR beginnt 1917 mit einer großen Idee der Ingenieure Henningson, Durham und Richardson in den Vereinigten Staaten: mit Ingenieurbauten neues Lebensumfeld schaffen bzw. bestehendes maßgeblich positiv verändern. Diese Idee ist bis heute Basis und dynamischer Treiber des internationalen Netzwerkes HDR, das sich zu 100% in den Händen der HDR-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern befindet. In unserem Interview spricht Norbert Schachtner unter anderem über den Forschungsbau der Zukunft, über Smart Technologies und über die Auswirkungen der Pandemie auf die Architektur.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
<p>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/02/hdr_norbert-shachtner_web.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Norbert Schachtner (HDR) | © Florian Reimann" data-rel="lightbox-gallery-28"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/02/hdr_norbert-shachtner_web.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/02/hdr_norbert-shachtner_web.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/02/hdr_norbert-shachtner_web-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/02/hdr_norbert-shachtner_web-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/02/hdr_aesthetica-studio_day_web.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="HDR, FCI Plaza Aesthetica Studioday | © Florian Reimann" data-rel="lightbox-gallery-28"><img decoding="async" width="1399" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/02/hdr_aesthetica-studio_day_web.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/02/hdr_aesthetica-studio_day_web.jpg 1399w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/02/hdr_aesthetica-studio_day_web-800x343.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/02/hdr_aesthetica-studio_day_web-768x329.jpg 768w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2021/02/hdr_aesthetica-studio_day_web-1320x566.jpg 1320w" sizes="(max-width: 1399px) 100vw, 1399px" /></a>
</p>
<p><div class="clear"></div></div>
<div class="omsc-one-half omsc-last">
<p><strong>Auf Ihrer Webseite ist zu lesen, dass Sie „abgetretene Pfade“ verlassen. Was verstehen Sie unter „abgetretene Pfade“ und wohin zielt Ihr Weg?</strong></p>
<p>Abgetretene Pfade ist vielleicht etwas scharf formuliert. Wir sehen unsere Kernkompetenz darin, zu versuchen, Jahre anhaltende generische Modelle in der Forschung und im Gesundheitswesen aufzubrechen. Weil wir glauben, dass gerade Forschung durch das lebt, was wir heute noch nicht kennen. Es ist das Urprinzip der Forschung, Dinge zu entdecken, die uns heute unbekannt sind, die uns aber wahrscheinlich für unser späteres<br />
Leben nützlich sein können. Das führt auch dazu, dass häufig die Art und Weise, wie Forschungsergebnisse produziert werden, heute anders sind als vor zehn Jahren. Wenn Sie heute Labor- oder Forschungsgebäude betreten, sehen Sie immer weniger klassische Flurtypen, sondern immer mehr freier organisierte Arbeits-, Lernund Wissenswelten, die dazu führen, den Menschen untertags deutlich mehr Kommunikation zu ermöglichen.</p>
<p>Wir sind überzeugt, dass neue Arbeitswelten zum Schluss andere Ergebnisse produzieren. Deshalb ist es unsere Hoffnung, dass die Zurverfügungstellung anderer Räume durch uns Architekten eine andere Art der Arbeit und der Arbeitsorganisation bewirkt, die auch andere<br />
und zwar bessere Ergebnisse hervorbringt. Das ist der Grund, warum wir bestehende Arbeitsorganisationen – oder nennen wir es einfach generische Modelle – immer wieder überdenken und überprüfen. Wir merken es natürlich auch an unseren eigenen Büros: würden wir uns wie eine Verwaltung organisieren und jeder in seinem eigenen Raum sitzen oder zu zweit in einem Raum den Tag verbringen, würde sich unser Erlebnishorizont sehr<br />
stark einschränken. Und somit auch die Art und Weise, wie wir denken, wie wir handeln und wie wir unsere Produkte entwickeln. Arbeiten wir hingegen in größeren Raumeinheiten mit mehr Möglichkeiten, haben wir untertags ein ganz anderes Modell des Arbeitens.</p>
<p>Unsere Erfahrungen der letzten Jahrzehnte haben klar den Unterschied zwischen offen und frei kommunizierenden Teams gegenüber räumlich beengten gezeigt. Abgesehen davon, dass offenere und freie Architekturen auch einen anderen Typ Mensch anziehen werden. Und um das geht<br />
es uns ja auch, dass wir mit unserem eigenen Arbeitsumfeld versuchen, die besten Mitarbeiter am Markt zu generieren. Und diese haben klare Vorstellungen, unter welchen Bedingungen und unter welchen räumlichen Gegebenheiten sie arbeiten wollen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Der Forschungsbau der Zukunft ist also ein Gebäude, das ein Höchstmaß an Kommunikation ermöglichen muss, da durch Kommunikation u.a. Innovation entsteht. Welche wesentlichen Erfolgskriterien für den Bildungsbau der Zukunft würden Sie dem hinzufügen?</strong></p>
<p>Der zweite Punkt ist sicherlich das Thema Flexibilität, ein inzwischen ziemlich abgedroschenes Wort. Wir wissen ja nicht, wie die Menschen in zehn Jahren arbeiten werden. Wenn wir heute Häuser bauen, die maßgeschneidert auf das heutige Arbeitsmodell passen, so entstehen leider immer noch sehr viele Raumprogramme, die das Abbild der gegenwärtigen Situation sind. Es ist aber doch wahrscheinlich, dass die Menschen in zehn Jahren in einem völlig anderen digitalen Umfeld, mit völlig anderen technischen Mitteln arbeiten, was viele Häuser von heute nicht mehr abbilden können.<br />
Welche Häuser reißen wir heute ab? Doch diejenigen, die man den neuen Nutzungen nicht mehr anpassen, nicht in großzügige, freie, flexible Raumwelten umbauen kann, was auch vom ökologischen Standpunkt her alles andere als positiv ist. Ein Haus verbraucht ja zur Herstellung<br />
ein unglaubliches Maß an Primärenergie, sei es über Beton, sei es über die Herstellung von Glas und natürlich auch edlen Materialien wie Aluminium. Es ist mehr als bedauerlich, dass wir unsere Häuser nur auf 30-35 Jahre denken und sie dann häufig wieder abreißen und damit der gesamte Primärenergieaufwand zum Schluss umsonst war. Somit ist Flexibilität ein ganz großer und wichtiger Punkt. Ein heute gebautes Raumgefüge muss immer wieder neu definiert werden können, ohne dass man gleich zur Betonsäge greifen muss. Also mit möglichst wenig bautechnischem und architektonischen Aufwand gilt es, neue Arbeits- und Denkwelten zu entwickeln, die für unsere Kinder möglicherweise auch noch in zwanzig Jahren maßgeschneidert und erfolgreich sein können.</p>
<p>Da sich unsere Arbeitswelten deutlich ändern werden, und das sehen wir ja doch fast an allen Stellen, sei es in der Produktion, der Forschung oder der Verwaltung, brauchen wir einen völlig flexiblen Gebäudetypus, der nur aus dem Kern zur Versorgung dieser Flächen besteht, aus einer Fassade und Deckenplatten. Vorbilder haben wir ja bereits mit den schönen Altbauten aus dem Ende des 19., Beginn des 20. Jahrhunderts, die wir heute immer und immer wieder umnutzen und umbauen können.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Was hat die Corona-Krise mit Architektur zu tun? Man denke an die Epidemien der Vergangenheit, die letztendlich immer Auswirkungen auf unsere </strong><strong>Städte hatten und sie letztendlich auch verändert haben.</strong></p>
<p>Ich denke, mit Architektur als solcher wahrscheinlich primär fast überhaupt nichts. Es wird möglicherweise Folgen für das wirtschaftliche  zusammenleben der nächsten Jahre für uns geben. Vielleicht auch dadurch, dass wir jetzt zu einer Staatsverschuldung gezwungen werden, die wir in den nächsten Jahren wieder abbauen müssen oder sollten. Das könnte dazu führen, dass die öffentlichen Investitionen in vielen Bereichen reduziert<br />
werden und damit manche nicht mehr ganz so notwendigen Bauprojekte wie Museen oder Freizeitbäder verschoben werden müssen, damit wir unsere sechzig Prozent Maximalverschuldung vom jährlichen Bruttosozialprodukt, also die Stabilitätsregeln der EU, wieder einhalten können. Es wird wahrscheinlich zwei bis drei Jahre dauern, vielleicht sogar länger. Ansonsten sehe ich auf dem sogenannten Bau-Markt für uns Architekten<br />
auf das Erste keine konjunkturellen Einflüsse. Die Corona-Krise hat nur Dinge stärker ins Rampenlicht gezogen, die eigentlich schon da waren, aber man noch nicht so erkannt hatte. Ohne Corona wäre es zum Beispiel erst in einigen Jahren sichtbar geworden, dass wir unsere Arbeitswelten unbedingt flexibilisieren müssen und den Arbeitsort nicht mehr hundert Prozent im Büro sehen.<br />
Google oder einige andere Silicon Valley Betriebe definieren das Wort Arbeitsort nicht mehr in ihren Verträgen, sondern ausschließlich das Ergebnis der Arbeit. Ob man sie von Zuhause, im Café, im Freibad, im Büro oder vielleicht gerade im Zug macht, ist die persönliche Entscheidung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.</p>
<p>Sekundär betrachtet wird durch die Pandemie wahrscheinlich eine Veränderung der Umwelt eintreten. Mit allergrößter Sicherheit werden sich unsere Städte danach richten müssen, um wieder erfolgreich zu sein. Die Städte sind derzeit ja gegenüber dem flachen Land durch die Dichte und durch die oftmals sehr gedrängt miteinander lebenden Menschen, im Nachteil. Sie müssen sich sicherlich ein Modell einfallen lassen, wie sie im<br />
Vergleich zum Leben auf dem Land wieder konkurrenzfähig werden. Das impliziert die Verfügungstellung von mehr öffentlichen Räumen wie Parks und mehr Möglichkeiten, sich außerhalb der Wohnung zu treffen. Man konnte es jetzt seit Corona beobachten, es wurden viele öffentliche Plätze endlich so genutzt, wie sie eigentlich zu nutzen sind, nämlich als Versammlungs- und Kommunikationsflächen von Menschen und nicht als<br />
Parkplätze. Es ist allerdings momentan noch zu früh, über die Folgen von Corona zu sprechen, noch befinden wir uns mittendrin in dieser Krise und damit noch längst nicht am Ende, an dem wir einen Schlussstrich ziehen könnten, um zu überlegen, was wir falsch gemacht haben und was wir korrigieren müssen.</p>
<p>Das Einzige, was wir momentan wissen ist, dass sich unsere Wohnungen und Arbeitswelten verändern werden. Schließlich müssen wir davon ausgehen, dass dieses Covid-19 Thema kein Einzelfall bleiben wird. Das menschliche Leben und die Stadt sind sowieso in einem ständigen Transformationsprozess, kein Zustand bleibt immer so, wie er gerade ist. Städte haben sich immer wieder an neue Produktionsbedingungen und auch an die Umwelt angepasst, um weiter erfolgreich zu sein. Die Stadt ist ja ein unglaublich erfolgreiches Sozialisationsmodell, und das ist ja auch der Grund, warum immer Menschen in die Städte ziehen. Jetzt müssen neue Impulse kommen, damit die Städte ihre Möglichkeiten zur Kommunikation, sozialem Austausch und Lebensqualität wieder zu ihrem Vorteil auszubauen können.</p>
<p>Lesen Sie das <a href="https://www.grohe.de/de_de/de_de/architektur/architekturbarometer.html/interview-norbert-schachtner.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">vollständige Interview mit Norbert Schachtner </a>auf der Seite des <a href="https://www.grohe.de/de_de/architektur/architekturbarometer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Architekturbarometer 30mal10 – Grohe Digital Talks</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Über Norbert Schachtner<br />
</strong></p>
<p>studierte Architektur an der TU Mu?nchen und schloss 1990 das Studium mit dem Diplom ab. In seiner langjährigen Tätigkeit fu?r eines der fu?hrenden europäischen Architekturbu?ros baute Norbert Schachtner den Geschäftsbereich „Life Science Buildings“ auf und leitete ihn erfolgreich. Seit 2018 ist Norbert Schachtner Leiter des Bereichs Bildung, Wissenschaft und Forschung und Teil des internationalen Wissensnetzwerks von HDR. Zu seinem Portfolio zählen vielfältige Projekte von speziellen Laboren bis hin zu komplexen Biosafety-Level-4 Einrichtungen. (<a class="_ps2id" href="https://www.hdrinc.com/de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.hdrinc.com</a>)</p>
<p><div class="clear"></div></div><div class="omsc-clear"></div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Architekturbarometer 30mal10 – Interview mit Petra Wörner (wörner traxler richter planungsgesellschaft)</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/architekturbarometer-30mal10-interview-mit-petra-woerner-woerner-traxler-richter-planungsgesellschaft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Myriam Fischer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Dec 2020 13:17:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[30mal10]]></category>
		<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbarometer]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ait-xia-dialog.de/?post_type=ait-dialog-blog&#038;p=358049</guid>

					<description><![CDATA[Gegründet wurde wörner traxler richter im Jahr 1971 in Frankfurt am Main unter dem Namen WÖRNER+PARTNER, es folgten die Büros in Hamburg 1981, Dresden 1991, München 2011 und Basel 2020 - heute arbeiten sie zusammen mit über 160 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen an Standorten in Frankfurt, Dresden, München und Basel. Seit Jahrzehnten sind  wörner traxler richter erfolgreich und richtungsweisend im Bereich des Gesundheits- und Forschungsbaus tätig. Die Planung und Realisierung von Schulbauten, Wohn- und Hotelprojekten, Museums- und Kulturbauten und die Entwicklung von städtebaulichen Konzepten und Masterplänen ergänzen das Aufgabenspektrum. In unserem Interview spricht Petra Wörner unter anderem über das Krankenhaus der Zukunft, welche Auswirklungen die Krise auf unser Gesundheitssystem hat und welche Chance die Pandemie für die Architektur bedeutet.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
<p>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/petra_woerner_traxler.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Petra Wörner (wörner traxler richter planungsgesellschaft) | © wörner traxler richter planungsgesellschaft mbh, Foto: Frank Blümler" data-rel="lightbox-gallery-29"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/petra_woerner_traxler.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/petra_woerner_traxler.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/petra_woerner_traxler-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/petra_woerner_traxler-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/traxler_web_01.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="wörner traxler richter planungsgesellschaft, Universitäre Altersmedizin FELIX PLATTER, Basel | © wörner traxler richter planungsgesellschaft mbh, Foto: Frank Blümler" data-rel="lightbox-gallery-29"><img decoding="async" width="1399" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/traxler_web_01.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/traxler_web_01.jpg 1399w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/traxler_web_01-800x343.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/traxler_web_01-768x329.jpg 768w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/traxler_web_01-1320x566.jpg 1320w" sizes="(max-width: 1399px) 100vw, 1399px" /></a>
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<p><strong>Gibt es schon heute absehbare Auswirkungen der Krise auf unsere Baukultur?</strong></p>
<p>Dass eine Pandemie mit ihren Konsequenzen Auswirkungen auf unser Zusammenleben, auf die Benutzbarkeit von Orten und Räumlichkeiten haben wird, wird derzeit schon diskutiert und ist sehr wohl präsent. Im Übrigen ist das kein nie dagewesener Vorgang. Wenngleich ich beobachte, dass gerade im Bereich unserer komplexen Projekte &#8211; wir sind ja sehr stark im öffentlichen Bau tätig und planen fast ausschließlich Krankenhäuser, Lehreinrichtungen und Forschungsinstitute – die jetzt notwendig werdende Gebrauchsfähigkeit der Gebäude bereits vor Corona angelegt war. Durch die Pandemie allerdings ist die Erfordernis der Realisierung dieser Parameter deutlich ultimativer zutage getragen worden. Wir haben schon immer Diskussionen über die Entflechtung von Dichte geführt. Diese Diskussionen wurden aber oftmals abgebrochen, weil sie als Komfort oder nicht notwendiger Luxus und damit als verzichtbar identifiziert wurden. Jetzt lernen wir, dass diese Fragestellungen nichts mit Komfort, sondern mit tatsächlicher Gebrauchsfähigkeit zu tun haben. Zukünftig müssen wir alle unter Einhaltung der Hygienebedingungen leben und arbeiten – uns bewegen. Die bereits vor Corona gedachten Lösungsansätze müssen nicht neu erfunden, sondern sie müssen jetzt ohne weitere Diskussionen umgesetzt werden.</p>
<p>Wir waren schon immer angehalten, – und das ist auch das Herausfordernde an unseren Bauaufgabe – die maximale Gebrauchsfähigkeit eines Gesundheitsbaus mit einer angemessenen Architektur zu kombinieren, damit seine Individualität zu sichern über eine Stadt räumlich und damit typologisch adäquate Idee. Wir haben derzeit ein vor der Fertigstellung stehendes Projekt, das der Bauherr schon jetzt mit größter Virtuosität als Corona-Krankenhaus für eine mögliche zweite Welle vorrichtet, weil es tatsächlich in seiner Flexibilität für die aktuelle Aufgabe gut zu benutzen ist. Wir haben anscheinend die Bauaufgabe richtig verstanden. Was den Krankenhausausbau anbetrifft, hat es schon immer die Bedeutung der Hygiene und die Notwendigkeit von Separierung gegeben bei gleichzeitiger Berücksichtigung, dass mit einer sensiblen Gebäudeplanung die Aufenthaltsqualität für Patienten und Mitarbeiter angenehm sein kann und zur Heilung und einer motivierenden Arbeitsatmosphäre beitragen kann. Die kontinuierliche Auseinandersetzung mit Fragen zur Hygiene ist ein zu dieser Bauaufgabe gehörendes Thema. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass die Pandemie oder die Auswirkungen der Pandemie auch Parameter im Wohnungsbau und/oder im Bürobau verändern werden. Man kann sich ja vorstellen, dass wenn z.B. Mann und Frau im Home-Office arbeiten müssen und gleichzeitig Kinder zuhause sind, sich der Platzbedarf zugunsten eines größeren, an diese veränderte Situation adaptierten Lebensraums, verändern muss. Und auch im Bereich der Organisation von Büroflächen werden sich möglicherweise die Aufgabenstellungen verändern.</p>
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<p><strong>Können Sie uns einen Einblick verschaffen, wie Sie das Krankenhaus der Zukunft sehen – unter Berücksichtigung der rasant entwickelnden Technologien sowie der demografischen und wirtschaftlichen Veränderungen? Was kann Architektur zu dem Krankenhaus der Zukunft beitragen?</strong></p>
<p>Wie bereits erwähnt, werden wir die Flexibilität, die schon immer eine Fragestellung des Krankenhauses war, weiter kultivieren. Das heißt, wir denken z.B. sehr stark in modularen Einheiten. Wir erleben inzwischen, dass die Menschen wesentlich länger leben, also brauchen wir Krankenhäuser, die die Behandlung und einen Aufenthalt der älter werdenden Menschen mit hoher Qualität gewährleisten, zum Beispiel in der Altersmedizin. Das ist eine Aufgabenstellung, die in dieser Form früher nicht im Vordergrund stand oder eher traditionell von Altenheimen übernommen wurde. Inzwischen gibt es immer mehr geriatrische Zentren. Für Menschen, die im hohen Alter erkranken und dennoch entsprechend ihrer Lebenserwartung versorgt werden müssen, man denke an einen dementen Menschen der sich den Oberschenkelhals bricht &#8230; ein wunderbares Beispiel für diese Aufgabenstellung ist das von uns geplante und seit zwei Jahren fertig gestellte Felix-Platter-Spital, die Universitäre Altersmedizin in Basel, in dem für alte Menschen, die sich nicht mehr ausschließlich selbstständig versorgen können, eine ganzheitliche Medizin angeboten wird.</p>
<p>Wie schon gesagt, nehmen wir durch unsere Gebäude und unsere Architektur sehr starken Einfluss auf die Aufenthaltsqualität. Nicht nur zugunsten der Patienten, sondern auch zugunsten der Mitarbeiter. Dass Aufenthaltsqualität und Architektur imageprägend für die Gewinnung von Mitarbeitern sind, ist auch ein Aspekt, der ohnehin immer mehr in den Vordergrund gerückt ist und jetzt unter Pandemiebedingungen nochmal mehr diskutiert wird und an Bedeutung gewinnt: die Aufwertung und die Anerkennung der Berufssparten in der Medizin, unabhängig, ob im ärztlichen oder pflegenden Dienst. Man muss wissen und verantwortlich anerkennen, dass diese Häuser an 365 Tagen, 24 Stunden ge- und benutzt werden. Ein Krankenhaus ist mehr als ein Hotel, in dem man „nur“ ein- und auscheckt, in einer Klinik gibt es in der Regel keine Freiwilligkeiten aber dennoch das Bedürfnis des sich geborgen- und wohlfühlens, des gesund werdens im besten Sinne. Heute kommen wir ins Krankenhaus, wenn wir nicht mehr selbstständig oder sehr krank sind. Wenn wir ambulant versorgt werden können, steht das Krankenhaus gleichzeitig im Prinzip auch als  ageseinrichtung zur Verfügung.</p>
<p>Früher waren die Einrichtungen in dieser Potenz so nicht organisiert. Heute kann man beispielsweise in onkologischen Einheiten Langzeittherapien ambulant absolvieren oder kurze chirurgische Eingriffe können in tagesklinischer Versorgung durchgeführt werden. Das erhöht die Lebensqualität der Patienten und beeinflusst die Betriebsorganisation eines Medizinunternehmens entscheidend. Parallel dazu wird unter dem gleichen Dach die stationäre und intensivmedizinische Versorgung von sehr kranken Menschen organisiert. Das eine schließt das andere nicht mehr aus und im Zentrum steht die sowohl von den tagesklinischen als auch stationären Patienten genutzte Infrastruktur mit der maximalen medizinische und diagnostische Expertise. Dieser effizienten Organisationsform folgt quasi das Denken in Modulen, d.h. wir können modulare Einheiten sowohl in der Pflege wie auch in der Untersuchung, Behandlung und Diagnostik kombinieren, um Leistungszentren auf unterschiedlichen Niveaus herzustellen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Wird es Ihrer Meinung zu einer Neueinschätzung des Gesundheitssystems kommen, weil auch mittlerweile von der Politik verstanden wurde, </strong><strong>welch hohen Stellenwert unsere vorhandenen Krankenhauskapazitäten haben?</strong></p>
<p>Ich bin vorsichtig in der Prognose, da ich immer wieder erlebe, dass die politischen Auseinandersetzungen in unserer Gesellschaft von so vielen unterschiedlichen Faktoren beeinflusst wird. Wir sollten allerdings anerkennen, dass es in Deutschland – im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern – ohnehin ein hohes Bewusstsein für Krankenversorgung gibt. Es gibt eine etablierte länderspezifische Krankenhausbauförderung und ein kontinuierliches Sich-Auseinandersetzen mit den sich veränderten medizinischen Techniken. Sprich: Der Bedarf an Adaption an den wissenschaftlichen Fortschritt beschäftigt uns Architekten und auch die Krankenhäuser als Unternehmen kontinuierlich. Es existieren Bau- und Technische Abteilungen, die permanent versuchen, den Mitarbeitern und natürlich den Patienten die Möglichkeit zu verschaffen, an diesen<br />
Fortschritten teilzuhaben. Insofern sehe ich nicht, dass wir insuffizient ausgestattet sind. Es mag vielleicht sein, dass wir ein Gefälle zwischen den einzelnen Bundesländern verspüren, unser föderales System geht naturgemäß unterschiedlich mit diesen Fragestellungen um. An dieser Stelle sind wir wieder bei der länderindividuellen politischen Priorität.</p>
<p>Aber die diskutierten Fragen, ob wir im ländlichen Raum kleine Kliniken haben und sich in den Ballungsräumen große Zentren akkumulieren und wie man damit bedarfsgerecht umgeht, treibt jedes Bundesland bis in jeden Landkreis um. Diese Diskussion wird mit voller Leidenschaft überall geführt. Wir können nicht erkennen, dass die Beeinflussung der Qualität von Krankenversorgung von Entscheidern und Planern ignoriert wird. Ein Krankenhaus ist ein großer Organismus, man muss ihn ganzheitlich betrachten, wie jedes andere Unternehmen auch. Er besteht im Wesentlichen aus Menschen, die bereit sind sich in Extremsituationen ihren Mitmenschen hochqualifiziert und fürsorglich zuzuwenden. Die Anerkennung dieses Berufsstandes ist uns sicher gesellschaftlich in den vergangenen Jahren aus den Händen geglitten. Wenn die Pandemie eine positive Auswirkung hat, dann ist es hoffentlich die Erkenntnis aller, wie wichtig Menschen in unserer Gesellschaft sind, die bereit sind, solche Sozialdienste zu übernehmen. Und die Erkenntnis, sie entsprechend auszustatten. Nicht nur monetär, sondern auch mit Wertschätzung. Und zur Wertschätzung gehören auch zeitgemäße und bewältigbare Arbeitsbedingungen in attraktiven Räumlichkeiten – in anspruchsvoller Architektur.</p>
<p>Lesen Sie das <a href="https://www.grohe.de/de_de/de_de/architektur/architekturbarometer.html/interview-petra-woerner.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">vollständige Interview mit Petra Wörner </a>auf der Seite des <a href="https://www.grohe.de/de_de/architektur/architekturbarometer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Architekturbarometer 30mal10 – Grohe Digital Talks</a>.</p>
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<p><strong>Über Petra Wörner<br />
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<p>geboren am 1957 in Karlsruhe, studierte Architektur an der Universität Stuttgart und am IIT-Illinois Institute of Technology in Chicago. Nach ihrem Diplom 1983 und beruflichen Aufenthalten in Chicago und New York arbeitet sie seit 1984 für wörner traxler richter, zunächst als Entwurfsarchitektin und Projektleiterin. 1991 wird Petra Wörner Gesellschafterin und 1993 Mitinhaberin der damaligen Bürogesellschaften. Seit 1997 ist sie geschäftsführende Gesellschafterin der wörner traxler richter planungsgesellschaft mbh und seit 2017 Geschäftsführerin der wörner traxler richter schweiz gmbh. Sie war bis Ende 2017 Mitglied und Vorsitzende des Gestaltungsbeirates der Stadt Linz und vertritt seit Ende 2017 als aus dem BDA gewähltes Mitglied den Städtebaubeirat der Stadt Frankfurt. (<a href="https://wtr-architekten.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.wtr-architekten.de</a>)</p>
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		<item>
		<title>Architekturbarometer 30mal10 – Interview mit Axel Koschany (Koschany + Zimmer Architekten KZA)</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/architekturbarometer-30mal10-interview-mit-axel-koschany-koschany-zimmer-architekten-kza/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Myriam Fischer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Nov 2020 07:43:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[30mal10]]></category>
		<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbarometer]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
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					<description><![CDATA[Bürogründer Günter Koschany begann bereits 1959 seine Karriere als Architekt und legte damit den Grundstein des Architektenkontors Günter Koschany Architekten GKA. Seit 1998 führen die Partner Axel Koschany und Wolfgang Zimmer das Büro Koschany + Zimmer Architekten KZA in zweiter Generation und sind sowohl als Architekten als auch Projektentwickler tätig. Seit 2004 wächst das Büro erfolgreich am Rüttenscheider Standort im Essener Süden. Gemeinsam mit ihren Bauherren entwickeln sie individuelle Lösungen für Wohnen, Verwaltung, Logistik, Bildung und Handel – vor der eigenen Haustür wie auch international.  In unserem Interview spricht Axel Koschany unter anderem über die aktuellen Entwicklungen in der Baukultur, über die Krise als Beschleuniger längst vorhandener Trends und die Revolution des Wohnungsbaus.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/axel-koschany.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Axel Koschany (Koschany + Zimmer Architekten KZA)" data-rel="lightbox-gallery-30"><img decoding="async" width="900" height="675" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/axel-koschany.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/axel-koschany.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/axel-koschany-800x600.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/axel-koschany-768x576.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/koschany_web_01.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Koschany + Zimmer Architekten KZA, Wohn-, Handels- und Dienstleistungsgebäude, Schlesierweg, Wolfsburg / Bauherr NEULAND Wohnungsgesellschaft mbH, Wolfsburg | © Hans-Dieter Brand" data-rel="lightbox-gallery-30"><img decoding="async" width="1399" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/koschany_web_01.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/koschany_web_01.jpg 1399w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/koschany_web_01-800x343.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/koschany_web_01-768x329.jpg 768w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/koschany_web_01-1320x566.jpg 1320w" sizes="(max-width: 1399px) 100vw, 1399px" /></a>
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<p><strong>Die Krise ist wie ein Beschleuniger längst vorhandener Trends, die sich als wahrer Innovationstreiber der kommenden Jahre herausstellen werden. Welche Trends sind das aus Ihrer Sicht?</strong></p>
<p>Die Digitalisierung ist sicherlich einer der wesentlichen Innovationstreiber und hat jetzt durch die Corona-Krise auch in Deutschland in allen Bereichen enorm an Fahrt aufgenommen. Verfolgt man die Debatte über die letzten Wochen und Monate in den Schulen, so scheint das auch dringend notwendig zu sein. Meine Kinder studieren und sind voll digitalisiert, mein Sohn hat seine Bachelor-Arbeit den Professoren und Zuhörern via Teams präsentiert, was für mich den großen Vorteil hatte, dabei sein zu können, ohne in München zu sein. Aber viele meiner Freunde haben Kinder, die noch zur Schule gehen. Sie waren teilweise fassungslos darüber, wie hilflos das System Schule über Wochen mit der Situation umgegangen ist.</p>
<p>Zur Digitalisierung gehören auch die Erkenntnisse aus der Arbeitswelt, Stichwort „mobiles Arbeiten“, moderne, flexible Arbeitszeitmodelle. Viele Unternehmen, die sich bisher geziert haben, sich damit zu beschäftigen, geschweige denn, es einzuführen, mussten es jetzt tun. Ich habe mit vielen Führungskräften gesprochen, die teilweise hinter vorgehaltener Hand zugegeben haben, dass es viel besser lief, als sie immer befürchtet hatten und sie ganz froh waren, es ohne weitere Diskussionen machen zu müssen. An unseren Arbeitsmodellen hängt auch das Thema Mobilität. Es gehört wie der Klimawandel zu den großen gesellschaftlichen Themen, die wir schon vor der Krise hatten. Durch die Krise gerieten sie erst einmal in den Hintergrund, aber jetzt kommen sie wieder hoch: Die Schüler und Studenten von „Friday for Future“ haben für Ende September wieder einen Tag der Demonstration angemeldet – natürlich unter Corona-Bedingungen. Es wird spannend sein zu beobachten, was geschieht, wenn dieselben Politiker, die im Frühjahr ad hoc einschneidende Entscheidungen getroffen haben, um unser Leben zu schützen, beim Thema „Klima“ weiterhin eher von Dekaden reden, wenn es um die Einführung neuer Regeln zum Schutz des Klimas geht. Denn da geht es letztlich auch um unser Leben. Die Klimadiskussion muss und wird darum auch unseren Berufsstand in Zukunft noch mehr beschäftigen! In der Baubranche haben wir weltweit mit den größten CO2 Verbrauch. Hier trägt unser Berufsstand eine Verantwortung, die wir zusammen mit der Bauindustrie noch stärker in Angriff nehmen müssten, als wir es bisher tun. Durch unseren Einstieg in das modularserielle Bauen sind wir als Büro mit vielen Unternehmen im Gespräch, und sie alle treibt das Thema um. Gemeinsam kann man da einiges bewegen!</p>
<p>Und das Thema Mobilität bleibt natürlich immens wichtig. Vor Corona wurden wir aufgefordert, mehr die öffentlichen Verkehrsmittel und das Fahrrad zu nutzen. Corona fiel in die warme Jahreszeit, da ist das Fahrrad für viele eine echte Alternative. Nicht ohne Grund waren die Läden leergekauft und reichen die Lieferzeiten bis ins nächste Jahr. Aber der öffentliche Nahverkehr hat ein echtes Problem: zuerst hieß es, man soll ihn nur nutzen, wenn es wirklich notwendig war und die Taktung wurde runtergefahren. Dadurch wurde es in den Straßenbahnen doch wieder voll. Also hat man die Taktung wieder hochgefahren. Zugleich nutzen die Menschen jetzt wieder vermehrt ihr Auto, weil sie sich darin sicher fühlen, was für die gewünschte Entwicklung „weg vom Auto“ ein spürbarer Rückschritt ist. Warten wir ab, wie sich die Mobilitäts-Diskussion angesichts der Konsequenzen aus der Pandemie entwickeln wird.</p>
<p>Abseits aller Entwicklungen rund um Stadt, Arbeitswelt, Architektur und Digitalisierung finde ich noch einen anderen Trend hoch spannend zu beobachten: die Sicht auf unsere Ernährung! Nicht nur die Erkenntnis vieler Menschen zu Beginn des Lockdowns, dass man zum Brotbacken nicht nur Mehl, sondern auch Hefe benötigt, sondern wieder regelmäßig selber kochen zu müssen, weil Restaurants und Kantinen geschlossen sind. Und damit ein Gefühl dafür zu bekommen, was wann in der Region wächst, weil die Grenzen dicht sind und nicht mehr alles jederzeit verfügbar ist: das hat – neben den Erkenntnissen, wie mit Blick auf die Situation in den großen Schlachtbetrieben die Ernährungsindustrie „funktioniert“, damit das Schnitzel beim Discounter nur 1,99 € kostet – bei vielen zu einem veränderten Bewusstsein geführt. Ob es anhält? So oder so wirkt Corona in viele gesellschaftliche Themen hinein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Sie haben unter anderem eine große Expertise im Bereich Wohnungsbau. Ist eine Revolution in dieser Typologie nicht längst überfällig?</strong></p>
<p>Eine Evolution bestimmt, aber gleich eine Revolution&#8230;? Die meisten für die Vermietung verantwortlichen Mitarbeiter von ohnungsbaugesellschaften würden Ihnen darauf antworten, dass sie nur das bauen, was die Mieter wollen. Denn sie kennen ihre Mieter. Und diese wollen keine Revolution. Wir haben zu dem Thema schon sehr kontroverse Gespräche geführt. Mein Eindruck ist, dass Wohnungsbau und das Wohnen selber eines der tradiertesten und beharrlichsten Handlungsfelder ist, die wir haben. Am Ende haben doch Viele gerne das, was sie kennen, worin sie selber groß geworden sind. Sicher, mit gewissen Abweichungen, gerne ein bisschen größer, heller, besser ausgestattet – aber am Ende sind es die über Jahre unveränderten, bewährten Grundrisstypologien. Bei individuellen, auf die Auftraggeber maßgeschneidert zugeschnittenen Häusern ist das anders. Wir dürfen gerade so ein Haus entwerfen, es macht unglaublich viel Spaß! Aber sobald es um größere Projekte geht, seien es Miet- oder Eigentumswohnungen im Geschosswohnungsbau, sind schnell wieder die bekannten Typologien gefragt, von denen der Auftraggeber ausgeht, dass sich viele potentielle Mieter oder Käufer darin buchstäblich wiederfinden. Es ist daher ein dickes Brett, zu versuchen, Dinge grundsätzlich anders zu machen, weil Sie in der Regel mit Partnern zu tun haben, die mit der Vermarktung ihrer Wohnungen in der Vergangenheit Erfolg hatten. Wohnungsbaugesellschaften haben ihre Gebäude ja 50 Jahre und länger im Bestand. Also sind sie bestrebt, so etwas wie „neutrale“ Wohnungen zu bauen, die im Laufe dieser langen Zeit zu möglichst vielen, unterschiedliche Mietern passen. Das, was die Masse des Wohnungsbaus ausmacht, findet sich genau darin wieder.</p>
<p>Ich habe mich in den letzten Monaten immer wieder mit Akteuren aus der Wohnungswirtschaft unterhalten. Die Varianz in den Rückmeldungen ist sehr unterschiedlich, von der Idee, jetzt auch mal etwas Neues machen zu müssen bis hin zu der Überzeugung, dass sich nichts ändern muss. Eine sehr schöne Erfahrung haben wir Anfang des Jahres mit einer seit fast 70 Jahren bestehenden Mülheimer Wohnungsbaugesellschaft gemacht: Als die Vorplanung zu unserem gemeinsamen Projekt abgestimmt und freigegeben war kam eine neue Mitarbeiterin ins Unternehmen und übernahm den Bereich Vermietung. Sie war mit den Grundrissen nicht glücklich und schlug eine Überarbeitung vor. So setzten wir uns zusammen und  berlegten, was wir in der gleichen Gebäude-Konfiguration anders machen könnten. Dabei sind richtig coole Wohnungen herausgekommen. Wir haben eine ganz neue Varianz in den Grundrissen erhalten, selbst Maisonette-Wohnungen waren wieder möglich. Das Projekt geht jetzt in die nächsten Planungsphasen. Es ist nicht groß, aber es ist für das Unternehmen ein Test, um zu schauen, wie diese Wohnungen ankommen.</p>
<p>Eine Frage, die sich mir noch stellt, ist, ob nach den Erfahrungen der letzten Monate die geltenden Förderrichtlinien noch angemessen sind. Ich hatte es vorhin schon angesprochen. Die Menschen haben in der Zeit des Lockdowns ihre Wohnungen in einer Intensität erlebt, die sie vorher nicht kannten. Wohnungen, deren Zimmer – bis auf einen halben Quadratmeter genau gemäß den geltenden Förderrichtlinien zugeschnitten – den Eltern weder Raum für einen Schreibtisch und den Kindern zu wenig Platz zum Spielen lassen, wenn draußen die Spielplätze gesperrt sind, genügen meiner Überzeugung nach nicht mehr den zukünftigen Ansprüchen. Also muss man nach meinem Dafürhalten die Flächenvorgaben der Förderrichtlinien neu definieren. Das wäre dann die von Ihnen angesprochene Revolution. Na ja, zumindest einen kleine&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>In Deutschland fehlen bundesweit hunderttausende von Wohnungen, auch die Anzahl der Neubauwohnungen deckt den Bedarf bei weitem nicht. Der deutsche Wohnungsmarkt wird oft als „zu wenig, zu teuer, zu langsam beschrieben“. Können Sie dem zustimmen und was braucht die Bauwirtschaft, um dauerhaft zusätzliche Kapazitäten aufzubauen?</strong></p>
<p>Die „hundertausenden“ von Wohnungen fehlen ja nicht akut, sondern mit Blick in die Zukunft, sprich in den nächsten Jahren. Und man darf nicht vergessen, sie fehlen vor allen Dingen in den Schwarmstädten. Wir haben auch Bereiche, wo es Leerstand gibt. Und das nicht nur an unattraktiven Orten. Folgt man den Ergebnissen der Empirica-Studia, dann wird der Druck auf die Schwarmstädte nach Corona ggf. nachlassen. Wie gesagt, wer öfter mobil von zuhause arbeitet und damit weniger pendelt, findet vielleicht die Randbereiche der großen Städte wieder interessant oder zieht aufs Land, weil hier die Mieten günstiger sind und man sich eher die größere Wohnung leisten kann, die man für regelmäßiges Homeoffice braucht. Vielleicht beobachten wir also eine räumliche Verschiebung der Nachfrage.</p>
<p>Aber Sie haben Recht, es entsteht zu wenig neuer, moderner Wohnraum, auch im Austausch zu alten Beständen, wir bauen teuer und es dauert alles sehr lange. Aber die Gründe sind vielschichtiger als die meisten glauben und die Antworten komplex. Schauen wir auf die Kosten: Zum einen sind die Baukosten in den letzten Jahren auf Grund der Konjunktur in vielen Gewerken spürbar gestiegen, zum anderen bauen wir immer größer. Die Quadratmeterzahl pro Kopf ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Und unser Bauen wird inzwischen von einer Unzahl an Vorschriften und<br />
Regulierungen „begleitet“, die es unglaublich verteuert haben. Die Mieten haben aber trotz der Diskussion über Mietendeckel und andere Regularien in vielen Fällen nicht in dem Maße mitgezogen, dass sich Neubau für Wohnungsbaugesellschaften rechnet. Das heißt, Investoren und Projektentwickler gehen in den freifinanzierten Wohnungsmarkt – und da sind wir wieder bei Schwarmstädten wie München, Berlin oder Leipzig. Dort – wie inzwischen in den meisten Großstädten – werden den Investoren daher Auflagen für geförderten Wohnungsbau gemacht. Die Quoten liegen zwischen 25 und 30 % der vermietbaren Fläche, die insgesamt realisiert werden soll.</p>
<p>Schauen wir auf die Bauwirtschaft, so beobachten wir seit Jahren einen Personalabbau, und jetzt bekommt sie so schnell keinen ausreichenden,<br />
qualifizierten Nachwuchs, da es nicht mehr so viele junge Menschen gibt, die auf dem Bau arbeiten wollen. Viele Unternehmen sind vom Markt verschwunden. Die Kapazitäten könnten also gar nicht so schnell hochgefahren werden, um all das zu realisieren, was Politik gerne umgesetzt hätte. Auch darum konzentrieren sich viele Unternehmen verstärkt auf die Industrialisierung des Bauens, auf Vorfertigung und serielle Systeme. Deswegen ist das Thema des modular-seriellen Bauens aufgekommen und von der Politik gepuscht worden – eine aus meiner Sicht sehr gute Idee. Es ist aber nicht das Allheilmittel, sondern kann nur ein Baustein in diesem Konzept sein. Unser Büro ist seit über 5 Jahren in dem Thema modular serielles Bauen sehr stark engagiert. Da geht es unter anderem um den damit erhofften Zeitgewinn im gesamten Prozess. Also haben wir uns in dem Zusammenhang mit Blick auf Geschwindigkeit auch intensiv mit den Fragen von Genehmigungsprozessen und Kapazitäten beschäftigt. Auch die Genehmigungsbehörden sind oft überlastet, weil auch dort in den letzten Jahren Personal abgebaut wurde oder freie Stellen nicht neu besetzt wurden. Das muss erst wieder langsam aufgebaut werden. Bauanträge bleiben also auch mal länger liegen oder die Bearbeitung verzögert sich. Oder sie werden einem „zur Entlastung“ wieder zurückgeschickt, weil etwas fehlt, was man früher hätte nachreichen können. Auch das kostet Zeit. Zudem fehlen oft die Grundstücke. Sie finden ganz viele Investoren und Wohnungsbauunternehmen, die sofort Wohnungen bauen würden, wenn sie denn passende Grundstücke hätten. Diese brauchen wir aber nicht nur fürs Wohnen: nicht nur bei uns in Essen streiten Wirtschaftsförderung und Stadtplanung immer wieder über die Umwidmung von Gewerbeflächen zu Wohngebieten. Denn gleichzeitig wird zurecht beklagt, dass uns in Essen wegen fehlender Gewerbeflächen Unternehmen abwandern. Man benötigt eine Balance zwischen Wohnraum und Arbeitsplätzen. Es sind also ganz viele Parameter, die dazu führen, dass wir nicht so schnell, so preiswert und so weit sind, wie man es sich vor einigen Jahren gewünscht hat.</p>
<p>Lesen Sie das <a href="https://www.grohe.de/de_de/de_de/architektur/architekturbarometer.html/interview-axel-koschany.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">vollständige Interview mit Axel Koschany</a> auf der Seite des <a href="https://www.grohe.de/de_de/architektur/architekturbarometer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Architekturbarometer 30mal10 – Grohe Digital Talks</a>.</p>
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<p><strong>Über Axel Koschany<br />
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<p>studierte an der TH Darmstadt Architektur. Nach dem Studium arbeitete er einige Jahre in Delft, bevor er 1995 in das Architektenbüro seines Vaters in Essen einstieg. 1998 folgte die Berufung in den Bund der Deutschen Architekten. Seit 2004 betreut er federführend internationale Projekte und Kooperationen. 2010 wurde Axel Koschany Gesellschafter der neu gegründeten KZP Koschany + Zimmer Projektentwicklung. Wohnungsbau und städtebauliche Quartierskonzepte sind zwei der Schwerpunkte des international agierenden Büros. Axel Koschany ist federführender Partner bei der Entwicklung seriell-modularer Konzepte durch sein Büro. Vorträge, Moderationen von Vorträgen sowie Veröffentlichungen in Fachbüchern und Fachzeitschriften gehören ebenfalls zu Axel Koschanys Portfolio. (<a href="https://www.kza.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.kza.de</a>)</p>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Architekturbarometer 30mal10 – Interview mit Caspar Schmitz-Morkramer (caspar.)</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/architekturbarometer-30mal10-interview-mit-caspar-schmitz-morkramer-caspar/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Myriam Fischer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Nov 2020 08:55:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[30mal10]]></category>
		<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbarometer]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ait-xia-dialog.de/?post_type=ait-dialog-blog&#038;p=357402</guid>

					<description><![CDATA[Das Büro caspar. arbeitet international und entwickelt Lösungen für Neubauten, Umnutzungsideen für Bestandsgebäude und innenarchitektonische Konzepte. Die Projekte reichen von städtebaulichen Planungen, Wohngebäuden und Büros über Einzelhandel, Hotels und Tagungshäuser bis hin zu Schulen und Kulturbauten. Die Architektur ist vom Leitgedanken "Maßstab Mensch" geprägt. Sie reagiert auf digitale Transformation. Und begreift Stadtquartiersplanung, Stadtreparatur und Innenarchitektur als Chance, um individuellen Raum für die optimale Entfaltung des Menschen zu schaffen. In unserem Interview spricht Caspar Schmitz-Morkramer unter anderem über Bürobauten und was diese in Zukunft leisten müssen sowie über aktuelle städtebauliche Projekte des Büros und die Stadt der Zukunft.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/caspar-schmitz-morkramer_caspar.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Caspar Schmitz-Morkramer (caspar.)" data-rel="lightbox-gallery-31"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/caspar-schmitz-morkramer_caspar.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/caspar-schmitz-morkramer_caspar.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/caspar-schmitz-morkramer_caspar-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/caspar-schmitz-morkramer_caspar-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/csm_web_01.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="caspar., Kö-Quartier, Düsseldorf | © caspar./HGEsch" data-rel="lightbox-gallery-31"><img decoding="async" width="1399" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/csm_web_01.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/csm_web_01.jpg 1399w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/csm_web_01-800x343.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/csm_web_01-768x329.jpg 768w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/12/csm_web_01-1320x566.jpg 1320w" sizes="(max-width: 1399px) 100vw, 1399px" /></a>
</p>
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<div class="omsc-one-half omsc-last">
<p><strong>Sie haben u.a. eine große Expertise im Bürobau. Diese Bautypologie unterliegt derzeit vielen Spekulationen. Wie wird sich die Bürowelt Ihrer </strong><strong>Meinung nach verändern?</strong></p>
<p>In Bezug auf die Bürowelt ist alles das, was wir zurzeit beobachten, ein Bündel von Trends, die vorher schon existierten. Seit Jahren beschäftigen wir uns intensiv mit der Frage, inwiefern sich die Lebensqualität am Arbeitsplatz verändern sollte. Das heißt, der Anspruch an das Büro ist vielfältiger geworden. Heute arbeiten wir im Büro sehr viel kommunikativer und teambasierter, als das früher der Fall war, und wir benötigen mehr Austauschplattformen. Die Frage, die am relevantesten ist: Wie arbeiten wir gut und konzentriert? Durch Home-Offices arbeiten wir zunächst flexibler, was ja wiederum bedeutet, dass wir uns Gedanken darüber machen sollten, wie wir im Büro andere Situationen schaffen können.</p>
<p>Mitarbeiter werden sich von der Telefonzelle bis hin zum Konferenzraum alle möglichen Arbeitsplatzsituationen individuell buchen können, was für den Praktikanten bis hin zum Partner gilt. Es wird in vielen Bereichen keine festen Arbeitsplätze mehr geben, der Trend zum Desksharing wird sich verstärken. Sicherlich wird man aufgrund der Pandemie nochmals anders über die Kompaktheit von Arbeitsplätzen nachdenken.</p>
<p>Ich denke speziell an die Coworking-Anbieter, die sowohl in ihren Großraumsituationen als auch in ihren vermieteten Bürosituationen sehr kompakte Arbeitsplätze angeboten haben. Wir waren vor vielen Jahren selber einmal in Hamburg an der Anmietung interessiert, hatten damals allerdings das Problem, mit den 1,30 m x 65 cm tiefen Tischen auszukommen. Das wird man in dieser Form nicht mehr anbieten können. Trotzdem glaube ich, dass das Konzept des Coworking ein hochinteressantes ist und es Chancen bietet. Für größere Firmen ist es eine Option, nicht nur in einer Zentrale, sondern in mehreren dezentralen Hubs zu denken, um die Büroarbeitsplätze in die Nähe der Mitarbeiter zu bringen und damit deren Anreisezeit zu verringern. Wir selber werden das im übrigem auch bei uns umsetzen. Wir haben gerade eine Umfrage gestartet und die Mitarbeiter befragt, ob und wie sie von zu Hause arbeiten wollen und welche Möglichkeiten sich ihnen zu Hause bieten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Wenn jetzt das Büro nicht mehr der Arbeitsort mit Pflichtaufenthalt ist, stellt sich die Frage, was das Büro als bisheriges stationäres Headquarter eines Unternehmens zukünftig leisten muss?</strong></p>
<p>Die Energie in der Schaffung neuer Büroarbeitsplätze zielt dorthin, die Arbeitsplätze im Büro so attraktiv zu machen, dass die Mitarbeiter gerne ins Büro kommen und dort möglichst mehr und nicht weniger Zeit verbringen wollen. Das Büro ermöglicht zwischenmenschliche Begegnungen, die wiederum viel Positives erzeugen. Wenn ich von zu Hause arbeite, arbeite ich womöglich konzentrierter, aber ich arbeite nur an dem, an dem ich arbeiten soll.</p>
<p>In unserem Fall erledigt der Mitarbeiter die konkrete Projektarbeit von zu Hause vielleicht effizienter, als er das im Büro machen kann. Aber die ganzen kleinen Teile, die zusammen die Stärke eines Büros und einer Bürogemeinschaft ausmachen, gehen verloren. Wir wollen ja auch Erfahrungen weitergeben. Es ist wichtig, dass die älteren Kollegen die jüngeren heranführen können oder dass die Neugier der Jungen auf die Älteren überspringt. Insofern glaube ich, dass wir eher eine Renaissance als ein Abgesang des Büros erleben werden. Wir haben in den letzten Jahren beobachtet, dass sich der Arbeitsmarkt von einem Arbeitgebermarkt zu einem Arbeitnehmermarkt gewandelt hat. Die Mitarbeiter haben heute ganz andere Ansprüche, als das noch vor zehn oder fünfzehn Jahren der Fall war. Nicht wirtschaftliche Aspekte können heute entscheidend für die Wahl eines Arbeitgebers sein, die Menschen wollen wissen, wo und mit wem sie zusammenarbeiten, möchten Kollegen finden, die zu ihnen passen. Sie suchen eine Bürogemeinschaft, auf die sie sich verlassen können, in der Loyalität und ein Wir-Gefühl existiert. Deshalb wird das Büro nach wie vor eine ganz, ganz starke und wichtige Rolle einnehmen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Können Sie uns Ihre Vorstellung von der Stadt der Zukunft geben? Wie werden wir leben, wie werden wir uns bewegen?</strong></p>
<p>Wenn man ganz ehrlich ist, ist vieles scheinbar Neue nur eine Neuauflage von schon Dagewesenem. So glaube ich, wird auch die Zukunft der Stadt sein. Die Nachkriegsära in Europa war geprägt von der modernistischen Charta von Athen, die eine strikte Trennung von Funktionen wie Leben, Arbeiten, Industrie und Einkaufen vorgesehen hat. Aber gerade der Mix der unterschiedlichen Nutzungen macht Urbanität aus. So laden wir unsere Städte 24/7 auf. Ich halte es wie Jan Gehl: „First life, then spaces, then buildings”. Was die Mobilität angeht, sehe ich tatsächlich eine Riesenchance, die Lebensqualität in den Städten nachhaltig zu verbessern. Elektromobilität, Sharing-Konzepte und vor allem autonomes Fahren haben die Möglichkeit, Luftverschmutzung, Geräuschimmissionen, aber auch das unschöne Stadtbild, das von parkenden Blechlawinen geprägt ist, nachhaltig zu verändern. Hier braucht es allerdings einiges an Radikalität und Konsequenz, da gerade wir Deutschen uns mit Veränderungen schwertun.</p>
<p>Lesen Sie das <a href="https://www.grohe.de/de_de/de_de/architektur/architekturbarometer/interview-csm.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">vollständige Interview mit Caspar Schmitz-Morkramer</a> auf der Seite des <a href="https://www.grohe.de/de_de/architektur/architekturbarometer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Architekturbarometer 30mal10 – Grohe Digital Talks</a>.</p>
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<p><strong>Über Caspar Schmitz-Morkramer<br />
</strong></p>
<p>geboren 1973, wuchs er in Frankfurt am Main, Mannheim und New York auf. Nach dem Abitur lernte er klassisches Zeichnen bei Charles H. Cecil in Florenz. Im Anschluss studierte er Architektur in Aachen und Berlin, wo er 1999 auch sein Diplom ablegte. Schon während seines Studiums sammelte er 1995 Berufserfahrung bei Murphy/Jahn in Chicago und 1998 im Renzo Piano Building Workshop in Genua. Nach seinem Studium arbeitete er von 1999 bis 2004 bei KSP Engel und Zimmermann Architekten in Köln. 2004 gründete Caspar Schmitz-Morkramer mit Holger Meyer das Architekturbüro meyerschmitzmorkramer, seit 2019 geht er mit seinem Büro caspar. neue Wege. Heute arbeiten 100 Mitarbeiter an den Bürostandorten Köln und Hamburg. Caspar Schmitz-Morkramer wurde international bekannt für Revitalisierung der mehrfach ausgezeichneten Abtei Michaelsberg in Siegburg. (<a href="https://caspar.archi/de/home/">www.caspar.archi</a>)</p>
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]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Architekturbarometer 30mal10 – Interview mit Linus Hofrichter (sander.hofrichter architekten)</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/architekturbarometer-30mal10-interview-mit-linus-hofrichter-sander-hofrichter-architekten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Myriam Fischer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Nov 2020 09:54:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[30mal10]]></category>
		<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbarometer]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
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					<description><![CDATA[Mehr als 85 Jahre Bürogeschichte, über 220 Mitarbeiter und mehrere Standorte in Deutschland und der Schweiz: a&#124;sh gehören zu den großen und traditionsreichen Architekturbüros in Deutschland. Mit ihrer Erfahrung verfügen sie über das Wissen, um vielfältigste Projekte aus den Bereichen Krankenhaus- und Gesundheitsbauten, Bauten für Senioren und Menschen mit Einschränkungen, Bildungsbauten sowie Wohn- und Bürogebäude zu verwirklichen. Als Spezialisten für Bauten der sozialen Infrastruktur zeigen sie mit jedem neuen Projekt, dass sich Wirtschaftlichkeit und innovative, ästhetische Architektur nicht ausschließen. Jedes Projekt braucht spezielle Kenntnisse und Kompetenzen - daher wird für jedes Vorhaben ein passendes, individuelles Team zusammengestellt. In unserem Interview spricht Linus Hofrichter unter anderem über aktuelle Krankenhausprojekte, das deutsche Gesundheitssystem und dessen Neueinschätzung sowie über innovative und zukunftsweisende Projekte im Bereich des Gesundheitswesens. 
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/linus-hofrichter_sander-hofrichter.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Linus Hofrichter (sander.hofrichter architekten)" data-rel="lightbox-gallery-32"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/linus-hofrichter_sander-hofrichter.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/linus-hofrichter_sander-hofrichter.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/linus-hofrichter_sander-hofrichter-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/linus-hofrichter_sander-hofrichter-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/sander-hofrichter_01.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Campus Zentralklinikum Lörrach | © a|sh sander.hofrichter architekten GmbH" data-rel="lightbox-gallery-32"><img decoding="async" width="1399" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/sander-hofrichter_01.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/sander-hofrichter_01.jpg 1399w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/sander-hofrichter_01-800x343.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/sander-hofrichter_01-768x329.jpg 768w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/sander-hofrichter_01-1320x566.jpg 1320w" sizes="(max-width: 1399px) 100vw, 1399px" /></a>
</p>
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<div class="omsc-one-half omsc-last">
<p><strong>Wie sind die Auswirkungen der Krise auf Ihre laufenden Projekte? Ich denke zum Beispiel an Ihren Campus des Zentral-Klinikums in Lörrach!</strong></p>
<p>Wir sind Teil einer sehr vielfältigen multikulturellen Gesellschaft in Deutschland. Und wir als Planende in der Bauwirtschaft dürfen uns überhaupt nicht beklagen. Als Spezialisten für Krankenhausbau und Bauten der sozialen Infrastruktur – wir bauen ja zu neunzig Prozent Krankenhäuser, Schulen, Bildungsstätten und Hochschulbauten – haben wir Corona nur sehr geringfügig gespürt. Unsere Baustellen sind genauso weitergelaufen, teilweise sogar besser als vorher, weil die Handwerker auf manchen privaten Baustellen wegen der Befürchtung der Ansteckung nicht mehr weiterarbeiten durften. Stattdessen kamen sie dann verstärkt auf unsere Baustellen. Wir hatten beispielsweise auf der Baustelle des Landtags in Rheinland-Pfalz in Mainz vor der Corona-Krise Personalengpässe und seit der Krise nicht mehr. Mit Ausnahme eines Altenpflegeheims, das wegen des sehr sensiblen Bereiches mit den alten Menschen verständlicherweise gestoppt wurde, hatten wir keine Unterbrechungen auf den Baustellen. In Bezug auf das Zentral-Klinikum in Lörrach werden wir in einigen Monaten mit dem Bau beginnen, die vorbereitenden Maßnahmen laufen auf Hochtouren und der Terminplan wurde eingehalten. Von Verzögerung und Reduktion nichts zu spüren!</p>
<p>In mittel- und langfristiger Hinsicht machen wir uns natürlich ein wenig Sorgen, dass Gelder für Krankenhausund Bildungsbauten fehlen werden und dass Häuser, die für 2021/2022 geplant waren, erst in vier Jahren oder später kommen. Obwohl momentan die Politik befürwortet, alle Ausschreibungen weiterlaufen zu lassen. Gerade im Bereich der Sozialbauten, Krankenhäuser und Schulen haben wir in Deutschland dringenden Nachholbedarf.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Müssen wir zukünftig die Planung der Krankenhausstrukturen an einem Extremszenario wie der Corona-Pandemie ausrichten? Ist das überhaupt </strong><strong>finanzierbar und damit möglich?</strong></p>
<p>Es ist möglich, wenn wir unseren intelligenten und bereits gestarteten Konzentrationsprozess weiterfahren und Standorte schließen. In Hannover wurden beispielsweise mit Siloah, Oststadt und Heidehaus drei Krankenhäuser geschlossen und gleichzeitig wurde ein neues Klinikum gebaut. Wir beteiligen uns gerade am Wettbewerb in Georgsheil in Ostfriesland. Dort hat jetzt die Politik nach langen Bürgerprotesten beschlossen, drei Krankenhäuser zu schließen und geographisch genau in der Mitte ein Neues zu errichten. Weiterhin planen wir derzeit in Lohr zwischen  Aschaffenburg und Würzburg im Spessart ein neues Krankenhaus. Dafür werden vier Krankenhäuser geschlossen. Die Entfernungen für die Patienten sind geringfügig weiter, aber immer noch zumutbar. Das heißt, diese Konzentrationsprozesse, aus vier Krankenhäusern eines zu machen, bedeutet auch, dass wir weniger Personal an verschiedenen Orten benötigen. Über diese Lösung würde sich natürlich auch im gewissen Sinn der Pflegenotstand lösen. Für ein einzelnes Krankenhaus benötigen wir natürlich deutlich weniger Pfleger als für vier. Auf dem Papier ergibt sich damit ein gewisser Stellenabbau, aber wenn die Stellen eh nicht besetzt sind, bedeutet das eine höhere Pflegequalität. Und diesen Kurs gilt es unbedingt weiterzuverfolgen. Nur weil wir jetzt gut durch die Krise gekommen sind, müssen wir nicht an alten Strukturen festhalten und weiterhin alle fünf Kilometer ein Krankenhaus haben. Im Gegenteil, wir müssen weiter diesen Konzentrations- und Konsolidierungsprozess fahren und gezielt auf der Landkarte schauen, wo man welche Krankenhäuser benötigt; und wir müssen die Krankenhausträger dazu anhalten, Schwerpunkte zu bilden.</p>
<p>Es kann durchaus sein, dass in einer Stadt fünf Krankenhäuser sinnvoll sind, es kann aber nicht sein, dass sich jedes dieser fünf Häuser auf das Gleiche spezialisiert. Durch unterschiedliche Spezialisierungen auf verschiedene Krankheitsbilder pro Klinik können wir eine bessere Qualität der medizinischen Versorgung gewährleisten. Und damit das regional bestehende Überangebot aufheben. Was nicht heißt, dass es nicht regional kleine Häuser zur Krankenversorgung geben sollte. Ich bin kein Freund einer extremen Konzentration, wie sie in Dänemark praktiziert wird, wo es landesweit nur acht große Krankenhäuser gibt. Diese Kultur haben wir Gott sei Dank nicht. Wir werden nie auf zehn oder zwanzig Krankenhäuser pro Bundesland runtergehen. Wir werden keine zweitausend Krankenhäuser mehr benötigen, wir brauchen vielleicht nur noch tausend. Dass wir nur noch 300 brauchen, wie manche Studien sagen, das ist meines Erachtens unrealistisch und auch nicht gut im Sinne der Bevölkerung. Im Falle einer Pandemie können wir ja nicht hundert Kilometer bis zum nächsten Krankenhaus fahren. Die Franzosen hatten überhaupt keine Kapazitäten und haben dann die Leute über Hunderte von Kilometern von Nord-Frankreich nach Süd-Frankreich verlegt, weil dort noch Betten frei waren. Also so etwas dürfen wir uns nicht erlauben. Es ist essentiell wichtig, dass wir in Bezug auf die Bevölkerungszahlen eine relativ gleichmäßige Krankenversorgung garantieren.</p>
<p>Was mir noch wichtig wäre zu erwähnen: es sollte im Krankenhausbau endlich die Diskussion über das Bauen von ausschließlich Einbettzimmern, sowohl in der Normal- als auch in der Intensivpflege, einfließen. Das ist etwas, was wir in Deutschland immer noch nicht verstanden haben, weil wir immer der Meinung sind, sie sind zu teuer und wir können sie uns nicht leisten. Schon allein unter dem Gesichtspunkt der Infektionen oder anderer ansteckender Krankheiten haben Einbettzimmer einen enormen Mehrwert. Es wäre für mich sehr wichtig, dass wir die durch die Krise gewonnenen Erfahrungen mit der Distanz auch auf unsere Bautypologien übertragen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Krankenhäuser werden sich weltweit verändern, bedingt durch neue Technologien und demographische und wirtschaftlichen Veränderungen. </strong><strong>Können Sie uns einen Einblick verschaffen, wie Sie das Universitätsspital Zürich in die Zukunft führen werden?</strong></p>
<p>Ich habe soeben erwähnt, dass ich diese Megastrukturen kritisch sehe. Trotzdem bin ich überzeugt, dass wir große Krankenhäuser brauchen, wo man besonders schwierige, ganz extreme Krankheiten oder ganz schwere Verletzungen behandeln können muss. Die besten Mediziner und besten Forscher müssen dort zusammenkommen, behandeln und forschen. Im Falle eines ganz schwierigen Hirntumors erhalten Sie womöglich in einem normalen Krankenhaus die Aussage, das er nicht operabel oder das Risiko zu groß ist. In einer Spitzenklinik, die täglich solche High-End-Fälle behandelt, ist man ganz anders aufgehoben. Ich glaube, dass wir in unserer medizinischen Entwicklung nur weiterkommen, wenn wir auch an den Grenzbereich gehen. Hätte es die erste Herzoperation nie gegeben, dann hätten wir heute viele Dinge nicht gelöst. Ich bin ein fortschrittsgläubiger Mensch. Auch im Rahmen vieler ethischer Fragen sollten wir Spitzenmedizin immer fördern.</p>
<p>Um auf unser Projekt in Zürich zu kommen: In Zürich gibt es die Uniklinik oben auf dem Zürichberg und mitten in der Stadt. Sie liegt direkt neben der Universität und direkt neben der ETH, der Eidgenössischen Technischen Hochschule. Die Schweizer wollen die Spitzenmedizin dort belassen, weil es der richtige Ort für die Forschung und Wissenschaft ist. Auch für die Studierenden ist es wichtig, dass es Universitätsspitäler gibt, die vernetzt sind. Die ETH entwickelt zum Beispiel Roboter und entwickelt Medizinprodukte. Und diese werden dann im Uniklinikum daneben eingesetzt oder getestet. Dieses Miteinander der disziplinären Forschung aus der Universität, aus der Universitätsklinik und der ETH war ausschlaggebend für die Entscheidung, an diesem Campus zu bleiben. Allerdings folgte dann die Überlegung, dass man große Teile der vor- und nachstationären Untersuchungen und ambulante und teilambulante Leistungen nicht auch noch mitten in der Stadt erbringen wollte, sondern in einem eigenen Krankenhaus am Rande der Stadt. Dann haben die Züricher etwas sehr Innovatives getan, sie haben am Flughafen in Kloten ein neues Gebäude eröffnet, wo sämtliche Routine- oder Präventivuntersuchungen stattfinden. Man hat vorher festgestellt, dass die Erreichbarkeit direkt am Flughafen in Zürich hervorragend ist, weil dort sämtliche Straßenbahnen, die U-Bahnen und die Buslinien hinfahren. Und die im Kanton Zürich lebenden Menschen erreichen den Flughafen mindestens genauso gut wie die Innenstadt von Zürich.</p>
<p>In dem von uns derzeit entwickelten Spital in der City von Zürich werden insbesondere die Schwerkranken – und Notfälle behandelt. Es gibt eine große Notaufnahme mit zwei Dach-Hubschrauber-Landeplätzen, wo Polytraumen und andere ganz schwere Fälle sofort versorgt werden. Im zweiten Bauabschnitt wird es weitere Spezialintensivstationen für Brandverletzte, für Knochenmarktransplantationen usw. geben. Also High-End-Medizin in einem Krankenhaus mitten in der Stadt. Und viele planbare und vor- und nachstationäre Fälle, die einem Arztbesuch gleichkommen, finden zum Großteil draußen am Flughafen statt. Die Schweizer haben hiermit ein sehr gutes und interessantes Konzept entwickelt. Der erste Bauabschnitt, den wir jetzt bauen, entspricht einem sehr kompakten Krankenhaus mit 24 OP-Sälen und hundert Intensivbetten. Wir planen dieses Projekt gemeinsam mit den renommierten Schweizer Kollegen Christ &amp; Gantenbein aus Basel. Sie sind hervorragende Architekten, die aber noch nie zuvor ein Krankenhaus gebaut haben. Wir als Krankenhausarchitekten und Spitalplaner haben gerade in solch großen, komplexen Strukturen weitreichende Erfahrungen und können maßgeblich zum Gelingen dieses extrem anspruchsvollen Projekts beitragen. Die Zusammenarbeit ist sehr fruchtbar, vertrauensvoll und spannend. Sie hat uns dazu beflügelt, uns noch mehr mit städtebaulichen Themen, mit Fassaden und mit Nachhaltigkeit zu beschäftigen. Gemeinsam haben wir das Ziel, später ein gut funktionierendes Krankenhaus im Sinne der Patienten, der Ärzte und der Pflegenden zu übergeben. Ich bin überzeugt, dass wir dort einen Leuchtturm platzieren werden, sowohl in Bezug auf die Nachhaltigkeit, den Städtebau, die Ästhetik des Gebäudes als auch die funktionale medizinische Struktur.</p>
<p>Lesen Sie das <a href="https://www.grohe.de/de_de/de_de/architektur/architekturbarometer.html/interview-linus-hofrichter.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">vollständige Interview mit Linus Hofrichter</a> auf der Seite des <a href="https://www.grohe.de/de_de/architektur/architekturbarometer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Architekturbarometer 30mal10 – Grohe Digital Talks</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Über Linus Horichter</strong></p>
<p>Linus Hofrichter hat von 1979 bis 1986 an der Universität Karlsruhe (TH) Bauingenieurwesen und Architektur studiert. Seit 1996 ist er Inhaber von sander.hofrichter architekten. 1997 wurde er in den Bund Deutscher Architekten (BDA) berufen. Seit 2003 ist er Mitglied und seit 2006 stellvertretender Vorsitzender des Vereins Architekten für Krankenhausbau und Gesundheitswesen e.V. (AKG), Berlin. Seit 2008 ist er Mitglied des Expertenausschusses für DIN-Normen im Krankenhausbau (EDK), Berlin. Die Professur für Krankenhausplanung an der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen hat Linus Hofrichter seit 2012 inne. Seit 2014 ist er einer der Geschäftsführenden Gesellschafter der sander.hofrichter architekten GmbH Gesellschaft für Architektur und Generalplanung. (<a class="_ps2id" href="https://www.a-sh.de/" data-ps2id-offset="">www.a-sh.de</a>)</p>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Architekturbarometer 30mal10 – Interview mit Olaf Kitzig (Kitzig Interior Design)</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/architekturbarometer-30mal10-interview-mit-olaf-kitzig-kitzig-interior-design/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Myriam Fischer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 30 Oct 2020 09:13:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[30mal10]]></category>
		<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbarometer]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
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					<description><![CDATA[Zu den Kitzig Design Studios gehören Kitzig Interior Design, Kitzig Identities und Kitzig Details - sie stehen für außergewöhnliche Designlösungen. Kitzig Design Studios bündelt die kaufmännische, strategische und strukturelle Kompetenz und gibt den operativen Kreativ-Studios den organisatorischen Rahmen und somit die Freiheit, sich ausschließlich auf die jeweilige Gestaltungsaufgabe konzentrieren zu können. Die Kernkompetenzen von Olaf Kitzig und seinen Mitarbeitern liegen in den Bereichen Hotellerie/Gastronomie sowie in der Erstellung von maßgeschneiderten Konzepten für das Office- und Retaildesign und Corporate Architecture. In unserem Interview spricht Olaf Kitzig unter anderem über die aktuelle Krise und deren Auswirklungen auf die Hotelbranche, über Architektur für den Menschen sowie über die Zukunft und Chance in Bereich der Hotellerie. 
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/olaf-kitzig_kitzig.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Olaf Kitzig (Kitzig Interior Design)" data-rel="lightbox-gallery-33"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/olaf-kitzig_kitzig.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/olaf-kitzig_kitzig.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/olaf-kitzig_kitzig-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/olaf-kitzig_kitzig-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/kitzig_01-scaled.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Ruby Works, München | © Kitzig Interior Design" data-rel="lightbox-gallery-33"><img decoding="async" width="2560" height="1098" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/kitzig_01-scaled.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/kitzig_01-scaled.jpg 2560w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/kitzig_01-800x343.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/kitzig_01-768x329.jpg 768w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/kitzig_01-1536x659.jpg 1536w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/kitzig_01-2048x878.jpg 2048w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/kitzig_01-1320x566.jpg 1320w" sizes="(max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a>
</p>
<p><div class="clear"></div></div>
<div class="omsc-one-half omsc-last">
<p><strong>Auf Ihrer Webseite ist zu lesen, dass Ihre Entwürfe den Menschen und Ihren Anforderungen genügen sollen. Haben wir in der Architektur den Blick auf den Menschen und seine Bedürfnisse – zumindest zum Teil – verloren? Die Effizienz der Gebäude, ihre Zertifizierung und ihre Vermarktbarkeit scheinen oft im Vordergrund zu stehen. Eröffnet Corona jetzt die Möglichkeit, den Menschen wieder in das Zentrum der Überlegung zu stellen?</strong></p>
<p>Gute Architektur sollte für den Menschen gemacht werden. Die neuen Anforderungen durch Social Distancing und durch Corona insgesamt werden einen großen Ruck durch die Welt der Gastronomie, Hotellerie und Büros geben. Auch das private Haus bzw. die private Wohnung wird sich verändern, weil der Mensch sich stärker mit seinem Wohnen auseinandergesetzt hat. Es hat eine Sensibilisierung des Umfeldes stattgefunden. Ich persönlich muss allerdings sagen, dass bis auf einige, vielleicht nicht so gelungene Beispiele, die Architektur und vor allen Dingen die Innenarchitektur in den letzten Jahren wesentlich stärker auf den einzelnen Menschen und auf die Gruppen der Benutzer eingegangen ist, als das in der Vergangenheit der Fall war. Es hat durchaus ein Umdenken stattgefunden. Ich bin ein großer Freund der Innenarchitektur, weil das Interior Design immer eine Reflexion der Gesellschaft ist. Also im Rococo hat man so gelebt, wie man eben im Rococo gelebt hat. Deswegen gab es den Rococo oder den Baroque. Wir leben jetzt schon ewig in der Neuzeit, ohne dass wir einen Stil als solchen haben, weil wir den Namen der einzelnen Baustile immer in der Retrospektive gegeben haben. Wir beobachten starke Umbrüche und auf den Menschen zugeschnittene Lösungen mit hoher Aufenthaltsqualität, die zunehmend warm und nicht nur funktional sind.</p>
<p>Verkehrsflächen können durchaus auch Flächen sein, die ein Gebäude entschleunigen, indem man ihnen gleichzeitig noch eine Gestaltung zufügt und an denen der Besucher, der Bewohner oder der Gast partizipiert. Ich glaube, in dem Bereich passiert einiges. Ich kenne sehr viele, sehr positive Beispiele, wo sich die Innenarchitektur auf den User eingestellt hat. Wir starten beispielsweise ein Konzept immer mit einer Bedarfs analyse. Im Falle Ihres privaten Hauses schauen wir uns an, wie und mit wie vielen Menschen Sie wohnen. Wir müssen wissen, welche Eigenschaften, welche Persönlichkeit und welche Gewohnheiten Sie haben. Dasselbe gilt natürlich auch für den Projektbau im Bereich Hotellerie, Gastronomie oder Büro.<br />
Oder auch für ein Krankenhaus.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Wir sprechen von den Bedürfnissen der Menschen. Wie haben sich diese im Bereich Innenarchitektur in den letzten Jahren verändert?<br />
</strong></p>
<p>Es sind mehrere Entwicklungen, die Einfluss auf die Innenarchitektur nehmen. Ein großes Thema ist die Vereinsamung in der Gesellschaft. Mit Vereinsamung meine ich nicht, dass wir keinen familiären Bezug mehr zu unserer Generation davor haben. Ich bin bei meiner Großmutter großgeworden, sie wurde 1912 geboren, ich 1971. Da war Ärger vorprogrammiert, aber auch unendlich viel Lernen von einem Menschen, der schon sehr lange auf dieser Welt war.</p>
<p>Heute haben wir kaum noch Generationswohnen. Es gibt natürlich Wohnkomplexe, in denen man im Generationenhaus wohnt, aber das Gros der Massen wohnt allein. Single Haushalte steigen exorbitant. Das bedeutet, man hat zwar sein soziales Umfeld, aber es ist ein anderes soziales Umfeld. Für das Wohnen bedeutet es, dass ich mich einrichte, wie ich bin, ohne dass ich den Einfluss einer anderen Person berücksichtigen muss. Wenn ich viel Zeit allein verbringe, möchte ich es kuscheliger haben, als wenn ich mit anderen Menschen zusammenlebe. Das nächste Thema ist Angst. Ich habe zwei Söhne, einer ist acht und einer vierzehn. Meine Kinder gehören zu den Kindern, die Fernsehen schauen dürfen, allerdings überprüfe ich vorher alles und beobachte damit, was sie sich anschauen. Ein Tabu Thema sind jegliche Art von Informationssendungen über Konflikte in anderen<br />
Ländern, über Kriege und Bürgerkriege, über den Klimawandel und andere Religionen. Überall gibt es so viel Aggressionsherde, die Angst schaffen. Diese Angst wird das Wohnen und das räumliche Umfeld verändern. Während in den 80er Jahren häufig eine eher kalte und maskuline Einrichtung vorherrschte, bevorzugt man heute ein leicht abgedimmtes Licht, ein kuscheliges Sofa und schöne warme Farben, um sich damit eine Art eigenen Realismus zu schaffen. Ich schalte den Fernseher aus, schaue in meine Welt und sehe, dass diese Welt nett und farbenfroh ist. Ein weiteres Thema ist das zunehmende Ego der Menschen und der in Teilen sogar schwindende Kollektivgedanke. Das schafft meiner Meinung nach auch Veränderung in der Innenarchitektur. Dieses „ich bin“, „ich kann“, „ich bin das Zentrum“, „ich bin das Wichtigste in meiner Welt“, „ich bin Work-Life-Balance“ verändert auch unser Umfeld in der architektonischen Art und schafft dadurch einen Pool an Kreativität. Das bedeutet, ich habe verschiedene Stile – ob das Shabby Chic oder die coole Avantgarde ist. Sie zusammen schaffen wiederum ein ganzes und bunter gewordenes Bild.</p>
<p>Ein weiteres, die Innenarchitektur beeinflussendes Thema ist die Globalisierung der Architektur. Durch die Digitalisierung haben alle Zugang zu denselben Informationen und Bildern. Wenn Sie bei Google beispielsweise „rotes Sofa“, eingeben, dann sehen Sie vermutlich überall auf der Welt dasselbe Sofa, ob Sie nun in New York, Tel Aviv oder in Lippstadt sitzen. Das schöne an unserem Beruf ist, dass wir Menschen mitbegleiten dürfen und sie an neue Dinge heranführen können. Ich denke an einen Privatkunden, dem ich vor vielen Jahren einen Küchenblock schmackhaft machte, an dem man zuschauen kann, wie der andere kocht. Was zunächst einiger Überzeugungsarbeit bedurfte, stößt heute auf Begeisterung, denn wir richten ihm derzeit sein zweites Ferienhaus mit einen Küchenblock ein.</p>
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<p><strong>Die Hotellerie ist besonders von der Krise betroffen. Wie schätzen Sie die Entwicklung dieser Bautypologie mittel- und langfristig ein? Wird es womöglich mehr kleinere Häuser statt der Großhotels geben?</strong></p>
<p>Ich bin mir sicher, dass alle Konzepte in der Hotellerie oder in anderen durch uns gestalteten Bereiche, die mit Herz und Seele gemacht werden, auch weiterhin eine Berechtigung haben und existieren werden. Wichtig ist, dass es authentische Konzepte sind, die mit Leben gefüllt sind und den Gast in den Mittelpunkt stellen. Mittlerweile gibt es sehr viele, hochgradig individualisierte Hotelkonzepte, selbst in der Kettenhotellerie. Der Neubau wird voraussichtlich zukünftig ein wenig stärker beäugt werden, weil die Frage der Finanzierung aufkommt.</p>
<p>Ich glaube allerdings nicht, dass es einen Stopp in der Renovierung und Modernisierung von Bestandsgebäuden geben wird, hier wird es irgendwann wieder richtig an Fahrt zunehmen, da wir in diesem Bereich noch wirklich sehr viel Bedarf haben. Was die Größe der Hotels anbetrifft, müssen wir zwischen der touristischen und der Business Hotellerie unterscheiden. Ein Hotel muss immer einen wirtschaftlichen Background haben, man braucht einen bestimmten Umsatz und eine bestimmte Größe, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Von daher denke ich, werden wir nach wie vor kleine und große Hotels haben. Ich glaube allerdings, dass das Herzblut im Konzept ein wesentlicher Bestandteil sein wird. Als Gast möchte ich immer das Gefühl haben – sei es in einem kleineren oder großen Hotel –, dass sich jemand Gedanken darüber gemacht hat, wie ich die Tage oder die Woche Urlaub in diesem Haus verlebe.</p>
<p>Ein Hotel muss Spaß machen und bestmöglich neue Horizonte eröffnen. Ein zu beobachtender Trend ist: Während die Hotellerie jahrelang der Privateinrichtung hinterherlief, haben wir mittlerweile den Umkehrschluss. Heute ist es so, dass das Hotel im besten Falle eine Richtlinie darstellt und die Gäste auch zu Hause so leben möchten. Der Kunde wird lieblose, nicht detaillierte und nicht mit der Zeit gehende Hotels automatisch aussortieren und sie nicht mehr buchen. Selbst im unteren Segment der Hotellerie sind wir ja heute stylisch unterwegs. Ich vermute, dass der Wettbewerb noch härter wird, als er sowieso schon war. Darin liegen aber meiner Meinung nach sehr viel Möglichkeiten und Chancen.</p>
<p>Lesen Sie das <a href="https://www.grohe.de/de_de/de_de/architektur/architekturbarometer.html/interview-olaf-kitzig.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">vollständige Interview mit Olaf Kitzig</a> auf der Seite des <a href="https://www.grohe.de/de_de/architektur/architekturbarometer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Architekturbarometer 30mal10 – Grohe Digital Talks</a>.</p>
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<p><strong>Über Olaf Kitzig<br />
</strong></p>
<p>Nach einer Ausbildung zum Maler und Lackierer sowie zum Schauwerbegestalter war Olaf Kitzig Trainee in einem internationalen Designunternehmen. Daran schloss er eine Ausbildung zum staatlich geprüften Einrichtungsfachberater an der Fachschule des Möbelhandels Köln an. Anschließend führte ihn sein Weg nach London, wo er als Trainee und im Bereich Teaching Interior Design tätig war. 1998 war er Interior Designer for golf clubs Atlanta, USA und gründete mit Kitzig Interior Design GmbH Lippstadt sein eigenes Unternehmen. Es folgten 2001 weitere Niederlassungen in Bochum und 2009 in München. 2017 gründete Olaf Kitzig die Kitzig Design Studios GmbH &amp; Co. KG, Kitzig Details GmbH, Kitzig Identities GmbH. 2018 folgte eine weitere Niederlassung in Düsseldorf und ein weiteres Büro am Standort Lippstadt. (<a class="_ps2id" href="https://www.kitzig.com/" data-ps2id-offset="">www.kitzig.com</a>)</p>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Architekturbarometer 30mal10 – Interview mit Christoph Röhr (RMA Management)</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/architekturbarometer-30mal10-interview-mit-christoph-roehr-rma-management/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Myriam Fischer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Oct 2020 06:56:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[30mal10]]></category>
		<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbarometer]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
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					<description><![CDATA[Die RMA Management ist ein unabhängiger Projektentwickler für gewerblich genutzte Immobilien mit jahrelanger Erfahrung. 
Spezialisten arbeiten projektbezogen und sorgen mit ihrem interdisziplinäres Know-How für eine perfekt Lösung verschiedener individuellen Aufgaben.
Ihre Referenzen umfassen zahlreiche Hotels und Geschäftshäuser. In unserem Interview spricht Christoph Röhr unter anderem über die Entwicklung und die Rolle von Projektentwicklern seit der Krise, die Zukunft unterschiedlicher Bautypologien sowie über die Nachfrage und das Angebot auf dem aktuellen Immobilienmarkt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/rma_christoph-roehr.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Christoph Röhr (RMA Real Estate Management Assistance)" data-rel="lightbox-gallery-34"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/rma_christoph-roehr.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/rma_christoph-roehr.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/rma_christoph-roehr-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/rma_christoph-roehr-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/rma_web_referenzen_westseit_1-scaled.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Westseit5, Essen (Foto: Matthias Duschner)" data-rel="lightbox-gallery-34"><img decoding="async" width="2560" height="1098" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/rma_web_referenzen_westseit_1-scaled.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/rma_web_referenzen_westseit_1-scaled.jpg 2560w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/rma_web_referenzen_westseit_1-800x343.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/rma_web_referenzen_westseit_1-768x329.jpg 768w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/rma_web_referenzen_westseit_1-1536x659.jpg 1536w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/rma_web_referenzen_westseit_1-2048x878.jpg 2048w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/rma_web_referenzen_westseit_1-1320x566.jpg 1320w" sizes="(max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a>
</p>
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<div class="omsc-one-half omsc-last">
<p><strong>Sie sind seit Jahrzehnten erfolgreich in der Projektentwicklung tätig. Welche Erfahrung haben Sie in Ihrem Business seit Corona gemacht?</strong></p>
<p>Soweit ich das beurteilen kann, hatten wir mit dem Lockdown zunächst relativ wenig Beeinträchtigungen in der Bauindustrie. Die Baustellen liefen erstaunlich gut weiter. Ab Ende April, Anfang Mai hatten wir dann Versorgungsengpässe bei bestimmten Produkten, zum Beispiel bei Vorprodukten für Kühlgeräte aus Italien, da die Produzenten in Italien Produktionsstopp hatten. Große Verunsicherung wird durch Berichte oder volkswirtschaftliche Analysen geschürt, die davon sprechen, dass die Immobilienwerte dramatisch sinken werden. Durch alle Assetklassen hinweg wird über Wertveränderung spekuliert, die wir im Moment aber tatsächlich am Markt nicht so beobachten konnten. Es ist so ein wenig wie der Blick in die Glaskugel mit der Frage, wie sich die Immobilienmärkte oder die Bewertung von Immobilien vor dem Hintergrund der Digitalisierung verändern werden. Zurzeit können wir nur spekulieren, konkrete, nachhaltige Veränderungen beobachten wir noch nicht.</p>
<p>In einer solchen Krise besinnt man sich gerne wieder auf die Kernthemen und lernt die Bedeutung von stabilen Partnerschaften besonders zu schätzen. Mit Menschen, die man lange kennt und denen man vertraut, sind Videokonferenzen natürlicher anders durchzuführen, als wenn man per Videochat akquiriert. Die Pandemie hat auch bei uns einen deutlichen Schub im Bereich der Digitalisierung ausgelöst. Wir führen zunehmend digitale Plan- und Baubesprechungen mit Planern und unseren Kunden durch und stellen fest, dass sie sehr gut funktionieren. Die Bereitschaft, zukünftig so weiterzuarbeiten, ist groß, weil das Digitale auch viele Vorteile mit sich bringt, wie beispielsweise das Einsparen von Fahrtzeiten. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Reisetätigkeiten zurückgehen werden, weil man auf die gut funktionierenden digitalen Tools umsteigt. Dennoch bleibt das persönliche Gespräch wichtig, es ist und bleibt unerlässlich. Die Umstellung auf Homeoffice fiel uns nicht schwer, da wir technologisch schon vor Corona auf Homeoffice eingerichtet waren. Das Homeworking hat allerdings in diesen Tagen ein wenig seiner vordergründigen Attraktivität eingebüßt. Homeworking ist anstrengend, das Arbeitsumfeld in der Regel nicht richtlinienkonform und kann an Selbstausbeutung grenzen. Im Büro lässt man seine Arbeit hinter sich und schaltet Zuhause in seinem Refugium ab. Das geht beim Homeoffice oftmals verloren. Insofern bin ich davon überzeugt, dass der Büroarbeitsplatz nicht “unter die Räder kommen wird“, ganz im Gegenteil, das Büro und der Austausch unter den Kollegen ist und bleibt wichtig; die Identifikation mit dem Unternehmen und die Bindung kann im HomeOffice verloren gehen. Noch ungeklärt erscheinen mir Fragen nach der Verantwortung der Arbeitgeber für die Arbeitsplatzqualität im Homeoffice: Netzabdeckung, Ergonomie, Licht und Akustik greifen ggf. in die Privatsphäre.</p>
<p>Das Home-Office funktioniert und wird auch als Option bedeutender werden, den großflächigen Umschwung vom Büroarbeitsplatz zum Homeoffice sehe ich noch nicht. Sicherlich werden wir deshalb zukünftig einige Arbeitsplätze stationär weniger benötigen. Aber parallel gewinnt auch das Büro als sozialer Austauschort und als kulturelle Komponente im Leben einer Firma an Bedeutung. Für uns Entwickler heißt das, noch mehr Augenmerk auf die Qualität der Arbeitsumgebung, sowohl im kreativen als auch im sozialen Aspekt, zu legen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Wie beurteilen Sie die Auswirkungen der Krise auf die verschiedenen Bautypologien?</strong></p>
<p>Diese Krise hat – wie auch andere Krisen zuvor – die bereits bestehenden Entwicklungen beschleunigt. Schauen Sie sich beispielsweise den Einzelhandel an. Die Veränderungen in diesem Bereich, also der Rückgang von Einzelhandelsflächen, ist uns jetzt sehr dramatisch vor Augen geführt worden. Wir als Projektentwickler sind sehr vorsichtig und wissen, wie schwierig es ist, klassischen Einzelhandel noch in der Fußgängerzone zu etablieren. Deshalb haben wir auch in der Vergangenheit bereits umgestellt und haben ehemalige Einzelhandelsflächen zu Gastronomie umgebaut. Der Gastronomie geht es in der Corona-Zeit gar nicht gut. Allerdings wird sie meines Erachtens im nächsten Jahr wieder sehr gut dastehen, wenn sich die Menschen wieder wie früher treffen können. Die Gastronomie sehe ich also eher nur in einer temporären Krise. Beim Einzelhandel ist es eben ganz anderes. In der Hotellerie leiden momentan alle Betriebe. Besonders betroffen ist vermutlich die Businesshotellerie, da die Menschen weniger reisen und einen Großteil Ihrer Arbeit digital erledigen. In erster Linie scheinen hiervon Tagesreisen betroffen zu sein. Falls im Rahmen einer Geschäftsreise aber die soziale Komponente, also der analoge Austausch mit Geschäftspartnern im Vordergrund steht, werden diese Reisen auch weiterhin stattfinden. Deshalb glaube ich, dass die Hotellerie nicht so sehr unter der Digitalisierung leiden wird. Die Hotellerie in Deutschland kann auch vom innerdeutschen Tourismus profitieren, da die Menschen Reisen ins Ausland mit Risiken verbinden und deshalb einen Aufenthalt z.B. an der Ostsee vorziehen, vielleicht auch mehr Städtetourismus betreiben und feststellen, wie viele attraktive Reisziele Deutschland bietet. Damit könnte der innerdeutsche Tourismus den Rückgang bei der Businessauslastung übers Wochenende oder in Ferienzeiten wieder auffangen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Ist davon auszugehen, dass sich Ihre Hotels in Fürth und Koblenz verzögern? Keiner hat ja im Moment Interesse an Hotelneueröffnungen.</strong></p>
<p>Es gab bislang bei beiden Projekten keine Corona bedingten Abweichungen. Wir haben auch von Seiten der Hotelbetreiber keine Hinweise erhalten, Grundrisse zu ändern oder Abläufe im Hotel zu überdenken. Auf unsere Planung und auf die Architektur hatte die Krise bei den laufenden Projekten also keinen Einfluss. Wir machen uns als Entwickler allerdings schon Gedanken, ob die Erkenntnisse, die wir aus der Pandemie gewonnen haben, zu irgendwelchen Konsequenzen führen. Nicht, weil wir glauben, dass uns in drei Jahren Corona noch wie heute beschäftigt, sondern weil wir möglicherweise in drei Jahren mit einer ganz anderen Krise oder einer anderen Pandemie zu tun haben. Dann ist es nicht mehr COVID-19, es ist dann irgendeine neue Krise oder eine neue Form von Schweinegrippe. Wir müssten uns vielleicht auch grundsätzlich Gedanken machen, ob wir Immobilien nicht auf irgendeine Art und Weise pandemiefester machen können. Nicht erst seit der Tönnies Schlachterei scheint das Thema Lüftung bzw. Raumklima ein Thema zu sein. Neue Ideen, wie man damit umgeht, haben dann Folgen für unsere Objektplanung. Beim Wohnungsbau stellt sich die Frage, wie wir Wohnungen Home-Office kompatibel gestalten können. Diese Überlegungen fließen in unser aktuelles Wohnprojekt in Erfurt schon ein. Bis die von uns geplanten Hotels in Fürth und Erfurt neu eröffnet werden, haben wir das Jahr 2022. Ich glaube, wir können davon ausgehen, dass wir über das Jahr 2021 einen Impfstoff haben werden und dass diese Pandemie bis zum Jahr 2022 ausgesessen sein wird. Auch die Hotelbetreiber gehen davon aus, dass es dann bei Projekten, die heute angeschoben werden, aus der aktuellen Pandemie keine Beeinträchtigungen im Betrieb mehr geben wird.</p>
<p>Momentan schauen die Betreiber zurecht auf die Liquidität. Entscheidend ist, wie sie 2020 abschließen und ob sie die geplanten Investitionen trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage fortsetzen können. Letztlich geht es jetzt erst einmal darum, das Jahr 2020 zu überstehen. Perspektivisch ist die Stimmung für das Jahr 22 positiv. Das betrifft ja im Grunde auch die Gastronomie. Natürlich ist jetzt der Blick auf die Assetklasse Hotel kritischer geworden. Banken haben im Moment kein großes Interesse, in Hotels zu investieren, sie versuchen eher, sich aus dieser Assetklasse zurückzuziehen, soweit es möglich ist. Allerdings sollte man auch bedenken, wir hatten 9/11, damals ist direkt danach kein Mensch mehr in einen Flieger gestiegen, die Hotels waren leer. Ein Jahr später war keine Rede mehr davon. Die Rückkehr zur Normalität wird vielleicht in dieser Krise nicht so schnell wie in den vorangegangenen sein, aber ich bin überzeugt, dass wir im Jahr 2022/2023 in den Hotels ähnliche Belegungsraten haben werden, wie wir sie in der Vergangenheit hatten. Investoren, die etwas von der Hotellerie verstehen und sich nicht von Horrorszenarien abschrecken lassen, werden auch zukünftig in der Assetklasse Hotel attraktive Investments finden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Lesen Sie das <a href="https://www.grohe.de/de_de/de_de/architektur/architekturbarometer.html/interview-rma.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">vollständige Interview mit Christoph Röhr</a> auf der Seite des <a href="https://www.grohe.de/de_de/architektur/architekturbarometer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Architekturbarometer 30mal10 – Grohe Digital Talks</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Über Christoph Röhr<br />
</strong></p>
<p>Nach einer Banklehre und dem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Ruhr Universität Bochum war Christoph Röhr bei einer Immobilien-Anlagegesellschaft mbH tätig. Von dort führte sein Weg zu einem mittelständischen Projektentwicklungsunternehmen. Im Jahr 2000 wechselte er zur IKB Deutsche Industriebank AG, zunächst in die IKB Structured Assets GmbH, wo er Finanzierungen für komplexe Immobilien-Investitionen strukturierte. Im Herbst 2003 wechselte er dann in den Bereich Real Estate Investment Banking in dem er sich den Themen Projektentwicklung und Joint-Ventures gewidmet hat. 2006 – rechtzeitig vor der Finanzmarktkrise – gründete Christoph Röhr die RMA Management GmbH und entwickelt seitdem eigene Immobilienprojekte oder ist als Service Developer für Familie Offices tätig. (<a class="_ps2id" href="http://www.rma-management.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.rma-management.de</a>)</p>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Architekturbarometer 30mal10 – Interview mit Johannes Ernst (Steidle Architekten)</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/architekturbarometer-30mal10-interview-mit-johannes-ernst-steidle-architekten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Myriam Fischer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Oct 2020 08:46:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[30mal10]]></category>
		<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbarometer]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ait-xia-dialog.de/?post_type=ait-dialog-blog&#038;p=355349</guid>

					<description><![CDATA[Das Architekturbüro Steidle und Partner wurde 1969 von Otto Steidle (1943 – 2004) gegründet. Seit 2005 führen die ehemaligen leitenden Mitarbeiter Johann Spengler, Hans Kohl (1952 – 2007), Johannes Ernst und Martin Klein die Steidle Architekten Gesellschaft von Architekten und Stadtplanern mbH. Die Planungsschwerpunkte liegen bei Wohn- und Bürogebäuden, im Hochschul- und Institutsbau sowie bei städtebaulichen Rahmenplanungen. In unserem Interview spricht Johannes Ernst unter anderem über die Wohnungsnot in Deutschland, den Zukunft des Wohnungsbaus sowie darüber, was ein zeitgemäßer und zukunftsweisender Wohnungsgrundriss leisten muss.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
<p>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/steidle_johannes-ernst.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Johannes Ernst (Steidle Architekten)" data-rel="lightbox-gallery-35"><img decoding="async" width="900" height="675" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/steidle_johannes-ernst.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/steidle_johannes-ernst.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/steidle_johannes-ernst-800x600.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/steidle_johannes-ernst-768x576.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/steidle_01.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Boardingshouse studio muc, Olympia Gate (Foto: Stefan Mueller-Naumann)" data-rel="lightbox-gallery-35"><img decoding="async" width="1399" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/steidle_01.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/steidle_01.jpg 1399w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/steidle_01-800x343.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/steidle_01-768x329.jpg 768w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/steidle_01-1320x566.jpg 1320w" sizes="(max-width: 1399px) 100vw, 1399px" /></a>
</p>
<p><div class="clear"></div></div>
<div class="omsc-one-half omsc-last">
<p><strong>Wir haben nach wie vor in Deutschland eine Wohnungsnot. Was braucht die Bauwirtschaft, um dauerhaft zusätzliche Kapazitäten aufzubauen?</strong></p>
<p>Dafür braucht man zunächst eine stabile wirtschaftliche Lage und eine politische Vorprägung, die den Wohnungsbau aus dem Bereich der Spekulation herausholt. Der ganze Wohnungsbau, abgesehen von den wenigen Städten, die sich in den letzten zehn Jahren noch im geförderten Wohnungsbau engagierten, diente weniger der Wohnraumschaffung als der Geldanlage. Ich habe es erlebt, dass Baugrundstücke in München innerhalb von einem Jahr einen dreifachen Wert durch zweimaligen Verkauf erzielten. Die Zeche dafür zahlt am Ende die breite Masse, die nicht mehr in der Lage ist, solche Wohnungen zu bezahlen. In unserer Gesellschaft gibt es einen hohen Anteil an Mitbürgern, die aufgrund von Erbschaften oder guter geschäftlicher Situationen in der Lage sind, diese vollkommen überhöhten Preise zu zahlen. Das sind aber genau die zehn Prozent, die eigentlich keine Wohnung benötigen. Die anderen neunzig Prozent, die tatsächlich eine Wohnung brauchen, können diese Preise mit ihrem aus rechtschaffender Arbeit verdienten Geld nicht zahlen und infolgedessen nicht mithalten. Die Bodenfrage muss also dringend geregelt werden und es müssen Randbedingungen geschaffen werden, damit Wohnungsbauten gegen die Wohnungsnot und nicht für die Spekulation geplant und gebaut werden. Diesbezüglich gibt es ja bereits verschiedene Vorschläge.</p>
<p>Wir Architekten sind keine Politiker, dennoch haben wir ein hohes Maß an gesellschaftlicher Verantwortung und Know-how, was wir einbringen müssen. Entscheidend ist also, dass die Gesellschaft an der Wertsteigerung der Grundstücke teilhat, und zwar zum Beispiel im Rahmen von Bebauungsplanverfahren oder Bewilligungen nach Paragraf 34, wo aus gewerblichen Nutzbereichen Wohnbereiche entstehen. In den letzten Jahren ist das mittlere Segment in Vergessenheit geraten. Man hat den Anteil an gefördertem Wohnungsbau hochgehalten und gleichzeitig den restlichen Teil im hochpreisigen Bereich bedient, so dass man Sozialwohnungen neben den fünfzehntausend Euro pro Quadratmeter Eigentumswohnungen hatte. Dazwischen gibt es kein Angebot und diese Lücke gilt es zu schließen. Wir brauchen dringend eine Förderung von Mietwohnungsbau durch größere institutionelle oder große private Bauherren, um Mietwohnungen in einem Preissegment zur Verfügung zu stellen, die auch von Krankenschwestern zu finanzieren sind. Auch der Genossenschaftswohnungsbau und der kommunale Wohnungsbau sollten einen viel größeren Anteil einnehmen. Es gibt also im Wohnungsmarkt eine Menge an Instrumentarien und Möglichkeiten. Wir planen derzeit ein super interessantes Projekt im Münchener Werksviertel, bei dem ein Privatunternehmer zwei große Baufelder mit dem Ziel bebaut, eine gesellschaftlich relevante Schnittmenge zu erreichen. Man merkt in der Kalkulation allerdings relativ schnell, dass es eng wird, und deshalb ist eine Förderung äußerst wichtig.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die Krise zeigt deutlicher denn je, dass die meisten Wohnungen den Bedürfnissen ihrer Bewohner nicht mehr gerecht werden. </strong><strong>Sehen Sie die Krise als Chance, neu über den Wohnungsbau nachzudenken?</strong></p>
<p>Die Siebziger Jahre waren die letzten, in denen man mit experimentellen Wohnungsgrundrissen gearbeitet und sich verändernde familiäre und gesellschaftliche Zusammenhänge reflektiert hat. Mit Einzug der Postmoderne hat man sich davon entfernt, die Verpackung war dann das Wichtige, weniger der Inhalt. In Phasen größter Wohnungsnot entwickeln sich die Preise radikal nach oben, selbst der letzte Mist lässt sich zu Höchstpreisen verkaufen. Das führt zu einem Käuferwettbewerb um die wenigen Wohnungen, die überhaupt noch zu bekommen sind, selbst wenn sie unbrauchbare Grundrisse haben. Es gibt eine ganz einfache Regel: man kann mit Wohnungen, die den höchsten Quadratmeterpreis erzielen, am meisten verdienen. Um ein möglichst breites Feld abzudecken, hat man die Wohnungen so klein wie möglich gehalten, um den Multiplikator Wohnfläche möglichst gering, dafür aber den Multiplikator Preis pro Quadratmeter möglichst hoch zu halten. Das führt zu Zweizimmerwohnungen mit 42 Quadratmetern. In diesen Wohnungen ist man kaum in der Lage, einen Brief zu öffnen, weil jeder Quadratmeter mit den Mindestanforderungen belegt ist.</p>
<p>Es muss uns durch geschickte Förderungspolitik gelingen, Wohnungen zu schaffen, die unser gesellschaftliches Spektrum abbilden. Und wir Architekten müssen uns in eine Position bringen, dass wir unsere Qualitäten nicht in der reinen Optimierung der Wohnflächenbilanz und der Systematisierung der Wohnprojekte vergeuden. Ich selber habe mit drei Kindern eine große Familie, wir bräuchten eine Fünf- bis Sechszimmerwohnung. Solche Wohnungen haben wir als Architekten jedoch in den letzten Jahren nicht mehr gebaut. Das Maximale, was sich ein Investor heute vorstellen kann, ist eine Vierzimmerwohnung mit hundert Quadratmetern. Multipliziert man diese hundert Quadratmeter mit einem durchschnittlichen, derzeit  aufgerufenen Preis von zehntausend Euro pro Quadratmeter, kostet eine solche Wohnung eine Million Euro. Das muss man sich einmal vorstellen. Wobei groß nicht gleich gut bedeutet. Gerade unsere Vorväter der klassischen Moderne haben auch mit kleinen Wohnraumzuschnitten hohe Qualitäten erzeugt. Genau da müssen wir wieder ansetzen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Gerade in Zeiten von Corona erfährt die Wohnung einen Schub an Abkehr von der Monofunktionalität. Was muss in diesem Sinne in Bezug auf </strong><strong>Wohnungsgrundrisse neu diskutiert werden?</strong></p>
<p>Die besten Blaupausen sind nach wie vor unsere Altbauwohnungen mit den hohen Raumhöhen und den mehr oder weniger nutzungsneutralen Räumen, die sich immer zu einem schönen öffentlichen Raum hin orientieren. Das Thema Raumhöhe muss neu diskutiert werden; dass man über Galerien und über verschiedene Höhenbereiche unterschiedliche Aufenthaltszonen schafft, die innerhalb eines Raumes diverse Qualitäten hergeben. Da gibt es tolle Beispiele und wir haben große Potenziale, daran zu arbeiten. Auch die Auseinandersetzung mit dem wohnungsnahen Außenraum, also mit dem privaten Freiraum, ist extrem wichtig, sei es der Balkon, die Terrasse oder der Hof. Die Bedeutung dieser Räume ist einem gerade in der jetzigen Krisenzeit sehr bewusst geworden. Großzügig dimensionierte Freiräume müssen durch einen intelligenten Städtebau geschaffen werden. Die Themen Dichte und Freiraum müssen in eine gute und interessante Balance gebracht werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Lesen Sie das <a href="https://www.grohe.de/de_de/grohe-professional/project-business/architekturbarometer-30x10/interview-steidle.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">vollständige Interview mit Johannes Ernst</a> auf der Seite des <a href="https://www.grohe.de/de_de/architektur/architekturbarometer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Architekturbarometer 30mal10 – Grohe Digital Talks</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Über Johannes Ernst<br />
</strong></p>
<p>geboren 1966 in Baden-Baden, studierte erArchitektur an der Technischen Universität Berlin und am Illinois Institute of Technology Chicago. Im Anschluss an sein Studium arbeitete er viele Jahre lang als Freier  Mitarbeiter bei Steidle + Partner (1997 – 2005) und war zudem von 2001 &#8211; 2004 als Assistent an der Akademie der Bildenden Künste München bei Prof. Otto Steidle tätig. 2005 gründete Johannes Ernst gemeinsam mit Hans Kohl, Johann Spengler, Martin Klein und Verena von Gagern-Steidle das Büro Steidle Architekten Gesellschaft von Architekten und Stadtplanern mbH in München und führt dieses seither gemeinsam mit den Partner als Geschäftsführender Gesellschafter. Darüber hinaus lehrte er an zahlreichen internationalen Hochschulen, aktuell hat er die Leitung des Fachgebiet Entwerfen und Wohnungsbau an der Technischen Universität Darmstadt inne. (<a class="_ps2id" href="https://steidle-architekten.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.steidle-architekten.de</a>)</p>
<p><div class="clear"></div></div><div class="omsc-clear"></div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Architekturbarometer 30mal10 – Interview mit Moritz Auer (Auer Weber)</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/architekturbarometer-30mal10-interview-mit-moritz-auer-auer-weber/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Myriam Fischer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Oct 2020 09:49:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[30mal10]]></category>
		<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbarometer]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Architektur von Auer Weber bezieht ihre jeweilige Ausprägung aus der intensiven Auseinandersetzung mit der Bauaufgabe selbst sowie den Bedingungen und Chancen des Ortes, an dem sie entsteht. Der Entwurfsprozess umfasst die Findung adäquater Gestaltungsmittel und die Einbeziehung aller an der Konzeption und Realisierung Beteiligten. Das Resultat sind architektonische Konzeptionen, die vom skulptural gefassten Volumen bis zu strukturellen offenen Landschaften reichen. Gemeinsamer Nenner des so Entstandenen ist die Offenheit und Eingängigkeit für Sinne und Verstand. Die Nachvollziehbarkeit des Entwurfes gibt Orientierung und ermöglicht unterschiedliche Wege der Aneignung und Interpretationen durch Nutzer und Betrachter. In unserem Interview spricht Moritz Auer unter anderem über aktuelle Bauvorhaben des Büros, wie den Münchner Hauptbahnhof und das Stadtmuseum, die Zukunft von Museen und des Kulturlebens sowie über die Veränderungen und die Chancen, die die Krise mit sich bringt.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
<p>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/auer-weber_moritz-auer.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Moritz Auer (Auer Weber) | © Stefan Pielow" data-rel="lightbox-gallery-36"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/auer-weber_moritz-auer.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/auer-weber_moritz-auer.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/auer-weber_moritz-auer-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/auer-weber_moritz-auer-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/auer-weber_01.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Airport Academy Flughafen München | © Auer Weber" data-rel="lightbox-gallery-36"><img decoding="async" width="1399" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/auer-weber_01.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/auer-weber_01.jpg 1399w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/auer-weber_01-800x343.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/auer-weber_01-768x329.jpg 768w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/auer-weber_01-1320x566.jpg 1320w" sizes="(max-width: 1399px) 100vw, 1399px" /></a>
</p>
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<div class="omsc-one-half omsc-last">
<p><strong>Wie beurteilen Sie die Situation für Ihr Büro in Bezug auf die mittel- und langfristige Auftragslage?</strong></p>
<p>Ich vermute, dass uns eine Welle in vier bis sechs Monaten treffen wird, die deutliche Einschläge mit sich bringt. Wir sehen jetzt schon, dass die Büronachfrage einbricht und damit längst nicht mehr so hoch ist wie vor der Krise. Wir haben die Befürchtung, dass wichtige aus den Mitteln der öffentlichen Hand finanzierte Projekte gestoppt werden, wie womöglich das Stadtmuseum in München, für dessen Um- und Neubau wir beauftragt wurden.</p>
<p>Der Presse ist zu entnehmen, dass die Stadt München derzeit die Gewerbesteuereinnahmen prüft, um dann zu entscheiden, wie viele Mittel noch für Kulturprojekte zur Verfügung stehen. Das macht uns schon Sorgen, da das Museum ein wichtiges Projekt für uns ist, schließlich plant man ein kommunales Museum so mitten in einer Stadt wie München nicht alle Tage. Und die Frage, die sich ja stellt: Wird es nur verschoben oder wird es komplett auf den Prüfstand gestellt und damit womöglich unsere Planung umgeschmissen oder zurückgestellt. Wenn die Steuereinnahmen in der prognostizierten Größenordnung ausbleiben, bekommen die Kommunen Probleme.</p>
<p>Die Krise zeigt also durchaus ihre Auswirkungen und sie kann dazu führen, dass entweder Projekte komplett sterben oder in Bezug auf ihre Nutzung grundlegend neu gedacht werden müssen. Das bewegt uns natürlich auch. Wie lange diese Situation anhalten wird, kann ich nicht abschätzen, da es davon abhängt, wie schnell eine konjunkturelle Erholungsphase verläuft oder ein entsprechender Impfstoff entwickelt wird. Anfänglich dachte man ja, die Krise dauert lediglich einige Wochen oder maximal einige Monate und dann ist das Thema mehr oder weniger überstanden. Aber jetzt sieht es danach aus, dass ein Impfstoff frühestens Mitte nächsten Jahres zugelassen sein wird und angewendet werden kann. Und so lange haben wir eben auch mit entsprechenden Einschränkungen umzugehen. Ich denke, keiner – auch nicht eine Stadt München – kann aus heutiger Sicht voraussagen, wie sich die Entwicklung der Steuereinnahmen darstellen und welche Auswirkungen dies wiederum auf Projekte haben wird. Es kommt ja auch immer auf die Art der Projekte an. Für uns wäre es natürlich dramatisch, wenn eine bestimmte Typologie oder eine bestimmte Nutzung betroffen ist, in der wir womöglich drei Projekte parallel bearbeiten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Muss das Museum der Zukunft anders gedacht werden? Schon vor Corona bangten viele Häuser um ihre Existenz!</strong></p>
<p>Wir planen das Museum als Raumhülle, die allerdings nicht von der Museumsinszenierung, also von der Szenografie getrennt werden kann. Beim Stadtmuseum in München arbeiten wir mit Atelier Brückner aus Stuttgart zusammen, sehr renommierte Ausstellungsgestalter, die stark inszenieren. Wir überlegen gemeinsam, was ein Münchner Stadtmuseum, das bis heute ja eher ein klassisches Museum im althergebrachten Sinne mit der Ausstellung von Objekten und Alltagsgegenständen ist und so etwas leicht Verstaubtes und eher nach hinten Gewandtes hat, in der Zukunft darbieten muss. Es kann nicht sein, dass sich ein Museum, das die Geschichte der Stadt München zum Thema hat, im Dornröschenschlaf befindet. Wir fragen uns, was man dort auch medial, mit Interaktionen und Rauminszenierungen entwickeln kann. Dabei spielen auch Beiträge eine wichtige Rolle, die mit neuen Medien und der Digitalisierung umgehen. Die Ausstellung reagiert also sehr stark auf den Nutzer und auf seine spezifischen Interessen.</p>
<p>Das Angebot und die Mittel sind damit nicht mehr starr, sondern wandelbar, je nachdem, welche Schwerpunktinteressen der jeweilige Besucher hat oder welche Bereiche ihn besonders interessieren. Das Museum entwickelt sich somit immer stärker weg von einer statischen Inszenierung zu einerseits baulich fixierten Räumlichkeiten und andererseits zu einer Bespielung dieser Räume mittels wandelbarer Einbauten und medialer Elemente, durch die man sehr spezifisch Informationen für sich abrufen kann. Dieses Mediale und diese Informationsdichte findet man immer öfter in Museumswelten vor. Es werden Hintergrundinformationen geliefert, die es bisher nicht gab. Somit wird – neben den Ausstellungsgegenständen – eine zweite Ebene der Wissensgenerierung geschaffen.</p>
<p>Das Münchner Stadtmuseum kämpft seit Jahren mit geringen Besucherzahlen. Es geht jetzt darum, das Haus auf ein anderes Niveau zu heben und auch den Ort und die Inhalte viel stärker ins Bewusstsein der Stadtgesellschaft zu bringen. Ein Museum dieser Art benötig einen Ort, der eine gewisse Öffentlichkeit hat. Die Frage des Grades der Öffentlichkeit von Museen ist also extrem wichtig. Das war beim Münchner Stadtmuseum auch ein zentrales Problem, da es in einem eher abgeschlossenem Areal liegt, bei dem man nicht so richtig weiß, wo denn der Eingang ist. Bei vielen dieser Institutionen ist der Übergang vom öffentlichen Raum zum eigentlichen Museum problematisch. Dass Gefühl, in ein Museum, eine Institution zu gehen, wirkt wie eine Hemmschwelle und ist für viele potentielle Besucher ein Problem. Wenn man also ein breiteres Publikum über alle Schichten erreichen will, ist es wichtig, eine starke Selbstverständlichkeit in der Annäherung zu bieten. Der Übergang vom öffentlichen zum Museumsraum muss also extrem gut gelöst werden. In anderen Ländern, wie zum Beispiel in Skandinavien, sind diese Schwellen zwischen öffentlichem Bereich und Museum sehr niedrig oder beinahe nicht vorhanden, hier gibt es fließende Übergänge. Und das müssen wir für das Münchner Stadtmuseum auch erreichen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Jede Krise bietet auch eine Chance. Worin sehen Sie die Chancen?</strong></p>
<p>Man kommt ins Grübeln, wenn man in so eine Krisensituation gerät. Und stellt sich die Frage, ob das, was man tut, in die richtige Richtung zielt. Durch die Krise reflektiert man nochmals intensiver, aus dem Zwang heraus, weil man unvermittelt eingebremst wurde und nach wie vor wird. Unsere Branche gehört ja zu denjenigen, die die Umwelt massiv belasten und deshalb macht man sich natürlich Gedanken, wo das alles hingeht. Wir stehen alle ständig unter massivem Druck und befinden uns in einer Art Tretmühle, die uns oft nicht die Zeit zum Reflektieren lässt.</p>
<p>Die Krise brachte dann die Zwangspause, mein Bruder und ich kamen in ein leeres Büro und die Mitarbeiter waren alle weg. Und da fragt man sich dann schon, ist das richtig, wie wir bisher gearbeitet haben, was wir produzieren. Getrieben von Druck und ökonomischen Interessen, die von außen kommen und von Anforderungen, die man teilweise vielleicht zu wenig hinterfragt oder hinterfragen kann. Eine Chance der Krise für einen selber liegt in der Reflexion über die eigene Arbeit. Sicherlich haben wir uns die Fragen auch schon vor der Pandemie gestellt, aber durch die Krise bedingt nochmals intensiver, ob das, was wir planen und was wir dann letztlich auch an Gebäuden in die Welt setzen noch verantwortlicher umgesetzt werden könnte, insbesondere auch hinsichtlich der eingesetzten Materialien. Diese Gedanken zielen in Richtung einer noch stärkeren ökologischen Nachhaltigkeit in unserer Arbeit. Ich denke, das Thema Holzbau ist bei uns noch unterrepräsentiert im Büro. Dort möchten wir eigentlich viel stärker hin und mit neuen Projekten unsere Bauherren überzeugen. Momentan ist diese Vermittlung leider noch relativ schwierig, aber vielleicht verändert sich das, es bleibt unsere Hoffnung. Die Krise löste also ein Nachdenken aus, ob man zukünftig in dieser Geschwindigkeit und diesem Rhythmus weitermachen sollte und welche Ziele wir uns im Büro setzen.</p>
<p>Lesen Sie das <a href="https://www.grohe.de/de_de/grohe-professional/project-business/architekturbarometer-30x10/interview-auer-weber.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">vollständige Interview mit Moritz Auer</a> auf der Seite des <a href="https://www.grohe.de/de_de/architektur/architekturbarometer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Architekturbarometer 30mal10 – Grohe Digital Talks</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Über Moritz Auer<br />
</strong></p>
<p>geboren 1964 in Stuttgart und einer der fünf geschäftsführenden Gesellschafter von Auer Weber. Für Moritz Auer und sein Team ist die gemeinsame Leitlinie aller Projekte, die architektonische Gestalt aus der jeweiligen Aufgabenstellung und den Bedingungen des Ortes unverwechselbar, schlüssig und nachvollziehbar zu entwickeln. Sein aktueller Fokus liegt auf den Erfordernissen, die eine mobile Gesellschaft an die Planung des urbanen Raumes stellt: Unter anderem betreut er das Projekt für den Neubau des Münchner Hauptbahnhofs. Er ist Mitglied in den Gestaltungsbeiräten der Stadt Freising und der Flughafen München Gesellschaft. 2017 lehrte er an der Münster School of Architecture, 2018 war er Gastprofessor im Masterstudiengang an der Hochschule Biberach. (<a class="_ps2id" href="https://auer-weber.de/startseite.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.auer-weber.de</a>)</p>
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		<title>Architekturbarometer 30mal10 – Interview mit Peter Schäfer (Gensler Architekten)</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/architekturbarometer-30mal10-interview-mit-peter-schaefer-genseler-architekten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Myriam Fischer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Oct 2020 09:43:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[30mal10]]></category>
		<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbarometer]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
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					<description><![CDATA[Gensler ist ein globales Architektur- und Designbüro mit 50 Standorten in Asien, Europa, Australien, dem Nahen Osten und Amerika. Das 1965 gegründete Unternehmen betreut mehr als 3.500 aktive Kunden in nahezu allen Branchen. Das Team aus Architekten und Designern ist bestrebt die Orte, an denen Menschen leben und arbeiten inspirierender, nachhaltiger und bedeutungsvoller zu gestalten. In unserem Interview spricht Peter Schäfer unter anderem über die Veränderungen der Büro- und Arbeitswelten, das Büro der Zukunft und welche Rolle das Home Office auch in Zukunft einnehmen wird.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/gensler_peter-schaefer.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Peter Schäfer (Gensler Architekten)" data-rel="lightbox-gallery-37"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/gensler_peter-schaefer.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/gensler_peter-schaefer.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/gensler_peter-schaefer-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/gensler_peter-schaefer-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/gensler_01.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Hyundai Capital UK, Surrey | © Gensler Architekten" data-rel="lightbox-gallery-37"><img decoding="async" width="1399" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/gensler_01.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/gensler_01.jpg 1399w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/gensler_01-800x343.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/gensler_01-768x329.jpg 768w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/11/gensler_01-1320x566.jpg 1320w" sizes="(max-width: 1399px) 100vw, 1399px" /></a>
</p>
<p><div class="clear"></div></div>
<div class="omsc-one-half omsc-last">
<p><strong>Der Arbeitsmarkt befand sich schon vor Corona in einem radikalen Wandel. Viele sprechen von einem Ende der Sonderkonjunktur Büro. </strong><strong>Wie stark wird sich Ihrer Meinung nach die Bürowelt langfristig verändern?</strong></p>
<p>Es wird eine grundlegende Veränderung in der Bürowelt geben, die weit über die Krise hinausgeht. Selbst wenn ein Impfstoff gegen den Virus gefunden wurde, möchten viele Mitarbeiter nicht mehr so weiterarbeiten wie bisher. Die positiven Erfahrungen des Home-Office haben zu neuen Erkenntnissen und auch Anforderungen geführt. Ich denke, das Arbeiten von Zuhause wird ein grundlegender Bestandteil der neuen Arbeitswelt werden. Daraus resultierend könnten sich Büros verkleinern bzw. Büroflächen reduzieren, da das Individuelle Arbeiten verstärkt im Home-Office stattfinden wird.</p>
<p>Dennoch bleibt das Büro als Stützpunkt für die Zusammenarbeit der Mitarbeiter, für kreative Teamarbeit und als soziale Komponente ein sehr wichtiger Bestandteil der Arbeitswelt. Dieses Zusammenkommen und persönliche Treffen vermissen viele heute so sehr. Es ist allerdings nicht davon auszugehen, dass alle Mitarbeiter gleichzeitig ins Büro zurückkehren, wir schlagen unseren Kunden derzeit eine stufenweise Rückführung vor. Wenn also nur ein gewisser Prozentsatz der Mitarbeiter abwechselnd zurück ins Büro kommen, bedingt dies eine Flächenreduzierung. Für Mitarbeiter mit kleinen Kindern oder diejenigen, die eine weite Anreisen haben, macht es keinen Sinn mehr, fünf Tage die Woche ins Büro zu fahren.</p>
<p>Sie haben wochenlang positive Erfahrungen mit dem Arbeiten von Zuhause gemacht und möchten auch zukünftig daran festhalten, was unter anderem auch der Umwelt und der Familie gut tut.</p>
<p>Ich denke, wir sind uns alle bewusst, dass sich die Arbeitswelt sehr stark verändern wird. Wir befinden uns an einer Wegegablung, die in Bezug auf die Arbeitswelt wesentlich weitgreifender als die derzeitige Virussituation ist. Ich hoffe, dass wir aus der Situation lernen und die richtigen Entscheidungen in Bezug auf Nachhaltigkeits- und menschliche Aspekte treffen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Wie sieht konkret das Büro der Zukunft aus? Was sind die unverzichtbaren Kriterien und Erfolgsfaktoren?</strong></p>
<p>Ein sehr wichtiges Element ist die Digitalisierung und die Anwendung und Integration der richtigen Werkzeuge und Programme. Die richtige Nutzung der Technik ist ein elementarer Bestandteil der neuen Arbeitswelt. Vielleicht wird bald ein Mitarbeiter seinen Arbeitsplatz oder Büro wie ein Hotel buchen, um sich mit Kollegen in der gemieteten Bürofläche auszutauschen. Ich denke, dass uns die digitale Welt auch in der Gestaltung sehr stark behilflich sein kann.</p>
<p>In der Architektur wird es einen Wandel der Materialität geben. Wir sollten die Erkenntnisse aus anderen Bautypologien, zum Beispiel aus dem Gesundheitswesen oder Gastgewerbe, in die Bürowelt übertragen. Sei es die Anwendung neuer Materialien oder Technologien. Mittel- bis langfristig wird es eine stärkere Verschmelzung verschiedener Bautypologien geben.</p>
<p>Wenn das Home-Office Teil des neuen Büros wird, werden wir uns als Arbeitsplatzexperten sicher verstärkt auch die Wohnungen anschauen. Die Frage, die sich für uns stellt ist, wie können wir unseren Kunden helfen, dass auch das Zuhause ein effektiver Arbeitsplatz wird.</p>
<p>Grundsätzlich kann man sagen, dass sich die Arbeitswelten der Zukunft den neuen Techniken anpassen und umgekehrt. Es gibt gute Gründe, warum der Arbeitsplatz in der Vergangenheit so aussah wie er aussah. Es sind Gründe, die oft auf die zur Verfügung stehenden und verwendeten Technik und Geräte zurückzuführen sind. Wenn sich nun die Arbeitsweisen und die Arbeitsmaterialien wandeln, müssen wir offen für Veränderungen im Büro sein. Wir müssen mit dem Wandel der Zeit gehen und annehmen, was die Technik bietet, damit wir sie auch effektiv und richtig nutzen können. Es entstehen derzeit sehr interessante Bürogebäude, die durch künstliche Intelligenz täglich dazulernen, ihre Bewohner kennen, sie miteinander verbinden und ihnen Arbeitsprozesse abnehmen. Solche schlauen Gebäude bieten nicht nur dem Bewohner einen Service und Komfort, sondern steuern auch zu einer positiveren Umweltbilanz bei.</p>
<p><strong><br />
Sind die Arbeitswelten und der Wohlfühlfaktor der Mitarbeiter Teil der Unternehmensstrategie und der Unternehmensphilosophie geworden?</strong></p>
<p>Nun hat aber jedes Unternehmen eine andere Philosophie und man hat innerhalb der Mitarbeiterschaft auch völlig unterschiedliche Nutzertypen.<br />
Internationale Unternehmen haben eine ganz andere Herangehensweise und Unternehmenskultur als mittelständische Unternehmen im europäischen Raum mit ihrer nationalen Kultur. Je nach Unternehmen müssen wir die Konzepte individuell anpassen. Natürlich versuchen wir, den eher national arbeitenden Unternehmen ein wenig von den Internationalen Trends und Erfahrungen beizubringen. Den internationalen Unternehmen hingegen müssen wir immer wieder erklären, dass der deutsche Markt sehr speziell ist und es hier strenge Vorschriften gibt; was dann aber letztlich auch honoriert und respektiert wird und zu einer hohen Arbeitsplatzqualität führt. Unsere Kollegen in USA und UK sprechen in der ersten Stufe der Rückkehr ins Büro von einer Reduktion von circa fünfzig Prozent der Mitarbeiter, was schon eine sehr starke Veränderung bedeutet. Wenn wir uns unsere Standardlayouts in Deutschland anschauen, müssen wir nicht so extreme Einschnitte machen, da kommen wir schon mit ca. dreißig Prozent hin. Das rührt daher, dass wir in Deutschland schon immer ein offeneres Arbeitsumfeld hatten, in dem jeder Mitarbeiter einen privaten Bereich und eine großzügige Fläche zur Verfügung hat. In Deutschland ist es schon immer ein etwas anderes Arbeiten gewesen.</p>
<p>Lesen Sie das <a href="https://www.grohe.de/de_de/de_de/architektur/architekturbarometer.html/interview-gensler-peter-schaefer.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">vollständige Interview mit Peter Schäfer</a> auf der Seite des <a href="https://www.grohe.de/de_de/architektur/architekturbarometer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Architekturbarometer 30mal10 – Grohe Digital Talks</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Über Peter Schäfer<br />
</strong></p>
<p>Mit über 18 Jahren Erfahrung als Architekt und Designer bringt Peter Schäfer Leidenschaft zum Design, Engagement und kulturelle Sensibilität in Projekte ein. Von der Konzeptphase bis zur Realisierung hat er mit Gensler in Europa, den USA und in China Arbeitswelten entwickelt.<br />
Als ausgebildeter Architekt und erfahrener Designer hat er sich auf die Entwurfsphase an Büroprojekten spezialisiert und ein gutes Verständnis für den Kunden entwickelt, die er sich bei komplexen, oft großen Projekten in Architektur und im Innenausbau angeeignet hat. Mit umfangreicher Erfahrung in Europa konzentriert sich Peter Schäfer derzeit auf den deutschen Markt, hilft das Münchner Büro aufzubauen und arbeitet mit globalen und regionalen Kunden Arbeitsplatzkonzepte zu entwickeln und verbessern. (<a class="_ps2id" href="https://www.gensler.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.gensler.com</a>)</p>
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		<title>Architekturbarometer 30mal10 – Interview mit Barbara Schaeffer und Prof. Juan Pablo Molestina (Molestina Architekten)</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/architekturbarometer-30mal10-interview-mit-barbara-schaeffer-und-prof-juan-pablo-molestina-molestina-architekten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Myriam Fischer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Sep 2020 09:34:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[30mal10]]></category>
		<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbarometer]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ait-xia-dialog.de/?post_type=ait-dialog-blog&#038;p=353841</guid>

					<description><![CDATA[Das Tätigkeitfeld von Molestina Architekten bietet ein breites Spektrum von Kultur- und Gesundheitsbauten bis hin zu Gebäuden im Bereich Office und Wohnen bis hin zu städtebaulichen Rahmenplanungen. In unserem Interview sprechen Barbara Schaeffer und Prof. Juan Pablo Molestina unter anderem darüber, wie es möglich gemacht werden kann, die Vorteile des Lebens auf dem Land in die Stadt zu transportieren, über die aktuelle Wohnungssituation und den derzeitigen Wohnungsmarkt sowie über die Chancen, die die Krise mit sich bringt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
<p>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/10/molestina_01.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Barbara Schaeffer und Prof. Juan Pablo Molestina (Molestina Architekten)" data-rel="lightbox-gallery-38"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/10/molestina_01.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/10/molestina_01.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/10/molestina_01-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/10/molestina_01-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/10/molestina_02.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="H2 Hotel im Le Quartier Central, Düsseldorf | © Molestina Architekten" data-rel="lightbox-gallery-38"><img decoding="async" width="900" height="438" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/10/molestina_02.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/10/molestina_02.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/10/molestina_02-800x389.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/10/molestina_02-768x374.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
</p>
<p><div class="clear"></div></div>
<div class="omsc-one-half omsc-last">
<p><strong>Krisen bieten auch Chancen, vieles zu überdenken und einen Perspektivwechsel einzuleiten.<br />
Welche Chancen sehen Sie in der Krise für die Branche?</strong></p>
<p>Die Chance liegt sicherlich in dem Zwang, sich dem Digitalisierungsrückstand zu stellen. Wir haben seit ca. zwanzig Jahren Instrumente für digitales Arbeiten, die aus verschiedensten Gründen nicht ausreichend genutzt wurden. Jetzt sind wir überraschend in eine Notsituation geraten und sind alle gezwungen, mit den digitalen Instrumenten zurecht zu kommen. Und dies funktioniert erstaunlich gut.</p>
<p>Wir haben uns binnen kürzester Zeit umgestellt und erleben dadurch neue Arbeitsabläufe und mehr produktive Arbeitszeit durch den Entfall von Fahrzeiten. Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass alle Absprachen ‚im persönlichen Gespräch‘ getroffen werden müssen. Das Arbeiten in Deutschland ähnelt durch die Krise stärker an das Arbeiten in anderen Ländern, wo Telefon und Videokonferenzen schon länger eine breite Akzeptanz genießen. Eine weitere Chance sehen wir in dem Überdenken des ,Leben in der Stadt‘, speziell des ,Wohnen in der Stadt‘. Warum soll man Wohnen und Arbeiten in der Stadt nicht viel stärker miteinander kombinieren? Und Umgekehrt: kann man nicht das Wohnen in der Peripherie städtischer machen durch die digitale Vernetzung? Die gegenseitige Vernetzung von Innenstadtwohnen und Wohnen in der Periphärie ist seit der Pandemie viel stärker geworden. Die Vorteile, die das Landleben bietet (das Wohnen im Grünen), sollten wir jetzt stärker in die Stadt einbringen und sie transformieren. Schon vor der Pandemie haben wir über Klimaschutz und Klimawandel im städtischen Kontext gesprochen. Wie können wir das Leben in unseren Städten anders und besser gestalten? Mit mehr Rückzugsraum und Naturangeboten? Dies ist natürlich eine weitreichende Frage, die nicht nur Architekten und Stadtplaner beschäftigt. Wir haben nun aber die Chance zu reflektieren und anders zu handeln. Die Pandemie hat einen Ruck in unserer Gesellschaft ausgelöst und diesen können wir uns alle zunutze machen.</p>
<p>Falls die Krise langfristig besteht, hätten wir eine Situation wie Ende des neunzehnten Jahrhunderts, als sich die Städte auch wegen der Hygiene von Grund auf neu konzipieren mussten, was auch radikal neue Wohnmodelle mit sich zog. Sollte die Krise also ein Dauerzustand werden, müssen wir grundsätzlich über die Stadtmorphologie nachdenken.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Sie plädieren dafür, die Vorteile des Lebens auf dem Land in die Stadt zu transportieren. Wie soll das konkret funktionieren?</strong></p>
<p>Dieser Widerspruch löst sich sehr schnell auf, wenn man nicht mehr nur die individuelle Wohnung, sondern die Wohnungen innerhalb eines Quartiers betrachtet. Die Menschen kauften aus Kostengründen bislang häufig nur die Fläche, die sie unbedingt brauchten und diese beinhaltete in der Regel keinen Arbeitsraum oder keinen zusätzlichen Raum, in dem man neue Funktionen hätte unterbringen können. Wir müssen uns lösen von dem Muster der Investoren, jede Wohnung als eine Einheit zu betrachten, die dann auch so – losgelöst von der unmittelbaren Umgebung – verkauft wird.</p>
<p>Wir müssen das Gesamtquartier und die Nachbarschaften betrachten und mit einbeziehen und kollektive Arbeits- und Rückzugsorte für alle schaffen. Im übrigem, alle sprechen von Dichte in der Stadt. Die Flächendichte in vielen Städte in Deutschland ist derzeit kaum höher als vor dem zweiten Weltkrieg, auch wenn die Städte grösser geworden sind. Das heißt, wir haben in Bezug auf die Dichte unserer Städte noch „Luft nach oben“. Studenten an der Hochschule Düsseldorf haben sich mit dem Thema beschäftigt, und deren Arbeiten zeigen, wie zehntausende neuer Wohnungen unter Anwendung städtischer Leer- oder wenig genutzter Flächen entstehen könnten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Der Großteil der Grundrisse unserer Wohnungen stammt aus dem Funktionalismus und der ist vor hundert Jahren entstanden und entspricht heute nicht mehr dem Bedarf der Gesellschaft. Hätten wir den Wohnungsbau nicht längst revolutionieren müssen?</strong></p>
<p>Unbedingt. Es gibt in der Physik den Begriff des katalytischen Moments, in dem etwas kippt. Dann wechselt ein Element von einem Zustand in einem völlig neuen. Einen solchen Moment erleben wir vielleicht zurzeit. Nicht, weil wir grundsätzlich neue Erkenntnisse gewonnen haben, sondern weil die Wünsche, anders zu wohnen und anders zu leben, endlich an das Tageslicht kommen. Man denke beispielsweise an die Auswirkungen der Pandemie auf die Mobilität und dadurch auf unsere Städte. Dadurch, dass zunehmend mehr Menschen von zu Hause aus arbeiten werden, sinkt die Anzahl der Berufspendler und reduziert den Verkehr in den Straßen. Dies bewirkt womöglich mehr Fläche für Fahrradwege, breitere Bürgersteige, mehr Grünflächen durch die Reduzierung von Fahrspuren um Raum für Baumpflanzungen zu schaffen. Auf einmal gibt es jetzt in Mailand, einer Stadt, die sich immer mit der Verkehrsberuhigung schwer tat, wegen der Pandemie viele reine Fußgängerstraßen um die nötigen Abstandsregeln zu erfüllen. Die Pandemie gleicht einer Evolution in der Natur, in der sich die Spezies nicht sukzessive Stück für Stück verändert haben, sondern plötzlich, wie durch den Einschlag eines Meteoriten auf die Erde, eine ganz neue Welt beginnt.</p>
<p>Lesen Sie das <a href="https://www.grohe.de/de_de/de_de/architektur/architekturbarometer.html/interview-molestina-schaeffer.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">vollständige Interview mit Barbara Schaeffer und Prof. Juan Pablo Molestina</a> auf der Seite des <a href="https://www.grohe.de/de_de/architektur/architekturbarometer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Architekturbarometer 30mal10 – Grohe Digital Talks</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Über Barbara Schaeffer<br />
</strong></p>
<p>geboren in Leverkusen (1962). Nach einem kurzen Einblick in die Kunstgeschichte, Archäologie und Romanistik an der Universität in Mainz studierte sie Architektur in Köln. In den 90er Jahren lebte und arbeitete sie für mehr als 2 Jahre in Paris. Seit 2007 ist Barbara Schaeffer als Architektin und Geschäftsführerin für Molestina Architekten tätig. Darüber hinaus unterrichtet sie seit 2007 als Lehrbeauftragte für Gebäudelehre und Entwerfen an der Universität Siegen. Zu den wichtigsten Projekten gehören das Pfarrzentrum in Hilden, diverse Wohnungsbauten in Köln und ein Verwaltungsneubau als Headquarter für ein Pharmaunternehmen in Iserlohn. (<a class="_ps2id" href="http://www.molestina.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.molestina.de</a>)</p>
<p><strong>Über Prof. Juan Pablo Molestina<br />
</strong></p>
<p>geboren in Quito, Ecuador (1955), studierte er Architektur an der Yale University in New Haven (USA) und am MIT in Cambridge (USA). Zudem arbeitete er bei Dr. Hassan Fathy in Ägypten. Seit 2001 ist er Professor für Gebäudelehre und Entwerfen an der PBSA (HSD) in Düsseldorf und seit 2010 auch Dekan. In 2018 wurde er Direktor des neuen Civic Design Programms (M.Sc. in Arch.). Als Gründungsgesellschafter von Molestina Architekten mit dem Büro in Köln ist er in den Bereichen Architektur und Städteplanung tätig. Zu den wichtigsten Projekten zählen der Masterplan für Ruhr Uni Bochum (2010), Neuer Campus Mülheim a.d. Ruhr (2010), Kö-Bogen II, Düsseldorf (2009) und die Siedlung Ossendorf in Köln (Genossenschaftswohnen – Gesamtfertigstellung in 2022). (<a class="_ps2id" href="http://www.molestina.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.molestina.de</a>)</p>
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		<title>Architekturbarometer 30mal10 – Interview mit Markus Hammes (hammeskrause architekten)</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/architekturbarometer-30mal10-interview-mit-markus-hammes-hammeskrause-architekten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Myriam Fischer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Sep 2020 08:29:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[30mal10]]></category>
		<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbarometer]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ait-xia-dialog.de/?post_type=ait-dialog-blog&#038;p=353792</guid>

					<description><![CDATA[hammeskrause architekten entwerfen Gebäude unterschiedlicher Bautypologien. Diese reichen von Bauwerken im Bereich der Wissenschaft, Forschung und Industrie über öffentliche Bauten bis hin zu Gebäude für Pflege und Gesundheit. Dabei reicht ihr Tätigkeitsfeld von der Architektur und Innenarchitektur bis hin zur Landschaftsplanung und Generalplanerleistungen. Dabei prägen ein wertschätzendes Miteinander und der offene Dialog im Team die Zusammenarbeit von hammeskrause architekten. In unserem Interview spricht Markus Hammes unter anderem über die Bautypologie Forschung, seine besondere Expertise im Bereich der Forschung und Wissenschaft, aktuelle städtische Entwicklungen sowie welche Chancen sich durch die Krise eröffnet haben.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/10/hammes-krause_01_900x600.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Markus Hammes (hammeskrause architekten) | © Juergen Pollak" data-rel="lightbox-gallery-39"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/10/hammes-krause_01_900x600.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/10/hammes-krause_01_900x600.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/10/hammes-krause_01_900x600-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/10/hammes-krause_01_900x600-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/10/hammes-krause_02_1100x600-1.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Mensa Möhringen | © WD Gericke" data-rel="lightbox-gallery-39"><img decoding="async" width="1100" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/10/hammes-krause_02_1100x600-1.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/10/hammes-krause_02_1100x600-1.jpg 1100w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/10/hammes-krause_02_1100x600-1-800x436.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/10/hammes-krause_02_1100x600-1-768x419.jpg 768w" sizes="(max-width: 1100px) 100vw, 1100px" /></a>
</p>
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<div class="omsc-one-half omsc-last">
<p><strong>Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrem Büro seit Corona gemacht und in welchen Projekten sind Sie derzeit schwerpunktmäßig tätig?</strong></p>
<p>Uns und dem gesamten Büro geht es sehr gut, wir haben tolle und interessante Aufgaben und sehr engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Vor sechs Jahren sind wir über unsere Auslandsprojekte<br />
stark in die Digitalisierung eingestiegen und haben dafür auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefunden, die einen anderen Fokus auf diese Thematik hatten als wir bislang, was uns in dieser momentanen Situation sehr zugute gekommen ist. Gestoppt wurden wegen der Pandemie bislang keines unserer Projekte, wir wurden sogar mit einer kürzlich aufgesetzten Studie neu beauftragt, mit der wir uns seit einigen Wochen beschäftigen. Verzögerungen auf den Baustellen, die sich durch die Krise erklären, haben wir bislang auch nicht erlebt. Wenn es zu Verzögerungen kam, dann bedingt durch<br />
Firmen, die schon vor Corona nicht überzeugend performt haben. Auch verspätete Materiallieferungen führten bislang nicht zu signifikanten Veränderungen. Verzögerungen kommen eher durch die Strukturen der Partner zustande, die keinen Kontakt zulassen.</p>
<p>Unterschiedliche Erfahrungen machen wir bei unseren öffentlichen Projekten: einerseits erleben wir sehr gut organisierte Verwaltungen und andererseits solche, die es nicht sind und bei denen uns die Ansprechpartner über Wochen gefehlt haben, sodass auch keine Entscheidungen getroffen werden konnten. Bei unseren Industrieprojekten hat man sehr schnell und professionell auf die Situation reagiert, brauchte nur zwei bis drei Wochen, um sich neu zu organisieren. Das haben wir übrigens auch gemacht. Wir haben unser Büro 14 Tage komplett geschlossen, haben alle VPN-Verbindungen in den Homeoffices aufgebaut, das Büro unter Gesichtspunkten der Abstandsregeln neu strukturiert und waren damit nach zehn Tagen voll  arbeitsfähig. Was unser Arbeitsspektrum anbetrifft sind wir momentan schwerpunktmäßig im Forschungsbereich tätig. Für Hoffmann-La Roche haben wir im letzten Jahr in Basel und in Shanghai Projekte fertiggestellt. Am 5. Februar wäre in Shanghai die Einweihung gewesen, sie ist nun leider der Pandemie zum Opfer gefallen. Durch die Projekte, die wir für Hoffmann-La Roche gemacht haben, haben wir jetzt auch einige Aufträge von deutschen Pharmaunternehmen erhalten, die alle super professionell laufen, was uns sehr freut. Auch für die Bildung sind wir tätig, machen aber in diesem Bereich eher kleine Aufgaben wie z. Bsp. Kindergärten und Mensen. Vor kurzem haben wir im Schulbereich eine sehr schöne Mensa in Stuttgart und ein sehr schönes kleines Schülerlabor für die Universität fertiggestellt. Wohnungsbau machen wir kaum, es hat sich nicht so ergeben. Außerdem tun wir uns schwer, wenn eine Immobilie ausschließlich der Spekulation unterliegt und damit als Business angesehen wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Bietet die Krise eine Chance für unsere Baukultur und im Speziellen für die verschiedenen Bautypologien?</strong></p>
<p>Betrachte ich die wenigen globalen Krisen, die ich in meinem Leben erlebt habe und hinterfrage die Konsequenzen auf die jeweiligen Typologien, dann kann ich nur feststellen, dass sich kaum etwas verändert hat. Nach 09/11 gab es eine Diskussion über eine Bautypologie in direktem Kontext mit einer Krise. Man proklamierte, die Zeit der Hochhäuser sei vorbei. Das Hochhaus sei ein Gefahrenpotenzial, da es ein Angriffspunkt für Terroristen sei und man auf einen Schlag mehrere tausend Menschen elemenieren könnte. Was hatte sich damals wirklich geändert? Tatsächlich sind nach 09/11 noch mehr und noch höhere – und gerade in New York extremere – Skyscraper entstanden. Was sich geändert hat, sind Gesetze, um Überwachungsmechanismen einzuführen, wie z.Bsp. die Verschärfung der Flughafenkontrollen. Es werden sich also Dinge nach der jetzigen Pandemie ändern, nur ob es die sind, die in der Hochzeit einer Krise diskutiert werden, bezweifele ich. Ich glaube vielmehr, dass sich zukünftig Dinge wieder nach neuen Gesichtspunkten organisieren werden. Derzeit wird die Dichte in den Städten wieder in Frage gestellt, Dichte war das Zauberwort der letzten Jahre. Der Auftrag lautete, wieder mehr Dichte in die Städte zu bringen, um sie urbaner zu machen und ein diversifiziertes<br />
Leben zu ermöglichen. Jetzt in Corona Zeiten ist das Landleben wieder in aller Munde. Jeder, der ein Häuschen im Grünen mit einem Garten hat, wird beneidet, weil er sich von allen Menschen fernhalten kann.</p>
<p>Ich bin davon überzeugt, dass wir mittel- oder langfristig wieder dahin kommen werden, wo wir vor der Krise standen: die Menschen werden weiterhin in die Städte ziehen und die Städte werden immer größer und dichter werden. Die Zukunft des Lebens der Menschen kann ja nicht zum Ziel haben, sich aus dem Weg zu gehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Sie erwähnten Ihre besondere Expertise im Bereich Forschung und Wissenschaften. Fließen in Ihre Planungen durch die Krise gemachten Erfahrungen ein?</strong></p>
<p>Die zunehmende Digitalisierung hat einen Einfluss auf die Art, wie wir miteinander kommunizieren und damit auch auf die Architektur. Wir machen gerade zwei Projekte für internationale Pharmaunternehmen. Sie haben ihre Standorte in den USA, in Europa, in China und in Asien. Sie sind es gewohnt, in den gleichen Forschungsgruppen über alle drei Kontinente zu arbeiten und dass ihre Chefs in den USA sitzen oder eine ihrer Forschungsgruppen in Asien angesiedelt ist. Und sie sind es gewohnt, so zu kommunizieren, wie es der Großteil der Bevölkerung seit Corona in den letzten drei Monaten für sich entdeckt hat. Und mit diesen Wissenschaftlern konzipieren wir neue Gebäude. Ihre größte Sehnsucht ist, Gebäude zu haben, die die Menschen miteinander verbindet. Das ist ungebrochen und das ändert sich auch nicht. Trotz der zunehmenden Digitalisierung und der vielen virtuellen Konferenzen haben sie die Sehnsucht, auch face to face miteinander zu arbeiten, um Innovationen zu entwickeln. Es ist im übrigem wissenschaftlich bewiesen, dass eine direkte Kommunikation ein viel höheres Innovationspotenzial hat.</p>
<p>Die Digitalisierung ist auf dem Vormarsch und das ist auch gut so. Aber sie wird auf keinen Fall die direkte Kommunikation ersetzen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Lesen Sie das <a href="https://www.grohe.de/de_de/grohe-professional/project-business/architekturbarometer-30x10/interview-markus-hammes.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">vollständige Interview mit Markus Hammes</a> auf der Seite des <a href="https://www.grohe.de/de_de/architektur/architekturbarometer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Architekturbarometer 30mal10 – Grohe Digital Talks</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Über Markus Hammes</strong></p>
<p>geboren in Solingen, studierte Architektur und Stadtplanung an der Universität Stuttgart.<br />
Im Anschluss an sein Studium war er als freier Mitarbeiter und Partner in verschiedenen Büros tätig und hatte einen Lehrauftrag an der Universität Stuttgart am Institut für Baustofflehre, Bauphysik, Technischen Ausbau und Entwerfen inne. 2001 gründete er gemeinsam mit Nils Krause das Büro hammeskrause architekten bda. Darüber hinaus war Markus Hammes Institutsrat Institut Fortbildung Bau der Architektenkammer Baden-Württemberg (2010-2014) und von 1. Vorsitzender Bund Deutscher Architekten (BDA) Stuttgart (2012-2016).  Bis heute ist er als Fachpreisrichter und Autor tätig und hält regelmäßig Vorträge. (<a href="https://hammeskrause.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.hammeskrause.de</a>)</p>
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		<title>Architekturbarometer 30mal10 – Interview mit Jurek M. Slapa (SOP Architekten)</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/architekturbarometer-30mal10-interview-mit-jurek-m-slapa-sop-architekten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marina Schiemenz]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Sep 2020 11:58:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[30mal10]]></category>
		<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbarometer]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
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					<description><![CDATA[slapa oberholz pszczulny &#124; sop architekten entwickelt Bauwerke in den Bereichen Büro-, Gewerbe-, Hotel-, Industrie- und Wohnungsbau sowie Flughäfen, Sportstätten und Einrichtungen für Lehre und Forschung. Das international tätige Büro steht für eine klare, zeitlose Architektursprache. In unserem Interview spricht Jurek M. Slapa unter anderem über den Wertewandel in der Gesellschaft und die Auswirkungen auf die Architektur, die möglichen Veränderungen verschiedener Bautypologien und die Anforderungen an das Büro der Zukunft.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/09/sop-architekten_01-2.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Jurek M. Slapa (SOP Architekten)" data-rel="lightbox-gallery-40"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/09/sop-architekten_01-2.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/09/sop-architekten_01-2.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/09/sop-architekten_01-2-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/09/sop-architekten_01-2-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/09/sop-architekten_02.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="CT² Center for Teaching and Training, RWTH Aachen" data-rel="lightbox-gallery-40"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/09/sop-architekten_02.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/09/sop-architekten_02.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/09/sop-architekten_02-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/09/sop-architekten_02-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
</p>
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<p><strong>Viele beobachten einen Wertewandel in der Gesellschaft. Können Sie diesen bejahen und wie wirkt dieser sich womöglich auf das Interesse oder Verständnis für Architektur aus? Und wie auf Ihre mittel- und langfristige Auftragslage bei sop Architekten? Schließlich wollen auch Architekten Geld sehen und das könnte fehlen.</strong></p>
<p>Durch die Pandemie werden uns Verhaltensweisen aufgezwungen, die wir als soziale Wesen nicht gewohnt sind. Der Stillstand und die Isolation haben alte Lebensgewohnheiten und Werte über Nacht in Frage gestellt. Plötzlich war der Mensch gezwungen, sich mit sich selbst zu befassen und seine eigenen und die Bedürfnisse seines Partners oder seiner Familie neu zu entdecken. Menschen in Städten steigen aufs Fahrrad und joggen in den städtischen Parks. Dieses Momentum wird sicherlich Einfluss auf die zukünftige Stadtentwicklung haben, Grünflächen und Fahrradwege werden zunehmen.</p>
<p>Was die Gesellschaft meiner Meinung nach aber viel deutlicher trifft, sind die wirtschaftlichen Folgen, die aus der Krise resultieren und die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich weiter verstärken werden. Denn die Auswirkungen der weltweiten Rezession treffen vor allem die Ärmsten, da brauchen Sie nur mal einen Blick auf die aktuelle Lage in den Entwicklungs- und Schwellenländern zu werfen. Aber auch in Deutschland werden Städte und Kommunen, Unternehmen und Projektentwickler weniger finanziellen Spielraum für Investitionen haben und das wird sich natürlich auch auf den Bauund Immobiliensektor auswirken.</p>
<p>Krisen erreichen die Baubranche immer verspätet. Bestehende Verträge laufen und Projekte müssen fertiggestellt werden. Zudem war die Auftragslage jahrelang ungebrochen hoch, so dass wir uns teils vor Anfragen kaum retten konnten. Aber erste Vorzeichen einer Krise machen sich bemerkbar. Manche Aufträge werden verschoben, Vertragsabschlüsse kommen schleppender zustande. Das wird das grundsätzliche Interesse an Architektur nicht verändern, aber sicher gehen wir einer Zeit entgegen, in der wir uns beispielsweise wieder verstärkt mit Bestandsarchitektur und Revitalisierungen beschäftigen werden oder endlich und ernsthaft mit günstigem Wohnraum. Wir Architekten wurden in den letzten Jahren sehr verwöhnt, teilweise sind dabei die Maßstäbe verloren gegangen. Die Krise wird uns zum Umdenken zwingen und uns wieder zurück zu dem ewig geltenden Leitsatz führen: form follows function. Gute Architektur folgt einer guten Funktion – und nicht umgekehrt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Corona löst keine Trends aus, es beschleunigt längst vorhandene. Um welche Trends handelt es sich konkret?</strong></p>
<p>Corona beschleunigt die digitale Revolution und den gesellschaftlichen Wandel, der damit einhergeht. Die Digitalisierung und die künstliche Intelligenz werden unsere Arbeits- und Lebensweisen stärker verändern, als es die Auswirkungen der industriellen Revolution im 18. und 19. Jahrhundert getan haben. Deutschland hat hier lange in einem Dornröschenschlaf gelegen. Der Ausbruch der Pandemie hat nun zahlreiche Unternehmen und Bildungsinstitutionen quasi über Nacht in das neue Zeitalter katapultiert. Und plötzlich haben viele Firmen bemerkt, dass es ja doch gar nicht so schwer ist mit dem Home-Office und den Videokonferenzen. Das gilt genauso für uns und unsere Branche.</p>
<p>Aber auch die negativen Folgen der Digitalisierung verstärken sich mit den neuen Regeln, die uns die Pandemie aufzwängt. Menschen ziehen sich zurück, kommunizieren verstärkt im virtuellen Raum und die soziale Interaktion nimmt ab. Vereinsamung, Egoismen und die Anfälligkeit für krude Theorien und Populismus sind die Folge. Auch der Wandel unseres Konsumverhaltens und damit der Wandel der Innenstädte wird durch Corona weiter vorangetrieben. Der klassische Einzelhandel stirbt noch schneller aus, zahlreiche Shopping-Center und Geschäfte in den Einkaufsstraßen stehen leer. Ein Umdenken findet hier bereits statt, wie die leeren Flächen anders genutzt werden können. Und natürlich gab der abrupte Stillstand ganzer Industriezweige, der Einbruch der Tourismusbranche und des Flugverkehrs der weltweiten Klimabewegung und Fridays for Future innerhalb kürzester Zeit Recht, welche positiven Auswirkungen eine entschleunigte Weltwirtschaft auf die Umwelt hat. Auch, wenn die Aufmerksamkeit hierfür durch Corona abgelöst wurde, das Bewusstsein für den Klimawandel hat zugenommen und wird auch die Architektur stark beeinflussen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Wie sieht das Büro der Zukunft aus? Welche Anforderungen muss es nach Corona neu und mehr erfüllen?</strong></p>
<p>Wir müssen uns auch in der Büroarchitektur mit Hygienekonzepten beschäftigen. Denn hier teilen viele Menschen über viele Stunden den gleichen Ort, Tag für Tag. Smarte Technologie wird Büros kontaktloser machen. Das automatische Öffnung von Türen und das smarte Bedienen von Fahrstühlen ohne Knöpfe berühren zu müssen, was wir schon aus Krankenhäusern kennen, aber auch automatische Lichtsteuerung, verbesserte Lüftungskonzepte oder der verstärkte Einsatz von Materialien mit antibakteriellen Oberflächen werden eine Rolle spielen.</p>
<p>Sicherlich wird es kein Zurück zu Einzelbüros in Zellenstruktur geben, aber große Flächen werden zunehmend in Zonen unterteilt, in denen sich kleinere Gruppen oder Teams aufhalten. Unterschiedliche Zonen, die einerseits Rückzug und konzentriertes Arbeiten für die einzelnen Beschäftigten ermöglichen, andererseits Kontaktflächen, in denen Austausch untereinander, aber auch mit Externen stattfindet, und variabel bespielbare und multifunktionale Flächen werden sich weiter durchsetzen. Räume, die auf Knopfdruck oder mit einfachen Umbaumaßnehmen vergrößert oder verkleinert und für Besprechungen oder mobile Arbeitsplätze genutzt werden können, garantieren die flexible Nutzung von Büroflächen und helfen mir als Unternehmer auf jede Situation entsprechend reagieren zu können. Und bei Bedarf auch Flächen schnell und unkompliziert untervermieten zu können.</p>
<p>Außenbereiche gewinnen an Bedeutung, genauso wie eine perfekt laufende IT-Infrastruktur. Wenn Geschäftstermine zunehmend im virtuellen Raum stattfinden, was nutzt mir dann ein repräsentativ gestalteter Besprechungsraum, wenn die IT nicht funktioniert?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Lesen Sie das <a href="https://www.grohe.de/de_de/grohe-professional/project-business/architektur/werkbundstadt_berlin_2016_19/interview-sop-architekten.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">vollständige Interview mit Jurek M. Slapa</a> auf der Seite des <a href="https://www.grohe.de/de_de/architektur/architekturbarometer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Architekturbarometer 30mal10 – Grohe Digital Talks</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Über Jurek M. Slapa</strong></p>
<p>geboren 1942 in Königshütte (Polen), studierte Architektur an der TU Krakau und der RWTH Aachen. Er war rund 20 Jahre für das Büro HPP Architekten in Düsseldorf tätig, wo er für einige Jahre die Wettbewerbsabteilung leitete. 1987 war er Mitgründer des Architekturbüros JSK Düsseldorf, in dem er bis 2010 gemeinsam mit Zbigniew Pszczulny und Helmut Oberholz Gesellschafter war. 2010 trennte sich das Büro von der JSK Gruppe und arbeitet seither unter slapa oberholz pszczulny, sop Architekten zusammen. Zu den bedeutsamsten Referenzen aus Salzas bald 50-jähriger Schaffenszeit zählen der Flughafen Frankfurt Airport Terminal 2 und der Düsseldorf Airport 2000plus, die Hafenspitze im Düsseldorfer Medienhafen, das Hochhaus Gap 15 oder das Stilwerk Düsseldorf.  (<a href="https://sop-architekten.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.sop-architketen.de</a>)</p>
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		<title>Architekturbarometer 30mal10 – Interview mit Gert Lorber (Lorber Paul Architektur &#038; Städtebau)</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/architekturbarometer-30mal10-interview-mit-gert-lorber-lorber-paul-architekten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marina Schiemenz]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Sep 2020 08:33:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[30mal10]]></category>
		<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbarometer]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ait-xia-dialog.de/?post_type=ait-dialog-blog&#038;p=352836</guid>

					<description><![CDATA[Das Büro Lorber Paul Architekten plant und realisiert vornehmlich Projekte im Bildungs-, Gewerbe- und Wohnungsbau sowie im städtebaulichen Bereich. Dabei prägen Bauaufgaben unterschiedlicher Größen für öffentliche und private Auftraggeber die Erfahrungen und Abläufe des Büros. 2020 erhielt das Büro den deutschen Bauherrenpreis für die Wohnbebauung in der Holsteinstraße in Köln. In unserem Interview spricht Gert Lorber über die Diskrepanz zwischen aktuellem Wohnungsmarkt und der sich verändernden Gesellschaft, über Umnutzung von Immobilien und sich vorhandene Trends in der Baubranche.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
<p>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/09/lorber-paul_01.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Gert Lorber (Lorber Paul Architektur &amp; Städtebau)" data-rel="lightbox-gallery-41"><img decoding="async" width="900" height="675" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/09/lorber-paul_01.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/09/lorber-paul_01.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/09/lorber-paul_01-800x600.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/09/lorber-paul_01-768x576.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/09/lorber-paul_02.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Wohnbebauung Holsteinstraße in Köln" data-rel="lightbox-gallery-41"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/09/lorber-paul_02.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/09/lorber-paul_02.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/09/lorber-paul_02-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/09/lorber-paul_02-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
</p>
<p><div class="clear"></div></div>
<div class="omsc-one-half omsc-last">
<p><strong>Krisen bieten auch Chancen, Vieles zu überdenken und einen Perspektivwechsel einzuleiten. Welche Chancen sehen Sie für sich und Ihr Büro? </strong></p>
<p>Es gibt auch Chancen, wobei ich diese weniger auf mich und unser Büro beziehen würde, sondern generell auf die Baukultur. Wenn man die Situation mit dem Fußball vergleicht, kann man sagen, dass man die Elfmeter, Freistöße und Ecken, die einem gegeben werden, nutzen sollte. Die Aufstellung steht ja, also die Probleme sind alle benannt. Man kann Städte nicht neu bauen, aber sie müssen neu verteilt werden. Unter dem Aspekt des Klimawandels und der Mobilitätswende werden Positionen diskutiert, die auf einmal viel schneller vorankommen. Im Städtebau sollte es durch eine konsequente Nutzungsmischung endgültig zu einer Abkehr von der städtebaulichen Nutzungstrennung der Moderne kommen. Das wäre sehr schön.</p>
<p>Corona erweist sich auf einmal ein wenig wie ein Hilfsmittel, denn wir als Architekten erfahren Zuspruch für Dinge, die wir seit langem propagiert haben, die in sogenannten Spartenkanälen Gehör gefunden hatten, nicht aber in der breiten Öffentlichkeit. Jetzt wird den Alleswissern und Besserwissern in den einzelnen Branchen etwas der Wind aus den Segeln genommen und das schafft einem auch die Möglichkeit, Konter zu fahren.</p>
<p>Über kurz oder lang werden sich auch viele Projektentwickler durchsetzen, die eine Chance sehen, auch mischgenutzte Gebiete und hybride Gebäude zu entwickeln.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Sie haben in diesem Jahr den deutschen Bauherrenpreis für Ihr Wohnquartier Holsteinstraße erhalten. Würden Sie aus heutiger Sicht mit der Corona-Erfahrung manches anders planen? </strong></p>
<p>Vorbildlich bei dem Projekt ist die Integration des Restes eines Klosters, das dort einmal stand, und die Einbeziehung der Nachbarschaft, die sozialökologischen Aspekte einer Verdichtung im innerstädtischen Bereich unter Berücksichtigung des Grünraums und der Nachbarschaft. So gesehen würden wir nicht viel anders machen.</p>
<p>Lediglich bei den Wohnungen wünschten wir uns ein wenig mehr Flexibilität. Wir sprechen hier auch über einen Auftraggeber, der sehr klare Vorstellungen davon hatte, wie Wohnungen zu funktionieren haben. Da werden wir nicht müde, Überzeugungsarbeit zu leisten, wenngleich wir uns nicht immer durchsetzen. Der durch Home-Office geschaffene Bedarf, Wohnraum flexibel nutzen zu können, verdeutlicht die Vorteile nutzungsneutraler Räume. Dies wird nun auch in den Medien breiter publiziert und wir sollten die Chancen nutzen, um einen Gesinnungswandel einzuleiten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Wenn plötzlich viele Immobilien in ihrer eigentlichen Funktion nicht mehr genutzt werden – wie beispielsweise Bürobauten – und sich zur Umnutzung anbieten, brauchen wir den kreativen Architekten mehr denn je?</strong></p>
<p>Natürlich, gerade in diesem Bereich sind die kreativsten Köpfe gefragt, da man hier nie „von der Stange“ planen kann und man ständig Überraschungen erlebt, die man erst mal bewältigen muss. Bei großen Bürostandorten wird die Umnutzung sicher zum Thema werden. Wenn man die Mobilitätswende weiterdenkt, werden auch viele Parkhäuser überflüssig werden. Mit dem Ziel der Erhaltung grauer Energie wird man diese Parkhäuser nicht abreißen, sondern umbauen und für einen anderen Zweck nutzen.</p>
<p>Für Architekten, die sich ohnehin ständig damit beschäftigen, wie man das Leben in Gebäuden und in Städten voranbringen kann, um auf die veränderten gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen zu reagieren, ist das sicherlich eine Chance. Ob man diese Chancen am Ende aus verschiedensten Gründen nutzen kann oder will, bleibt jetzt einmal dahingestellt. Momentan existiert in der Architektenschaft noch keine deprimierende Stimmung, würde ich behaupten und ich hoffe, das bleibt auch so.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Lesen Sie das <a href="https://www.grohe.de/de_de/grohe-professional/project-business/architektur/werkbundstadt_berlin_2016_19/interview-gert-lorber.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">vollständige Interview mit Gert Lorber</a> auf der Seite des <a href="https://www.grohe.de/de_de/architektur/architekturbarometer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Architekturbarometer 30mal10 – Grohe Digital Talks</a>.</p>
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<p><strong>Über Gert Lorber</strong></p>
<p>geboren 1864 in Klagenfurt, studierte er Architektur an der TU Graz. Nach seinem Diplom arbeitete er zunächst als freischaffender Architekt in Köln, bevor er 1996 gemeinsam mit Annette Paul das Büro Lorber Paul Architektur &amp; Städtebau in Köln gründete. Gert Lorber ist Mitglied im BDA und war Vorstandsmitglied und Landesvorsitzender im BDA NRW sowie Mitglied im Wettbewerbs- und Vergabeausschuss der Architektenkammer NRW. Darüber hinaus hatte er verschiedene Lehrtätigkeiten inne, unter anderem an der RWTH Aachen und der Uni Wuppertal. 2020 erhielt er den Deutschen Bauherrenpreis für die Wohnbebauung an der Holsteinstraße in Köln-Mülheim. (<a href="https://lorberpaul.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.lorberpaul.de</a>)</p>
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]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Architekturbarometer 30mal10 – Interview mit Michaela Hauser (ATP architekten ingenieure)</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/architekturbarometer-30mal10-interview-mit-michaela-hauser-atp-architekten-ingenieure/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marina Schiemenz]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Aug 2020 12:24:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[30mal10]]></category>
		<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbarometer]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Besondere an ATP architekten ingenieure ist die integrale, BIM-basierte Planungsweise in einer europaweit vernetzten Unternehmensstruktur. Am Standort München steht vor allem die Integrale Planung von Immobilien für den Industriebau und die Forschung sowie für die Bereiche Büro, Tourismus, Handel und Wohnen im Fokus. In unserem Interview spricht Michaela Hauser über Chancen der Baukultur, Sanierung und Revitalisierung von Leerständen sowie die Veränderungen in der Hotelbranche.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/atp_01.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Michaela Hauser (ATP architekten ingenieure)" data-rel="lightbox-gallery-42"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/atp_01.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/atp_01.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/atp_01-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/atp_01-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/atp_02.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Bahnhofsareal Nord, DE-Rosenheim" data-rel="lightbox-gallery-42"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/atp_02.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/atp_02.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/atp_02-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/atp_02-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
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<p><strong>Einige Ihrer Kolleginnen und Kollegen sehen die Pandemie als Chance für unsere Baukultur. Können Sie dem zustimmen? </strong></p>
<p>Die Krise löst sicherlich neue Denkanstöße aus und schafft neue Perspektiven. Baukultur ist für mich auch ein Spiegel der Gesellschaft. Ob die Krise so eingreifend ist, dass sie sich nachhaltig auf unsere Gesellschaft auswirkt, mag ich nicht beurteilen. Wohnräume werden sicherlich eine neue Bedeutung erhalten. Öffentlicher Raum spielt in Zeiten von Corona fast gar keine Rolle, das wird sich aber wieder zurückentwickeln, was ich mir sehr wünsche. Vor allem Kulturelles kann man nicht ausschließlich digitalisieren, es muss wieder an Präsenz gewinnen. Nachhaltig sehe ich keine Veränderung unserer Baukultur.</p>
<p>Für unser Tagesgeschäft sehe ich die Folgen eher kritisch und weniger als eine Chance. Denn, wenn es wirtschaftlich eng wird, reduzieren sich auch die Spielräume. Die Chance besteht meines Erachtens lediglich darin, Prozesse und Nutzungskonzepte neu zu überdenken. Ob die Gedanken dann am Ende des Tages auch zum Positiven genutzt werden, mag ich bezweifeln.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Wie wird sich Ihrer Meinung nach die Hotelbranche generell entwickeln? Wird es mehr kleinere Hotels geben?</strong></p>
<p>Ich bin davon überzeugt, dass sich der wahnsinnige Hotelboom der letzten Jahre reduzieren wird. Es wird sicherlich auch weiterhin Hotelneubauten geben, aber eben nicht mehr in dem großen Maßstab wie das in den letzten Jahren der Fall war. Man konnte sich nur wundern, wo und in welchen Lagen überall Hotels errichtet wurden. Das lag unter anderem auch daran, dass Wohngebäude an vielen Orten in Städten nicht genehmigungsfähig sind, wegen des Lärms bzw. aus städtebaulichen oder baurechtlichen Gründen. Dort, wo Wohnen also nicht zugelassen wurde, konnte stattdessen ein Hotel geplant werden. Aber auch solche Projekte werden weniger werden. Ob es nun unbedingt eine Tendenz zu kleineren Hotels geben wird, kann ich nicht beurteilen. Ich bin allerdings davon überzeugt, – und hier bin ich anderer Meinung als vielleicht viele andere – dass wir in einem Jahr privat wieder genauso viel reisen werden wie vorher. Ich kann es mir anders nicht vorstellen. Was ja nicht heißt, dass ich – schon allein aus ökologischen Gründen und der Umwelt zuliebe – nicht einen Rückgang der Reiserei befürworten würde.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Bislang wurden in den Hotels die Gemeinschaftsräume wie die Lobby oder der Barbereich groß gehalten, die Gästezimmer hingegen eher überschaubar. Könnte es nun möglicherweise zu einer Umkehr kommen, also hin zu großen Zimmern mit beispielsweise eigenen Gyms und dafür kleinere Gemeinschaftsräume? </strong></p>
<p>Das kann ich mir nicht vorstellen. Also, wenn man reist und in Hotels übernachtet, dann möchte man auch in Bars und Restaurants gehen können, statt sich in größeren Räumen in einer fremden Umgebung zu isolieren. Dann stellt sich die Frage, ob man nicht lieber ganz auf die Reise verzichtet oder sie zumindest verkürzt. Hotels und ihre Bar- und Restaurantbereiche verlieren auch nach Corona nicht an Attraktivität, sie bleiben auch weiterhin geschätzte Ort der Geselligkeit und des Austausches. Ich sitze doch viel lieber auf Abstand in einer Bar oder in einem Restaurant, als allein in meinem Zimmer. Ich hoffe, dass wir ausreichend soziale Wesen sind und die neue Situation der Abstandswahrung hinbekommen, ohne gänzlich auf das Gesellige zu verzichten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die Krise zeigt Grenzen der Globalisierung auf und steigert die Wertschätzung des Regionalen. Wie sind Ihre Erfahrungen?</strong></p>
<p>Ich bin guter Dinge, dass es wieder mehr Produktion in Deutschland geben wird. Man hat die Vorteile der Globalisierung erfahren, damit aber auch ihre Grenzen und Risiken. Ich hoffe sehr, dass durch die Krise das Bewusstsein für das Lokale wieder gestärkt wird und das lokal produzierende Gewerbe davon profitiert. Ich denke dabei auch an viele unserer Kunden, Mittelständler mit guten Ideen. Ein starker Mittelstand bringt auch für uns Architekten neue Kundschaft. In Hinblick auf diese Entwicklung bin ich sehr zuversichtlich.</p>
<p>Ich glaube, dass auch der Konsument wieder bedachter mit Produkten und Ressourcen umgeht und damit auch unsere lokale Wirtschaft und Produktion wieder verstärkt eine Chance auf Wachstum hat. Ich würde mir wünschen, dass gewerblich und im Industriebau auch wieder mehr investiert wird, nicht ausschließlich Großkonzerne, sondern eben auch Mittelständler, die mutig sind und gute Ideen haben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Lesen Sie das <a href="https://www.grohe.de/de_de/de_de/architektur/architekturbarometer.html/interview-michaela-hauser.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">vollständige Interview mit Michaela Hauser</a> auf der Seite des <a href="https://www.grohe.de/de_de/architektur/architekturbarometer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Architekturbarometer 30mal10 – Grohe Digital Talks</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Über Michaela Hauser</strong></p>
<p>In München geboren, wurde Michaela Hauser nach kurzem Mathematikstudium an der Hochschule München zur Architektin ausgebildet. Mit sechs Jahren Erfahrung in verschiedenen Architekturbüros ging Frau Hauser zu Bothe Richter Teherani (BRT) nach Hamburg. 2011 gründete sie als geschäftsführende Gesellschafterin gemeinsam mit Kai Richter ein Studio in Hamburg. 2013 kehrte sie nach München zurück und übernahm beim Integralen Planer ATP architekten ingenieure (München) den Bereich Architektur mit Verantwortung für damals 28 Architekten und Architektinnen. Seit 2016 ist Frau Hauser Geschäftsführerin. (<a href="https://www.atp.ag/integrale-planung/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.atp.ag</a>)</p>
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		<title>Architekturbarometer 30mal10 – Interview mit Matthias Pfeifer (RKW Architektur+)</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/architekturbarometer-30mal10-interview-mit-matthias-pfeifer-rkw-architektur/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marina Schiemenz]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Aug 2020 08:00:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[30mal10]]></category>
		<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbarometer]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ait-xia-dialog.de/?post_type=ait-dialog-blog&#038;p=352536</guid>

					<description><![CDATA[RKW Architektur+ rücken den Menschen in den Fokus, was sich nicht nur an den über 400 Architekten, Innenarchitekten, Bauingenieuren, Fachplanern und Controllern zeigt, die Generationen, Nationalitäten und Begabungen verbinden, sondern auch an ihren Projekten. Sie verstehen sich als innovative Gestalter und suchen nach neuen Antworten auf immer wiederkehrende Fragen. In unserem Interview spricht Matthias Pfeifer über die Auswirkungen und Chancen der Pandemie, über das Motto "Office is where you want" und dem Wunsch nach gemischten Nutzungskonzepten.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/rkw_matthias-pfeifer.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Matthias Pfeifer (RKW Architektur+)" data-rel="lightbox-gallery-43"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/rkw_matthias-pfeifer.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/rkw_matthias-pfeifer.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/rkw_matthias-pfeifer-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/rkw_matthias-pfeifer-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/rkw_unfallkasse.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Neue Hauptverwaltung der Unfallkasse NRW, Düsseldorf" data-rel="lightbox-gallery-43"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/rkw_unfallkasse.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/rkw_unfallkasse.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/rkw_unfallkasse-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/rkw_unfallkasse-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
</p>
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<div class="omsc-one-half omsc-last">
<p><strong>Bietet Corona Ihrer Einschätzung nach dem Architekten die Chance, sein Berufsbild in der Krise neu zu positionieren? </strong></p>
<p>Ja, das könnte sein. Der Architekt hat ja nun die Fähigkeit, von seiner Disziplin aus Dinge sehr breit zu betrachten, also aus verschiedenen Standpunkten. Gute Architekten haben ja keine einseitige Brille auf, sondern sie können verschiedene Aspekte berücksichtigen. Sie verstehen die Belange ihrer Bauherren, die auch sehr stark wirtschaftlich geprägt sind. Sie verstehen aber auch soziale Belange, wie Gesellschaft funktioniert und welchen Beitrag Architektur und Gebäude zu gesellschaftlichen Entwicklungen leisten. Das wird den Architekten auch abverlangt, denn so betrachten ja zum Beispiel die Kommunen die Projekte. Größere Projekte haben immer einen solchen gesellschaftlichen Impetus in sich.</p>
<p>Und letztendlich sind Architekten auch Ingenieure, also auch Techniker und können Dinge nicht nur sehen und verstehen, sondern auch zu Lösungen beitragen. Wir sind sozusagen als Architekten die Weltmeister des Halbwissens. Das ist der große Vorteil, dass wir alles betrachten können. Der große Nachteil ist, dass am Tisch immer noch einer sitzt, der den einzelnen Aspekt jeweils genauer kennt. Das ist Wohl und Wehe unseres Berufs. Ich glaube, gerade in schwierigen und komplexen Situationen ist die Sichtweise aus verschiedenen Blickwinkeln essentiell wichtig; und neben Fachspezialisten brauchen wir immer Leute, die das Große und Ganze gleichzeitig im Blick halten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die Arbeit in der modernen Dienstleistungsgesellschaft vollzieht sich mehr und mehr in Netzwerken mit unterschiedlichen Beteiligten, an unterschiedlichen Orten. Das Büro kann überall sein nach dem Motto „Office is where you want“. Dies stellt auch neue Anforderungen an das Gebäude selbst. Ist davon auszugehen, dass Bürogebäude auch nach Corona nochmals komplett anders geplant werden?</strong></p>
<p>Ja, das stimmt. Dass ein Büro von seiner Grundkonzeption flexibel sein muss, ist sonnenklar. Es geht jetzt um eine ganz konkrete Frage. Also dafür sind wir dann auch Ingenieure, wir Architekten. Wie halten wir es mit dem Großraum? Wie groß sollen die Büroflächen sein? Möglichst groß, wie manche sagen, was aber natürlich auch negative Effekte hat. Können wir es vertreten, was übrigens sehr wünschenswert wäre, die Gebäude in größeren Bürotiefen zu planen? Das heißt, wie nah muss jemand am Fenster sitzen? Welche Rolle spielt die Fensterlüftung in einem modernen Büro, wenn die Flächen sehr groß sind? Es sind wirklich auch technische Fragen, die man miteinander diskutieren muss. Und die technischen Fragen sind nie einfach nur Technik, sondern sie sind auch immer mit dem Empfinden von Menschen zu verknüpfen. Das muss man immer gemeinsam sehen und das ist eben die große Schwierigkeit.</p>
<p>Da Corona und die neuen Arbeitswelten auf all diese Aspekte Auswirkungen haben, wird es natürlich viele Veränderungen geben. Ich kann nur erneut werben für die Flexibilität, die sich dann als großes Biotop in kleinen Schritten an die jeweils aktuellen Bedürfnisse anpassen kann. Die systematische Kommunikation, die geordnete, die straffe Kommunikation lässt sich tatsächlich über technischen Medien sehr gut abwickeln. Aber wir alle wissen, wir sind Menschen und da gibt es neben dieser geordneten, systematischen Kommunikation noch eine informelle Kommunikation. Im Büro sehe ich, was andere Leute tun und arbeiten, vielleicht höre ich es zum Teil sogar. Dadurch bekomme ich Informationen und Hinweise, die ich sonst nicht bekäme. Das ist genau diese informelle Kommunikation und sie hat einen hohen Stellenwert. Und deswegen wird das Büro möglicherweise zukünftig auch eher so eine Art Treffpunkt werden, wo sich Menschen austauschen, die zusammenarbeiten.</p>
<p>Aktuell besprechen und planen wir die zukünftige Zusammenarbeit in meiner Gruppe. Auch wir werden unsere Homeoffices über die nächsten Monate hinweg fortsetzen. Wir führen eine für jeden zugängliche Liste, worin vermerkt ist, wer im Büro anwesend ist. Neben diesen vielen internetbasierten Teamsitzungen ist die analoge Begegnung sehr wichtig. Das gemeinsame auf den Plan schauen funktioniert natürlich technisch auch, aber es hinterlässt doch irgendwie immer eine kleine Leerstelle.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Einige Ihrer Kollegen plädieren für wesentlich mehr gemischte Nutzungskonzepte, also weg von den Wohnsiedlungen am Stadtrand in Kombination mit Bürotürmen in der Stadt. Geht der Weg in Richtung monofunktionaler Architekturen?</strong></p>
<p>Die Entwicklung zeigt, dass monofunktionale Quartiere zurückgehen, ob das auch für monofunktionale Gebäude gilt, dass entzieht sich meiner Kenntnis. Eine der wesentlichen städtebaulichen Ideen der Moderne, also die Idee der modernen Stadt, war die funktionale Trennung und die Kommunikation dazwischen, also das Hin- und Herbewegen mit Verkehrsmitteln. Diese Idee war ein Fehler. Und diese Idee wird an jeder Ecke versucht zu reparieren, indem man in der Tat zu gemischten Quartieren kommt, was heutzutage auch viel besser möglich ist, weil eben weniger Menschen in der stinkenden Industrie tätig sind, sondern wenn, dann in der sauberen Industrie. Es sind heute sowieso viel weniger Menschen in der Industrie tätig, viel mehr im tertiären Sektor. Dadurch sind natürlich die Voraussetzungen für eine durchmischte Stadt viel besser und das ist auch das, was wir haben wollen.</p>
<p>Vielleicht kann man damit auch die Verkehrsprobleme ein wenig lindern. Leider funktioniert es in der Praxis nicht so sehr gut, wie immer gesagt wird: Wenn man die Quartiere durchmischt, dann wohnen die Leute ja so schön nah bei ihrer Arbeitsstelle. Das wäre zwar theoretisch richtig, dummerweise arbeiten sie dann aber trotzdem in der Nachbarstadt. Das hängt auch mit unseren Familienstrukturen zusammen. Wenn beide Partner arbeiten, was heute der Regelfall ist, dann ist es eben nicht so, dass sie dann zufällig alle in der Nachbarschaft ihren Job finden, sondern sie suchen ihren Job nicht nach der regionalen Nähe aus, sondern nach anderen Kriterien, nach dem Verdienst und wie interessant er ist und so weiter. So lange wir gut von links nach rechts kommen, spielt die regionale Nähe bei der Jobsuche nur eine relativ untergeordnete Rolle.</p>
<p>Trotz alledem bin ich natürlich für die durchmischte Stadt. Ich behaupte, die Europäische Stadt ist das anpassungsfähigste Nutzungsbiotop, das der Städtebau kennt. Das ist genau diese durchmischte Stadt. Wenn man nun einige Kriterien beachtet, zum Beispiel Erdgeschosse mit einer immer hinreichend großen Geschosshöhe und mit möglichst wenig Stützen und vor allem wenig massiven Wänden plant, dann können sich darin ganz unterschiedliche Nutzungen wiederfinden. So ist es doch auch seit Jahrzehnten geschehen. In gründerzeitlichen Häusern sind auch nicht immer noch zwangsweise dieselben Nutzungen, wie sie in ihrer Entstehungszeit waren. Mit anderen Worten, wenn wir Häuser bauen, die einfach bestimmte technische Grundvoraussetzungen haben, dann wird es auch immer leicht sein, sie auch anderen Nutzungen zuzuführen.</p>
<p>Das gilt auch für das Büro. Noch bauen wir in Büros Doppelböden ein, um die Kabel zu verlegen, wo wir sie brauchen. Je weniger Kabel wir benötigen, weil wir sowieso nur noch ein WLAN oder eine Steckdose haben, umso weniger sind diese Böden erforderlich. Dann gibt es technisch kaum noch einen Unterschied zwischen Büro und Wohnen. Das heißt, man kann die Dinge tatsächlich sehr flexibel auslegen. Es gibt natürlich echte Spezialimmobilien wie beispielsweise ein Kino. Ein Kino ist einfach nur ein Kino, daraus können wir nicht vernünftig etwas anderes machen. Einkaufszentren haben sich schon verändert. Innerhalb der Zentren ist die Nutzungskomponente Gastronomie seit Jahren im Anstieg begriffen. Das ist auch logisch im Wettbewerb mit dem Internet, wo sie alles kaufen, aber keinen Kaffee trinken können. Das heißt, die Center müssen eine hohe Aufenthaltsqualität über das reine Warenbeschaffen hinaus erzeugen. Es sind aber keine ganz neuen Entwicklungen, sie werden jetzt nur durch die Krise beschleunigt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Lesen Sie das <a href="https://www.grohe.de/de_de/grohe-professional/project-business/architektur/werkbundstadt_berlin_2016_19/interview-matthias-pfeifer.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">vollständige Interview mit Matthias Pfeifer</a> auf der Seite des <a href="https://www.grohe.de/de_de/architektur/architekturbarometer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Architekturbarometer 30mal10 – Grohe Digital Talks</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Über Matthias Pfeifer</strong></p>
<p>Matthias Pfeifer studierte Architektur an der RWTH Aachen sowie der TH Delft. Seit 1986 arbeitet er bei RKW, seit 1992 als Partner und seit 2000 als Geschäftsführender Gesellschafter. Einer seiner Schwerpunkte war die Einführung der Planungsmethode BIM im Büro. Bei der Architektenkammer NRW engagiert er sich in verschiedenen Gremien für die BIM-Einführung und ist Mitglied der Vertreterversammlung und des Kuratoriums der Stiftung Deutscher Architekten. Bei der IHK Düsseldorf engagiert sich Matthias Pfeifer als Mitglied der Vollversammlung und Vorsitzender des Arbeitskreises Immobilienwirtschaft. (<a href="http://rkw.plus" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.rkw.plus</a>)</p>
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		<item>
		<title>Architekturbarometer 30mal10 – Interview mit Prof. Eckhard Gerber (Gerber Architekten)</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/architekturbarometer-30mal10-interview-mit-prof-eckhard-gerber-gerber-architekten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marina Schiemenz]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Aug 2020 08:00:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[30mal10]]></category>
		<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbarometer]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ait-xia-dialog.de/?post_type=ait-dialog-blog&#038;p=352534</guid>

					<description><![CDATA[Mit über 50 Jahren Expertise verfügt Gerber Architekten über langjährige Erfahrung und Kompetenz bei allen Themen des Bauens – von Büro- und Hochhausbauten über Gebäuden für Wissenschaft und Lehre, Kunst und Kultur sowie Labor- und Forschungsbauten bis hin zu Wohnungs- und Verkehrsbauten. Prof. Eckhard Gerber blickt in unserem Interview auf die Auswirkung der Krise auf die verschiedenen Bautypologien wie Wohnen, Büros und Kulturbauten und betrachtet die Auswirkungen des gesellschaftlichen Wertewandels auf die Architektur.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
<p>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/gerber_01.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Prof. Eckhard Gerber (©David Klammer)" data-rel="lightbox-gallery-44"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/gerber_01.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/gerber_01.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/gerber_01-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/gerber_01-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/gerber_02.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="King Fahad Nationalbibliothek Riad (©HG Esch)" data-rel="lightbox-gallery-44"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/gerber_02.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/gerber_02.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/gerber_02-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/gerber_02-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
</p>
<p><div class="clear"></div></div>
<div class="omsc-one-half omsc-last">
<p><strong>Corona beschleunigt längst vorhandene Trends. Um welche Trends handelt es sich aus Ihrer Sicht?</strong></p>
<p>Ein großer Trend zielt auf das immer größer werdende Bewusstsein in Bezug auf den Umgang mit unserer Welt, die Frage nach neuen Energien und die Frage nach der Wichtigkeit der Flora und Fauna. Der Energieverbrauch ist durch Corona wesentlich reduziert worden, die Natur hat sich erholt und die Luft ist besser. Dieses Bewusstsein für unsere Welt wird sich ganz bestimmt stark dynamisieren und zu Veränderungen führen. Wir müssen zum Beispiel über eine intensive Begrünung unserer Städte nachdenken, dass beispielsweise Blumenwiesen auf den Dächern wachsen, damit unsere Insekten Nahrung haben. Ich glaube, die Grundeinstellung zu der Notwendigkeit dieser Dinge wird sich auch im Politischen ändern und ebenso das Denken unserer Bauherrschaft beeinflussen. Insofern sehe ich die Krise auch als Chance. Aber auch eine energetische Verbesserung der Gebäude und des Kleinklimas der Stadt trägt zum Schutz unseres Planeten bei.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Welche Auswirkung wird die Krise Ihrer Einschätzung nach auf die verschiedenen Bautypologien wie den Wohnungsbau, den Bürobau und auf Kulturbauten haben?</strong></p>
<p>Die Auswirkungen werden bei den einzelnen Bautypologien und Baubereichen unterschiedlich sein. Wenn wir auf den Wohnungsbau schauen, müssen wir davon ausgehen, dass die Arbeit im Homeoffice zunehmen wird. Das bedeutet natürlich, dass sie nicht in einer siebzig oder achtzig Quadratmeter-Wohnung stattfinden kann, sondern dass die Mitarbeiter einen Raum in der Wohnung haben müssen, der ihnen alleine zum Arbeiten zur Verfügung steht. Die Gesamtwohnfläche wird sich dadurch langfristig sicherlich vergrößern und die Grundrissstruktur der Wohnungen ändern. Corona hat auch den Wunsch erhöht, mehr im Freibereich leben zu können. Dieser Wunsch wird zu größeren Freiflächen, also großzügigeren Terrassen, führen, auf denen man mehr oder weniger draußen wohnen kann. Ich denke, dass die auch schon vorher angesprochene Normallichthöhe von zwei Meter fünfzig für einen Wohnraum aufgebrochen wird, sodass wir zu Räumen mit größeren lichten Höhen mit drei Meter bis drei Meter fünfzig oder sogar vier Meter kommen.</p>
<p>In Bezug auf den Bürobau fanden in letzter Zeit Diskussionen um die Bürofläche pro Mitarbeiter statt, also wieviel Fläche man den Mitarbeitern zuordnen möchte. Und in dieser Diskussion spielte die Bedeutung des Home-Offices eine wichtige Rolle, eine Frage, die uns auch schon vor Corona beschäftigt hat, nur erfährt sie jetzt eine Beschleunigung. Ich vermute, dass wir auch im Bürobau mehr Fläche pro Mitarbeiter haben werden, damit wir die notwendigen Abstände gewährleisten können, zum Beispiel für spätere Infektionspandemien. Auch die Frage der besseren Trennung der Mitarbeiter wird gestellt, Flure werden beispielsweise zukünftig wesentlich größer dimensioniert werden müssen. Wir bauen zurzeit ein Projekt mit der Forderung von Seiten der Bauherrenschaft, den Flur mit rechts und links liegenden Lehrräumen nicht breiter als ein Meter fünfzig zu planen. In so einem Flur kann der Mindestabstand &#8211; wenn sich zwei Menschen begegnen &#8211; nicht eingehalten werden. Wir müssen zurück zu den breiteren Fluren der alten Gebäude. Die Gesamtgrundrisse werden sich für mehr Offenheit innerhalb des Büros ändern, auch von der Zuordnung eines Mitarbeiters zu einem bestimmten Arbeitsplatz werden wir uns zunehmend verabschieden. Wie gesagt, alle Trends gab es bereits, sie erfahren jetzt nur eine Beschleunigung.</p>
<p>Bezüglich der Kulturbauten wissen wir derzeit noch am wenigsten, wie sie sich entwickeln werden. Es ist so bedauerlich, dass kulturelle Veranstaltungen zurzeit ausschließlich ohne Publikum im Netz stattfinden oder in den „Einzelzellen“ der Autos im Autokino. Ich hoffe sehr, dass analoge kulturelle Ereignisse bald wieder organisiert werden können. Die Gebäude im kulturellen Bereich werden wir wohl auch zum Teil neu denken, zum Beispielx bedeuten größere Veranstaltungsräume mit weniger Menschen andere akustische Verhältnisse eines Raumes. Oder, größere Abstände erfordern größere Foyers in Theatern oder Konzerthallen, Foyers, die schon immer zu klein dimensioniert waren.</p>
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<p><strong>Viele Bürogebäude, Einkaufszentren, Postzentren werden leer stehen und bieten sich zur Umnutzung an. Ist Corona eine Chance für den Architekten, sein Berufsbild neu zu positionieren? Denn jetzt sind neue Konzepte gefragt und der Architekt ist immer noch der kreative Kopf im Prozess?</strong></p>
<p>Ich habe um den Berufsstand der Architekten und um unsere Arbeit &#8211; auch langfristig betrachtet &#8211; überhaupt keine Sorge, weil die Menschen immer wieder neue Architektur wünschen und erleben möchten. Über Jahrhunderte war es so und es wird auch in Zukunft so bleiben. Natürlich haben sich die an uns gestellten Anforderungen und dadurch unsere Arbeitsweise stetig verändert. Immer, wenn von außen besondere Einflüsse und Veränderungen kommen, verändern sich auch die Anforderungen an uns. Denken Sie an die vielen neuen Materialien, die eine völlig andere Architektur ermöglichen und heute an das wachsende Bewusstsein der Gesamtnachhaltigkeit.</p>
<p>Corona ist auch ein Einfluss von außen, die konkreten Auswirkungen können wir noch nicht einschätzen. Es werden sich aber sicherlich frühere Strukturen und Konstellationen auflösen und damit verändern, zum Beispiel im Wohnungsbau, im Bürobau, im Krankenhausbau oder im Schulbau. Durch Veränderungen müssen Dinge neu gebaut oder umstrukturiert werden, was zu neuen Bauleistungen und neuen Beauftragungen für uns Architekten führt. Insofern werden wir Architekten immer Arbeit haben und neue Konzepte entwickeln. Und ich meine nicht nur sichtbare, bauliche Konzepte, sondern auch die inhaltlichen, also das Entwickeln neuer, innerer, funktionaler Strukturen wie sicherlich im Klinikbereich. Es kam und kommt immer wieder Neues auf uns zu, das ist das Spannende und Interessante an unserem Beruf.</p>
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<p>Lesen Sie das <a href="https://www.grohe.de/de_de/architekturbarometer/interview-eckard-gerber.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">vollständige Interview mit Prof. Eckhard Gerber</a> auf der Seite des <a href="https://www.grohe.de/de_de/architektur/architekturbarometer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Architekturbarometer 30mal10 – Grohe Digital Talks</a>.</p>
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<p><strong>Über Prof. Eckhard Gerber</strong></p>
<p>Der Architekt und Hochschullehrer Eckhard Gerber begann nach seinem Architekturstudium an der Technischen Hochschule Braunschweig 1966 seine selbständige Tätigkeit mit dem Büro „Werkgemeinschaft 66“. 1979 gründete er in Dortmund das Büro Gerber Architekten. Er war als Professor an der Universität Essen und an der Bergischen Universität Wuppertal tätig sowie als Gastprofessor am Harbin Institute of Technology und der Dalian University of Technology School of Architecture and Fine Art in China. Eckhard Gerber ist regelmäßig Juryvorsitzender bei nationalen und internationalen Wettbewerben sowie Sprecher bei nationalen und internationalen Konferenzen. Mit seinem Büro hat er über 80 Architekturpreise gewonnen und mehr als 450 Wettbewerbserfolge zu verzeichnen. (<a href="http://www.gerberarchitekten.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.gerberarchitekten.de</a>)</p>
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		<title>Architekturbarometer 30mal10 – Interview mit Magnus Nickl (Nickl &#038; Partner Architekten)</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/architekturbarometer-30mal10-interview-mit-magnus-nickl-nickl-partner-architekten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marina Schiemenz]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Aug 2020 11:31:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[30mal10]]></category>
		<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbarometer]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
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					<description><![CDATA[Als international tätiges Büro widmen sich Nickl &#038; Partner Architekten der Planung und Durchführung von Bauten des Gesundheitswesens und der Forschung, aber auch dem sozialen Wohnungs- und Städtebau. Ihre Entwürfe sollen den Arbeits- und Lebensraum positiv stärken, wobei im Zentrum stets der Mensch steht. Magnus Nickl, der aktuell zwei Großprojekte in der Schweiz sowie das Büro in Indonesien betreut, blickt in unserem Interview auf die bisherigen Entwicklungen und mögliche Verfehlungen im Gesundheitswesen, gibt aber auch Antwort auf die Fragen wie die Corona-Pandemie den Gesundheitssektor und die Architektur verändern wird.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/magnus-nickl-scaled.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Magnus Nickl (Nickl &amp; Partner Architekten)" data-rel="lightbox-gallery-45"><img decoding="async" width="2560" height="1707" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/magnus-nickl-scaled.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/magnus-nickl-scaled.jpg 2560w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/magnus-nickl-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/magnus-nickl-768x512.jpg 768w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/magnus-nickl-1536x1024.jpg 1536w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/magnus-nickl-2048x1365.jpg 2048w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/magnus-nickl-1320x880.jpg 1320w" sizes="(max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/kaiser-franz-josef-spital_nickl_u_partner.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Kaiser Franz Josef Spital" data-rel="lightbox-gallery-45"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/kaiser-franz-josef-spital_nickl_u_partner.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/kaiser-franz-josef-spital_nickl_u_partner.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/kaiser-franz-josef-spital_nickl_u_partner-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/kaiser-franz-josef-spital_nickl_u_partner-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
</p>
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<div class="omsc-one-half omsc-last">
<p><strong>Corona lenkt den Blick wie ein Scheinwerfer auf die Misere unseres Gesundheitswesens. Kliniken sind der freien Marktwirtschaft und einem enormen Kostendruck ausgesetzt. Das führte zur Ausdünnung der Personaldecke. Das Deutsche Krankenhausinstitut berechnete kürzlich, dass allein in Deutschland 17.000 Pflegekräfte, auch auf Intensivstationen, fehlen. Haben wir zu fahrlässig geplant?</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich glaube nicht, dass wir zu fahrlässig geplant haben, wir haben nicht schnell genug reagiert. Wobei man aber gleich zu Anfang sagen muss: Im Vergleich zu vielen Nachbarländern stehen Deutschland und die Schweiz sehr gut da. Das zeigt, dass das Gesundheitswesen, über das wir gerne schimpfen, eigentlich sehr gut aufgestellt ist.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Es gibt zukünftig die Tendenz zu Hochleistungszentren, universitäre Einrichtungen und hochspezialisierten Kliniken, in Kombination mit einem Netz von Grundversorgern. Diese Grundversorger sind in Zukunft nicht mehr das Hundertfünfzig- bis Dreihundert-Betten-Krankenhaus, weil es wirtschaftlich nicht funktioniert. Die Tendenz zu „Same Day Surgery“ bedeutet kürzere Krankenhausaufenthalte und darauf müssen wir reagieren. Also die Schaffung kleinerer, modularerer, mit Telemedizin ausgestatteter Einheiten, die sich aber sehr schnell erweitern lassen. Optimal wäre es, wenn Spitzenkräfte großer Zentren auch in kleineren Zentren behandeln könnten.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wir propagieren das Einbettzimmer, weil es in Krisensituationen wie der derzeitigen viel besser isoliert und man die Patienten viel besser behandeln kann. Man muss bei der Krankenhausplanung auch bedenken: Indem wir den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit einem gut durchdachten Krankenhausbau mit Tageslicht, klarer Orientierung und kurzen Wegen beste Arbeitsbedingungen schaffen, hoffen wir, dass wir auch mehr Leute für diesen Beruf der Pflegefachkraft begeistern können. Denn sie halten sich den Großteil ihres Tages in diesen Gebäuden auf.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Für einige Gesundheitsökonomen gibt zu viele Krankenhäuser in Deutschland und sie plädieren für die Schließung kleinerer Einheiten. Andere wie die Deutsche Krankenhausgesellschaft hingegen halten es für einen Fehler, im Gesundheitswesen so einzugreifen und meinen, die Überkapazitäten sind gerade die Lebensversicherung für viele Menschen und das gesamte Gesundheitswesen. In einer Leistungskonzentration verberge sich die Gefahr, dass auch diese Großkliniken von der Infektionsproblematik betroffen sein können, was fatal wäre.</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wir plädieren grundsätzlich nicht für Krankenhausschließungen, wir sagen nur, dass die aktuellen Strukturen mit teils Hundertfünfzig- bis Zweihundert-Betten-Häusern im ländlichen Raum nicht mehr ausgelastet sind und auch nicht über die Ärzteschaft verfügen, die für einen speziellen Eingriff notwendig wäre. Die Fehlerrate nimmt bei fehlender Praxis statistisch nachgewiesen zu. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wir plädieren dafür, nicht mehr funktionstüchtige Einheiten aus den sechziger, siebziger oder achtziger Jahren durch bessere, neue, kleinere und mehr auf die Medizin des 21. Jahrhunderts angepasste Einheiten zu ersetzen, die auch gleichzeitig schnell zu erweitern sind. Die Medizin des 21. Jahrhunderts bedeutet auch sehr viel Telemedizin, das heißt, der Arzt muss nicht immer vor Ort sein. Wir müssen abkehren von Individuallösungen, die einfach nicht mehr zeitgemäß sind. Die Corona-Krise beschleunigt mit den aus ihr gewonnenen Erfahrungen künftige Krankenhausstrukturen, denn unsere bestehenden sind auf solche Pandemiesituationen nicht ausgelegt.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das Problem ist natürlich auch: Wie schafft man es, den Normalbetrieb eines Krankenhauses aufrecht zu erhalten und gleichzeitig einen großen Bereich für hoch infektiöse Patienten zu haben? Die Frage, die sich stellt: Sind wirklich alle Notaufnahmen zwischen infektiös und nicht-infektiös getrennt, gibt es separate Bereiche? Die Antwort lautet meistens nein.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die vorherrschende Zimmerstruktur ist die Zweibettzimmerstruktur. Wir haben also kaum getrennte Infrastrukturen in den bestehenden Krankenhäusern. Deshalb benötigen wir andere Krankenhäuser und auch Rahmenprogramme, die modular und an klaren Systemen basiert sind. Wir können nicht für jedes Krankenhausprojekt ein komplett Neues entwickeln. Das ist nicht mehr zeitgemäß, da muss ein Raster dahinter gelegt werden, da müssen wirklich auf möglichst breiter Basis einheitliche Standards geschaffen werden, so dass wir auch beim Bau viel stärker auf die Methodik der Vorfabrikation zurückgreifen können, um neue Einheiten deutlich schneller errichten zu können, nicht mehr erst nach einer zehnjährigen Diskussion.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Uns geht es darum, langfristig gute Strukturen für die Versorgung unserer Mitmenschen zu schaffen.</span></p>
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<p><strong>Glauben Sie, dass die Krise dem Architekten die Chance bietet, sein Berufsbild neu zu positionieren? Denn jetzt ist Kreativität mit neuen Ideen gefragt und der kreative Kopf in den Prozessen ist immer noch der Architekt.</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ja, ich sehe die Krise als große Chance, weil wir als Architektinnen und Architekten wieder zeigen können, dass wir relevant sind, denn diese Relevanz ist uns bei den Investoren oftmals abhandengekommen. Jetzt können wir zeigen, dass wir Lösungen haben. Sowohl für Mikro-Wohnungen, die so, wie sie aktuell von den Investoren gebaut werden, nicht lebenswert sind, wenn wir darin sechs, acht, zehn Wochen eingesperrt werden. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wir können zeigen, dass wir einen öffentlichen Raum schaffen können, in dem wir trotz dieser Krisenzeiten zusammenleben können. Wir können auch zeigen, dass wir kreative, neue Lösungen für Arbeitsplätze schaffen können. Wir können Lösungen für Home-Office-Konstruktionen schaffen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Aber ich glaube auch, dass die Integration der Gesellschaft und das wieder Zusammenkommen sehr wichtig ist, und das muss architektonisch begleitet werden. Und das ist unsere gesellschaftliche Aufgabe als Architekten, hier wieder eine aktivere Rolle zu spielen und uns nicht hinter ökonomischen Bedingungen zu verstecken. Ich würde mich sehr freuen, wenn unsere Interessensvertreter nicht nur jammern, sondern auch Konzepte für die Zukunft bereitstellen.</span></p>
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<p>Lesen Sie das <a href="https://www.grohe.de/de_de/grohe-professional/project-business/architektur/werkbundstadt_berlin_2016_19/interview-nickl-partner.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">vollständige Interview mit Magnus Nickl</a> auf der Seite des <a href="https://www.grohe.de/de_de/architektur/architekturbarometer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Architekturbarometer 30mal10 – Grohe Digital Talks</a>.</p>
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<p><strong>Über Magnus Nickl</strong></p>
<p>2014 schloss er sein Architekturstudium an der ETH Zürich (CH) ab. Während seiner Zeit an der Universität arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Geschichte des Städtebaus. Während eines dreijährigen Forschungsaufenthalts in Singapur führte Magnus Nickl städtische Entwicklungsprojekte in Singapur, Malaysia und Indonesien durch. Derzeit beendet er seine Promotion, die sich mit Urbanisierungsprozessen in Singapur und Indonesien beschäftigt. Für Nickl &amp; Partner Architekten unterstützte Magnus Nickl den Aufbau des Büros in Zürich und beaufsichtigt derzeit die Durchführung zweier Großprojekte in der Schweiz: den Neubau des Forschungs- und Laborgebäudes D-BSSE Basel und den Neubau des Kantonsspitals Baden. Magnus Nickl betreut außerdem das Büro in Jakarta, Indonesien. 2019 trat er als Vorstand bei <strong>Nickl &amp; Partner Architekten</strong> ein. (<a href="http://www.nickl-partner.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.nickl-partner.com</a>)</p>
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		<title>Architekturbarometer 30mal10 – Interview mit Ruprecht Melder (Chapman Taylor)</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/architekturbarometer_30x10_chapman-taylor/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marina Schiemenz]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Jul 2020 13:02:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[30mal10]]></category>
		<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbarometer]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ait-xia-dialog.de/?post_type=ait-dialog-blog&#038;p=351829</guid>

					<description><![CDATA[Seit 25 Jahren ist Ruprecht Melder für das internationale Architekturbüro Chapman Taylor tätig und hat seither nicht nur zahlreiche Entwurfskonzepte für innerstädtische Entwicklungen und Architekturwettbewerbe erarbeitet, sondern auch den Prozess der heutigen Diversifizierung des Büros maßgebend vorangetrieben. Ob der Architekt durch die Krise die Chance hat, sein Berufsbild neu zu positionieren, wie er die Entwicklungen nach der Pandemie einschätzt und wie für ihn das Büro der Zukunft aussieht, darüber spricht Melder in unserem Interview.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_chapman-taylor_01.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Ruprecht Melder (Chapman Taylor)" data-rel="lightbox-gallery-46"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_chapman-taylor_01.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_chapman-taylor_01.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_chapman-taylor_01-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_chapman-taylor_01-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_chapman-taylor_02.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="" data-rel="lightbox-gallery-46"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_chapman-taylor_02.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_chapman-taylor_02.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_chapman-taylor_02-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_chapman-taylor_02-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
</p>
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<div class="omsc-one-half omsc-last">
<p><strong>Viele beobachten einen Wertewandel in der Gesellschaft und behaupten, dass die Pandemie das New-Normal ist. Können Sie das bejahen?</strong></p>
<p>Das würde ich verneinen, die Pandemie wird nicht das New-Normal werden. Vor einigen Wochen waren die Auswirkungen der Pandemie auf unser Leben deutlich zu spüren. Wenn man heute in die Städte geht, sieht man bereits eine Normalisierung, welche wöchentlich durch die Lockerungen zunimmt. Vorherige Krisen haben ebenfalls gezeigt, dass der Mensch relativ schnell wieder in alte Verhaltensmuster verfällt. In drei bis vier Monaten wird es zwar kein Back-to-normal geben, aber die Arbeitswelt wird sich auch weitestgehend wieder beruhigt haben und die angeschobenen Veränderungen werden, wie bereits erwähnt, nun beschleunigt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Welche Anforderungen an den Architekten werden durch die Krise zunehmen? Was wird anders sein?</strong></p>
<p>Wie in anderen Berufssparten wird die nun beschleunigte Digitalisierung innerhalb eines Büros auch beim Architekten zu veränderten Anforderungen führen. Die Art der Kommunikation wird sich ändern, da Videokonferenzen sich positiv durchgesetzt haben und eine Ergänzung zu externen Terminen werden.</p>
<p>Ansonsten werden sich die Anforderungen an den Architekten nicht ändern, da der Architekt für den Bauherrn immer der erste Ansprechpartner ist und demnach die Pflicht hat, den Bauherrn auf die geänderten Anforderungen zu beraten.</p>
<p>Die Immobilien werden schneller auf neue Anforderungen und Bedürfnisse der Mieter reagieren. Aus diesem Grund wird die Flexibilität der Mietflächen von großer Bedeutung sein, aber ebenso werden die Themen der Nachhaltigkeit, der Digitalisierung eines Gebäudes und das modulare Bauen im Planungsprozess eine größere Rolle spielen</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Brauchen wir in den Städten mehr durchmischte Gebiete und durchmischte Immobilien? Noch haben wir vorwiegend monofunktionale Architekturen?</strong></p>
<p>Ja, absolut. Die Innenstadt bleibt immer ein hochattraktiver Ort für eine Mischnutzung, die Stadtquartiersentwicklung wird zukünftig weiterhin eine sehr große Rolle spielen. In den Innenstädten hat sich gezeigt, dass reine monofunktionale Architekturen, wie zum Beispiel Kaufhäuser, zukünftig Schwierigkeiten haben werden. Es wird nach wie vor in der Innenstadt einen hohen Bedarf an Wohnungen und Büros geben, welche sich mit anderen Nutzungen, wie z.B. Nahversorgern und Gesundheitseinrichtungen ergänzen und mit Ihnen neue Quartieren bilden. In diesen Quartieren wird auch die Mobilität eine besondere Berücksichtigung finden, Mobility-Hubs werden ein Bestandteil der Entwicklung, in welchen Car-Sharing, E Bike und E-Auto Ladestationen angeboten werden, welche wiederum einen Beitrag leisten, um den PKW Verkehr bzw. die CO2 Emission in der Stadt zu reduzieren.</p>
<p>Die Coron-Krise hatte zumindest einen positiven Effekt, da sich die Belastungen auf unsere Umwelt reduziert haben. Der Anteil der PKWs in den Innenstädten ist stark gesunken und hat somit zu einer Verbesserung der Luft beigetragen. Es bleibt zu hoffen, dass sich der innerstädtische Verkehr auch in Zukunft reduziert.</p>
<p>In Städten wie zum Beispiel London wurden während der Corona Krise Teile des innerstädtischen öffentlichen Verkehrsnetzes zu Fahrrad und Fußwegen umgenutzt, da die Bevölkerung in der Corona Zeit auf die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln verzichten musste und die Anzahl der Fahrradfahrer und Fußgänger schlagartig stieg. Diese Entwicklung wird sich sicherlich nach der Corona Krise wieder einpendeln, dennoch wird mittelfristig der Anteil der Fahrradfahrer zunehmen. Notwendige Stellplätze für Fahrräder sind zukünftig in einer höheren Anzahl in Quartierentwicklungen zu berücksichtigen, zudem sind in Büros Räume</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Lesen Sie das <a href="https://www.grohe.de/de_de/grohe-professional/project-business/architektur/werkbundstadt_berlin_2016_19/interview-chapman-taylor.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">vollständige Interview mit Ruprecht Melder</a> auf der Seite des <a href="https://www.grohe.de/de_de/architektur/architekturbarometer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Architekturbarometer 30mal10 – Grohe Digital Talks</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Über Ruprecht Melder</strong></p>
<p>geboren 1969, studierte Architektur an der TUMünchen. Seit 1995 arbeitet er für das renommierte Büro Chapman Taylor in London. Die Zeit in England war prägend für die jetzige internationale Zusammenarbeit innerhalb der Chapman Taylor Gruppe. Im Vordergrund seiner Arbeiten standen Entwurfskonzepte für innerstädtische Entwicklungen und Architektenwettbewerbe. Mit der Übernahme des Düsseldorfer Architekturbüros von Walter Brune durch Chapman kehrte Ruprecht Melder nach Deutschland zurück, wo er seit 2013 als verantwortlicher Geschäftsführer tätig ist und den Prozess der heutigen Diversifizierung des Büros gemeinsam mit Herrn Siegfried maßgebend vorangetrieben hat. (<a href="https://www.chapmantaylor.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.chapmantaylor.com</a>)</p>
<p>Fotos: © Chapman Taylor Architektur und Städtebau Planungsgesellschaft mbH</p>
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]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Architekturbarometer 30mal10 – Interview mit Stefan Behnisch (Behnisch Architekten)</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/architekturbarometer_30mal10_behnisch/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[stillner-187-AIT]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Jul 2020 08:00:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[30mal10]]></category>
		<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbarometer]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/architekturbarometer_30mal10_joi-design-2/</guid>

					<description><![CDATA[Stefan Behnisch gründete sein Büro 1989 und hat mittlerweile nicht nur weitere Standorte in Los Angeles, Boston und München, sondern kann vor allem auf zahlreiche wegweisende Projekte im Beriech des nachhaltigen Bauens in Europa und den USA zurückblicken. Er findet, dass der Wohnungsbau längst hätte neu gedacht werden müssen und die Krise eine Chance bietet, Architektur in vielen Bereichen neu zu betrachten. Im Interview spricht er darüber, wie es ihm und seinen Kollegen in den letzten Monaten erging und ob wir zukünftig Bautypologien überdenken oder das Berufsbild des Architekten neu positionieren müssen. Auch die Frage nach flexiblen Wohnungsgrundrissen, der Verdichtung der Stadt und Smartcity werden aufgegriffen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/blog_behnisch-architekten_01.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Stefan Behnisch (Foto: Christoph Soeder)" data-rel="lightbox-gallery-47"><img decoding="async" width="900" height="900" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/blog_behnisch-architekten_01.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/blog_behnisch-architekten_01.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/blog_behnisch-architekten_01-600x600.jpg 600w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/blog_behnisch-architekten_01-768x768.jpg 768w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/blog_behnisch-architekten_01-45x45.jpg 45w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/blog_behnisch-architekten_02.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="" data-rel="lightbox-gallery-47"><img decoding="async" width="900" height="494" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/blog_behnisch-architekten_02.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/blog_behnisch-architekten_02.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/blog_behnisch-architekten_02-800x439.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/08/blog_behnisch-architekten_02-768x422.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
</p>
<p><div class="clear"></div></div>
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<p><strong>Corona zeigt uns, wo Architektur und Stadt gut oder auch schlecht funktioniert. Was vielerorts nicht besonders gut funktioniert ist die Wohnsituation vieler Menschen. Das Konzept der Wohnung, wie wir sie heute kennen, stammt aus dem Funktionalismus und der ist vor hundert Jahren entstanden und entspricht nicht den Bedürfnissen der heutigen Nutzer. Müssen wir den Wohnungsbau nicht längst revolutionieren? </strong></p>
<p>Wir hätten den Wohnungsbau schon längst neu denken müssen, hier haben wir das große Problem, einen Angebots- und keinen Nachfragemarkt zu haben. Das heißt, die Wohnungssuchenden müssen nehmen, was auf den Markt kommt. Die Baubranche ist per se sehr innovationsfeindlich, es wird das umgesetzt, was man schon hundertmal vorher gemacht hat.</p>
<p>Andererseits sind die Menschen auch geprägt durch ihre Erfahrungen. Das heißt, sie denken gar nicht darüber nach, was ideal sein könnte, sondern sie messen immer alles an ihren Erfahrungen und wollen keine großen Veränderungen. Das erklärt sich vielleicht durch unsere marginale architektonische Erziehung und Bildung. Wir haben in der Schule Kunstgeschichte, aber in der Regel kein Fach „Architektur“. Das Bewusstsein, dass Architektur unser Leben prägt und verändert, ist gar nicht vorhanden.</p>
<p>Schulen und Kindergärten sind der erste Lebensraum außerhalb der elterlichen Wohnung, wo Kinder mit Architektur zusammenkommen, wo Architektur ihr Leben direkt beeinflusst. Und wir geben uns so herzlich wenig Mühe bei den Schulen. Wir planen inzwischen wieder nach einem Baukastensystem, mit dem wir ein Gebäude, das Generationen von Menschen nachhaltig beeinflusst, „möglichst billig und schnell gebaut“ konzipieren. Was in einem drei- bis fünfjährigen Prozess entsteht, prägt Generationen von Schülerinnen und Schülern und das nicht zum Besseren.</p>
<p>Eigentlich müssten wir einen analogen Funktionalismus nach Rudolf Steiner praktizieren, der sinngemäß erläuterte, die Funktion einer Schule sei nicht unbedingt die Abwicklung des Unterrichts, sondern die Erziehung des Kindes, sich in unserer Gesellschaft zurechtzufinden und ein guter Teil unserer Gesellschaft zu sein. Das ist auch die Aufgabe eines Schulgebäudes, und nicht, die Kinder möglichst schnell auf den Schulhof zu leiten und die WC-Anlagen an der richtigen Stelle zu platzieren.</p>
<p>Die Krise bietet also auch eine Chance, Architektur in vielen Bereichen neu zu betrachten. Die Mietpreisbremse in Berlin war ja eigentlich eine gute Idee. Aber sie so rigide und tief festzuschreiben, hat natürlich die katastrophale Folge, dass einigen Leuten die Finanzierungen ihrer Häuser platzen werden. Aber vielleicht hat es den Effekt, dass wir tatsächlich einmal wieder intensiver über einen sinnvollen, kostengünstigen, erschwinglichen und nachhaltigen Wohnungsbau nachdenken, der auch auf die neuen Lebenssituationen eingeht: mehr lernen und arbeiten von zuhause. Und der Trend wird zu größeren Wohnungen und kleineren Büros gehen, da bin ich mir absolut sicher.</p>
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<p><strong>Haben Sie sich schon mit flexiblen Wohnungsgrundrissen beschäftigt?</strong></p>
<p>In Ingolstadt-Hollerstauden haben wir für das St. Gundekar-Werk einen sozialen Wohnungsbau realisiert, der sehr gut in die heutige Zeit passt. Wir haben sogenannte Swing-Zimmer eingeplant, die im Bedarfsfall der einen oder anderen Wohnung zugeschlagen werden können und somit die Veränderungen der Familien berücksichtigen. Eine Familie bekommt ein Kind, bei der anderen zieht ein Jugendlicher aus und nun besteht die Möglichkeit, die Zimmer hin und her zu swingen. Ein guter Ansatz, finde ich.</p>
<p>Beim Wohnungsbau in Eichstätt haben wir in Abstimmung mit dem Auftraggeber einen Skelettbau mit Holztrennwänden und Holzfassaden geplant, also einen leichten Ausbau, damit die Grundrisse veränderbar sind und sich den Lebensumständen anpassen können. Das war auch eine sinnvolle Sache.</p>
<p>Wie vorab schon erwähnt, wird Corona letztlich keine neuen Trends setzen, sondern die vorher schon existierenden beschleunigen. Was wir aber zukünftig in die Wohnungen integrieren müssen, sind Arbeits- und Aufenthaltszimmer. Denn wenn zukünftig mehr im Home-Office gearbeitet wird, reicht der Küchentisch nicht mehr aus. Von der Krise sind insbesondere der soziale, erschwingliche und geförderte Wohnungsbau betroffen. Und für diesen Typus sind dringend neue Konzepte zu entwickeln.</p>
<p>Ein Beispiel: Die Normen für sozialen Wohnungsbau sehen Zimmergrößen vor, die nicht einmal für ein über 1,80 Meter großes Bett für ein Kind ausreichen. Das ist nicht mehr zu akzeptieren!</p>
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<p><strong>Alles spricht von Smartcity, eine Idee, die zunächst einmal gut klingt. Aber sie scheint mit großen Datenströmen hochproblematisch zu sein. Die Frage nach Freiheitsrechten brechen auf, die Frage, wem die Daten gehören, die an jeder Ecke gesammelt werden? Wie beurteilen Sie die Situation?</strong></p>
<p>Das ist eine interessante Frage. Welche Daten brauchen wir, um eine intelligente Stadt zu steuern? Und wem gehören die Daten? Da ist interessanterweise gerade in Toronto ein großes Projekt von Google gescheitert. Die Firma beabsichtigte, ein ganzes Stadtquartier als Smartcity-Modellprojekt zu planen. Gescheitert ist es, weil Google eigentlich nur Interesse an den Daten hatte, die Stadt jedoch nicht bereit war, sie ihnen exklusiv zu überlassen. Die an dem Projekt beteiligten guten Stadtplaner sind nach und nach unter anderem wegen der Persönlichkeitsrechte ausgestiegen.</p>
<p>Ich denke, wir sollten anonymisierte Daten „open source“ für jeden verfügbar ins Netz stellen, damit jeder dann daraus machen kann, was er/sie für nutzbringend erachtet. Für Studierende an Universitäten, für Soziologen und Städteplaner, für Infrastruktur- und Verkehrsplaner wären das hochinteressante Informationen. Gesellschaftlich gesammelte Daten müssen „public domain“ sein, sie dürfen nicht privatisiert werden. Dann dienen sie der Gemeinschaft.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Lesen Sie das <a href="https://www.grohe.de/de_de/grohe-professional/project-business/architektur/werkbundstadt_berlin_2016_19/interview-behnisch-architekten.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">vollständige Interview mit Stefan Behnisch</a> auf der Seite des <a href="https://www.grohe.de/de_de/architektur/architekturbarometer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Architekturbarometer 30mal10 – Grohe Digital Talks</a>.</p>
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<p><strong>Über Stefan Behnisch</strong></p>
<p>geboren 1957 in Stuttgart, studierte Philosophie, Volkswirtschaft und Architektur. 1989 gründete er sein eigenes Büro in Stuttgart, das seit 2005 als Behnisch Architekten firmiert. Weitere Büros entstanden in Los Angeles (1999), Boston (2006) und München (2008). Wegweisende Projekte im Bereich des nachhaltigen Bauens wurden in Europa und den USA realisiert. Stefan Behnisch lehrte unter anderem in Portsmouth, Nancy, und Austin TX/USA und war Gastprofessor an der Yale School of Architecture in New Haven, an der University of Pennsylvania in Philadelphia, an der École Polytechnique Fédérale de Lausanne, an der University of New Mexico in Albuquerque, an der TU Delft in den Niederlanden sowie an der TU München. 2004 wurde er in den USA mit dem „Environmental Champion Award“ ausgezeichnet, 2007 mit dem „Global Award for Sustainable Architecture“, 2009 mit einem „Good Design, Category People“ Award und 2013 mit dem „Energy Performance + Architecture Award“. (<a href="https://behnisch.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.behnisch.com</a>)</p>
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		<title>Architekturbarometer 30mal10 – Interview mit Gerhard G. Feldmeyer (HPP Architekten)</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/architekturbarometer_30mal10_hpp-architekten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[stillner-187-AIT]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Jul 2020 08:00:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[30mal10]]></category>
		<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbarometer]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
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					<description><![CDATA[Gerhard G. Feldmeyer von HPP Architekten ist sich sicher: "Die Corona-Krise verleiht dem schon längst begonnenen Strukturwandel eine unvorstellbare Dynamik, die alle gesellschaftlichen Bereiche erfasst [...]. Als Architekten stehen wir mitten im Geschehen, da wir uns mit einer Vielzahl von gesellschaftlichen, kulturellen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Themen Tag für Tag auseinandersetzen. [...] Die vieldiskutierte Flexibilisierung des Arbeitens hat jetzt in weniger als zwei Monaten den Sprung aus der Nische in die Wirklichkeit geschafft. Für uns als Architekten bedeutet das, dass wir uns mit neuen Konzepten für zukunftsfähige Arbeitswelten auseinandersetzen. Wir befinden uns in einer sehr spannenden Zeit und können Zukunft aktiv mitgestalten!"

Welche Chancen und Veränderungen Gerhard G. Feldmeyer genau in der aktuellen Situation sieht und wie sich die Bürowelt verändert, erzählt er im Interview.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
<p>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_hpp-architekten_01.jpg' title="HPP Architekten" data-rl_title="HPP Architekten" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Gerhard G. Feldmeyer (HPP Architekten)" data-rel="lightbox-gallery-48"><img decoding="async" width="900" height="900" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_hpp-architekten_01.jpg" class="attachment-full size-full" alt="HPP Architekten" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_hpp-architekten_01.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_hpp-architekten_01-600x600.jpg 600w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_hpp-architekten_01-768x768.jpg 768w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_hpp-architekten_01-45x45.jpg 45w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_hpp-architekten_02.jpg' title="HPP Architekten" data-rl_title="HPP Architekten" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="L&#039;Oréal Headquarter (Foto: Ralph Richter)" data-rel="lightbox-gallery-48"><img decoding="async" width="900" height="900" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_hpp-architekten_02.jpg" class="attachment-full size-full" alt="HPP Architekten" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_hpp-architekten_02.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_hpp-architekten_02-600x600.jpg 600w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_hpp-architekten_02-768x768.jpg 768w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_hpp-architekten_02-45x45.jpg 45w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
</p>
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<p><strong>Herr Feldmeyer, wie geht es Ihnen in diesen Zeiten? Welche Gedanken bewegen Sie als Privatperson und als Unternehmer?</strong></p>
<p>In beiderlei Hinsicht geht es mir sehr gut. Ich bin eigentlich, und das gilt auch für meine Kollegen, sehr optimistisch. Weil neben den tragischen Seiten dieser Krise auch erkennbar wird, dass sie gleichzeitig enorme Chancen offenbart. In einer fast achtwöchigen Phase haben wir uns mittlerweile entschleunigt und eine andere Perspektive auf viele Dinge eingenommen. Wir ziehen unsere Schlüsse nicht mehr so sehr reflex-basiert. Es wird mir jetzt nach und nach bewusst, dass wir in der Vergangenheit Fragen – ohne neue Gedanken zuzulassen – oftmals aus der Erfahrung und eben aus den Reflexen heraus beantwortet haben. Auch unsere Natur profitiert letzte Woche ein Gespräch mit einem Kollegen in Seoul in Korea, und in Seoul war es ja so, dass über die Jahre zunehmend vorwiegend aus China nach Korea übergetragener Smog das Bild der Stadt prägte. Nun sieht die Stadt Seoul seit Monaten komplett anders aus. Und das gilt auch für viele andere Dinge, diese Pause für unsere Umwelt macht mich sehr, sehr optimistisch und stimmt ist, durch weniger Abgase etwas zu bewirken.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Es werden viele positive Seiten dieser Entwicklung erkannt, aber hat die immer schnelllebigere Zeit nicht auch eine Kehrseite?</strong></p>
<p>Ja, völlig richtig. Alle sind begeistert, dass wir z.B. viel weniger Meetings physisch abhalten müssen, da es mit Videokonferenzen großartig funktioniert. Ganz zu schweigen von der geringeren Reisetätigkeit, die damit einher geht. Ich bin diesbezüglich aber nicht ganz so euphorisch. Sicherlich werden wir zukünftig noch mehr auf die digitalen Werkzeuge setzen und mehr vom Homeoffice aus erledigen. Aber Menschen sind letztlich doch soziale Wesen und nicht irgendwie ein Teil eines digitalen Systems. Fakt ist, dass wir einen Teil unseres Wissens nicht mehr im Kopf speichern, sondern in unseren Smartphones. Wir merken uns viele Dinge nicht mehr, weil wir wissen, dass alles abrufbar ist. Das Smartphone als externe Festplatte unseres Gehirns. Das Thema der sozialen Kontakte dürfen wir aber auch in Zukunft nicht unterbewerten. Deshalb wird das Büro als Ort in keiner Weise überflüssig werden. Möglicherweise wird Desksharing in Verbindung mit Homeoffice anteilig zum Tragen kommen, aber es bleibt ein Ort der Identifikation: In der FAZ wurde es kürzlich von Sven Wingerter als eine Art „Lagerfeuer“ beschrieben, an dem dieser ‚Spirit‘ entsteht, damit ein Unternehmen auch als sozialer Organismus funktioniert. Ich glaube, dass diese Interaktion auch ein wesentlicher Treiber unserer Kreativität ist. Wir versuchen, aktuell Wettbewerbe auch mit Hilfe von Videokonferenzen voranzubringen und arbeiten dabei gleichzeitig auf mehreren Kontinenten zusammen. Ich verspüre aber bei komplexen Aufgaben immer wieder das Problem, dass ich doch gerne zum Stift greifen möchte, um etwas zu skizzieren. Natürlich kann man das auch digital tun, aber die Haptik ist unersetzlich und wird auch in den nächsten 100 Jahren nicht verschwinden.</p>
<p>Vielleicht wird das Büro als Ort der Begegnung dann mehr geschätzt denn je. Ja. Man wird auch noch ganz andere Dinge in die Bürowelt integrieren. Ich glaube, in wenigen Jahren gibt es in vielen Büros einen Fitnessclub. Möglicherweise werden Mitarbeitern vitale Food-Konzepte für die Mittagspause zur Auswahl gestellt. Einerseits als Wertschätzung, andererseits um vielleicht für gesunde Ernährung ein stärkeres Bewusstsein zu entwickeln. Wir haben in unserem neuen Büro in Düsseldorf einen multifunktionalen Raum mit integrierter Küche, wo wir die Themen Ernährung und Gesundheit fördern wollen. Das fällt unter den Begriff Achtsamkeit, ein Begriff, der jetzt in der Krise eine stärkere Beachtung erlangt hat. Den Begriff kannte ja kaum jemand vor einem Jahr. Interessanterweise habe ich anlässlich unserer Weihnachtsfeier 2018 meine Rede an die Mitarbeiter unter den Begriff Achtsamkeit gestellt. Ich fühle mich in besonderer Weise bestätigt, weil ich glaube, das wird auch in den zukünftigen Arbeitswelten eine große Bedeutung erlangen. Menschen sind nicht digital, sondern soziale Wesen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Fast jede Bautypologie wird nach Corona zu überdenken sein und sich ändern. Wie sehen Sie das? Über Büros sprachen wir ja bereits.</strong></p>
<p>Ja, absolut. Aber es wird nicht dazu führen, dass wir keine Hotels oder Büros mehr planen werden. Ich denke, dass die unterschiedlichen Bautypologien alle ein wenig anders funktionieren müssen. Wir arbeiten zum Beispiel gerade an einem ein Wohnungsbau-Projekt, dessen Auftraggeber, ein sehr erfahrener Bauträger, stoppte das Projekt, weil er die Corona-Auswirkungen erst einmal analysieren wollte. Die Frage, die sich ja stellt: Welche Erfahrungen aus Corona können wir in den Wohnungsbau der Zukunft integrieren? Wenn wir einen Rechtsanspruch auf Home Office bekommen, was bei der Politik ja in Bearbeitung ist und wovon ich auch ausgehe, dass es kommen wird, dann wird auch der Arbeitsplatz zuhause zumindest weitgehend den Arbeitsstätten-Richtlinien genügen müssen. Das wird sich gravierend auf die Wohnungsgrundrisse auswirken.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Lesen Sie das <a href="https://www.grohe.de/de_de/grohe-professional/project-business/architektur/werkbundstadt_berlin_2016_19/interview-gerhard-feldmeyer.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">vollständige Interview mit HPP Architekten</a> auf der Seite des <a href="https://www.grohe.de/de_de/architektur/architekturbarometer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Architekturbarometer 30mal10 – Grohe Digital Talks</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Über Gerhard G. Feldmayer (HPP Architekten)</strong></p>
<p>Gerhard G. Feldmeyer, geboren 1956, studierte Architektur an der Universität Stuttgart sowie an der University of the Southbank in London. In den 80er Jahren arbeitete er im Büro Kikutake in Tokio sowie im Büro Gerkan, Marg und Partner in Hamburg. Seit 1989 ist Gerhard G. Feldmeyer bei HPP, wo er zunächst die Büros in Hamburg und Berlin leitete. Seit 2002 ist er in der Gesamtleitung des Büros. Gerhard G. Feldmeyer hatte einen Lehrauftrag an der Nippon University in Tokio, hält regelmäßig Vorträge und veröffentlicht in Büchern sowie Fachzeitschriften. Seine wichtigsten Publikationen sind „The New German Architecture“ und „HPP Hentrich-Petschnigg &amp; Partner 1988 – 1998“, beides Rizzoli Verlag. (<a href="https://www.hpp.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.hpp.com</a>)</p>
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		<title>Architekturbarometer 30mal10 – Interview mit Corinna Kretschmar-Joehnk und Peter Joehnk (JOI-Design)</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/architekturbarometer_30mal10_joi-design/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[stillner-187-AIT]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Jul 2020 08:00:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[30mal10]]></category>
		<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbarometer]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
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					<description><![CDATA[Corinna Kretschmar-Joehnk und Peter Joehnk leiten gemeinsam das Büro JOI-Design in Hamburg, das als eines der führenden europäischen Innenarchitektur- und Designstudios durch eine mehr als 35-jährige Erfahrung im Hospitality Design sowie über 500 realisierte Hotelprojekte weltweit überzeugt.

Wie sie die Auswirkungen der Pandemie und die sich daraus ergebenden Chancen sowie die Veränderungen in der Baukultur im Bereich der Hotellerie erleben - persönlich, aber vor allem auch beruflich - verraten sie im Interview.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_joi-design_01_sw.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Corinna Kretschmar-Joehnk und Peter Joehnk" data-rel="lightbox-gallery-49"><img decoding="async" width="900" height="900" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_joi-design_01_sw.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_joi-design_01_sw.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_joi-design_01_sw-600x600.jpg 600w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_joi-design_01_sw-768x768.jpg 768w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_joi-design_01_sw-45x45.jpg 45w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_joi-design_02.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Der Öschberghof (Foto: Christian Kretschmar)" data-rel="lightbox-gallery-49"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_joi-design_02.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_joi-design_02.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_joi-design_02-800x533.jpg 800w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_joi-design_02-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_joi-design_03.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="Der Öschberghof (Foto: Christian Kretschmar)" data-rel="lightbox-gallery-49"><img decoding="async" width="900" height="900" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_joi-design_03.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_joi-design_03.jpg 900w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_joi-design_03-600x600.jpg 600w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_joi-design_03-768x768.jpg 768w, https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/architekturbarometer_joi-design_03-45x45.jpg 45w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></a>
</p>
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<p><strong>Wie trifft die Pandemie die Hotelbranche ganz im Allgemeinen?</strong></p>
<p>Wir sind davon überzeugt, dass die Gäste zeitnah in die Hotels zurückkehren werden. Wir vermuten, dass Geschäftsreisen und somit Geschäftsübernachtungen sinken werden, dafür aber Erlebnisreisen relativ stabil bleiben. Hotels als Trendspot der Stadt, als beliebte Treffpunkte und Hub mit ihrer Gastronomie werden weiter sehr begehrt sein. Ebenso die Destinationen zum Reisen. Grundsätzlich ist aber damit zu rechnen, dass wir die Wachstumsraten der vergangenen 10 &#8211; 15 Jahre nicht mehr so schnell erreichen werden. Ein anderer Aspekt ist der Blick auf die Banken: Für sie ist es ja kein Geschäft mehr, ein Hotel zu finanzieren, in das zu wenige Gäste kommen. Bis das Vertrauen wieder geschaffen ist, dass es sich lohnt, für einen Investor in ein Hotel zu investieren, wird es lange dauern. Denn den Anstoß, neue Hotels zu bauen, müssen die Hotels erst einmal wieder liefern, indem sie gute Zahlen präsentieren. Und das dauert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die Pandemie hat bei vielen Bautypologien deren Schwächen zum Vorschein gebracht. Welche Verbesserungspotenziale kamen in der Hotellerie zutage?</strong></p>
<p>Hygiene wird sicherlich ein Faktor werden, den wir zukünftig stärker in den Fokus setzen müssen, speziell in unserem Gewerbe Gastronomie und Hotellerie. Langfristig wird es hier ein Umdenken geben. Berührungslose Türen, Türöffnungsmechanismen, berührungslose Lichtschalter und berührungslose Armaturen etc. werden sicherlich zum Trend werden. Wir glauben nicht, dass wir zukünftig in der Gastronomie und Hotellerie überall Plexiglasscheiben rumstehen haben. Dennoch wird man versuchen, überall mehr Individualität und Schutz einzubauen, wobei wir noch keine richtige Vorstellung von der Umsetzung haben. Die Konferenzräume in den Hotels, deren Nachfrage durch die Videokonferenzen abnehmen wird, müssen zukünftig sicherlich mehr multifunktional genutzt werden, beispielsweise für Meditation, Yoga oder andere Dinge. Oder sie sollten mit einer besonders professionellen Technik ausgestattet werden, die nicht alle im Büro haben, um so für nationale und internationale Konferenzen angemietet zu werden. Über große Screens, guten Sound und eventuell schallgeschützte Nischen können diese Konferenzräume effizient genutzt werden, und über eine Bedienung im Service und ein leckeres Catering wird der Aufenthalt zu einem besonderen Erlebnis in einem schönen Ambiente. Das ist ja genau das, wofür wir zuständig sind.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Was sind neben der multifunktionalen Einrichtung und Flexibilität weitere Wettbewerbsvorteile für das Hotel der Zukunft? </strong></p>
<p>Aus der Krise heraus betrachtet sicherlich das Thema Sicherheit im Allgemeinen. Das ist nicht nur Sicherheit vor Ansteckung, das ist grundsätzlich Geborgenheit. Und die hat natürlich auch einen gestalterischen Ausdruck. Also sich geborgen zu fühlen, wird ein großes Thema in der Hotellerie werden, was es ja schon immer war. Nur müssen wir in Zeiten von Distancing eine andere Geborgenheit schaffen, indem wir in größeren Räumen, wie der Lobby beispielsweise, Nischen schaffen, Raumteiler und Regale aufstellen, einfach etwas Halbhohes platzieren, das die Räume aufgeteilter wirken lässt. Das Zauberwort Community, einst der Modebegriff in der Hotellerie, muss neu gedacht werden. Community ist halt nicht mehr ‚nah zusammen‘, sie verschiebt sich gerade in Richtung der virtuellen Welt, so wie wir es jetzt auch schon von zu Hause erlebt haben, am Screen zusammen ein Bier trinken. Das ist mit Sicherheit keine schöne Vorstellung von Zukunft. Aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir viel mehr in Kontakt mit allen möglichen Freunden oder Familienmitgliedern sind. Jeder, der möchte, kann sich dazuschalten. Das könnte der Vorteil eines Hotels sein, dass es den Gästen professionelle Technik und Screens für solche virtuellen Zusammenkünfte zur Verfügung stellt. Mit Abstand den anderen doch ganz nah sein!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Lesen Sie das <a href="https://www.grohe.de/de_de/grohe-professional/project-business/architektur/werkbundstadt_berlin_2016_19/interview-joi-design.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">vollständige Interview mit JOI-Design</a> auf der Seite des <a href="https://www.grohe.de/de_de/architektur/architekturbarometer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Architekturbarometer 30mal10 – Grohe Digital Talks</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Über JOI-Design</strong></p>
<p>JOI-Design ist ein führendes europäisches Innenarchitektur- und Designstudio mit mehr als 35 Jahren Erfahrung im Hospitality Design und über 500 Hotelprojekten im In- und Ausland. Der Fokus liegt auf der Entwicklung von exklusiven und Design-orientierten Konzepten für die internationale Hotellerie, Serviced Apartments, designaffine Offices mit New Work-Charakter und Konzeptdesign für die Cruise Ship Industrie. Die kreativen und multidisziplinären Teams des Designstudios in Deutschland und Indien gestalten mit erfahrenen Innenarchitekten, Architekten, Ingenieuren, Grafikern und Produktdesignern einzigartige und für die heutige Gesellschaft relevante Lebensräume für die unterschiedlichen Zielgruppen als Antwort auf sich ständig ändernde Bedürfnisse unseres Alltags. (<a href="https://joi-design.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.joi-design.com</a>)</p>
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		<title>Architekturbarometer 30mal10 &#8211; GROHE Digital Talks</title>
		<link>https://ait-xia-dialog.de/ait-dialog-blog/architekturbarometer_30mal10/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[stillner-187-AIT]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Jul 2020 12:45:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[30mal10]]></category>
		<category><![CDATA[Grohe]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbarometer]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
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					<description><![CDATA[Die in 2020 ausgebrochene Pandemie wirkt wie ein Beschleuniger längst angelaufener Trends. Welche Konsequenzen hat sie für die Bau- und Immobilienbranche und im Speziellen für die Architektenschaft?

Im Architektur-Barometer 30mal10 – GROHE Digital Talks nehmen 30 Persönlichkeiten aus Architektur und Immobilienwirtschaft Stellung zu jeweils 10 Fragen. Im Zentrum der Interviews steht die Einschätzung der Auswirkungen der Pandemie auf unsere Baukultur, unsere Städte und konkret auf Bautypologien wie Wohnungs- und Bürobau, Hotellerie, Krankenhäuser und Pflegeheime, öffentliche Gebäude und Bildungsbauten.

Lesen Sie in hier von Woche zu Woche, wie renommierte Architekten die Gegenwart und Zukunft unserer Baubranche einschätzen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="omsc-one-half">
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<a href='https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/Banner_900x600_SG.jpg' title="" data-rl_title="" class="rl-gallery-link" data-rl_caption="" data-rel="lightbox-gallery-50"><img decoding="async" width="500" height="350" src="https://ait-xia-dialog.de/wp-content/uploads/2020/07/Banner_900x600_SG-500x350.jpg" class="attachment-thumbnail size-thumbnail" alt="" /></a>
</p>
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<h3>Architekturbarometer 30mal10 – GROHE Digital Talks</h3>
<p>Die in 2020 ausgebrochene Pandemie wirkt wie ein Beschleuniger längst angelaufener Trends. Welche Konsequenzen hat sie für die Bau- und Immobilienbranche und im Speziellen für die Architektenschaft?</p>
<p>Im <em>Architektur-Barometer 30mal10 – GROHE Digital Talks</em> nehmen 30 Persönlichkeiten aus Architektur und Immobilienwirtschaft Stellung zu jeweils 10 Fragen. Im Zentrum der Interviews steht die Einschätzung der Auswirkungen der Pandemie auf unsere Baukultur, unsere Städte und konkret auf Bautypologien wie Wohnungs- und Bürobau, Hotellerie, Krankenhäuser und Pflegeheime, öffentliche Gebäude und Bildungsbauten.</p>
<p>Lesen Sie in hier von Woche zu Woche, wie renommierte Architekten die Gegenwart und Zukunft unserer Baubranche einschätzen.</p>
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<p><strong>Interviews</strong></p>
<p><em>Wohnungsbau</em></p>
<p><a href="https://ait-xia-dialog.de/?p=350331" rel="noopener noreferrer">Stefan Behnisch (Behnisch Architekten)</a></p>
<p><a href="https://ait-xia-dialog.de/?p=352534" rel="noopener noreferrer">Prof. Eckhard Gerber (Gerber Architekten)</a></p>
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<p><em>Bürogebäude</em></p>
<p><a href="https://ait-xia-dialog.de/?p=350734" rel="noopener noreferrer">Gerhard G. Feldmeyer (HPP Architekten)</a></p>
<p><a href="https://ait-xia-dialog.de/?p=351829">Ruprecht Melder (Chapman Taylor)</a></p>
<p><a href="https://ait-xia-dialog.de/?p=352536" rel="noopener noreferrer">Matthias Pfeifer (RKW Architektur+)</a></p>
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<p><em>Hotellerie</em></p>
<p><a href="https://ait-xia-dialog.de/?p=350005" rel="noopener noreferrer">Corinna Kretschmar-Joehnk und Peter Joehnk (JOI-Design)</a></p>
<p><a href="https://ait-xia-dialog.de/?p=352611">Michaela Hauer (ATP architekten ingenieure)</a></p>
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<p><em>Gesundheitswesen</em></p>
<p><a href="https://ait-xia-dialog.de/?p=352023" rel="noopener noreferrer">Magnus Nickl (Nickl &amp; Partner Architekten)</a></p>
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