Ausgabe 07/08 | 2016


WOHNEN

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

das Thema Wohnen geht uns alle an und ist so vielschichtig wie kaum eine andere Bauaufgabe. Nicht von ungefähr waren Immobilienkrise und Flüchtlingsströme ein Kernthema, mit dem sich viele Architekten im Rahmen der von Alejandro Aravena kuratierten 15. Architekturbiennale in Venedig auseinandersetzten. „Reporting from the front“ hatte er seine Kollegen aufgefordert und 88 internationale Architekten mahnten, prangerten an oder gaben Anstöße – Wohnsituationen im jeweiligen Land standen fast immer im Fokus. Bis zum 27. November haben Sie noch Zeit, wir waren schon vor Ort – unter anderem im Nordischen Pavillon auf dem Therapie-Sofa! Die Wohn-Projekte, die wir für diese Ausgabe ausgewählt haben, sind sicherlich weniger geeignet, soziale Probleme zu lösen, vielmehr möchten wir Ihnen mit den asketischen Loft- und Minimalräumen in Berlin, den individuellen Behausungen in Jois, Turin und Melbourne sowie den exklusiven Wohnhäusern in Stuttgart und Kattowitz Anregungen und Ideen für sehr persönliche und zukunftsorientierte Wohnentwürfe liefern. Einen Blick zurück – bis in die 1930er-, wie die 1970er-Jahre – werfen wir hingegen mit unseren Beiträgen über Wohnbauten von Robert Mallet-Stevens und Horace Gifford. Und hätten Sie gedacht, dass ein 1857 erschienener Roman – „Der Nachsommer“ von Adalbert Stifter – verschiedenste Architekten in den vergangenen 150 Jahren nicht nur beschäftigt, sondern auch beeinflusst hat? Im Zentrum der Erzählung steht das sogenannte Rosenhaus und die minutiöse Beschreibung seiner einzelnen Wohnräume. Unser Kollege Uwe Bresan hat Stifters Roman als eine der wirkmächtigsten Architekturerzählungen der Moderne wiederentdeckt und im Rahmen seiner Dissertation ein Buch darüber geschrieben: „Stifters Rosenhaus“ ist jetzt in unserem Verlagshaus erschienen. Herzlichen Glückwunsch, Dr. Bresan! Als architektonische Reiselektüre kann ich das Werk wärmstens empfehlen, vielleicht auf dem Weg nach Wolfsburg – eine sehr spannende Stadt, behauptet Kollegin Christine Schröder. Lesen Sie selbst!

Mit besten Grüßen
Petra Stephan, Dipl.-Ing.
Chefredakteurin
Architektin

Stippvisite bei Christo am Iseo-See: Uwe Bresan und Petra Stephan


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